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Patches & Sounds: Yamaha CS30, Vintage-Synthesizer

Sounds & Tipps für ein Synthmonster

24. Januar 2026

Am heutigen Vintage-Samstag möchte ich euch einen Workshop zum einzigartigen Yamaha CS30 Synthesizer aus unserer Fundgrube der Leserbeiträge vorstellen. Elektrostatik hatte diesen Artikel einst als „Kommentar“ unter dem Yamaha-CS30-Report von Vincent Rohr veröffentlicht. Da er dort nicht die Aufmerksamkeit bekam, die er eigentlich verdient, lag der Artikel jahrelang im Community-Bereich, erhält aber nun mit diesem Beitrag eine neue Würdigung. An dieser Stelle daher ein herzliches Dankeschön an Elektrostatik. Am Ende des Artikels findet ihr außerdem acht Sheets zum Nachbau von Yamaha CS30 Klängen.

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Patches & Sounds: Yamaha CS30, Vintage-Synthesizer

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Doch vorab soll auch der Yamaha CS30 gewürdigt werden, der seit vielen jahren zum festen Setup meines Vintage-Studios gehört.

Subtraktive Synthese mit Hindernissen

Der Yamaha CS30, erstmals 1977 auf dem Markt, ist im Kern ein klassischer subtraktiver Analogsynthesizer mit unkonventionellem Signalfluss. Gerade darin liegt aber eine seiner Stärken: Yamaha packt in diese klassische Architektur eine ungewöhnliche Menge an internen Optionen (zwei Signalpfade mit zwei Filtern und zwei VCAs, drei Envelopes, Ringmodulator, externer Audio-Trigger, 8-Step-Sequencer), die eben nicht klassisch dem Signalpfad eines Minimoog entsprechen, sondern eine Struktur besitzen, die selbst bei eingefleischten Kennern erst einmal für Verwirrung sorgt. Autorenkollege Theo Bloderer beschrieb das in unserem Vintage-Report wie folgt:

„Dem Benutzer wird schnell klar, dass mit klassischem Vorgehen bei der kreativen Soundgestaltung hier nicht viel zu machen ist. Der Filtertyp wird beim VCA eingestellt, die Oszillatoren bei den Filtern, und überhaupt gibt es hier einige recht ungewöhnliche Bezeichnungen oder Zusammenhänge, mit denen man zunächst gar nicht viel anzufangen weiß.“

Erstaunlicherweise zwingt einen der Yamaha CS30 dadurch, Gelerntes zu vergessen und umzudenken und das wiederum führt zu erstaunlichen und oft auch ungewollten Ergebnissen. Klanglich ist der Yamaha CS30 ohnehin über alle Zweifel erhaben. Und das kommt nicht von ungefähr, denn er ist definitiv ein Ableger des legendären CS80.

Ein monophoner Yamaha CS80?

Der CS30 trägt in zentralen Designentscheidungen CS 80 DNA, weil Yamaha beim CS30 und CS30L dieselbe Filter-Topologie nutzt, die man aus den großen Poly-CS kennt: HPF in LPF als Kaskade. Genau diese Architektur ist typisch für CS 50, CS 60 und CS 80 und macht es möglich, dass sich ein CS30 funktional wie eine monophone Variante dieser Polys verhalten kann, zumindest im Kern der Klangformung. Zusätzlich ist dokumentiert, dass Yamaha innerhalb der CS-Familie stark über gemeinsame proprietäre IG-Chips und wiederverwendete Baugruppen gedacht hat. Das ist ein plausibler Grund, warum sich die Geräte über Modellgrenzen hinweg verwandt anfühlen und warum ein CS 30 trotz Monophonie in einigen Aspekten näher an den großen CS-Polyphonen liegt als an vielen anderen Monosynthesizern der Zeit.

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Das heißt aber nicht, dass der Yamaha CS30 tatsächlich wie ein monophoner Sound des CS80 klingt. Oder doch? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Bei manchen Klängen ist eine Nähe unverkennbar, die sich mit anderen Analogsynthesizern so gut wie nicht erreichen lässt. Das zeigt sich vor allem bei typischen Sequencer-Sounds, wie Vangelis sie gerne eingesetzt hat und weniger bei tiefen Bässen und Lead-Sounds. Wie dem auch sei: Der Yamaha CS30 ist ein echter Charakter-Synth mit seinem ganz eigenen Timbre, nicht immer, aber sehr oft.

Der Yamaha CS30 am Markt

Das Teil ist schon ein Monster und sieht man sich das wuchtige Gehäuse und die enorme Breite des Yamaha CS30 an, würde man kaum auf die Idee kommen, dass man einen monophonen Synthesizer vor sich hat. Das kommt vermutlich auch daher, dass der CS30 im Grunde aus zwei eigenständigen Yamaha CS15 besteht. Er ist also einfach mehr von allem. Im Umkehrschluss bedeutet das: Er war einst sehr kostspielig, wurde daher nur selten verkauft, ist heute ein gesuchtes Objekt und wird unter Sammlern und Liebhabern hochpreisig gehandelt. Richtig? Jein.
Klar ist der Yamaha CS30 selten am Markt anzutreffen, aber auch nicht extrem selten. Und vergleicht man die Summen, die aktuell für einen Minimoog aufgerufen werden, sind Preise für einen gut erhaltenen CS30 von etwas über 2.000,- Euro absolut akzeptabel. Außerdem ist das Ding gebaut wie ein Panzer und ich persönlich hatte noch nie eine einzige Reparatur damit. Kommen wir nun zum Workshop von Elektrostatik:

Bedienung des CS30

Man verliert schnell den Überblick, weil er so viele Optionen hat. Eigentlich ist er aber sehr übersichtlich, weil alle Funktionen sichtbar sind und der Aufbau gar nicht so unlogisch ist.
Tipp: Immer erst einmal alle Modulationen auf null setzen und sich für den Anfang eine Hüllkurve aussuchen. Wenn nichts herauskommt, ist meist das Filter zu. Bei Lowpass-Einstellung heißt das: Cutoff-Regler im Uhrzeigersinn bewegen, im Highpass ist es genau anders herum.

Was mich immer gestört hat, ist, dass man nur beide VCOs gemeinsam durch die ENVs modulieren kann (ganz links) und nicht VCO1 unabhängig oder gegenläufig zu VCO2. Aber so ist es nun mal.
Hübsch ist, dass man die Pulsbreite manuell einstellen und zusätzlich modulieren kann. Leider ist die LFO-Sinusschwingung für die PWM beider VCOs fest zugewiesen.

Der MOD-VCO2-Regler im Bedienfeld von VCO1 regelt die Crossmodulation VCO2 → VCO1 (und nicht anders herum, wie im Netz irgendwo falsch geschrieben steht). Man muss also VCO1 durch das Filter schleifen, um das zu hören. VCO2 will man dazu nicht unbedingt hören. Für spannendere Ergebnisse muss man im Bedienfeld ganz links (Pitch) VCO1 gegen VCO2 verstimmen.

Die LFO-Schwingungsform lässt sich an der Destination wählen. Dadurch kann man z. B. VCO 1 und 2 oder VCF 1 und 2 oder die VCAs gegenläufig modulieren, indem man der einen Destination den steigenden, der anderen den fallenden Sägezahn zuweist. Deshalb gibt es im LFO-Bedienfeld nur einen Speed-Regler und keinen Schwingungsform-Wahlschalter. Außerdem lässt sich die LFO-Frequenz per Hüllkurve extrem modulieren, was für ziemlich geniale Effekte sorgt: von ganz langsamer Modulation bis FM. Überhaupt reicht der LFO bis in den Audiobereich, was natürlich super ist. Durch Modulation geht er aber noch höher, d. h. Speed-Regler auf Anschlag plus positive Modulation ergibt noch höhere Frequenzen. Die S&H-Option sorgt natürlich auch für feine Knistereien.

Envelopes CS30

Kurz zu den ENVs: Es sind natürlich nur drei, aber die ersten beiden stehen auch invertiert zur Verfügung. Die Buchstabenkombination hat man schnell im Kopf:

ENV1: A+ / B-
ENV2: C+ / D-
ENV3: E+

Wie die LFO-Schwingungsformen können sie im jeweiligen Modul gewählt werden. Die EGs können normal durch Keyboard-Spiel getriggert werden oder durch den LFO. Single vs. Multi ist, glaube ich, Legato vs. immer Hüllkurven triggern.

ENV 2 und ENV 3 sind gängige ADSRs. ENV 1 ist eine Yamaha-Spezialität, die es auch bei den polyphonen CS gab: Der Sustain-Wert ist 0 V, d. h., die Hüllkurve steigt erst an, fällt dann auf null zurück und moduliert in der Release-Phase sogar negativ, also unter einen manuell eingestellten Wert (z. B. Filtereckfrequenz). Die Besonderheit dieser Hüllkurve ist, dass man den Attack-Wert zweimal einstellen kann: Der „normale“ Attack-Regler bestimmt den positiven Maximalwert der Attack-Phase, der Initial-Attack-Regler erlaubt es, den Anfangswert des Attack-Sweeps unter 0 V zu legen. Die Attack-Zeit wird ganz normal per Attack-Time-Slider eingestellt. Soweit ich mich richtig erinnere, erlaubt ENV 1 weitere Sweeps als die beiden anderen EGs.

Alle drei EGs lassen sich durch das Keyboard, eine externe Signalquelle (einstellbar über External-Trigger-Level, ganz links unten; das externe Signal geht bei Ext rein, nicht bei Gate; der Gate-Eingang triggert meines Wissens in der KBD-Position des Schalters) oder den Sequencer triggern. Das bedeutet, dass man eine ENV in einen komplexen LFO verwandeln kann, indem man die Sequencer-Geschwindigkeit und die Hüllkurvenwerte entsprechend einstellt. Natürlich kann es auch ein einfacher LFO sein: Nur Decay ergibt einen fallenden Sägezahn, nur Attack einen steigenden, ein bisschen von beiden ein Dreieck. Das ist sehr recht, weil ein einzelner LFO manchmal doch etwas wenig ist.
Schließlich kann man noch zwischen normaler und langsamer Reaktionszeit wählen. Wem also die normalen Sweeps zu kurz sind, stellt auf x5 um und bekommt dadurch ultralange Attacks und Releases.

Filter Tipps zum Yamaha CS30

Die Filter sind im Prinzip identisch aufgebaut, nur dass sich vor dem Eingang von VCF 1 ein zweikanaliger Mischer befindet. Hier kann man auch externe Signale einspeisen, z. B. Drumloops, Orgelsignale oder was auch immer. Noise (weißes Rauschen) ist für Geräuschhaftes sehr gut geeignet, etwa wenn man Sounds im Stil einer Analogdrumbox sampeln will. Blöd finde ich, dass man im VCF 1 nicht das PW-Signal von VCO 2 einspeisen kann. Es wäre auch hübsch gewesen, dem externen Signal weißes Rauschen zumischen zu können, geht aber ebenfalls nicht. Die übrigen VCF-Regler erklären sich, glaube ich, von selbst. Keyboard-Follow voll aufgedreht entspricht meines Wissens einem auf das Keyboard abgestimmten Filter, d. h., es lassen sich mit Bandpassfilter und weißem Rauschen sogenannte Rauschmelodien spielen. Die Resonanz lässt sich leider nicht bis zur Filteroszillation aufdrehen.

Wählt man für VCF 2 VCF 1 HP als Eingangssignal, hat man die Filter kaskadiert, allerdings mit fest eingestellter Highpass-Charakteristik für VCF 1. Wählt man nun für VCF2 Lowpass, erhält man einen variablen Bandpass. Da das Highpass-Filter umso weniger Signal durchlässt, je höher das Kontrollsignal ist, das Lowpass-Filter aber genau umgekehrt reagiert, sollte man den Highpass (VCF 1) invertiert modulieren, also entweder mit fallendem Sägezahn für VCF 1 und steigendem für VCF 2 oder mit EG D für VCF 1 und EG C für VCF 2. Dadurch öffnet der kombinierte Bandpass irgendwo in der Mitte des Frequenzbereichs (je nach Cutoff-Wert) und macht nach unten und oben auf.

Bei gleichgerichteter Modulation ist immerhin noch die Bandbreite einstellbar; der Bandpass bewegt sich dann mit parallel laufenden Filtereckfrequenzen, vorausgesetzt, der EG-Mod-Wert ist für beide VCFs gleich eingestellt. Unterschiedliche EG-Mod-Werte sorgen unter Umständen für spannendere Ergebnisse. Außerdem lassen sich Formanten für vokalähnliche Sounds erzeugen. Experimentiert man mit der Hüllkurvenmodulation, kann man diphthongartige Klangverläufe realisieren.

Da der erste der zwei wichtigsten Formanten z. B. für ein „ai“ von etwa 750 auf 240 Hz fallen und der zweite von etwa 940 auf 2400 Hz steigen muss, müssen sich die Filterverläufe in Richtung und Intensität, also Hüllkurven-Polarität und Modulations-Intensität, unterscheiden. Natürlich müssen nicht beide Filter moduliert werden: Man kann auch mit dem Highpass den Sound etwas ausdünnen (à la Roland) oder mit dem Lowpass die Höhen abdämpfen. Stellt man VCF 2 ebenfalls auf Highpass, erhält man ein Filter mit – ich glaube – 12 statt 6 dB Flankensteilheit, also drastischere Highpass-Filterung.
Speist man dasselbe Signal in beide VCFs ein (das heißt: VCO 2 Saw) und mischt in VCA 1 das Highpass-Signal des einen und das Lowpass-Signal des anderen Filters, erhält man ein Notch-Filter bzw. eine Bandsperre. Der CS30 kann also – außer Allpass – alle gängigen analogen Filtercharakteristiken.

VCA

Bei den VCAs kann man wählen, welcher Filterausgang auf den VCA-Eingang geroutet wird. Diese Logik wird allerdings nicht ganz durchgehalten, da das für VCA2  gewählte Signal auch in VCA 1 eingespeist werden kann, ohne dass man dort erneut auswählen könnte.
VCA 1 ist ähnlich wie VCF 1 mit einem vorgeschalteten Mischer ausgestattet: Zusätzlich zum Ausgangssignal von VCF 1 und VCF 2 kann hier auch ein Sinussignal von VCO1 beigemischt werden. Wählt man für VCF 1 die Bandpass-Charakteristik, lässt sich mit Hilfe der Sinusschwingung ein superfetter Bass einstellen, dessen Obertongehalt sehr präzise modelliert werden kann. Sehr funky.
Als Hüllkurven stehen im VCA nur die positiven Varianten zur Verfügung. Schaltet man von EG auf Hold, erhält man einen Dauerton, hübsch für Drones. Als LFO-Schwingungsform wirkt bei den VCAs die Rechteckschwingung besonders effektiv: schön zerhackt.
VCA 2 entspricht in seiner Funktionalität VCA1 ohne Dreiwegmischer, bietet dafür aber ein spezielles Schmankerl: Ringmodulation. Als Modulator kann entweder der LFO oder VCO 1 zugewiesen werden. Ringmodulation mit einem langsamen LFO klingt definitiv anders als normale Lautstärkenmodulation, die übrigens gleichzeitig möglich ist. Da VCO1 normalerweise in einem harmonischen Verhältnis zu VCO2 steht, sind auch Ringmodulationsklänge möglich, die nicht nur „krank“ klingen, vorausgesetzt, man verstimmt VCO 1 im Pitch-Panel nicht zu stark.

Es ist außerdem möglich, das Keyboard-Tracking für VCO 1 abzuschalten, indem man VCO 1 von KBD auf SEQ umschaltet. Jetzt erhält man das klassische Ringmodulator-Prinzip, bei dem der Modulator statisch ist und nur der Carrier sich verändert. Die Modulatorfrequenz wird mit Step 1 des Sequencers eingestellt, der Sequencer steht dazu still. Da sich der Ringmodulator stufenlos zumischen lässt, ist der Schmutzanteil frei regelbar. Übrigens lässt sich VCO 1 natürlich auch sequenzieren, während man VCO 2 per Keyboard spielt – so beginnt die Ringmodulation zu „tanzen“.

Der Sequencer im CS30

Damit wären wir beim Sequencer: Er hat bis zu acht Steps, die alle gleich lang sind. Wählt man nur zwei Steps, erhält man eine Art Rechteckmodulation, da das Kontrollsignal immer zwischen zwei Werten hin- und herspringt. Der Sequencer kann durch die interne Clock oder manuell getriggert werden, was vor allem beim Einstellen der Werte sehr hilfreich ist. Der Sequencer ändert seine Gesamttonhöhe immer beim Erreichen des ersten Steps und lässt sich daher entweder durch Halten einer Taste (KBD) oder durch Drehen am Regler von Step 1 (Normal) transponieren. Dreht man die Clock auf höchste Geschwindigkeit, entsteht der Eindruck chaotischer, aber wiederkehrender Modulation.
Stellt man bei hoher Clock-Geschwindigkeit die Step-Werte so ein, dass harmonische Vielfache sequenziert werden, erhält man einen Sound, der an die C64-Pseudo-Polyphonie erinnert. Die EGs bleiben dabei in der KBD-Position.
Normalerweise würde man für den Sequencer-Betrieb beide VCOs und die EGs auf Sequencer umschalten. Für spezielle Effekte kann es jedoch sinnvoll sein, davon abzuweichen. So ist es z. B. möglich, nur einen VCO zu sequenzieren, sagen wir VCO1. Nehmen wir an, wir weisen diesem Strang EG E zu, stellen also für VCF 1 und VCA 1 E als Hüllkurve ein. Die Möglichkeit, die Tonhöhe per Hüllkurve zu modulieren, entfällt meines Wissens im Sequencer-Betrieb – ich weiß nicht einmal, ob VCO 1 Detune dann noch funktioniert. Je nach Sequencer-Einstellung blubbert der Synthesizer nun vor sich hin. VCO 2, VCF 2 und VCA 2 sind davon völlig unabhängig und können die übrigen EGs verwenden, etwa für langsam gespielte Flächen.

Weitere Tricks für den Sequencer

Eine weitere undokumentierte Eigenheit des CS30 ist, dass beim Umschalten von VCO 1 auf SEQ auch das Filter-Tracking in VCF 1 vom Sequencer gesteuert wird. Das Gleiche gilt für VCO 2 und VCF 2. Dadurch lässt sich das Filter unabhängig von der Tonhöhe sequenzieren, vorausgesetzt, man verwendet jeweils den anderen VCO. Konkret: VCF 1 auf SEQ stellen, Keytracking von VCF 1 voll aufdrehen, dann aber nur VCO 2 durch VCF 1 schleifen.

Die Möglichkeit eines statischen Modulators (vgl. Ringmodulator) funktioniert natürlich auch umgekehrt für die Crossmodulation: Hier wird VCO 2 auf SEQ umgeschaltet. Darüber hinaus eignet sich die Steuerung der VCOs über den Regler von Step 1 auch dafür, über einen sehr großen Frequenzbereich zu sweepen – etwas, das mit dem CS30 sonst nicht wirklich möglich ist.

Die „Spielhilfen“

Spielhilfen im klassischen Sinn hat der CS-30 nicht. Immerhin gibt es einen Pitchbend-Lever, dessen Wirkungsintensität begrenzt werden kann, etwas zutreffend, aber dennoch verwirrend mit „Limiter“ beschriftet. Portamento lässt sich nicht ausschalten, sondern nur auf null setzen und funktioniert leider auch nicht in Kombination mit dem Sequencer. Links davon befinden sich die Regler für den LFO sowie darunter die für External-Signal und Trigger-Level.

Rechts vom Keyboard sitzt ein sehr wichtiger Slider: Er regelt die Lautstärkebalance von VCA 1 und VCA 2. Damit lässt sich auch von einem Sound zum anderen überblenden. Beide VCAs haben übrigens eigene Ausgänge, zusätzlich zum Mix-Ausgang. Dadurch lässt sich mithilfe des oben beschriebenen gegenläufigen Modulierens auch Stereo-Panning realisieren. In Kombination mit den Filtern entstehen so sehr spannende Klangverläufe. Alternativ kann man einen Ausgang in ein Hall-, Echo- oder anderes Effektgerät schicken.

Ein- und Ausgänge

Neben den drei Ausgängen und dem Eingang für externe Signale, der sich auch als Modulationsquelle anstelle des LFO anwählen lässt (man könnte hier z. B. den MS-10 LFO einspeisen), gibt es Ein- und Ausgänge für Gate und CV. Yamaha hatte hier allerdings eine eigene Norm, die nicht mit Roland, Moog oder Korg kompatibel ist, am ehesten noch mit Korg. Da die CS-Synthesizer, ähnlich wie die Korg MS-Serie, negative Gate-Spannungen benötigen, ist der External-Signal-Eingang in Kombination mit dem daraus generierten Trigger-Signal vermutlich die beste Wahl, wenn man den CS30 durch andere Geräte triggern möchte – ein Rimshot-Sample genügt.

Die Ausgabe von Gate und CV vom Sequencer ist nett, aber wofür eigentlich? Immerhin lässt sich der CV-Ausgang des Sequencers über den Ext-In wieder in das Gerät einspeisen. Außerdem kann man einen der Ausgänge über den Ext-In erneut in VCF 1 führen. Dreht man den External-Input entsprechend auf, entsteht eine Oszillation, die sich klanglich von typischer Filteroszillation unterscheidet, da der nachfolgende VCA und der Eingangsverstärker Teil des Schwingungssystems sind.

Ein letzter Aspekt

Einen Aspekt wollte ich noch erwähnen: Man kann einen der beiden Synthese-Stränge z. B. zur Erzeugung eines kurzen, prägnanten Attack-Sounds verwenden, auf den ein vom anderen Synthese-Strang gebildeter Sustainsound folgt. Dadurch ergeben sich Möglichkeiten, deutlich komplexere Klänge zu erzeugen, als es mit herkömmlichen Analogsynthesizern möglich ist.

Patches zum Nachbauen

Hier einige Sheets in unserer Galerie als Ausgangsbasis für CS30-Klänge (zum Vergrößern bitte anklicken). Wer übrigens selbst CS30-Patches erstellt hat, möge sie uns bitte schicken. Dann veröffentlichen wir sie hier gerne

Und hier noch Videos mit Klangbeispielen

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Fazit

Ein großartiger Synthesizer mit außergewöhnlichem Sound, der ganz sicher seinen derzeitigen Gebrauchtmarktpreis auch Wert ist.

Plus

  • außergewöhnlicher Klang
  • extrem umfangreiche Bestückung
  • eingebauter Sequencer
  • zwei Signalpfade
  • Im Prinzip 2x Yamaha CS15

Preis

  • Aktuell zwischen 2.200,- und 2.500,- Euro am Gebrauchtmarkt
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Über die Autoren
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Tyrell RED

Peter Grandl hat AMAZONA.de im Jahr 1999 gegründet und war bis August 2025 Chefredakteur des Magazins. Seitdem widmet er sich ganz der Schriftstellerei. Sein Debütroman TURMSCHATTEN erschien 2020 und wurde 2024 von Paramount verfilmt. Mitte 2025 veröffentlichte der dtv Verlag mit RESET – DIE WAHRHEIT STIRBT ZUERST seinen vierten Roman. Außerdem ist er leidenschaftlicher Fan von Vintage-Synthesizern und elektronischer Musik.

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elektrostatik

Forum
  1. Profilbild
    PanAtlantik

    Fantastischer Artikel zu einem fantastischen Synth – danke! Was mich an diesen alten Schätzen immer wieder staunen lässt, ist, wie viele bunte Ideen in die Geräteentwicklung eingeflossen sind und wie viele Gedanken man sich machte, um den Spieler:innen größtmögliche Klangmanipulationen zu ermöglichen. Auch ich stehe oft mit fragendem Blick an meinem CS30 („auf welchem Weg ist das Signal grad???“), aber jede Stunde mit diesem Gerät ist schlicht Klanggold wert. Sehr gerne würde ich mehr über die Denk- und Entwicklungsansätze (besonders von Yamaha Entwicklern) aus den 1970er und 1980er Jahren lesen. Sollte dazu Jemand hier im Forum Lektüre-Empfehlungen haben, wäre ich sehr dankbar! Und vielleicht hat Herr Matten eine Idee, wieso grad die Yamaha-Synths in Europa (?) so unterrepräsentiert waren? Am Preis wird es kaum gelegen haben, denn es gab damals viele Synthesizer mit deutlich weniger Features und weniger Klang zu ähnlichen Preisen.

  2. Profilbild
    Filterpad AHU

    Ein wirklich schöner Synthesizer wie er im Bilderbuch steht. Mir sagte dieser erst mal nichts. Vermutlich weil er im Schatten eines CS-80 und auch CS-60 steht. Er ist zumindest der würdige „kleine“ Bruder/Schwester derer. Aber an diesem sieht man, warum so mancher Vintage-Bolide gewürdigt wird (und Firmen wie Behringer diesen Schachzug erkannt haben).

  3. Profilbild
    Tai AHU

    Ein Freund hat alle vier dieser Reihe, 5, 10, 15 und 30. Habe sie Dieser hier ist wirklich groß. Alle sind sensationell solide gebaut. Hast du einen Prodigy, Rogue, Micromoog unter den Fingern: ein Witz dagegen. Das sind auch die einzigen Uraltsynths, die mich noch reizen. Zumal der 5er mein erster Synth war.

        • Profilbild
          Filterpad AHU

          @network southwest Sehr interessant! Ich dachte inzwischen weiß ich bescheid über Synthesizer, aber man bekommt immer wieder doch die eine oder andere Überraschung zu hören. Ein CS-60 wäre seit längerer Zeit sogar auf Ebay. Aber von dem Preis könnte ich mir meine Karre zwei mal kaufen. Aber man muß dank Softwaresynthesizer und dem Schweizer namens Uli nicht mehr auf den Klang verzichten, auch wenn Originale immer ihren Reiz behalten werden.

    • Profilbild
      Herr Rorschach 1

      @Tai Ich habe einen guterhaltenen CS- 10, der mir aber nicht so wirklich liegt. Wenn Du Interesse hast, kannst Du mich ja anschreiben.

      • Profilbild
        Tai AHU

        @Herr Rorschach Danke dir für das Angebot, aber mein Freund hat gleich mehrere CS-10. Und ich habe momenran einen seiner CS-5 hier

    • Profilbild
      Zwo5eins

      @Tai Der CS-15 war der erste Synth an den ich Hand anlegen durfte. Das Ding durch ein Roland RE-301 Chorus Echo gejagt und die Freude war perfekt.

  4. Profilbild
    Nvelope AHU

    Sehr gute Präsentation dieses Synthesizers, den ich auch gerne mal ‚in meinen Fingern‘ (und noch deutlich lieber: in meinem Regal stehen) hätte . . .

    Ich hatte mal einen CS-15 – und in der Tat war er überaus solide gebaut, es war eine wahre Freude (speziell im Vergleich mit dem ja nicht sehr stabil gebauten PRO-1 – den hatte ich etwa zeitgleich).

    Schade, dass YAMAHA nicht – wie die anderen großen Hersteller (KORG / MOOG / ROLAND) aus jener Zeit – diverse dieser Geräte wieder herstellt … oder neue (mit modernen Features wie MIDI, Patchfeldern etc.) entwickelt, produziert und den vielen Fans der alten CS-Serie zur Verfügung stellt.
    Die Firma scheint da sehr schmerzlos zu sein – und zeigt offenbar keinerlei Bereitschaft, neben neuen (und YAMAHA-üblich guten Keyboards) auch die älteren Geräte oder wenigstens diese Technologie in ihr Portfolio aufzunehmen; schade . . . !

    • Profilbild
      Numitron AHU

      @Nvelope ja!
      wundere mich seit langem.
      dachte als Korg mit den analogen angefangen hat, wird Yamaha auch irgendwann welche bauen.
      leider nicht.
      die reface sollen gut sein aber ohne Speicher und digital.

      • Profilbild
        Filterpad AHU

        @Numitron Diese ReFace haben nicht mal Speicher? Gut zu wissen, den davon bin ich vollends ausgegangen. Nun, stellt sich die Frage ob diese Winzlinge das wirklich brauchen. Ich war lange Zeit sehr interessiert an denen. Aber das was die können, hat man safe heutzutage in jedem plumpen Rechner und da diese eh digital sind, ist der klangliche Unterschied vermutlich nicht mehr so groß. Aber was wieder interessant war, dass es mal einen CS-10 gab. Ein sehr schönes Gerät und ich hätte bei dem Angebot fast „ja“ gesagt. Aber 1977 war der vermutlich noch nicht mit MIDI ausgestattet und nicht alles was alt ist, ist automatisch (gut) brauchbar. Aber schön ist diese Yamaha CS-Serie allemal und ja: Was auch von dir stimmt ist, dass Yamaha nicht bei dem aktuellen Analoghype mitzieht. Warum auch immer! Korg ist mit der einzige der hier vollends mitmacht und kein Wunder also, dass der Schweizer Uli diesbezüglich ordentlich Gas gibt. – Wenn das größere Synthi-Zeug endlich mal zum Verkauf stehen würde! Manmanman! Da krichste ja die Tür net zu!

        • Profilbild
          Tai AHU

          @Filterpad Reface DX hat Speicher. Piano und Orgel brauchen das vielleicht nicht. Beim CS vielleicht. Aber das sind so wenig Regler, das haste in ein paar Sekunden registriert. Was wirklich gut ist: die Tastatur. Vermutlich die beste verkleinerte Tastatur. Ich hätte schon den Reface DX, wenn er Aftertouch hätte

    • Profilbild
      plumperquatsch AHU

      @Nvelope naja, wieviel synths mit gefiltertem Pulse/Sägezahn/Rauschen brauch man denn so? ;)
      aufregende neue Klänge gibts da nicht zu holen.
      deswegen war analog dann auch schnell vorbei.

      • Profilbild
        Nvelope AHU

        @plumperquatsch Nun – jeder Käufer muss für sich selbst entscheiden, ‚wieviel synths‘ er ‚braucht‘ . . .

        Ich habe ja nicht über die Interessen von Käufern geschrieben – sondern über das offensichtlich geringe Interesse der Firma YAMAHA, die älteren Schätzchen, deren Technologie und auch deren Ruf in die neue Zeit zu retten, was man an der Re-Vitalisierung der ‚Reface‘-Serie sehen kann und was eben die ganze CS-Serie nicht miteinschließt.

        Auch wenn diese alten monophonen YAMAHAs nicht (ganz) an den legendären Ruf der MOOGs, KORGs und ROLANDers ‚rankamen, so sind sie doch ein nicht unerheblicher Teil der Gerätschaften, über den sehr viele frühe Synthie-Nutzer an diese Technologie herangeführt wurden – und YAMAHA hätte diesen Teil des Kuchens eben auch in ihrem Geräte-Portfolio der letzten 10…12 Jahre abbilden können.
        Was immer dann die Interessenten an alten Geräten kaufen . . .

        Interessant auch, dass BEHRINGER eben auch keinen einzigen der früheren monophonen YAMAHA-Synthies in ihren Clone-Katalog aufgenommen haben.

  5. Profilbild
    plumperquatsch AHU

    Klingt gut, aber das ist kein großes Kunstück.
    Alles was mehr als nur einen Lowpassfilter hat klingt gleich interessant. 🤷🏻‍♂️

  6. Profilbild
    Jens Hecht RED

    Noch nie selbst gespielt aber trotzdem irgendwie einer meiner Favoriten :) Danke für den Beitrag!

  7. Profilbild
    Dirk Matten RED

    Ich hatte ihn bei mir im Laden, wurde aber nie nachgefragt. Mir hatte er – und den Kunden offensichtlich auch – überhaupt nicht gefallen. Ich habe ihn dann Andreas Grosser, Berlin geschenkt. Ich war ihm einen Gefallen schuldig.

    • Profilbild
      Tai AHU

      @Dirk Matten Das wundert mich jetzt ehrlich gesagt nicht besonders. Der Coolness-Faktor aller Yamaha Synths war damals im suboptimalen Bereich. Galt übrigens auch für die heute hochgeschätzte Serie CS50 bis CS80. Und da Musiker in der Regel keine Techniker sind, kaufen sie das, was andere auch gekauft haben.

      Ich war damals auf der Messe als die CS-50-80 vorgestellt wurden. Fast niemand redete davon. Alle waren auf Polymoog, der 75 schon vorgestellt wurde oder vielleicht beim Oberheim four-voice. In den Läden standen zwar schon japanische Synths, aber ihre in den 80ern dominante Stellung mussten sie sich erst erarbeiten. Dass ein CS-80 vor allem spieltechnisch den Konkurrenten weit voraus war, realisierten diese gar nicht erst, weil das Ding designtechnisch eher eine Katastrophe war. Gilt mMn. nicht für die monophonen CS.

  8. Profilbild
    PaulusS

    Was für ein Zufall!

    Ich hatte fast zeitgleich als dieser Artikel veröffentlicht wurde, auf Reverb nach einem CS30 gesucht.
    Ein CS30L mit Füßen in tollem Zustand hatte ich dort erspäht. Gut, momentan ist mir das zu teuer, aber vielleicht mal in naher Zukunft.

    Gibt es überhaupt aktuelle analoge Synthies, die den Touch der Yamaha-Synthesizer zumindest klanglich transportieren, oder sieht das eher mau aus?

  9. Profilbild
    monument.mc

    Ich liebe meinen CS-30. Hab ihn mit 2 Filter CV in und Clock in erweitern lassen. Hat schon jemand mal das CeeS Midi interface and upgrade for Yamaha CS5, CS10, CS15 and CS30 von Tubbutec ausprobiert? Das reizt mich schon.

    • Profilbild
      Cavestudioschweiz

      @monument.mc Ja, Tubbutec CeeS habe ich in meinem CS-10 drin. Funktioniert prima und ist sehr einfach und gut dokumentiert zu installieren. Die Mono-CS Synths sind ja auch sehr service-freundlich – ausser wenn einer der Spezial-IC stirbt wird es mühsam.
      CeeS ist aber für den CS-30 oder auch den CS-15 wegen den Zusatzfunktionen fast interessanter. Mein CS-15 hatte aber schon früher mal Lalaland Midi erhalten (Lalaland gibt es ja leider nicht mehr, aber CeeS ist da eigentlich gleichwertig und für die zusätzlichen Parameter/Funktionen gibt es da auch noch eine Controllerbox).

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