width=

Test: Pioneer PLX-1000, DJ-Plattenspieler

Praxistest

Genug geschrieben zu Aussehen und Funktionen, der Pioneer PLX-1000 soll einmal zeigen, was er kann. Da er in den Funktionen sehr klassisch gehalten wurde, kann er nicht besonders viel, das Wenige aber hoffentlich sehr gut.

Kaum verwunderlich, fühlt man sich direkt im Handling heimisch, so stünde hier die überarbeite Version des eigenen Plattenspielers vor einem. Die Start-Stopp-Taste macht Spaß, das wurde schon gesagt, alle andere funktioniert ebenso einwandfrei.
Das Anti-Skating, als eines der ersten Einstellungen nach Auflagegewicht und Höhe der Base, funktioniert überzeugend gut. Im Gegensatz zum Technics 1210 bietet der PLX-1000 eine Einstellung bis zu einer doppelt so hohen Kraft. So lässt sich die Nadel auf einer leeren Schallplattenseite komplett über das Anti-Skating manövrieren – es funktioniert also einwandfrei. (Dieser Test ist zugegebenermaßen sehr einfach, jedoch sehr effektiv und für eine mechanisch starre Funktion wie das Anti-Skating an einem DJ-Turntable absolut ausreichend.)

Pioneer PLX-1000

Height Adjust und Anti-Skating-Einstellung

So, Motor an und los. Motor ist ein gutes Stichwort: Ein 3-Phasen Gleichstrommotor mit elektronischer Bremse sorgt für einen flotten Antrieb. Ein Drehmoment von 4,5 kg/cm ist absolut zeitgemäß und stellt einen Technics 1210 in den Schatten. So beträgt die Startzeit von 0 auf 33 1/3 rpm schlappe 0,3 Sekunden und das meistert der Motor ohne Probleme. Wenn man per Hand diese Zeiten versucht zu stoppen, kommt man eigentlich schon nicht mehr hinterher. Nach einigen Versuchen aber wird, natürlich mit einer gewissen Großzügigkeit klar, die Start-Zeit beträgt unter 0,4 Sekunden, die Stopp-Zeit rundherum um 0,4 Sekunden.
Das starke Drehmoment des Motors macht sich natürlich nicht nur hier bemerkbar, auch im laufenden Betrieb spürt man die Kraft des Motors. Beständig und unbeeindruckt von Störungen wird der Plattenteller angetrieben, geräuschlos und gleichmäßig. Die Strobe-LEDs in Verbindung mit dem Pitchfader zeigen an, hier läuft alles richtig. Bei -3,3%, bei 0%, bei +3,3% und bei 7,2%, an allen Punkten stimmt der Pitchwert mit der Drehgeschwindigkeit überein. Klar, dass das auf Dauer bei Abnutzung des Faders nicht so bleiben wird, aber wer schaut schon auf die Pitchskala beim Spielen. Allerdings gilt die visuelle Anzeige über die Drehgeschwindigkeit nur bei der Pitchrange von ±8% bei 33 1/3 wie auch bei 45 rpm.

Das Handling des Pioneer PLX-1000 überzeugt ohne Zweifel. Der Turntable sieht nicht nur fast genau so aus wie ein Technics 1210 MK2, er macht auch haptisch fast den gleichen Eindruck.
Die stoische Ruhe eines Technics 1210 MK2 erreicht er nicht, aber er kommt wirklich sehr nahe dran. Dies nicht nur aufgrund des schwereren Gehäuses, sondern auch aufgrund der höhenverstellbaren und federnd (eher gummiert) gelagerten Füße. Diese lassen sich ein ganzes Stück weiter hinaus schrauben als beim 1210er, ganze 1,2 cm lässt die Höhenverstellung hier zu. Das vergrößert nicht unbedingt die Federung, ermöglicht jedoch eine gute Ausbalancierung des Gerätes. Minimal eingeschränkt wird diese Höhe natürlich davon, dass man die Füße selbstverständlich nicht auf Punkt Null lässt, sondern hier wenig Abstand schafft, um den möglichen Federweg zu erhöhen. Selbst auf Punkt Null allerdings besteht hier Platz und einige Millimeter Weg, bevor man mechanisch ans Ende der Federungs-Fahnenstange kommt.

Pioneer PLX-1000

Auf diesen Füßen steht der PLX-1000

Resultat dieser Kombination: Der Pioneer PLX-1000 ist überraschend resistent gegen Störungen von außen. Rückt man ihm ein wenig auf die Pelle und stört den Plattenspieler durch leichtes Klopfen, Schlagen oder Ruckeln, passiert erstaunlich wenig. Tippt man mit dem Finger leicht bis mittelkräftig auf die Oberfläche, wird dies nicht einmal hörbar über den Tonarm übertragen. Erst bei kräftigerem Klopfen an der Seite des Tonarms oder um diesen herum, wird die Vibration so stark, dass es über die Nadel übertragen wird oder diese beginnt zu springen. Hier hat man aber schon lange einen Punkt erreicht, den man nicht mehr als realistischen Einfluss bezeichnen kann, sondern wirklich schon als eindeutige Störung, die kein Plattenspieler ohne Folge lassen würde.
Leichtes Schlagen auf die Außenseite des Plattenspielers mit der flachen Hand, etwa so als würde man das Schlagzeug auf den Oberschenkeln mitspielen, lässt den PLX-1000 kalt. Selbst wenn der gesamte Player beginnt, sich auf den gefederten Füßen hin und her zu bewegen, bleibt die Nadel in der Rille, die Füße absorbieren und federn die Seitenbewegung gut weg.

Die Gretchenfrage jedes Plattenspielers beginnt nun an dieser Stelle. Viele verschiedene Hersteller, allen voran die OEM-Serie von Hanpin für Stanton, Reloop, Audio-Technica und andere, haben wirklich gute Plattenspieler präsentiert, bestückt mit unterschiedlichen Funktionen vom internen Phono-Preamps bis hin zu MIDI-Funktionalität, gescheitert sind jedoch alle Geräte bisher an der Frage, ob man diese guten Gewissens in den Club stellen könnte.
Mit dem PLX-1000 würde ich dieses Experiment wagen und entsprechend meines persönlichen Eindrucks könnte das gut funktionieren.
Der PLX-1000 ist massiv gebaut, gut entkoppelt und qualitativ hochwertig verarbeitet.

Das Gehäuse ist schwer und stellt dem Plattenteller und dem Tonarm eine sichere Basis, so dass sich der PLX-1000 nicht leicht aus der Ruhe bringen lässt.
Die Bauteile machen an jeder Stelle einen anständigen Eindruck, kein Bauteil wirkt wie ein Kostensparer. Positiv zu nennen wären sicherlich die (schon häufiger genannte) Start-Stopp-Taste und der wirklich geschmeidig laufende Pitchfader.

Forum
  1. Profilbild
    Betancourt  

    Ich bin positiv überrascht, daß im Jahr 2014 ein so renommierter Hersteller ernsthaft versucht, einen neuen Club-Plattenspieler zu etablieren. Mein Eindruck ist nämlich der, daß Turntables in den House- und Technoclubs leider auf dem Rückzug sind. In Berlin zumindest sieht man auch in etablierten Clubs immer häufiger DJ-Setups, die nur noch aus 2 CDJ-2000 bestehen, während noch vor 5 Jahren Plattenspieler überall eine Selbstverständlichkeit waren. Dasselbe höre ich auch von DJ-Freunden, die u.a. deswegen von Timecode-Vinyl auf CD bzw. USB-Stick umgestiegen sind. Wenn Pioneer nun ihren PLX-1000 vorstellen spricht das allerdings doch dafür, daß es wohl durchaus noch einen größeren Markt für Club-Turntables gibt – ein schönes Signal!
    Es wird auch höchste Zeit, da die Technics, die heute noch in den Clubs stehen, oft schlecht gewartet sind und sauberes Auflegen nicht gerade erleichtern bzw. in manchen Fällen auch für erfahrene DJs fast unmöglich machen.
    Den Preis für den Pioneer finde ich fast schon in Ordnung, vorausgesetzt er wird den Erwartungen gerecht – dieser entspricht doch in etwa dem, was zuletzt für den M5G bezahlt werden mußte bei vergleichbarer Funktionalität.

  2. Profilbild
    doc analog  

    Ich bin gespannt auf ersten „Langzeitergebnisse“. Wie wird sich dieser TT im harten DJ Alltag schlagen? So richtig interessant wäre es, den Motorblock bzw. die Servosteuerung zu sehen. Ich gehe davon aus, dass bei einem DC Motor mit 4,5 Kg Drehmoment ( was jetzt nicht weltbewegend ist – gab es schon beim ersten Numark TTX1) ein standard Servo IC TA7259 verbaut wurde.? Wenn Leistungsbauteile dann eine unterdimensionierte Kühlung haben, gibt es auf Dauer Probleme.
    Auch hätte ich bei dem Preis einen austauschbaren Tonarm erwartet, um sich wenigstens ein bissle vom 1210er abzusetzen. So soll es wohl wirklich ein reiner Club Turntable sein.?

  3. Profilbild
    maddin808   1

    Hallo Bolle,

    hast du auch die Gleichlaufschwankungen mit nem Technics vergleichen? Wäre für mich mit das Wesentliche.

    Oder hat vielleicht jemand anderes das ausprobiert?

    Danke für den Artikel :)

    Maddin

  4. Profilbild
    silicium

    „Die Unterseite des Plattentellers ist gummiert, wobei mir zugegebenermaßen der Sinn von dieser Schicht nicht erschließt, denn sie berührt keinerlei andere Bauteile des Players.“

    Das ist um die Vibrationen am Teller selber zu daempfen. der Teller hat immerhin eine Beruehrung mit dem Konus am Motor.

    der 1210er hat die uebrigens auch.

  5. Profilbild
    Neo1983

    Also ich muss sagen das Pioneer scheinbar einiges verbessert hat seit dem dieser Artikel geschrieben wurde.

    1. Ich kann nicht ein bisschen wackeln des Tonarms feststellen wenn ich leicht an ihm rüttel

    2. Bei mir liegen keine billigen Plastik Chinchkabel dabei sondern Hochwertige vergoldete Chinchkabel aus Aluminium. Also sehr edel finde ich!

  6. Profilbild
    Neo1983

    Mir ist bei meinen PLX-1000 aufegfalle das der Tonarm mittlerweile auch Spiel hat bzw leicht wackelt wenn man an ihm rüttlet. ich kann das nur auf die Lager zurück fürhren. Ist dies bei irgendjemanden bzw bei anderen auch der fall?

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Passenderweise wurde mir das letzte Woche auch einmal berichtet.

      Den Lock-Hebel hast du anständig angezogen oder?

      • Profilbild
        Neo1983

        Ich glaube nicht, aber das wackeln kommt ja von der Achse, wo die Madenschrauben rechts u Links sind, soweit ich das feststellen konnte? Du meinst den Löck Hebel für die Höhenverstellung? Hat das denn was mit dem Lockhebel zu tun?

        • Profilbild
          Bolle  RED

          Verstehe, ich dachte, die gesamte Base wackelt. Dann zieh die Madenschrauben vorsichtig nach.

  7. Profilbild
    Neo1983

    Hey Bolle.

    Hatte den einen Plattenspieler eingeschickt gehabt, weil mir der Servicetechniker sagte das da nix wackeln oder so darf. Es wurde repariert und ich habe ihn heute wiederbekommen. Es ist jetzt alles Einwandfrei, nix wackelt mehr, wenn man am Tonarm rüttelt, selbst nicht wenn man leicht oder soll rüttelt.Da ich in den letzten Tagen in einem Musikgeschäft war und mir einen der dort stehenden Pioneer Plattenspieler angeschut habe, hatte ich festgestellt das es dort ebenfalls so ist(das sehr leichte wackeln) Dachte dann erst es währe normal, weil dies ja auch bei meinem zweiten Turntable der Fall ist.(so wie es beim ersten auch war) Habe daruf hin beim Tchniker angerufen(Pioneer Servicecenter Brückmann, ich kann die wirklich nur Empfehlen, schnelle Bearbeitung, super Support) Hatte daraufhin mit dem Techniker gesprochen und er meinte das er dieses Problem schon öfter hatte. Seiner Meinung kommt deises Problem wahrscheinlich bei der Erstserien Modellen meistens vor. Auf jeden Fall habe ich meinen zweiten Plattenspieler heute auch eingeschikt, da ja noch Garantie darauf ist.
    Ich dachte mir ich schreibe dir meine Erfahrung mal, vielleicht gibt es hier ja auch andere die das selbe Problem haben und ihnen somit geholfen werden kann. schließlich ist der Pioneer, wie ich finde, ein spitzen Plattenspieler und ich bin mehr als zufrieden damit. lg Cloud

  8. Profilbild
    Neo1983

    Das die Tonarmlager beim plx 1000 wohl sehr schnell Spiel bekommen bzw haben, scheint wohl eine der Schwächen des Plattenspielers zu sei, denn soweit ich weiß dürfen die Tonarmlager kein Dpiel haben bzw müssen komplett Spielfrei sein. Oder liege ich da falsch?

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Na..idealerweise sind die Dinger leichtläufig gelagert, aber darüber hinaus bewegt sich da nichts :)

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.