Report: Backstage auf dem Wacken Open Air

14. August 2018

Backstage auf dem größtem Metal-Festival der Welt!

 

Metal! Nach wie vor polarisiert diese Musikrichtung mit ihren unzähligen Unterordnungen die Gemeinde der Musikfans wie keine andere. Was für die einen hochenergetische Unterhaltung bester Güte darstellt, ist für die anderen nichts anderes als von Irren praktizierter Baulärm. Dieser Workshop soll sich jedoch nicht mit der Wertigkeit dieser Kunstform beschäftigen, sondern einen Blick Backstage hinter die Kulissen des größten Metal-Festivals der Welt, dem Wacken Open Air werfen und den unglaublichen organisatorischen und technischen Aufwand offen legen.

Wacken Open Air Infield

— Im Infield —

Kurze Geschichtskunde zum WOA

Wacken liegt knapp 75 km nördlich von Hamburg entfernt und darf ohne böse Absicht als Kuhdorf bezeichnet werden. Das erste Wacken Festival fand vor 28 Jahren 1990 statt, wurde von den in Wacken lebenden Freunden Thomas Jensen und Holger Hübner gegründet, fand in einer örtlichen Kiesgrube statt, hatte eine Besucherzahl von 800 Personen und diente eigentlich nur dazu, der örtlichen Musikszene eine Plattform für Auftritte zu bieten.

Aktuell bietet das Wacken Open Air Gelände Platz für ca. 85.000 Besucher, zum Einsatz kommen insgesamt acht Bühnen, wobei das Festival von einem Stab von ca. 5.000 Mitarbeitern betreut wird. Wie üblich war auch dieses Jahr das Festival innerhalb von 1 Woche nach Öffnung des Kartenvorverkaufs ausverkauft.

Ich hatte die Ehre, in den letzten Jahren bereits mehrere Male auf eine der beiden baugleichen Hauptbühnen zu spielen und versuche euch die Backstage Situationen dieses Spektakels in diesem Report etwas näher zu bringen.

Wacken Open Air hotel

— Du bist in Wacken! —

Die Organisation im Vorfeld

Neben den ganzen vertraglichen Verhandlungen, die hier nicht weiter erörtert werden sollen, gibt es jede Menge technische Kommunikation, die von Seiten der Band und des Veranstalters geführt werden müssen. Hat man sich auf einen „Slot“ (Spielzeit des Künstlers) geeinigt, übermittelt die Band ihren Technical Rider, auf dem alle wichtigen technischen Punkte aufgelistet sind. Dieser wird an den örtlichen Beschallungsverleiher weitergeleitet, der sich die Forderungen/Wünsche des Künstlers ansieht.

Viele Künstler, insbesondere wenn sie von Übersee kommen, bringen weder Verstärker noch Boxen mit, da die Frachtkosten einfach zu hoch sind. Verfügt der Künstler über ein Endorsement mit einem Hersteller, der in Deutschland einen funktionierenden Vertrieb bereithält, so kann man es u. U. organisieren, dass der präferierte Verstärker/Box vom Vertrieb für diese Show zum Auftrittsort geliefert und wieder abgeholt wird – oder aber der Backline-Verleiher hat diese Produkte bereits in seinem Angebot.

Wacken Open Air Frontrow

–Frontrow! —

Meist ist es aber so, dass der Verleiher über die Standards verfügt und dies sind bereits seit Dekaden Marshall für Gitarre (zumeist JCM 800 und 2000 Topteile, verschiedene 4×12“ Boxen) und Ampeg (SVT mit 8×10 Boxen) für Bass. Wohl dem, der zuerst auf dem Markt war! Auch Peavey hat es vielerorts ins Portfolio geschafft, aber dann ist zumeist Feierabend. Wer Sonderwünsche hat, muss sich in dem Fall selber um den Transport seiner Backline kümmern. Das Gleiche gilt auch für Drums, Keyboards etc.

Ihr kennt die abgeklebten Logos auf Lautsprecherboxen? Dann konnten keine Endorser-Produkte besorgt werden und damit kein falscher Eindruck bei Pressefotos entsteht, werden die Trademarks abgeklebt.

Wacken Open Air Pyro

— Pyrotechnik wohin das Auge sieht —

Die Anreise zum Wacken Open Air

Die erste Herausforderung gestaltet sich bei der Anreise zum Wacken Open Air. Da Wacken nur über einige wenige Übernachtungsmöglichkeiten verfügt und diese natürlich sofort ausgebucht sind, muss der Großteil der Künstler in Hamburg untergebracht werden. Reist man nun per Flugzeug oder Bahn an, gilt es zum Flughafen zu kommen, da von dort aus eine Armada von Shuttles rund um die Uhr zwischen Hamburg und Wacken pendelt, um die Musiker zum Auftrittsort und zurück zubringen. Allein die Anmeldung und Verwaltung der einzelnen Musikertransporte nebst Fahrereinsatz verschlingt mehrere Büros, die allesamt auf dem Wacken-Gelände in Containern untergebracht sind.

Bevor es auf das eigentliche Festivalgelände geht, bedarf es der Akkreditierung in einer dem Bereich vorgelagerten Hallen. Neben vielen generellen Infos erhält jeder das wichtigste Utensil des Tages, das farbig gekennzeichnete Bändchen, das den Zugang zum Gelände erst ermöglicht. Fünf verschiedene Farben erlauben den Zugang zu den verschiedenen Bereichen, wie Bühnen, Garderoben, Catering oder Pressebereich. Als Künstler der Hauptbühnen ist man einer der wenigen, die Zugang zu jedem Bereich haben.

Wacken Open Air Wacken Party

— Wacken-Party —

Forum
  1. Profilbild
    Emmbot  AHU

    Super Bericht Axel. Mit vielen Backgroundinfos und persönlichen Empfindung.

    Das WOA ist schon ein Besuch wert. Ein Haufen TOP Bands in so kurzer Zeit zu sehen.

  2. Profilbild
    syntics  

    Toller Bericht!

    Als Besucher hat man keine Ahnung davon, was hinter den Kulissen so abgeht und
    welcher immense organisatorische Aufwand hinter so einer Veranstaltung steckt.

    Aber die Organisatoren haben das echt im Griff, Hut ab…

  3. Profilbild
    Codeman1965  

    Ein Freund von mir ist seit Jahren in Wacken im Rettungsdienst dabei, hat auch einige Jahre in der Organisation mitgemacht (Hut und Mütze gleichzeitig ab dafür!).
    Nach seinen Worten gibt es nichts, was auch nur annähernd so friedlich ist wie dieses Event.
    Und es gibt wohl wenig, auf was man dort NICHT vorbereitet ist.
    Sein persönliches Highlight war seinerzeit, als Lemmy ihn „genötigt“ hat, aus seiner Buddel einen ordentlichen Hieb zu nehmen…
    Musik obergeil, Leute gut, Organisation gut, und das Dorf spielt auch mit.
    Auch, wenn dieses Jahr der obligatorische Schlamm fehlte. Zu trocken für Wacken…!
    Ich muss da wohl irgendwann auch noch mal hin… ;-)
    Danke für Deinen Bericht, Axel…!

  4. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    Sehr schöner Artikel.
    Da hätte ich direkt Lust ein Mehrteiler zu lesen :-).
    Hab auch schon wieder das Ticket für nächstes Jahr und werde jetzt bestimmt mehr darauf achten was so hintergründig passiert. ( Wo man es mitbekommen kann).
    Wacken ist echt immer Top organisiert.

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