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Mega-Reportage zu allen Oberheim Vintage Synthesizern, Teil 1

Oberheims legendäre OB-Synthesizer

1. Oktober 2022

Special: Oberheim OB-SerieGerade erst hat Oberheim sein neues Schlachtschiff OB-X8 vorgestellt, das in den nächsten Wochen zur Auslieferung kommen soll und zu dem es jetzt auch einen ausführlichen Test auf AMAZONA.de gibt, der richtig Appetit auf den neuesten Spross der Oberheim-OB-Familie macht. Auf Facebook haben sich schon zwei OB-X8-Gruppen gebildet. Und auf Vintage Synth verkünden erste User freudig die Lieferung dieses Riesenschlachtschiffes. Wobei sie sich freilich bewusst sind, dass diese Plattform streng genommen das falsche Forum für dieses Instrument ist: „Not a true vintage but it’s here!!!  And OMG it’s a beast.“ Dieses all in one Gerät hat tatsächlich den Anspruch, die gesamte OB-Reihe in einem einzigen Synthesizer  abzubilden. Den Oberheim OB-X, den OB-SX, den OB-Xa und den OB-8. Verbunden mit phantastischen neuen Möglichkeiten: So besitzt das OB-X Filter, das auf dem Originalfilter des berühmten Synthesizer Expander Moduls (SEM) aufbaut, nun auch dessen Multipole-Eigenschaften mit zusätzlichem Hochpass, Bandpass und Bandsperre. Der Oberheim OB-X8 bietet Aftertouch und Anschlagempfindlichkeit sowie die Option, 63 alternative Stimmungen zu verwenden – vom dorischen Modus über spezielle Skalen von Wendy Carlos, Harry Partch und Terry Riley bis zum indonesischen Gamelan.  Die Features der verschiedenen Oberheim Synthesizer können bunt gemischt werden: So kann es reizvoll sein, den mächtigen OB-X-Klang mit den verfeinerten Modulationsmöglichkeiten des Oberheim OB-8 zu kombinieren. Und natürlich bietet der Oberheim OB-X8 eine Zeitreise an: Wenn wir die Presets „Poly Portamento“ oder „Farr’s Funk“ vom OB-X anspielen, das „Brass Ensemble“ oder die „4-Pole Strings“ vom OB-Xa oder „St. Genevieve“ vom OB-8.

Auch wenn der Oberheim OB-Xa und der OB-8 erst im zweiten Teil vorgestellt werden, gibt es hier schon mal zur Einstimmung eine Klangprobe. Die Klangbeispiele des OB-Xa habe ich übrigens von einer alten Kassette aus den 80ern überspielt, auf der ich Improvisationen mitgeschnitten hatte. Gemessen am Alter der Aufnahme klingt das eigentlich nicht schlecht.

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Angesichts des neuen Oberheim OB-X8 ist es nicht verkehrt, sich diese berühmte Serie noch einmal in Ruhe anzusehen. Wie Tom Oberheim im Vorwort zum Manual für den neuen OB-X8 schreibt: „Die Geschichte des OB-X8 ist eine Geschichte, die 1978 begann. Es ist eine Geschichte über Innovation und Wettbewerb, Verlust und Gewinn, gewonnene und verlorene Freunde und vor allem über die Kraft und den Wert der Zusammenarbeit. Der ursprüngliche OB-X wurde als Reaktion auf die Einführung des Sequential Cirucuits Prophet-5® entwickelt. Was folgte, war ein harter, aber freundschaftlicher Wettbewerb, aus dem der OB-Xa, der OB-8 und einige andere Oberheim-Instrumente hervorgingen, die den Sound einer ganzen Ära mitprägten und die auch heute noch geliebt und verwendet werden.“

Ich habe eine gewisse Affinität zu diesem Thema: Von 1985 bis 2005 besaß ich einen Oberheim OB-Xa. Und heute spiele ich einen OB-1 und einen OB-8. Der OB-1 wird ja manchmal auch als SEM mit Tastatur oder auch als eine Stimme des OB-X bezeichnet. Da ist was dran, aber natürlich gibt es auch Unterschiede.

Der Oberheim OB-8 schließlich steht am Ende dieser glanzvollen Ära. Denn der Oberheim Xpander und Matrix 12 schlugen ein neues Kapitel auf (das in meinem Fuhrpark durch den preiswerten – aber sehr guten – Matrix 1000 vertreten ist). Dieser Artikel soll die Einzelreports auf AMAZONA.de ergänzen, indem er den großen Bogen schlägt, Entwicklungslinien aufzeigt und auch neue Gesichtspunkte hinzufügt. Da die Oberheim OB-Reihe nicht vom Himmel gefallen ist, schauen wir zunächst noch einmal kurz zurück.

Tom Oberheim am OB-X8 (Quelle: reddit)

Tom Oberheim – die Anfänge

Tom Oberheim, 1936 in Manhattan, Kansas, geboren, war mit 20 Jahren nach Los Angeles gekommen, wo er sich an der University of California, Los Angeles (UCLA), für Physik und Computer Engineering einschrieb.  Ein Artikel des deutschen Elektronik-Pioniers Harald Bode in einer Ausgabe des Electronics Magazine fesselte Oberheim so sehr, dass er den dort beschriebenen Ringmodulator als Effektpedal nachbaute. Die sehr experimentierfreudige Band „The United States of America“, für die Oberheim hin und wieder Gitarrenverstärker baute, hatte Interesse an dem Ringmodulator bekundet. Die Firma Chicago Musical Instruments (CMI) wurde daraufhin auf Oberheim aufmerksam und brachte den Ringmodulator unter der Bezeichnung Maestro RM-1A auf den Markt. Ein Foto von Oberheims Eigenbau findet ihr auf der Seite von  Catalinbread.

Es folgte der sehr erfolgreiche Phase Shifter Maestro PS-1 und schließlich Tom Oberheims erster Gehversuch in Richtung Synthesizer – der USS-1 Universal Synthesizer. Das pultförmig aufgebaute Gerät besitzt im unteren Teil Schalter für Schwingungsform, Filter, Sample and Hold, Phaser, Hüllkurve (AD) und einen Generator für Subharmonische. Im oberen Bereich können diese Klangquellen und Effekte über acht große Fader gemischt und in ihrer Intensität geregelt werden. „Großartig mit Gitarre und Synthesizer,“ urteilt Sound Gas, „aber auch in der Lage, Beats zu zerstören, wenn man die richtigen Einstellungen findet.“

Das Original, der Oberheim SEM

Das Synthesizer Expander Modul, das 1974 vorgestellt wurde

Das Synthesizer Expander Modul 

Das nächste Produkt – der Digitalseqenzer DS-2 – war dann bereits als Oberheim gebrandet. Die „Note mit Muskeln“ hatte schon Oberheims ersten Ringmodulator Marke Eigenbau geziert. Für mich das vielleicht schönste Logo eines Synthesizer-Herstellers überhaupt.  Nun fand es sich auf jedem Produkt aus dem Hause Oberheim – und verbreitete auf den ersten Blick gute Laune und Optimismus. Der Digitalseqenzer DS-2 war ganz wunderbar geeignet, um zum Beispiel einen ARP 2600 anzusteuern. Aber dann dachte sich Tom Oberheim, dass er ebenso gut selbst einen kleinen Synthesizer entwickeln könnte. Das war die Geburtsstunde des berühmten Synthesizer Expander Moduls (SEM), das auf der 48. AES Convention im Mai 1974 in Los Angeles vorgestellt wurde. Ich weiß nicht, ob Tom Oberheim irgendwann in seinem Leben gerne mal Arzt geworden wäre. Aber dieser blasse Cremeton des SEM strahlte für mich immer die Ästhetik eines Kreiskrankenhauses aus. Mit insgesamt 20 Potis und fünf Schaltern war das Panel gut gefüllt. Die beiden Oszillatoren liefern Rechteck (mit Pulsbreitenmodulation) und Sägezahn und können bei Bedarf auch synchronisiert werden. Die Potis, die das Mischungsverhältnis von Sägezahn und Rechteck festlegen, befinden sich mit bezwingender Logik im Filter-Panel.

Das SEM ist berühmt für sein 12 dB Multipole-Filter, das Tiefpass mit Resonanz, Hochpass, Bandpass und Bandsperre bietet

Ein Filter zum Niederknien

Das Filter des SEM ist besonders interessant, weil es – anders als das 24 dB Moog Filter – eine Flankensteilheit von 12 dB aufweist. Das SEM-Filter ist auch nicht auf Tiefpass beschränkt, sondern bietet zusätzlich Hochpass und Bandsperre (Notch) an, wobei die Filtercharakteristik stufenlos variabel ist. Das Filter besitzt einen zusätzlichen Regler für die Resonanz, die sich allerdings nicht in die Eigenschwingung fahren lässt. Was am SEM-Filter sehr geschätzt wird, ist die Besonderheit, dass auch bei aufgedrehter Resonanz kein Verlust an Lautstärke oder Bässen auftritt.

Gerade dieses spezielle Filter machte das SEM unter Keyboardern wie zum Beispiel Manfred Mann und Jan Hammer beliebt, die die klanglichen Ausdrucksmittel ihres Minimoogs erweitern wollten. Deutlich am Moog orientiert sind beim SEM die nur dreistufig ausgeführten Hüllkurven für Filter und VCA. Sie verfügen über Attack, Decay und Sustain, wobei dem Decay-Poti zugleich die Kontrolle über die Release-Zeit zukommt. Relativ einfach ist der LFO gehalten, der lediglich über eine Dreiecksschwingung verfügt.

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Der Oberheim Klang wurde von Anfang an als brassy,  cremig und warm beschrieben. Der Klang des 2-Pole-Filters ist durchsetzungsfähig und präsent. Experimentelle Klänge, wie sie etwa ein EMS-Synthesizer liefert, darf man vom SEM eher nicht erwarten. Dafür sind die Modulationsmöglichkeiten zu beschränkt, zudem besitzt das SEM keinen Rauschgenerator.

Die Idee war naheliegend: Mehrere SEM-Module zusammenzufassen und mit einer Tastatur zu verbinden. Das Ergebnis: Der Oberheim Two Voice. (Foto: Costello)

Die polyphonen SEM-Systeme

Tom Oberheim fing bald an, mit Hilfe seines Basismoduls größere Synthesizersysteme zu konfigurieren:  Auf der NAMM-Show im Juni 1975 wurde der Oberheim Two-Voice und der Four Voice vorgestellt, die jetzt auch eine eigene Tastatur besaßen. Beim Keyboard und der Organisation der Stimmenzuweisung holte sich Oberheim übrigens Unterstützung von Dave Rossum von E-Mu.

Dave Rossum (rechts) mit einem E-Mu-Fan auf der Superbooth 2019

Two- und Four Voice waren polyphone Synthesizer, bei denen konstruktionsbedingt jede Stimme einen komplett anderen Klang haben konnte. Das eröffnete einerseits ungeahnte Möglichkeiten.  Andererseits sind Keyboarder oft schlicht gestrickte Gemüter, die gerne einen Brass- oder Stringsound polyphon spielen möchten. Deshalb schob Tom Oberheim schnell einen Programmer nach, der es möglich machte, 16 Programme abzuspeichern. So konnte die VCO-Frequenz, die Einstellungen für das Filter, die beiden Hüllkurven und die Frequenz und Stärke des Vibrato abgespeichert werden. Im Video von Rosensound (ein in Burbank, Kalifornien ansässiger Reparaturdienst für Vintage Synthesizer), wird allerdings ein früher Four Voice ohne Programmer präsentiert. Stattdessen verfügt der Synthesizer über „2 duale Mini-Sequencer mit einer gemeinsamen Clock. Das bedeutet, dass man 8-schrittiges 4-Noten-Poly-Sequencing zwischen den vier SEMs machen kann oder die Tastatur mit einem Sequencer teilen kann, der 1 SEM und 3-Noten-Akkorde auf der anderen Seite der Tastatur spielt.“ Und zu den Mühen der Programmierung lesen wir erstaunt, es handele sich um einen „sehr angenehmen Prozess, der dich dazu bringt, über den Patch, den du machst, die Modulationsart pro Stimme und die subtilen Unterschiede, die du einstellen kannst, anders nachzudenken.“ Wenn wir uns mit dieser Einstellung einem Four Voice nähern, klingt das Ergebnis so:

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Die großen Oberheim Systeme wurden in unterschiedlicher Ausführung angeboten. Auch den Two Voice gab es mit Sequencer und der Four Voice war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, was die Zahl der Stimmen anging. Es gab auch Systeme mit 6 und 8 Voices. Geddy Lee, Sänger, Bassist und Keyboarder der Rockband Rush, setzte den Eight Voice effektvoll am Anfang des Songs Tom Sawyer vom 81er Album Moving Pictures ein. Dieser knurrende Sound ist unnachahmlich. Auch das Album The first Seven Days von Jan Hammer ist ein hervorragendes Beispiel für den frühen Oberheim Sound. Den Vogel schoss Patrick Moraz ab: Peter Forrest berichtet, dass dieser einen 12-stimmigen Oberheim mit zwei Tastaturen besaß.

Das abgebildete Gerät zeigt (fast) den Höhepunkt von Oberheims mehrstimmigen Synthesizern. Es gab den Eight Voice auch noch in einer Ausgabe mit zwei Tastaturen.

Voice Assignment mit Tücken

Besonders trickreich erwies sich bei den großen Oberheim Synthesizern die Stimmzuordnung. Selbst Tom Oberheim räumte ein, dass sie teilweise „verwirrend“ war. Matthias Becker schreibt in „Synthesizer von gestern“ zum Four Voice: „Es braucht schon geraume Zeit, bis man die Zuordnungslogik des Geräts durchblickt und noch entschieden längere Zeit , bis man sich eine Spielweise erarbeitet hat, die die vielfältigen Zuordnungsmöglichkeiten, die die Tastatur bietet, auch tatsächlich gezielt und und effektiv zu nutzen versteht.“ (1990, Band 1, S. 34)

Beim 8-Voice spricht Peter Forrest „vom Maximum der Unvorhersehbarkeit und möglichem Selbstmord“. Sein Fazit: “Das ist ein ernstzunehmendes Gerät in jeder Ausführung, das mit Respekt und großer Geschicklichkeit bedient werden will. In den richtigen Händen, an einem guten Tag, rechtfertigt es seine Position, einer der begehrenswerten Synthesizer überhaupt zu sein.“ (The A-Z of Analogue Synthesizers Part Two: N-Z, Revised Edition, Seite 12)

Der Prophet-5 revolutionierte 1978 den Synthesizermarkt. Hier das spätere Modell Rev3, das wie der Oberheim OB-Xa und OB-8 Curtis-Chips verwendete. (Foto: Costello)

Der Herausforderer – Prophet-5

Drei Jahre lang – von 1975 bis 1978 – dominierte Oberheim den Markt für polyphone Synthesizer. Ab 1976 sicherte sich auch Yamaha mit der CS-Serie ein Stück vom Kuchen. Doch dann kam 1978 der Prophet-5 auf den Markt und änderte die Spielregeln. Der Prophet-5 ließ einen Oberheim Four Voice auf einen Schlag sehr alt aussehen. Warum soll ich an vier verschiedenen Hüllkurven herumschrauben, wenn ich das auf der aufgeräumten Benutzeroberfläche des Prophet-5 für alle fünf Stimmen auf einmal erledigen kann? Heute werden irrsinnige Preise für die großen Oberheim Systeme bezahlt. Das zeigt, dass einige Musiker gewillt sind, im Studio die nötige Zeit und Muße aufzubringen, die für die Programmierung dieser großen Kisten unabdingbar ist. Damals entschied sich die übergroße Zahl der Musiker für den Prophet-5, der in der in der Synthesizerwelt eine ähnliche erdbebengleiche Erschütterung auslöste, wie später Yamahas DX7.

Special: Oberheim OB-Serie

Der Oberheim OB-1 in der ersten Version in schwarz, die manchmal auch als MkI bezeichnet wird (Foto: Costello)

Der monophone Oberheim OB-1

Aber auch Tom Oberheim war damals bereits dabei, seine Instrumente weiterzuentwickeln. Das zeigt der OB-1. Seine Datierung ist etwas unsicher: Peter Forrest spricht von Ende 1977, Matthias Becker von 1978. In jedem Fall erschien der OB-1 gleichzeitig oder sogar noch vor dem Prophet-5. Der OB-1 ist der einzige komplett ausgestattete Monosynthesizer, den Oberheim je auf den Markt brachte. „Komplett ausgestattet“ bedeutet: inklusive Tastatur, Spielhilfen und 8 Speicherplätzen. Theo Bloderer bezeichnet den OB-1 in seinem Blue Box-Bericht als „The most beautiful synthesizer“. Vielleicht ist das etwas hochgegriffen. Aber auch wenn der Oberheim OB-1 niemals die Popularität eines Minimoog oder ARP Odyssey erreichen sollte – er klingt ausgezeichnet. Und er sieht auch sehr schön aus. Wobei mir die erste Version in Schwarz besser gefällt, als der 1979 erschienene Nachfolger. Dieser war größer, schwerer und bekam in Anlehnung an das Design des Oberheim OB-X ein graues Panel.

Bei diesem Klangbeispiel geht es um die Modulation der Pulsbreite, die dem Oberheim OB-1 einen feinen seidigen Schimmer gibt. Zum Vergleich ein Streichersound des OB-Xa, der ebenfalls PWM verwendet. Der arpeggierende Sound im zweiten Klangbeispiel ist übrigens ein Korg Polysix, der durch die Ensembleschaltung stärker nach Stringsynthesizer klingt, während der Streicherklang des OB-Xa strähniger und muskulöser ist.

Special: Oberheim OB-Serie

Die acht Programmknöpfe des Oberheim OB-1 reagieren schon auf sachte Berührung. Sie arbeiten aber nicht immer ganz fehlerfrei. (Foto: Costello)

Oberheim OB-1: Filterklang vom Feinsten

Auf der Website von Vintagesynth lesen wir: „Der OB-1 ist ein unkomplizierter und großartiger monophoner Synthesizer von Oberheim, der auf der gleichen Synthesizer-Architektur wie der SEM basiert.“ Ganz so pauschal stimmt das freilich nicht. Dem 12 d dB Filter des SEM mit frei einstellbarer Charakteristik (Tiefpass/Hochpass/Bandsperre) steht beim OB-1 lediglich ein Tiefpassfilter entgegen, das allerdings von 12 dB auf 24 dB umgeschaltet werden kann. Der 2-Pole Filterklang erinnert schon an das SEM, während der OB-1 im 4-Pole-Modus keineswegs zum Minimoog mutiert.

Der Klang ist durchaus eigenständig und ziemlich genial: „Weder der ARP-2600 noch andere „Wundermaschinen kommen annähernd an den Klang dieses Filters heran“, schreibt Theo Bloderer: „Es bietet eine unglaubliche Bandbreite. Wo andere Filter schon aufhören zu ‚arbeiten‘, geht’s beim OB-1 erst los.“ Beim OB-1 geht das Filter übrigens in die Selbstoszillation. Das Sample and Hold-Beispiel ist komplett ohne Beteiligung der Oszillatoren nur mit dem Filter aufgenommen. Bitte die Lautstärke etwas zurücknehmen. Es pfeift ganz schön.

Der Oberheim OB-1 nimmt eine Sonderstellung in der OB-Reihe als einziger monophoner Synthesizer ein. Hier die spätere Version mit grauem Panel, das an das OB-X-Design angeglichen wurde.

Das Zeitalter der Chips beginnt

Die Oszillatoren erlauben ein stufenloses Überblenden vom Sinus bis zum Sägezahn, ebenso lässt sich die Pulsbreite des Rechtecks von eng bis weit einstellen und modulieren.

Zusätzlich gibt es noch Suboszillatoren, die den ohnehin schon kräftigen Grundsound, wenn gewünscht, noch weiter anfetten. Anders als beim SEM sind beim Oberheim OB-1 die Hüllkurven als vollständige ADSR-Envelopes ausgeführt. Hier setzte Oberheim erstmalig Curtis-Chips (CEM 3310) ein. Die Hüllkurven des OB-1 sind ausgesprochen zackig, was sich von den späteren Instrumenten der OB-Reihe nicht immer sagen lässt. Was manchmal aber auch nur eine Frage der Justierung zu sein scheint.

Special: Oberheim OB-Serie

Der Oberheim OB-1 ist sehr gelungen gestaltet. Mit seinem wunderbarem Filter gehört er ins absolute Spitzenfeld der monophonen Synthesizer. (Foto: Costello)

Rauschgenerator und vollständige Hüllkurven

Der Oberheim OB-1 verfügt – anders als das SEM – über einen Rauschgenerator. Außerdem wurden die Möglichkeiten des LFO (mit Delay-Funktion) um Rechteck und Sample and Hold erweitert. Die Modulation kann über einen horizontal angebrachten Pitchbend-Hebel sehr gefühlvoll eingesetzt werden. Knackige Bässe und kräftige Leadsounds sind die Stärke dieses Synthesizers, mit dem sich via Crossmodulation und Oszillator-Synchronisation auch experimentellere Gefilde erkunden lassen.

Im Jahr 1980 kreuzte der OB-1 schon mal meinen Weg. Ich suchte nach einem Nachfolger für meinen Einstiegssynthesizer Yamaha CS-15D. Damals musste ich mich zwischen zwei Gebrauchtangeboten entscheiden: dem Oberheim OB-1 und einem Yamaha CS40M. Am Ende fiel meine Wahl auf den Yamaha. Der bot 20 Speicherplätze und Duophonie. Vor ein paar Jahren wollte ich mir dann noch einmal einen „großen“ Monosynth gönnen und habe mir den OB-1 geholt. Und bewußt eben keinen Minimoog und auch keinen Odyssey, deren Klangpalette bei mir ein Prodigy, ein Axxe und ein Quadra abdecken.

Als Klangbeispiel gibt es hier die Crossmodulation des OB-1, gefolgt von Glöckchenklängen des Oberheim OB-Xa. Um metallische Sounds zu erzielen, experimentiere ich auch mit externen Effektgeräten. Das vermag die fehlende Crossmodulation zwar nicht zu kompensieren, führt aber ebenfalls zu interessanten Ergebnissen, wie der OB-8 im Verbund mit einem Roland SRV-2000 zeigt.

Der Oberheim OB-X – Ahn der OB-Reihe

Mit dem einstimmigen OB-1 konnte Tom Oberheim dem Prophet-5 natürlich nicht das Wasser reichen. Diese Aufgabe fiel dem Oberheim OB-X zu, der – was brachiale Klanggewalt angeht – immer noch als der heimliche König der OB-Reihe angesehen wird. Nicht von ungefähr hat sich ja Tom Oberheim entschieden, den Look des alten OB-X auf den OB-X8 zu übertragen. Mir persönlich gefallen der OB-Xa und der fast identisch aussehende OB-8 allerdings besser – der schwarz-blaue Nadelstreifen-Look verleiht diesen Schlachtschiffen eine unglaubliche Eleganz. Vielleicht ist meine Abneigung gegen das graue Design dadurch begründet, dass später Crumar mit dem Trilogy genau diesen Look nachahmte. Und der Trilogy war nun kein sonderlich tolles Instrument. Ungeachtet seines etwas klobigen Äußeren ist der OB-X der Synthesizer, mit dem Tom Oberheim Anschluss an den Hype um Dave Smiths Prophet-5 finden wollte. Vorgestellt wurde der erste „richtige“ voll programmier- und speicherbare Poly-Synthesizer aus dem Hause Oberheim auf der NAMM Show im Juni 1979. 

Der Oberheim OB-X gehört zu den wirklich großen Synthesizern. Und das ist im wörtlichen, wie auch im übertragenen Sinne zu verstehen.

Wieviele Stimmen dürfen es denn sein?

Es gab den Oberheim OB-X in drei Ausführungen mit 4, 6 oder 8 Stimmen, er besaß 32 Speicherplätze, ein Cassetteninterface und ein Keyboard mit 5 Oktaven. Fehlende Stimmen konnten beim OB-X übrigens  – wenn die Portokasse wieder gut gefüllt war – auch später noch zugekauft werden. Dazu wurden zusätzliche Voiceboards in den Synthesizer eingebaut. In der Version mit sechs oder gar acht Stimmen übertrumpfte der Oberheim sogar die Polyphonie des Prophet-5. Nicht allerdings die des Prophet-10, den sich allerdings ohnehin nur sehr betuchte Keyboarder leisten konnten. Leider bot der Oberheim OB-X auch noch nicht die Möglichkeit für Double- und Splitsounds. Die beiden Oszillatoren verfügen über Rechteck (mit Pulsbreitenmodulation) und Sägezahn, wobei Oszillator 1 in Oktavsprüngen über vier Oktaven einstellbar war und Oszillator 2 in Halbtonschritten. Zusätzlich existiert noch ein separates Detune-Poti für fette Schwebungen. Wie auch bei den nachfolgenden OB-Instrumenten gibt es eine LED, die den Grad der Verstimmung zeigt, falls jemand seinen Ohren nicht trauen mag.  

Oberheim OB-X

Autotune, eine Hold- und eine Chord-Funktion (für fette Stabs), polyphones Portamento, ein unglaublicher Unison-Sound und ein Modulationsbereich, der auch Sample and Hold enthält – der Oberheim OB-X hatte einiges zu bieten.

Ein polyphoner Oberheim OB-1?

Einige Features hat der OB-X mit dem monophonen OB-1 gemeinsam, so dass  Sequencer.de fragt:  „Ein OB-1 in polyphon? Fast“. 

Beide Instrumente sind bis auf die Hüllkurven diskret aufgebaut, was zu einem lebhafteren, erdigeren und brachialeren Klang führt. Auch besitzen beide Synthesizer die Möglichkeit, die Oszillatoren zu synchronisieren und darüber hinaus die geniale Crossmodulation, die unbegreiflicherweise bei den Nachfolgern OB-Xa und OB-8 entfallen sollte. Genau wie der OB-1 besitzt der Oberheim OB-X vollständige Hüllkurven für Filter und VCA, die mit einem CEM 3310 realisiert werden. Beim OB-X-Filter setzte Oberheim wieder allein auf die 12 dB Version, ohne allerdings die alte Variabilität des SEM-Filters mit seinen Multimode-Möglichkeiten wiederherzustellen. Der LFO bietet – wie der Oberheim OB-1 – neben Dreieck- auch Rechteckschwingung und Sample and Hold an.

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Beim OB-X wurden die eigenartigen Spielhilfen, für die sich Oberheim bei OB-1 entschieden hatte, noch einmal weiterentwickelt. Statt der vom Minimoog bekannten Räder für Pitch und Modulation, verwendet der Oberheim OB-X wie auch seine Nachfolger zwei Lever. Das sind Kunststoffhebel, die vor- und zurückbewegt werden können und durch Federn in die Mittelposition zurückgeholt werden. Hat man sich einmal an sie gewöhnt, funktionieren sie ausgezeichnet. Die Nase vorn hat der OB-X beim Editing. Wenn man die Edit-Taste drückt, lassen sich die abgesicherten Klänge direkt verändern. Das ist beim OB-1 so nicht möglich, es sind nur eingeschränkte Klangmanipulationen beim Feintuning von VCOs und Filter möglich sowie über die Controllern auf der linken Seite des Panels: Sie betreffen LFO, Filtereckfrequenz, Portamentoeffekt und Transposition. Und dann gibt es natürlich einige Features des Oberheim OB-X, die ihn grundsätzlich vom OB-1 unterscheiden, weil sie der Polyphonie zu verdanken sind.

Der Mixer war beim Oberheim OB-X schon bescheiden und daran sollte sich auch später nichts ändern. Erst der neue OB-X8 lässt nuancierte Mischverhältnisse zu. Immerhin besitzt der OB-X voll zwei voll ausgestattete Hüllkurven für Filter und VCA sowie Speicherplätze.

Unison, polyphones Glide und Stereoklangbild

Zu den großen Pluspunkten des Oberheim OB-X gehören der Unisono-Sound, bei dem alle Oszillatoren auf eine Stimme gelegt werden. Mit dieser Klanggewalt könnten die Mauern von Jericho sicher zum Einsturz gebracht werden. Es gibt einen Chord-Speicher, mit dem ganze Akkorde mit nur einem Finger gespielt werden können. Und – langgezogener Trommelwirbel – polyphones Portamento: ein Wahnsinnseffekt und zugleich damals ein Alleinstellungsmerkmal für den OB-X.  Der Prophet-5  bot kein polyphones Glide an. „Das mehrstimmige Portamento ist völlig analog“, schreibt Michael Caloroso, der verschiedene Synthesizer der OB-Serie komplett restauriert hat. „Da jede Stimme ihren eigenen Glide-Schaltkreis hat, ist die Schlüsselkomponente – der CA3080 OTA – nicht genau auf die einzelnen Stimmen abgestimmt.  Das bedeutet, dass die Gleitrate zwischen den Stimmen unterschiedlich ist. Im Unisono-Betrieb, bei dem alle Stimmen abgefeuert werden, führt die ungleiche Glide-Rate zu einem einzigartigen, fetten, verstimmten Klang beim Übergang zwischen den Noten.“ (analoguediehard.com) Anders als der Prophet-5 besitzt der OB-X auch Stereoausgänge. Die einzelnen Stimmen können frei im Panorama verteilt werden, was zusätzlich zur Lebendigkeit des Klangbildes beiträgt. Das mag das nächste Klangbeispiel verdeutlichen, auch wenn es mit dem Oberheim OB-8 eingespielt ist:

 

Die Abteilung Spielhilfen ist beim Oberheim OB-X noch sehr bescheiden bestückt. Vor allem im Vergleich zum OB-8 aber auch schon dem OB-Xa wirkt dieser Bereich doch recht übersichtlich.

Oberheim OB-X – klangliche Urgewalt

Typisch für den OB-X ist der Orgelsound bei „Love like blood“ von Killing Joke – ein Rechteck mit einem etwas eierndem Vibrato. Vielen Oberheim Sounds ist eine gewisse Melancholie zu eigen. Zu hören etwa auf frühen Simple Minds Alben. Auch der Streichersound der Eurythmics auf Sweet Dreams are made of this wurde mit einem OB-X eingespielt. Japan-Keyboarder Richard Barbieri nutzte den Oberheim OB-X für die Klanglandschaften auf  Gentlemen take polaroids und speziell Tin Drum,  bei Ultravox ist The thin wall ein gutes Beispiel. So unterschiedliche Acts wie Madonna, Queen, Roxy Music oder Earth, Wind & Fire setzten den OB-X ein. Nenas „99 Luftballons“ wurden mit ihm produziert und auch Elektroniker wie Jean-Michel Jarre (Magnetic Fields) und Tangerine Dream (etwa auf dem 81er Album Exit) spielten einen OB-X. Durchaus weich im Klangcharakter besitzt er eine unglaubliche Wärme und Fülle, ist aber durch Sync-Mode und Crossmodulation auch zu harschen Tönen fähig. Manche bescheinigen dem Klang eine förmlich dreidimensionale Plastizität. In den nur zwei Jahren seiner Produktionszeit hat der OB-X  einen nachhaltigen musikalischen Fußabdruck hinterlassen. 

Im direkten Vergleich mit dem OB-X wirkt der Nachfolger OB-Xa fast schon zierlich

Toller Sound, aber geringe Zuverlässigkeit

Der OB-X liefert ein sehr heißes Signal. Marko Ettlich, von dem auch die meisten Fotos des OB-X hier stammen, schreibt im sequencer.de-Forum: „Der X ist ein wildes Tier und muss immer gezähmt werden. Beim Xa ist der Volumen-Regler voll aufgezogen während er beim X nicht mal an der Hälfte kratzt.“  Theo Bloderer berichtet, dass sich sein Modell relativ schnell verstimmte, wobei 8 Stimmen, die in verschiedene Richtungen driften, auch ihren Charme haben können. Wird es zu wild, hilft der Autotune-Knopf, der übrigens fixer reagierte als beim Prophet-5. Ein Problem des OB-X ist, dass es oft zum Hitzestau kommt, weil es keine Lüftungslöcher gibt „An der Rückseite des OB-X gibt es nur wenig Platz, damit die Wärme entweichen kann“, schreibt Michael Caloroso. „Dies ist ein weiterer Grund, warum der OB-X den Ruf hat, dass er sich nicht richtig kalibrieren lässt.“ Für eine Live-Tour war der Oberheim OB-X nicht unbedingt das Instrument, das einen Keyboarder nachts gut schlafen ließ.

 

Einige stolze Besitzer des Oberheim OB-X ließen das Instrument mit MIDI nachrüsten.

Wenn er aber spielt, dann gehört der Oberheim OB-X sicher zu den großartigsten polyphonen Synthesizern überhaupt. Peter Forrest meint: „Ohne Zweifel bietet ein vernünftig gewarteter OB-X einen fundamental interessanteren Sound als die späteren Curtis-Maschinen.“ Doch leider nagte der Ruf der Unzuverlässigkeit damals am Ruf des OB-X, was für die frühen Prophet-5 Modelle (Rev1 und Rev2) allerdings auch galt. Gleichzeitig war der Oberheim ein Riesentrum, sehr schwer und mit „einem kosmetischen Styling, das sehr schnell altbacken wirkte“ (Peter Forrest, a.a.O. Seite 26). Speziell auch in der Modulationsabteilung hinkte der OB-X dem Prophet-5 arg hinterher. Tatsächlich gelang der Firma Oberheim mit dem OB-X am Ende nicht der erhoffte große Wurf. Der sollte erst mit dem Nachfolger – dem wesentlich smarteren OB-Xa – gelingen. Bevor wir auf den zu sprechen kommen, müssen wir aber noch den Oberheim OB-SX erwähnen.

Der Oberheim OB-SX war ein Preset Synthesizer, wesentlich preiswerter und kompakter als der OB-X

Der Oberheim OB-SX – das Budget- und Livegerät

Der Oberheim OB-SX kam 1980 auf den Markt. Es handelt sich um ein reines Presetgerät mit stark abgespeckter Bedienung. Zunächst wurde der OB-SX mit 24 Presets ausgeliefert, später wurde die Zahl auf 48 und 1982 sogar auf 56 erhöht. In der ersten Variante MKI hatte der Synthesizer das graue Design des OB-X, später gab es eine MKII-Variante im schwarz-blauen Streifen-Look des OB-Xa. Der OB-SX wurde mit 4, 5 oder 6 Stimmen angeboten. Durch die 4-Oktaventastatur war das Instrument wesentlich kompakter. Sehr effektvoll hat Lisa Coleman den Oberheim OB-SX auf der Bühne eingesetzt. Sie bediente die Keyboards bei „Prince and the Revolution“.

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In mancher Hinsicht ist der Oberheim OB-SX ein Hybridgerät zwischen OB-X und und OB-Xa. Er besitzt zwei Oszillatoren pro Stimme mit Sägezahn und Puls, besitzt noch Sync und Crossmodulation (!), zwei ADSR-Hüllkurven und einen LFO mit Sinus und Rechteck sowie polyphones Portamento. Über eine Handvoll von Bedienelementen, die direkt über der Tastatur angesiedelt sind, können allerdings nur einige wenige Parameter verändert werden: die Stärke des Portamento, die Geschwindigkeit des LFO, das Detuning von VCO2, die Eckfrequenz des Filter, die Einschwingzeit für VCF und VCA gemeinsam sowie Filter-Decay und VCA-Release. Die Tastatur lässt sich eine Oktave nach unten wie oben transponieren und es gibt den vom Oberheim OB-X her bekannten Unison-, Hold- und Chordmodus. Für einen Verkaufspreis von damals „nur“ 8000,- DM musste der Kunde diese doch sehr argen Einschränkungen in der Klanggestaltung hinnehmen. Dazu heißt es etwas euphemistisch im Handbuch: „Eine Benutzerprogrammierung ist nicht erforderlich, da der ‚SX‘ mit 24 Klängen programmiert wurde, darunter die am häufigsten verwendeten und nachgefragten Klänge wie: Streicher, Blechbläser, Clavinet, Orgel, E-Piano, Bass, Flöte und Synthesizer-Solo.“ (Quelle: Matrixsynth)

Auch der kleine Oberheim OB-SX verfügt über Anschlussmöglichkeiten für mehrere Pedale und besitzt CV- und Gate-Anschlüsse

Dank MIDI heute programmierbar

Ich hatte Gelegenheit, den Oberheim OB-SX seinerzeit einmal ausführlich anspielen zu können und erinnere mich, dass die String- und Brass-Sounds exzellent klangen und es gab auch einige markerschütternde Solo- und Bass-Sounds. Manche Klänge waren allerdings mehr oder weniger unbrauchbar wie „Water Wiggle“ oder „Calculator“. Oberheim bot damals an, sich eigene OB-X-Wunschsounds auf einen Chip brennen zu lassen. Später wurden OB-SX-Exemplare gerne gekauft, um die Voiceboards auszuschlachten und seltene CEM-Chips für die Reparatur der „großen“ OB-Synths zu beschaffen. Das ist ein bisschen schade, denn der OB-SX ist heute aus mindestens zwei Gründen wieder interessant geworden: Zum einen ist der Nachteil des reinen Preset-Geräts heute ausgeräumt. Es gibt seit einigen Jahren ein MIDI-Interface für den Oberheim OB-SX, über das sämtliche Parameter des Synthesizers adressiert werden können. Über ein Behringer BCR2000 beispielsweise kann der Synthesizer nun bequem programmiert werden. Und es ist auch möglich, seine eigenen Klänge abzuspeichern.

Die Eingriffsmöglichkeiten in den Sound sind beim Oberheim OB-SX doch sehr limitiert. Doch inzwischen gibt es Möglichkeiten, auf alle Parameter zuzugreifen, was den OB-SX theoretisch sehr interessant macht. Doch leider ist er längst nicht mehr zum Schnäppchenpreis zu bekommen.

Ein kleiner Oberheim OB-X?

Und das bringt uns direkt zum zweiten Grund, der heute für einen OB-SX spricht. Der Synthesizer OB-SX steht im Ruf, klanglich noch sehr nahe am OB-X zu sein. Oberheim hat diese Interpretation selbst im ersten Handbuch aus dem Jahr 1980 nahegelegt: „Der OB-SX wurde mit einem Großteil der gleichen Schaltungen wie der Oberheim OB-X entwickelt, um echte polyphone Synthesizer-Sounds zu erhalten. So erhält man den Sound eines OB-X und gleichzeitig die einfache Bedienung eines Preset- Synthesizers.“ (Quelle: Matrixsynth)

In späteren User Manuals wechselt allerdings die Referenz – jetzt wurde der OB-Xa genannt. Und auch äußerlich hatte sich der Oberheim OB-SX inzwischen dem OB-Xa-Design angeglichen.

Der Oberheim OB-SX übernahm später das Design des OB-Xa. Wieweit sich das auch auf die Technik unter der Haube ausgewirkt hat, wird kontrovers diskutiert.

Das Vorhandensein der Crossmodulation ist ein deutlicher Hinweis auf das Erbe des ersten polyphonen OB-Synthesizers, andererseits verwendet der OB-SX schon Curtis-Chips für die VCOs (CEM3340) und für das Filter (CEM3320). Theo Bloderer schreibt zu dieser Diskussion: „Ob der Oberheim OB-SX nun dem OB-X oder OB-Xa näher steht, ist nicht ganz einfach zu sagen. Fest steht, dass es verschiedene Versionen des OB-SX gegeben hat. Frühe Versionen verwenden z. B. noch diskrete Schaltungen für die VCAs, die jedoch bald durch CEM3360 Chips ersetzt wurden.“ Aber diese Sichtweise hat auch Widerspruch hervorgerufen. So meldet Michael Caloroso Zweifel an, dass in späteren OB-SX-Modellen der Curtis-Chip CEM3360 in der Voice-Audio-Summierschaltung verwendet wurde: „Sie wurden definitiv im OB-Xa verwendet, weil der CEM3360 eine Dual-VCA-Komponente ist und dies für die Dual-Timbralität des OB-Xa erforderlich war. Aber im OB-SX wäre der zweite VCA des CEM3360 überflüssig gewesen, so dass ich nicht überzeugt bin, dass an diesem Gerücht etwas dran ist.  Die Stimmen-Summierschaltung des OB-SX-verfügt wieder über die wunderbare 3080/TL081-Kombination, die dem Klang etwas Schmutz hinzufügt, besonders bei Unisono-Patches.“  

Special: Oberheim OB-Serie

(Foto: Costello)

Ausblick auf den zweiten Teil

Damit sind wir am Ende des ersten Teils unserer Reportage über Oberheims Vintage-Synthesizer angekommen. Im zweiten Teil möchte ich den Oberheim OB-Xa und OB-8 genauer unter die Lupe nehmen und schauen, inwiefern auch sie noch „dem Klang etwas Schmutz hinzufügen“.  Das ist ja nur ein anderes Wort für jenen warmen und lebendigen Vintage-Sound, der sich wohltuend von den zwar mit vielen ausgeklügelten Features ausgestatteten, aber oft auch etwas steril klingenden modernen Synthesizern unterscheidet. Tom Oberheim hat den Oberheim OB-Xa und den OB-8 in seinen neuen Synthesizer OB-X8 integriert. Ich kenne beide Vintage-Instrumente ziemlich gut. Und so wird es wohl den meisten gehen, die eigene Erfahrungen mit Oberheims OB-Serie haben. Denn ein OB-X ist in freier Wildbahn eher selten anzutreffen und inzwischen kaum mehr bezahlbar. Und das gilt natürlich genauso für die alten polyphonen Synthesizer auf Basis des SEM-Moduls. Dem Oberheim OB-Xa wird nachgesagt, der „ideale“ Oberheim zu sein – noch nahe genug am Klang des OB-X, aber mit verbessertem Handling und größerer Zuverlässigkeit. Was die Zuverlässigkeit  angeht, hat sicher der letzte Spross der OB-Serie – der Oberheim OB-8 die Nase vorn. Aber das wiederum soll zu Lasten des Sounds gegangen sein. Aber wie es ausschaut, werden die Karten gerade neu gemischt … freut euch auf den kommenden Samstag!

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Fazit

Tom Oberheims Synthesizer haben Geschichte geschrieben. Unter dem Eindruck des Prophet-5 Schocks entwickelte er Ende der 70er-Jahre seine Synthesizer Expander Module und mehrstimmigen Synthesizer-Goliaths zu bühnentauglichen Instrumenten weiter. Der OB-X besaß mit seinem weitgehend diskret aufgebauten Schaltungen noch viel vom ungestümen, brachialen Charme eines SEM. Klanglich stellt er wohl den Höhepunkt der OB-Reihe dar. Der OB-SX sollte den teuren und schweren OB-X für größere Kreise erschwinglich machen. Doch das Presetinstrument hatte nur überschaubaren Erfolg. Den Durchbruch schaffte Oberheim dann mit dem OB-Xa, der etwas zahmer als der OB-X klang, aber ungleich smarter auftrat. Im kleidsamen schwarz-blauen Nadelstreifenlook, ausgerüstet mit Double- und Splitsounds und bis zu 120 Speicherplätzen wusste dieser endlich dem Prophet-5 ein echtes Pfund entgegenzusetzen. Der Nachfolger OB-8 trumpfte mit einem Arpeggiator und ausgefeilten Modulationsmöglichkeiten auf. Mit der klanglichen Urgewalt seiner beiden charakterstarken Vorgängern konnte er nicht ganz mithalten, ohne deshalb aber steril oder schmalbrüstig zu klingen. Alle Mitglieder der OB-Serie haben ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Gemeinsam ist ihnen der geniale Oberheim Sound, der – in unterschiedlicher Dosierung – bei allen Familienmitgliedern sofort herauszuhören ist. Ein Wort noch zu den Preisangaben. Ich beobachte regelmäßig Angebote auf eBay und Reverb sowie einigen Spezialseiten. Die derzeitigen Preise für gepflegte Exemplare des OB-Xa (Vollausbau) und OB-8 bewegen sich in dem genannten Rahmen, der OB-X ist relativ selten, so dass der Preis in diesem Fall ein aktuelles Reverb-Angebot wiedergibt. Da kommt für alle Liebhaber des großartigen Vintage Oberheim Sounds der neue OB-X8 vielleicht gerade recht. Hochpreisig – ja, aber gemessen an seinen Möglichkeiten und den aktuellen Angeboten für die Instrumente aus den 70er- oder 80er-Jahren fast schon wieder preiswert.

Plus

  • ikonischer Oberheim Sound (speziell OB-X und OB-Xa)
  • Split- und Doublesounds (OB-Xa und OB-8)
  • Verteilung der Stimmen im Stereo-Panorama
  • polyphones Portamento
  • mächtiger Unisono-Sound
  • bis zu 120 Programmspeicher (OB-Xa und OB-8)

Minus

  • Werks-MIDI erst beim OB-8
  • Reparaturanfälligkeit (OB-X und OB-Xa)
  • eingeschränkter Mischer
  • eingeschränktes Modulationsangebot (OB-X)
  • mittelmäßige Tastatur

Preis

  • OB-X - 18.000,- Euro
  • OB-SX 6.000,-Euro
  • OB-Xa 8.000,- bis 10.000,- Euro
  • OB-8 - 6.000,- bis 8.000,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Dirk Matten RED

    Ich hatte als Fachhändler 10 OB-1 bestellt, das war dann die graue Version. Bei allen Geräten war ganz deutlich eine 50 Hz Modulation im Klang zu hören. Ist das bei deinem OB-1 auch so? Habe nicht nachbestellt.

    • Profilbild
      costello RED

      Ich habe ja noch die MKI-Version in schwarz, Seriennummer 0218. Mir ist solch eine Modulation beim Spielen mit dem Instrument nicht aufgefallen – jedenfalls nicht negativ. Im Klangbeispiel 7 ist nur ein Oszillator alleine zu hören, der vom Sinus in den Sägezahn überblendet, und dann enger und weiter Puls. Das klingt etwas „moduliert“ – meinst Du diesen Effekt?

      • Profilbild
        Dirk Matten RED

        Es ist ein 50 Hz Brummen auf den grauen Exemplaren, was auf eine unzureichende Siebung der Versorgungsspannung zurückzuführen ist.

        • Profilbild
          costello RED

          Brummen tut mein OB-1 definitiv nicht. Er ist allerdings nicht komplett rauschfrei. Das ist zum Beispiel beim Beispiel Crossmodulation zu hören.

  2. Profilbild
    Dirk Matten RED

    Und ein bisschen Historie aus dem Synthesizerstudio Bonn:
    Wolfgang Hirschmann, Tonmeister im Cornet Studio, Köln, Eigentümer Heinz Gietz, Entdecker, Förderer und Produzent der Valente, bestellte bei mir den ersten OB-X, den ich dann auch persönlich auslieferte. Wie ich später erfuhr, wurde dieser OB-X dann von dem Produzenten und Komponisten Hans Schulz bei „Adios Amor“, gesungen von Andy Borg, verwendet. Das war ein Paukenschlag in der deutschen Schlagerszene, konnte man hier ohne Orchester oder Begleitband erfolghreiche Hits produzieren. Von da ab kauften alle namhaften deutschen Schlagerproduzenten bei mir Oberheim Synthesizer. Die waren alle überaus freundlich. „Guten Tag, hier ist das Büro von Heino in Bad Münstereifel. Haben Sie einen Oberheim für Heino da? Ich schicke einen Taxifahrer vorbei, was soll ich auf den Scheck schreiben?“ Und so weiter …
    Man musste damals immer den „neusten Sound“ haben, um der Konkurrenz bei Veröfftlichungen eine Nasenlänge voaus zu sein, was bei dem Oberheim OB-X8 heutzutage kein Argument mehr ist.
    Andy Borg – Adios Amor: https://www.youtube.com/watch?v=yp02CEIWX8c

    • Profilbild
      zeitlos

      auf dem im Video eingeblendeten Synthesizer steht „Alesis“ ; )

      (Ich weiß, das Video ist jüngeren Datums)

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        Dirk Matten RED

        Der OB-X gehörte ja auch dem Studio und nicht Andy Borg. Übrigens ein sehr lieber, freundlicher Mensch und langjährigen Kunde.

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          Kazimoto AHU

          So waren die Zeiten. Gerade noch einen Artikel über Helene gelesen, da wurde wohl von klassischer Schlager-Produktion auf Club-Sound und ITB gewechselt, unter der Leitung von Christoph Papendieck. Ihm klang es, es war wohl ein renommiertes Produzententeam aus München, zu altbacken. Für den pumpenden Neo-Schlager-Kirmes-Club-Sound sind wohl ReFx Nexus und ähnliche Klangerzeuger verantwortlich. Man kann also Oberheim abfeiern wie man will aber, jetzt kommt das böse Wort, als „amtlich“ gelten heute Nexus, Kontakt Libraries und die Serie um Omnisphere. Nur so als Update zum Thema Schlager und Oberheim.

            • Profilbild
              Kazimoto AHU

              Hast du das Video von Papendieck & Adam Audio dir angesehen? Großes Controllerkeyboard und Wandler mit etwas Hardware um die Löcher zu füllen. Ein Rhodes steht noch und er hat durchblicken lassen, daß er gerne etwas Gitarre hinzufügt um Sounds spektral zu ersetzen/ergänzen. Bläsersätze mit Synths sind ebenfalls Stilmittel und es scheint gut zu funktionieren. Es steckt also doch etwas mehr dahinter als Nexus 2 mit Apres Ski-Expansion. 😂

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            TobyB RED

            Mein OB M1000 stammt auch aus einem Schlagerstudio. Generell haben sich die Produktionsmethoden und das Equipment sehr stark verändert, es ist ja nun auch so, das auf Produzenten und Texterebene ein Generationswechsel da ist. Und der Schlager ansich arg formatiert ist. Da gibts Hardstyle Schlager mit Hoover oder EDM Style Schlager mit Trance Anleihen. Ich glaube würde man denen einen OB hinstellen und einen Genos. Würden sich die meisten für den Genos entscheiden. ;)

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              Kazimoto AHU

              ReFx muss endlich eine Nexus Arranger-Workstation bringen.
              Mit 1 Terabyte Speicher und 64GB Ram. Habe gerade nachgeschaut, alle Expansions kommen auf nur 217GB. Geht doch noch😂!

  3. Profilbild
    Nvelope

    Auf dem Foto des OB-SX im Design des OB-Xa liegt auf dem Synthesizer ein Ribbon Controller (Gehäuse im Holzdesign, 2 Reglerknöpfe) – was ist das denn für ein ’nettes‘ Teilchen ?

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        Nvelope

        Hallo Bernd-Michael,
        na, das mit ‚Papa‘ würde ich nicht unbedingt groß schreiben – ich denke, dass unser Alter sehr dicht beieinander liegt …
        Hatte in 1993 auf einen Schlag mal 5/6 meiner Synthie-Sammlung verkauft, wohnte damals in der Stuttgarter Peripherie und der Typ aus Frankfurt kam mit einem Transporter und jeder Menge Schotter; seit ich Deine Vita kenne, frage ich mich, ob DU damals meinen Gerätepark mitgenommen hattest . . . 2 MiniMoog, KORG 800 DV, TEISCO, viele System 100 M-Module und 2-3 Keyboard Controllers dazu … und vieles mehr . . .

        Diesen Ribbon Controller kenne ich noch nicht – in Deiner Webseiten-Beschreibung sagst Du, dass das ein ’neues‘ Teil ist … aus welchem Jahr denn ? Kostenpunkt ?

        Herzliche Grüße aus Gießen!

        • Profilbild
          Bernd-Michael Land AHU

          Also ich war das jedenfalls nicht. Habe mich um 1993/1994 herum selber von dem ganzen System 100 Kram getrennt. Hatte auch nie einen Teisco oder 800DV im Studio, die wurden nie benötigt.
          Was der Walking Stick gekostet hat, kann ich nicht mehr sagen, ist zu lange her.
          Mein Posting war vom Mai 2009, da dürfte der ganz neu gewesen sein.
          Der Ribbon sah sehr hübsch aus, aber irgendwie war das Ding nix dolles, hab ihn direkt wieder verkauft.
          Habe mir dann ein eowave Persephone gekauft und das habe ich heute noch im Einsatz.
          LG

  4. Profilbild
    Lewis

    Wieder ein toller Bericht von Costello mit schönen Sound-Beispielen – super, vielen Dank!!!!

    Die oft gehörte Kritik an der umständlichen Programmierung des 4-/8-Voice und die angeblich „verwirrende“ Stimmenteilung würde ich gerne relativieren. Da nicht viele die Möglichkeit haben, so ein Gerät auszuprobieren, werden solche Sätze gerne mal kopiert, weil sie sich ja auch logisch anhören.

    Natürlich muss man viele Regler drehen und bekommt auch nicht einfach eine identische Programmierung der SEMs hin. Auf der anderen Seite wird man dafür mit „multi-timbralen“ Pads belohnt. Und zumindest bei meinem 4-Voice geht eine annähernd gleiche Programmierung der SEMs einigermaßen schnell von der Hand und ist auch kreativ, denn beim drehen, während man was spielt, kommt man ja auch auf neue Kombinationen.

    Und die Stimmenzuweisung kann man sich ja aussuchen, bei der „continuous reassign“-Zuweisung wird halt mit jeder neuen Note das nächste SEM angesteuert, da gibt es jetzt nicht viel Verwirrung.

    • Profilbild
      costello RED

      Hi Lewis, vielen Dank für Dein nettes Feedback und die Ergänzungen zu Programmierung und Voice Assignment. Ich habe tatsächlich keine tiefgehenderen Erfahrungen mit den mehrstimmigen SEM-Synthesizern von Oberheim und zitiere deshalb an dieser Stelle Matthias Becker, der von einer gewissen Eingewöhnungszeit spricht. Diese multitimbralen Patches sind natürlich absolut toll. Mein Bruder, der ein PPG-Modularsystem und einen EMS-Synth spielt, bezeichnet die späteren Polysynthesizer ironisch als bessere Orgeln ;)

      • Profilbild
        ach herrjemine

        Moin Costello,
        erstmal das grosse Danke für einen (mal wieder) wunderbaren Beitrag. Die Qualität Deiner Beiträge fällt mittlerweile auf Amazona doch immer deutlicher nach oben aus dem Rahmen.
        Ich muss dem Kommentar von Lewis da voll zustimmen:
        Kompliziert ist die Stimmenverwaltung nicht wirklich.
        Und: Die 4/8Voices werden was ihre Synthesefähigkeiten angeht gerne unterschätzt.
        Auch im Nachhinein lassen sich die Parameter für jedes einzelne SEM easy peasy in einem polyphonen Patch anpassen und speichern. Ein Ausnahmefeature!

        Durch die grundsätzlich semi-modular aufgebauten SEMs lassen sich zusätzliche Features mit Leichtigkeit nachzurüsten. S&H, Cross Modulation? Gar kein Problem! Rauschgenerator? Der Mixer des SEM hat zwei externe Eingänge und der Oberheim Mini Sequencer hat einen Rauschgenerator. Einfach verbinden, fertig. Ist beim Two Voice übrigens so ab Werk verkabelt.

        Das speicherbare Hüllkurven ein Argument für den P5 gewesen wären kann ich nicht nachvollziehen. Die sind auch beim 4/8Voice speicherbar. …und man hat dann in jedem Sem zusätzlich zwei nicht speicherbare Hüllkurven als Modulationsquelle frei.
        Der Klang der SEMs ist eh über jeden Zweifel erhaben.
        Es gibt also gute Gründe für die hohen Preise der SEM-basierten Polys. Wer sie als bessere Orgeln bezeichnet hat sie definitiv nicht verstanden. Grüße & schicket Wochenende!

        • Profilbild
          costello RED

          Hi herrjemine, danke für das Lob. Im engeren Sinne wollte ich eigentlich nur über die OB-Reihe schreiben im Blick auf das neue All in all-Instrument OB-X8 und die SEM’s sind in diesem Zusammenhang sozusagen die Ouvertüre. Die Nutzer der polyphonen SEMs schreiben hier alle, dass die Instrumente gar nicht so umkomfortabel zu bedienen sind und vor allem sehr flexibel. Ich habe ja für diese Sichtweise auch Rosen Sound als Kronzeuge benannt. Andere – wie Matthias Becker, hatten da einen etwas anderen Blickwinkel. Ich bin mehr der „Orgel-Typ“ (habe es ja auch nicht so mit den Modularen Geräten) und deshalb sind OB-Xa, OB-8, Prophet 5 genau meine Welt. Die meinte mein Bruder auch als er von den Orgeln sprach, sicher nicht die modularen Polyvoices von Oberheim, bei der ja jede Stimme komplett eigenständig operieren kann.

          • Profilbild
            ach herrjemine

            Ha, ok, :) Ganz generell kann ich die Sichtweise schon nachvollziehen. Aus „Modular“-Sicht sind die in sich geschlossenen Poly-Synths natürlich alles Tischhupen.
            …und ich verorte mich selbst auch eher in der Tischhupen Welt.

            Die poly-SEMs sind halt zwischen Tischupe und Modular Ecke angesiedelt, aber ich möchte sie bei all ihren Vorzügen auch nicht unbedingt live einsetzen müssen. 😅
            Freue mich auf den 2. Teil Deines Artikels!!

  5. Profilbild
    whitebaracuda

    Hallo costello, vielen Dank für den tollen und interessanten Artikel! Ich habe ihn verschlungen.

    Zu den SEMs noch ein Hinweis: Wie du richtig schreibst haben diese selbst keine Noise Schaltung. Diese ist aber im Mini Sequenzer MS1A vorhanden und könnte auf den SEMs via Externem Input integriert werden.

    Liebe Grüsse
    ‚Cuda

  6. Profilbild
    whitebaracuda

    Auch zur Unzuverlässigkeit des OBX noch einen technischen Hinweis: auf der Webseite analogdiehard.com sind etliche Designfehler aufgelistet die dazu beitragen dass diese Synthesizer so oft ausfallen. Auch werden dort Lösungen zur Behebung dieser Unzulänglichkeiten beschrieben.

    • Profilbild
      costello RED

      Vielen Dank Cuda, die von Dir genannte Seite ist im Artikel auch mehrfach verlinkt unter Michael Caloroso (von dem auch das OB-SX-Video stammt) und unter analogdiehard.com. Da finden sich eine Fülle technischer Details – super interessant und für Oberheim-Fans eine Fundgrube! Danke auch zu den Hinweis in Deinem ersten Post zu Noise-Schaltung via MS1A. Die SEMs sind durch den modularen Aufbau wirklich sehr flexibel.

      • Profilbild
        whitebaracuda

        Ja, die analogdiehard Seite ist wirklich eine Fundgrube, ich mag, zum Beispiel, die Geschichte in der Moog seinen Taurusbass als klangliche Vorlage für die Neuauflage verwendet hat. 😀

        Und ja, die SEMs sind wirklich sehr flexibel und wohlklingend.

  7. Profilbild
    costello RED

    Selbstverständlich möchte ich eure netten Zuschriften alle mit einem Like bedenken. Doch leider klappt das seit einigen Tagen nicht mehr – anscheinend irgendein Bug :( Ich werde dann immer auf eine leere Admin-Seite weitergeleitet. Werde mich kommende Woche mal an den Support wenden.

  8. Profilbild
    TobyB RED

    Stark, Mr.C. . Die textliche Würdigung und Einordnung find ich gelungen. Die Soundbeispiele von Axel F bis 1999 und „DEN“ OB-1 Lead muss man erstmal so einfangen! Klasse den durch einen PCM70 zu jagen :)

  9. Profilbild
    Kazimoto AHU

    Bin beim OB-X eigentlich raus aber wenn du schreibst bekomme ich Fieber. „Love Like Blood“, da war ich als Teenie immer in der Eishalle mit Disco und anschließend beim Mäckes Cheesy essen. 80’s pur! Costello, furztrocken, geil wie immer, love you by heart!

    • Profilbild
      costello RED

      „Love like blood“ ist so ein geiler Titel und von dieser etwas leiernden Orgel bekomme ich immer noch Gänsehaut. Danke lieber Kazimoto – für so tolle Kommentare setze ich mich gerne nach der Schicht an den Laptop und schreibe für Amazona :)

  10. Profilbild
    k.rausch AHU

    Toller und längst fälliger deutschsprachiger Artikel über die Oberheims. Dankeschön! Hier noch eine kommentierte Playlist der Abteilung Synth Spotting, wo die Dinger in der freien Wildbahn im Songkontext zu hören sind sind: shorturl.at/cuJOR

    • Profilbild
      swissdoc RED

      Hallo Klaus, leider funktioniert der Link für mich nicht. Ich komme nur der Homepage des Services heraus.

        • Profilbild
          swissdoc RED

          Das Liken ist für RED Users offenbar kaputt. Danke TobyB. Das mit so einem kurzen Link ist mir hier aber auch schon mal passiert.
           
          Und klar, sollte ich in der Nähe sein, besuche ich das National Science Museum in Bradford. Gerade vor ein paar Tagen war ich im Teknikens & Sjöfartens hus bei Malmö. Klein aber fein.
           
          Venedig ist bald eine Reise wert, das Fokus dort liegt aber eher auf Kunst, denn auf Technik. In Wien aber wird das dortige Museum sicher besucht werden. Das Bergwerk dort hatte mir noch besser gefallen, als das im Deutschen Museum.

          • Profilbild
            costello RED

            Ah, dann ist das ein Bug, der momentan alle RED User trifft. Lustig übrigens, gerade habe ich einen Slot für die Aussichtsterrasse der Fondaco dei Tedeschi gebucht. Und gerade schon mal geschaut, wer aktuell „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ streamt. Die San Nicolò dei Mendicoli, wo Donald Sutherland damals vom Gerüst stürzte, werde ich mir auch ansehen.

          • Profilbild
            TobyB RED

            Das National Science in Bradford hat sich auf Medien, Medientechnik spezialisiert. Mit einem starken Fokus auf Film. Bradford ist Filmstadt. Die Playlist war Teil einer Ausstellung. Ich musste mir auch erstmal die Augen reiben als ich Kollege Retrosound als mediales Exponat an der Wand vernahm. Mit einem OB. Bradford ist ausserdem Unesco Filmstadt, von Peaky Blinders bis Monty Python wurden da diverse Filme gedreht. Lohnt sich also.

      • Profilbild
        k.rausch AHU

        Ich wollte es verbessern, auch meinen Tippfehler, aber die Edit Funktion führt auf eine leere Seite, auch nach mehrfachem Versuch. Ich habe den kompletten Link dann Christian bei Facebook gepostet und Toby hat den hierher mitgenommen.

  11. Profilbild
    Grooveboxer

    ich hatte mal den Matrix 1000 und den Matrix 6r. Warum ich die damals verkauft habe,
    nur weil digital angesagt war, verzeihe ich mir nie.

    • Profilbild
      SynthNerd AHU

      Ich meine der Matrix 1000 war weit entfernt vom Klang der OB-X und OB-Xa.
      Habe mich vor langer Zeit davon getrennt und es nie bereut.

  12. Profilbild
    Grooveboxer

    ok, ich hatte nie einen OB-X, daher kann ich den Klang auch nicht vergleichen.
    Ich hatte angenommen, dass überall dort, wo Oberheim draufsteht, auch der so viel
    gerühmte Oberheim Sound drin ist. Wieder was dazugelernt.

    • Profilbild
      costello RED

      Ich hab‘ noch einen Matrix 1000 und den geb‘ ich auch nicht her. Bei Preisen von jetzt teilweise über 1.000,- Euro ist er natürlich nicht mehr ganz so konkurrenzfähig, weil man ja immer noch einen Programmer dafür braucht, der extra kostet. Aber die kleine Matrix-Serie hab absolut ihren Charme und klingt auch nach Oberheim. Dass sie gegen einen Four Voice oder OB-X nicht ankommt, ist natürlich klar.

      • Profilbild
        TobyB RED

        Ich würde den Matrix 1000 auch nicht hergeben. Nach wie vor find ich den schönen langsamen Filtersweep für Pads „unerreicht“. Passt sehr gut zu Pro3, ProRev2-16, Take5. Das Geld für einen Stereo Ping muss man nicht ausgeben. Geht mit entsprechender FW undergeek, Tauntek, Gigli recht gut. Ich hatte vernommen, das ein paar Cracks mit Arduino einen neuen Controller für die gesamte Matrix Reihe entwickeln. Vom Format her sollte das 19 Zoll werden, auf drei oder vier HE. Müsste ich mal raussuchen.

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