Mark Knopfler: Seine Gitarren, seine Musik

19. Dezember 2018

Der Sultan des Swings!

Mark Knopfler 1

Mark Knopfler

Niemand bringt eine Gitarre so zum Singen wie Mark Knopfler. Mit seinem unverwechselbaren Sound und seiner unnachahmbaren Virtuosität schaffte es der englische Singer und Songwriter, einen unvergleichlichen Mix aus Country, Blues und Rock auf die größten Bühnen der Welt zu bringen und verkaufte mit den Dire Straits und als Solokünstler Hunderte Millionen von Platten. Seit rund vier Jahrzehnten begeistert er dabei Gitarrennerds mit seinem Können und befriedigt dabei auch einen Mainstream-Geschmack. Grund genug, sich sein Lebenswerk, seinen Stil und natürlich das Equipment des Sultan of Swing mal genauer anzusehen und ihn zugleich in unsere Hall of Fame aufzunehmen.

Mark Knopfler – Leben und musikalischer Werdegang

Mark Freuder Knopfler wuchs nach seiner Geburt im Jahr 1949 in Glasgow, Schottland, mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder David in Blyth, England, auf. Sein Vater, ein ungarischer Jude, der Ende der Dreißigerjahre vor dem Nationalsozialismus nach Großbritannien flüchtete, verlieh der Familie den etwas untypischen Namen Knopfler, seine Mutter Mary stammte jedoch aus England. Die beiden Knopfler Brüder verbrachten eine relativ ruhige und behütete Kindheit in dem kleinen Städtchen nahe Newcastle. Musikalisch wurden sie von ihren Eltern schon früh erzogen, wenn auch nicht wirklich ausgebildet. Sein Onkel hatte ebenfalls einigen Einfluss auf Marks Musikgeschmack, da er Piano und Harmonika spielte und den jungen Mark mit Boogie und Blues in Kontakt brachte. Nach langem Nerven konnte seinen Vater dazu bewegen, ihm eine Gitarre zu schenken und er lernte darauf schnell Songs von Django Reinhardt, Elvis Presley und Chet Atkins.

Schon mit 16 spielte er in ersten kleinen Bands und schaffte es sogar zu einem Fernsehauftritt mit einem seiner Klassenkameraden. Nach einem ersten Job bei einer lokalen Zeitung entschied sich Mark später, Journalismus zu studieren und erhielt einen Job als Lokalreporter bei der Yorkshire Evening Post. Später studierte er weiter und erlangte seinen ersten akademischen Grad in englischer Geschichte.

Mark Knopfler sollte die Rockgitarre später einmal mit den Dire Straits und seiner Solokarriere entscheidend weiterbringen

Neben weiteren musikalischen Kollaborationen, in denen er in Bars Blues und Folk darbot, nahm er 1970 sein erstes Demotape mit der Hilfe einiger Freunde auf und bildete mit ihnen die Blues-Rockband The Silverheels. Andere Bands folgten und sogar eine frühe Album-Aufnahme gelang, diese fand aber nicht viel Beachtung. In dieser Zeit entwickelte Mark Knopfler auch seinen Gitarrenstil entscheidend weiter und entdeckte das Fingerpicking immer mehr für sich. Anfangs hatte er wohl auch mal mit Plektren gespielt, aber eine alte Gitarre, die wohl nur so spielbar war, überzeugte ihn von der Technik, die er von da an beibehalten sollte.

1977 entwickelte sich aus der WG-Band The Café Racers die Urbesetzung von Dire Straits. David und Mark Knopfler spielten Gitarre, John Illsley Bass und Pick Withers Schlagzeug. Ihr erstes Demo enthielt dabei schon ihren späteren Megahit Sultans of Swing und war bereits prägend für den Stil der Band, der sich irgendwo zwischen Blues, Rock und einer gehörigen Portion Folk & Country bewegte.

Dire Straits eroberten schon kurz nach ihrer Gründung die Welt im Sturm

Das erste Album „Dire Straits“ verkaufte sich in Großbritannien erst zögerlich, eroberte aber nach ein paar Monaten die ganze Welt. Von da an waren Dire Straits im Rockolymp angekommen, die nachfolgenden Alben verkauften sich immer besser, insbesondere Brothers in Arms, die Hitsingles prasselten nur so auf die weltweiten Charts ein und die Band füllte Stadien mit ihren Konzerten. Diese Strähne reichte bis 1995. Die Band löste sich auf und die Mitglieder gingen ihre eigenen Wege. Mark begann eine Solokarriere, veröffentlichte bis heute acht Soloalben, komponierte Filmmusik und nahm mit Künstlern wie Bob Dylan, Sting und Phil Collins Songs auf. Bis heute ist er überaus produktiv und in regelmäßigen Abständen hört man immer mal wieder Neues und gerne auch Altes vom Sultan of Swing.

Mark Knopfler – Stil & Technik

Mark Knopfler hat seinen ganz eigenen und besonderen Stil entwickelt und perfektioniert. Diese Aussage trifft wahrscheinlich so oder ähnlich auf so ziemlich jeden anderen Gitarristen zu, aber bei Knopfler ist es nun einmal eine Reihe an ganz besonderen Zutaten, die seinen ganz persönlichen und unverwechselbaren Sound ausmachen. Eine davon ist seine besondere Spieltechnik der Schlaghand. Knopfler spielt schon seit seinen Anfängen mit Dire Straits und über seine gesamte Karriere hinweg so gut wie ausschließlich ohne Plektrum oder sonstige Hilfsmittel wie Fingerpicks. Was in der Welt der Konzertgitarre normal und in der der Westerngitarre ebenfalls vorstellbar ist, ist bei der E-Gitarre schon seltener und da insbesondere bei virtuosen Leadgitarristen. Dabei war Mark Knopfler sicher nicht der Erste und wird nicht der Letzte bleiben, der seine Gitarre nur mit den Fingern spielt, aber es ist schon eine Art Markenzeichen geworden und hat seinen Klang und seinen Stil geprägt wie kein anderer Faktor.

Meistens beschränkt sich Knopfler dabei auf den Daumen sowie den Zeige- und Mittelfinger seiner Schlaghand, während er Ring- und kleinen Finger auf dem Schlagbrett bleiben und nur gelegentlich beim Strumming zum Einsatz kommen, was sehr stark dem Country- und Folk-Techniken entliehen ist.

Dieses Picking mit einer stabilen Auflagefläche und dem weit nach vorne gestreckten Daumen verleiht ihm ein großes Maß an Kontrolle und er nutzt es, um verschiedenste Techniken in schneller Folge anzuwenden. So dämpft er kräftig gespielte Töne oft mit dem Daumen ab und bewegt sich klanglich irgendwo zwischen gedämpften Alternate Picking und Chickenpicking oder auch an den Enden des jeweiligen Extrems. Dazu setzt er oft eine starke Dämpfung des Handballens ein, um Anlauf für bestimmte Noten zu nehmen und eine fast tonlose Folge von Noten in einem klaren und lang anhaltenden Ton münden zu lassen. Und keiner kann seine Gitarre, ob clean oder angezerrt so singen lassen wie Mark Knopfler!

Mark Knopfler 2

Mark Knopfler mit einer roten Stratocaster, lange Zeit ein Markenzeichen des Gitarristen und Sängers

Ein weiterer Vorteil seiner Spielweise besteht in dem punktierten Anschlag mehrerer, meist zweier Saiten, den er immer wieder in sein Spiel einbringt, um Akzente zu setzten, was insbesondere dann sehr wirkungsvoll ist, wenn er die eher seltenen, angezerrten Passagen spielt. Ein gutes Beispiel dafür ist das bekannte Dire Straits Lied „Brothers in Arms“ oder das Solo zu „You and your Friend“. Solch eine Spielweise und dieser Sound wären mit einem Plektrum nur schwer erreichbar.

Und gerade diese Akzente sind es, die Mark Knopflers Spiel so interessant und spannend machen. Es ist nicht nur die zweifelsfreie Virtuosität und Geschwindigkeit, die er an den Tag legt, sondern vor allem die Dynamik des Instruments, die er wie kein anderer ausschöpfen kann. Neben den angesprochenen Anläufen zu einzelnen Noten ist es der mühelose Wechsel zwischen sanften und leisen Klängen, die die Gitarre weich und rund klingen lassen und den kraftvollen und akzentuierten Spitzen innerhalb eines Melodielaufes von nur wenigen Tönen, das sein Spiel so einzigartig macht.

Hinzu kommt eine fast schon unheimliche Kontrolle über Slides und Bendings in allen vorstellbaren Tempi, die er beinahe ständig wie nebenbei einsetzt und die dabei schon beiläufig wirken, weil sie so gut wie immer perfekt sitzen. Ein bestimmtes Bending kommt dabei immer wieder zum Einsatz, indem Knopfler eine Note oder mehrere Halbtöne nach oben zieht und kurz nach dem Erreichen des Zieltons noch einmal einen halben oder ganzen Ton darunter ansetzt. Diese Doppelbendings verleihen seinem Ton eine zusätzliche Bestimmtheit, ohne statisch zu klingen und hören sich für mich oft an wie eine Feder, die den Finger in der richtigen Position einrasten lässt. Schwer zu beschreiben, aber schön anzuhören.

Mark Knopfler 3

Knopflers Gesang ist eher schlicht, sein Gitarrenspiel dafür sehr fein

Last, but not least ist das Gefühl für Timing zu nennen, das Mark Knopfler in so ziemlich jedem Lick und Solo beweist. Auf dem Papier ist die ständige Abwechslung zwischen Gesang und Gitarrenlicks etwas zu viel und könnte chaotisch werden, aber Knopfler findet irgendwie immer den richtigen Einstieg, indem er anscheinend ein wenig hinterherhinkt und die richtige Länge für seine Filler findet, die sich oftmals ein wenig in den Gesangspart ziehen. Dies bringt zwischen seiner Stimme und seinem Spiel einen Groove hervor, der so nur bei ihm zu hören ist. So bei den absoluten Dire Straits Klassikern „Sultans of Swing“ oder „Lady Writer“ zu hören, wie auch bei fast allen anderen seiner Lieder. Dabei hat er auch einfach immer das richtige Gefühl für Pausen und leere Stellen. Es geht ebenso um die Töne, die er nicht spielt, wie um jene, die er spielt, um mal ein Klischee aus der Gitarrenwelt zu bedienen.

All das ist mit einem sehr geschmackssicheren Songwriting verbunden, das sich aus dem Rock, Country und Blues bedient, sich fast ein eigenes Genre geschaffen hat und mit dem er bis heute auf seinen zahlreichen Soloalben immer noch viel experimentiert.

Interessant und stilprägend ist auch sein Gesang. Der ist vergleichsweise minimalistisch und zurückhaltend im Vergleich mit seinem blumigen Gitarrenspiel. Schon eher ein murmelnder tiefer Sprechgesang als klassischer Rockgesang, bildet er einen rhythmischen, aber einfachen Kontrast zu den ständig auftauchenden Licks und Lines seiner Gitarre und passt vielleicht genau deshalb so gut dazu.

Forum
  1. Profilbild
    Codeman1965  

    Es gibt ja wirklich eine Menge genialer und brillianter Gitarristen, welche die Musikgeschichte geprägt haben, und es werden sicherlich noch so einige dazukommen. Mark Knopfler ist einer derjenigen, die man aus hundert Anderen heraushört.
    Für mich war er seinerzeit ’ne Ikone und der Anlass, selbst mit der Musik anzufangen, auch wenn ich später doch in Richtung Keys abgedriftet bin.
    Die ersten Alben von Dire Straits sind für mich auch heute noch ganz weit vorne.
    Inzwischen hat der gute Mark etwas zugenommen und dabei auch etwas seine musikalische „Wildheit“ eingebüßt. Aber er haut immer noch Dinger ‚raus, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Dann sitze ich wieder mit der Gitte da und verzweifle bei dem Versuch, ihr auch mal solche Läufe aus den Saiten zu leiern… :-)
    Es gibt bei YouTube ’ne Menge interessantes Material über ihn und mit ihm, z.B. die Guitar Stories von SkyArt1, die das Thema dieses Artikels ebenso aufgreifen, oder einige Gigs mit Chet Atkins oder Hank Marvin…
    Ich meine, er ist und bleibt große Klasse! Der soll ja noch nicht aufhören… :-)

    Danke, Tilmann, für den Artikel…!

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      Stephan Güte  RED

      Ich denke, dass man sagen kann, dass M.K. wohl für den Maßstab für Cleansounds einer Strat gesorgt hat und das man auch ohne Verzerrer richtig abfeiern kann.

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      tilmann.seifert  RED

      Hey Codeman1965,

      Ja, es ist schon immer wieder abgefahren, was er so alles geschaffen hat in seiner Karriere. Die ersten Alben find ich auch hammer, aber die beiden live Alben waren immer meine Lieblinge rein von der Performance her. Die Soloalben sind ganz anders, aber es lohnt sich
      auf jeden Fall auch die sich anzuhören. Hoffe da kommt noch vieles mehr von ihm.

  2. Profilbild
    Stephan Merk  RED 1

    An dieser Stelle möchte ich auf sein brandaktuelles Album „Down The Road Wherever“ hinweisen, das sich stilistisch eher an die alten Dire Straits Zeiten ausrichtet und auch mit einigen Jungs von damals entstanden ist. Während die letzten Alben mehr in den Bereich Country abgedriftet sind, ist dieses Album etwas kommerzieller, was ich keinesfalls abwertend meine. Wie auch die vorherigen drei Alben ist es als limitierte Edition mit LP und CD erhältlich. Die vier Boxen zieren meinen Plattenschrank, bzw. wäre es ja unklug, das vierte Album nicht auch in dieser Box zu erstehen. ;)

  3. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Ich fand es gerade in den „Brothers in Arms“ Zeiten immer schade, dass die Knopfler Soli live immer sehr nah an der Studioaufnahme waren. Mir fehlte da manchmal die freien Interpretationen, besonders bei den Soli. Ansonsten ist er der Hammer und aus HiFi Sicht hat die Brothers in Arms natürlich auch Geschichte geschrieben.
    Sehr schöner Artikel – Danke!

    • Profilbild
      tilmann.seifert  RED

      Hey,
      also ich finde bei auf auf der „On The Night“ Hat er bei vielen Soli und auch gerade bei Brothers in Arms nochmal ne gute Schippe draufgelegt. Aber es stimmt schon: So wie ausladend wie bei früheren Liveaufnahmen sind die Soliimprovisationen nicht.

  4. Profilbild
    Sintetizador

    Ich weiß nicht, wie jemandem Mark Knopfler NICHT sympathisch sein kann. Der Mann hat so viel erreicht, wirkt aber dennoch so bescheiden und kumpelhaft – einfach toll. Außerdem kann man die Dire-Straits-Alben hervorragend „durchhören“. Songs wie „Communique“ oder „Follow Me Home“ sind so herrlich entspannt, perfekte Hintergrundmusik, vor allem beim Arbeiten. ;-) . https://45nord.de/

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