MODMATRIX #3 – Patch-Beispiele für Eurorack-Synthesizer

9. Dezember 2017

Knietief drin

EDITORIAL

Unser Eurorack-Magazin geht nun bereits in die dritte Runde. Auf Grund der aktuellen Hammer-Verlosung des Doepfer/Rossum-Racks widmen wir uns ein letztes Mal diesem Supersynthesizer. Dann muss das Ungetüm ja leider die Redaktion wieder verlassen. Vorher zeigen wir aber einige Patch-Beispiele für Eurorack-Synthesizer, die wir speziell mit diesem Ungetüm hergestellt haben, aber eavl. auch auf Euren System nachgebaut werden können.

Aber noch ist Zeit, ein bisschen zu schaufenstern, damit die rege Beteiligung noch ansteigt. In dieser Ausgabe geht es deshalb einfach kurz und knackig um einige Patches und die entsprechenden Beispiele. Dann gibt es noch einiges über VCV-Rack zu berichten: das virtuell analoge Open Source Modular-System. Zum Schluss möchte ich dann noch ein paar Gedanken zur Arbeitsweise und Workflow mit Modularsystemen loswerden. Und die Überschriften wirken nun etwas freundlicher!

Außerdem in dieser Ausgabe, ein Test der Open-Source Software VCR-Rack, mit der sich ein Eurorack im PC nachbilden lässt.

Dann fangen wir einfach mal sofort mit ein paar Patches an! Alle Sounds im Beispiel Tripleness Fahrenheit wurden übrigens ausschließlich mit dem Rack erstellt und aufgenommen. Es kam lediglich eine satte Portion Reverb dazu und etwas Master-EQ und -Limiter darüber.

Patch I: Sequencer Tri LFO Morpheus Evolution

Patch II:CF Multi LFO Evolution A

Patch III: CF Multi LFO Evolution B

Patch IV: Dance Hall

Patch V: Tri LFO Power Chord

VCV-Rack 0.5.0

In der letzten Folge habe ich ja bereits das virtuelle Modularrack VCV-Rack vorgestellt. Und meine Prognose, dass hier ein sehr interessantes Werkzeug entstehen könnte, scheint sich zu bewahrheiten. Zunächst einmal wäre da der eigentliche Host VCV-Rack. Die in Modmatrix #2 vorgestellte Version trug die Versionsnummer 0.3.2, die aktuelle, zum Zeitpunkt des Schreibens, ist nun 0.5.0.

Dabei wurden einige der Standard-Module verbessert, so dass das MIDI-In Modul nun z.B. Patch-Möglicheiten bietet, um verschiedene Echtzeit-Controller abzufragen. Mod-Wheel, Aftertouch oder Pitchbend. Die ganze Host-Software läuft nun wesentlich runder. Das fängt bei der Geschwindigkeit der GUI an und hört bei der Latenz eines Patches auf. Hier wurde deutlich optimiert. Zudem wurde das Plug-in-System verändert, so dass diese nun nicht mehr im Programmverzeichnis hinterlegt werden, sondern über einen „Rack“-Eintrag im Dokumentenverzeichnis. Ein Plug-in enthält dabei immer alle drei Build-Versionen: für Windows, MacOSX und Linux. Das erspart einem eine stressige Plug-in-Klauberei.

Wichtiger und noch erfreulicher allerdings ist die Tatsache, dass es in dieser kurzen Zeit eine Menge neue Plug-ins für das VCV-Rack gibt. Die meisten folgen der Open-Source-Philosophie, es gibt aber auch einige, die kommerziell erhältlich sind und so um die 25,- Euro kosten. Wenn das in dem Tempo so weitergeht, bietet sich hier wirklich eine virtuelle Alternative zum echten Rack. Natürlich nur in begrenzten Maßen, aber dennoch. Nun kann jeder, der sich schon länger für modulare Synthese interessiert, zumindest einmal reinschnuppern und zu Hause tüfteln. Denn irgendein Modularsystem im Laden anzutesten, kann schwerlich zu befruchtenden Erkenntnissen führen. Und da die Module, wie z.B. Cloud von Mutable Instruments sowieso digital sind, wird man bei dem Ergebnis im VCV-Rack kaum einen Unterschied hören, mal abgesehen von den unterschiedlichen Wandlern vielleicht.

Die neuen Module kommen von vier verschiednen Quellen und deren Sourcecode, die Releases sind auf GitHub zu finden. Als da wären:

JW_Modules: 6 Module

ML_Modules: 16 Module

 

VultModules: 14 Module

Stellare-Modular: 2 Module

(Das Ableton Link-Modul ist im ersten Release leider noch nicht enthalten.)

Es gibt also insgesamt 38(!) neue Module. Von Drumsynths über Multis zu semizufälligen Sequencern – da ist eine Menge zu entdecken dabei. In späteren Folgen werde ich mich mal dem einen oder anderen Patch intensiver widmen. Für heute ein kleiner Ambient-Patch. Probiert es aus, es kostet nichts!

Gedanken zur Arbeitsweise

Folgende Ausführung stellen meine persönlichen Ansichten dar und erheben keinesfalls Anspruch auf Verallgemeinerung. Nachdem ich nun einige Zeit mit einem voll bestücktem Modularsystem experimentiert, geforscht und gearbeitet habe, kristallisiert sich für mich eine bestimmte Arbeitsweise heraus. Diese Arbeitsweise ist sowohl von Planung als auch Spontaneität geprägt. Dabei gibt es manche Patches, die möchte man schon fast so stehen lassen, da sie so viele Möglichkeiten bieten, andere Patches braucht man nur jetzt gerade im Arrangement und danach wahrscheinlich nicht wieder. Letztere sind meiner bisherigen Erfahrung nach solche Sachen wie Sound-FX – allerlei Rauschendes ist z.B. darunter.

Ganz klar ist die modulare Synthese eine Sache des Wissens und der Erfahrung. Da ich durch meinen G2X schon einschlägig vorbelastet bin, kommen mir Ideen recht zügig, zumal sie Lead-Sounds betreffen. Denn meist geht es hier um einen prägnanten, variantenreichen Sound, der sich durch möglichst viel Echtzeitmodulation auszeichnen soll, um expressiv spielbar zu sein (Lead Sound zu Tripleness Fahrenheit).

Ganz andere Ungetüme sind „echte“ Sequencer-Patches für 16tel Sequenzen, sozusagen die Königsdisziplin. Hier kommt es vielmehr auf Timing und Verläufe an, so dass aus ein und derselben Sequenz recht unterschiedliche Dinge hervorgeschält werden können.

Damit bin auch schon bei den zwei Paradigmen, die sich für mich herauskristallisiert haben. Ich nenne sie mal Build-Paradigma und Sculpt-Paradigma. Im ersten Fall habe ich eine klare Vorstellung vom Klang, lasse mich aber dennoch gerne z.B. von verschiedenen Filtern und Oszillatorklangfarben in andere Richtungen schubsen – der Klang schwebt mir aber schon klar vorm Ohr.

Beim Sculpt-Paradigma ist es eher so, dass ich zunächst eine echte Wall Of Sound aufbaue, um diese dann Stück für Stück abzutragen, bis etwas übrig bleibt, was mir gefällt. Hier gehe ich experimenteller vor und probiere einfach verschiedene Techniken aus, z.B. Parallelfilterung vs. serieller Filterung. Mein Vorwissen ist dabei eher begleitender als führender Impuls im Prozess.

In diesem Sinne: pitche, switche, patche – und bis zur nächsten Ausgabe unseres Eurorack-Magazins.

Klangbeispiele
Forum
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    swellkoerper  AHU 1

    Könnt Ihr denn schon etwas verraten, in welche Richtung die Kolumne entwickelt wird, nachdem das Modmatrix-Rack in meinen Besitz gewandert ist :-) ?
    Zum VCV: ich kann also berichten, dass VCV mittels Expert Sleepers Modulen „Plug an Play“ zum echten Eurorack kompatibel ist, ohne irgendwelche CV-Wertebereiche zu skalieren. Man patcht wirklich einfach vom Virtuellen zum Echten Modularen durch, das ist viel intuitiver gelöst als bei Reaktor Blocks.

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    Son of MooG  AHU

    Zum Thema Arbeitsweisen: da gibt es wahrscheinlich so viele, wie es Anwender gibt. Ich bevorzuge es mittlerweile, erstmal alle Strippen außer MIDI-In und Audio-Out zu ziehen und „from scratch“ zu starten. Auf diese Art vermeide ich ausgetretene Pfade, oder, wie es in einem Song von Echolyn ausgedrückt wurde: „…Star Trekkers who will bodly go to the same old stars“. Kreative Unfälle erhalten so auch ihre Chancen…

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    AMAZONA Archiv

    Es bestätigt immer wieder meine Vermutung, dass die Nutzer von Modular Systemen nicht unbedingt so richtige Musikanten im herkömmlichen Sinne sind, sondern eher dem Charme von technischer Raffinesse unterliegen. Oft werden auch keine Töne selbst gespielt sondern irgendwie an einer technischen Apparatur eingegeben, Sequenzer, Arpeggiator oder ähnliches. Das hörbare Ergebnis entspricht in etwas den Hör Beispielen hier. Also grob klingenden Wellenformen, Rauschen, Ufo Innenraum Dröhnen oder ständig sich wiederholende Sequenzen die sich nicht mehr verändern möchten, der Klang jedoch verändert sich gaaaanz langsam, so ungefähr von Bing nach Bong zu wusch nach wobble bis Rausch und Bausch. Tja wie soll ich es anders sagen. Viele echte Hits gab es im Radio damit noch nicht zu bewundern. Aber die Sache scheint dennoch zu faszinieren. Für mich ist es nix, aber ich bin ja auch niemand.
    Ich denke wie so oft steht der Spaß im Vordergrund und der Spieltrieb.

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      Wellenstrom  AHU

      Ist schon ’ne Herausforderung… Mick Jagger ist ja mal am Moog Modularsystem gescheitert und gab frustriert nach ’ner Weile auf. Erfordert schon ’ne ganz andere Vorgehensweise, die vermutlich den meisten heute noch viel schwerer fällt als den ambitionierten Mukkern vor 50 Jahren.

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      costello  RED

      costello RED 10.12.2017 – 10:46 Uhr
      Kommt drauf an. Mein Bruder mit PPG-Modularsystem und EMS hat meine Synthesizer „mit Tastatur“ früher immer als Orgeln verspottet. Wenn man dann auf so einem Schrank mit gefühlten 100 Kabeln eine Flöte einstellt, frage ich mich schon, ob es nicht auch ein Festverdrahteter getan hätte.
      Aber hier die Beispiele tönen ja nicht nach Flöte. Der Drone würde in jedes Vangelis-Album passen und Tripleness Fahrenheit gefällt mir auch sehr gut. Ob’s dafür wirklich ein Modularsystem braucht, müsste man mal in einer „Challenge“ erproben :-)

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        Wellenstrom  AHU

        Ja, leider gibbet immer Leute, die dahingehend eine sehr verengte Sicht der Dinge haben. Der Amazonamann ist da nicht unbedingt der Flexibelste.
        Die Liste der User, die auf ihren Alben auch immer wieder mal Modularsynthesizer einsetzen, ist gar nicht mal so kurz. Allein zu den Glanzzeiten des Moog Modular seien da Namen und Bands genannt wie George Harrison, The Beatles, ELP, Wendy Carlos oder die Monkees…. und einiges davon ist auch ziemlich populär geworden und fand sich in den Charts und ist Teil zeitloser Hits geworden.
        Wie weit der Modularsynthesizer im Mainstream angekommen war, sieht man gut an einigen Tracks von „Abbey Road“ oder wie o.g. zum Beispiel bei den Monkees:
        https://www.youtube.com/watch?v=2hFGgWNqk-k
        Aber mit einem hat er ja recht. Ein Modularsynthesizer ist wirklich nicht unbedingt das intuitivst zu bedienende Instrument.

  4. Profilbild
    Wellenstrom  AHU

    „Ob’s dafür wirklich ein Modularsystem braucht, müsste man mal in einer „Challenge“ erproben :-)“

    Interessante Sache, das! Vor allem, wenn man noch im Hinterkopp hat, dass man mit festverdrahteten, digitalen und virtuellen Synths ja auch noch layern kann. Aber das selbst patchen und das dabei „selbstentdeckende Lernen“ ist schon cool – zumindest so lange, wie man nicht in traditionellen Produktionsmustern produzieren/produzieren muss und nur für die Nische was macht.

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    SimonChiChi  

    Thilo, tolle Serie. Hoffe du machst weiter und es kommen noch ganz viele Teile!!! Bitte auf jeden Fall mehr Patches. Vielleicht mal ein Standard-Mini-Setup zulegen und Patches aufzeigen, die jeder easy nachbauen kann.

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    fritz808  

    was für ein höllending. dave rossum hat mal wieder bewiesen, dass er immer noch zu den kreativsten seiner zunft gehört.

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    Robocob11  

    Gibt es da irgendwann mal wieder einen neuen Teil? Fände es echt schade, wenn die Reihe einschläft.

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