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Praxistest: Yamaha Genos, Digital Music Workstation

5. Dezember 2018

6 Monate Genos in der Praxis

Vorwort der Redaktion

Der Genos hat bereits in einem ersten Test vor 6 Monaten unseren Autor Thilo Goldschmitz begeistert. Da Thilo allerdings mehr aus der Elektro-Szene kommt und anerkannter Analog- und Modular-Spezialist ist, wollen wir mit diesem erneuten und noch ausführlicheren Test jemanden zu Wort kommen lassen, der den Genos seit Erscheinen auch tatsächlich in der Praxis nutzt.

An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Lanze, der diesen Artikel ursprünglich als Leserartikel geplant hatte. Wir wünschen allen Genos-Interessierten nun eine spannende Lektüre.

Der Genos ist da

Eijeijei, was war das für eine Aufregung unter der Musikergemeinde, als der Genos angekündigt wurde. Da ging ja ein wahrer Hype durch die Massen und vor allem durch das Internet, egal ob in Foren oder den sozialen Medien, wie unter anderem bei FB. Zugegeben, Yamaha hatte es aber auch spannend gemacht und immer nur mal wieder ein Video gezeigt, bei dem sich mancher gefragt hatte: Hmmm??? Macht hier der Genos die Musik oder wie?

Und was wurde da mal wieder rumspekuliert und von manchem bereits im Vorfeld auch gleich mal alles Mögliche mies gemacht, noch bevor irgendwer den Genos angetestet oder überhaupt mal live gehört hatte.

Ganz ehrlich, als der Genos bei mir ankam, war das wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag an einem Tag. Ich erhebe mit meinem Testbericht jetzt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Was euch sicher beim Lesen auffallen wird, der Lanze hat viele Bilder in den Testbericht integriert, weil ich mir sage:

Zum einen Bilder sagen eh mehr als manchmal Worte und zum anderen soll der eifrige Leser meines Testbericht auch optisch erfreut werden und sehen, Yamaha hat hier wirklich viel getan, um die Bedienung des Genos übersichtlich und durchdacht zu machen, damit vielleicht auch der letzte DAU damit klarkommt und nach Möglichkeit erst einmal sofort loslegen kann.

Allgemeines

Zunächst erst mal wieder: Die vielen technischen Daten erspare ich mir hier aufzulisten. Die kann jeder bei Bedarf bei Yamaha nachlesen und zwar hier unter diesem Link.

Nur einige technische Daten auf die Schnelle. Der Genos ist 256-stimmig (stereo), wobei jedoch zu beachten ist, dass 128 Stimmen davon auf die internen Sounds fallen und die anderen 128 auf extern nachzuladende Expansion-Packs.

Insgesamt bringt der Genos 1700 Sounds !!! mit, wobei hier auch etliches an neuen Sounds gegenüber dem Tyros 5 mit dabei ist.

Des Weiteren sind 550 Styles an Bord und was mir besonders gut gefällt, der Genos hat richtig viel DSP-Power. Insgesamt stehen nun dem verwöhnten Musiker bis zu 28 DSP Effekte !!! (Insertion) gleichzeitig zur Verfügung,  wobei 8 DPSs für Style, 1 DSP für Song oder Mic und 19 DSPs für Song und Voices sind. Das ist gut so, denn viele Sounds „leben“ erst richtig, wenn sie den entsprechenden DSP mitbringen. Und da hat Yamaha aber mal so richtig zugelangt – finde ich super.

2 System Effekte (Reverb und Chorus) sind ebenfalls vorhanden sowie Part EQ uvam.

An Speicher gibt’s 58 GB und zusätzlich 1,8 GB für Expansion-Packs oder auch eigene Samples.

Gehäuse, Anschlüsse und Bedienelemente

Da liegt er nun vor mir auf dem Keystand und präsentiert sich in einem aus meiner Sicht sehr coolem Design in schwarz/weiß. Und da bin ich schon mal sehr erfreut, dass Yamaha hier von dem Silbergrau des Tyros nun endlich mal abweicht und den Genos in Schwarz bringt. Denn mal ehrlich, ein Porsche sieht doch auch schwarz viel geiler aus – oder? Und der Genos wirkt eben auch edel, vor allem durch den weißen Unterboden und die geschwungenen  Kanten.

Den Genos gibt’s momentan nur mit 76 Tasten, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass Yamaha hier irgendwann noch eine 61er-Version bringt. Und man hat hier auch an den geplagten Rücken der etwas älteren Musiker gedacht, denn der Genos wiegt gerade mal 13 kg.

Vergleicht man den Genos mit der 61er-Version des Tyros, fällt auf, dass der Genos gerade mal 10 cm breiter ausfällt.

Die Oberfläche wirkt sehr übersichtlich und sämtliche Taster sind wohlgeordnet und aus meiner Sicht sehr sinnvoll angeordnet. Alles wirkt sehr aufgeräumt und die Taster sind dieses Mal aus härterem Kunststoff und machen den Eindruck, dass sie ein langes Haltbarkeitsdatum haben. Hier nutzt sich auch keine Farbe ab und die Größe der verschiedenen Taster dürfte absolut ausreichend sein, um diese zielsicher zu treffen.

Wichtig für alle Umsteiger vom Tyros 5 zu wissen: Ja, eure bisherigen Daten sind kompatibel zum Genos. Einfach ein Backup der HD auf USB-Stick ziehen und dann in den Genos laden und schon könnt ihr erst mal wieder im Wesentlichen loslegen.

Links vom Display

Hier zu finden die Bedientaster in Sachen Style Control, Sequencer, Micro, Articulation 1 bis 3 für die SA2Voices und einige andere mehr.

Und hier fällt natürlich sofort das kleine neue OLED-Display auf und die darunter liegenden Knobs und Fader, die so genannten „Live Controller“. Doch dazu später etwas mehr.

Was auch sofort dem bisherigen Yamaha Playern auffallen wird, ist der neue Joystick (der auch mit vielen anderen Controllern frei programmierbar ist), der das bisherige Modulations- und Pitchbend-Rad ersetzt. Aus meiner Sicht eine sinnvolle Erweiterung, denn der Musiker konnte bisher nur schwer gleichzeitig beide Controller bedienen, was jetzt natürlich wesentlich besser geht.

Aber es kann durchaus sein, dass es manchem Musiker vielleicht doch nicht so gut gefällt und er sich seine beiden getrennten Controller wieder wünscht. Man hat zwar darüber einen Taster für Modulation-Hold, der quasi den momentan gewählten Wert einfriert, nur das ist auch nicht so ganz leicht zu handeln. Also letztendlich muss das jeder für sich entscheiden, ob er es mit dem Joystick besser findet als zuvor mit den beiden Wheels.

Schaltet man den Genos ein, dauert es ca. 20 Sekunden, bis er betriebsbereit ist und das ist natürlich schon mal relativ flott.

In der Mitte prangt das 9 Zoll Touch-Display und ist damit fast genau so groß wie das Display meines iPad.

Schaut man näher hin, macht alles einen sehr hochwertigen und modernen Eindruck. Fast alle Taster sind hintergrundbeleuchtet und zeigen mit unterschiedlichen Farben oder indem sie vor sich hin blinken den jeweiligen Zustand an. Da hier viele der Tasten auch so vom Tyros übernommen wurden, dürfte auch die Umsteiger sofort damit klarkommen. Die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung der Taster kann eingestellt werden, was schon mal sehr gut ist. Denn spielt man auf einer dunklen Bühne, sollte es einen nicht so sehr blenden, während im Freien bei Tageslicht volle Power angesagt ist.

Gewünscht hätte ich mir hier dann aber noch, dass man auch das Display hätte dimmen können denn auch dies würde sinnvollsein, nur – geht leider nicht.

Im Bild auch zu sehen die 10 Registration-Taster, unter denen ihr letztendlich alle eure eigenen Einstellungen speichern und später damit wieder ratz-fatz aufrufen könnt.

Was auch sofort dahingehend auffällt: Es sind zum Tyros vergleichsweise wesentlich weniger Taster geworden, was natürlich darin begründet liegt, dass nun viele Funktionen über das Touch-Display aufgerufen werden. Und ich finde auch die teilweise geänderte Anordnung der verschiedenen Tasten sinnvoller noch als am Tyros und dies kommt sicher auch den Live-Muckern auf der Bühne mehr entgegen.

Rechts vom Display

Wie gehabt die OTS-Taster, Multi-Pad, Dial-Rad und Voice-Select-Taster.

Neu jetzt hier die 6 Taster (rechts neben dem Dial und weiß hintergrundbeleuchtet) für „Home, Menü, Style, Voice, Song und Playlist“, mit denen man direkt in die entsprechenden Menüs springen kann.

Darunter 6 Assignable-Taster, mit deren Hilfe man auch direkt bestimmte Menüs/Funktionen anspringen kann, quasi also Short-Cuts, die auch nach eigenen Vorstellungen frei belegbar sind, was der jeweilige Musiker halt im sofortigen Zugriff für sich persönlich benötigt. Doch auch dazu später etwas mehr.

Anschlüsse

An Anschlüssen hinten mangelt es nicht beim Genos. XLR für Micro mit Phantompower, MIDI In/Out A und B, AUX In, Line Out für Main und 2x SUB, USB to Device und to Host, LAN, 3x Pedal (frei zuweisbar) und es gibt nun auch einen Digital-Out (S/PDIF), mit dem ihr verlustfrei euren Sound auf den PC direkt in eure DAW schicken könnt. Und natürlich auch der Anschluss für das neue Soundsystem. Vorne links der Anschluss für die Kopfhörer.

In Sachen USB-Anschlüsse: Es gibt insgesamt 3 davon. Einer wie gehabt auch schon beim Tyros vorne auf der Oberseite rechts, einer hinten und ein zusätzlicher unten am Gehäuseboden. Dieser ist sogar quasi unter Verschluss mit einer Abdeckklappe und hier kann der Live-Mucker seinen USB-Stick anbringen und somit kann nicht mal eben schnell jemand aus dem Publikum den eventuell klauen bzw. wenn man hinten vergisst, den abzumachen, kann man auch mal schnell drankommen und den Anschluss dann beschädigen.

Tastatur

Für meine Begriffe sehr gut spielbar und vergleiche ich die mal mit meinem Montage, dann dürfte es sich hierbei um die gleiche Tastatur handeln, nämlich die Yamaha typische halbgewichtete FSX-Tastatur. Wobei mir die am Montage ein klein wenig straffer erscheint. Egal, ich denke mal, mit der Tastatur dürfte jeder absolut zufrieden sein. Die Tastatur kommt mit Initial Touch/Aftertouch.

Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Wow, das war ausführlich. Bei Keyboards wie dem Genos verschwimmen die Grenzen zur Workstation immer mehr; von „Tischhupen“ kann man hier wirklich nicht mehr sprechen. Es gibt auch viel kreativen Raum bei Styles und Sounds, nur einen Init.Sound wird man nicht finden. Das Teil ist sicher nicht nur für Tanz-Mucker geeignet…

    • Profilbild
      Musiker Lanze

      stimmt…die Grenzen verschwinden immer mehr. Auch in Sachen moderne Sounds is der Genos gut bestückt bzw. kann man auch von easysounds nach kaufen. Dahingehend hat der Peter Krischker, den ich gut kenne, vor nicht all zu langer Zeit ein absolute gutes Sound Set für den Genos auf den Markt gebracht und das is sofort bei mir auf Platz 1 gelandet.

      Wer da mal lauschen will..hier die Demo dazu https://youtu.be/1glj6CMZZZo

      Die Knobs sind hervorragend geeignet um in Echtzeit an Parametern zu schrauben, was bisher meistens Workstations vorbehalten war. Ich bin immer wieder mehr als angetan von dem Genos und mag den nicht mehr her geben.

      Naja…Yamaha will ja unter anderem auch gerade mit dem Genos neue Zielgruppen erreichen und ich vermute mal, das könnt klappen.
      Auf jeden Fall is der Genos ein hervorragendes Key für den, der auch damit arbeiten will und der den nicht nur mit 08/15 Midifiles füttert. Dafür isser echt zu schade.

    • Profilbild
      Ted Raven  

      Tja, für Manche ist eben alles Elektro, was mit modernen Instrumenten gespielt wird und nicht Schlager ist.

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