Making of: Van Halen – das Album

21. Februar 2019

Die Geburt eines Riesen

Van Halen Cover

Van Halen I – Posen gehörte auch Ende der 70er im Rockbusiness bereits zum Geschäft!

Nun sind es bereits 40 Jahre, seitdem die erste Van Halen Scheibe das Licht der Welt erblickte. Dieses Album war für mich und sicherlich viele tausend weitere Gitarristen eine Initialzündung, ein Meilenstein, eine Erfahrung, die mein Leben verändern sollte. Insbesondere die Titel Eruption oder auch die erste Single-Auskopplung You Really Got Me, der LP-Opener Running With The Devil und Ain’t Talking About Love setzten neue Maßstäbe am Rock- und vor allem Gitarrenhimmel. Schon der erste Gitarrensound, der auf diesem Album zu vernehmen ist (das Anschlagen der Saiten zwischen Brücke und Stoptailpiece einer Gibson Les Paul), ließ einen Hauch des Spielwitzes des damals blutjungen „mean and mighty“ Edward van Halen erahnen.

Ein niemals zuvor gehörter Sound, der an Brutalität und Gemeinheit bis heute seinesgleichen sucht, wurde hier mit absoluter Kompromisslosigkeit eingesetzt. Mithilfe seines legendären 100 Watt Marshall Super Lead Tops, dessen Spannung mittels eines sogenannten Variacs (entgegengesetzt vieler Behauptungen, Eddies Techniker hätte die Anodenspannung deutlich erhöht) etwas unter der vorgeschriebenen Spannung von 110 Volt und meist mit der sogenannten „britischen Einstellung“, (alle Knöpfe auf Rechtsanschlag) betrieben wurde, entlockten dem Verstärker in Verbindung mit seiner selbst gebastelten Strat (genannt „Frankenstrat“ die lediglich einen Gibson PAF-Humbucker am Steg besaß, den er seiner ES 335 entnahm) und den unglaublichen Fähigkeiten Eddies, zuvor scheinbar Unmögliches. Der Sound klang, als ob der Verstärker und auch die mit ihm gemeinsam betriebenen 4 x 12″ Marshallboxen um Gnade winseln würden und kurz davor waren, den Geist aufzugeben. Aber Eddie genehmigte seinen Werkzeugen keine Gnade, sondern forderte alles und noch mehr, ging immer an die Grenze des Machbaren oder sogar darüber hinaus.

Natürlich war auch, das damals in den Kinderschuhen steckendes Floyd-Rose-Vibratosystem, welches die gemeinsten Divebombs gestattete, ein unentbehrliches Werkzeug für Eddies Stil.

Als Van Halen einmal ein Festival mit Ted Nugent spielte und dieser sein „Pedalboard“ sah, das aus einem MXR Phaser, einem MXR Flanger, einem Echoplex und seinem Verstärker bestand, lachte er sich halb tot – aber Eddie brauchte nicht mehr.

Obwohl Eddie van Halen das Tapping nicht erfand, so hatte er es schon damals im Selbststudium zur Perfektion gebracht. Das hört man vor allem bei Eruption, wo diverse Dreiklänge und deren Umkehrungen, teilweise auch mit Quartvorhalt in vielen Versionen zu hören sind. Auch der Einsatz von natürlichen und künstlich erzeugten Flageoletts ist Bestandteil seines Spiels. Dazu kommen die ultrapräzise Rhythmik und der Reichtum an rhythmischen Figuren. Ähnlich wie sein viel zu früh verstorbener Kollege Jimi Hendrix, entwickelte Eddie gleichfalls ein brillantes und ideenreiches Rhythmusspiel, denn in einer vierköpfigen Rock & Roll Band musste er viele Aufgaben übernehmen. Grundsätzlich ist Eddie ausgesprochen „busy“ unterwegs, ständig am arbeiten, wobei sein Spielwitz einem oft die Freudentränen in die Augen treibt, da auch harmonisch gesehen jede erdenkliche Variante bemüht wird, indem auch manchmal dissonante Passagen integriert sind.

Eddie Gitarren bzw. auch der Bass waren alle einen Halbton tiefer gestimmt, was sein schnelles Spiel natürlich enorm erleichterte und den Sound noch etwas brutaler machte.

Eddies Frankenstrat wurde von Fender bis ins Detail kopiert und in limitierter Auflage hergestellt:

Viele Klänge des „Tierlebens“ sind hier auch zu hören. Ich möchte dies frei nach Schnauze einmal folgendermaßen beschreiben: wiehernde Pferde, abgestochene Schweine. sich übergebende Saurier.

Mit Dave Lee Roth hatten sich zwei kongeniale Musiker gefunden, die das Durchstarten der Band gegen Ende der 70er Jahre ermöglichten. Der gute Mr. Roth war abgesehen von seinen grandiosen Fähigkeiten als Sänger auch ein absolut durchtrainierter Poser, der den Rock & Roll mit all seinen Exzessen lebte.

Van Halen ist eine der einflussreichsten Rockbands aller Zeiten. Sie haben in den USA über 56 Millionen Alben verkauft, darunter mindestens 10 Millionen Exemplare zweier verschiedener Alben, und halten den Rekord für die meisten Nummer-1 Hits in den Billboard Rockcharts.

Die Musik könnte man als Symbiose einer einzigartige Mischung aus Hard Rock, Blues und Heavy Metal, die eine nie zuvor gehörte Klangkraft aufwies, bezeichnen. Die Kombination aus Eddie van Halens innovativem Gitarrenspiel, David Lee Roth als Frontmann und der Rhythmusgruppe von Alex van Halen und Mike Anthony war eine geniale Kombination. Anlässlich des 40. Jahrestages des Van Halen Debütalbums werfen wir hier einen kurzen Blick auf die Geschichte der Band und den Aufnahmeverlauf ihres ersten Albums:

Van Halen – die Anfänge

Alles begann eigentlich nur, weil Eddie ein PA-System brauchte. Wir beginnen zunächst noch etwas früher:

Die Brüder Van Halen wurden in den frühen 1950er Jahren in den Niederlanden geboren. Sie zogen 1962 nach Pasadena, Kalifornien. Eddie fing an, klassisches Klavier zu studieren, entschied sich aber schließlich für das Schlagzeug. Er hatte allerdings auch einem Job nachzugehen, da er Kohle ranschaffen musste und während er arbeitete, schlich sich Alex ans Schlagzeug und übte. Eddie erwischte ihn eines Tages dabei und sagte: „OK, du spielst Schlagzeug und ich werde Gitarre spielen.“ Nun hatten sie ein Projekt.

1972 gründeten sie eine Band namens Genesis mit Mark Stone am Bass. Nein, nicht diese Genesis. Sie hatten bereits eine Reihe von Leadsängern „gecastet“, die jedoch alle letztlich nicht überzeugend waren, sodass Eddie zunächst diesen Job übernahm.

Frontmann David Lee Roth hatte sich bereits mehrere Male angeboten, wurde aber wiederholt abgelehnt. Er besaß jedoch eine eigene P.A., an der die Band interessiert war. Nachdem sie diese zunächst monatelang gemietet hatten, beschlossen sie Geld zu sparen, indem sie Dave Lee Roth der Band beitreten ließen. 1974 ersetzten sie Mark Stone durch den Bassisten Michael Anthony, der wichtig war, da er die hohen Stimmen überzeugend singen konnte und nun waren die Gründungsmitglieder Van Halens komplett.

Die Trackliste des ersten Albums

Nachdem sie entdeckt hatten, dass Peter Gabriel bereits eine (recht erfolgreiche) Band namens Genesis hatte, beschlossen sie, ihren Namen in Mammoth zu ändern. Irgendetwas bei diesem Namen gefiel Dave Lee Roth jedoch nicht wirklich und 1974 überzeugte er die Band, ihren Namen in Van Halen zu ändern.

Die meisten Clubs wollten sie nicht buchen, weil sie zu laut waren, so waren ihre ersten Auftritte hauptsächlich auf Hinterhofpartys und Pritschenwagen. Sie bauten sich langsam eine Fangemeinde auf, indem sie an örtlichen Gymnasien Flyer verteilten. Die Band spielte, nachdem sich ihr Können herumgesprochen hatte, Gigs in Clubs wie Gazzarri und dem legendären Whiskey A Go Go und kletterte schließlich an die Spitze der Musikszene von LA. Eines Nachts 1976 befand sich Gene Simmons von KISS im Publikum und er war sehr angetan von der Performance der Band.

Gene Simmons erinnert sich: Ich sah die Band und wir flogen gemeinsam nach New York  in die Electric Lady Studios. Sie unterschrieben dann bei meiner Firma Man of 1.000 Faces. Ich produzierte damals ihre 24-Spur-Demos, 15 Songs, die ich immer noch besitze.

Nach der Aufnahme der Demos zeigte Simmons diese seinem Manager in der Hoffnung, einen Plattenvertrag zu erhalten. Man sagte ihm jedoch, „dass die Band keine Chance hätte“. Die Musikkassette lag bis zum nächsten Jahr in seiner Schublade.

1977 waren Mo Ostin und Ted Templeman von Warner Brothers Records während einer Show der Band im Starwood in Hollywood im Publikum. Templeman empfand dasselbe wie Gene Simmons. Van Halen hatte etwas Besonderes, besonders in der Energie ihrer Live-Performance. In der folgenden Woche unterschrieb die Band bei Warner Brothers.

Die Entstehung des ersten Van Halen Albums

Van Halen wurde im Oktober 1977 im Sunset Sound für rund 40.000,- Dollar aufgenommen. Das Album wurde hauptsächlich live in Studio 1 aufgenommen, ausschließlich bei „Runnin‘ with the Devil“, „Jamie’s Cryin'“, „Feel Your Love Tonight“ und „Ice Cream Man“ kamen Gitarren-Overdubs zum Einsatz.

Das Album wurde von Ted Templeman von Warner Brothers Records produziert und von Donn Landee entwickelt. Im Jahr 2013 kommentierte Donn Landee seine Zeit bei Van Halen sinngemäß:

In zwei Stunden haben wir 28 Tracks aufgenommen, also wussten wir, dass die Band spielen konnte.“ Der Produzent Ted Templeman wollte die rohe Energie ihrer Live-Performance einfangen und entschied sich für die traditionelle Methode des Multitrackings und nahm die Band live auf. Wir haben sehr wenig Zeit in der Vorproduktion verbracht. Tatsächlich haben wir das gesamte erste Album wie ein Demo behandelt.“ Die Gitarren Eddies wurden mit zwei SM57 abgenommen.

Auf die Frage, warum die einzige Gitarre des Albums auf den linken Kanal verschoben wurde, sagte Donn Landee: Es war sinnvoll, weil wir keine Gitarren überladen wollten. Wenn sie die Gitarre mit allem anderen in die Mitte legten, würden sie mit der gesamten Band in mono spielen!

Der gute Eddie, Erfinder, genialer Geist. Hier kann man seinen mächtigen Sound auf der isolierten Gitarrenspur von Atomic Punk, dem siebten Titel des Tonträgers hören (inkl. seiner MXR-Tretminen Phaser und Flanger).

Natürlich besitze ich auch heute noch die Originalscheibe (abgesehen von fünf weiteren LPs von van Halen), von der ich mir in jahrelanger Arbeit die Phrasen und Licks Eddies auf halber Geschwindigkeit, also 16,5 Umdrehungen per Minute versuchte, herauszuhören und zu kopieren.

Ich verwendete hierzu meinen geliebten Lenco L75 Plattenspieler, der die Fähigkeit hatte, Tonträger aus Vinyl auf exakt halber Geschwindigkeit abzuspielen, die dann exakt eine Oktave tiefer erklangen. Heute genießt man den Luxus, sich mit einer Tabulatur, Transkription oder auch YouTube-Videos (Eruption Lesson) weiterzuhelfen. Ich bin jedoch der Ansicht, ein optimales Training der Ohren ist immer das Heraushören, um auch jede Kleinigkeit eines Bendings, Vibratos, Tappings etc. wirklich bis im Detail zu inhalieren und zu verstehen.

Ich hoffe, ihr hattet Spaß mit dem Artikel.

Stay tuned!

Fazit

Obwohl Van Halen bereits im Jahre 1996 über 10 Millionen Exemplare ihres Debütalbums verkauft hatten, war dies erst der Anfang. Van Halens Sound mag sich mit der Zeit geändert haben, da die Band später deutlich poppiger wurde, Van Halen I ist und bleibt ein Denkmal für die rohe Energie, die die Faszination des Rock & Roll ausmacht!

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