Making of: Toto IV (1982), The Sound of „Africa“

18. April 2020

Toto IV - 6 Grammys und ewig währende Hits

Making of: Toto IV (1982), The Sound of "Africa"

Making of: Toto IV (1982), The Sound of „Africa“

Es gibt Alben, deren Cover sich sofort ins Gedächtnis brennen und bei deren Anblick man augenblicklich die Hits im Ohr hat und deren Rhythmen im Körper spürt. Dazu gehört unbestreitbar auch das Album, dessen knallig rotes Cover die Popwelt 1982 aufhorchen und die Kritiker der Band verstummen lassen sollte. Die Hits dieses Albums sind bis heute nicht aus den Radios dieser Welt wegzudenken und der Überhit „Africa“ zeigt seine Zeitlosigkeit in den zahlreichen Bearbeitungen durch andere Künstler im Laufe der letzten Jahrzehnte. Toto IV – here we go …

Making of Toto IV – Die Musiker

Schon lange vor Veröffentlichung des zum Klassiker bestimmten Albums mit dem schlichten Titel „Toto IV“ waren die einzelnen Musiker der bereits 1976 zur Band verschmolzenen Virtuosen in der Musikszene alles andere als Unbekannte. Drummer Jeff Porcaro (*01.04.1954) beispielsweise war zuvor Teil des unverwechselbaren Grooves der frühen Steely Dan Alben Pretzel Logic, Katy Lied und Gaucho sowie Mitmusiker zahlreicher Größen wie Barbra Streisand, Sonny & Cher, Diana Ross und vielen anderen. Selbst am Mammutwerk „The Wall“ von Pink Floyd war er beteiligt, da der Song „Mother“ mit Nick Mason an den Drums nicht so richtig funktionieren wollte. Jeff Porcaro wird, wie kaum ein anderer mit seinem Instrument identifiziert, sein Stil ist unverwechselbar. Kaum ein Drummer nennt ihn nicht als Einfluss und sein Markenzeichen, der „Porcaro-Shuffle“, soll dann auch gleich der Opener des hier besprochenen Albums sein. Doch dazu später mehr, versprochen! Jeff Porcaro verstarb tragischerweise am 5. August 1992.

Keyboarder David Paich (*25.05.1954), neben Jeff Porcaro eins der Gründungsmitglieder von Toto, ist ein ebenfalls lange vor Toto-Zeiten schon aktives Mitglied der großen Musikerfamilie der Popmusik-Gründerzeit der 70er Jahre in und um Los Angeles. Im klassischen Sound von Künstlern wie Boz Scaggs, Don Henley oder Diana Ross finden sich immer wieder sein Name und seine Trademark-Licks. Während Paich sich eher als der „konventionelle“ Keyboarder der Band gibt, füllt Steve Porcaro den Sound der Band immer wieder mit Synthesizer-Sounds, so auch auf Toto IV. Er ist einer der Pioniere dieses in der damaligen Zeit aufkommenden und die Musik immer mehr beeinflussenden Instruments. Nebenbei befand er sich zwischenzeitlich in einer Beziehung mit der Schauspielerin Rosanna Arquette. Auch dazu später mehr.

Die Saitenfraktion auf dem Albumklassiker Toto IV wird gestellt von Bassist David Hungate und Gitarrenlegende Steve Lukather. Beide erwarben sich ebenfalls unter anderem an der Seite von Jeff und Steve Porcaro frühzeitig Lorbeeren als Studio- und Sessionmusiker. Vor allem Steve Lukather hat vor Toto IV bereits einige weltbekannte Künstler begleitet und deren Hits mit seinem unverwechselbaren Ton veredelt. Zu seinen Auftraggebern zählten damals bereits Größen wie Elton John, Earth, Wind & Fire, Randy Crawford, Cher, Boz Scaggs und viele andere mehr. David Hungate beendete die Zusammenarbeit mit der Band nach der Produktion von Toto IV, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können.

Sänger Bobby Kimball, ebenfalls seit 1976 Gründungsmitglied von Toto, war, wie seine späteren Kollegen, ebenfalls in der Studioszene fest verankert. Er hatte zahlreiche Jobs als Background-Sänger, unter anderem bei Diana Ross, Leo Sayer, Alice Cooper, Tom Jones und Barbra Streisand. Seine charakteristische Stimme sollte eins der Markenzeichen der Band werden. Bei so viel musikalischem Background der späteren Toto Mitglieder lag die Idee von Jeff Porcaro und David Paich nahe, das Können und die Erfahrung zu einer Band zu vereinen. Mit dem Debutalbum Toto von 1978 konnte die Band direkt einen riesigen Erfolg verzeichnen, die Hitsingle Hold The Line erreichte mühelos die Top 10 der amerikanischen Billboard Charts und manifestierte sich als straighter Rocksong in einer durch Discogrooves geprägten Zeit. Toto IV sollte Kimballs vorerst letztes Album mit der Band sein – nach der Tour wurde er wegen seines Drogenkonsums gefeuert.

Toto IV – das Album, die Songs

Nach dem Debutalbum folgten zwei mäßig erfolgreiche Alben mit den Titeln Hydra und Turn Back. Beide konnten nicht an den Erfolg des Erstlingswerkes anknüpfen, obwohl ersteres der beiden genannten gerade in Progressive-Rock-Kreisen, vor allem wegen des genialen Titeltracks, noch immer höchste Anerkennung erhält. Somit war die Band gezwungen, ein Hitalbum abzuliefern, um nicht von der Plattenfirma kaltgestellt zu werden. Also besann man sich auf das, was die Band anfangs ausmachte: Klare Songstrukturen, eingängige Melodien und perfektes Handwerk. Das Schwert, Totos bekanntes Markenzeichen vom ersten Album, wird für das Coverdesign hier mit 4 Ringen kombiniert, die alle 4 Alben der Band repräsentieren. Bei genauerem Hinsehen ist der obere Ring glatter poliert als die anderen drei und symbolisiert das aktuelle Album.

Toto IV, das vierte Studioalbum der Pioniere des „Adult Oriented Rock“ (AOR), startet mit einem Paukenschlag: Dem legendären „Porcaro Shuffle“ des Drummers Jeff Porcaro. Ein kurzer Roll und dann direkt zwei Takte für die Ewigkeit. So werden Legenden geboren. Am Beispiel des Openers Rosanna lässt sich wunderbar die musikalische Extraklasse der einzelnen Musiker festmachen. YouTube hält hierzu eine Überraschung bereit, hier kann unter anderem der „isolated drum track“ von Jeff Porcaro in Ruhe genossen werden.

Gleiches findet sich auch für den Gitarrentrack, der sich als klassischer Fürsprecher des „weniger ist mehr Prinzips“ entpuppt. Auch wird hier deutlich, dass sowohl Lukather als auch die übrigen Produzenten ganz genau wussten, was sie taten. Die verwendeten Gitarrensounds sind allesamt recht unspektakulär, das Gesamtbild der „Wall of Sound“ entsteht mit Hilfe der von mir gern „Frequenztetris“ genannten Technik. Kein Instrument überlagert und verwässert das andere – das ist die hohe Kunst des Produzierens. Nebenbei hören wir ganz am Schluss des Guitar-Tracks noch ein bisschen Gefiedel der Extraklasse, was auf der Studioaufnahme im Fadeout verschwindet. Have fun …

Und weil es so schön ist, jetzt ein echtes Schätzchen: Die isolierten Vocal-Tracks. Wir hören Steve Lukather und Bobby Kimball im Wechsel jeweils den ersten bzw. zweiten Teil der Strophe singen, bevor dann im Refrain das einsetzt, wofür Toto unter anderem auch bekannt geworden ist: den perfekten Satzgesang. Der Chor ist in diesem und vielen anderen Songs der Kalifornier ein eigenständiges Instrument. Nebenbei hört man in dieser Aufnahme letztmalig Bobby Kimball in Hochform, beim nächsten Album übernahm dann Fergie Frederiksen die Leadvocals

Für die Bassisten und alle anderen Interessierten unter unseren Lesern darf natürlich der Isolated-Bass-Track von David Hungate nicht fehlen. Auch hier zeigt sich, dass ein im Mix perfekt platzierter Sound für sich allein nicht unbedingt einen Schönheitspreis gewinnen muss.

Zum Schluss noch ein Leckerchen für die Tastenfraktion und die Liebhaber gepflegter Bläsersätze. Auch hier zeigt sich wieder deutlich, wie wenig es braucht, einen Song groß klingen zu lassen. Und es zeigt ebenfalls, wie viel unser Ohr im Gesamtmix dazuschummelt und „beschönigt“. Auch hier sei wieder das Ende des Tracks ans Herz gelegt, dieses zeigt neben aller Perfektion auch fantastische Spielfreude

Die Hornsection dieses grandiosen Openers besteht übrigens aus dem legendären Jerry Hey, der neben der Verantwortung für das Arrangement auch gewohnt solide die Trumpete übernimmt, Jim Horn und Tom Scott an den Saxophonen und Jimmy Pankow an der Posaune. Arrangeur Hey ist ebenfalls alles andere als ein Unbekannter in der Szene. Ihn finden wir als Mitspieler im Umfeld des Überhitproduzenten Quincy Jones.

Nach dem nun ausführlich gewürdigten Ppening-Track Rosanna folgt mit Make Believe nun ein straighter Popsong, der vom Feeling her dem Hit Hold the Line nicht unähnlich ist, was wohl am konsequenten 6/8-Feel beider Songs liegt. Dieser Song scheint ein bisschen die Anbiederung an die Plattenfirma widerzuspiegeln, da man ja nun mal Hits abliefern musste, um die beiden Vorgängeralben „vergessen zu machen“. Das soll diesen Song keinesfalls herabwürdigen, auch dieser Song beinhaltet alles, was Toto zu einer legendären Band werden ließ. Am Saxophon übrigens ein gewisser John Smith, der offensichtlich bei David Sanborn in der Lehre war und dessen eigene Discographie sich liest wie ein altes Telefonbuch. Von Edgar Winter über die Doobie Brothers und Peter Maffay zu Randy Newman und Sonny Landreth.

Des Autors persönlicher Gänsehautsong schließt sich an. Aus der Feder von Steve Lukather folgt I Won’t Hold You Back, eine Ballade von unglaublicher Intensität und bestes Beispiel für eine gelungene Integration eines Orchesters in eine Power-Ballade. Wer sich übrigens Gedanken macht, wie die damals üblichen 24-Spur-Aufnahmegeräte all das bewerkstelligt haben, dem sei gesagt, dass insgesamt 3 dieser Geräte über einen SMPTE-Timecode synchronisiert wurden. Steve Lukather selbst sagte in einem Interview, die Bandmitglieder seien die „Gründerväter dieses Mists“. Gemeint hat er damit die ausufernde Nutzung immer aufwändiger werdender Aufnahmetechnik. Jedenfalls standen nach Abzug der Timecode-Spuren 69 bespielbare Spuren zur Verfügung. Darüber lacht heute jeder Cubase oder Logic User, 1982 aber war das alles andere als ein Standardverfahren. I Won’t Hold You Back jedenfalls ist eine kompositorische und aufnahmetechnische Meisterleistung. Ein Song, der sich anschleicht, leise „Du“ sagt und sich spätestens im Refrain mit gewaltiger Kraft in die Eingeweide des Hörers bohrt. Andere nennen es Edelkitsch … Der Song baut konsequent Spannung auf, die sich zum Ende des ersten Refrains noch steigert und dann, nach einem weiteren Durchlauf von Strophe und Refrain, in einem auskomponierten Gitarrensolo entlädt, das wiederum vom Orchester getragen wird und bei dem Lukathers ganze Klasse als Gitarrist und Tonformer deutlich wird. Was dann noch nebenbei alles kompositorisch im Hintergrund an orchestralen Kontrapunkten und harmonischen Schweinerein passiert, könnte einen extra Artikel füllen. I Won’t Hold You Back erreichte Platz 10 der amerikanischen Billboard Charts und hielt sich dort für 3 Wochen. Für das Orchester-Arrangement zeichnet sich übrigens Marty Paich verantwortlich, ein ebenfalls nicht ganz unbekannter in der Szene und nebenbei Vater von David. Bleibt also alles in der Familie. 2001 wurde der Song von einem gewissen Roger Sanchez unter dem Titel Another Chance in ein modernes Gewand gekleidet und sicherte damit wohl Lukather die Kosten seiner zahlreichen Scheidungen. Ob das Ergebnis gelungen ist, bleibt dem Urteil unserer Leserschaft überlassen. Immerhin war der Song damit dann auf Nummer 1 der britischen Single-Charts und zeigt, dass eine gute Komposition eben das Potential hat, auch mehrfach zum Hit zu werden.

Vorletzter Song der A-Seite (jahaha, das ist Vinyl-Sprech, die Älteren werden sich erinnern) ist Good For You. Ein Song, der wegen seines glatten AOR-Sounds und der relativ unspektakulären Komposition ein bisschen im Schatten der anderen Songs der ersten Seite steht. Featuring Bobby Kimball on Vocals, ist dieser Song etwas zu sehr auf Hit getrimmt, ist jedoch in Bezug auf die von Roger Linn programmierten Synthesizer durchaus hörenswert. Bei diesem Namen sollten einige Ohren aufklappen, ist Roger Linn doch ein versierter Produzent, Gitarrist und Entwickler elektronischer Musikinstrumente, allen voran sei hier die LinnDrum genannt, deren Sound viele Produktionen der 80er Jahre prägte. Eindrucksvoll zu hören unter anderem in When Doves Cry von Prince

Der letzte Song der ersten Seite bietet jetzt eine kleine Überraschung. Zum zweiten Mal erst im Bandkontext mit Toto übernimmt Steve Porcaro die Leadvocals seines eigenen Songs. It’s a Feeling, ein Song, der stilistisch ein wenig den AOR-Anspruch des Albums verlässt und sich in Jazzsphären wagt. In Moll gehalten und durch wundervolle Akkorde und Synthesizer-Sounds in Szene gesetzt, passt sich Porcaros Stimme perfekt in den Song ein und bildet einen klangvollen Gegenpart zu Lukathers und Paichs Kompositionen. David Hungate und Jeff Porcaro schweben durch den Groove, unterstützt durch das geniale Percussionspiel von Lenny Castro. Marty Paich steuert wieder das Orchester-Arrangement bei, Lukather beeindruckt mit einer wunderschön gespielten cleanen Gitarre. Wer will, hört in diesem Song schon die Handschrift, die später Michael Jacksons Human Nature schreiben sollte.

Drehen wir die Platte um, denn wir befinden uns weiterhin im Jahre 1982, digitale Tonträger sind noch aus der Zukunft und selbst Marty McFly ist 3 Jahre später noch mit einem Walkman in die 50er zurückgeflogen. Der Opener der B-Seite ist ein Rockkracher, der mit Lukathers offenbar von Hendrix inspiriertem Intro startet und in ein durchgehendes, treibendes Achtelriff übergeht. Afraid of Love hat alles, was ein Rockklassiker braucht. Neben treibendem Beat und rockender Gitarre imponiert hier wieder der perfekte Chor im Refrain, unterstützt von songdienlich spielenden Virtuosen, die offenbar immer genau wissen, welchen Part der Song gerade nicht braucht. Um die Gewalt, die dieser Song entwickeln kann, besser zu demonstrieren, hier jetzt mal nicht die Studioversion, sondern die Live-Version des Konzertes von 1990 aus Paris. Übrigens auch im Ganzen ein sensationelles Konzert und zum Anschauen empfohlen.

Wie hält man die Spannung eines Albums aufrecht, wenn so ein Knallersong die B-Seite eröffnet? Richtig, man setzt noch einen Knallersong obendrauf. Diesmal startet David Paich mit einem markanten Keyboardriff, das nach den ersten Tönen schon zeigt, wo der Rockhammer hängt. Jeff Porcaros Fills im Intro steigern die Spannung, bis der bleischwere Gitarrenakkord der ersten Strophe die Erlösung bringt und zum Rock den Roll hinzufügt. Gedoppelter Gesang in der Strophe und geniale Backgrounds von Bobby Kimball machen aus diesem Song eine Rockhymne, die für viele Fans des Albums den eigentlichen Höhepunkt darstellt. Lukathers Solo in der Mitte des Songs ist ein Musterbeispiel für ein songdienliches Solo als Höhepunkt des Songs. Mit perfekten Bendings und Vibrato garniert ein Filetstück für Gitarrenlehrer. Das Solo über den Endvamp ist nicht minder großartig, hier zeigt Lukather, dass er zu Recht zu den ganz Großen des Business gehört.

So langsam nähern wir uns dem Höhepunkt des Albums Toto IV, müssen aber vorher noch zwei weitere Songs besprechen. We Made It ist ein Song, der leider oft übersehen wird, scheint er doch im ersten Moment wie ein Lückenfüller. Als einer der wenigen Tracks, der fast ohne Gastmusiker und opulenten Orchesterarrangements auskommt, müssen wir einmal mehr darauf achten, wie dieser Song sich in unser Ohr schleicht. Wiederum beginnend mit Paichs Keyboardriff und kraftvollen, straighten Punches von Drums, Bass und Gitarre, folgt eine eingängige Gesangslinie, die sich, unterstützt durch Porcaros eleganten Backbeat und eine auf den Punkt agierende Band, über die Bridge zu einem Refrain hin steigert, der sich als Prototyp des eingängigen Poprefrains präsentiert. Der Solopart fungiert als i-Tüpfelchen. Ein fast klassisches call-and-response Lehrstück, bestehend aus Mike Porcaro am Cello und Steve Porcaros Synthesizer-Skills, gefolgt von Lukathers singender Gitarre, wiederum perfekt überleitend in die nächste Strophe. Das ist genau das Handwerkszeug, das dieses Album ausmacht und das von den Fans so geliebt wird. Übrigens nicht nur von denen, denn dieses Album findet sich auch in vielen Plattenschränken von Leuten, die mit Toto sonst so gar nichts anfangen können.

Waiting For Your Love schließt sich an und holt uns zurück auf den Dancefloor. Eine pulsierende Moog Basslinie von David Paich schickt David Hungate für diesen Song auf die Bank. Jeff Porcaro garniert gekonnt laid back und Steve Porcaro zaubert jazzige Synthesizer-Sounds und steuert später ein großartiges Solo bei. So entsteht ein grooviger Teppich für Bobby Kimball, der gerade bei diesem Song seine Klasse beweisen kann. Übrigens ist dies der einzige Song des Albums, der komplett ohne Gastmusiker auskommt.

Der unbestreitbare Höhepunkt des Albums beschließt das mit 6 Grammys bedachte Album. Kaum jemand, der diesen Song nicht kennt, auch heute, ziemlich exakt 38 Jahre später, geistert dieser Hit noch durch die Radiostationen der Welt und wird wohl auch in der Zukunft nicht aus deren Repertoire wegzudenken sein. Die Rede ist von Africa. Der Überhit der Band, der noch immer alles in den Schatten stellt, was diese Band danach veröffentlichen sollte. Basis des Songs, der nach einer Idee von David Paich entstand, der schon von frühester Kindheit an vom afrikanischen Kontinent fasziniert war, ist ein Drumloop, der einen afrikanischen Vibe versprüht und von Jeff Porcaro an den Drums und Lenny Castro an den Percussions und Joe Porcaro an den Marimbas eingespielt wurde. David Paichs ursprüngliche Intention hinter diesem Song war, auf das Elend hungernder Kinder in Afrika aufmerksam zu machen. Inspiriert wurde er dazu durch einen Unicef-Werbespot. Paich, der selbst vorher nie in Afrika war, lies sich für den Text durch Landschaftsbeschreibungen des National Geographic Magazine leiten und benötigte für den Text, der auch heute noch den Sängern etwaiger Top40 Bands die Schweißperlen auf die Stirn treibt, rund 6 Monate. Der Rest ist Geschichte …

Fazit

Perfekt beherrschtes Handwerk und immer wieder ein Händchen für eingängige Melodien. Das zeichnet Toto aus, deren Höhepunkt nach Meinung vieler Kritiker mit den Album Toto IV erreicht war. Perfekt arrangierte AOR-Hits, keine Schwächen in der Dramaturgie und ein Coverdesign für die Ewigkeit. Sollte es immer noch Menschen geben, die dieses Album nicht im Schrank oder auf der Festplatte haben, sei dringend die Nachholung empfohlen. Allen andere kann ich nur raten, dieses Album mal wieder mit frischen Ohren, einem guten Kopfhörer und einem noch besseren Glas Wein zu genießen.

Forum
  1. Profilbild
    MHSMike  AHU

    Als ich im Sommer 2019 TOTO auf dem Tollwood Festival in München wieder live erleben durfte hat sich jeder Song wie ein Schlüssel zu meinem Musikgedächtnis verhalten. Kaum 10 Meter von der Bühne entfernt bohrte sich jede Note in die tiefsten Schichten meiner Jugenderinnerungen. Alles wurde wieder lebendig, spürbar und bis in die letzte Zelle vibrierend. Toto, nicht mehr ganz in O-Besetzung, aber immer noch so kraftvoll wie damals. So authentisch und direkt, wie es eben nur die Liebe zur Musik machen kann. Nach fast 40 Jahren immer noch AKTUELLE Musik – zumindest für mich.
    Dieses Album von TOTO und nicht nur dieses haben mein Musikempfinden nachhaltig geprägt und auch heute noch kann ich davon nicht genug hören.

    Ein wunderbarer Artikel mit herrlichen, einfühlsamen Details und aufklärenden Einsichten.
    Danke auch für die Instrumental Auszüge und die Einsichten in die Besetzungen der einzelnen Titel.

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    Mr.Ketoujin  

    Überhaupt nicht meine Musik, aber da mein Sohn Toto mag habe ich ihm die Platte geschenkt. Bei Durchhören fielen mir besonders die sehr filigranen Keyboardlirnien auf. Ganz großes Kino sozusagen.

  3. Profilbild
    Schuli

    Mein Stiefvater ist ein Riesen-Toto-Fan und so kam es, dass ich vor vielen Jahren auf mein erstes Toto-Konzert ging. Ich war großer Progfan und hatte keine Ahnung was mich erwartet, aber ich weiß noch, dass mir schon das erste Konzert sehr gefiel. Das erste von inzwischen 7 oder 8, vlt 9, keine Ahnung. Aber zum letzten Konzert habe ich ihn und nicht mehr er mich gefragt, weil ich hinwollte, dank ihm konnte ich eine echt geile Band entdecken und selbst Fan werden. Vielen Dank für den sehr ausführlichen Artikel, insbesondere die Bass-Spur mal alleine stehend zu hören, war ein echter Genuss, jetzt hab ich was zum üben :D.

  4. Profilbild
    fredy83

    Man braucht kein Toto-Fan zu sein, um dieses Making-of grossartig zu finden. Einerseits, da die Toto-Musiker auf Toto IV abliefern, was hier schön detailliert (die isolated Tracks von Rosanna!) beschrieben ist: Songwriting, Arrangements, Zusammenspiel, Produktion, alles vom handwerklich Feinsten. Und andererseits eben wegen dieses professionell fundierten und bei aller sachlichen und journalistischen Professionalität doch viel Begeisterung transportierenden Berichts (ja, ich nehm den Shame-on-you-Preis-für-solche-Bandwurm-Sätze gern auf mich). Als Toto damals ihren Erstling präsentierten, sprach der „MusikExpress“ sinngemäss von einer „erschreckend kühlen Professionalität“. Tempi passati. Wer Toto selber live erlebt hat, weiss, dass Toto viel mehr war und ist als nur ein kühl berechnendes Charts-Unternehmen. Als Bassist bin ich bekennender … Jeff-Porcaro-Fan. Tipp: auf youtube das Making-of seines Porcaro-Shuffles suchen. Keep on rocking!

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      Jan Steiger  RED

      Hey, vielen Dank :-)
      Für Bandwurmsätze bin ich auch Spezialist :D
      Dank an meine Freundin, die zwischendurch immer mal mitliest und Punkte verteilt…

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