NRsynth Retro One & Ancestor – Analog-Synthesizer

23. Mai 2020

French Moog & ARP

NRsynth ist ein Kleinsthersteller aus Frankreich, der aufgrund seiner nur im Direktvertrieb erhältlichen geringen Stückzahlen und der ausschließlich französischen Webpräsenz hierzulande kaum bekannt ist. Im Rahmen des SynthFest France à la Maison konnte man nun die außergewöhnlichen Synthesizer Retro One und Ancestor in Aktion sehen und hören.

NRsynth Retro One Synthesizer

7kg Moog – Retro One

Die Synthesizer von NRsynth entstanden aus Begeisterung für die großen Klassiker aus den 70er Jahren. Der Entwickler baut Schaltungen so exakt wie möglich nach, ergänzt aber die Synthesizer um verschiedene Komponenten oder kombiniert Baugruppen unterschiedlicher Geräte.

Retro One ist vom Minimoog D inspiriert – mit Ausnahme der drei VCOs. Hier war der Moog Prodigy das Vorbild. Die Oszillatoren erzeugen Triangle, Saw und Pulse mit PWM und VCO 1 kann zu VCO 2 synchronisiert werden. Weiterhin sind ein Ringmodulator, eine Sample & Hold-Einheit, ein digitaler, zur MIDI-Clock synchronisierbarer LFO und ein umfangreiches Patch-Feld vorhanden. Am Ausgang gibt es einen einfachen EQ für Bässe und Höhen sowie einen Drive-Regler. Das Filter nach Vorbild des 904A, die ADS-Hüllkurven und der VCA entsprechen dem Model D, einschließlich der „Fehler“ in den Schaltungen.

NRsynth Ancestor synthesizer

Ancestor – eine Kreuzung aus Moog und ARP

Man sieht es Ancestor auf den ersten Blick nicht an, aber hier stand tatsächlich der ARP 2600 Pate. Doch die Verwandtschaft ist eher entfernt zu nennen, denn das Frontpanel ist mit Drehreglern und nicht mit Fader ausgestattet und die Anordnung sowie graphische Darstellung entspricht nicht dem Vorbild. Vielmehr geht es hier um das semi-modulare Konzept, mit dem die drei VCOs, Lowpass VCF, Multimode VCF, Wavefolder und Modulatoren zusammengebracht werden. Einige Patch-Buchsen sind jedoch auch vorhanden.

Von Ancestor vier unterschiedliche Versionen:
Type Minimoog – mit VCO 921 sowie VCF, ADS und VCA wie beim Model D
Type Moog Modular – mit VCO 921, VCF 904A, VCA 902, Envelopes 911
Type ARP 2600 new version – VCO 4027-1, VCF 4072, ADSR 4020, VCA 4019, Hard Sync,
Type ARP 2600 old version – wie „new version“ aber mit VCF 4012
Außerdem kann für das Multimodefilter zwischen SEM und Steiner-Parker gewählt werden.

Im Video vom SynthFest France werden nacheinander Retro One, Ancestor und Teile des Modularsynthesizers mit viel Kraftwerk und JMJ demonstriert.

NRsynth fertigt nur nach erfolgter Anzahlung. Zudem muss für den Ancestor mit dem Hersteller vorab die Lieferart abgesprochen werden. Retro One kostet 1.590 Euro und Ancestor 2.850,- Euro.

Außerdem arbeitet NRsynth an einem Modularsystem, zu dem es aber noch keine weiteren Informationen gibt.

NRsynth Modularsystem

Forum
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    iggy_pop  AHU

    Gähn… noch mehr von demselben, wie man in den Niederlanden sagt. Bin ich eigentlich der Einzige hier, dessen Begeisterung mit jeder Neuvorstellung rapide bergab geht?

    Erinnert von der Übersichtlichkeit an einen GRP Nochwas, der auf einen Synton Fenix Nochwas trifft.

    Schon vom Anschauen her möchte ich gar nicht wissen, wie das wieder klingen wird.

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    lightman  AHU

    Bei mir machen sich mittlerweile auch Abnutzungserscheinungen bemerkbar, was die „Klassiker der 70er Jahre“ betrifft, aber scheinbar gibts noch immer einen Markt dafür. Offenbar hat noch nicht jeder sein‘ Moog/ARP/bla/blubb, da ist noch Luft nach Oben.

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      fmq75  

      Also,der Ancestor hat doch sehr wohl ein Alleinstellungsmerkmal: er sieht aus, als wäre er mit Omas Tischdecke bezogen worden.

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        iggy_pop  AHU

        Ja, oder mit dem, was noch vom Technosaurus (selten blöder Name) übriggeblieben ist…

        Da war ja Christas Leopardenfell noch geschmackvoller…

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    tantris  

    Ich glaube nicht, dass man heutzutage das musikalisch interessierte Publikum mit Klangformen auf Basis von simplen Wellenformen und Filtern noch hinter dem Ofen hervorlocken kann. Der machbare Output dieser Klangsynthese ist doch reichlich ausgelutscht. Wenn es trotzdem ein solches System sein soll, dann doch eher modular und edel verpackt, anstatt mit einem unstruktiert aufgebauten Frontpanel im Reisekofferdesign.

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    PaulusS

    Sieht nicht schlecht aus, was man für sein Geld bekommt. Gut, die Soundbeispiele sollte ich mir vielleicht noch anhören ;))

    Komplexe und neuartige Syntheseformen werden wahrscheinlich eher im Rechner umsetzbar sein.
    Vielleicht die FM-Synthese mit mehr Zugriffsmöglichkeiten ?!

    Aber wie war das damals – nach Analog kam Digital. Vielleicht ist es ja wieder so.

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      lightman  AHU

      Jemand, der’s drauf hat, holt aus einem Monotron mehr raus als Andere aus Systemen wie diesen hier. Der Punkt ist, daß es keine Synth-Dickschiffe braucht, um sich musikalisch auzudrücken, und das „OMG 70er!!1!“-Gehechel wird auch langsam anstrengend. Wer in anderer‘ Leute Fußstapfen tritt, hinterläßt selbst keine Spuren.

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        PaulusS

        Ja klar, da bin ich absolut deiner Meinung. Nicht das Equipment macht die Musik, sondern der Mensch der damit arbeitet.

        Peter Zinovieff meinte mal in einem Interview mit jungen Menschen, dass ihm bspw. der Synthi A schon bei Fertigstellung zu primitiv war um sich überhaupt damit beschäftigen zu wollen. Er kann den Hype deshalb nach so vielen Jahrzehnten nicht nachvollziehen. Aber gut, das ist seine Meinung.

        Er erahnte offenbar schon die Möglichkeiten des Computers, auch wenn diese zu seiner Zeit noch Lichtjahre entfernt waren.

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          lightman  AHU

          Ich kann Zinovieffs Standpunkt nachvollziehen, ihm geht es um die Musik, das Equipment spielt bei ihm nur insofern eine Rolle, als daß es dabei hilft, seine Vorstellungen umzusetzen. Moderne Computer haben bei ihm die Musikhardware weitgehend ersetzt, damit ist alles möglich, was er sich seinerzeit erträumt hatte: Klangforschung und Komposition bei voller Kontrolle über alle verfügbaren Parameter.

          Zu der Zeit, als der VCS3/Synthi A auf den Markt kam, beschäftigte er sich in seinem Studio mit digitaler Steuerung, Sequencing und Sampling mit PDP-8-Computern, was in den 1960ern absolutes Neuland darstellte. Kein Wunder, daß er dem VCS3 nicht soviel Begeisterung entgegenbrachte, Klangerzeuger aller Art hatte er vorher schon eingesetzt, neu waren daran eigentlich nur die kompakte Form und die Steckmatrix.

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              lightman  AHU

              Die Äußerungen stammen aus einem Interview aus letzter Zeit, damals hat er sich natürlich anders ausgedrückt. Da gehts auch eher um Nostalgie und Kult, und wohl auch ein bißchen British Understatement.

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              iggy_pop  AHU

              Weil Dave Cockerell schon damals wußte, warum der VCS3 so heißt:

              „Very Crappy Synthesiser, third attempt“.

              Ich spekuliere natürlich nur.

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    Tomstone  

    Hi! Ich liebe Frankreich. Immer noch, obwohl ich die ersten Minuten des Videos gesehen und , schlimmer, gehört habe. Die gefühlt 128447igte Ausgabe des Kraftwerk JMJ Sounds. Jetzt „endlich“ zum nachbasteln? Och, nö. Bei dem Preisschild kaufe ich lieber die Originale auf CD und was es sonst noch in den fröhlichen 70igern an elektronischer Musik gab.
    Und für den Rest fahre ich in Urlaub, irgendwann…..vielleicht nach Frankreich.
    Bleibt gesund!

    gruß
    Tom
    P.S.: Ich versteh die Macher nicht. Wenn ich so einen schicken Synthi bauen würde, dann müsste ich doch zeigen, ob er aus den Fußstapfen herauskommt, die da vor über vierzig Jahren in den Matsch der elektronischen Musik getreten wurden.

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    pol/tox   1

    Hab das Video noch nicht gesehen; das was ich sehe und lese finde ich aber interessant.

    3 Prodigy Oscs in einen 904a empfinde ich nicht als altbacken und schon dagewesen. Im Gegenteil, ich will damit zocken!

    Natürlich muss so ein klassischer Synth mit Anlehnungen an die Synthesizerantike mit starkem Klang überzeugen, sonst wär’s sinnlos. Bin gespannt.

    Die ablehnende Haltung aus den Kommentaren kann ich nicht nachvollziehen, ist aber interessant. Vor ein paar Jahren hätten alle gejubelt.

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