Report: Ambient Circle

9. Mai 2008

Live-Ambient-Projekt

Man nehme: Elektrische Lead- und Bass-Gitarren, zugehörige Verstärker, Drums, dazu zwei bis drei verpasste Frisörtermine und Rauchwaren fernöstlicher Art – fertig sind die Zutaten für ein gepflegtes Musiker-Miteinander – besser bekannt unter dem Namen Session. Wer bei Wikipedia nachschaut, findet die folgende Definition: Eine Jamsession (engl. jam „improvisieren“ und session „Veranstaltung“) ist ein zwangloses Zusammenspiel von Jazz-, Blues-, Hip-Hop- oder Rock-Musikern, die nicht üblicherweise in einer Band zusammenspielen. Doch halt, diese Aufzählung der Musikstile, die sich dem Session-Gedanken verschrieben haben, ist nicht vollständig. In den vergangenen vier Jahren hat sich in Deutschland eine immer noch stetig wachsende Szene von Live – Sessions für Ambient- und Elektronikmusiker gebildet. Was geht da vor sich? Wo und wer ist dort wie aktiv? Amazona.de hat nachgeforscht.

 

Ambient Circle - on duty

Ambient Circle – on duty

Am Anfang war …

ein Event in München. Ideengeber und Erst-Initiator der Live-Ambient-Szene war und ist Enzo Cage (Alias-Name) aus München. Im September 2004 startete die erste Session unter dem Projekt-Namen Spheric Lounge in München. Auf einer Internet-Website wurden und werden Fotos der Session gezeigt und Auskopplungen der entstandenen Musik zum kostenlosen Download angeboten. Die Spheric Lounge ist nach wie vor aktiv, ist unverändert konzeptioneller Leader der gesamten Szene und kann nach inzwischen 88 (!!!) Sessions auf einen gigantischen musikalischen Output verweisen.

Ambient Circle – Sonic and Visual Zone

Inspiriert und in enger Kooperation mit den Aktivisten der Spheric Lounge startete im Frühjahr 2006 der Ambient Circle – Sonic and Visual Zone. Dieses Projekt ist im Ruhrgebiet beheimatet und gewährte Amazona.de einen tieferen Einblick in die Konzeption, die musikalische Idee und den Ablauf einer Ambient-Live-Session. Der Ambient Circle veranstaltete im April 08 seine 9. Session und zählt inzwischen 13 Aktivisten, die sich in unterschiedlicher Besetzung und Zahl zu den Session-Terminen treffen. Die Musikerinnen und Musiker des Ambient Circle kommen überwiegend aus NRW (erweitertes Ruhrgebiet). Derzeitige Location der Sessions ist ein freies Künstlerhaus in der Essener Innenstadt – das Unperfekthaus. Die Sessions finden meist samstags statt, sind öffentlich zugänglich und sorgen durch räumliche Nähe auch für die „musikalische Ausstattung“ des Restaurant-Bereichs des Unperfekthauses. Die Fotos dieser Reportage wurden – bis auf das Kirchenfoto – alle bei der aktuellen Session 9 des Ambient Circle aufgenommen. Amazona.de sagt „Herzlichen Dank„ an Sibyll Sewarte – selbst Ambient Circle Aktivistin – für die Bereitstellung der Fotos.

Eine Teilnahme an den Sessions steht grundsätzlich jedem(r) Musiker(in) offen, die bereit sind, sich den musikalischen und konzeptionellen Ideen des Projektes anzuschließen und diese mit ihren musikalischen Beiträgen zu unterstützen. Das Projekt AMBIENT CIRCLE arbeitet vollkommen unkommerziell. Sowohl bei den Sessions als auch bei evtl. Konzert-Events (siehe unten) gibt es für die beteiligten Musiker keine Honorare. Lohn ist einzig die Mitgliedschaft in einer aktiven Community Gleichgesinnter. Musikalische Orientierung für die Sessions ist vornehmlich Ambient-Musik sowie die „klassische Elektronische Musik“ der 70er und 80er Jahre. Während der Sessions des Ambient Circle entstehen defintiv keine Dancefloor- , House- oder Technotracks.

Sound and Light - genoqs Octopus im Einsatz

Sound and Light – genoqs Octopus im Einsatz

Die Musiker(innen) des Circles setzen elektronische Klangerzeuger wie Hardware/Software-Synthesizer, Sequenzer und elektronische Effektgeräte ein. Der Einsatz akustisch (per Mikrophon) aufzunehmender Instrumente oder auch Gesang ist zwar denkbar, stößt aber wegen des Problems der Raumakustik bei der Aufnahme an Grenzen. Der Einsatz eines Natur-Schlagzeugs ist konzeptionell jedoch so gut wie unmöglich. Während der bisherigen Sessions kam bisher einmal ein E-Drum-Pad zum Einsatz, das jedoch auch zum Triggern elektronischer Klangerzeuger genutzt wurde – eher ein E-Mallet als ein E-Drum. Der musikalische Output aller beteiligten Musiker(innen) wird auf einen Main-(Power)-Mixer geroutet, geht über eine PA direkt in den Raum und ist damit für jedermann/frau zu hören.

Modular Maniac

Modular Maniac

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ein schöner Artikel zu einem interessanten guten Konzept. Da ich beim Ambient Circle ja selber aktiv mitmache, erstaunt mich oft, wie aus einer undefinierbaren "Kakophonie" plötzlich eine "musikalische Perle" entsteht. Das ist der eigentliche Kick.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    hi! wer sowas mal im westlichen Österreich, genauergesagt in Innsbruck , erleben will ist herzlichst zu unserer Session eingeladen :
    http://www.....nge.net.tf
    bei uns sind zuhörerInnen wie auch musikerInnen immer willkommen!!!!

  3. Profilbild
    Wenzel

    Schöner Artikel :)

    Von dem Ambient Circle aus München habe ich 2008 das erste mal gehört. Der hat mich 2009 dazu gebracht mit Freunden die „Open Synth Sessions“ in Hannover zu gründen. Konzept war hier einmal im Monat eine offene Bühne für Synthesizer und Hardware Frikkler zu bieten (keine Laptops!).
    Musikalisch ging es hier aber nicht in Richtung Ambient sondern Tanzmusik – vorzüglich House.

    Aus der offenen Bühne ist mittlerweile eine Band von 5 Musikern entstanden, das Konzept bleibt aber gleich – alles improvisiert und jede Session ist gejammt.
    Hier mal in eigener Sache der Link:

    http://www...../opensynth

    und ganz offiziell nochmal ein großes DANKESCHÖN an den Ambient Circle!
    Sehr sehr inspirierend!!!!!
    :)

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