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Modular Serie: Die Oszillatoren (Teil 1)


Modular: VCOs (1)

Willkommen zur „Amazona Modular Serie“. Es gibt vier Haupt-Aspekte, warum diese Modular-Testreihe ins Leben gerufen wurde.

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Erstens ist es eine Hommage an die deutsche Musikindustrie bzw. an Dieter Döpfer, dessen A-100 das weltweit umfangreichste – und wohl auch erfolgreichste – je in Serie gebaute Modularsystem darstellt.

Zweitens sind viele Abschnitte als allgemeine Modular-Workshops zu verstehen, die natürlich nicht unbedingt den Gebrauch des A-100 Systems voraussetzen. Stattdessen geht es vielfach um allgemeine Möglichkeiten modularer Verknüpfungen bzw. um Grundsätze der subtraktiven Klangsynthese. Diese Aspekte lassen sich in Folge am A-100, doch ebenso auf anderen modularen Synthesizern anwenden. Dem nicht genug: Genau genommen bedarf es in einigen Fällen überhaupt keines Modularsystems. (Fast) jeder Synthesizer – ob analog oder digital, ob monophon oder polyphon, ob Software oder Hardware – hat die gleichermaßen entscheidende Herausforderung der Klanggestaltung im Gepäck. Und so lassen sich viele Grundkenntnisse und Gestaltungsideen vom A-100 auf andere Synthesizer übertragen (sofern diese eine Programmierung erlauben, was natürlich Voraussetzung ist).

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Drittens wird das A-100 System in einen weiten „historischen Zusammenhang“ gestellt. Schließlich hatte (und hat) Dieter Döpfer bei der Entwicklung einiger Module konkrete historische Vorbilder, die als Grundlage der A-100 Bausteine dien(t)en. So werden in den Berichten Hintergrund-Informationen eingestreut, die ganz allgemein auf die Geschichte der (meist analogen) Synthesizer, ihre Entwickler, diverse Bauteile etc. eingehen. Je nach Thema dürfte der historische Aspekt variieren, doch sollten diese Informationen für alle Synthesizer-Enthusiasten gleichermaßen von Interesse sein.

Viertens – und damit neigt sich die Einleitung dem Ende zu – soll die „Modular Serie A-100“ wichtige musikalische Aspekte aufzeigen. Dabei geht es in erster Linie nicht so sehr um komplexe Strukturen, die – selbstredend – interessante Klänge ermöglichen, im Gegenteil: Manchmal sind es ganz einfache Vorgehensweisen und Gestaltungsideen, die zu erstaunlichen (musikalischen) Resultaten führen können.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Bloderer RED

    Hallo Dirk!

    Danke für dein (erwartetes) Kommentar.

    Ich wiederhole am besten unsere Email-Korrenspondenz vom 30.01.09, damit lassen wir alle an den Überlegungen teilhaben.
    Es geht um die Frage „Wellenform“ versus „Schwingungsform“…

    „… Eimert ist natürlich eine Referenz. Ich kann mir jetzt ein Bild machen, dass sich die Verwendung der Begriffe in den letzten Jahrzehneten geändert hat. Dellmann spricht in seinem Buch „Synthesizer“ (1981) bereits von Wellenform. Wolfgang Bock „Synthesizer“ (1981) ebenso. Peter Gorges hat in seinem Keyboard Lexikon (1994) den Begriff Schwingungsform, jedoch nur mit Verweis auf Wellenform. Hans-Jochen Schulze „Moderne Musikelektronik“ (1989, noch aus der DDR) spricht überhaupt von Ausgangssignalen. Moderne Autoren wie Uwe Hoenig oder Florian Anwander braucht man gar nicht zu Rate ziehen, die sprechen unisono von Wellenform.

    Ich würde daher bei Wellenform (statt Schwingungsform) bleiben. Mag sein, dass es nicht zu 100% korrekt ist, doch ist es der heute eingebürgerte Begriff.

    Letztlich sehe ich aber vor allem in der Parallele zum englischen ‚waveform‘ einen klaren Vorteil. So stimmen die für die Instrumente verwendeten Abkürzungen und Bezeichnungen in beiden Sprachen überein…

    Viele Grüße
    Theo B.

    • Avatar
      nudel2000

      In dem Augenblick, wo ich an dem Generator etwas anschließe, um die Schwingung des Generators zu verwenden, muss ich das Teil eigentlich als Wellengenerator mit einer bestimmten Schwingungsform bezeichnen, denn es wird ja, wenn auch eine noch so kleine Energie übertragen. Und das kann nur eine Welle.
      Gruß

  2. Avatar
    XCenter

    Da Theo sich direkt auf das A100 bezieht, halte ich es für absolut vertretbar hier die Nomenklatur von Herrn Doepfer zu übernehmen. Denn selbst dieser im Fachgebiet der Musikelektronik bewanderte Ingenieur benutzt die Begriffe „Welle“ und „Wellenform“. Ob nun sachlich richtig oder falsch, die Begrifflichkeit ist ja ganz offensichtlich so in den allgeminen Sprachgebrauch übergegangen und es ist ja auch unstrittig, dass eine Sprache lebt und kein Gesetzbuch ist. Insofern grenzt diese „Wellen“-Reiterei in der Tat an Haarspalterei und Erbsenzählen und ist obsolet.
    (Sagt heute jemand DER Modem?! Ist aber eigentlich richtig so.)

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    Theo Möbus

    Zur Ehrenrettung von Gerald Dellmann möchte ich auf die Neuflage des Synthesizer-Handbuchs von 1985 verweisen. Gerald Dellmann benutzt darin wieder den korrekten Begriff „Schwingung“ bzw. „Schwingungsform“.

    Auszug: „Der Oszillator – Als Oszillator wird allgemein jeder Schwingungserzeuger bezeichnet (…) Das Produkt eines Oszillators ist, wie bereits erwähnt, eine Schwingung (..) Ein elektronischer Oszillator kann nun, je nach Schaltung, verschiedene Schwingungsformen erzeugen (…)“

    Was heißt eigentlich „Wellenform“ ins Englische übersetzt?

    Schwingung = oscillation
    Schwingungsform = waveform
    Wellenform = mode of motion?

    • Profilbild
      Bloderer RED

      Hallo Theo!

      Im online Wörterbuch http://www.linguatec.de steht zu lesen: „elektrische Wellenform“ > „Electric waveforms“, oder „kennzeichnende Wellenform“ > „characteristic waveform“, oder „Wellenform“ > „analog waveform“. Es gibt auch „waveform shape“, „wave schape“ bzw. „undulation“…

      Davon abgesehen ist mir keine Übersetzung eines Synthesizer Manuals bekannt – sei es von Moog, ARP, Sequential, Oberheim, Roland, Korg, Yamaha, etc. – in der der Begriff „Schwingungsform“ Verwendung findet.

      Zur Klarstellung werde ich jedoch im Bericht eine Ergänzung hinzufügen: „Schwingungsform“ ist die physikalisch korrekte Bezeichnung. In der Artikelserie hingegen kommt ausschließlich der in der Musikindustrie übliche Begriff „Wellenform“ vor…

      Viele Grüße
      Theo

      • Avatar
        Theo Möbus

        Hallo Theo,

        lobenswert. Jedoch ist es mir nicht so wichtig, wie es vielleicht scheint. Überhaupt finde ich Deine Artikel immer klasse.

        Gruß
        Theo

  5. Profilbild
    FischerZ

    Hallo Herr Bloderer,
    wie schon von ihnen gewohnt ein Interesannter Bericht mit aussagekräftigen Audiobeispielen.

    Die Diskussion ob nun Wave oder Wellenform oder Schwingungsform kann ich nicht nachvollziehen. Der Musiker der sich, wie meine Person, seit über 20 Jahren mit Synthesizer beschäftigt, weis was gemeint ist.

    • Profilbild
      Markus Schroeder RED

      Hallo,

      schon klar, dass die alten Hasen die Nase in den richtigen Wind hängen, aber es gibt noch sehr viele Musiker und Nichtmusiker, für die ein Synthesizer immer noch ein Klavier mit Strom ist.

      Die sind noch nicht nicht so erleuchtet, wie wir. ;)

  6. Profilbild
    Markus Schroeder RED

    Hallo,

    Da ich mich gerade mit ähnlichen Problemen beschäftige, möchte ich hier auch meinen eigenen, hoffentlich konstruktiven, Senf beigeben.

    Das Problem bei Schwingung und Welle liegt nicht im sich anscheinend durchsetztenden Gebrauch in der Umgangssprache. Der wesentliche Unterschied ist, dass diese zwei wissenschaftlichen Begriffe definierte, physikalische Vorgänge beschreiben.
    Und elektronische Musik ist, ob es der Musiker wahrhaben will oder nicht, extrem von mathematischen und physikalischen Eigenschaften durchzogen. Das liegt in ihrer Natur.

    Deswegen:
    Während die Schwingungen nur die zeitliche Ausdehnung hat, haben Wellen zeitliche UND räumliche Ausdehnungen.
    Metaphorisch: Schwingung ist die antreibende Energie, Welle die dazugehörige Bewegung.
    Durch den direkten Zusammenhang der beiden Vorgänge sind Missverständnisse leider nahezu unausweichlich. Zumal es auch unzählige historisch bedingte Überschneidungen der beiden Begriffe gibt. Deswegen kann meistens nur im Kontext entschieden werden, welche Begriffe richtig sind.
    z.B. „Pulswelle“, meint eigentlich „Puls-Schwingungsform“, aber mir ist kein Dokument
    bekannt, das letzteren Begriff verwendet.

    Weitere Beispiele aus dem Artikel:
    „Um herauszubekommen, wie ein Synthesizer klingt, höre ich mir immer erstmal die Wellen[formen] pur an,[…] “
    Hier ist es richtig angewandt. Ein Schwingung kann man nämlich nicht hören-

    „Je weniger ein Oszillator in Wellenform und Tonhöhe frei drifte[…]“, Curt Nolte
    …hier nicht. Ein Oszillator kann in der Schwingungstabilität driften.
    Die Wellenform driften dann zwar unweigerlich mit, aber eben nur aufgrund des
    Oszillators.

    „Die vier Wellenformen des A-110[…]“
    „[…]zwei A-110 VCOs mit Sägezahnwelle[…]“
    Das wesentliche Problem hier ist, das auf Seite 1 des Artikels der Oszillator korrekt Schwingkreis und Schwingungsformen beschreiben wurde (gelbes Feld). Es ist deshalb verwunderlich, dass die Definitionen nicht beibehalten wurden. Das führt in der Tat zu Verwirrung.

    Und noch eine Definition:
    Der Begriff „Naturinstrumente“ ist mittlerweile inadäquat. Das was damit beschrieben werden soll ist die Familie der „mechanischen Instrumente“.
    Eine Geige ist keinen Deut „mehr in der Natur vorkommend“ als Native Instruments Reaktor. Diese Spitzfindigkeit sind wir Elektronikmusiker uns schuldig.

    Das Thema mit dem Sprachgebrauch ist wieder ein ganz anderes:

    Zum angesprochenen WAVEFORM.

    Das Problem ist, das „wave“ im englischen sowohl die Bedeutung der deutschen „Schwingung“ als auch der „Welle“ hat. Die englische Sprache macht hier keine Unterschiede. ( schließlich hat unser Heinrich Hertz das entdeckt ;) )

    Ebenso z.B. bei „control“ im englischen. Das sowohl „regeln“ als auch „steuern“ im deutschen bedeuten kann. Das sind zwar verwandte, aber unterschiedliche Vorgänge.
    Diese Details gibt der englische Begriff nur im Kontext her .

    Nun machen wir aber kein wissenschaftliches Seminar sondern eine Zeitschrift. Doch das ist kein Gund ungenau zu sein und um da noch mal auf die englischen Begrifflichkeiten zurückzukommen:
    unsere englischsprachigen Kollegen haben wesentlich mehr „Fachchinesich“ in ihren Artikeln und haben keine Probleme es auch anzuwenden. Da will ich mich nicht lumpen lassen und wollte mich diesbezüglich auch unserem Publikum verpflichtet fühlen. Vielleicht seht ihr es ähnlich.

    Wie es schon gesagt wurde: wenn alle es falsch machen, wird es dadurch nicht besser!
    z.B. sagen wir ja heute auch nicht mehr „Neger“.

    Das Argument „Sprache ist lebendig“ wird immer wieder gerne flapsig benutzt.
    Sprache. Es gab und gibt immer soziale, elitäre, politische und andere Interessensgruppen, die bestimmte Ausdrücke bevorzugen und verbreiten (wollen).
    Kurz Kerngruppen. Der Rest der Sprachgemeinschaft nimmt diese auf, wenn die propagierten Begriffe eine Vereinfachung der Kommunikation verheißen.
    So ist es natürlich einfacher im alltäglichen Sprachgebrauch nicht zwischen Schwingung und Welle zu unterscheiden, das beides sowieso nur (hinreichend oft) gemeinsam auftritt.
    Und wir, als Autoren und Journalisten können unseren Teil dazu beitragen, in welche Richtung das geht.
    Ich weiß das klingt jetzt wieder Berholt Brecht durch, aber was solls.

    So, jetzt habe ich mal wieder viel zu viel geschrieben was keinen interessiert,
    trotzdem noch einen schönen Abend ;D
    M.

    • Profilbild
      Bloderer RED

      … „Naturinstrument“ wurde durch „mechanisches Instrument“ ersetzt. Ein wichtiger Hinweis, danke.

    • Profilbild
      bob4

      „Während die Schwingungen nur die zeitliche Ausdehnung hat, haben Wellen zeitliche UND räumliche Ausdehnungen. “

      Der Beitrag wurde zwar in einer guten Absicht verfasst, trägt aber nicht zur Klärung des Sachverhalts bei. Die zitierte Aussage ist keine gültige Definition, sondern schlicht falsch! Schwingungen haben sehr wohl eine „räumliche Ausdehnung“.

      Bei einer physikalischen Schwingung ändert sich ein Parameter in Abhängigkeit von der Zeit (eine Spannung, oder z.B. die Position eines Luftmoleküls). Sonst würde ja gar nichts passieren ;)

      Der Zusammenhang zwischen Schwingung und Welle am Beispiel der Schallwelle:

      Die SchallWELLE transportiert Energie durch das Medium Luft. Dabei schwingen Luftmoleküle um Ihren Ruhepunkt. Die Summe der einzelnen Schwingungen ergibt die Schallwelle.

      Die Wellenformen im Oszilloskop wiederum sind Schaubilder der jeweiligen Schwingungen, auf der Zeitachse dargestellt. Es handelt sich also um eine Aneinanderreihung von Messwerten der betreffenden Schwingung in zeitlicher Abfolge.

      Um weitere Verwirrung zu vermeiden, sollte man in dem Synthesizer- Kontext ausserdem den Begriff der periodischen Schwingung verwenden.

      MfG,

      bob

  7. Profilbild
    FischerZ

    Somit stellt sich natürlich die Frage ob alles wortwörtlich übersetzt werden muß. Beim Microwave z.B. wird von Wavetables gesprochen. Niemand kommt auf die Idee im Deutschen von Wellentischen zu sprechen oder zu schreiben.

  8. Avatar
    nudel2000

    Die Schallwelle ist nur das letzte Glied, und Dank der Energieübertragung als solche „leicht“ zu erkennen.
    In dem Augenblick, wo Du. z.B. einen Verstärker an den Oszillator anschließt, findet eine, wenn auch kleine Energieübertragung von Oszillator zum Verstärker statt. Das weisst Du ja alles selbst.
    Energieübertragung–> Welle.
    Bzgl. Deines unteren Artikel zur Sprache, gebe ich Dir aber vollkommen recht, nur ist es wohl ein Kampf gegen Windmühlen.
    Gruß

  9. Avatar
    Bronto Scorpio

    Ein klasse Artikel. Bin wirklich gespannt auf den nächsten Teil.

    Es lohnt sich wirklich sich näher mit Oszillatoren zu beschäftigen. Denn gerade in Pulsweitenmodulation und Oszillatorsynchronisation stecken sehr viele Klangfarben.
    Hier habe ich durch diese beiden Methoden beispielsweise versucht einen Pianosound zu basteln.
    http://www.....OscPia.mp3
    Das Filter wurde nur eingesetzt um die Höhen etwas zu „beschneiden“
    Natürlich ist der Sound weit vom Realismus entfernt. Aber man merkt das man sehr viel mehr erzeugen kann als nur klassische Saw und Square Wellenformen. (Verwendet wurde hier übrigens der Vember Audio Surge).

    MFG
    Dennis

  10. Avatar
    snowcrash

    wavetable = Wellentabelle, evt. Wellenverzeichnis

    ‚Wellensatz‘ waere angesichts des aus Programmiersprachen entlehnten Begriffs mMn etwas zu ungenau.

  11. Avatar
    Kenny

    Hier mal mein Senf zur Wellen-/Schwingungsdiskussion aus Gitarristensicht: Fachlich ist Schwingung sicherlich richtiger. Aber in einer Welt, in der Gitarristen immer noch vom Tremolo sprechen, wenn sie das Vibratosystem auf ihren Klampfen meinen, erscheint mir die Verwendung von Wellenform doch recht verzeihlich…. ;-)

  12. Profilbild
    FischerZ

    Anno1981 nannte Wolfgang Palm das alles Wellensätze. Die Fachzeitschriften Musik & Computer, Germany Feb. 1984 und Musik Spezial, Germany Fall/Winter 1984 benutzten den Begriff Wavetables. Also gebührt dem Erfinder dieser genialen Syntheseform auch die Namensgebung.

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Modular Serie: Die Oszillatoren (Teil 1)

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