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Report: Der Plattenvertrag


"Must Have" oder Relikt aus grauer Vorzeit?

Nur selten ereilen einem im Musikgeschäft Bezeichnungen, die je nach Herangehensweise sowohl als der Heilsbringer in Reinkultur oder aber als das Böse schlechthin bezeichnet werden. Wenn dann leider noch in vielen Fällen ein hoher Anteil von Unwissenheit und Fehlinformation hinzukommt, ist das fehlinterpretierte Konstrukt perfekt. Die Rede ist vom ominösen Plattenvertrag, der in einigen Köpfen immer noch der automatisierte Schlüssel zu Ruhm und Erfolg in der Musikbranche darstellt.

Was aber vor einigen Dekaden ein unabdingbarer Bestandteil der persönlichen Karriere darstellte, ist heutzutage unter völlig anderen Gesichtspunkten zu bewerten. Dieser Workshop soll dabei helfen, die gröbsten Denkfehler zu vermeiden, mit Vorurteilen aufräumen und die beste Wahl für die persönliche Karriere zu treffen. Auf geht’s!

Her mit der Kohle!

Um die Einkünfte eines Künstlers zu analysieren, muss man sich zunächst die verschiedenen Quellen ansehen, welche dem Künstler zu Verfügung stehen. Hier haben sich letztendlich vier Bereiche herauskristallisiert.

1.) Live Gage: Erklärt sich von selbst. Der Künstler will so viel wie möglich haben, der Local Promoter will am liebsten gar nichts zahlen, der Erfolg liegt im persönlichen Verhandlungsgeschick und der wirtschaftlichen Wertigkeit des Künstlers.

2.) Merchandise: auch letztendlich ein einfaches Konzept, wobei die Vermarktungsmethoden bereits wieder einen eignen Artikel füllen würden.

3.) Urheberrecht: Wird primär von der GEMA bzw. der GVL wahrgenommen, indem sie als Inkasso-Firmen entsprechende Einnahmen bei Veranstaltern jeglicher Art einfordern. Ja, der Verteilungsspiegel ist ein Verbrechen am Künstler, das kann hier aber nicht weiter erörtert werden und nein, die GEMA schützt Eure Musik nicht, sondern ist nichts anderes als ein Geldeintreiber, der von Euch beauftragt wurde.

4.) Der Plattenvertrag (endlich): die Abtretung und Lizenzierung des Vervielfältigungsrechtes an Euren künstlerischen, besser gesagt, an Eurer Musik.

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    Filterpad AHU

    Gerade als Produzentenneuling neigt man gerne dazu, einen auf „groß“ zu machen. Das Internet macht’s schließlich möglich. Ich dachte eine Zeitlang, ich müsste Kontakte knüpfen um groß rauszukommen – Alles Quark! Bereut habe ich es trotzdem nicht und man wird einfach um eine Erfahrung reicher. Dazu kommen die ständig abstrusen Angebote von Kellerlabels und Masteringanbietern (ich mastere deinen Song für 20€ ???, hier mein Konto…). Leute: Alles schwarze Schafe! Zum Schluss unterschreibt man was, ist in der (Label-)Gesellschaft verankert und kommt nicht mehr raus. Bei solch Zeugs kommt einem fast der Gedanke auf, warum nicht selber solche Angebote auf diversen Plattformen anbieten! Das soll eine *WARNUNG* an alle Semi, – Hobbymusiker sein! Es gibt genügend erfahrene Musiker, die einem einen Song kostenlos mastern und sonst irgendwie behilflich sind. Es gibt sogar eine Internetseite die das anbietet. Daher: Niemals auf solche Angebote eingehen und Geld für irgendwelche Dienste bezahlen. Das ist Vergleichbar mit unseriösen Modelagenturen.

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      Marco Korda

      Ist das ein Appell an alle Musiker, ihre Songs nur noch umsonst von Freizeit-Mastering-Engineers anfertigen zu lassen? Das halte ich auch für das falsche Signal, denn Qualität kostet nun mal auch Geld. Wenn Du überzeugt bist, dass da einer umsonst gute Arbeit macht, dann bitte schön, aber ich glaube da nicht ernsthaft daran.

      Ansonsten gebe ich Dir aber weitgehend recht, es ist ein Dschungel, der nicht dazu einlädt, sich darauf einzulassen. Er kostet mehr, als dass er was (ein-)bringt.

      Und zum Artikel: fand‘ ich richtig gut, dass mal so klipp und klar darzustellen. Vor allem, was die möglichen Einnahmen angeht. Kill Spotify!!!

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        Ralph Schloter

        Mastering (bzw. Premastering) bringt nur etwas, wenn Aufnahme und Mischung gut sind. Dann ist aber ein professionelles Masteringstudio jeden Cent wert!

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        Filterpad AHU

        ZITAT >>> …“Ist das ein Appell an alle Musiker, ihre Songs nur noch umsonst von Freizeit-Mastering-Engineers anfertigen zu lassen? Das halte ich auch für das falsche Signal, denn Qualität kostet nun mal auch Geld.“ <<< Das unterschreibe ich zu 100%! Ich wollte mit meiner Aussage keine Brache "in den Dreck" ziehen sondern darauf aufmerksam machen, dass ein gutes Mastering keine 20 Piepen kosten kann, sondern real eher 50-80€ pro Song! An die ehrlichen Leute der Musikindustrie – Chapó! Für alle, die ihre Songs labeltauglich halten (das ist immer die Frage), diejenigen sollten ihre Songs auch professionell mastern lassen wenn sie glauben, morgen kommt der Plattenvertrag! Ich bin erst seit ca. 2010 als Producer unterwegs und meine Songs sind wirklich nicht professionell gemacht. Aber was ich schon erlebt habe, davon könnte ich ein Buch schreiben – Thema: "Woran erkenne ich schwarze Schafe und wie unterscheide ich Illusion und Wirklichkeit!“. Deshalb mein straffer Bezug zum Thema.

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        Coin ••••

        Hallo Marco, wegen des Appels.
        Sich vorher im Netz zu etwaigen Angeboten zu informieren
        kann ja nie schaden.
        Und da gibt es zum Beispiel das deutsche
        Recording.de Forum, wo regelmässig Misch/Mastering Contests stattfinden.
        Wenn man dort nett fragt bekommt man auch kompetente Hilfe und vielleicht ein kostenloses Mastering.
        Hängt ja auch immer vom Material ab.
        Auf einen weniger guten Track haben sicher nicht so viele Bock, wie auf eine Perle.
        Da kannst Du eventuell auch mehrere Leute machen lassen und dir die beste Arbeit aussuchen.
        Ich würde für Mastering kein Geld ausgeben.
        1. Weil ich mit musizieren nichts verdiene.
        Und 2. mir mein eigenes ausreicht,
        für die einfache Musik die ich mache.
        Gruß – Coin

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      TobyB RED

      Hallo Filterpad,

      die komischen Angebote sitzt man einfach aus :-) oder reagiert nicht ;-) . Pre/Mastering ist noch mal ne andere Kiste, da es „eigentlich“ nur ein technisches prozessieren des Ausgangsmateriales hin zu einem Zielmedium ist. Nun was anderes. Generell würd ich jedem Neuling erstmal empfehlen zu lesen was unterschrieben werden soll, anschliessend geht es zu einem Anwalt, der auch noch mal einen Blick wirft. Und anschliessend wird über den Vertrag verhandelt und dann das Resultat abgestimmt und irgendwann gibt es eine Unterschrift. Und wenn man auf Label keinen Bock hat macht man sein Ding selber. Und das organisiert man am besten mit einem Businessplan und arbeitet den ab. Wichtig ist konsequentes und planvolles umsetzen und der Faktor Zeit. Und das funktioniert, guck dir z.B. „Kebu“ an. Oder Axels Band. Ich denk mal man muss das ganz nüchtern sehen, Musik macht mit Leidenschaft und dementsprechend sollte man mit kühlem Kopf sein Business angehen.

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        Filterpad AHU

        Toby – Absolut Top! So gut und genau hätte ich es gar nicht verfassen können. Das ist der ultimative Plan! Viele nehmen ihre Vermarktung inzwischen selbst in die Hand, da kleine Labels auch nicht „mehr“ machen können (wegen Internet, Mitbewerber etc.). Ausnahme: Man ist bei einem der drei großen Plattenbosse unter Vertrag. „Kebu“ ist ein gutes Beispiel, obwohl ich den kaum kenne.

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          TobyB RED

          Hallo Filterpad,

          Ich geb da nur meine Erfahrungen wieder. Nur kann ich halt aus meinem Berufs“er“leben schöpfen. Zu den 3 großen Labeln und sowas nimmt man z.B. auch von der Musikmesse in FFM mit. Die kochen auch nur mit Wasser und einer großen Menge Kontakten. Und das Verständnis der großen Label wandelt sich grade immmens. Der Digitale Wandel ist vollzogen und es geht um die Vermarktungskanäle und Verteilung. Das kleine Label nun nicht mehr machen können ist so nicht ganz richtig, ich picke hier mal das Label Infracom aus FFM/Rüsselsheim heraus. Die machen schon viel und noch mehr richtig. Wie gesagt Musikmachen und Musikverkaufen sind zwei Paar Schuhe.

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    Green Dino ••••

    @Filterpad
    „Es gibt genügend erfahrene Musiker, die einem einen Song kostenlos mastern und sonst irgendwie behilflich sind. Es gibt sogar eine Internetseite die das anbietet“

    Mit „dieser Internetseite“ meinst du jetzt aber nicht automatisches Mastering a la LANDR, oder?

    Grüße

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      Filterpad AHU

      OK – das kannte ich jetzt noch nicht aber was ich gesehen habe kostet das (Abo). Da gibt es Anbieter, die machen das komplett ‚for free‘ (den ganzen Song). Mir fehlen diesbezüglich Erfahrungswerte, da ich das Angebot noch nie wahrgenommen habe. Ich versuche mich darin selber, um es zu lernen. Das Ergebnis der Userkollegen kann sich aber durchaus hören lassen, so weit ich das beurteilen kann.

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        richard AHU

        Sicher es gibt immer Leute die einem das auch umsonst machen können und nach meiner Erfahrung kann man das auch schon mal wahrnehmen wenn man den Track schnell noch etwas aufpolieren möchte um ihn z.b live zu spielen. Aber um damit zu veröffentlichen reicht die Qualität sicher nicht. Bei den Mitmusikern die das so machen weil du es bist mag das sicher noch sehr unterschiedlich sein, aber die kostenlosen Plattformen liefern keine wirklich gute Qualität. Man kann mit den meisten profesionellen Anbietern verhandeln wenn man z.b immer sie als Masteringstudio nimmt oder auch mehrere Tracks einreicht, das läßt sich in den meisten Fällen bezahlen und es gibt natürlich auch die Möglichkeit abgestuft mastern zu lassen, also „nur digital“ oder dergleichen. Aber ich für mich sage, das Mastering eine Kunst für sich ist und nicht mal so eben „for free“ zu haben sein kann, ein richtiges Mastering dauert und macht Arbeit, vor allem wenn es auf hochwertigem Equipment durchgeführt wird.Ich hatte früher schon Veröffentlichungen da hatt der Labelboss selber gemastert, weil er sich das einfach so zugetraut hatte und es immer so machte. Ergebnis; Grauenhaft, klang vorher besser, hatte danach keinen Druck mehr und die Bässe waren übersteuert, er hatte zwar ganz gute Software aber blöde Boxen.

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    Franz Walsch •••

    Guter Artikel. Aber es fehlt der Hinweis das man schon als Schulband bei öffentlichen Veranstaltungen den erste GEMA-Kontakt unangenehm zu spühren bekommt. Gerade bei kleinen Veranstaltungen fühlt sich der Veranstalter nicht für die GEMA-Abgabe zuständig. Früher gab es auch Label-Scouts, die sich Bands live anhörten und ansprachen. Heute haben Musikgrößen wie Phil Collins (Genesis – vielleicht erinnnert sich noch einer …) schon seit Jahren keinen Plattenvertrag mehr. Am schlimmsten ist aber die Selbstvermarktung die keine Zeit mehr für die Musik lässt. Dafür ist dann ein Plattenvertrag der beste Weg.
    Dazu kommt noch das es dort auch Producer (wie Sir George Martin bei den Beatles, America …) gibt (oder gab?) die das Image einer Band auf die Spur bringen und im besten Sinn prägen.

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    richard AHU

    Mit Labels erlebt man als „Neuling“ schon so einiges und ich habe schon Anbieter erlebt die sich wohl darauf spezialisiert hatten vor allem unerfahrene Musiker über den Tisch zu ziehen und ihr Geld vor allem mit den Acts zu verdienen, nicht mit der Musik die sie verkaufen. Ich hatte schon so einen Witzbold der behauptete er bräuchte erst mal 1000 Euro von mir, dann würde er mein Album in alle Downloadstores einstellen und es einem Promopool zugänglich machen, eine Dienstleistung also die man als Musiker heutzutage auch selber machen kann, für einen Bruchteil des Geldes. Über die kleinen Labels bekommt man schon recht schnell eine Veröffentlichung, auch wenn man sich darüber streiten kann wie viel Sinn das heutzutage macht. Ein großes Label ist immer ein Zugewinn wenn man die Chance dazu bekommt.

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    MidiDino AHU

    Vorab, ich kann mich über Pop/Rock nicht äußern, lediglich über Jazz/Klassik: Wer in diesen Bereichen nicht dazuverdient, könnte von seinen Plattenerlösen ohnehin nicht leben. Orchester sind in der Regel angestellt, und Jazzmusiker sind z.B. auf das Geben von Unterricht angewiesen, um überleben zu können.
    2016 wurde eine Jazzstudie veröffentlicht, die besonders die Einkommenverhältnisse im Jazz empirisch untersuchte. Sogar inklusive der Honorare für Auftritte ist es äußerst selten, dass jemand von Jazzmusik alleine leben kann. Musikalische Professionalität und Einkommensverhältnisse haben sehr wenig miteinander zu tun.
    Ein auch klangästhetisch wichtiges Label wie ECM gehört zwar inzwischen einem der großen Major, ist jedoch weiterhin von Relevanz. Es war nicht nur marktprägend, sondern ist es weiterhin. Die Entscheidungen eines solchen Labels sind freilich auch wirtschaftlich motiviert. ‚Experimentelle‘ Musik lässt sich mithilfe eines solchen Labels nicht machen. Wer stärker an Musik als an Geld interessiert ist, braucht auch in Jazz/Klassik letzlich kein etabliertes Label.

    http://www.jazzstudie2016.de/

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      TobyB RED

      Hallo Midi,

      das gilt auch für Musiker anderer Sparten. Die Einkommensituation hat sich nicht entspannt, siehe Geschäftsbericht der GEMA und KSK. Zwar sind erstmal generell die Ausschüttungen durch Streaming, Stores gestiegen, es kommt davon aber kaum was bei den Künstlern an. Das gilt auch für den CD Vertrieb.

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    Sokrates

    Wenn ich könnte, würde ich im Musik Business die Abkürzung nehmen. Statt sich umständlich bei Plattenfirmen bewerben, würde ich mich ins Vorprogramm einer Mega-Band einkaufen und dann durch Deutschland touren. Mich würde interessieren: was kostet es im Vorprogramm von ZZ Top oder Bon Jovi zu spielen ?

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      TobyB RED

      Hallo Sokrates,

      Die Abkürzung dürfte dich und deine Band einige Säcke Geld kosten ;-) Und ist erstmal ein Future Invest und das Invest bringt nichts, wenn Marketing, Produktion und Aftersales nicht passen. Darüber muss man schon einen gewissen Bekanntsheitsgrad mitbringen und Verbindungen und ein Partner der hier unterstützt ist auch nicht verkehrt. Bei den Tourneen die ZZ Top und Bon Jovi abfeiern reden wir pro Gig von dem netten Sümmchen von 50k für die Vorband aka Support.

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