Legendärer Produzent, Arrangeur und Wegbereiter
Am 14. März 1933 wurde Quincy Jones in Chicago geboren. Er hätte heute seinen 93. Geburtstag gefeiert. Kaum ein anderer Name steht so selbstverständlich für die Kombination aus Jazz, Pop und Filmmusik. Er war nie nur Produzent oder nur Komponist, sondern jemand, der Musik von Grund auf in sehr unterschiedlichen Kontexten verstand. Aus diesem Grund schauen wir heute mit besonderem Blick auf seine musikalische Arbeit, seine Produktionen und die klanglichen Mittel, die er über viele Jahrzehnte eingesetzt hat.
Worum geht es? Ein Rückblick auf Leben, Werk und Produktionsweise von Quincy Jones.
- Karrierebeginn: Vom Trompeter in Jazzorchestern zum gefragten Arrangeur und Produzenten.
- Filmmusik: Verbindung von Jazzharmonik und orchestraler Dichte in Kino- und Fernsehproduktionen.
- Studioarbeit: Präzise Arrangements und gezielter Einsatz analoger und später digitaler Technik.
- Michael Jackson: Maßgebliche Produktion von „Off the Wall“, „Thriller“ und „Bad“.
- Vermächtnis: 28 Grammys und nachhaltiger Einfluss auf Pop, Jazz und Filmmusik.
Inhaltsverzeichnis
- Quincy Jones’ Anfänge zwischen Chicago und Seattle
- Big Bands und Arrangementkunst
- Quincy Jones in Paris
- Mercury Records
- Quincy Jones als Filmkomponist
- Das Studio als zentrales Instrument von Quincy Jones
- Zusammenarbeit mit Michael Jackson
- Quincy Jones und We Are the World
- Unternehmer und Förderer
- Quincy Jones’ Vermächtnis
Quincy Jones’ Anfänge zwischen Chicago und Seattle
Quincy Delight Jones Jr. wuchs in Chicago auf, zog aber später mit seiner Familie nach Seattle. Dort begann er als Jugendlicher Trompete zu spielen. Das Instrument war sein Einstieg in die professionelle Musik und prägte früh sein Gespür für Dynamik und Bläsersätze, wovon er später profitieren sollte. In Seattle traf er auf Ray Charles, mit dem ihn eine lange Freundschaft verband. Schon früh zeigte sich, dass Quincy Jones mehr wollte, als nur aufzutreten. Er schrieb Arrangements, analysierte Harmonien und beschäftigte sich intensiv mit Orchestrierung.
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Big Bands und Arrangementkunst
In den 1950er-Jahren arbeitete er als Trompeter, Arrangeur und musikalischer Leiter für Lionel Hampton. Später schrieb und arrangierte er für Dizzy Gillespie, Count Basie, Duke Ellington und Sarah Vaughan. Die Arbeit in großen Jazzorchestern verlangte vor allem Präzision. Bläsersätze mussten sauber notiert und exakt gespielt werden. Rhythmusgruppen mussten zuverlässig funktionieren. Quincy Jones entwickelte in dieser Zeit ein sicheres Gespür für Voicings und Spannungsaufbau. Als Trompeter war er Teil dieser Ensembles. Als Arrangeur gestaltete er ihren Sound, wobei seine Praxis am Instrument direkt in seine Schreibweise einfloss.
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Quincy Jones in Paris
Ende der 1950er-Jahre ging Quincy Jones nach Paris und studierte dort unter anderem bei der Pianistin und Musikpädagogin Nadia Boulanger. Dort vertiefte er sein Wissen in Harmonielehre und Orchestrierung, was für seine Entwicklung entscheidend war. Die Verbindung aus Jazzharmonik und klassischer Technik verschaffte ihm ein breites Fundament an musikalischem Wissen, das später in seiner Filmmusik und seinen Popproduktionen hörbar wurde.
Mercury Records
1961 übernahm Quincy Jones im Alter von 28 Jahren eine leitende Position bei Mercury Records. Damit wechselte er von der Rolle des Musikers in die eines Entscheidungsträgers. Er produzierte unter anderem Lesley Gores Hit It’s My Party und betreute viele Künstler aus den Genres Pop, Soul und Jazz. Die Tonstudios arbeiteten zu dieser Zeit mit analogen Mehrspurmaschinen, beispielsweise von Herstellern wie Ampex oder Studer. Mikrofone wie das Neumann U47 und das Neumann U67 gehörten damals zum Standard.
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Quincy Jones nutzte diese Technik, um warme, detailreiche Aufnahmen zu realisieren. Dank seiner Erfahrung setzte er auf sorgfältig ausgearbeitete Arrangements, große Bläsersektionen und Streicherensembles. Diese waren nicht nur musikalische Begleitung, sondern der entscheidende Teil der Dramaturgie eines Songs.
Quincy Jones als Filmkomponist
In den 1960er- und 1970er-Jahren komponierte Quincy Jones Musik für Filme wie In the Heat of the Night, In Cold Blood, The Italian Job und später auch für The Color Purple. Für die Fernsehserie Roots schrieb er ebenfalls die Musik und erhielt dafür 1977 einen Emmy. Wie anhand seines Lebenslaufs zu erwarten war, verband seine Filmmusik Jazzharmonik mit der musikalischen Dichte eines Orchesters. E-Bass und Schlagzeug trafen auf Streicher und Holzbläser.
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In den 1970er-Jahren kamen E-Pianos und Synthesizer hinzu. Beispielsweise war das Fender Rhodes in vielen seiner Produktionen dieser Zeit sehr präsent und fügte sich organisch in orchestrale Arrangements ein.
Das Studio als zentrales Instrument von Quincy Jones
1974 erlitt Quincy Jones zwei Hirnaneurysmen und sollte nach den Operationen nicht mehr Trompete spielen. Deshalb verlagerte er seinen Schwerpunkt endgültig auf Kompositionen, Arrangements und Produktionen. In den 1970er- und 1980er-Jahren zogen nach und nach größere 24-Spur-Bandmaschinen und größere Mischpulte, beispielsweise von Neve oder SSL, in die Tonstudios ein. Mit ihnen kam eine Vielzahl weiterer elektronischer Instrumente. Quincy Jones nutzte diese Möglichkeiten gezielt. Er arbeitete mit erfahrenen Studiomusikern wie Louis Johnson am Bass, John Robinson am Schlagzeug oder David Williams an der Gitarre. Keyboards spielten dabei immer eine zentrale Rolle. Neben dem Fender Rhodes kamen nun auch Instrumente wie das Yamaha CP70, der ARP Odyssey oder Synthesizer von Oberheim zum Einsatz.
Zusammenarbeit mit Michael Jackson
Die wichtige Zusammenarbeit mit Michael Jackson begann Ende der 1970er-Jahre. Daraus entstanden Hits wie Off the Wall, Thriller und Bad. Bei „Off the Wall“ verband Quincy Jones Funk, Disco und Pop mit ausgefeilten Arrangements. Die Rhythmussektion war hier sehr präzise und druckvoll. Bläser und Streicher ergänzten das komplexe Klangbild. Analoge Synthesizer wie der Prophet-5 erweiterten das Klangspektrum.
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1982 setzte Thriller neue Maßstäbe. Elektronische Elemente trafen auf handgespielte Drums und Synthesizer wie der Yamaha CS80 sorgten für dichte Flächen. Gitarrensoli wie in Beat It zeigen, dass Quincy Jones stilistisch offen war, solange es dem Song diente. So kamen auch auf Bad moderne digitale Instrumente wie der Yamaha DX7 zum Einsatz. Trotzdem standen immer der Groove, das Arrangement und vor allem der Gesang im Fokus. Quincy Jones legte großen Wert darauf, dass jedes Instrument seinen Platz im Mix hatte. Die Produktion sollte als Einheit funktionieren.
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Quincy Jones und We Are the World
1985 produzierte Quincy Jones die berühmte Charity-Single We Are the World, für die zahlreiche internationale Stars gemeinsam im Studio standen. Die Aufnahme erfolgte analog auf Mehrspurband in Los Angeles. Quincy Jones organisierte die Session, koordinierte die Soloparts und Chorpassagen. Er sorgte für eine stimmige Balance. Hochwertige Studiomikrofone, erfahrene Techniker und ein präzise arbeitendes Mischpult bildeten die technische Basis. Entscheidend für die Produktion war vor allem seine Fähigkeit, viele Stimmen zu einem in sich geschlossenen Gesamtsound zu formen.
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Unternehmer und Förderer
Mit der Gründung von Qwest Records im Jahr 1980 baute Quincy Jones auch seine Rolle als Unternehmer aus. Außerdem war er Mitbegründer des Magazins Vibe, das sich mit urbaner Musik und Popkultur beschäftigte. Über Jahrzehnte hinweg unterstützte er junge Künstler, vermittelte Kontakte und setzte sich für eine hohe musikalische Qualität ein. Dabei half ihm vor allem seine Erfahrung aus Jazz, Pop und der Filmmusik.
Quincy Jones’ Vermächtnis
Quincy Jones war insgesamt 80-mal für einen Grammy nominiert und gewann 28 Auszeichnungen. Er wurde in den Bereichen Film, Fernsehen und Theater geehrt. Jenseits der Preise bleibt vor allem sein Einfluss auf das Musikschaffen entscheidend. Er verband Jazz mit moderner Popproduktion und orchestrales Denken mit moderner Studiotechnik. Am 3. November 2024 verstarb er im Alter von 91 Jahren. Zu seinem Geburtstag erinnern wir uns deshalb an einen Musiker und Produzenten, dessen bedeutende Arbeit bis heute nachwirkt.




























Bei seinem Namen fallen mir immer zwei Dinge ein. Eine Szene im sehr guten Film über Johnny Cash, Walk the Line, wo die beiden sich zu einem frühen Zeitpunkt schon kannten. Jones noch mit Trompete, wenn ich mich recht erinnere. Das zweite ist seine Produktion des Albums Donna Summer 1980. Da hat er in State of Independence schon mal diese Wall of Sound Chöre, die Jahre später bei We are the World großen Eindruck hinterliessen eingestzt. Bei mir hat dieses Stück tiefen Eindruck hinterlassen, was das Original von Jon und Vangelis nicht schaffte. Ich weiss, das ist ein Frevel auf einer Synth-orientierten Seite wie hier. Ist trotzdem so. Und das war in erster Linie dem Arrangement geschuldet.
@Tai ich liebe die 3 Jackson Alben! die Donna Summer Coverversion ist aber auch sehr gut! interessant finde ich, bei Thriller wurden ja fast nur analoge Instrumente verwendet und bei Bad viele digitale wie der d50 zb. bei Kraftwerk ähnlich. das war ein großer Schritt von analog zu digital l.😀
er hat einige geniale Stücke geschrieben.
es gibt zb eine Sirene die quasi totgesampelt wurde, weil so genial
oder „Soul Bossa Nova“ kennt wohl jeder.
@Numitron Grossartige Jackson Alben, wobei meinermeinung nach die Dangerous auch ohne Q over the top war/ist.
@FaderMode stimmt, auch sehr gut!
und das Cover ein Traum 😜
und die Videos erst…
@Numitron Ich habe tatsächlich noch die Gold-Disc-Limited-Edition mit dem Artwork als dreidimensionale Aufklappszene.
@FaderMode Wow! 😧 da war ich noch zu jung. 😎
dafür hab ich das erste Cover von „Appetite for destruction“.
@Tai Das Album Donna Summer mit Quincy Jones wurde im Jahr 1982 veröffentlicht.
1980 arbeite D. Summer in Hollywood mit den Produzenten Giorgio Moroder und Pete Bellotte, und Harold Faltermeyer als Mixingingineer, hauptsächlich.
@masterBlasterFX Richtig. Da habe ich geschrieben und mich alleine auf meine Erinnerung verlassen. Geht ab und an schief.
Absolute Lieblingsproduktion: The girl from Greece sings – Nana Mouskouri in New York 😎
@Dalai Galama wow. wusste nicht dass er sie produziert hat! 😁
@Dalai Galama Dem kann ich nur beipflichten. Quasi ganz großes Kino! Aber auch die Sachen, die er anfangs der 1980er Jahre mit James Ingram gemacht hat, haben mir damals sehr imponiert …
„Mikrofone wie das Neumann U47 und das Neumann U67 gehörten damals zum Standard“
Häh !? Warum schreibt der Autor das jetzt!? Wirkt konstruiert. Aha, die Erklärung kommt kurze Zeit später. Werbung!
Das geht dann so weiter . . .
Ein Schelm, der . . .
@zeitlos Ein Magazin, das kostenlos zur Verfügung gestellt wird, kann sich nunmal nicht ohne Werbung finanzieren. Dann ist es doch durchaus vertretbar, diese auch zu passendem Equipment zu schalten, wie ich finde. Und die Neumann-Modelle waren so oder so der Standart im Tonstudio, Werbung hin oder her.
@Gereon Gwosdek Das ist mir schon klar, dass Werbung wichtig ist und das ist ok so. Wie sollte es anders gehen!?
Aber hier fand ich es einfach zu gewollt [„konstruiert“], insbesondere bei den Neumanns. Denn die waren ja schon in den 50igern Studiostandard und deshalb m.E. nicht erwähnenswert. Bei den Synths schon eher, bei den Rhodes … (ach lassen wir´s)
Q.J und M.J. – ein Dreamteam nach meinem Geschmack.
Die 2 haben sich ergänzt, sich gegenseitig zu höchstleistungen angespornt und Perfektion abgeliefert.
Zu seinem Tode 2024 hatte ich ja schon mal gesagt, daß ich Q für das größte musikalische Genie im Nicht-Klassikbereich überhaupt halte.
Seit 1981 nun begleitet mich seine Musik – ob nun unter eigenem Namen oder nicht – und wird es auch ewig tun.
Nicht umsonst waren die Werke von MJ, George Benson und Donna Summer unter seiner Ägide die imho besten, die besagte Künstler je veröffentlich haben. Wenngleich das Arbeiten „unter ihm“ sicherlich auch irgendwie erdrückend sein konnte. Donna Summer äußerte ja mal, sie habe damals kaum mehr den Eindruck gehabt, daß es sich noch um ihr Album gehandelt habe.
„The Dude“, „Back on the Block“ und „Q’s Juke Joint“ gehört für mich zum Besten der Musik überhaupt !!!
Interessant auch, daß ALLE Aufnahmen von Jacko und Q seit 1978 von Bruce Swedien gemacht wurden. Meistens auch die Masterings von Bernie Grundman. Zwei der Allergrößten überhaupt. 👍