Alles über Pink Floyds Mega-Album The Wall
Pink Floyds Doppelalbum ‚The Wall‘ aus dem Jahr 1979 fasziniert und polarisiert bis heute. Ein Nummer 1-Album in Deutschland und den USA. Und immerhin noch Nummer 3 in Großbritannien, wo die Band in der Nachpunk-Ära keine große Fangemeinde mehr hatte. Die Single „Another Brick in the Wall, Pt. 2“ wurde ein Riesenhit und setzte sich in 14 Ländern an die Spitze der Single-Charts – inklusive USA, Großbritannien und Deutschland.
Worum geht es? Die Entstehung von Pink Floyds Konzeptalbum „The Wall“ und die Konflikte hinter dem Rock-Meilenstein.
- Konzeptalbum: „The Wall“ entstand aus Roger Waters’ persönlicher Vision von Isolation, Trauma und Entfremdung.
- Bandkonflikte: Die Produktion verschärfte die Spannungen zwischen Roger Waters, David Gilmour und Rick Wright massiv.
- Studiosound: Bob Ezrin formte aus Waters’ Idee ein vielschichtiges Pink-Floyd-Album mit Hörspielcharakter.
- Live-Show: Die aufwendige Bühnenshow mit Mauer, Animationen und Figuren setzte neue Maßstäbe.
- Erbe: Künstlerisch bleibt „The Wall“ ein Meilenstein, menschlich und politisch ist das Werk schwer belastet.
Inhaltsverzeichnis
- Hymne gegen Apartheid
- Pink Floyd – The Wall: Genial oder furchtbar?
- The Wall als Therapie für Roger Waters
- Geldprobleme: Pink Floyd einigen sich auf ‚The Wall‘
- Pink Floyd – The Wall: Eine deprimierende Geschichte
- Roger Waters engagiert Bob Ezrin als Producer
- Bob Ezrin: Bitte keine Geschichte über alternde Rockstars
- Pink Floyd – The Wall: Die Handlung
- Der ewige Kreislauf: „Isn’t this where we came in?“
- Roger Waters: Teile und herrsche
- David Gilmour und Roger Waters: Kampf zweier Alphamännchen
- Bob Ezrin: ‚The Wall‘ soll ein Pink Floyd-Album werden
- Pink Floyd verlagern die Produktion nach Südfrankreich
- Der Gitarrensound von „Comfortably Numb“
- David Gilmours Equipment
- Gitarrenverstärker und Effekte bei ‚The Wall‘
- Pink Floyd goes Disco
- Der Chor von „Another Brick in the Wall“
- Die Schule stand im Regen, aber Waters hatte seine Aufnahme
- Pink Floyd – The Wall: Der Einsatz von Orchester
- Jeff Porcaro hilft bei ‚The Wall‘ aus
- Das Martyrium des Rick Wright
- Rick Wright wirft das Handtuch und wird Gastmusiker bei Pink Floyd
- Die Keyboards auf ‚The Wall‘
- Die Bässe auf ‚The Wall‘ oder: Fast jeder ist ersetzbar
- Pink Floyd – The Wall: Das Hörspiel
- Berstende Fernseher und quietschende Reifen
- Pink Floyd – The Wall: Das Cover
- Album-Release und Live Show
- The Wall: Alan Parkers Film
- Pink Floyd – The Wall: Die Bilanz
- Das bittere Erbe des Roger Waters
Hymne gegen Apartheid
Die damalige britische Premierministerin Maggie Thatcher soll den Song gehasst haben, der hart mit dem britischen Schulsystem abrechnet. Die BBC boykottierte den Titel und in Südafrika wurden sowohl die Single als auch das Album ‚The Wall‘ 1980 verboten. Die ikonischen Zeilen „We don′t need no education, we don’t need no thought control“ wurden zur Hymne von schwarzen Jugendlichen, die gegen Apartheid und die rassistischen Ungleichheiten im südafrikanischen Bildungswesen protestierten.
Hier das offizielle Musikvideo mit den Animationen des britischen Karikaturisten Gerald Scarfe, die Alan Parker für seinen ‚The Wall‘-Film übernahm.
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Pink Floyd – The Wall: Genial oder furchtbar?
Die zeitgenössischen Kritiken waren zumeist ziemlich negativ: Das Album sei maßlos, kitschig, voller Selbstmitleid. Das Time Magazine sah in Waters Texten „eine Art Libretto für den Narzissmus im Ich-Jahrzehnt“. Diese Stürme haben sich längst gelegt. Die Wertschätzung für ‚The Wall‘ ist mit den Jahren gestiegen. 2008 wurde ‚The Wall‘ in The Grammy Hall of Fame aufgenommen. Wie immer man zu Pink Floyds Rockoper stehen mag, sie ist eines ganz gewiss nicht: nämlich langweilig. Der Kritiker des Melody Maker bekannte: „Ich bin mir nicht sicher, ob es genial oder furchtbar ist, aber ich finde es absolut fesselnd.“
The Wall als Therapie für Roger Waters
Ob man wirklich von einem Pink Floyd-Album sprechen darf, ist dabei eine andere Frage. Tatsächlich war es der Bassist und Sänger Roger Waters, der sich austobte. ‚The Wall‘ war laut ‚Rolling Stone Album Guide‘ „der Moment, an dem Roger Waters praktisch die Kontrolle über die Band übernimmt.“ Ein Auslöser für das Album war ein Vorfall während der Animals-Promotiontour 1977 in Montreal. Ein Fan machte während des Konzerts besonders lautstark auf sich aufmerksam, woraufhin Roger Waters ihn anspuckte.
Wohl selbst erschrocken, lauschte Waters in sich und seine inneren Abgründe hinein: „Das Schreiben von ‚The Wall‘ war für mich ein sehr wichtiger und therapeutischer Prozess. Es half mir, meine Gefühle zu verstehen. Nicht nur das Trauma, meinen Vater verloren zu haben, sondern auch die Tatsache zu begreifen, dass ich mich von anderen Menschen entfremdet fühlte. Musik kann auf allen Ebenen enorm therapeutisch wirken.“ (pinkfloydz.com)
Waters Selbsttherapie ging allerdings zulasten der Band: Den Keyboarder Rick Wright ekelte Waters hinaus. Und auch die Gegensätze zwischen Waters und dem Gitarristen David Gilmour vertieften sich.

Das Plakat mit den deutschen Tourneedaten der Animals-Tour von 1977. Am 6. Juli beim Konzert in Montreal lagen dann bei Roger Waters die Nerven schon blank und er spuckte einen Fan an. (Foto: Costello)
Geldprobleme: Pink Floyd einigen sich auf ‚The Wall‘
Im Anschluss an die ‚Animals/Wish you were here‘-Tour hatten der Gitarrist David Gilmour und der Keyboarder Rick Wright Soloalben produziert. Roger Waters nutzte das Sabbatical ebenfalls und präsentierte im Sommer 1978 seinen Bandkollegen gleich zwei Projekte. Sie sollten sich eines davon aussuchen. Die Wahl fiel auf ‚The Wall‘, zu dem Waters auch bereits ein gut 40-minütiges Demoband vorlegen konnte. Die anderen Songs verwendete Waters später für sein Soloalbum ‚The Pros and Cons of Hitchhiking‘.
Nach allem, was man hört, waren Gilmour, Wright und Mason nicht gerade euphorisch. Das Material vermochte sie weder inhaltlich noch kompositorisch voll zu überzeugen. Jeder Song war nach Wright „im gleichen Tempo und der gleichen Tonart, in allem gleich“. (Wright: Guitar.world.com) Und er seufzte auch: „Wieder die alten Kriegsgeschichten“. Allerdings standen Gilmour und Wright songmäßig blank da. Außerdem plagten die Band Geldsorgen: Zu einer millionenschweren Steuerforderung kam noch die Pleite von mehreren Spekulationsgeschäften, die ihnen ihr windiger Finanzberater Norton Warburg aufgeschwatzt hatte.
Pink Floyd – The Wall: Eine deprimierende Geschichte
Dass Waters Kollegen zunächst wenig enthusiastisch reagierten, ist verständlich: Die Grundstimmung von The Wall ist durch und durch pessimistisch und negativ. Der Protagonist verbarrikadiert sich Stück für Stück hinter einer psychologischen Mauer, die bei den späteren Live-Aufführungen ganz konkret aus Pappsteinen bis zu einer Höhe von 12 Metern aufgeschichtet wurde.
Ein Symbol für die Isolation des Menschen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Überall Mauern: politische (wie etwa im geteilten Berlin), soziale und gesellschaftliche Barrieren, schließlich persönliche und psychologische Hürden.
Dieses Konzept auf die Welt der Rockmusik zu übertragen, war schon eine ziemlich geniale Idee von Roger Waters. Es gibt deutliche autobiographische Anklänge, aber es finden sich auch Bezüge zum früheren Pink Floyd-Mitglied Syd Barrett, der mit dem Rockstar-Dasein überhaupt nicht klargekommen war. Ein Vorbild war natürlich auch die Rockoper ‚Tommy‘ von The Who. Die böse Musikindustrie, die ihre Künstler durch den Wolf dreht, hatten Pink Floyd schon auf dem Album Wish you were here angeprangert: in den Songs „The Machine“ und „Have a cigar“.

Bereits auf ‚Wish you were here‘ (1975) thematisierten Pink Floyd das ambivalente Verhältnis zwischen Band und Musikindustrie. Bei den Aufnahmen zum Cover verbrannte sich der Stuntman den Schnurrbart.
Roger Waters engagiert Bob Ezrin als Producer
Pink Floyd begannen mit den ersten Aufnahmen für ‚The Wall‘ in ihrem eigenen Londoner Studio Britannia Row. Hier entstanden vor allem die Guide Tracks. Nick Masons Schlagzeug wurde in einem offenen Raum im obersten Stockwerk des Studios aufgenommen. Die 16-Spur-Aufnahmen dieser Sessions wurden abgemischt, auf ein 24-Spur-Masterband kopiert und dienten der restlichen Band als Backing Track.
Roger Waters war schnell klar geworden, dass das Mammutprojekt einen erfahrenen Producer erforderte. Er lud den kanadischen Produzenten Bob Ezrin ein, der vor allem für seine Arbeit als Produzent und Keyboarder von Alice Cooper bekannt ist. Ezrin hatte aber auch mit Aerosmith, KISS und Lou Reed zusammengearbeitet. Und Peter Gabriels erstes Soloalbum produziert – mit der Hitsingle „Solsbury Hill“.
Bob Ezrin: Bitte keine Geschichte über alternde Rockstars
Ezrin ging mit Waters das Demo durch, das er ziemlich roh aber auch interessant fand. „Wir haben den Plot verfeinert und die Story etwas gegenüber Rogers Material abgeändert, die Löcher aufgefüllt und ähnlich einem Filmskript das Album um die Story herum gebaut.“ (Guitar World, S.33)
Eine entscheidende Abänderung, die auf Ezrin zurückgeht, ist die Einführung eines Protagonisten, der – ganz clevere Idee – „Pink Floyd“ heißt. Waters wollte die Geschichte ursprünglich in der Ich-Form erzählen. Die Figur wurde auch verjüngt und insgesamt etwas massenkompatibler angelegt. „Niemand möchte etwas von einem alternden Rockstar wissen“, war sich Bob Ezrin sicher. Am Ende schälte sich folgende Geschichte heraus:

Roger Waters verarbeitete in ‚The Wall‘ u. a. den Tod seines Vaters im 2. Weltkrieg. In der Liveshow wurde dieses Jagdflugzeug mit den Hoheitszeichen des NS-Staates gezeigt. (Foto: Costello)
Pink Floyd – The Wall: Die Handlung
Den Rockstar Pink bedrücken Kindheitserinnerungen an den Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg („Another brick in the Wall, Pt. 1“). Der Song über seine Schulzeit ist ironisch mit „The Happiest Days of our Lives“ betitelt. Denn die Schule ist hier eine einzige Hölle, in der die Lehrer gnadenlos die Schwächen der Kinder bloßstellen „…exposing every weakness/However carefully hidden by the kids“.
Seine Mutter lädt ihre Ängste bei ihm ab und erstickt ihn mit Überfürsorglichkeit: „Mama′s gonna keep you right here under her wing/ She won’t let you fly but she might let you sing“. Als Rockstar gibt sich Pink in dem Song „Young Lust“ dem Hedonismus von Sex und Drogen hin: „Ooh, I need a dirty woman, ooh, I need a dirty girl“. In „Hey You“ wird die Selbstisolation schon überdeutlich („Hey, you, with your ear against the wall/ Waiting for someone to call out“), die sich in „Is there anybody out there“ noch einmal verschärft.
In „Comfortably Numb“ muss Pinks fiktive Plattenfirma für ihren seelisch labilen Künstler bereits den Arzt holen. Ein paar Mittelchen und Spritzen und dann heißt es: „That’ll keep you going through the show/ Come on, it’s time to go“.
Unter Drogen gesetzt, verwandelt sich Pink bei „In the Flesh“ in einen homophoben, rassistischen Faschisten, der das Konzert für eine Hassrede nutzt: „Are there any queers in the theatre tonight?/ Get ‚em up against the wall“.

Die gekreuzten Hämmer symbolisieren in ‚The Wall‘ die faschistoiden Züge des Rockstars Pink (Foto: Costello)
Der ewige Kreislauf: „Isn’t this where we came in?“
Schließlich kommt es in „The Trial“ zur Läuterung. In einer imaginären Gerichtsverhandlung klagt sich Pink selbst an. Ein Wurmrichter verurteilt ihn zur Höchststrafe: Pink muss sich wieder der Realität stellen, die um ihn errichtete Mauer stürzt ein. Am Ende des letzten Songs „Outside the Wall“ ist leise das Satzfragment „Isn’t this where…“ zu hören. Komplettiert wird der Satz im allerersten Song von ‚The Wall‘ „In the flesh?“ durch den Halbsatz „…we came in.“ Zusammen ergeben die beiden Zeilen den Satz „Isn’t this where we came in?“ Die ruhige Konzertina-Begleitung am Beginn und Ende des Albums schließt den Bogen auch musikalisch. Was die betrübliche Konsequenz nahelegt, dass nach dem Einsturz der Mauer alles von vorne beginnt.
Roger Waters: Teile und herrsche
Roger Waters hatte sehr feste Vorstellungen davon, wie die Verantwortlichkeiten im Studio geregelt werden sollten. Bob Ezrin wurde instruiert, nur mit ihm zu verhandeln und die übrigen Bandmitglieder geflissentlich zu ignorieren. „Es hörte sich so an, als wären sie nur Ballast und Dave extrem schwierig, dabei war es genau umgekehrt. Der einzige, der hier schwierig war, war Roger!“ (Toby Manning, Pink Floyd, 2008, S.110)
Irgendwann rückte dann Roger damit heraus, dass Gilmour sehr wohl Co-Produzent war. Was zu Lasten von Ezrins Gage ging. Und dann wurde ihm noch der Judas Priest-Produzent James Guthrie als weiterer Producer vorgestellt. „Ich sah mich selbst als angesagten jungen Produzenten“, schildert Guthrie das Durcheinander. „Im Grunde genommen wusste ich nichts von Bob, und Bob wusste nichts von mir. Als wir ankamen, hatten wir wohl beide das Gefühl, für denselben Job engagiert worden zu sein.“ (Guthrie: Guitar.world.com)
Ezrin reagierte ziemlich sauer und wollte durchsetzen, dass Guthrie allenfalls als Techniker beschäftigt wurde. Waters hatte durch seine gezielte Desinformationspolitik eine verfahrene Situation geschaffen, in der am Ende Pink Floyds Manager Steve O’Rourke schlichten musste.

Der Prophet 5 ist einer der prägenden Synthesizer auf ‚The Wall‘. Dieses Instrument hat Rick Wright während der Livekonzerte gespielt. Aufgeklebt sind seine persönlichen Notizen für die Show. (Foto: Costello)
David Gilmour und Roger Waters: Kampf zweier Alphamännchen
Die prickelnde Stimmung im Studio kann man sich lebhaft ausmalen. Zwei konkurrierende externe Producer und obendrein noch die ständigen Reibereien zwischen Roger und David: „Es war diese typisch britische ‚höfliche‘ Feindschaft zwischen ihnen“, erinnert sich Bob Ezrin. „Auf vielen Ebenen waren sie sich ja nahe und es gab einen nicht eingestandenen gegenseitigen Respekt trotz aller Streitereien. Aber die Spannung war immer da, ein Krieg zwischen zwei dominanten Persönlichkeiten.“ (Guitar World, S. 33)
Oft nahmen Waters und Gilmour komplett gegensätzliche Standpunkte ein, wenn es galt, eine Songidee auszuarbeiten. Ezrin verglich seine eigene Aufgabe mit der des früheren US-Außenministers unter Nixon und Ford. „Mein Job war es als eine Art Henry Kissinger zwischen beiden hin- und herzurennen und Kompromisse zu finden, mit denen wir arbeiten konnten.“ (Guitar World, S. 33)
Bob Ezrin: ‚The Wall‘ soll ein Pink Floyd-Album werden
Das größte Problem: Roger Waters wollte ‚The Wall‘ eigentlich als sein Solo-Projekt durchziehen. Es hätte dann garantiert Eingang gefunden in die Liste der „100 absolut unhörbaren Alben“. Zum Glück hielt Ezrin dagegen: „Bob Ezrins Wunsch war es, dass ‚The Wall‘ wirklich ein Pink Floyd-Album wird und nicht Rogers Solo-Album“, erinnert sich David Gilmour. „Genau das aber wollte Roger, der es ablehnte, dass irgendjemand außer ihm etwas für das Album schrieb“. (Guitar World, S. 37)
Ezrins Beitrag zu ‚The Wall‘ ist deshalb nicht hoch genug einzuschätzen: Er ging mit David Gilmour dessen Demo-Aufnahmen zu seinem Soloalbum durch. Dabei stießen sie auf echte Juwelen, aus denen sich „Comfortably Numb“ und „Run like Hell“ entwickeln sollten. Außerdem steuerte Gilmour als frische Komposition „Young Lust“ bei. Mit diplomatischem Geschick konnte Ezrin Waters überzeugen, dass eine zweite kompositorische Handschrift dem Album guttun würde:
„Soweit ich mich erinnere, tat er das eher widerwillig„, sagt Bob Ezrin. Aber Roger setzte sich an die Lyrics für „Comfortably Numb“ und das Ergebnis überzeugte: „Der Text gehört für mich bis heute zu den großartigsten, die je geschrieben wurden“, begeistert sich Ezrin. „Die Verbindung dieses Textes mit Daves Melodien und seinem emotional mitreißenden Solo – jedes Mal, wenn ich diesen Song höre, bekomme ich Gänsehaut.“ (Ezrin: Guitar.world.com)
Pink Floyd verlagern die Produktion nach Südfrankreich
Die Produktion von ‚The Wall‘ sollte bald schon zum Wanderzirkus werden. Zuerst zogen Pink Floyd von London nach Südfrankreich in die Superbear Studios um. Eine sehr respektierte Adresse für Aufnahmen, hoch über Nizza in der Gemeinde Berre-les-Alpes gelegen. (thevinylhistorian.com). Noch später dann ging es nach Los Angeles: „Die Entstehung von The Wall lässt sich in drei Phasen unterteilen“, rekapituliert David Gilmour.
„Zunächst in der Britannia Row in London, wo wir Ideen sammelten und alles als Demos aufnahmen; dann in Frankreich, wo wir den Großteil des Albums einspielten; und schließlich in Los Angeles, wo wir es fertigstellten und abmischten. Besonders in Frankreich haben wir sehr gut und sehr hart gearbeitet.“ (Gilmour: Guitar.world.com)
In Südfrankreich gab es einen Tennisplatz und einen Swimmingpool, vor allem aber rechnete Manager Steve O’Rourke der Band vor, dass die Verlagerung ins Ausland sich steuerlich sehr günstig auswirken würde. Ein angenehmer Nebeneffekt war auch der im Vergleich zum Britannia Row-Studio höhere technische Standard.
Weil Roger Waters unbedingt den Löwenanteil des Albums alleine singen wollte, zog er sich mit Ezrin in ein zweites Studio zurück – das Miraval in Correns. Dort konnte er sich ganz auf seine Stimme konzentrieren, wobei Ezrin etwas böse kommentierte, „Roger wird niemals einen Preis als Sänger des Jahres bekommen“. (T. Manning, S. 112) Am Ende übernahm David Gilmour auch Teile des Gesangs: etwa den Chorus von „Mother“, Teile von „Hey you“ und das komplette „The Show must go on“. Eine schöne Abwechslung und Erholung für den Hörer, denn Rogers Gesang klingt auf ‚The Wall‘ oft ziemlich gequält.

Dieser Flanger sorgt für den schwirrenden Sound beim Gitarrensolo von „Comfortly Numb“ (Foto: Costello)
Der Gitarrensound von „Comfortably Numb“
Gilmour inspirierte das Studio in Südfrankreich, in dem er bereits sein Soloalbum aufgenommen hatte, zu zwei wunderschönen Gitarrensoli für „Comfortably Numb“. Sie gehören zum Besten, was er komponiert hat: „Ich spielte im Superbear Studio ein halbes Dutzend Gitarrensoli ein und hinterher suchten wir das Beste raus“, erinnert sich David Gilmour. (Guitar World, S. 38) Den speziellen Sound erzielte er mit einem Big Muff-Verzerrer und einen Electric Mistress Flanger.
„Der Sound wurde durch ein Yamaha-Kabinett mit rotierenden Lautsprechern
geschickt, das mit einem Hiwatt-Amp kombiniert wurde“, erklärte Bob Ezrin: „Das Yamaha-Teil gab diese Klangqualität, die nicht von dieser Welt war. Und wenn du das mit dem verzerrten, singenden Hiwattsound mischst, erhältst du diesen wunderschönen, vielschichtigen Gitarrenklang, der am Ende des Songs zu hören ist.“ (Guitar World, S. 39)
Am 2. Juli 2005 spielten Pink Floyd „Comfortably Numb“ in der
Original-Besetzung im Londoner Hyde Park:
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David Gilmours Equipment
Gilmours Hauptgitarre auf ‚The Wall‘ war seine legendäre ‚Black Strat‘. Sie besaß serienmäßige Fender-Single-Coils, wobei ein Kippschalter die Kombination von Hals- und Steg-Tonabnehmer ermöglichte. Die Black Strat verwendete Gilmour für die Soli bei „Comfortably Numb“. (guitar.com)
Gilmour spielte auf ‚The Wall‘ außerdem eine 1955er Fender Esquire im Sunburst-Finish, die er Mitte der 70er Jahre von Seymour Duncan bekommen hatte. Diese Gitarre war so abgespielt, dass Gilmour ihr den Spitznamen ‚The Workmate‘ gab. Er setzte sie bei Titeln wie „Run Like Hell“ und „Young Lust“ ein.

Reichlich abgeschrubbt: Die von David Gilmour als ‚Workmate‘ getaufte Fender Esquire (Foto: Jan Steiger)
Neben den Fender-Gitarren konnte Gilmour auch auf eine frisch erworbene Gibson Les Paul Goldtop von 1955 zurückgreifen, die beim Solo in „Another Brick In The Wall, Pt. 2“ zu hören ist.
Weitere Instrumente waren eine 1959er Telecaster Custom, eine Lap-Steel- und eine Pedal-Steel-Gitarre. Als Akustikgitarren wurden Ovations und Martins verwendet. Für das Nashville-Tuning auf „Comfortably Numb“ nahm Gilmour eine Ovation Custom Legend 1619-4 mit Stahlsaiten. Beim Nashville-Tuning werden die tieferen, dickeren Gitarrensaiten durch dünnere, eine Oktave höher klingende Saiten ersetzt.
Gitarrenverstärker und Effekte bei ‚The Wall‘
Als Verstärkeranlage benutzte Gilmour einen Alembic F-2B-Röhrenvorverstärker und einen 100-Watt-Hiwatt DR103. Die Lautsprecherboxen waren WEM Super Starfinder 200 mit Fane Crescendo-Lautsprechern. Gilmour verwendete außerdem den bereits erwähnten Rotary-Lautsprecher von Yamaha, eine 200-Watt-Transistorversion einer Leslie-Rotationslautsprecherbox. (guitar.com)
Effekt-Spezialist Pete Cornish fertigte damals für David Gilmour ein maßgeschneidertes Studio-Board. Es dürfte allerdings erst nach der Fertigstellung von ‚The Wall‘ zum Einsatz gekommen sein, lässt aber Rückschlüsse zu, welche Effekte Gilmour damals einsetzte.
Als Verzerrer benutzte Gilmour einen Dallas Arbiter Fuzz Face und das Electro Harmonix Big Muff, außerdem kamen der Electro Harmonix-Flanger Electric Mistress und von MXR der Dynacomp-Kompressor und das Phase 90 zum Einsatz. In der Effektkette folgten Cornishs legendäres Effektgerät ST-2, eine Mischung aus Overdrive und Power Booster mit Höhen- und Bassreglern, sowie ein maßgefertigtes Pete-Cornish-Vibrato-Pedal und ein Volumenpedal. Gilmour verwendete zusätzlich noch für Echoeffekte ein MXR Digital Delay System I. (guitar.com)
Pink Floyd goes Disco
Producer Bob Ezrin sorgte auf ‚The Wall‘ für einen frischen zeitgemäßen Sound: So wurde „Run like Hell“ mit einem Disco-Beat unterlegt. Ebenso wurde „Another Brick in the Wall“ aufgepimpt. Auf Rogers Demo war es wenig mehr als ein Fragment mit einer Strophe und einem Refrain. „‚Mann, das ist ein Hit! Aber er ist nur eine Minute und 20 Sekunden lang. Wir brauchen zwei Strophen und zwei Refrains“, war Ezrin überzeugt.
Pink Floyd waren niemals besonders scharf auf Single-Auskoppelungen und erteilten Bob eine Abfuhr: „Sie sagten: ‚Na, die kriegst du verdammt noch mal nicht. Wir machen keine Singles, also fick dich.‘ Daraufhin beschloss Ezrin, undercover zu arbeiten: „Dank unseres Aufnahme-Setups mit zwei Bandgeräten konnten wir, während sie nicht da waren, die erste Strophe und den Refrain kopieren, einen der Drum-Fills nehmen, ihn dazwischen einfügen und den Refrain verlängern.“ (Bob Ezrin, Guitar World, 2009)
Interessanterweise ließen sich Roger Waters und auch Nick Mason viel leichter überzeugen, dem Song einen Discotouch zu geben, als David Gilmour. Bob Ezrin sagte zu ihm, er solle sich mal locker machen, ein paar Clubs besuchen und sich anhören, worauf die Kids derzeit stehen würden.
Schließlich fügte sich David in sein Schicksal: „Ich habe mich überwunden und mir laute, im Viervierteltakt schlagende Bassdrums usw. angehört und nur gedacht: ‚Meine Güte, wie schrecklich!‘ Anschließend haben wir einen der Teile von ‚Another Brick in the Wall‘ so gestaltet, um es catchy zu machen.“ (David Gilmour, Guitar World, 2009)
Als der Profi, der er nun einmal ist, spielte Gilmour sein Solo in einem einzigen Durchgang ein. Und Nick Mason verzichtete mal auf die üblichen Fills und legte einen „Four on the Floor“-Rhythmus mit einer schwungvollen Hi-Hat hin.

Mit Schule und Lehrern verband Roger Waters nichts Gutes. Diese aufblasbare Figur wurde bei den Livekonzerten eingesetzt. (Foto: Costello)
Der Chor von „Another Brick in the Wall“
Ezrin erinnerte sich, wie er auf Alice Coopers „School’s Out“ sehr erfolgreich einen Kinderchor eingesetzt hatte. Also wurde der Toningenieur Nick Griffiths instruiert, in Pink Floyds Britannia Row Studio einen Schulchor aufzunehmen. Griffiths lud Kinder der 4. Klasse der benachbarten Islington Green School ein. Der Musiklehrer Alun Renshaw war für neue Erfahrungen sehr aufgeschlossen, erkannte aber den Sprengstoff: „Als ich den Text sah, dachte ich natürlich: ‚Ups‘. Ich musste mit (Schulleiterin) Margaret darüber reden. Zu diesem Zeitpunkt war es natürlich schon ein bisschen zu spät, um noch einen Rückzieher zu machen.“ (bbc news)
Unter Anleitung ihres Musiklehrers intonierten die Kinder die berühmten Zeilen „We don′t need no education, we don’t need no thought control“, wobei sie an dem Ausruf „Hey teacher, leave us kids alone!“ besonders viel Spaß hatten. „Wir haben wie der Schulchor gesungen“, erzählt Caroline, die damals dabei war. „Sie sagten: ‚Nein, das wollen wir nicht, wir wollen, dass ihr so singt, als wärt ihr auf dem Schulhof.'“ (bbc news)
Die Schule stand im Regen, aber Waters hatte seine Aufnahme
Tatsächlich gab es hinterher Kritik – unter anderem in der Daily Mail –, dass ausgerechnet eine Problemschule sich an einem Anti-Schule-Song beteiligen würde. Schulleiterin Margaret Maden geriet in die Schlagzeilen: „Es erregte viel Aufsehen und es fühlte sich einfach so an, als wäre die ganze Welt über uns hereingebrochen – oder zumindest über mich. Das war wirklich sehr, sehr schwer zu verkraften, denn wir hatten die Schule zu etwas Besonderem aufgebaut. Es lief gut und es wurde immer besser.“ (bbc news)
Andere Medien tadelten, dass die Kinder für ihre Leistung nicht bezahlt worden waren, sondern mit dem Album und Freikarten abgespeist wurden. Und die Schüler waren sauer, als sie später nicht im Video zu dem Song mitspielen durften. Schüler einer Schauspielschule mussten den Text mimen.
Im Herbst 1979 waren Pink Floyd noch einmal umgezogen: ins Cherokee Studio in Los Angeles. Das Band mit den Choraufnahmen traf per Federal Express in Los Angeles ein. Und Roger Waters, der sich wenig für die Probleme einer Londoner Schule interessierte, gefiel es offensichtlich: „Sehr schön, das ist die Art von Beitrag, die ich von meinen Mitarbeitern erwarte.“ (Toby Manning, S. 114)
Erst 2004 wurden die Chormitglieder finanziell an den Nutzungsrechten des Songs beteiligt. Was die Times zu einem hübschen Wortspiel inspirierte: „Payout after Pink Floyd leaves them kids alone“.
Pink Floyd – The Wall: Der Einsatz von Orchester
Auch bei einer anderen Entscheidung sollten Bob und Roger auf einer Linie liegen, während David damit haderte. Ezrin wollte Teilen von ‚The Wall‘ einen luxuriösen Sound mit Orchester verpassen. Das von Ezrin geschriebene „The Trial“ ist von vornherein als symphonische Rocknummer angelegt, die Toby Manning in seinem ‚Rough Guide Pink Floyd‘ „eine Gilbert- und Sullivan-Operette“ genannt hat.
Der sehr bekannte US- Komponist Michael Kamen bekam den Auftrag, Orchesterparts in den New Yorker Columbia Studios aufzunehmen. David Gilmour war da leidenschaftslos, was zum Beispiel „The Trial“ anging. Aber um seine eigene Komposition „Comfortly Numb“ kämpfte er mit Zähnen und Klauen. Vergeblich: Waters und Ezrin setzten sich mit der orchestrierten Fassung durch.
Beinahe hätten auch die Beach Boys auf dem Album gesungen, als sie aber Wind vom Inhalt des Albums bekamen, wollte nur noch Bruce Johnston mitmachen.

Die Orchesteraufnahmen zu ‚The Wall‘ entstanden unter Leitung von Michael Kamen in New York ohne Mitwirkung der Band (Foto: Costello)
Jeff Porcaro hilft bei ‚The Wall‘ aus
Einige Bandmitglieder stießen bei den Aufnahmen zu ‚The Wall‘ an ihre Grenzen. So wurde der Toto-Schlagzeuger Jeff Porcaro angeheuert, um Nick Masons Schlagzeug bei „Mother“ neu einzuspielen. „Da sind 5/4-Takte drin“, sagte Waters ungerührt. „Man muss Nick zugutehalten, dass er sich diesbezüglich nichts vormacht. Es war ganz klar, dass er das nicht spielen konnte.“ (loudersound.com)
Der stets um Ausgleich bemühte Mason meinte dazu nur: „Wenn etwas für einen Song passt und ich es nicht hinbekomme, dann ist das eben so“. Laut Roger Waters soll David Gilmour damals sogar vorgeschlagen haben, Nick aus der Band zu werfen. Das aber weist Gilmour weit von sich: „Nick hatte seine Grenzen als Schlagzeuger. Aber auch wenn Roger das behauptet, kann ich mich nicht daran erinnern, das jemals gesagt zu haben, höchstens im Scherz.“ (loudersound.com)

Das Verhältnis von Roger Waters und Rick Wright war immer schwierig. Bei ‚The Wall‘ eskalierte es (Abfotografiert von der Leinwand 2019 in der Ausstellung ‚Their Mortal Remains‘ in Dortmund)
Das Martyrium des Rick Wright
Richtig eingeschossen hatte sich Roger Waters damals auf den Keyboarder der Band: „Mit Roger war kein Auskommen mehr. Was ich auch tat, er sagte, es sei falsch“, erinnerte sich später Rick Wright. (Musician Magazine, August 1988)
Tatsächlich hatte Rick damals private Probleme, er tat sich schwer damit, Keyboard-Parts und eigene Ideen zu entwickeln. Rick verkrampfte, weil er Druck von Waters bekam. Und auch, weil mit Bob Ezrin bereits ein versierter Keyboarder im Studio war.
Um der Situation zu entfliehen, fuhr Rick Wright nach Rhodos, um Urlaub zu machen. Dort blieb er auch zunächst, als es galt, die Keyboardparts im Studio in Los Angeles fertigzustellen, wo die Endproduktion stattfand. Die Plattenfirma machte Druck, weil sie das Album unbedingt vor Weihnachten herausbringen wollte. Damals hatte Wright tatsächlich die ganze Band gegen sich aufgebracht.
Roger Waters habe ihm ein Ultimatum gesetzt, erinnerte sich Wright: ‚Entweder du verlässt die Band, sobald das Album fertig ist, oder ich versenke das ganze Ding. Es war eine ausweglose Situation. Es war ein Bluffspiel, aber wie ich Roger kannte, hätte er seine Drohung vielleicht wahr gemacht. Das hätte bedeutet, dass keine Tantiemen aus dem Album geflossen wären. Also musste ich zustimmen.“ (Musician Magazine, August 1988)

Eine Aufnahme der Band aus den frühen 70er Jahren, die auf der Dortmunder Ausstellung Mortal Remains 2019 gezeigt wurde. Von dem damaligen Geist der Zusammenarbeit war bei ‚The Wall‘ nichts mehr zu spüren. (Foto: Costello)
Rick Wright wirft das Handtuch und wird Gastmusiker bei Pink Floyd
Rick Wright tauchte dann tatsächlich noch in Los Angeles auf, um seine Keyboardparts zu vervollständigen. Aber viele, auch wichtige Keyboardlinien, hat Bob Ezrin gespielt. Für einige Orgelparts wurde zusätzlich Freddie Mandell beschäftigt. Entnervt von den Streitereien stieg Rick Wright bei Pink Floyd aus, was vor der Presse geheim gehalten wurde. Für die Tour wurde der Schein gewahrt und Rick Wright als bezahlter Gastmusiker beschäftigt.
Roger Waters war später sehr bemüht „produktionsbedingte Sachzwänge“ für den Rauswurf vorzuschieben, was die anderen Pink Floyd-Mitglieder ihm aber nicht abkauften: „Roger hat das brillant eingefädelt“, urteilt Nick Mason. „Dagegen sieht selbst Stalin wie ein alter Trottel aus. Wir alle fühlten uns damals ziemlich hilflos, daran etwas zu ändern oder überhaupt etwas zu unternehmen… Ich fühlte mich schuldig, ich fühle mich immer noch schuldig.“ (Mason: Guitar.world.com)
Die Keyboards auf ‚The Wall‘
Um Roger Waters teilweise sehr rohe und dürre Arrangements atmosphärisch aufzufüllen, wurden tonnenweise Keyboards auf ‚The Wall‘ eingesetzt: Neben einem Flügel, einer Hammond-Orgel und dem Solina Stringensemble ist ein Hohner Clavinet D6, ein Rhodes- und ein Wurlitzer-Piano zu hören. Dazu zahlreiche Synthesizer: ein EMS VCS3 für Effektsounds, ein Minimoog, der ARP Quadra und vor allem der Prophet 5. Einer der ikonischen Prophet 5-Sounds des Albums ist bei „One of my turns“ zu hören. (allwayswright)
Die Bässe auf ‚The Wall‘ oder: Fast jeder ist ersetzbar
Roger Waters war, wie wir schon erfahren haben, sehr damit beschäftigt, seine Gesangsaufnahmen fertigzustellen. Deshalb musste David Gilmour einige Bassparts für ihn einspielen, wobei er einen Fender Bass VI einsetzte.
In der Dortmunder Pink Floyd-Ausstellung ‚Their Mortal Remains‘ wurde eine Ovation Magnum I-Bassgitarre gezeigt. Ein Bass aus massivem Mahagoni mit Quad-Coil-Tonabnehmern. Roger Waters soll den Bass insbesondere bei den Aufnahmen und Live-Auftritten zu „The Wall“ gespielt haben. (deviantart.com)
Ansonsten vertraute Roger Waters auf seinen bewährten Fender Precision Bass mit Ahorngriffbrett, der über einen Fender Bassman 50 (in den Britannia-Row-Studios) und einen Ampeg B-18N Portaflex (bei den Aufnahmen in L.A.) verstärkt wurde. Zum typischen Waters-Basssound gehören Rotosound-Saiten, die mit Plektrum gespielt werden. Als Effekte kamen u. a. Electro-Harmonix Bassballs zum Einsatz, das eine hüllkurvengesteuerte Filterung des Basssignals liefert, und für Echoeffekte ein MXR Digital Delay.
Pink Floyd – The Wall: Das Hörspiel
Die manchmal etwas disparate und fragmentierte Geschichte von ‚The Wall‘ wird durch viele kleine Soundeffekte zusammengehalten, die die Attraktivität des Albums tatsächlich sehr steigern. Am bekanntesten ist sicher der Hubschrauber zu Beginn von „The happiest days of our lives“. Babyschreien, Vogelzwitschern, ein abstürzendes Flugzeug, Telefongespräche.
Um die Rechteklärung scherte sich die Band nicht sonderlich: Die Stimme eines vermittelnden Telefonoperators wurde einfach aufgezeichnet, ebenso TV-Shows mitgeschnitten. Ein Schauspieler erkannte seine Stimme, drohte mit Klage und wurde finanziell kompensiert.

Roger Waters nahm für die atmosphärischen Zwischenteile von ‚The Wall‘ u. a. Straßengeräusche des Hollywood Boulevards in Los Angeles auf. (Foto: Costello)
Berstende Fernseher und quietschende Reifen
Waters ließ ein Mikrofon aus dem Studiofenster baumeln und nahm die Straßengeräusche des Hollywood Boulevards auf. „Als wir im Producers Workshop das Album fertigproduzierten, haben wir all diese Soundeffekte relativ schnell produziert“, erinnert sich Waters. „Ich wollte den Sound eines Fernsehers, der zerstört wird. Also kauften wir einen Fernseher, brachten ihn in die Parkgarage und zerschmetterten ihn dort.“ (Guitar World, S. 39)
Für „Run like Hell“ wurde der Sound quietschender Autoreifen benötigt. Für den Effekt wurde die Luft aus den Reifen eines Ford Station Wagon abgelassen und etwas Wasser in der Parkgarage verteilt: „Quietsch! Wir mussten nur das Mikro draufhalten.“
Andere Effekte lieferte wiederum Nick Griffiths zu: etwa den Abrisslärm von Gebäuden für den Einsturz der Mauer. Die gesamte Studiobelegschaft musste antreten und „Tear down the wall“ skandieren.

Pink Floyds Originalcover für ‚The Wall‘ im Jahr 1979 besaß keine Schrift und war so minimalistisch, wie keines zuvor.
Pink Floyd – The Wall: Das Cover
Bei der Produktion von ‚The Wall‘ wurden viele vor den Kopf gestoßen. Und so überrascht es nicht, dass der langjährige Gestalter der Pink-Floyd-Cover, die britische Grafikdesign-Agentur Hipgnosis, dieses Mal übergangen wurde. Den Auftrag bekam der britische Zeichner und Karikaturist Gerald Scarfe. Er saß bereits an den Animationen für die Bühnenshow und gestaltete für ‚The Wall‘ ein schlichtes Schwarz/Weiß-Cover. Ob Zufall oder nicht: Nick Mason und Rick Wright wurden auf dem Cover zunächst nicht erwähnt, was später dann geändert wurde.

Bei der Liveshow von ‚The Wall‘ gab es eine zweite Band, die die Masken der Pink Floyd-Musiker trugen (Foto: Costello)
Album-Release und Live Show
700.000 Dollar hatte die Produktion von ‚The Wall‘ verschlungen, am 30. November 1979 erschien das Album. Und mochten auch die Kritiker schimpfen, es verkaufte sich phantastisch.
Die Bühnenshow sprengte alle Dimensionen. Die erste Aufführung war am 7.2.1980 in der Los Angeles Memorial Sports Arena. Auf die langsam wachsende Mauer aus 340 großen Kartonsteinen wurden die von Scarfe geschaffenen Animationen projiziert. Die Hauptcharaktere der Story erschienen als überdimensionale aufblasbare Figuren mit Scheinwerfern als Augen.
Pink Floyd hatten noch eine Ersatzband auf der Bühne, die die Masken der Originalmusiker trugen. Wie schon erwähnt, wurde der geschasste Rick Wright als „Gastmusiker“ engagiert und spielte gegen Honorar. Selbstironisch stellte er später fest, dass er wohl als einziger Geld mit der ‚The Wall‘-Tour verdient hätte. Denn die Show verschlang riesige Summen.

Neben den Lehrern fielen auch die Frauen-Gestalten in ‚The Wall‘ nicht besonders einnehmend aus. (Foto: Costello)
Einer der musikalischen Höhepunkte der Show war es, wenn David Gilmour oben auf der Mauer stand und „Comfortly Numb“ spielte: „Die Shows waren grandios“, konnte sich der Gitarrist begeistern. „Je länger sie dauerten, desto mehr wurden mir die Einschränkungen eines so streng choreografierten Konzepts bewusst – es gab nicht wirklich viel Spielraum, die Musik einfach ihren eigenen Weg gehen zu lassen. Aber man muss das als etwas anderes betrachten. Es ist ebenso sehr ein Theaterstück wie ein Musikstück.“ (Gilmour: Guitar.world.com)
Und Nick Mason ergänzte: „Das Schlagzeug stand in einem gepanzerten Käfig, damit es nicht zerstört würde, wenn die Wand einstürzte. Es war eine seltsame, aber recht angenehme Umgebung. Nicht viel Spontaneität, aber wir sind ja nicht gerade dafür bekannt, dass wir im Entengang herumtanzen und uns verrenken.“ (Mason: Guitar.world.com)
Eine besonders spektakuläre Aufführung von ‚The Wall‘ sollte Roger Waters im Juli 1990 in Berlin organisieren. Mit dabei waren viele Gaststars u. a. die Scorpions, Cyndi Lauper, Joni Mitchell, Ute Lemper, Tim Curry, Van Morrison und Bryan Adams.
Hier singt Sinéad O’Connor den Song „Mother“:
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The Wall: Alan Parkers Film
Das Konzept von ‚The Wall‘ legte eine Verfilmung nahe. Als die Filmabteilung der EMI Roger Waters‘ Anfrage ablehnte, kontaktierte er den britischen Regisseur Alan Parker. Parker schrieb das Drehbuch und führte auch die Regie. Die Rolle des Pink wurde Bob Geldof übertragen, der ein überzeugter Pink Floyd-Hasser war, aber gerne zum Film wollte. Nachdem MGM signalisiert hatte, den Film zu unterstützen, begannen im September 1981 die Dreharbeiten in den Pinewood Studios.
Obwohl Geldof, was auch Waters eingestehen musste, seine Sache großartig machte, waren die Dreharbeiten für alle sehr stressig. In Parkers Worten „eines der schlimmsten Erlebnisse in meiner Arbeit“. (T. Manning, S. 120)
Der Film heimste fast nur miese Kritiken bei Veröffentlichung im Juli 1982 ein. Der „wirre Film“ beeindrucke „allein durch die konsequente Verbindung von Musik und Bild im Stil moderner Videoclip-Ästhetik“, schreibt das Internationale Lexikon des Films. Inzwischen gilt ‚The Wall‘ als Kultfilm.
Für die immer schon fragile Zusammenarbeit zwischen Waters und Gilmour bedeutete er freilich das Ende: „Der Punkt, an dem die Beziehung zwischen Roger und mir unhaltbar wurde, war während der Dreharbeiten zu dem Film“, sagt Gilmour. „Alan Parker und Roger stritten sich so heftig, dass Alan das Projekt verließ. Meiner Meinung nach war das damals wie heute nicht tragbar.“ (loudersound.com)

Klötzchen für Klötzchen: Roger Waters hatte mit ‚The Wall‘ eine Mauer zwischen sich und den Rest der Band gebaut. (Foto: Dagmar Metzger)
Pink Floyd – The Wall: Die Bilanz
Wie fällt die Bilanz von The Wall aus? Roger Waters konnte zufrieden sein: „The Wall war Roger Waters’ krönender Erfolg bei Pink Floyd“, schreibt Ravi Staff in einer neueren Rezension für All Music. Waters selbst hält es für seine beste Arbeit: „Es ist der dritte Teil einer Trilogie großartiger Werke, an denen ich mitgewirkt habe, angefangen bei ‚Dark Side Of The Moon‘ bis hin zu ‚Amused To Death‘. Bis heute ist ‚The Wall‘ meine größte musikalische Leistung.“ (loudersound.com)
Die Opéra de Montréal inspirierte ‚The Wall‘ 2016 gar zu einer Oper, wobei Roger Waters das Libretto schrieb und Julien Bilodeau die Musik komponierte. Roger Waters war in der sogenannten Hochkultur angekommen.
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Zurück zur Rezeption des Doppelalbums von 1979. Trotz aller Reibereien mit Waters, zollte auch Gilmour Anerkennung: „Ich hielt es für ein sehr gutes Konzept“, äußerte der Pink Floyd-Gitarrist 1999 in Mojo. „Heute gefällt es mir nicht mehr ganz so gut. Im Nachhinein wird mir ein bisschen zu viel gejammert. Aber ich war gerne bereit, Roger bei der Umsetzung seiner Vision freie Hand zu lassen.“ (Gilmour: Guitar.world.com)
Für den Musikkritiker Stephen Erlewine ist ‚The Wall‘ vor allem „ein Triumph der Produktion“, die eine „makellose Oberfläche“ schaffen würde: „Melodische Fragmente und Klangeffekte ineinandermischt, machen es leicht, die musikalischen Unvollkommenheiten und fragwürdigen Songtexte zu ignorieren.“ (All Music Guide to Rock, 1997, S. 708)
Gerade die Klangeffekte werden von heutigen Rezensenten positiv beurteilt, die ‚The Wall‘ als Gesamtkunstwerk sehen: „‚The Wall‘ als Ganzes ist ein musikalisches Hörspiel. Konsequenterweise wurde es verfilmt… Pink Floyd selbst haben sich mit diesem Album in eine eigene Klasse gespielt. Es gibt nach wie vor kein mit The Wall vergleichbares Musikstück.“ (Rock Bd. 1, eclipsed 2013)
Der Rolling Stone Album Guide (1992, S. 546) wünschte, dass ‚The Wall‘ „ein paar mehr Gitarren-Hooks wie ‚Comfortly Numb‘ enthalten würde“. Tatsächlich ist das Album aber ziemlich abwechslungsreich, von subtilem Folk bei „Goodbye Blue Sky“ über Stadionkracher wie „In the Flesh“ und „Young Lust“ bis zu Titeln, die gut in jeder Disko laufen konnten („Another Brick in the Wall“).
Das bittere Erbe des Roger Waters
Für mich persönlich bleiben zwei Wermutstropfen, wenn ich ‚The Wall‘ heute höre: Menschlich war die Produktion eine einzige Katastrophe. Der Egomane Roger Waters hatte eiskalt den Pink Floyd-Keyboarder Rick Wright abgesägt. Und auch die Entfremdung mit David Gilmour vertiefte sich.
Der homophobe und antisemitische Text von „In the flesh“ war 1979 schon schwer erträglich. Damals gehörte er zur Story von ‚The Wall‘ und spiegelte nicht persönliche Einstellungen der Musiker wider. Inzwischen allerdings hat Roger Waters in seinen Konzerten Schweine herumfliegen lassen, die neben anderen Symbolen auch den Davidsstern zeigen. Und er hat behauptet, Putins Krieg gegen die Ukraine wäre ein Kampf gegen den Faschismus. (SZ, 25.03.2023) In diesem Fall muss man wohl das künstlerische Erbe streng vom Musiker trennen, dessen heutige politische Ansichten ich völlig inakzeptabel finde.





































If you don’t eat your meat, you can’t have any pudding! Wenn ich The Wall von Pink Floyd höre, hab ich immer das Konzert in Berlin im Kopf. Und denke dann immer, hätte er doch sein dickes Ego in den Schrank gestellt und die anderen Kollegen eingeladen. Das wäre Stadion Rock geworden. Das Album ist ein Meilenstein. Aber persönlich finde ich alle fast Alben ohne Roger Waters besser. Und menschlich ich möchte mit Roger Water eher nicht zusammen einen Pub Crawl machen. ;-) Cheers Mate 🤟
@TobyB Eine Story über das Konzert in Berlin wäre toll: Wie der Worst Case eintritt, Konzertgängern das Konzert versaut und trotzdem Millionen Menschen an den Fernsehern nichts davon mitbekommen.
Dazu gab es mal eine große Reportage im Fernsehen und auch einen großen Bericht, ich meine im Production Partner. Irgendwer muss geahnt haben, dass das passiert, denn die Probe am Tag zuvor wurde aufgezeichnet und lief Timcode-synchronisiert mit. Aus diesem Grund hat von den Fernsehzuschauern keiner das Debakel erlebt. Auf der Bühne war wohl damals nur noch Chaos, Roger Waters und die Musiker haben wütend ihre Kopfhörer in die Ecke geworfen. Ich muss mal schauen, ob man den Artikel noch irgendwo ausgraben kann.
@Markus Galla , da müsste ich mal ganz tief ins Archiv steigen und die Fotos vom Konzert scannen. 😇 Aber das stimmt schon was du schreibst. Es waren wesentlich mehr Zuschauer vor Ort als Tickets verkauft wurden. Der Einlass war chaotisch. Irgendwann hat die Polizei die Tor öffnen lassen. Dann viel der Strom zweimal aus, wenn ich mich richtig erinnere und die Delayline waren stumm.Wenn ich mich erinnere zogen die Ü Wagen der TV Stationen zuviel Strom ab. Die Scorpions fand ich „unpassend“. Sinéad O’Connor fühlte sich deplatziert und unwohl. Vom Cindy Lauper Auftritt hab ich keinen einzigen Ton verstanden, das Publikum war wesentlich lauter… Und das bei dem Aufwand der getrieben wurde. 1994 bei der Division Bell Tour, Berlin, hab ich dann das komplette Gegenteil erlebt. Da hat alles gepasst. Da fand ich nur das Sponsoring von VW bissi schräg. Aber mein Gott, es waren die 90er.
@Markus Galla Korrekt. Deswegen ist auch o.g. Clip von o‘conner irreführend. „Hier eine später/früher aufgenommene Version des Titels“.
Man konnte sich in der Tat auf dem Platz in normaler Lautstärke unterhalten, die Ausfälle hast du schon genannt. Und am Ende ging noch das Feuerwerk links der Bühne erstaunlich tief Richtung Zuschauer runter.
Trotzdem möchte ich das Wochenende damals nicht missen. Später hat Waters ja nochmal gezeigt, wie man „The Wall“ perfekt auf die Bühne bringen kann.
@sEIGu „Später hat Waters ja nochmal gezeigt, wie man „The Wall“ perfekt auf die Bühne bringen kann.“
Dieses Konzert von Waters klang doch…tot.
Da hatte ich AUCH dieses Gefühl, da würde ein Tonband laufen, und alles wäre zum Clicktrack gespielt worden.
So sieht eigentlich auch JEDER Waters-Auftritt aus, den man sich auf YouTube noch ansehen kann…und in Köln war es das selbe.
Großartive Bühne, großartige Visuals, aber bei Waters ist einfach kein Leben drin in der Musik- nur viel Kopf.
David Gilmour? Nick Mason? Beide spielen noch so, daß ich Spaß daran habe, und es ergänzt sich so schön: Nick mit den alten Kloppern, und David mit den übrigen Glanzstücken der Band.
Und zu The Wall im Allgemeinen habe ich mir schon immer gedacht: Für DAS Album hätte es nicht Pink Floyd gebraucht. Großartige Songs, aber irgendwie nicht freaky.
Als Film macht das für mich wirklich Sinn, denn der Film IST ja schon wieder freaky, aber ich habe niemals Lust, das Doppelalbum zu hören, und die besten Stücke höre ich mir in den Liveversionen an.
Für mich läuft es immer darauf hinaus: Wenn ich die rockigen Floyds hören will, nehme ich Animals, und wenn ich die besäuselten Floyds hören will, höre ich die WYWH. Und ansonsten gerne die PULSE…
Danke, Costello, für diesen interessanten Blick auf „The Wall“, ein Album, das mich als Jugendlicher immer fasziniert und auch einige Jahre begleitet hat. Ich habe mich nie so richtig mit der Entstehungsgeschichte beschäftigt, und du hast da einiges ausgegraben, das ich vorher nicht wusste (von wegen 5/4-tel Takt und Nick Mason, Kinderchor, Aufnahme der Umgebungsgeräusche etc.).
Pink Floyds musikalische Entwicklung von UMAGUMA, Atom Heart Mother, Meddle, Dark Side of the Moon, bis The Wall ist eine unglaubliche Geschichte und Meilenstein. Da mag Roger Waters mit seinem Alter Ego noch so durchgeknallt sein, ändern tu es daran nichts.
Auch wenn es wirklch eines meiner Lieblingsalben war, der Blick heute wird schon stark getrübt durch einen Roger Waters mit dem man nichts zu tun haben will.
Trotzdem, zu seiner Zeit ein wichtiges Album.
Leider findet man heute kein oder kaum ein Album das eine Story hat und als gesamtes wirkt.
@TomH Hähhh, ich höre laufend solche Alben. Steven Wilson ist da ein hervorragendes Beispiel, gerade im Prog gibt es immer wieder gute Story-Alben.
@liquid orange Hier gleich mal eine Auflistung, damit Du was zu hören hat:
Steven Wilson:
Hand. Cannot. Erase. (2015): Basiert auf dem realen Fall von Joyce Carol Vincent – einer Frau, die in ihrer Londoner Wohnung starb und erst Jahre später gefunden wurde. Das Album erzählt ihre fiktive Lebensgeschichte.
To the Bone (2017): Lose verbundene Perspektiven zu Fake News, Fundamentalismus und Isolation – eher thematisch als stringent narrativ.
The Future Bites (2021): Konzeptuelle Abrechnung mit Konsum- und Überwachungskultur.
Sicher wird auch das neue Album Requiem For A Village, das im November erscheint, ein Konzept haben
@liquid orange Dann noch andere Alben:
Neal Morse Band – The Similitude of a Dream (2016) & The Great Adventure (2019): Zweiteilige Nacherzählung von John Bunyans Pilgrim’s Progress – eine der konsequentesten Story-Alben der letzten Jahre.
Big Big Train – Grand Tour (2019): Reise durch englische Geschichte, Folklore und Landschaft, jedes Lied ein „Halt“.
Anathema – The Optimist (2017): Direkte Fortsetzung ihres Albums A Fine Day to Exit (2001) – die Geschichte eines Mannes, der Jahre später zurückkehrt.
Riverside – Wasteland (2018): Postapokalyptische Überlebensgeschichte eines letzten Menschen.
Haken – Vector (2018) / Virus (2020): Psychologischer Verfall einer Figur, die sich einer Sekte anschließt (Fortsetzung der „Cockroach King“-Storyline aus The Mountain).
The Dear Hunter – Act V: Hymns with the Devil in Confessional (2019): Fortsetzung der mehrteiligen „Boy“-Saga der Band.
Gazpacho – Soyuz (2018) / Fireworker (2020): Erstere um eine Kosmonauten-Geschichte während des Kalten Krieges, letztere um eine Künstliche-Intelligenz-artige Erzählung.
Pain of Salvation – In the Passing Light of Day (2017): Verarbeitung einer lebensbedrohlichen Krankheit des Sängers als fiktionalisierte Erzählung.
TesseracT – War of Being (2023): Konzept um eine Bewusstseinsreise/Traum-Erzählung.
@liquid orange Und noch weitere:
Voyager – Ghost Mile (2022): Geschichte um eine Person im Koma bzw. im Fegefeuer zwischen Leben und Tod.
Caligula’s Horse – Charcoal Grace (2023): Durchgehende Erzählung über Trauer, Verlust und die Bewältigung danach.
Und das war jetzt nur mal aus dem Prog-Bereich und sicher nicht komplett….
The Wall ist für MICH – zusammen mit The Final Cut – der musikalische Offenbarungseid einer einstmals durchaus spannenden Truppe.
Von epochaler Kunst kann da keine Rede sein, eher von musikalischer Oede.
Auch wenn dazu einige überzeugt meinen: „Millionen können nicht irren“. Diese Krankheit hat leider schon öfter grassiert. Aktuell auch wieder bei uns… das hat schon mal ins Verderben geführt. Wie konnte das nur passieren, wo doch angeblich Millionen Widerstandskämpfer am Werk waren?
Um mental gesund zu bleiben hör ich von denen lieber mal wieder UMMAGUMMA.
@RaiJed Das Album ist musikalisch nunmal irgendwie auch leicht verdaulich genug für „Millionen“.
Wenn man bei den Texten nicht aufpaßt, ist es halt ziemlich…relativ normal.
Und bei UMMAGUMMA denke ich mir immer: Die Hälfte hätte man weglassen können, dann wäre das echt stark gewesen!
Aber DIE Hälfte, die gut ist, ist dafür auch WIRKLICH gut…
@mort76 Ich bin ein Verfechter des Gesamtwerks UMMAGUMMA.
Ach so tiefschürfende Texte sind mir in der Regel eh ziemlich schnuppe. Mainstream-Rock wie The Wall sind für mich stinklangweilig und „Sound-FX“ wie Nazi-Stuka-Bomber kann sich Waters sonstwo hinstecken…
Ich bevorzuge InstrumentalMUSIK. Wenn ich Texte will, lese ich Bücher, Zeitschriften und Zeitungen… zu den Themen die MICH interessieren…
Ich selbst improvisiere NUR instrumentales. Hatte noch nie das Bedürfnis einen „Song“ zu schreiben.
Völlig daneben ist für mich der „moderne“ Rap, wo ich ständig völlig abstrus-dümmlichen Meinungen dieser Matschbirnen-Generation ausgeliefert bin Das brauch ich noch weniger, als einen falsch abgebogenen Roger Waters…
@RaiJed ***Kommentar wegen Beleidigung vom Moderator entfernt***
@dilux ***Kommentar wegen Beleidigung vom Moderator entfernt***
@dilux beleidigung? ich habe doch nur den vorposter zitiert….und dieser post ist nicht entfernt worden….wie kann das sein?
@dilux Der Beitrag des Vorpostens wurde genauso entfernt. Beide Beiträge wurden als gemeinsamer Screenshot zur Dokumentation gesichert.
@Markus Galla der beitrag des vorposters ist doch noch zu lesen, er steht direkt über meinem entfernten beitrag!
@dilux Hi Dilux,
ich habe mir den Kommentar, auf den du dich beziehst, nun angeschaut. Er enthält aber keine Beleidigung gegen einen Leser, auch wenn er sehr verallgemeinernd formuliert ist und grenzwertig. Dein „Zitat“ (ein Zitat wäre es, wenn du Anführungszeichen setzt) ist aber schon als Beleidigung des betreffenden Lesers zu verstehen und wurde von ihm auch so verstanden. Deshalb wurde er entfernt, vor allem, damit sich das hier nicht noch weiter aufheizt. Auch seine Antwort auf dich wurde übrigens entfernt.
@RaiJed Waters ist ja eher musikalisch falsch abgebogen, wärend man andererseits merkt, daß seine ideologischen Aussagen eher bestätigt als widerlegt werden…
Ich habe aber ein Problem mit Musikern, die einfach persönlich unsympathisch sind…wenn ich weiß, daß jemand ein narzißtischer Kontrollfreak ist, verliere ich den Respekt und das Interesse.
Bei UMMAGUMMA ist es gerade der Livealbum-Teil, der mir gefällt…und ich habe immer versucht, daß MEINE Musik AUCH so funktioniert: Nichts wiederholt sich, und es wirkt improvisiert…bei mir aber eher wegen Sequencer-Schweinereien, weil ich halt nicht David Gilmour bin.
@mort76 Seine politischen Aussagen sind auch nicht unbedingt mein Problem… aber irgendwie dann doch…
Meine Abwendung von den Floyds der Spätphase hat mit Waters´“feindlicher Übernahme“ der Band und tatsächlich auch mit der Simplifizierung (Vorbild sozialistischer Realismus?) der gebotenen Musik zu tun.
Auch mit der Schwarzweißmalerei im Text. Ich bin generell nicht an Psychosen interessiert und bei Wall und Final Cut sind da schon etliche Markmale zu finden, dass da etwas unangenehm unverdautes tickt… bei unserem Roger… aber seine Psychosen haben nichts mit meiner Realität zu tun!
Bezeichnenderweise sind gerade die Live-Präsentationen von Waters ein schreiender Widerspruch zu seiner in Fankreisen angenommenen „Progressivität“.
Einerseits kritisiert er zurecht Typen wie ***Aussage wegen Verstoßes gegen die Community-Richtlinien entfernt*** Trump, geniert sich aber nicht live einem Bombast zu frönen (vor allem in der optischen Inszenierung) der mich fatal an die Reichsparteitage der Nazis, Selbstinszenierungen auf ***Aussage wegen Verstoßes gegen die Community-Richtlinien entfernt*** erinnern.
Da dreht sich mir nicht nur der „intellektuelle Magen“ um…
Aber eins will ich auch noch loswerden:
Ich bin mittlerweile alt genug, dass ich Multimillionäre nicht mehr als Vorbild brauche…
zumal es mittlerweile zahlreiche geisteskranke Multimilliardäre gibt, die sich uns in obszöner Weise als neue Könige präsentieren und unsere Demokratie pulverisieren…
Da sind die Floyds eh nur noch Peanuts… Nicht dass ich die „neuen Könige“ als Vorbild verstanden wissen will…
Aber nun – Schluß mit Politics. Zurück ans Schlagzeug, nicht zur Flucht in ein feiges inneres Exil sondern für „mens sana in corpore sano…
Huch ja, was für ein déjà vu. Ich war damals 16 und stand am Anfang einer langen Phase hochgradiger Verwirrung, wie es normal ist in diesem Lebensabschnitt. Musik hörte ich damals noch nicht so analytisch wie heute und der Eindruck war schon phänomenal.
Wir Kids liebten dieses Album heiss, bei den Stuka- und Heli-Sounds wurde extra laut aufgedreht und bei Numb kamen logischerweise zutiefst schwärmerische Gefühle auf, die ein paar Jahre später durch pflanzliche Einflüsse nochmal ganz neu empfunden wurden…
Ja Waters Gequäke separierte das Album schon damals von seinen Vorgängern, Ricks hypnotisch-psychedelische Keys fehlten und nur Daves Gitarrensound und Stimme waren noch irgendwie verbindende Elemente.
Ein paar Jahre später sah ich die Band dann live ohne Roger und das war dann bereits einfach nicht mehr Pink Floyd.
Aber the Wall ist und bleibt für mich genau so wie seine Vorgänger ein Meisterwerk, ein eigentümliches, aber ein Meisterwerk,
Danke für den interessanten Hintergrundartikel.
Ich würde ja vorschlagen, daß ihr euch mal „Atom Heart Mother“ vorknöpft…diese Katastrophen-Produktion wäre ebenfalls ein echtes Lehrstück!
Irgend etwas verwirrt mich bei dieser immer wiederkehrenden Aussage zum Animals-Konzert:
„ Am 6. Juli beim Konzert in Montreal lagen dann bei Roger Waters die Nerven schon blank und er spuckte einen Fan an.“
Animals würde am 21. Januar 1977 veröffentlicht, also bevor dies passiert sein soll. Aber im Songtext von Dogs kommt diese Aussage vor:
„ Who was trained not to spit in the fan?“
Oder ist da gar nicht ein Fan, sondern ein Ventilator gemeint???
@liquid orange Hi liquid orange, das wäre natürlich faszinierend, wenn Roger den Vorfall in Montreal viele Monate vorher antizipiert hätte. Ich glaube, dass es dann aber „not to spit on a fan“ hätte heißen müssen. „In den Ventilator spucken“ ist, ähnlich wie „gegen den Wind pissen“, eine Metapher für eine unüberlegte Aktion, deren Folgen sich gegen einen selbst richten. Im Zusammenhang von „Dogs“ ist das die bittere Erkenntnis der Manager und Geschäftsleute, die auf ihre Kindheit zurückblicken, in der sie von Anfang an auf Konformität geeicht wurden, bloß keine Fehler zu machen, die dann auf sie selbst zurückschlagen könnten.
@costello Man braucht ja eine gewisse Übung und Treffsicherheit, um gezielt auf einen Fan spucken zu können…ich würde mal vermuten: Waters hat das schon ziemlich lange vorher geübt! Viellecht mit einem Ventilator?
@mort76 , das ist einfach ein Bild das Waters da bemüht. In dem Fall sagt die Literatur, dass Waters aus Frust zum Ende eines Konzertes gegen einen Fan spukte, weil er sich über das Verhalten von (Fans) Supporter in der ersten Reihe aufregte. Waters wollte keine alten Songs spielen und Gilmour verließ angeekelt die Bühne. Der Fan hat natürlich die Spucke retourniert. Britischer und Englischer Slang sind schon sehr speziell. 😁
Hi Costello
Danke für die Klarstellung, das macht Sinn :-)
Lieber Herr Lange,
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