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Mellotron-Talk: Dale, Thompson, Grace, Barbeau & Kerzner

(ID: 189284)

Kommen wir zu Cary Grace. Sie kommt ursprünglich aus USA, lebt aber schon geraume Zeit in England und ist Singer/Songwriter, spielt Gitarre und Synthesizer. Und produziert ihre Sachen selbst, was zu bislang 7 Releases geführt hat. Von Andy Thompson wurde ihr jüngst das Mellotron zur Verfügung gestellt. Wie das abläuft, wenn man als gestandene Künstlerin diese Möglichkeit bekommt, das wollte ich also von ihr mal wissen.

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Klaus:
Wie kommt es, dass Du mit einem Mellotron zu tun hast?

Cary:
Ich hatte diesen Sommer die Gelegenheit für eine wundervolle Erfahrung mit dem Mellotron, denn ich durfte zum ersten Mal auf einem spielen. Meine Band und ich waren als Backing Band für Gregory Curvey vorgesehen, der kam aus den USA nach England zu Besuch. Und wollte ein Lineup für The Luck of Eden Hall zusammenstellen. Andy Thompson würde zu uns stoßen und Mellotron spielen. Welch ein Glück für mich, denn am Ende kam es dazu, dass es eine Woche lang bei mir zuhause stand, also in der Zeit zwischen den Gigs. So hatte ich genügend Zeit, mich damit zu befassen und spielte einige Tracks ein. Die sind für einen Song, den ich gerade in Arbeit habe.

Klaus:
Benutzt Du es im Studio oder auf der Bühne oder beides?

Cary:
Andy spielte es live bei unseren Gigs. So blieb mir die Zeit für Experimente lediglich im Studio, aber ich würde es gerne irgendwann mal auf der Bühne einsetzen.

Klaus:
Welche Erfahrungen hast Du in Sachen Service gemacht?

Cary:
Ich war überrascht, wie robust das Mellotron war. Immerhin hatten wir es für die Proben und insgesamt 3 Gigs dabei, wo es sogar geregnet hatte und es ziemlich feucht war. Und den Transport hat es ebenfalls gut verkraftet, was also insgesamt nicht gerade ideale Bedingungen waren. Im Vergleich würde ich gerne mal ein modernes Plastic-Digital-Gear sehen, nachdem es ebensolche 40 Jahre auf dem Buckel hat!

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Klaus:
Wie hältst Du es mit Mellotron Sample-Librarys?

Cary:
Da habe ich mich eigentlich noch nicht sonderlich viel drum gekümmert. Allerdings habe ich bereits eine Emulator Instrument App auf meinem iPad, es ist M3000 von Omenie und die mag ich sehr. Sie klingt richtig gut, aber nachdem ich das originale Instrument jetzt unter den Fingern hatte, merke ich, dass es doch nicht das Gleiche ist. Da geht eine ganze Menge physisch vor sich, wenn man eine Taste drückt und den Kontakt mit dem Tape herstellt. Das lässt sich mit einem Emulator nicht wirklich reproduzieren. Wenn es jemandem darum geht, lediglich einen gewissen Eindruck vom Mellotron zu bekommen, dann tun es Samples oder virtuelle Instrumente und das sogar ganz gut. Aber mal ehrlich, es ist alles andere als das gleiche Ding.

Klaus:
Wie steht’s mit einer Mellotron Anekdote?

Cary:
Andy hatte vergessen, seinen Schraubenzieher zum Entmagnetisieren mitzubringen. Also habe ich ihm ein provisorisches Justiertool gebastelt, mit dem er die Schlitzschrauben wie mit einer Festhaltezange und dazu einem kräftigen Gitarrenplektrum drehen konnte.

Klaus:
Gibt es Dinge beim Mellotron, die Du magst und anderes weniger?

Cary:
Etwas daran nicht mögen? Da fällt mir definitiv nichts ein, für mich ist es ein faszinierendes mechanisches Gerät samt Design und vor allem ein einzigartiges Instrument.

Klaus:
Schönen Dank für Deinen Erlebnisbericht!

Links im Bild: Anton Barbeau. Foto Credits: Karen Eng

Sprechen wir nun mit Anton Barbeau, der ein wenig anders an die Sache rangeht. Denn er besitzt gar kein Mellotron, sondern hat regelmäßig Zugriff auf eins. Mal sehen, wie das aus seiner Perspektive erlebt wird. Zuvor eine Kurzinfo zu seiner Person.

Anton Barbeau ist ein amerikanischer Singer/Songwriter der Sparte Psychedelic und ist Multi-Instrumentalist. Er spielt Gitarre, Klavier, E-Bass, Schlagzeug und Synthesizer. Anton ist seit Mitte der 80er Jahre aktiv und hatte bislang knapp 30 Releases. In den letzten Jahren und aktuell lebt er vorwiegend in Berlin und pendelt für seine Projekte auch immer wieder zwischen Deutschland und England.

Klaus:
Erzähle einfach mal was über Dein Mellotron.

Anton:
Ha, ha, es ist ja gar nicht mein eigenes! In Berlin kenne ich einen, der hat ein M400 und ich gehe einfach zu ihm in seine Wohnung und nehme es für meine Recordings. In England hatte ich auch eins in einem Studio benutzt. Das ist das Studio, das Gary Numan am Anfang gebucht hat. So was ist Zeitgeschichte!

Klaus:
Nimmst Du das auf die Bühne mit oder verwendest Du es nur für Studioaufnahmen?

Anton:
Selbst wenn ich eins besitzen würde, wahrscheinlich würde ich es kaum zu Gigs mitnehmen. Aber für meine letzten 5 Alben habe ich das M400 schon eingesetzt.

Klaus:
Wie hältst Du es mit den vielen verschiedenen Mellotron Sample-Librarys?

Anton:
Das GForce MTron Pro ist meine Wahl. Ich liebe das, dennoch re-recorde ich die Parts immer mit dem echten M400.

Klaus:
Hast Du irgendwelche Mellotron Anekdoten für die Leser?

Anton:
Das erste Mello habe ich im Remote Farm Studio benutzt, das ist in Cambridgeshire, also in England. Die hatten das selten gebraucht, meistens stand das bei denen in der Küche rum neben ein paar Hammond Orgeln. Als meine damalige Band dort das erste Album aufgenommen hat und der Bassist zusammen mit dem Toningenieur währenddessen stundenlang an irgendwas zu fummeln hatten, an den Drums und so, habe ich stattdessen in der Küche rumgefuhrwerkt und Mellotron Tracks mit meinem Laptop aufgenommen. Der besondere Trick dabei war: Das Instrument stand mit den Tasten zur Wand gerichtet, also quasi rückwärts. So war ich gezwungen, meine Parts wie auf den Kopf gestellt einzuspielen, verstehst Du das? Vielleicht ist das nicht wirklich eine Anekdote, aber überleg mal, offensichtlich war ich dazu auserkoren, dieses tolle Instrument ausgerechnet auf so eine derart komische Weise spielen.

Klaus:
Sag mir noch was generell über das Mellotron, also ob es etwas gibt, was Dir besonders gefällt und auch, was Du weniger magst.

Anton:
Na ja, um es zu wiederholen: Da ich ja keins selber besitze, habe ich keinen Anlass, mich über irgendetwas daran zu beklagen. Es ist eher umgekehrt – ich liebe noch das kleinste Detail daran. Dessen Geruch und dazu so ein klobiger Sound, sobald Du diese Maschine in Betrieb nimmst, das gewisse Rutschen der Tapes. Ja, ich mag genau das, weil es mich inspiriert, es auf eine ganz bestimmte Weise einzusetzen und dabei ist der Klang sogar ein bisschen von Gestern und vergeht irgendwie. Vielleicht auch, weil ich mir währenddessen Sorgen mache um jede einzelne Note, die ich gerade spiele und es die letzte sein könnte, die die Maschine noch in der Lage ist wiederzugeben. Was bin ich dem Typen dankbar, der sie besitzt und er sich so um sie kümmert.

Klaus:

Danke, Anton für diesen Bericht!

Dave Kerzner. Foto Credits: Joel Barrios

Hören wir nun Dave Kerzner zu, er ist ein waschechter Prog-Rocker, kommt ursprünglich aus Florida, lebte dann lange Jahre in Los Angeles mit all seinen Folgen, die Sie sich ausmalen können, und kehrte vor einer guten Weile wieder in seine alte Heimat zurück. Hatte er sich insbesondere seit den 90ern einen Namen als Sound-Designer gemacht, für viele Instrumentenhersteller gearbeitet und auch unter eigenem Label zahllose Sample-Librarys veröffentlicht, ist er jedoch seit geraumer Zeit mit seinen Bandprojekten andauernd auf Tour. Ob Sea Cruise mit Yes, in den südlichen Gefilden Englands und dem Namen Collins oder irgendwoanders in Europa – der Mann schreckt so schnell vor nichts zurück. Daher wahrscheinlich auch seine Affinität zum Mellotron, Samples davon und was das für ihn so bedeutet. Aber lesen Sie selbst.

Klaus:
Erzähl mir doch mal ein bisschen was über Dein Mellotron und wie es da zum Kauf kam.

Dave:
In all den Jahren habe ich mehrere Mellotrons besessen. Als Kind habe ich das amerikanische Keyboard Magazine gelesen und wollte immer eins, weil meine Lieblingskeyboarder wie Tony Banks und Rick Wakeman so was hatten. Mein erstes Mellotron war ein Model 400, ich hatte es Bobby Sherman abgekauft und besitze es noch heute. Ich hatte noch andere und die waren holzfarben lackiert, eins davon war wohl von U2, zumindest verwendeten die das und am Ende habe ich es Tom Petty verkauft. Auch hatte ich das Double Manual MK5 Mellotron von Joni Mitchell, das ist ziemlich selten. Ja, in meinem Besitz waren aber auch Chamberlins, Optigans und Orchestrons, das sind ziemlich ähnliche Instrumente.

Klaus:
Verwendest Du die im Studio oder auf der Bühne oder etwa beides?

Dave:
Ein Novatron war in ein Flightcase eingebaut und das habe ich genommen, als ich mit Kevin Gilbert und Giraffe gespielt hatte. Wir performten das Genesis Album The Lamb Lies Down On Brodway beim Progfest ’94 in Los Angeles, hatten das Mellotron ansonsten aber eigentlich weniger eingesetzt. Meistens stand es im Studio, dort habe ich es auch benutzt, vor allem für meine eigenen Sample-Library Produktionen, die ich gemacht habe.

Klaus:
Welche Erfahrungen hast Du gesammelt, wenn es um Mellotron Service geht? Gibt es typische Schwachstellen bei der Mechanik?

Dave:
Ich habe das Mellotron immer wieder zu Recording-Sessions mitgebracht und wenn Du so was tust, dann nimmst Du am besten immer einen Schraubenzieher mit. Diese Dinger brauchen immer Service und für einen stabilen Betrieb sollten stets ein paar typische Teile im Gepäck dabei sein. Für meine Trons ist das jedenfalls immer fällig gewesen.

Klaus:
Wie denkst Du über Mellotron Sample-Librarys?

Dave:
Einige habe davon habe ich ja gemacht. Etwa die Squids Tron Collection, das ist meine persönliche und es sind Samples von Mellotron und Chamberlin. Die habe ich für Leute wie Smashing Pumpkins, Crowded House, Tom Waits und andere gemacht. Ich meine auch, dass die Mellotron Collection der Nord Sample Library ziemlich gut für die Leute ist, die ein Clavia Nord Keyboard haben, die können die Samples einfach so in ihre Instrumente laden. Den Nord Stage 2 mag ich selber ziemlich und habe für Clavia auch einige Sounds dafür gemacht. Ich finde es gut, wenn verschiedene Mellotron Sample-Librarys auf dem Markt sind, weil die alle ein bisschen unterschiedlich sind und es dafür Gründe gibt. Außerdem ist es einfach nur praktisch, alleine wegen der zuverlässigen Stimmung, Du kannst MIDI-Sequencing machen und außerdem ist das total transportabel – oder etwa nicht?

Daves SampleTron

Klaus:
Hast Du irgendwelche Mellotron Anekdoten in Erinnerung? Vielleicht bei dem von Tom Waits?

Dave:
Da gibt es eine ganze Menge. Die Tom Waits Geschichte etwa, also das ist ein Chamberlin Music Master und der Vorgänger vom Mellotron. Ich hatte mein Music Master an Tom Waits verkauft und es ihm rüber zu seinem Haus gebracht. Meine Lieblingsstory aber passierte zu der Zeit, als ich gebeten wurde, mein Mellotron M400 für eine Chastity Bono Session vorbeizubringen. Die Aufnahmen dafür fanden im The Compley statt, das ist ein Studio in Los Angeles. Als ich da ankam, stand Brooke Shields draußen davor. Und ich hatte sie nicht auf Anhieb erkannt. Ja, und sie bot mir direkt ihre Hilfe an, das Mellotron auszuladen! Abgefahren, nicht wahr? <lacht>

Klaus:
Mal so ganz grundsätzlich gesprochen: Welche Sachen magst Du besonders und was nicht?

Dave:
Der Charme des Instruments, den mag ich besonders. Da gibt es soviel Wiedererkennungswert auf klassischen Alben, das ist einfach amüsant. Und abgesehen davon ist es einfach dieser Klangcharakter mit seiner ordentlichen Portion Lo-Fi Grisseligkeit, mit der die Sounds rüberkommen. Auch das merkwürdige Prinzip, dass da analoge Tapes abgespielt werden und die haben auch noch die Nebeneffekte Wow und Flutter. Es ist also unterm Strich ein hübsch fehlerhaftes Instrument, das ich gerade deshalb für meine Musik gut gebrauchen kann. Ich spiele in einer Band namens Sound of Contact mit Simon Collins zusammen, das ist der Sohn von Phil Collins und habe außerdem meine eigene Progressive Rock Band, die Dave Kerzner Band. Und in beiden greife ich ziemlich oft sowohl zum Mellotron als auch zu Samples davon.

Klaus:
Dave, ich danke Dir für den Einblick in Deine Musik und welche Rolle das Mellotron darin spielt. Na, dann wünsche ich Dir weiterhin noch viel Spaß damit!

Epilog

Das Mellotron ist ein so eigenartiges Instrument, es gibt einfach nichts Vergleichbares. Obwohl es alles andere als qualitativ hochwertige Klänge wiedergibt, wurde es zu einem der Meilensteine der Szene. Es ist der völlig individuelle Charakter, der es ausmacht. Und für die Puristen sind es darüber hinaus die Merkwürdigkeiten, die die Spielart beeinflussen und offenbar zu einem Erlebnis der besonderen Art machen, wenn man damit umgeht. Offenbar ist es ein Fall von Love at First Touch, denn die interviewten Künstler sind nach ihrem Mellotron Erstkontakt alle durchweg fasziniert von ihm und erleben große Unterschiede zwischen dem Original-Instrument und Samples davon. Dennoch scheinen Mellotron Samples für die meisten wohl eine akzeptable Alternative darzustellen, auch wenn es nicht der wirklich reine Stoff ist. Mein Dank gilt allen Gesprächspartnern, die sich für die Interviews bereiterklärt und freimütig von ihren Erfahrungen rund ums Mellotron berichtet haben.

Und als Abspann noch einige Videoclips mit Mellotron in Songklassikern.

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Klangbeispiele
Über den Autor
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k.rausch AHU

Spielt Piano, Synthesizer und Rock-Orgel. Und Gitarre. Studio und Live. Produziert Sample Librarys und Synthesizersounds. Für die Industrie und ambitionierte Musiker. Arbeitet als Sound Coach und macht Klangdemos. Schreibt Bücher und Fachartikel. Mag mediterrane und asiatische Küche sowie spannende Storys in Buch und Film.

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Forum
  1. Profilbild
    costello RED

    Die Erfahrungsberichte sind wunderbar zu lesen; aber ich habe dennoch das Gefühl dass die Eigentümlichkeiten des Mellotrons heute in ein arg nostalgisches Licht gerückt werden. Tony Banks wurde durch sein Instrument schier in den Wahnsinn getrieben. Das MkII musste nach jedem Gig geflickt werden, das 400 war etwas zuverlässiger, verstimmte sich aber ständig: „It’s kind of a drag because you can’t relax between numbers at all. You’ve got to keep things tuned up.“ Er schickte es übrigens gerne durch sein Leslie: „it adds a sort of churning sound to the Mellotron brass.“

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      k.rausch AHU

      @costello Die Brille von heute ist klar eine andere als die der 70er oder 80er, wenn diese Instrumente neu waren. Heute wird das – denn jetzt ist es Vintage Gear – gerne sehr wohlwollend betrachtet. Und die Schwächen dann als charmante Eigenarten ausgelegt :)

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      WOK

      @costello Vielleicht schlecht gewartet/gepflegt? Oder er hatte eines der ersten, die späteren hatten stimmstabile Synchronmotoren.
      Das Teil war damals eben die erste und einzige bezahlbare Möglichkeit, halbwegs realistisch klingende Streichorchester, Bläser, Chöre und Soundeffekte auf die Bühne bringen zu können und damit ein absolutes Novum.
      Und der eigentümliche Klang ist einfach markant.
      „Watcher of the Skies“ mit einem Juno106-Padsound wäre wohl kein solcher Erfolg geworden ;-)

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        costello RED

        @WOK Gerade „Watcher of the skies“ verdankt seinen spektakulären Sound ja nicht zuletzt den Gleichlaufschwankungen des Mellotrons :-)

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Großartig, danke für die informativen Interviews!
    Ich fand Mellotron Sounds immer wunderschön, hatte aber hatte den Eindruck, dass es gute Mellotron Samples wohl auch tun. Auf der Superbooth 2016 bin ich eines Besseren belehrt worden. Das stand ja ein spielbereites, durchsichtiges M400. Das Spielgefühl war absolut einzigartig!Ich wollte da garnicht mehr weg. Das Teil reagiert sogar in gewisser Weise auf Anschlagstärke und Tastendruck. Nicht vergleichbar mit Samples. Das hat so verdammt viel Spass gemacht. Seither liebäugele ich damit mir so ein Instrument anzuschaffen. Man muss ja auch Träume haben :)

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    DAS große Plus m.E. aus heutiger Sicht auf die Melllotronsounds ist der Cheesiness Faktor, das Patinabehaftete. Wo man im Studio mit zig Tricks nachhelfen müsste, die Sterilität aus der digitalen Produktion rauszubügeln, tut es oft auch einfach die Verwendung eines klassischen „Bandrahmen“ Sounds, um dem Mix mehr Leben einzuhauchen.

    • Profilbild
      og_penson

      „Everything we call ‘character’ is the deviation from perfection.So perfection to me is characterlessness.“ – Brian Eno

  4. Profilbild
    Son of MooG AHU

    Ein M400 hatte ich auch mal kurz unter den Fingern. Das Tasten-Gefühl kam mir sehr direkt vor; man konnte dem Ton wie durch Aftertouch (nur etwas härter) mehr Präsenz verleihen, wenn der Tonkopf stärker gegen das Band gepresst wird. Ansonsten bin ich mit meinen Nord-Mellotron-Samples absolut zufrieden, ich nutze da überwiegend die un-looped Versions; ein echtes Tron hätte hier auch gar keinen Platz mehr. Leider ließ ich mir vor vielen Jahren ein Variophon mit allen Werksklängen und Keyboard für 300,-DM ausreden; der Händler verglich es mit einer Casio-Tröte…

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Das mit dem „nur ein echtes Mellotron klingt wie ein echtes Mellotron, weil…“ halte ich eher für Blah-Blah von Fans, die irgendwie diese Marotte, die sich „Mellotron“ nennt, rechtfertigen müssen, vor sich selbst und vor anderen — das Original hat so manche Schwäche, die man nicht mehr haben muß (vom Rückenschmerz vom Tragen angefangen bis hin zu Bandsätzen, die untereinander nicht kompatibel sind, weil dummerweise bei der Überspielung nicht auf die richtige Justage der Bandgeschwindigkeit geachtet wurde).
    Fast noch wichtiger als das klangliche Ausgangsmaterial des Mellotrons ist die Frage, wie dieses Material dann verwurstet wird — nimmt man es staubtrocken ab wie Richard Weckmann auf dem „Sechs Weiber vom Achten Heinrich“-Album, dann klingt es grauenhaft — das kann man sich nicht schönreden oder -saufen.
    Hängt man Federhallgeräte, Bandechos, Leslies oder Phaser dahinter und regelt die Höhen runter (die gerade bei manchen M400-Klängen unangenehm in die Ohren schneiden), dann klingt es gleich viel besser — und genauso authentisch.
    Und das kann dann auch ein Resch M4000D oder ein Memotron — da haben die Interviewten Recht: Ein Mellotron will wie ein Mellotron gespielt werden, nicht wie ein Sample. Und ein Gerät, was optisch dem Mellotron angelehnt ist, spielt man anders als einen Sampler oder ein Plug-In mit angeschlossenem Masterkeyboard.

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