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Praxisreport: Waldorf Wave Synthesizer

9. Januar 2001

Der Waldorf Wave in der Praxis

Diesen wunderbaren Praxisreport hat Axel Fischer (Ficotron) für uns verfasst. Einen ausführlicheren Blue Box-Report von Till Kopper finden Sie auf AMAZONA.de aber auch HIER.

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Axel Fischer (Fichotron) mit seinem Waldorf Wave

In love with The Wave

Man könnte gemein sein und sagen:
Der Waldorf Wave ist nichts Besonderes, weil rein technisch betrachtet ist er nicht viel mehr als zwei Microwaves mit einem zusätzlichen „Waveterm“ zum Erzeugen und Editieren von Wavetables.
Das klingt ernüchternd, wer aber einmal die Gelegenheit hatte, einen Wave zu spielen, merkt dass dieser Synthesizer eben doch etwas ganz Besonderes ist.

Das Design

Peter Gorges hat seinerzeit in seiner KEYBOARDS Wave-Artikelserie geschrieben: „Keyboarder jedweden Alters fallen auf die Knie und verhüllen ihr Antlitz“.
Selbst mir geht es immer noch so. Vor kurzem musste der Wave umzugsbedingt einige Wochen in seinem Case ausharren. Der Moment, als ich das Case öffnete und mir der Wave in seiner Pracht entgegenschimmerte, hat wirklich etwas Magisches.

Erstes Rendering zum Wave

Das Bedienkonzept

Der Wave ist ein Monster. Er ist schwer, er ist sperrig. Aber die Bedienung ist ein Kinderspiel.
Der Minimoog stand Pate, was den Abstand der Knöpfe angeht. Die Anordnung der Knöpfe ist klar gegliedert und entspricht in etwa dem Signalfluss. Also ganz links sie Klangerzeugung mit Oszillatoren / Wavetables danach der Mixer und dann rechts Filter / Amps / Hüllkurven. Wer den Minimoog kennt, hat den Wave schon fast im Griff!
Etwas komplexer ist die Erzeugung eigener Wavetables, das umfangreiche und gut gegliederte Handbuch erklärt das aber sehr gut.

Das grafikfähige Display in der Mitte des Waves zeigt alle betreffenden Parameter an, wenn ein Regler bewegt wird. So werden z.B. Hüllkurven dargestellt und die Änderung der Werte verändern die Form.
Auch die Wellenformen können im Display angezeigt werden.

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Version in Shadow-Farbe mit 76 Tasten (Spitzname: Darth Vader)

Resynthese

Man nehme eine Audiodatei und füttere den Wave damit. Der Wave analysiert das Sample und baut aus seinen Wellenformen ein Wavetable zusammen. Das kann dann sehr ähnlich klingen wie das Original, z.B. wenn man einen Moog-Bass Sound nimmt, es kann aber auch ein vom Original völlig abweichendes Ergebnis entstehen. Oftmals nicht uninteressant!

Leider ist der Wave sehr wählerisch was das Format der Audio-Dateien angeht. Er versteht nur das Mac-eigene Format SD1 (SoundDesigner 1). Als PC-User hatte ich anfangs nur die Möglichkeit die Daten per Midi-Dump an den Wave zu schicken, das dauert aber eine Ewigkeit! Irgendwann habe ich rausbekommen, das Soundforge das SD1-Format beherrscht.
Waldorf (Hallo Wolfram..!) hat versprochen, dass der Wave noch das *.wav-Format beigebracht bekomnmt, ich befürchte aber, dass daraus nichts mehr wird. Dank Soundforge kann ich aber mit der Situation leben…

Waldorf Wave Prototyp

Der Klang

Als ich den Wave das erste Mal auf der Musikmesse sah (unter Plexiglas), dachte ich: Wenn das Teil nur annähernd so klingt wie er aussieht, dann ist das der absolute Hammer-Synth!
Ich habe ihn nun gehört, ich be sitze ihn – glaubt mir: er klingt so wie er aussieht.
Edel, Teuer, Samtweich, Brachial, Bombastisch, von mir aus auch: Oberphatt!!
Und sonst?
Einiges am Wave ist immernoch ein wenig „Beta“, so gibt es Funktionen, die nie eingebaut wurden. Die Steuerknöpfe für den ursprünglich geplanten Onboard-Sequenzer sind ohne Funktion. Man kann sie aber wunderbar zu Steuerung von Cubase und Co. verwenden.
Ab und zu stürzt der Wave ab, das ist kein Drama, aber auf der Bühne könnte das doch sehr lästig sein.
Der Wave bootet sein Betriebssystem immer von Diskette und das dauert einige Sekunden. Wenn die Diskette kaputt ist und man keinen Ersatz dabei hat, dann hat man ein Problem.
Aber im Ernst: Wer nimmt seinen Wave schon mit auf die Bühne??

Der klassische Wave in der Serienausstattung

Zukunft?

Der Waldorf Wave wird leider kaum noch vom Hersteller unterstützt. Natürlich macht Waldorf Reparaturen und Service, aber dass es neue Versionen des Betriebssystems geben wird, halte ich mittlerweile für recht unwahrscheinlich.
Es war mir auch nicht möglich von Waldorf eine 16-Stimmen-Erweiterung zu erhalten. Der Grund dafür ist allerdings plausibel. Die dafür benötigten Curtis-Chips werden schon lange nicht mehr hergestellt und der Markt ist fast leer.
Zum Schluss:
Ich bin sehr froh einen von weltweit ca. 300 Waves zu besitzen. Ich werde meinen (Ser.Nr. 46) nie wieder hergeben.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Mich haut der Sound immer noch total um! Dieser fantastische Mix aus kalten, dramatischen, fließenden Soundstrukturen, kombiniert mit der Urgewalt und Wärme der analoger Klangerzeugung, dass habe ich so drastisch, und eindrücklich noch nie sonstwo gehört!! Für mich ist das die Referenz in Sachen elektronischer Soundästhetik.
    Gibt es denn in Form von HARDWARE irgendetwas vergleichbares? Der Virus TI hat beispielsweise zwar auch Wavetables, aber was ich von dem bisher gehört habe, ist verglichen zu dem "Orkan", den der WAVE erzeugt, leider nur ein nettes Lüftchen.
    Wer kennt Alternativen zum Wave?

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Der Stromberg soll ja ein Quasi Nachfolger werden. Sodaß er dann mal kommt.

  2. Profilbild
    abbuda  

    Manfred Mann hatte mal einen im Bühnensetup dabei. Allerdings alles schön mit schwarzem Tape abgeklebt. Das macht der Herr Mann ja seit jeher mit all seinen Synths so wenn er keine Münze kriegt ;-)

  3. Profilbild
    richard  AHU

    Der Wave war und ist mein absoluter Traumsynthesizer, ein tolles Gerät das alleine durch seine Größe und das Bedienfeld schon wahnsinnig Eindruck macht. Auf meiner ersten Musikmesse hatte ich Gelegenheit das Monster zu testen und der Sound ist wirklich erste Sahne (obwohl ich als Newbie damals sicher auch leicht zu beeindrucken war ;-) )

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