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Nine Inch Nails – ein Porträt

5. Mai 2019

Hey Pig - Ein Portrait über Nine Inch Nails, Industrial und wütende Maschinen

Nine Inch Nails Hurt

Nine Inch Nails Hurt

Rock ’n‘ Roll ist Teufelsmusik. Und Teufelsmusik wird von Instrumenten getragen, die Menschen spielen. Seit jeher hat die „handgemachte“ Musik ein Monopol auf zornigen, authentischen Ausdruck, der aus dem Bauch kommt. Punk. Hardcore. Egal, was passiert: Der Puls der Musik wird von den Menschen geführt, von den Menschen getragen und soll mitten ins Herz gehen. Kein Platz für Maschinen.

So war das zumindest, bis Trent Reznor die Weltbühne betrat.

Um Missverständnisse gleich im Vorfeld zu vermeiden: Trent war bei weitem nicht der Erste, der es schaffte, Synthesizer und maschinelle Klänge in der Rockmusik unterzubringen. Aber er hievte das Ganze auf ein neues Level, brachte den Maschinen das Wüten bei, auf eine Weise, die ihm einen Platz im Pantheon der Rockmusik gesichert hat.

Marilyn Manson? Nicht denkbar ohne Nine Inch Nails. Das Gleiche gilt für Rammstein und vielleicht die gesamte Industrial Rock und Industrial Metal Szene, die sich mal geschickt, mal unverfroren an dem bediente, was Trent allen anderen voraus hatte. Anfang bis Mitte der 90er machte der Soundtechniker, Gitarrist und Vokalist Amerikas Bühnen unsicher. Und wenn Manson die krasseren Videos hatte, mit dem Blut, dem Sex und den anti-religiösen Ressentiments – Nine Inch Nails hatten die besseren Songs.

Entsprechend gibt es viele Stimmen, die der Meinung sind: Trents Name sollte mindestens so bekannt sein wie der von Bowie. Warum dem nicht so ist – nun gut, man kann spekulieren, aber die naheliegende Antwort ist wohl die: Die Musik ist zu „düster“ und Trents Stimme polarisiert. Die Themen, mit denen er sich beschäftigt, behandeln Selbstvernichtung bis zur Weltvernichtung und allem, was dazwischen liegt. Sie handeln von Demütigung, zelebrieren ein nihilistisches Lebensgefühl. Vor allem in der Anfangszeit stand Nine Inch Nails für eine Form der kreativen Selbstgeißelung, wie sie bis heute nur von wenigen Künstlern zelebriert wurde. Beispiel gefällig?

Tatsache ist: Nine Inch Nails‘ Musik erzählt im Grunde vom Leben eines Mannes, der sich unzählige Male verlief. Und der sich trotzdem auf einen Pfad brachte, der ihn 2011 den Oscar für Best Original Motion Picture Music nach Hause nehmen ließ.

Es ist die Geschichte eines Mannes, der mehrmals beinahe an sich gescheitert wäre und trotzdem immer weiter machte.

Die Geschichte eines Mannes, der für die Synthesizer-Welt als Produzent genauso bedeutend war wie für die Welt der Rockmusik als Songwriter. Wir wollen uns seine einzigartige Karriere ansehen, nachvollziehen, mit welchem Equipment er arbeitete, als Nine Inch Nails Hurt und das Meisterwerk „Downward Spiral“ aufnahm und versuchen, schlau aus einem Mann zu werden, der auf den Bühnen genauso zuhause zu sein scheint wie in dem Schatten.

Nine Inch Nails Hurt – Der Anfang ist das Ende

Ich war 16, als mir die Fragile in die Hände fiel.

Und ja – dies ist mitunter auch eine Liebeserklärung an dieses Album. Es mutet seltsam an, über ein Album zu schreiben, das einem persönlich so viel bedeutet, wissend, dass andere Menschen diese Zeilen lesen werden. Immerhin haben die Fragile und ich einen Pakt. Niemand hört in dem Album, was ich darin höre und niemand versteht das Album auf die Weise, wie ich es verstehe. Es gehört mir.

Ich bin mir sicher, dass viele Leser von AMAZONA.de ein persönliches Fragile-Album haben. Ich würde mich freuen, in den Kommentaren von einem Album zu lesen, das euch persönlich viel bedeutet – und vielleicht sogar, weshalb.

Was war es bei der Fragile? Nun, das ominöse Cover zumindest sorgte dafür, dass man das Album beim Media-Markt mit 15 in die Hand nahm. Rot. Ein verwaschener, grüner Fleck. Das halbe Cover hinter einer seltsamen, gebrochenen Steinfassade. Irgendwas daran triggerte mich, es folgte ein Spontankauf, ohne Vorinformation, ohne Wissen über Trent oder die Nine Inch Nails. Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was mich erwarten würde.

Daheim herrschte erstmal Verwunderung, dann Enttäuschung. Dann fand man den Weg immer wieder zurück zu dieser seltsamen, gebrochenen und trotzdem sehnsüchtigen Klanglandschaft, die Trent auf der Fragile vor einem ausbreitete. Circa 15 Jahre später – und es vergeht keine Woche, in der nicht zumindest Passagen aus dem Album angeworfen werden. Fernweh nach einem Ort, der nicht existiert – so wurde die Fragile vom späteren Nine Inch Nails Kollaborateur Atticus Ross beschrieben.

Wie viele Karrieren von Rockstars begann auch diese in einem behüteten Zuhause, bei einem schüchternen Geist, der sich in Platten und Büchern verlor. Später, als Jugendlicher arbeitete er als Hausmeister und Assistent im Clevelands Right Track Studio, wo er in den Zeiten, in denen das Studio frei war, mit Erlaubnis seine eigenen Songs aufnahm. Das Resultat war das Debüt – Pretty Hate Machine. „Unvermeidlich.“, sagte Al Jourgensen von Ministry recht früh über seinen Genrekollegen, „Trent war unvermeidlich.“

Pretty Hate Machine: Eine Platte, die ihr Publikum fand, eine bitterböse, entschlossene, formidabel produzierte Platte, die Depeche Mode die Wut und Atari Teenage Riot die Melodien voraus hatte. Bei allem, was Trent erschaffen hat, von der ersten bis zur letzten Platte, scheint vor allem eins durch: Sein melodisches Gespür – wie man an Nine Inch Nails Hurt oder The Great Below merkt.

Conciousness – es ist das Bewusstsein, das durchkommt, wenn der Geist der Person, die erschafft, in allem spürbar ist, was sie tut. Das merkt man an charakteristischen, melodischen Progressionen, am Klang oder an der Auswahl der Kadenzen. Das Gleiche gilt für Bücher, für Filme: Ein konsistenter, künstlerischer Fingerabdruck ist alles. Beispielsweise erschuf Trent mit Nine Inch Nails Hurt – einen der bewegendsten Songs der 90er.

Und manchmal kollidieren diese Identitäten – es würde den Rahmen dieses Textes sprengen, aber wer erfahren will, wie aus Respekt und Liebe zwischen Künstlern Hass und Neid erwachsen können, sollte sich in die Geschichte einlesen, die Nine Inch Nails und Marilyn Manson teilen. Eine fast schon archetypische Story von Mentor und Schüler – und was passiert, wenn der Schüler mehr Erfolg hat als der Mentor.

Hat sich Brian Warner aka Marilyn Manson seinen künstlerischen Fingerabdruck von Nine Inch Nails geklaut? Nicht wenige Stimmen meinen das bis heute. Vielleicht war es auch das, dieses Gefühl einer verratenen Freundschaft, was nach der Veröffentlichung der Downward Spiral Trent in die wortwörtliche Abwärtsspirale schickte. Vielleicht war es auch der Tod seiner Großmutter, die ihn großgezogen hatte und der er mehrere Lieder auf der Fragile gewidmet hat – aber Tatsache ist: Nach dem letzten Abschnitt der US-Tour war Trent Reznor eine wandelnde Leiche, suizidal und völlig verloren (Die Lyrics von Nine Inch Nails Hurt lesen sich hierzu nahezu prophetisch.) Der Höhepunkt der Tour, der Woodstock Auftritt aus dem Jahre 1994, läutete eine andere Zeit ein.

Keine Songs. Keine Ideen. Alkoholismus. Verlust. Blockade.

Reznor selbst erzählt nicht viel von der Zeit, in der er Fragile schrieb. Es scheint ein bitteres und schwieriges Kapitel, an dessen letzten Seiten er sich nur ungern erinnert. Sie waren auch kein Befreiungsschlag von Sucht und Alkoholismus – der folgte im Anschluss an die Fragile Tour, nach einer Überdosis, bei der Trent statt Kokain gestrecktes Heroin durch die Nase zog und im Backstage-Raum eines Clubs in Phoenix, Arizona kollabierte. Auch hier wiederholte sich das Motiv von Nine Inch Nails Hurt leider im echten Leben.

Irgendwann gewann trotzdem die Vernunft. Die Flaschen blieben im Schrank. Aber Track 4, Disc 2 von der FragileThe mark has been made. Manche Erfahrungen brennen sich tief ein, repräsentieren Motive, die sich in jede Zeile und jede Note schleichen. The mark has been made – man ist nie wirklich frei von seinen Dämonen.

Nine Inch Nails Hurt – Downward Spiral

Und einer der ersten Dämonen trägt den Namen Pig.

Le Pig, um genau zu sein. So wurde das Studio genannt, in dem die Platte aufgenommen wurde, die den Industrial Rock definierte. Und, ach ja: Es war auch der Ort, an dem Sharon Tate Charles Mansons zugedröhnten Schergen zum Opfer gefallen war. Der makaberen Kulisse zum Trotz: Viele reden von der Downward Spiral als eins der besten Rockalben, das die 90er hervorgebracht hat. Eine erstaunliche Wahrnehmung, wenn man bedenkt, dass das Album in der Art, wie es aufgenommen wurde, nichts mit dem herkömmlichen Studio-Procedere der Rockwelt gemein hatte. Hier wurde ein Mosaik unter Schmerzen zusammengesetzt, aus Loops, Fragmenten und Jams.

Was Trent grundsätzlich mit Downward Spiral versuchte, war es, seiner enormen Wut Ausdruck zu verleihen. Und die düsteren, gebrandmarkten Wände des 10050 Cielo Drive waren wie gemacht dafür. Songs standen nicht wirklich – es flirrten Fragmente in Trents Kopf herum, keine konkreten Strukturen, aber Ideen für Texturen und Atmosphären. Das Thema sollte seine persönlichen Probleme auf fast schon entlarvende Weise widerspiegeln, aber das kümmerte Trent nicht.

Stattdessen wurden mithilfe der Sound-Ingenieure Sean Beaven und Mark Ellis die Drumspuren von Chris Vrenna und Stephen Perkins, mit denen Trent kollaborierte, durch den Fleischwolf gedreht (aus einem gelangweilten Jam, während Beaven die Mikros neu justierte, resultierte beispielsweise die charakteristische Schlagzeug-Spur von Track 11 auf der Platte, Eraser). Das Gleiche galt für das Gitarrenspiel von Andrew Belew und Trents eigenem Riffing: aufnehmen, kaputtmachen, neu zusammensetzen. Passagen wurden zu Samples, zu Loops und von Trent anschließend zu Arrangements zusammengeführt.  Man arbeitete unter anderem mit alten Studer A800 Mk3 Multitrack-Maschinen, um dem fragmentierten Irrsinn analoge Wärme einhauchen zu können.

Und generell war Le Pig reich bestückt: Im Herzen des Ganzen saß eine 56-Input Amek Mozart Konsole, deren EQ-Kapazitäten das Klangbild der Downward Spiral maßgeblich mitprägten. Des Weiteren kam die erste Rundumschlag-DAW überhaupt zum Einsatz: Pro Tools auf Macintosh (etwas, womit Trent bis heute gerne arbeitet). Des Weiteren befanden sich im Arsenal zahlreiche Minimoogs, Doepfer Sequencer sowie die legendäre Roland R-70 Maschine, der Roland MKS-80 und der Kurzweil K2000. Kurzum: Alles, was Trent brauchte, um den Klängen in seinem Kopf nachzujagen. Eine inspirierende Sammlung von Synthesizern, Amps und Gitarren am Tatort eines der schrecklichsten Verbrechens der 60er Jahre – nett.

An die emotionalen Performances, die sich im Control-Room des Tate Hauses abspielten, erinnert sich Beaver bis heute: „Trent war immer darauf erpicht, etwas Rohes und Echtes einzufangen. (…) Auch nach mehrstündigem Spielen von Videogames konnte er manchmal einfach aufstehen, loslegen und dabei etwas Großartiges erschaffen – aus dem Stehgreif quasi.“ So ein dunkler Moment nachts brachte auch den letzten Song der Platte hervor – als Nine Inch Nails Hurt schufen.

Am liebsten benutzte Trent den Marshall JMP-1. Gekünsteltes, perfektes Gitarrenspiel interessierte ihn nicht. Stattdessen wurde mit Pedalen und EQs rumprobiert, bis Trent auf etwas stieß, das er spannend fand. Diese intuitive Wahrnehmung des Sounds und das sofortige Hantieren damit – das erklärt den über weite Teile völlig eigenartigen und trotzdem sehr effektiven Gitarrensound, den die Downward Spiral besitzt. Massiv, roh, mittenbereinigt – völlig eigen.

Gesangseffekte wurden zumeist mithilfe des Kurzweil K2000 gefunden, aber auch das Eventide H3500 kam hierbei zum Einsatz. Ringmodulation, Distortion – der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Grundsätzlich wurde alles als erstes auf dem Macintosh gesammelt und dann auf Tape gebrannt, wenn man genug beisammen hatte. Und wenn sich mithilfe der Tape-Maschine ein bestimmter Sound erzeugen ließ, dann tat man genau das. Ein weiterer Effektprozessor, mit dem Beaver und Nine Inch Nails viele Sounds auf der Downward Spiral erzeugten, war das Zoom 9030. Nur eins gab es nicht: Pitch-Korrekturen. Insgesamt ist die Performance am Gesang eine der am meisten unterschätzten Aspekte der Downward Spiral: Es ist eine zutiefst echte und wütende Performance – eine Aneinanderreihung kraftvoller „lightning in the bottle“-Momente, vor allem spürbar bei Ruiner und Nine Inch Nails Hurt.

Was bleibt ist ein Denkmal der Wut, der Verzweiflung, ein fantastisches Album, das seiner Zeit auf unzähligen Ebenen voraus war und es wert ist, fünfundzwanzig Jahre später besucht zu werden.

Forum
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    iggy_pop  AHU

    Downward Spiral war für mich das erste NIN-Album, das mich klanglich und musikalisch überzeugen konnte — Pretty Hate Machine fand ich stellenweise unfreiwillig komisch mit der hoppelnden Drum Machine im Slayer-für-Heimorgel-Modus. Allerdings muß ich sagen, daß mir heute vieles von dem, was auf Downward Spiral zu hören ist, zu dick aufgetragen ist und auf späteren Alben Reznor dazu zwang, immer noch einen drauflegen zu müssen. Ab einem gewissen Alter bringt das so gewisse Glaubwürdigkeitsprobleme mit sich.
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    Auf späteren Alben gefallen mir eigentlich die instrumentalen, atmosphärischen Titel besser als das Rumgebolze, und auf den letzten zwei oder drei Releases war ich echt froh, wenn Trent mal die Klappe hielt und die anderen machen ließ.
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      Dimi Kasprzyk  RED

      In der Hinsicht hat er was ganz Tolles mit der Ghost produziert – Über 30 ausschließlich instrumentale Songs.

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    mort76  

    Wenn du schon fragst: „mein“ Album wäre „Animals“ von Pink Floyd. Weil es so glaubwürdig düster ist, und so reduziert auf das Wesentliche. Andere düstere Alben wirken dagegen so affektiert…wirklich sträflich unterschätzt, dieses Album. Für mich bringt es einfach alles auf den Punkt. So lang die Tracks auch teilweise sind- man langweilt sich nie…und dann hat es auch noch ein durchgehendes Konzept…

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    iggy_pop  AHU

    So hat ein jeder seine eigene Definition von „düster“ — für den einen ist es düster, für den anderen die stinklangweiligste Platte der Welt.

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      mort76  

      Man kann auch sagen, daß sich das nicht ausschließt…ob man die Platte spannend findet, bleibt dahingestellt, aber düster ist sie in jedem Fall.
      Ja, die Platte hat einen monotonen Sound, der übliche Floyd-Bombast lenkt einen hier nicht ab…was ich als klaren Vorteil sehe. Da gibt es eine Parallele zu Industrial, Techno, Kraftwerk etc: Das alles könnte man auch schöner und abwechslungsreicher klingen lassen, aber das geht eben am Ziel vorbei.

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    tenderboy  

    Damals war wohl Panteras „Far Beyond Driven“ mein Fragile. Das erste Mal, das mich Musik komplett weggeblasen hat. Wahrscheinlich auch weil es meine Teenagerwut grandios einfing.
    Dieses Album hat letztlich auch dazu geführt dass ich Tontechniker wurde.

    Mittlerweile ist mein „Ich bin süchtig danach“ Album aber „Wider than the Sky“ von 40 Watt Sun.

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    OscSync  

    Ich finde es interessant, dass sich Trent Reznor in den Liner Notes zu Pretty Hate Machine bei einem ähnlich manisch getriebenen „Mastermind“ bedankt, welches ebenfalls als Komponist, Multiinstrumentalist, Texter Produzent und Charakterfigur stilbildend war: Prince.

    Meine persönliche „keiner versteht dieses Album so wie ich“-Platte ist „Time´s Up“ von Living Colour. Auch fast dreißig Jahre später habe ich das Gefühl, dass mich dieses Album immer wieder auf die Spur setzt und mein Leben ohne diese Platte anders verlaufen wäre.

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    TobyB  RED

    Industrial Rock gab es schon vor den NIN. Die Vorläufer waren Cabaret Voltaire, The Young Gods und Ministry, Revolting Cocks. Und Fugazi, 1000 Homo DJs dem Vorläufer Projekt zu NIN, mit Jello Biafra, Al Jourgensen und Trent Reznor. Zu Rammstein, die Einordnung ist nicht so ganz richtig. Denn vor Rammstein gab es First Arsch(Erste Autonome Randalierer Schwerins), Die Firma, The Inchtabokatables und Das Auge Gottes, Elegantes Chaos, sowie Feeling B. und daraus entwickelte sich der Rammstein Stil. Da in allen zuvorgenannten Bands eben auch zukünftige Rammstein Mitglieder spielten. Ich würde eher meinen das Rammstein sich vielleicht an den Krupps oder Oomph! orientiert haben. Andererseits erinnere ich mich an frühe Auftritte, war der Sound schon so vorhanden. Obwohl das für mich nach Pantera in langsam klang.

    NIN haben jedenfalls mehr oder minder ihr Ding durchgezogen und waren ihrerseits die Weiterentwicklung dessen was Ministry gemacht haben, nur hat Mastermind recht schnell sich von Ministry und Co abgekoppelt.

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      AMAZONA Archiv

      Das sehe ich auch so… Die Krupps, Oomph vor allem aber Think About Mutation hatten großen Einfluss auf den Rammstein-Sound.

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        TobyB  RED

        Think About Mutation hab ich unterschlagen, da hast du absolut recht. Und dann gibts ja noch die Clawfinger Connection hinzu Rammstein. Und die ästhetischen Anleihen von Laibach. Das ufert dann aber aus. Das schmälert aber nicht den Artikel oder die Bands NIN wie Rammstein. Nur waren NIN eben auch nicht die ersten und die letzten die Industrial gemacht haben und grade zu der Entstehungszeit Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger war Crossover das Thema der Stunde und Rammstein konnten im Vakuum der Wiedervereinigung in der mecklenburgischen Pampa wachsen und dann von Berlin die Welt erobern. Und in der frischvereinigten BRD gabs halt die Krupps, Oomph und andere als Vorreiter.

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      Marco Korda  

      Oha, Toby, da muss ich dir in einem Punkt vehement widersprechen. Als „weltgrößter Cabaret Voltaire-Fan aller Zeiten“ *smile* bestreite ich, dass da jemals Industrial Rock drin war. CV waren anfänglich eher Avantgarde mit einem ausgesprochenem Hang zu hypnotischen Sequenzen, oft war es Musik, die nur nach Bildern (Film) schrie. Möglicherweise mag man das mit Industrial Rock verwechseln, aber nur weil Stephen Mallinder Bass und ganz gelegentlich auch Gitarren malträtierte, gehören sie da nun wirklich nicht hin.
      CV entwickelten sich später ganz eigenständig und doch auch dank Major-Vertrag in grobe Richtung Pop (The Covenant, The Sword and The Arm of the Lord als Höhepunkt ihrer Pop-Schaffenskraft), für mich war es immer eher Industrial Pop oder so was ähnliches. Später glitten sie weiter ins technoide und gelten für so manchen als Begründer des Minimal Techno. Letzteres vermag ich jedoch nicht zu beurteilen, das ist nicht mehr mein Genre.

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        TobyB  RED

        Marco, jau vom Ergebnis also dem Sound hast du recht, aber ich sehe die als Vorväter, wie den ganzen Sheffield Electro oder auch Factory Manchester Sound. Aber von dort und Throbbing Gristle geht der Industrial los. Vielleicht nicht technisch aber philosophisch. Ich meine höre dir mal eine Sequenz von CV, Ministry(Jesus build my hotrod) oder Young Gods an. Letztere knallen härter als CV aber du hörst die Philosophie von CV. Klar ging von dort sowohl die Entwicklung in den Pop aber auch in den Rock. Es waren ja auch die Achtziger ;-)

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          Marco Korda  

          Vorväter – ja das passt :-). Und natürlich hast Du recht, CV waren für viele eine echte Inspiration. Für mich persönlich sogar deutlich mehr als NIN (mag ich auch, aber anders). Die haben vieles vorweg genommen. Ohnehin ist es eine Szene (gewesen), die sich oftmals selbst gegenseitig befruchtet hat. Warum auch nicht!?

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    fkdiy  

    Kurz was ganz anderes: Wenn ich Up- oder Downvote anklicke, wird mir neben dem Button ein JSON-Objekt eingeblendet – ich schätze mal zum debuggen der Funktion.

    Ist natürlich interessant, sollte aber vermutlich entfernt werden. ;)

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    Einfach Lucas

    Schön geschrieben!
    Mich hat vermutlich auch noch kein Künstler innerhalb so kurzer Zeit so intensiv beeinflusst, dass ich das Gefühl habe, NIN schon immer zu hören. Ich kann mich vor Allem in den GHOST Platten verlieren – es führt sogar ab und an zu einem „Reset“ in meinem Kreativ-Output und ich kann mich anders entfalten.
    Aber die Dämonen sind halt auch so eine Sache, da sie dir vom tiefsten Grund des Meeres bis in die höchsten Höhen und zurück ungefragt ein treuer Begleiter sind, dabei aber Orte preisgeben, die den meisten verborgen bleiben.

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    arnte  

    NIN (und natürlich Marilyn Manson erst recht) waren für mich irgendwie immer nur nette Teenie Musik. Okay, ein paar NIN Songs sind tatsächlich gut. Aber gegen Skinny Puppy ist das imo einfach Kindermusik.

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