NAMM NEWS 2018: Native Instruments Sounds.com

19. Januar 2018

Die neue Sound-Library als Cloud-Lösung?

„Sounds.com – powered by Native Instruments. Your daily source for loops and samples“.

Sounds.com

Sounds.com – die neue NI Library?

Native Instruments war mal wieder fleißig und hat für den Produzenten oder Musiker eine neue Plattform entwickelt. Zugegeben, ich hatte einiges erwartet, seit Längerem schon. Während NI im Studiobereich ja noch regelmäßig liefert, scheint der DJ-Bereich komplett eingeschlafen zu sein. Dabei hat das Unternehmen doch gerade erst eine satte Finanzspritze erhalten.

Sounds.com wird eine Plattform sein, die dem Nutzer gegen einen monatlichen Beitrag als Abonnement Zugriff auf eine Soundlibrary bietet. So weit so gut und nichts Neues. Neu ist jedoch, dass der Abonnement mit Zahlung seines Beitrages Zugriff auf alle Samples der Library hat und diese auch ohne Limit herunterladen kann.
Damit hebt sich Sounds.com von anderen Anbietern ab, die, zum Beispiel über Credit-Point-Systeme, die Anzahl der Downloads begrenzen.

Zudem wird Sounds.com zusätzlich die Möglichkeit bieten, eigene Librarys anzulegen und diese zu verwalten. Dazu gibt es natürlich schnelle Suchkriterien, die gezielt Ergebnisse erzielen sollen.
Aktuell sollen es bereits über 500.000 Samples vorhanden sein, von Loops über One-Shots, von klassisch bis Pop und elektronisch. Wer die Librarys von NI kennt, wird nachvollziehen können, dass ich hier Vieles und Gutes erwarte.

Sounds.com

Einfaches Suchen soll die neue Plattform bieten

Natürlich gibt es Preview-Player, die auch sehr komfortabel aussehen, samt Wellenformübersicht und direkter Abspielmöglichkeit. Das Sample kann dann entweder direkt heruntergeladen werden oder in der eigenen Library gespeichert werden, um sie später zu bearbeiten oder in der Gesamtheit herunterzuladen. So kann viel noch auf Sounds.com direkt organisiert werden, anstatt in Ordnern auf dem eigenen Rechner.

Sounds.com

Ansehen der Wellenform und direktes Anhören sind möglich

So unsinnig klingt das als „Cloud“-basierte Lösung gar nicht mit Hinblick auf die nächste Idee. Matthew Adell als Chief Digital Officer von NI hat gegenüber dem Magazin „The Verge“ wohl geäußert, dass man dabei ist, ein Plug-in zu entwickeln, das kompatibel sein soll mit den gängigen Workstations und einen Zugriff auf Sounds.com erlauben soll. Somit müssten die Samples nicht einmal mehr heruntergeladen werden, sondern könnten direkt von der Library in die eigenen Projekte integriert werden. Ob das Fluch oder Segen wird, hängt dann von der Speicherkapazität der eigenen Festplatte vs. der Geschwindigkeit der Internetverbindung ab. Oder ob das Plug-in zwischenpuffert?

Aktuell noch befindet sich Sounds.com noch in der Beta-Phase und ist nur in den U.S.A. zugänglich. Die Kosten für das Abonnement sollen bei 9,99 $ monatlich liegen. Das wäre dann die Pro-Version. Natürlich gibt es auch eine Free-Version. Diese allerdings lässt nur eine Preview auf alle Sounds zu und erlaubt nur den Download einer limitierten Zahl von Samples. Schauen wir mal, wann Sounds.com auch in Europa zur Verfügung stehen wird.

 Beats  DJ  Gitarre & Bass  Keys  Stage  Studio  Vintage
Forum
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    AMAZONA Archiv

    NI erinnert mich an selbstfahrende Autos und an die Roland Cloud. Das ist Mist der keine Akzeptanz finden kann. Wer es besser wissen möchte soll sich daran beteiligen. Jede Art von Cloud ist für mich ein Tabu, und im Tonstudio sowieso.

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      8-VOICE  AHU

      Um Cloud Dinge mache ich auch einen grossen Bogen. Ich will kaufen und besitzen wenn ich Geld und Lust habe. Ich will mich nicht verpflichten monatlich zu zahlen. Ich liebe grösstmögliche Freiheit ohne zuviele Verpflichtungen…. :-)

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    Mick  AHU

    Man kann über die neuen Arturia PlugIns auch direkt neue Sounds im Netz kaufen und direkt spielen – man kann mit dem SonicCharge µTonic ins Planetarium gehen und Sounds vorhören und reinladen – man mit Presonus Studio One über Exchange, Sounds kaufen, UserSounds kostenlos laden, und sogar Templates, Pattern und Preseteinstellungen direkt in die DAW laden!
    Ob das für eine dann „vernetzte“ Workstation jetzt die Lösung ist, zweifel ich stark an!
    NI schaffen immer noch nicht VST3, eine Skalierung ihrer PlugIns, 4k und lassen ihre Legenden aller Massive, Absynth, FM8 und Batterie vergammeln, und deren Preispolitik ins Sachen EinzelPlugIn und Bundle, kommt auch nicht so gut an!
    Das sind mal Baustellen, worum die sich kümmern sollten!

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    Dacci Pucci  

    Das ist definitiv der richtige Weg und ein logischer Schritt. Analog zu Diensten wie Spotify wird das weniger die User ansprechen, die eh schon regelmäßig ganze Sample Libraries kaufen, sondern vor allem jene abholen, die noch illegal downloaden. Das effektivste Mittel gegen Piraterie sind komfortable Lösungen – dafür bezahlen viele gerne etwas. NI wird die Plattform sicher bald tief in die eigenen Plugins und Programme integrieren und um Presets und Stems erweitern, so dass Inhalte noch schneller und einfacher im Projekt landen als mit Splice oder Noiiz. Und in nicht all zu ferner Zukunft könnte Maschine dank AI bzw. ML sogar in Echtzeit Sounds und Samples aus dem Sounds.com Archiv vorschlagen, die zum laufenden Projekt passen. Spannende Zeiten!

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      AMAZONA Archiv

      Und wenn die AI Komponente dann auch noch ein paar Vorschläge für Parts (oder am Besten gleich auto-correct) macht, wird das Ganze noch spannender! ;-)

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        Dacci Pucci  

        Eine Welt, in der jeder Mensch unabhängig von seinen geistigen oder körperlichen Fähigkeiten und seiner Vorbildung seine Gefühle mit Musik ausdrücken kann, wäre für mich eine wünschenswerte Vorstellung. Jedes Hilfsmittel, das das Sprechen der Sprache Musik erleichtert, finde ich daher begrüßenswert. Wer sich zu den Glücklichen zählt, die viel Zeit und Arbeit in eine musikalische Ausbilung stecken durften, muss sich vor dieser Entwicklung nicht fürchten – es ist genug Musik für alle da :)

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          AMAZONA Archiv

          Bin ganz deiner Meinung, meine Antwort war ja auch ironisch gemeint.

          Aber mal Spass beiseite: der Zugang zu „amtlichen“ Sounds kann eben auch zu Stagnation führen. Wenn alle permanent die neuen Sounds aus der Cloud ziehen, sind diese sehr schnell nicht mehr neu.

          Ausserdem führen Abo-Modelle zu Monopolisierung. Wenn ich schon bei Spotify bin, warum soll ich dann zu Apple, oder Deezer? Gerade bei NI und Ableton, aber auch Arturia und Akai wird versucht, die Menschen an eine Marke zu binden. Dabei bleiben Kleinere auf der Strecke und die Vielfalt nimmt ab.

          NI haben einen Punkt erreicht, wo es vermutlich schwerer wird, Geld zu verdienen. Das Umschlagen von Sounds ist allemal schneller, als das Erfinden von neuen Instrumenten (von denen es ohnehin mehr als genug gibt).

          Auf diese Weise kann man „innovativ“ sein, ohne andauernd das Rad neu erfinden zu müssen.

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    richard  AHU

    Die Idee an sich ist doch gar nicht so verkehrt. Natürlich muss man haushalten mit den regelmäßigen Ausgaben, heutzutage will ja jeder gleich Abos verkaufen.
    Aber es gibt ja bereits Dienste wie z.b „Splice.com“ die ein Abosystem anbieten und gerade was Sampels angeht finde ich die Lösung gar nicht schlecht. Noch vor einigen Jahren mussten Sampels für große Summen auf DVD´s oder CD´s gekauft werden, die hatte man dann im Studio rum fliegen und nutze 80% des Inhaltes vielleicht noch nicht mal. So kann man raus suchen was man braucht und hat es evtl. zeitsparend bereits in die Projekte integriert. Ist doch cool? Kommt halt jetzt immer drauf an wie flexiebel das Abomodell gestaltet ist, wenn man Monat für Monat entscheiden kann ob man es gerade braucht oder nicht sehe ich da keine Problem.

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    Mick  AHU

    Unendliche Libaries und Sounds, führen zu Überfluss, Überfluss führt zu Dekadenz, und nicht zu musikalischen Output! Bewiesen durch Selbstversuche;-)
    Alle Musikinstrumente und Sounds müssen wieder so gut wie unbezahlbar werden, wetten dann bekommen wir auch wieder richtig gute Bands! Alle Nullen und Einsen müssten aus der Musik verschwinden, so das diese Bands auch wieder Geld verdienen! Ich finde das besser, als den SPD Vorschlag, dem Pizzabäcker das Salz, Fett und Zucker zu verbieten!

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      psv-ddv  AHU

      Klingt mir zwar etwas zu politisch, aber was die Musik angeht sehe das genauso. Die Beschränkung erzeugt Kreativität, nicht der Überfluss.

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        AMAZONA Archiv

        NI gehört zu den Herstellern die bei mir nicht landen konnten. Genau aus dem Grund weil sie eine Masse bieten welche zum Desinteresse führen. Mit einem Stück Hardware und 5 Knöpfen und 7 Drehregler dran kann ich mehr als 2000 Sounds erzeugen und das ganz intuitiv. Ohne stundenlang in irgendeiner Library herum zu irren. NI hat irgendwann diesen Wahnsinn versucht zu organisieren und dem leidgeprüften Kunden der eigentlich Musiker sein will, allerhand für Tools in die Hand gegeben um sich im Dschungel zurecht zu finden. Für mich kommt diese Arbeitsweise nicht in Frage, zu wenig musikalisch zu wenig intuitiv. Es gibt genug Leute die nichts von Tonleitern verstehen oder keine Noten lesen können, diese Generation von Musikproduzenten gibt es mehr als ausgebildete Fachkräfte aus den Musikschulen die mit einem Stück Hardware und 20 Sounds Phänomenale Musik zaubern ohne online Verbindung zur kostenpflichtigen Zockercloud. NI hilft denen die aus dem Nichts ein Stück Musik meiseln wollen, bewaffnet mit Laptop und Maus geraten sie in die Mausefalle der Cloudanbieter, mit Milliarden an Klängen aus der fetten Datenwolke werden sie am eigentlichen musizieren fern gehalten. Und wenn sie heute noch am suchen sind, dann sind sie noch nicht gestorben.

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    kkutte

    Ich arbeite schon sehr lange mit Ni Software. Angefangen mit Einzelsoftware, dann irgendwann Komplett auf Platte. Inzwischen habe Ich wieder deutlich zurück gesteuert. Ich habe mich eigentlich auf einige wenige für mich passende Sounds und Effekte beschränkt. Benutze nur noch zwei Synthies die ich aber inzwischen auch verstehe und bedienen kann. Und brauche auch keine 10 Streichergruppen und 20 Pianos um Musik zu machen. Es kam halt irgendwann der Moment da hatte ich keine Lust mehr in endlos vielen Sounds rum zu suchen sondern wollte einfach wieder Musik machen. Leider lässt Ni ja auch oft gute Software Lösungen wieder verschwinden, scheint dann wohl nicht mehr lukrativ.

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    Max

    Das haben die Jungs von samplephonis mit Noiiz längst getan. Allerdings ist da die Qualität nicht so gut wie die von NI gewohnte. Trotzdem einen Blick wert vor allem für gesamplete Instrumente, Presets und Samples zum layern.

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      Dirk Matten  RED

      Es ist eine kapitale Fehleinschätzung zu glauben, dass etwas grundsätzlich gut oder grundsätzlich schlecht wird, wenn man ein bestimmtes Instrumenatrium benutzt. Auch beurteile ich Musiker nicht nach ihren Gerätschäften, sondern an ihrer Musik.

      • Profilbild
        lightman  AHU

        Du hast recht, ich habe auch nichts gegen die Nutzer solcher Presetsammlungen, verstehe nur nicht, warum das alles so massiv riesig sein muß, und dann noch in der Cloud… mir ist die diese neue Musikwelt suspekt. Irgendwann verschwinden dann ganze Blöcke an Presets, nix ist fix, alles irgendwie ambulant und dem Gutdünken eines oder mehrer Firmen unterworfen. TV streamen, Musik streamen, Presets streamen… darauf lasse ich mich lieber nicht ein.

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