Purple Box: Yamaha Electone E-75

Jede Stimme hat separate, seriell geschaltete Tiefpass- und Hochpass-VCFs mit regelbarer Resonanz und eigenen Hüll­kurven. Aber halt! Der CS80 hat doch vier davon? Kann die E-Serie auch: den Synthe­sizer des Untermanuals an das Obermanual koppeln, ein DCO-Pärchen wird damit ausgeblendet und es erklingen 4 Filter pro Stimme. Und hier kann man schon nach Herzenslust die Presets miteinander kombi­nieren. Aber zu einem Ersatz zum CS80 fehlt leider doch noch etwas wie Noise, Ringmodulator, LFOs und viele Regler.

Doch es kann einem geholfen werden, wenn Lötkolben und Lupe vorhanden sind. Die Synthese-Parameter sind nämlich alle spannungsgesteuert und schal­tungstechnisch zugänglich. Ich war deshalb so frei, meine Orgel etwas zu modifizieren, indem ich zusätzliche Potis angebracht habe und mit diesen Kontaktstellen verbunden habe. Ein zusätzlicher LFO fand auch noch Platz im Gehäuse. Und schon zwitschert, kreischt, zerrt und wummert diese Wohnzimmer­orgel, dass es nur so eine Freude ist.

Auch folgendes hat nicht jeder Synthesizer: Touch Vibrato und VCF-Steuerung durch den  Fußschweller. Unter Ersterem verbirgt sich eine laterale Tastensensorik oder auf Deutsch: Man kann mit den Fingern ein Vibrato wie auf einer Geige aus dem Ärmel schütteln. Wenn wir schon bei den Spielhilfen sind: Es gibt da auch noch einen herunterklappbaren Kniehebel, der die Presets im Obermanual mit einer Beinbewegung blitzschnell deaktiviert und auf die manuelle Registrierung umschaltet. Yamaha spricht im Benutzerhandbuch von Ersatz eines dritten Manuals. Das funktioniert auch ganz gut, wenn man die etwas ungewöhnliche Beinbewegung übt. Wem auch sonst die Beine zu schwer werden, der kann auch den Basssynthesizer des Pedals auf das Untermanual koppeln und erhält damit 4 DCOs und 2 Filterpärchen für mächtig knallige Bässe in der linken Hand.

Unikat: Oberste Reihe mit zusätzlichen Reglern für LFO, Wellenform, VCF,  ADSR, VCA.

Unikat: Oberste Reihe mit zusätzlichen Reglern für LFO, Wellenform, VCF, ADSR, VCA.

Special Effects

In einer echten Heimorgel dürfen natürlich Grüße aus Hawai nicht fehlen, die man mit dem Fußschweller abfeu­ert. Leider geht dieser Pitchbend einen Halbton nach unten, nach oben wäre mir das zum Solieren wesentlich lieber gewesen. Ebenfalls fehlen darf nicht der Arpeggiator und der Mandoli­neneffekt. Letzterer repetiert einen Tastenanschlag mit einstellbarer Rate, im Grunde wird die Hüllkurve in einen Loop-Modus versetzt.

Mit dem Fußschweller lässt sich zusätzlich der VCF steuern und ein weiteres WahWah-Filter ist auf den Flutes anwendbar, wozu das auch immer gut ist.

Die Chorus-Einheit ist wieder etwas Besonderes. Einen derart breiten und cremigen Sound habe ich noch aus keinem Digitaleffektgerät herausgeholt. Auch der Synthesizer profitiert durch diesen Ef­fekt, gleichfalls lässt er sich durch das Leslie schleusen, was auch nicht alltäglich ist.

Klangbeispiele
Forum
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    XCenter  

    Lassen sich solche Monster eigentlich für den Transport in irgendeiner Weise zerlegen oder ist ein Möbelpacker Pflicht?

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      r.skerjanc

      Die Logistik ist bei dieser Geschichte oft eine Herausfoderung. Wenn es nicht gerade Bühnenorgeln sind, dann sind sie in der Regel nicht zerlegbar. Der Transport über eine Spedition ist dann meist teurer als die Orgel.
      Oder man besorgt sich einen Autoanhänger und macht sich selber auf den Weg…

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    Orgelhedi

    Meines Wissens ist nicht die E-75 die letzte“ Top of the Line“-Analogorgel von Yamaha, sondern die, ab 1980 gebaute Modelle D-85 und D-65. Das einzig digitale war bei diesen Modellen die Tempoanzeige.

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    antares

    Ich habe mir vor einiger Zeit mit einem Freund zusammen eine E-70 und eine EX-1 zugelegt. (Der Transport der EX-1 ins Dachgeschoss eines Altbaus ist schon eine Story für sich…) Die Diskussion über den Umbau einer E-70 zu einem „Vollsynth“ habe ich schon mit Interesse verfolgt, aber die Modifikation dieser E-75 ist meines Wissens die erste wirklich durchgeführte Aktion. Ich würde mich sehr für die Details der Modifikation interessieren, die Schaltpläne für die Orgeln, sowie ein Grundwissen über die Interna sind bereits vorhanden.

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    Tastentiger

    Fantastisch, wie dieses Instrument modifiziert wurde. Ich besitze selber eine E-75 und suche eine Möglichkeit, sie komplett mit Midi auszustatten, damit man auch andere Sondmodule (Hammond, Kirchenorgel) darüber abspielen kann. Ansonsten hat dieses Instrument einen wunderbaren Theaterorgelklang. Wer eine Orgel noch richtig konventionell -also ohne Automatikschnickschnack- spielen kann, ist mit diesem Instrument gut bedient. Schade ist es wegen des hohen Wertverlustes.

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    Pfau_thomas  

    Die Orgeln haben damals schon sehr viel Geld gekostet.
    Ich durfte mir eine von 2 Orgeltypen wählen.
    Zwischen Yamaha Electone Serie oder Technics E serie.
    Unter 4000 DM ging zu dieser Zeit nichts.

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    Hausaltar

    Ich habe mir soeben eine D-85 gekauft. Transport ging über eine professionelle Klaviertransportfirma. Mit Suche über die entsprechenden Portale steht das gute Stück für um die 100€ im Wohnzimmer, das ist akzeptabel.
    Mich würde sehr interssieren, inwieweit die Architektur der D-85 mit der E-75 übereinstimmt Ich würde gerne die VCF und VCA Hüllkurven stufenlos regeln. Cutoff Frequency und Resonanz wären auch prima. Schaltplan ist vorhanden – ebenso wie solide Grundkenntnisse im Löten…

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