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Test: Marshall DSL20CR, Gitarrenverstärker

16. April 2019

Marshall Vollröhren-Combo zum fairen Kurs

Marshall DSL20CR

Der Marshall DSL20CR

Die Marshall Familie hat Zuwachs bekommen! Der DSL20CR Gitarrencombo scheint aufgrund der gebotenen Features und des günstigen Preises ein echtes Schnäppchen zu sein: Vollröhrenbauweise, zwei Kanäle, integrierter Hall, schaltbarer Effektweg sowie ein Power-Soak zur Lautstärkereduzierung sind Dinge, die den kleinen Combo sowohl für zu Hause als auch im Proberaum oder für den Einsatz bei Gigs interessant machen könnten. Das Ganze gibt es für deutlich unter 500,- Euro, von daher war klar, dass diese Kiste bei uns den Test antreten muss!

Marshall DSL20CR – Facts & Features

Zunächst einmal sieht der DSL20CR so aus, wie man sich einen Marshall vorstellt und wie man ihn schon seit ewigen Zeiten kennt. Das 500 x 420 x 250 mm große Gehäuse des Combos besitzt den gewohnt robusten Tolex-Überzug und an allen Ecken sorgen Kantenschoner dafür, dass der Verstärker auch nach Jahren der Nutzung noch gut da steht. Nämlich auf seinen vier Gummifüßen, die dem Gehäuse einen sicheren Stand garantieren. Der Tragegriff auf der Oberseite hat mit dem Gewicht des Amps kein Problem, überhaupt sind 16,3 kg für einen Vollröhrencombo mit 12″ Lautsprecher ein guter (weil rückenschonender) Wert und somit ist die Kiste, wenn es drauf ankommt, auch ruckzuck von A nach B transportiert.

Nicht fehlen darf natürlich die typisch weiße Randverstärkung auf der Vorderseite, die die Bespannung des Lautsprechers und des ebenfalls typischen, goldenen Bedienpanels umschließt. Das Panel dürfte vermutlich aus Kostengründen aus Kunststoff gefertigt sein, was einem guten Gesamteindruck bei der Verarbeitung aber keinen Abbruch tut. Dabei kann man sich vorstellen, dass es für diesen Preis sicher keinen Marshall aus englischer Fertigung gibt. Richtig, denn der DSL20CR wird in Vietnam hergestellt, die Beschriftung auf der Rückseite verrät es. Und die schauen wir uns doch gleich mal an.

Marshall DSL20CR – Rückseite

Marshall DSL20CR Rückseite

Das Gehäuse ist nicht ganz verschlossen. Es gibt eine kleine Aussparung für eine Bassreflexöffnung am unteren Ende sowie eine etwas größere im oberen Teil, die zum Abführen der entstehenden Wärme dient und zugleich auch einen Blick auf den verbauten Lautsprecher und die beiden Endstufenröhren ermöglicht. Was kann in einem Marshall anderes werkeln als ein Celestion Speaker? Genau, hier sorgt das Modell Seventy-80 für die Abgabe der 20 Watt, die die beiden EL34 Röhren mindestens raushauen und was somit für viele Anwendungen ausreichen sollte.

Die Anschlüsse an der Rückseite zeigen sich wie folgt: vier Lautsprecherausgänge für 8 und 16 Ohm Zusatzboxen, wobei einer bereits vom internen Celestion belegt ist, ein Effektweg mit Send und Return samt Buchse zum Aktivieren der Effektschleife, ein Audioeingang zum Einspielen von externem Audiomaterial sowie eine Emulated-Out-Buchse, an der ein frequenzkorrigiertes Signal anliegt. Im Lieferumfang des Marshall DSL20CR Gitarrenverstärkers befindet sich zudem ein Fußschalter, der einen Wechsel zwischen den beiden Kanälen ermöglicht und mit dem man darüber hinaus auch noch den Effektweg an- bzw. abschalten kann.

Marshall DSL20CR footswitch

Der mitgelieferte Fußschalter PEDL 90012

Den Abschluss auf der Rückseite bildet der Anschluss für das Netzkabel, das selbstverständlich auch mitgeliefert wird und zudem eine praxisgerechte Länge besitzt.

Marshall DSL20CR – Frontpanel und Bedienung

Nun aber zur Frontplatte, die mit ihren zehn Potis dicht bestückt ist. Die beiden Kanäle sind mit „Classic Gain“ für die Clean- bis Crunchsounds und „Ultra Gain“ für alles Härtere bezeichnet und besitzen je ein Gain- und ein Volumepoti, einen separaten Mastervolume-Regler für die Endstufe gibt es nicht. Teilen müssen sich die beiden Kanäle eine gemeinsame Klangregelung, die nicht weniger als 5 (!) Bänder beinhaltet: Höhen, Mitten, Bässe, Präsenzen und einen Resonace-Regler, der für einen zusätzlichen Schub im Bassbereich sorgen soll. Ganz praktisch, wenn man den Amp in geringen Lautstärken spielen möchte. Doch das war noch nicht alles in Sachen Equalizing, denn ein Knopf mit der Bezeichnung „Tone Shift“ schiebt das vorgegebene Frequenzband des Mittenreglers in einen neuen Bereich, um so dem Klang einen komplett anderen Charakter verpassen zu können.

Einen weiteren Knopf gibt es noch am Frontpanel, der dient zum Umschalten der Kanäle, falls man den Fußschalter mal nicht angeschlossen haben sollte. Eine LED informiert über den momentan angewählten Sound: grün für „Classic Gain“ und rot für „Ultra Gain“.

Marshall DSL20CR Tone Shift

Der Tone-Shift-Knopf sorgt für ein neues bzw. erweitertes Klangbild des DSL20CR

Ein weiteres Feature des Marshall DSL20C versteckt sich hinter dem Stand-by-Schalter, ein Power-Soak nämlich. Der Schalter arbeitet dafür in drei Ebenen: In der Mittelposition funktioniert er als klassischer Stand-by, nach unten gelegt steht die volle Endstufenleistung von 20 Watt zur Verfügung und nach oben gekippt halbiert er die Leistung des Amps um die Hälfte. Den Abschluss auf dem Frontpanel bildet der Regler für den internen Digitalhall, der auf beide Kanäle wirkt.

Marshall DSL20C – in der Praxis!

Ganz ohne Knacken nimmt der kleine DSL20CR nach dem Umlegen des Stand-by-Schalters die Arbeit auf. Das Starten ohne Knacken oder Schläge aus dem Speaker ist schon mal sehr positiv, allerdings macht sich direkt danach, unabhängig vom gewählten Kanal, ein deutliches Grundrauschen breit. Im Proberaum oder bei Gigs dürfte das sicher nicht nerven, beim leisen Üben oder Jammen um Mitternacht in der hellhörigen Mietwohnung könnte das jedoch von dem einen oder anderen durchaus als störend empfunden werden.

Der „Classic Gain“ Kanal deckt vom glasklaren Cleansound bis hin zu ersten leicht verzerrten Sounds eine breite Palette ab und imponiert dabei mit einem enormen Headroom. Das bedeutet, dass absolut saubere Klänge auch mit einer hohen Lautstärke abgegeben werden können, wenn man das so möchte. Aber mal ehrlich, wer kauft sich schon einen Marshall Gitarrenverstärker, um damit unverzerrt zu spielen? Genau, deswegen schalten wir sofort um auf den „Ultra Gain“ Kanal und hören eine große Auswahl an verzerrten Sounds, die von klassischem AC/DC Rhythmussound bis hin zum High-Gain-Metal reichen, dabei aber nie die typische Marshall-Charakteristik mit ihren „kreuzbrechenden Mitten“ und den mehr oder minder kratzenden Höhen verlieren. Der eine mag es, dem anderen ist dieses Klangbild dann doch eher „zu klassisch“ und dieser Grundsound ändert sich auch nicht, wenn die Tone-Shift-Funktion ins Spiel kommt. Hier sind dann zwar auch Scooped-Sounds möglich, die klingen jedoch recht flach und ausdruckslos. Klanglich besser steht der Amp in jedem Fall da, wenn man mit den Mitten nicht zu geizig umgeht.  Ist ja auch besser für die Durchsetzungskraft, wie wir ja alle wissen. Pluspunkte gibt es weiterhin für das gute Dynamikverhalten – hier merkt man bei jeder Bewegung der Finger, dass sich am anderen Ende der Strippe eben ein echter Röhrenamp befindet.

Marshall DSL20C – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich den Marshall DSL20CR mit einem AKG C3000 Mikrofon in Logic aufgenommen, als Gitarre wurde meine Music Man Silhouette Special verwendet. Effekte wurdennicht benutzt, selbst auf den internen Hall des Amps habe ich verzichtet, denn er klingt leider nicht sonderlich gut. Also besser ein Hallkistchen in den Effektweg hängen, dafür ist er ja schließlich da.

Gehen wir es gemächlich an mit einem unverzerrten Sound des „Classic Gain“ Kanals, der, ich erwähnte es bereits, mit einem hohen Output und einer sehr offenen Dynamik glänzt.

Wir schalten um auf den „Ultra Gain“ Channel, beginnen dort aber mit einer geringen Verzerrung – ein für Marshall typischer „Classic Rock Sound“ wird hörbar.

Nun erhöhen wir die Zerrung ein Stück weiter, klingt schon nach recht modernem Rocksound, oder?

Im dritten Beispiel hören wir die maximal mögliche Zerrung des DSL20CR. Das ist schon recht ordentlich, für die ganz Harten dürfte es aber sicher noch ein Stückchen mehr sein.

Und im letzten Beispiel schließlich der Versuch, mit der Tone-Shift-Funktion einen modernen „scooped“ Metalsound aus dem Amp zu kitzeln. Na ja, das können andere sicher besser.

Marshall DSL20CR

Fazit

Führt man sich den für einen Vollröhren-Combo eines Markenherstellers günstigen Preis vor Augen, so muss man dem Marshall DSL20CR nach Abschluss des Tests einfach ein gutes Ergebnis bescheinigen. Der kleine Amp besitzt alles, was man zum Üben, für kleinere Sessions und Gigs oder auch im Studio benötigt und zeigt sich dabei enorm flexibel, was das Angebot an klassischen Rocksounds betrifft. Besonders gut gefallen hat mir persönlich der Cleanchannel oder genauer gesagt der Kanal „Classic Gain“, der durch seinen enorm hohen Headroom und die gute Dynamik hervorsticht. Abzüge in der Note gibt es lediglich für das Grundrauschen und den Klang des Halls, falls man ihn als solches überhaupt bezeichnen kann. Ein toller kleiner Amp zum fairen Kurs!

Plus

  • klassischer Marshall Sound
  • gute Verarbeitung
  • zwei Kanäle
  • schaltbarer Effektweg
  • Power-Soak-Funktion

Preis

  • Ladenpreis: 486,- Euro
Klangbeispiele
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