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Test: Mooer GE 150, Multieffekt-Pedal

8. Oktober 2019

Viel drin für wenig Geld - das Mooer GE 150

 

Mooer GE 150

Mooer GE 150

Mooer blies recht selbstbewusst zum Angriff auf die Welt der Modeler Floorboards mit dem Mooer GE300. Vom Kemper-Killer war sogar die Rede. Aber das war vor allem dem generöse Hype geschuldet, der von der YouTube-Gemeinde inzwischen bei jedem zweiten Modeler-Amp oder -Floorboard angefacht wird. Ich persönlich tat mich mit dem Gerät ein bisschen schwer, hatte mit der Tone-Capture-Funktion zu kämpfen und fand die Amp-Simulationen im Vergleich zur Konkurrenz dann doch ein bisschen harsch und undifferenziert. Was der Mooer GE 300 jedoch zweifelsohne den anderen voraus hatte: das irrsinnige Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Prinzip, das Mooer quasi gepachtet hat und das bei der Wertigkeit des vorliegenden Testgeräts ebenfalls eine erhebliche Rolle spielt. Fest steht: Die Funktionalität und das Ausmaß der Features ist beim Mooer GE 300 über alle Zweifel erhaben – insofern war ein bisschen Hype also doch gerechtfertigt.

Das weiß Mooer – und bringt nun mit dem Mooer GE 150 den kleinen Bruder des Floorboards auf den Markt – das neueste Modell der Micro Preamp Serie. Der kleinste Amp-Modeler aller Zeiten? Schauen wir mal. Der Preis ist mit seinen 169,- Euro fast lächerlich gering, wenn man sich die Features so ansieht. Könnte also ein echter Preis-Leistungs-Kracher sein. Bin gespannt.

Mooer GE 150, Multieffekt-Pedal – Facts and Features

Gleich vorweg: Ich mag das Design der GE-Reihe. Angenehm reduziert, zeitgemäß und elegant. Das ist beim GE 150 nicht anders. Die Aluminium-Platte des Panels schließt sich auf der Unterseite in Hellgrün. Auffällig sofort: Klein ist das gute Stück. Wirkte auf den Bildern definitiv größer: 230 x 160 x 50 mm lauten die Maße und dass das Gerät deshalb gerade mal 700 g auf die Waage bringt, verwundert also entsprechend nicht.

Wer für diese Art von Floorboard den Preis so niedrig ansetzt, spart an den Kleinigkeiten, könnte man meinen. Nicht so Mooer – der Lieferumfang ist vollständig, es gibt ein 9 Volt Netzteil und ein USB-Kabel für Firmware-Updates. Das USB-Kabel impliziert natürlich zusätzlich, dass man das Mooer GE 150 als Audiointerface nutzen kann. Und auch der erste Blick auf das Board zeigt: Expression-Pedal ist mit von der Partie. Erfreulich also und bei einem Ladenpreis von 169,- Euro alles andere als selbstverständlich.

Mooer GE 150

Auch mit von der Partie: Stereo. Will konkret heißen: zwei 6,3 mm Klinken für den Output, zusätzlich zum 3,5 mm Stereo-AUX-In und Stereo-Klinkenausgang für Kopfhörer. 6,3 mm Input-Klinke gibt es eine. Der USB-Anschluss wurde bereits erwähnt, aber darüber hinaus besitzt das Mooer GE 150 auch USB-B OTG Output. Die Features summieren sich also und wenn man im Hinterkopf den Preis behält, schindet das zunehmend Eindruck. Kommen wir aber zum Wesentlichen – nämlich dem, was im Mooer GE 150 alles drinsteckt.

Mooer GE 150, Multieffekt-Pedal – was steckt alles drin?

Nicht wenig, wie man recht schnell feststellt. Die meisten dürften sich fragen, wo denn dann eigentlich der Unterschied zwischen dem GE 200 und dem GE 150 liegt. Das Wichtigste vorweg: In Sachen Verstärkersimulationen, Cabinets, Effekte und Power sind die beiden Geräte mehr oder weniger deckungsgleich. Der Unterschied liegt in der Hardware, das heißt konkret: kein Anschluss für ein zusätzliches Expression-Pedal, weniger Regler, weniger Knöpfe.

Doch auch im Mooer GE 150 stecken insgesamt ziemlich viele Amp-Simulationen: 55, um genau zu sein, und die meisten davon bewegen sich im Fahrwasser üblicher Verdächtiger: Plexi-inspirierte Verstärker finden sich dort genauso wie Fender-Twang oder fuzzy, von Orange inspirierte Amp-Simulationen. Doch das ist nicht alles: Der Nutzer kann die Amp-Simulationen mit einer der insgesamt sechsundzwanzig Cab-Simulationen kombinieren und von den über hundert Effekten insgesamt neun Stück gleichzeitig nutzen. Und wem das an Auswahl nicht reicht, der kann fremde Impulse-Responses in den Mooer GE 150 laden. Leute – wir reden hier immer noch von 169,- Euro. Mir schwant schon, dass der klangliche Vergleich mit dem Mooer GE 300 äußerst holprig ausfallen wird, aber bleiben wir zunächst bei den Fakten: 55 Amp Simulationen, 26 Cab Simulationen, 151 Effekte und zu all dem kommen noch zehn Metronom-Optionen und vierzig Drum-Variationen hinzu.

Mooer GE 150

Jetzt steht bei so einer Fülle an Features mit so einem Preis schon der Verdacht im Raum, dass das Spielen von Gigs mit dem Mooer GE 150 wahrscheinlich klanglich nicht drin ist – es sei denn, es handelt sich wirklich um einen Mini GE 300, der die annehmbare Qualität mancher Verstärker-Simulationen bei sich hatte. Doch wenn ich mir die Konnektivität ansehe und mir zusätzlich noch ins Bewusstsein rufe, dass der GE 150 einen Phrase-Looper mit einer Aufnahmezeit von insgesamt 80 Sekunden besitzt, beschleicht mich der Verdacht, dass das Gerät vielleicht der ideale Übungspartner sein könnte.

Die zwei Knöpfe jedenfalls helfen einem, sich durch das Mooer GE 150 Menü zu navigieren, wenn man die Regler nicht benutzen möchte. Darüber hinaus aktiviert der linke Knopf beim Halten den Tuner und der rechte den Looper – ganz einfach also. Der Value-Regler ermöglicht es, den jeweiligen zentralen, angewählten Parameter abzuändern, der Master-Regler kümmert sich um den generellen Output des Geräts. Unterhalb des Displays wird mit kleinen Leuchtbalken die Signalkette angezeigt, will heißen: Distortion, Amp, Cabinet, Noisegate, EQ, Modulation, Delay und Reverb – klassisch also. Schade scheint, dass sich ein vollständiges Umleiten oder Routen der Signalkette anscheinend beim Mooer GE 150 nicht machen lässt. Dafür verspricht das System bei der Navigation eine gewisse Übersicht. Die Wähltasten unter der Signalkette erledigen systemische Aufgaben: Play aktiviert Metronome oder Drum-Loops, Save ermöglicht das Speichern von Presets, EXP den Zugriff auf das Expression-Pedal, während Rhythm darüber hinaus die Auswahl zwischen Drum-Loops ermöglicht.

Jetzt hat man schon ein mulmiges Gefühl vor dem Praxisteil. Kann bei so einem Preis und dieser Fülle an Features klanglich überhaupt was rumkommen? Tatsache ist und das darf man bei allen mitgelieferten Factory-Simulationen nicht vergessen: Der Mooer GE 150 erlaubt IRs von Drittanbietern. Wie auch die klangliche Dimension des Mooer GE 150 also ausfällt: Der Kauf und die Implementierung von beispielsweise guten Celestion IRs ist nach wie vor möglich. Trotzdem – schauen wir uns an, womit Mooer den GE 150 ausgestattet hat.

 

Mooer GE 150, Multieffekt Pedal – In der Praxis

Im Grunde reicht ein Blick auf das Promo-Video, um zu verstehen, was Mooer hier anbieten: Eine transportable, inklusive und sehr preiswerte Gesamtlösung für Musiker, die unterwegs in Ruhe Licks und Riffs oder Ideen festhalten wollen. In dem Zusammenhang wäre (natürlich mit einem Aufpreis verbunden) die Möglichkeit super, eine interne Recording-Bibliothek anzulegen. Natürlich erübrigt sich das durch den USB-Anschluss und die damit verbundenen Aufnahmemöglichkeiten mit dem Smartphone – aber es hätte als Feature nochmalig unterstrichen, um was es sich hier handelt.

Denn anders dürften die meisten Käufer oder zumindest Interessierten ein kleines GE 300 erwarten. Und das ist hier, muss man klipp und klar sagen, nicht gegeben – ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand mit Mooer GE 150 auf die Bühne stellt. Auch für kleinere Gigs sehe ich das eher kritisch. Doch machen wir uns ein konkretes Bild von der Klangqualität durch den Direct-In einer Focusrite Scarlett. Die Abnahme über einen Verstärker dürfte sich in diesem Falle erübrigen.

Mooer GE 150

Also erst mal Entwarnung: Ganz so schlimm wie erwartet ist es dann doch nicht. Preiswerte Multieffektgeräte haben schon ganz anders geklungen. Der Klangcharakter ist ohne Frage sehr muffig. Dass die nichtlineare Modeling-Technologie der Firma in anderen Fällen durchaus aufgehen kann, sah man an den größeren Geschwistern des Mooer GE 300. Da scheint an dieser Stelle ganz klar gespart worden zu sein. Abwechselnd wurde mit dem Steg- und dem Hals-Pickup gearbeitet, aber zweifelsohne muss man hier die Kirche im Dorf lassen: 169,- Euro für diese klangliche Vielfalt, intuitive, einfache Handhabe sowie der Fülle an Features sind nicht einfach von der Hand zu weisen. Der Mooer GE 150 will und soll gar nicht die Bühnen erobern. Er soll in die Gitarrentasche passen und transportiert werden können und höchstens für kleine Bar-Gigs zum Einsatz kommen. Mühselig, die Klangqualität als solche als mangelhaft einzustufen, wenn die grundlegende Idee hinter dem Gerät mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis und dem Nutzungsrahmen zusammenhängt.

Ich kenne kein Multieffekt-Pedal, das für diesen Preis mehr bietet. Mein größtes Manko an dem ganzen Konzept: Bei so einem gut transportablen Gerät hätte ein Batteriebetrieb eigentlich drin sein müssen.

 

 

Fazit

Ein „sehr gut“ bei der Klangqualität? Ich bleibe dabei: Man muss immer wieder staunen, wie es manche Unternehmen schaffen, für so einen geringen Preis so umfangreiche Geräte auf den Markt zu bringen. Mooer hat da zweifelsohne den Standortvorteil, aber Fakt ist: Das Mooer GE 150 ist der perfekte Begleiter für unterwegs. Er ist umfangreich genug, in Sachen Konnektivität umfassend ausgestattet, kann durch Custom-IRs erweitert werden und ist von seinen mitgelieferten Modellen für jede Musikströmung als Übungs-Pedalboard brauchbar.

Plus

  • irre gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • zahlreiche Features
  • leicht handzuhaben

Minus

  • Klangqualität
  • kein Batteriebetrieb

Preis

  • 169,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    penishead  AHU

    Ein sehr gut, auch wenn es muffig klingt und nicht mal für die Bühne geeignet sein soll? Allein wegen dem Preis ein sehr gut zu geben, für ein Gerät welches den Sound schlecht bearbeitet ist schon komisch. Ist nur meine Meinung.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hey p…p…penishead
      Wie ich versucht habe im test darzulegen ist das Preis-Leistungsverhältnis schon bemerkenswert. Der Mooer GE 150 ist eine sehr umfangreiche, flexible Übungskiste zu einem sehr niedrigen Preis. Nicht die Neuerfindung des Rads, per se und eben auch nicht für die Bühne gedacht. Aber als portabler, digitaler „best friend“ enorm geeignet.

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        penishead  AHU

        Ja, ich verstehe schon. Dann hast Du die Referenzprodukte als Maßstab genommen. Dann kann ich ja auch so ein Zoom/Boss/Behringer Pocket Amp oder was weiß ich, was nicht alles in den letzten 20 Jahren rausgekommen ist, für diese Übungs- und Kleingigsachenverwenden. Die machen nämlich einen sehr guten Job.

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            penishead  AHU

            Aha, interessant. Die meisten Anwender in dem Preisspektrum werden wohl nicht diese Funktion nutzen, wenn am Ende nichts „gescheites“ bei rauskommt. Aber das Produkt ist schon gut designed.

  2. Profilbild
    ISE500  

    Hallo Penishead,

    danke für diesen Artikel.
    Da hier nicht explizit darauf eingegangen wird, ist das Pedal eher nur für Gitarre – oder genauso gut für synths nutzbar?

    • Profilbild
      penishead  AHU

      Ich denke mal, wenns nicht ganz so crisp und tight in den Höhen rüberkommt und etwas muffig klingt würde ich das nicht nehmen um helle und obertonreiche Sounds damit zu bearbeiten. Für Bässe und Mitten sollte das vertretbar sein. Sollte jeder selbst entscheiden, ob er seinen teuren Synth durch einen günstigen und schlecht aufgelösten Wandler sendet. Schlechter als in den 80er Jahren sollte das Gerät aber auch nicht sein. Nehme ich mal an, wissen tue ich es nicht.

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