Purple Box: Yamaha Electone E-75

Flutes

Die Flute-Register sind am Hammond-Vorbild angelehnt, das Obermanual ist 9-, das Untermanual 7- und das Pedal 3-chörig. Diese Regler lassen eine kontinuierliche Lautstärkeregelung zu und ras­ten zusätzlich spürbar in vier Positionen leicht ein – man kann sich daran gewöhnen.

Haptik pur: Jede Menge Regler als Ersatz für die Hammond-Zugriegel.

Haptik pur: Jede Menge Regler als Ersatz für die Hammond-Zugriegel.

Auch Perkussion auf drei Fußlagen ist möglich, und wenn der Keyklick stört, der übrigens ganz na­türlich durch das Schaltungsdesign entsteht, der kann einen Soft-Attack aktivieren. Durch das inter­ne (sogar in der Geschwindigkeit regelbare) Leslie geschleift, erzeugt das einen guten Hammond Grundsound. Die Wellenformen sind wie das Hammond-Vorbild keine reinen Sinusschwingungen. Im Vergleich zu einer echten Hammond-B3 klingt es erwartungsgemäß sehr  brav, mir fehlt etwas das Schmatzen und Verzerren. Dennoch hat man damit einen guten Orgel-Grundsound, der die Synthesizersektion stützen kann. Wer ein externes Leslie hat: Eine passende Leslie-Buchse ist hinten auch herausgeführt.

Kleines aufwändiges Detail: Versteckte Schublade mit vielen Minireglern, um drei Presets der Flutes und der anderen Sektionen zu programmieren.

Kleines aufwändiges Detail: Versteckte Schublade mit vielen Minireglern, um drei Presets der Flutes und der anderen Sektionen zu programmieren.

Synthesizer

Das ist der eigentliche Clou dieser Orgel. Seit der findige Flametopfred in youtube gezeigt hat, dass sich in den Orgeln der E-70 Serie ein verkappter CS80 verbirgt, gab es im Netz interessante Diskussionen darüber, und auch ich habe mich davon anstecken lassen. Und es stimmt, man hat es mit einem Wolf im Schafspelz, einem CS80 mit 3 Keyboards zu tun. Der Benutzer sieht davon allerdings nicht viel, sind doch alle Parameter fest in Orchester-Presets verdrahtet. Einzig die Filterfrequenz und die Oktavlagen der beider DCOs (zwischen 16´-2´) lassen sich einstellen.

Es sind im Ganzen 2 mal 15 Stimmen, wovon eine dem Pedal zugeordnet ist. Jede Stimme hat 2 DCOs mit Sägezahn, Rechteck und 25% Puls. Durch die digitale Steuerung sind die Oszillatoren absolut phasenstarr, bringt man den Detune-Regler auf Null, verschwindet jegliche Schwebung und es klingt wie ein einzelner Oszillator. Das ist der zweite Unterschied zum CS80, also keine Analogoszillatoren mit Stimmungsproblemen, sondern es wurden die o.g. Wavetable-ICs eingesetzt. Nachteilig ist, dass die Pulsweite nicht mehr regelbar ist. 25% Pulsweite klingt halt nur nach Farfi­sa-E-Piano, was damals aber im Orgelmarkt der Hit war.

Harmlose Synthesizer-Presets, hier für das Obermanual, lassen nichts Böses ahnen

Harmlose Synthesizer-Presets, hier für das Obermanual, lassen nichts Böses ahnen

Klangbeispiele
Forum
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    XCenter

    Lassen sich solche Monster eigentlich für den Transport in irgendeiner Weise zerlegen oder ist ein Möbelpacker Pflicht?

    • Avatar

      Die Logistik ist bei dieser Geschichte oft eine Herausfoderung. Wenn es nicht gerade Bühnenorgeln sind, dann sind sie in der Regel nicht zerlegbar. Der Transport über eine Spedition ist dann meist teurer als die Orgel.
      Oder man besorgt sich einen Autoanhänger und macht sich selber auf den Weg…

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    Orgelhedi

    Meines Wissens ist nicht die E-75 die letzte“ Top of the Line“-Analogorgel von Yamaha, sondern die, ab 1980 gebaute Modelle D-85 und D-65. Das einzig digitale war bei diesen Modellen die Tempoanzeige.

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    antares

    Ich habe mir vor einiger Zeit mit einem Freund zusammen eine E-70 und eine EX-1 zugelegt. (Der Transport der EX-1 ins Dachgeschoss eines Altbaus ist schon eine Story für sich…) Die Diskussion über den Umbau einer E-70 zu einem „Vollsynth“ habe ich schon mit Interesse verfolgt, aber die Modifikation dieser E-75 ist meines Wissens die erste wirklich durchgeführte Aktion. Ich würde mich sehr für die Details der Modifikation interessieren, die Schaltpläne für die Orgeln, sowie ein Grundwissen über die Interna sind bereits vorhanden.

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    Tastentiger

    Fantastisch, wie dieses Instrument modifiziert wurde. Ich besitze selber eine E-75 und suche eine Möglichkeit, sie komplett mit Midi auszustatten, damit man auch andere Sondmodule (Hammond, Kirchenorgel) darüber abspielen kann. Ansonsten hat dieses Instrument einen wunderbaren Theaterorgelklang. Wer eine Orgel noch richtig konventionell -also ohne Automatikschnickschnack- spielen kann, ist mit diesem Instrument gut bedient. Schade ist es wegen des hohen Wertverlustes.

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    Pfau_thomas

    Die Orgeln haben damals schon sehr viel Geld gekostet.
    Ich durfte mir eine von 2 Orgeltypen wählen.
    Zwischen Yamaha Electone Serie oder Technics E serie.
    Unter 4000 DM ging zu dieser Zeit nichts.

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    Hausaltar

    Ich habe mir soeben eine D-85 gekauft. Transport ging über eine professionelle Klaviertransportfirma. Mit Suche über die entsprechenden Portale steht das gute Stück für um die 100€ im Wohnzimmer, das ist akzeptabel.
    Mich würde sehr interssieren, inwieweit die Architektur der D-85 mit der E-75 übereinstimmt Ich würde gerne die VCF und VCA Hüllkurven stufenlos regeln. Cutoff Frequency und Resonanz wären auch prima. Schaltplan ist vorhanden – ebenso wie solide Grundkenntnisse im Löten…

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