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My 10 Favorites, AMAZONA.de-Autor Jens Vetter

11. September 2021

AMAZONA.de-Autor Jens Vetter: 10 Alben, die mich geprägt haben

Nachhaltigkeit

Die Aufgabe, seine persönlich prägendsten 10 Alben vorzustellen, ist nicht ganz einfach, trifft das doch im Grunde auf so gut wie jedes Album zu, das man sich zugelegt hat, zumindest in der Anfangszeit. Irgendwas für sich Nichtssagendes oder Unpassendes kauft man ja schließlich nicht, schon gar nicht als Schüler mit schmalem Budget. Aber gut, ich will dennoch versuchen, die für mich Speziellsten herauszustellen. Wenn andere heute die Produktionen meines eigenen Projekts beurteilen, bin ich sicher, dass diese vorgestellten Alben wesentlichen Einfluss auf mich hatten.

Ich selbst bin musikalisch sozialisiert worden zu Beginn der 80er, wurde von meinen Eltern gegen Ende der Grundschulzeit zum Klavierunterricht geschickt, was ich gute 5 Jahre durchgehalten habe und in meiner Familie eine Art Tradition ist. Nach Aussage meiner Lehrerin war ich talentiert, aber faul, das kann gut hinkommen. Allerdings lag das auch teilweise an sperrigem Klassikmaterial, das mir aufgebürdet worden war. Was Popmusik angeht, herrschte in unserem Haushalt Funkstille, wir waren keine Familie, die sich musikalisch dauerberieseln ließ. Wenn überhaupt wurde bei uns Klassik gehört, das aber auch eher selten. Da mein Vater immer der Meinung war, Popmusiker seien Nichtskönner, hatte ich folglich einen schweren Start in dieser Beziehung, weil somit diese Art Musik völlig verpönt und daher der Kontakt dazu schwierig war. Heute weiß ich, dass er nicht ganz unrecht hatte, aber in der Popmusik zählen ja bekanntermaßen sehr oft ganz andere Dinge.

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Aber davon zeigte ich mich unbeirrt, bekam mit 11 oder 12 meinen ersten Stereo-Radiorekorder, mit dem ich auf meine Einstiegsmusik zugreifen konnte, die vor allem über WDR1 (heute 1Live) in Form von diversen Hitparaden geliefert wurde. Die meisten meiner ersten Singles bzw. Alben hatte ich selbst mitgeschnitten oder geliehen und überspielt und dann z. T. erst sehr viel später im Original nachgekauft. Später dann bekam mein Nachbar und Freund seine erste Stereoanlage, einen Schneider-Power-Pack, er entdeckte die Musik auch für sich, fing mit Plattensammeln an. Fortan hatten wir sehr viele Stunden damit verbracht, gemeinsam Musik zu konsumieren, unser beider Geschmack war annähernd deckungsgleich.

Mein Faible galt sofort der elektronischen Musik, ich wollte mehr, wollte selbst irgendwann auch so was machen. Gegen Ende meiner Schulzeit kaufte ich nach diversen Ferienjobs meinen ersten Synth, einen Roland D-10, und versuchte mich selbst an elektronischer Musik. Die damaligen Must-Have-Synths DX7 oder D-50 waren einfach finanziell nicht drin. Ich hatte dazu noch einen C64, mit dem ich meine erste Sequencer-Software Supertrack kennenlernte, mit der meine ersten Gehversuche fixiert wurden. Daraus entstand dann mein heutiges Projekt, mein schon damals plattensammelnder Freund und Nachbar war mit von der Partie (s. Foto), der Fuhrpark wuchs an, eine Sängerin kam später noch hinzu. Bis heute veröffentlichen wir regelmäßig Alben, auch wenn wirkliche Erfolge bis heute ausblieben. Im Laufe der Zeit hatten wir zwar zahlreiche vielversprechende Kontakte und Beinahe-VÖ durch bekanntere Labels, aber außer vielem Gerede war dann eben doch nichts herausgekommen. Aber das kennt ja jeder, der sich in dieser Welt bewegt. Eine interessante und zunächst auch vielversprechende Begegnung kam 1997 zustande. Mich zog es berufsbedingt an den Niederrhein, wo ich durch einige seltsame Umwege den in der Synthpop-Szene etablierten Produzenten Jose Alvarez-Brill (leider 2020 schon viel zu früh verstorben) kennenlernte, der eine Single von uns produzieren wollte und vom Erfolg überzeugt war. Dummerweise war er zu der Zeit mit der Produktion von „Die Flut“ (Witt/Heppner) beschäftigt, die ja seinerzeit zu einem Riesenerfolg wurde. Schön für ihn, dumm für uns, hatte er doch ab sofort einen anderen Fokus und deutlich mehr zu tun. Unsere Single wurde zwar letztlich auch produziert, aber wie schon gesagt, außer Spesen dann nichts gewesen. Aber immerhin hatte ich damals mal kurz Joachim Witt und Peter Heppner kennengelernt, ist ja auch schon was.

OMD – Dazzle Ships

Mein persönlicher Dosenöffner

OMD – Dazzle Ships

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Ich weiß es noch wie heute, diese Band war mein persönlicher Dosenöffner für meine Begeisterung für elektronische Musik. Die Single „Electricity“ lief seinerzeit im WDR und hat mich direkt gepackt. Immer wieder schön, das teils unrunde Timing wahrzunehmen, gleich nach dem 1. Takt schon. Der Sound war klar, aufgeräumt, rasant und blieb im Ohr. Dazu noch Andy McCluskys prägnante Stimme – für mich alles sehr stimmig, diese Band verdiente selbstverständlich mehr Aufmerksamkeit meinerseits.
Wie schon erwähnt, konnte ich damals nicht mal eben so mein bisschen Taschengeld für eine LP ausgeben, an die 20 DM waren ja damals schon mal eben fällig. Also waren meine Schnittstellen nach wie vor mein Radiorekorder und WDR1. Mein Lieblingsgenre stand also damit fest, Rock usw. mochte ich einfach nicht, generell keine E-Gitarren. Warum? Keine Ahnung, ich denke, der Sound ist mir einfach zu rotzig und insgesamt nicht abwechslungsreich genug. Dazu kam damals noch das verwegene Aussehen dieser Musiker, was mir auch nicht zusagte.
Mit einer der nächsten Singles (Electricity war ja noch auf dem Vorgängeralbum erschienen), entweder „Genetic Engineering“ oder „Telegraph“ aus 1983, das weiß ich nicht mehr, kam ich zwangsläufig zu diesem Album, das ich mir zunächst lieh und überspielte, um es dann später nachzukaufen.
Dieser eher simple OMD-Sound sagte mir zu, das meiste blieb gut im Ohr, einiges andere war allerdings auch eher sperrig und experimentell.

ABC – The Lexicon Of Love

Von Poppern für Popper

ABC – The Lexicon Of Love

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Das nächste Stück Musik, das bei mir mächtig einschlug, war 1982 „The Look Of Love“, was produktionstechnisch und musikalisch eine ganz andere Hausnummer als OMD war. Verantwortlich dafür war Trevor Horn, der auch noch einige andere Male in meiner Musikfindungsphase eine Rolle spielen sollte. Der Sound war glasklar, wuchtig und groovte mächtig, war aalglatt wie die Musiker auch. Sehr prägnant waren für mich diese phantastischen Bassläufe, trotz der Elektronik war diese Band dennoch sehr organisch, setzen sie echte Bässe und Saxophon ein. Sie verkörperten damals außerdem die beginnende Popperwelle, waren immer bestens gekleidet und frisiert, da wurde nichts dem Zufall überlassen. Ich kann mich noch gut an die zwei Lager erinnern, Popper und die anderen. Ich gehörte eigentlich nie irgendwelchen Lagern an, musiktechnisch war ich aber bestimmt auch z.T. Popper. Also, das Album musste irgendwie her, es hatte darüber hinaus noch jede Menge andere Hits zu bieten wie „Poison Arrow“ oder „Tears Are Not Enough“. Das war damals schon so perfekt produziert, dass es heute noch gut funktioniert.

Depeche Mode – Some Great Reward

Der Siegeszug der Sampler

Depeche Mode – Some Great Reward

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Schuld daran waren die olympischen Spiele 1984 in Los Angeles, die Single-Auskopplung „People Are People“ lief damals vor jeder Berichterstattung im deutschen TV, vermutlich sollte der Titel bzw. Text den besonderen Geist der Spiele unterstreichen. Dieser spezielle, fette Sound hatte es mir direkt angetan, ich hatte ja bis dahin schon den damaligen Synthpop kennengelernt, aber die Wuchtigkeit dieser Produktion war neu. Depeche Mode hatte ich zu der Zeit noch nicht so recht auf dem Schirm, für mich waren sie bis dato eine düstere Schwarzkittelband, mit deren Ausstrahlung ich nichts anfangen konnte oder wollte. Aber damit war nun Schluss, ich zog also los und kaufte das Album. Ich weiß noch, wie ich damals einen Klassenkameraden in der Stadt traf, der mich auf meinen Kauf ansprach und fragte, was ich da denn gekauft hätte. Als ich ihm Depeche Mode antwortete kam nur zurück, „Was, so was hörst du?“ Es hatte auch etwas durchaus Anrüchiges damals, fand man doch diese düsteren Herren und deren Musik gut. Trotzdem verwandelte ich mich nicht in einen Düsterling, mein Äußeres blieb gleich. Warum man seinen Stil dem Musikgeschmack angleichen muss, hat sich mir eh noch nie erschlossen. Die zahlreichen anderen Auskopplungen dieses Album waren damals allgegenwärtig und sehr erfolgreich. Der sog. Depeche Mode Sound wurde geboren, verantwortlich dafür war damals Alan Wilder, der die damals langsam aufkommende Sampling-Technik intensiv nutzte und der Band bis 1995 zu ihrem unsterblichen Nimbus von heute verhalf. Seinen Ausstieg bedaure ich nach wie vor, alles danach war irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes mehr.

Jean-Michel Jarre – Oxygene

Klassik grüßt Elektronik

Jean Michel Jarre – Oxygene

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Diese Scheibe ist ein Muss für jeden Elektronik-Liebhaber, Jarre ist sicher so was wie einer der Urväter dieses Genres. 1976 war ich gerade aus den Windeln raus, kannte sie daher noch nicht zu dieser Zeit, bekam diese Platte aber sehr viel später unaufgefordert gebraucht geschenkt. Trotz allem waren die enthaltenen Titel bzw. besonders Part 4 seinerzeit allgegenwärtig und somit mir auch vertraut. Bei nahezu jeder wissenschaftlichen Doku über das Weltall, die Raumfahrt usw. wurde dieses Thema verwendet, das passte irgendwie auch perfekt dazu. Beim Hören fühlt man sich schwerelos, man schwebt davon, alles zwitschert und blubbert vor sich hin. Das ist zwar eigentlich gar nicht poppig und nur instrumental, aber so intelligent arrangiert und programmiert, dass es selten langweilig wird. Man könnte es fast schon als die elektronische Antwort auf Klassik bezeichnen. Ich hätte immer mal gerne ein Konzert gesehen, seine legendäre Laser-Harfe und Lichtshow hätten mich schon mal brennend interessiert, aber das war alles damals für mich nicht umsetzbar. Obwohl Oxygene schon 1976 erschienen ist, ist der Klang dieses Albums auch heute noch kein bisschen angestaubt oder überholt, einfach brillant zeitlos.

Propaganda – A Secret Wish

Bombastsound in Perfektion

Propaganda – A Secret Wish

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Die Single Dr. Mabuse aus 1984 war auch hier die Initialzündung, die mich auf dieses Projekt brachte. Damals gab es sogar schon Musikfernsehen in Form der Sendung Formel Eins, wo ich dieses Video erstmalig sah. Die Schwarz-Weiß-Szenerie war an die alten Mabuse-Filme angelehnt, die damals auch durchaus noch recht präsent im Fernsehen waren. Beim ersten Hören dachte ich, es handele sich um ein Nebenprojekt von Frankie goes to Hollywood und so ganz daneben lag ich wohl nicht. Auch hier zeichnete sich Trevor Horn verantwortlich, der auch dieser Band seinen weiterentwickelten Bombastsound aufprägte. Sehr typisch dafür war der damals sündhaft teure Fairlight CMI, der völlig neue Klänge und Möglichkeiten bot, gepaart mit aufwändigen Streicherarrangements. Als ich hörte, dass Propaganda sogar eine deutsche Band war, war ich noch begeisterter. So was aus Deutschland? Das war neu. Das Album musste her, die anderen Singles „Dream Within A Dream“ und „P. Machinery“, waren ebenfalls für meine Ohren echte Knaller, die beiden singenden Damen passten noch zudem sehr schön in die Popper-Haarspray-Zeit. Allerdings habe ich diese Band immer eher als Projekt angesehen, ich konnte mir nicht vorstellen, wie man so einen Sound live darbieten könnte. Leider ging es auch schon 1986 zunächst wieder zu Ende mit diesem Projekt, aber man konnte ja dann bei Frankie goes to Hollywood weitermachen.

Kraftwerk – Electric Café

Die Urväter

Kraftwerk – Electric Café

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Kraftwerk, natürlich ein Muss für jeden Elektroniker, das „Model“ (1978) und damit Kraftwerk kannte ja damals jedes Kind. 1986 erschien diese Album, die Single „Musique non stop“ hörte bzw. sah ich damals zuerst mal wieder auf Formel Eins. Das Video war damals eine grafische Sensation, wie ich las, dauerte die Produktion mehrere Wochen. Das machte natürlich mächtig Eindruck, was die damaligen Videos anging, war man ja aus technischer Sicht noch nicht viel gewohnt. Dazu kamen natürlich dieser typische Kraftwerk-Sound und -Groove, was immer sehr speziell und unkopierbar schien. Also ab in unseren Kaufhof und dieses Album gekauft, es gab davon eine deutsche und eine englische Version. Ich war der Meinung, wenn schon Kraftwerk, dann müsste ich schon auch die deutschsprachige Version nehmen. Am Stück anhören kann man (oder ich) mir allerdings Kraftwerk-Alben schlecht bis gar nicht, diese Produktionen sind eher was für analytisches Hören als zur Entspannung, wie ich finde. Wenn auch die weiteren Stücke „Der Telefonanruf“ und „Sexobjekt“ durchaus halbwegs poppig geraten waren. Insgesamt war mir Kraftwerk immer zu simpel, monoton und unmusikalisch

Beat-A-Max – Liaison II

Der rohe Sound aus Frankfurt

BeatAmaX – Liaison II

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Dieses Album aus 1986 war was für echte Insider, das hörte man nicht im Radio oder sonst wo. Der Sound war roh, knackig, die Vocals sehr prägnant. Meiner Meinung nach hätte Beatamax damals durchaus mehr Verbreitung verdient gehabt. Die Macher dieses Projekts hatten in diesem Jahr allerdings einen Achtungserfolg unter dem Pseudonym „CCCP“ mit der Single „American Soviets“, die wiederum war auch auf Formel Eins zu sehen. Bedient wurde, wie so oft damals, die Thematik des seinerzeit noch aktuellen kalten Kriegs. Die Stücke dieses Album waren klar und einfach strukturiert, man konnte sehr schön heraushören, aus welchen Bestandteilen die Songs zusammengesetzt waren. Mir selbst allerdings wären Beatamax nie aufgefallen, auch hier war mein sehr viel besser informierter Freund schuld, der dieses Album direkt kaufte und mir dann zum Überspielen überließ. Auch in diesem Fall kaufte ich mir später die CD nach. Aus diesem Dunstkreis gab es seinerzeit viele Singles bzw. Maxis, dahinter steckten mehr oder minder immer dieselben Produzenten, wovon wir einige kauften und dann zusammen andächtig und fasziniert durchhörten. Ich denke, genau diese Platten haben allesamt mitgeholfen, etwas später meine ersten brauchbaren Gehversuche in Sachen Eigenproduktionen umzusetzen.

Camouflage – Voices & Images

Depeche Mode aus Deutschland

Camouflage – Voices & Images

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Es war 1987, ich hörte Radio und plötzlich lief eine neue Single von Depeche Mode – oder doch nicht? Was war denn das, den Sound kannte man doch, aber waren das wirklich Depeche Mode? „The Great Commandment“, was für ein Brett, ein echter Knaller! Aber nein, dies war tatsächlich eine deutsche Band, Camouflage, die damals sofort als deutsche Depeche Mode bezeichnet wurden. Diese Single war in Deutschland damals schon sehr erfolgreich, sogar in den USA war sie weit oben in den Dance Charts. Die Folge-Singles „Strangers Thoughts“ und „Neighbours“ waren für meinen Geschmack auch nicht minder schlecht, also wollte ich auch das Album. Wie gesagt saß das Geld nicht sonderlich locker, bei meinem Kumpel aber durchaus, also musste dafür zunächst wieder die gute alte Cassette herhalten. Später kaufte ich mir dann das Album auf CD. Verantwortlich für die Produktion dieses sehr guten Albums war Alexander Henninger, der neben Camouflage noch einige andere Projekte der damaligen Synthpop-Szene, vor allem im Frankfurter Raum, produzierte. Dieser Name jedenfalls begleitete mich damals noch einige Jahre, wo sein Name draufstand, wusste ich, finde ich meinen Geschmack.
Das war auch die Zeit, in der ich anfing, in örtlichen Musikaliengeschäften meine ersten Kontakte mit Synthesizern herzustellen. In Musikvideos oder Konzerten im TV nahm man vor allem den Yamaha DX7 wahr, etwas später dann auch noch den Roland D-50. Die Grundzüge dieser Geräte hatte ich zwar verstanden, konnte mir allerdings noch nicht vorstellen, wie man damit eine komplette Single aufnimmt.

Front 242 – Official Version (1987)

Tiefste Gangart

Front 242 – Official Version

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Die Belgier gelten als Urväter der Electronic Body Music, die in dieser Zeit aufkam. In meiner Heimatstadt waren seinerzeit drei belgische Garnisonen stationiert, einige der Soldaten kannte ich aus dem Sportverein und hatte den Namen Front 242 von ihnen durchaus schon mal aufgeschnappt. Aber wer oder was sollte das denn bloß sein? In unserem damaligen Plattenladen, der auch immer mal Nischenbands im Sortiment hatte und dessen Mitarbeiter sehr gut informiert war, stand dieses Album, auffällig verpackt in einer schwarzen Kunststoffhülle. Bis dato kannte ich diese Band überhaupt nicht, hatte aber gehört, dass sie in demselben Jahr als Vorband von Depeche Modes Music for the Masses-Tour unterwegs waren und wohl dem Hauptakt beinahe die Show gestohlen hätten. Also, die müssen wohl was drauf haben, die Platte geschnappt und in besagtem Laden angespielt. Die darauf enthaltenen beiden Singles „Masterhit“ und „Quite Unusual“ wurden Clubhits und gefielen mir sofort. Das war noch mal eine Steigerung des mir bis dahin bekannten Synthpops, war es deutlich aggressiver und fordernder. Der Rest des Albums war allerdings meistens her sperrig und anstrengend zu hören, aber allemal als Inspirationsquelle gut tauglich. Das paramilitärische Auftreten der Band war allerdings nicht jedem geheuer, sorgte es gleichermaßen für Aufmerksamkeit wie Kritik. Mir war es egal, damals war schon klar, dass bestimmte Maschen eben gute PR-Werkzeuge sind.

Moskwa TV – Blue Planet

Frankfurt kann Elektropop

Moskwa TV – Blue Planet

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Ebenfalls 1987 erschien dieses Album des mir zu der Zeit schon etwas länger bekannten Projekts „Moskwa TV“ rund um den damals nach und nach bekannter werdenden Frankfurter DJ Talla 2XLC. Sein erstes Projekt „Two of China“ kannten wir bereits, also konnte das ja nicht schlecht sein. Es gab bereits eine etwas ältere Single „Generator 7/8“ von Moskwa TV, die die seinerzeit aktuelle Problematik, der kalte Krieg war allmählich durch, der Atomkraft aufgriff, Tschernobyl ließ grüßen. Moskwa TV entstammen auch der auf diesem Sektor sehr umtriebigen Frankfurter Szene, Talla war DJ im Frankfurter Dorian Gray, als Produzent beteiligt auch in diesem Fall Alexander Henninger. Dieses Album war insgesamt sehr poppig geraten, die Singles „The Art of Fashion“ und „Brave new World“ waren für meinen damaligen Geschmack echte Bretter, dazu die spezielle Stimme von Ion Javelin – das entsprach zu 100 % meinem Geschmack! Deren Sound schlummert mit Sicherheit bis heute in mir, um hier und da in meine Produktionen mit einzufließen.

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Forum
  1. Profilbild
    TobyB  RED

    Die tolle Liste und das meine ich positiv, liest sich wie das komplette Programm von „Sounds vom Synthesizer“ vom HR3. Kategorie „Per Anhalter durch die Synthesizergeschichte“. Einige Herrschaften müssten heute die Füsse von Sauer, Krammarz und Eckrich küssen. Die Nachwuchsförderung war schon das Alleinstellungsmerkmal von SvS. Camouflage, Münzing & Anzilotti, Talla dürften den drei ihre Karriere verdanken. Highlight war die Sendung mit Propaganda. Für Propaganda ging es wegen FGTH nicht weiter. Die Produzenten wollten lieber „Liverpool“ machen. An dem Album hat Trevor Horn sich dann auch verhoben, kommerziell und künstlerisch.

  2. Profilbild
    Jens Barth  

    Tolle Liste, zwei Bands kannte ich nicht (Moskwa TV und Beatamax) habe ich mir angehört. Beatamax ist cool, Moskwa TV klingt mir dagegen zu sehr nach Italopop der damaligen Zeit.

    Der Rest der Liste wäre aber auch in meiner, wobei 10 Platten schon wenig sind :-).

  3. Profilbild
    SynergyMan  AHU

    Kraftwerk ist unmusikalisch, Front 242 schon. Mutig in der Aussage. Lass Dich wegen Kraftwerk nicht vom Lektor nahe Bonn erwischen, sonst lodert noch der Scheiterhaufen ;)

    • Profilbild
      Jens Vetter  RED

      Naja, virtuos ist sicher was anderes, aber das ist wohl auch nicht gewollt und der Fokus liegt natürlich woanders. Dass die Herren Kraftwerker musikalisch eigentlich einen musikalischen Hintergrund haben, weiß ich.

    • Profilbild
      swellkoerper  AHU

      Der Lektor hat den Autor vielleicht früher beim Rumlungern vorm DX7 erwischt oder vom Naseplattdrücken an der Schaufensterscheibe verscheucht..

  4. Profilbild
    Dirk E. aka Xsample  RED

    Spannend geschrieben und schöne Liste, in der ich einige meiner Favoriten so auch wiederfinde. Depeche Mode, Propaganda, Kraftwerk, Front 242 .. sehr, sehr geil. :) Danke für diesen tollen Seelenstrip.

  5. Profilbild
    chain25  

    Tolle Liste! Chapeau! Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

    Edit: Vielleicht doch … schön, dass Du das Kraftwerk-Album ausgewählt hast, das auch für mich den Höhepunkt ihres Schaffens darstellt. Dasselbe gilt für Depeche Mode.

    • Profilbild
      teofilo  

      Ich finde auch, dass Electric Café die „Essenz“ von Kraftwerk ist. Aber vielleicht lag es auch daran, dass es genau in meiner musikalischen Sozialisation lag (69er) oder das man den Sound für Ost-Verhältnisse erstmals per Kopfhörer (Walkman) voll auskosten konnte.

  6. Profilbild
    fanatic  AHU

    Wow, Herr Vedder.
    Ich liebe diese Serie aufgrund der Differenzen gegenüber meiner Hörleidenschaft. In diesem Fall MUSS ich mehr schreiben als ich eigentlich möchte. Zu sehr bin ich persönlich angesprochen bei deiner Auswahl. Wir liegen bei vielen Künstlern tatsächlich um wenige aber wesentliche cent auseinander. OMD ja, gerne nur das erste Album. Kraftwerk ja und JMJ sowieso. Beatamax kannte ich nicht. Depeche Mode in einer Liste mit Camouflage…. das zerreisst meine Seele. Ich habe mir das Camouflage Album gekauft damals und war entsetzt über die verzweifelten Versuche so zu klingen wie Gore & Co. Wobei die Vocals den Vogel abschossen….. Sorry, aber wer DM Fan ist kann Camouflage eigentlich nicht ertragen können.. Und people are people ist nicht nur DM‘s erfolgreichster Song bis 1988, es ist auch mit der Schlechteste….imho…..
    Das Album wiederum war eine Offenbarung. Samplers paradise. Da klingelt und rasselt es an jeder Ecke.
    Propaganda war nice. Front 242 auch.
    ABC ist purer blue eyed soul. Schöner Schmalz. Gut produziert.
    Nicht böse sein Jan, wir teilen fast den gleichen Nachnahmen, da darf doch ne kleine Kritik aus rein emotionalen Gründen sicher erlaubt sein;)
    Kein Queen, ELP, Genesis, Vangelis-Stau. Schöne Liste. Trotzdem👍🏼

    • Profilbild
      fanatic  AHU

      Kleiner Nachtrag:
      Meine erste Anlage war ein Schneider Power Pack. Aus dem Tchibo-Shop. Geburtstagsgeschenk. Als Beigabe eine Kassette der Band Helloween……

  7. Profilbild
    teofilo  

    So etwas ist mir noch nie passiert. 100% Übereinstimmung (ich bin Baujahr 1969;o) – außer Beatamax?) und sonicminds klingt wie meine Sachen, nur in viel besser.
    ABC war zwar etwas funky für die straighten Synthpopper, aber ich fands/finde es geil (auch die funky Sachen von Heaven 17) – und Oxygene war in der damaligen Zeit ein klangliches „Erweckungserlebnis“.

    Vielleicht trifft man sich mal im Leben;o) gerne sowohl diese Liste durchgehen, als auch die sonicminds-Sachen.

  8. Profilbild
    Filterspiel  AHU

    Viele Parallelen und doch ein paar Abzweigungen, gottseidank, so soll das ja auch sein. Mit Front 242 bin ich nie so richtig warm geworden, vielleicht durch dieses komische Anti was man manchmal entwickelt, wenn alle um einen herum sagen, musst Du hören, musst Du doch eigentlich mögen.

  9. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Eine erfrischende „Best-of-10“ ohne Zeppelin, Floyd oder Lilanes Album von irgendwem – ohne sich ein Loch in’n Kittel zu schämen. Das find ich großartig.

    BJ69, hab als 6-7-jähriger Zwerg mit deutlich erwachseneren Mädels zu Boney M getanzt. Popcorn war wohl meine initialzündung zum Synthesizer und wie Jens wurde ich im Grundschulalter mit der Fernsehhintergrundmusik von Jean Michelle Jarre infiziert. Im Südwesten war mein Radiosender allerdings SWF3 und ein gewisser Elmar Hörig fegte mit seiner Elmi-Radioshow jeden Sonntag die Straße leer.

    ABC lebt vom motownigen Arrangement und Martin Frys Stimme – großartig. Mit „People are People“ emanzipierte sich DM endgültig vom Vince-Clark-Sound und das unter massivem Einsatz mehrerer Emulatoren. Die metallischen Klänge waren seinerzeit unerhört. In Deutschland hat „Computermusik“ tradition, die man (außer bei Kraftwerk) auch bei Propaganda, Camouflage und später auch Alphaville oder Harold Faltermayer spürt.

    Oft haben mich „Synthbands“ auch nicht mehr so interessiert, wenn die sich vom Synthesizer distanziert haben. Eurythmics nach dem 2ten Album zum Beispiel. Oder auch Erasure, die mit „who needs love like that“ als Yazoo 2.0 etablierten und danach in eine ganz andere Richtung gingen.

    @Jens
    In deiner Sammlung finde ich wohl auch Twins, Roni Griffith, Gergio Moroder, Freur, Bronski Beat, Underworld, teh Human League, Howard Jones..

    • Profilbild
      Jens Vetter  RED

      Danke, bin übrigens auch Baujahr 69. Ich wohne zwar in NRW, aber Elmi lief auch bei uns rauf und runter, der hat m.E. großen Anteil am Erfolg dieses Senders. Und ja, es stimmt, Heaven 17 und vor allem Howard Jones hätte ich gerne noch gebracht, aber passte ja nicht mehr. Ihn habe ich erst sehr viel später richtig schätzen gelernt durch sein Akustik-Album Anfang der 90er. Seit dem weiß ich, was für ein phantastischer Songschreiber und Pianist er ist. Seine aktuelle Tour wollte ich besuchen, ist aber leider auf Anfang 2022 verlegt worden, ich werde dann da (Köln) sein.

    • Profilbild
      teofilo  

      Ich komme auch aus einem anderen „Kulturkreis“. Es ist an diesem Beispiel erstaunlich, was Menschen „verbindet“. In Berlin (Ost) hatten wir (angeblich und tatsächlich) einen ganz anderen Zugang zu (aktuller) Musik und trotzdem habe sich, bei ähnlich tickenden jungen Menschen, nahezu identische Vorlieben entwickelt und das ohne Internet.

      • Profilbild
        dAS hEIKO  AHU

        Klar, ohne Internet. XD
        Dennoch haben wir(alle) das Licht vor 40 Jahren auch nicht mit nem Stein ausgeworfen. Auch die Menschen im damaligen Osten nicht. Und es ist der Beweis, dass Musik keine Grenzen kennt.

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