So findest du schneller den passenden Sound
Vielen Produzenten geht es so: Die DAW ist offen, die ersten Akkorde stehen vielleicht schon und irgendwie gerät der kreative Prozess dann ins Stocken. Man klickt sich stundenlang durch Sound-Librarys, Synth-Presets oder beginnt (im schlimmsten Fall) sogar, online nach neuem Soundmaterial zu suchen.
Doch keines der Samples oder Sounds will so richtig zu dem passen, was bereits da ist. Im Gegenteil: Je länger die Suche dauert, desto schwerer fällt eine Entscheidung. Das kann nicht nur ziemlich frustrierend sein, sondern zieht jedes Projekt auch unnötig in die Länge.
Die gute Nachricht ist: Es mangelt dabei nicht an Talent. Vielmehr handelt es sich um ein typisches Producing-Problem, das gerade dann auftritt, wenn dir viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen.
Worum geht es in diesem Producing Workshop?
- Problem: Produzenten verlieren sich oft stundenlang in der Sound-Suche und bremsen damit ihren kreativen Flow aus.
- Ursache: Zu viele Optionen und Presets erschweren Entscheidungen und führen zu Orientierungslosigkeit.
- Kontext: Sounds wirken im Arrangement anders als solo und sollten immer im musikalischen Zusammenhang beurteilt werden.
- Lösung: Mit klaren Harmonien, vertrauten Plug-ins und Fokus auf den Song lassen sich schneller passende Sounds finden.
- Takeaway: Entscheidung schlägt Perfektion – ein „gut genug“-Sound bringt dich im Producing oft weiter als endloses Suchen.
Inhaltsverzeichnis
Warum zu viele Sounds die Entscheidung erschweren
Wir leben in einer spannenden Zeit: Nie zuvor gab es so viele leistungsstarke DAWs, hochwertige – und oft kostenlose – Plug-ins sowie inspirierende Sound-Librarys. Hinzu kommen Dutzende Varianten, Presets und Alternativen. Wer früher noch viel Zeit und Geld investieren musste, kann heute auf ein fast unbegrenztes Angebot zugreifen.
Diese Vielfalt ist an sich sehr positiv, hat aber auch eine Schattenseite. Wer viel Auswahl hat, tut sich schwer bei Entscheidungen. Statt einen Sound danach zu beurteilen, wie er einem Song dient, vergleicht man ständig neue Presets miteinander. Schnell klickt man sich durch Hunderte Optionen, die zwar für sich gut klingen, dem aktuellen Beat oder Song aber wenig dienlich sind.
Dabei wird schnell vergessen, dass viele Preset Sounds isoliert entworfen wurden. Sie sollen dich solo inspirieren und überzeugen, funktionieren aber nicht automatisch im Zusammenspiel mit deinen Akkorden, dem Groove oder dem Arrangement. Fehlt ein klarer musikalischer Rahmen, wird die Sound-Suche schnell beliebig – und man hat das Gefühl, sich im Kreis zu drehen.
Warum der musikalische Rahmen so wichtig ist
Sounds existieren nicht nur für sich, sondern finden meist in einem musikalischen Kontext statt. Dort können sie eine völlig neue Bedeutung einnehmen und sich hörbar anders entfalten als auf einer Solo-Spur. Akkorde und Harmonien geben bereits eine klare Richtung vor – das kannst du dir zu Nutze machen.
Nehmen wir als Beispiel eine beliebte Akkordfolge im modernen Pop: Am – F – C – G. Wenn du nun nach einem passenden Instrument suchst, wirst du schnell merken, dass nicht jeder Sound gleich gut funktioniert. Presets, die für sich genommen überzeugend klingen, können innerhalb dieser Harmonie an Wirkung verlieren. Andere erzeugen dagegen plötzlich eine interessante Stimmung und fügen sich deutlich besser ein.
Hast du dich für einen Sound als Lead-Instrument entschieden, fällt es oft leichter, das Pattern durch weitere Synths oder Instrumente zu ergänzen. Einfache und unspektakuläre Sounds können im harmonischen Zusammenhang plötzlich sehr gut funktionieren und deiner Komposition genau die richtige Würze geben.
Warum Solo-Sounds oft täuschen
Konzentrierst du dich zu sehr darauf, wie ein Sound solo klingt, kann das schnell zu Frust führen. Im Solo-Modus klingen viele VSTs beeindruckend oder sehr detailreich, verlieren im gesamten Songkontext aber ihre Wirkung. Im Zusammenspiel von Rhythmus, Akkorden, anderen Instrumenten und der Dynamik eines Songs ist nicht jeder Sound die richtige Wahl.
Deshalb hilft es, beim Durchklicken von Presets das bisherige Arrangement im Loop laufen zu lassen. So hörst du, welche Samples und Instrumente dem Song tatsächlich dienen.
Producing Workshop: Kenne und reduziere deine Plug-ins
Eine große Falle bei der Suche nach Preset Sounds ist es heute, zu viele Plug-ins zu besitzen und diese schlecht zu kennen. Viele Producer laden regelmäßig neue Freeware herunter, kennen diese aber nur oberflächlich und nutzen ihre Werkzeuge wenig bewusst. Viel wichtiger ist es zu wissen, welches Plug-in dir den gewünschten Sound bringt.

Producing Workshop: Fast jeder besitzt zahlreiche Software-Instrumente mit Hunderten von Preset Sounds
Wer mit der Zeit lernt, welche Plug-ins zum eigenen Geschmack und zu den musikalischen Zielen passen, trifft seine Entscheidungen nicht nur schneller, sondern auch besser. Hast du z. B. einen Synthesizer deiner Wahl gefunden und kennst dann noch alle Parameter und Funktionen, kannst du dir schneller passende Sounds kreieren.
Entscheidung schlägt Perfektion
Es erscheint vielleicht auf den ersten Blick widersprüchlich, doch beim Producing sind Entscheidungen wichtiger als Perfektion. Statt für deinen Song stundenlang dem passenden Preset Sound zu suchen, bspw. den idealen Bass, solltest du dich bewusst für einen passenden entscheiden, der zu deiner musikalischen Idee passt. So kannst du dein Arrangement weiter ausarbeiten, ohne den kreativen Flow zu verlieren. Um die Feinarbeit und Detailanpassungen kannst du dich später immer noch kümmern.
Wer einen klaren musikalischen Rahmen hat, mit vertrauten Werkzeugen arbeitet und Sounds im Kontext hört, trifft diese Entscheidungen schneller und sicherer. Nicht jeder Sound muss für sich inspirierend sein. Viel wichtiger ist es, dass er gemeinsam mit den Akkorden, dem Groove und dem Arrangement funktioniert.
Gerade am Anfang hilft es, sich selbst diesen Druck zu nehmen. Sound-Suche ist ein wichtiger Teil des Producing-Prozesses und jeder kreativen Entscheidung. Sie wird deutlich entspannter, wenn du auf dein eigenes Ohr vertraust, statt zu früh übermäßig zu optimieren. Oft ist der Sound, der im ersten Moment als „gut genug“ erscheint, genau der, der dem Track am meisten dient.



































Das alte Lied. Fünf dünne Sounds passen viel öfter zusammen als fünf fette. Wer einen Song baut, muss sich auch vorstellen können, wie die gewählten Klänge zusammen klingen. Die riesige Auswahl an Klängen, besonders bei Sägern und Jammlern, erschweren fast immer die Arbeit. Habe ich ein neues PlugIn, spiele ich eine Zeit damit und mache mir dabei eine „Best“ Sammlung. Da reichen 5-10 Sounds. Wer für ein Streichquartett schreibt, hat auch die Wahl aus tausenden Klängen
@Tai Ja, den Hang zum Sammeln kennen sicher einige 😄 Und ja, sich auf ein paar Favoriten-Presets festzulegen, ist sicher gold wert. Danke dir für den spannenden Gedanken!
Für mich eine reine Mischungsangelegenheit. Dazu gehört natürlich auch eine detailgetreue Abhöre. Dazu kommt noch, dass sich viele in der Technik verrennen, anstatt sie einfach mal Musik machen! Nicht der Sound ist entscheidend, sondern die Wirkung des Werkes.
@Filterpad Guter Punkt!
@Tim Danke. Gerade hier auf Amazona (aber auch allgemein) ist auffällig, dass es sich meistens um Technik dreht. Auch alle Youtuber für Producer haben nur ein Thema: Technik: Welcher Kompressor bringt dein Werk nach vorne und wie stellt man einen Equalizer ein. Ein Louis Armstrong hat sich darüber vermutlich kaum Gedanken gemacht, zumindest in seinen Anfängen als Jazzer. Trotzdem ist es gute Musik. – Seltsam! ^^ Fazit: Technik beiseite legen und Musik machen. Das Ergebnis wird es dir danken. ☺️
@Filterpad Für eine Übersicht, was es so alles gibt, ist das auch oft sehr interessant. Wer sich die Zeit nimmt, einen A/B Vergleich mit einem empfohlenen Plugin und einem Plugin der eigenen Wahl macht, wird schon mal überrascht sein, dass gelegentlich die eigene Wahl die bessere ist.
Es ist eben oft auch Geschmacksache, welcher Sound gefällt. Nicht immer passt das empfohlene Plugin von XY somit zum eigenen Sound oder Style und das ist gut so.
@Filterpad Der Sound ist aber ziemlich bestimmend für die Wirkung des Werkes…ich nehme da mal Jarre und seine bekanntesten Tracks: Das hätte mit anderen Sounds nicht funktioniert.
Man hört in Blade Runner eine Handvoll Töne, und ist ist schon gefangen…
@mort76 Da stellt sich wieder eine der grundsätzlichen Entscheidungen: baue ich ein neues Stück auf einer Melodie, einem Rhythmus oder einem Sound auf? Sehr oft ist es eine Mischung von allem. Für mich wäre ein Stück, das in erster Linie auf Harmonien aufbaut wahrscheinlich interessanter als eines, das nur auf Sound aufbaut. Es geht ein bisschen in die Richtung: funktioniert das Stück auch nur mit einer Gitarre oder Akkordeon begleitet? Da scheiden dann die Lösungen, die in erster Linie auf Sound aufbauen schon mal aus.
@Tai Kommt halt auch immer sehr auf das Genre drauf an. Rawstyle, DnB-Gefrickel oder Techno die komplett aus Sounddesign bestehen, kann man mit Gitarre oder Akkordeon gar nicht spielen. Es gibt ja teilweise Songs, die im Grunde nur aus einer Bassdrum und einem Sound bestehen aber das ist dann so perfekt produziert, dass das eine enorme Wirkung entfaltet. Das sind für mich einfach zwei verschiedene Welten: Songs die mit Melodie, Gesang und/oder virtuosem (Zusammen)Spiel überzeugen und andere, die aus abgefahrenen Sounds bestehen.
@ollo Da hast du natürlich Recht. Es gibt Stile, die fast allein auf Sound aufbauen. Gehört allerdings nicht zu meinen bevorzugten Musikstilen. Denk an die Anfangs Siebziger, da reichte ein Ostinato vom Stepsequenzer aus 8 Tönen und darüber wurde abgezwitschert bis der Arzt kommt.
@Tai Ich benutze ja immer erstmal einen Sequencer, und spiele erst dann wirklich etwas ein, wenn das Stück ansich schon steht.
Und da ist es so, daß ich mir eine ganz einfache Sequenz aufbaue (mit dem Akkord-Sequencer aus REAKTOR), und dann nach einem schönen, inspirierenden Sound suche.
Dann ein passender Baß dazu (meistens ein Akustiukbass aus Trilian), und wahrscheinlich noch irgendein Standard-Melodieinstrument wie E-Piano oder sowas, und auf DER Basis bastele ich dann den ganzen Song im Sequencer auf.
Es kommt nicht vor, daß ich erst programmiere, und DANN nach den passenden Sounds suche…bestenfalls füge ich noch einen Synth-Lead-Sound hinzu, aber ich baue ansonsten wirklich alles auf einem bestimmten Sound auf!
Ich habe festgestellt, daß das, was ich programmiere, dann auch nur mit genau DEM tragenden Sound wirklich gut funktioniert.
Wobei ich halt auch immer sehr ausladende Melodien programmiere, als, das ist dann nicht nur so ein Song, der aus nix anderem besteht als Sounddesign…ich orientiere mich da an sowas wie Pink Floyd, wo man sich total in der Meoldie verlieren kann, und es wiederholt sich auch nicht viel.
@mort76 Neben Blade Runner ist auch Hand Covers Bruise (vom Social Network OST, Atticus Ross und Trent Reznor) ein schönes Beispiel, wie man mit wenigsten Elementen Stimmung erzeugt.
Oh ja, wie kennen wir alle diese Sucherei… ich mache das mittlerweile oft so:
Während der Phase des Song-Arrangements (das ist für mich die eigentliche Kreativphase) nehme ich möglichst schnell einen Sound, der so einigermaßen passt (der es aber sicher nicht in den Endmix schaffen wird).
Wenn ich mit dem Arrangement dann zufrieden bin, suche ich den richtigen Sound. Das resultiert dann noch öfter in einer Änderung des Arrangements, aber das sehe ich dann bereits als Feinschliff.
„Zu viel Auswahl macht traurig!“ sagte meine Oma immer
Es kann hilfreich sein, sich für ein Projekt eine Sammlung an Sounds zusammenzustellen, um danach beim Musik machen schon die passende Palette parat zu haben.
@Apfelstern Och neee, dann klingt es immer gleich! Ich mache das ganz bewusst nicht. Aber habe natürlich meine Favoriten an Klangerzeuger, wo ich meistens finde, was ich suche. Nur bei Kicks trifft dies tatsächlich nicht zu, weil alle gekauften Kicks schlecht klingen. 😅
@Filterpad Ob das gleich klingt wie immer oder nicht, hat man ja selbst in der Hand.
@Filterpad Wenn du diesen Ansatz weiterdenkst, hätten Komponisten vor 200 Jahren nach einem Dutzend Stücken aufgehört. Immer Geige, Bratsche, Cello, manchmal mit ein paar Bläsern und vtl. einem Piano, das immer gleich klingt.
Weshalb es immer mehr Presets bzw. Sounds bei Upgrades sein müssen erklärt sich mir nur damit, dass ein Kaufanreiz sonst nicht mehr gegeben ist. Größer, weiter, schneller, kennt man ja schon. Mit fällt da spontan das Upgrade zu Omnisphere 3 ein oder Komplete 26.
Unzählige Prestes oder neue Soundsamples die nicht mehr zu überblicken sind, stellen selten eine Bereicherung dar und kosten nur wertvolle Zeit.
Es nervt eher gewaltig, wenn ständig irgendwelche zusätzlichen Effekte auf einem Sound vorhanden sind, weil sich der Sounddesigner ein Denkmal setzen wollte. Nur selten passen solche komplexen Strukturen in das eigene Projekt und es kostet Zeit, unerwünschte Effekte wieder zu deaktivieren, sofern das möglich ist.
Wenn Soundlibrarys zu unübersichtlich werden, weil sie einfach zu groß und zeitintensiv sind, wird das eigene Sounddesign effizienter. Zumindest ist das bei mir so.
habe da so meine lieblingssounds nehme
immer wieder🙂
oder ich schaue mir an keysbereich also was gefällt mir im baß
oder discant was funcioniert da gut.
enge – weite lage nicht nur harmonic auch klang so ich meine
liegt da anders.oft giebt es da auch überaschung.🙂
versuche zu erfühlen