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Report: Leon Theremin und die Geschichte des Theremins

Das Theremin - music in the air

25. Dezember 2021

Ob das Theremin tatsächlich das erste elektronische Musikinstrument war, lässt sich nicht hundertprozentig belegen, dass Lew Thermen mit seiner Erfindung ein Pionier der elektronischen Musikinstrumente war und einen weiteren Pionier , Robert Moog, maßgeblich beeinflusst hat, ist Fakt.

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Die Quellensuche im Internet über das Thema Theremin und seinen Erfinder Leon Thermen im Speziellen ist unglaublich spannend, die Lebensgeschichte liest sich teilweise wie ein Agentenroman – KGB, Entwicklung von Abhöreinrichtungen, Wanzen in der amerikanischen Botschaft … dabei wollte ich eigentlich nur den Ursprüngen meines Moog Etherwave Theremins nachgehen und eine Geschichte über das Theremin schreiben, einfach weil dieses Instrument ungemein faszinierend ist.

Die Geschichte des Theremins wird von drei Personen maßgeblich beeinflusst – holen wir sie vor den Vorhang.

Leon Theremin

Lew Sergejewitsch Termen, der sich erst nach seiner Ausreise in den Westen Leon Theremin nannte, wurde 1896 in St. Petersburg geboren. Er studierte Cello am St. Petersburger Konservatorium und studierte im Anschluss an seine musikalische Ausbildung Physik. Er leitete das physikalisch-technische Institut in Petrograd und arbeitete eng mit dem Moskauer Institut für Musikwissenschaften zusammen.

In dem Labor des Instituts forschte er an elektrischer Oszillation und arbeitete an einem elektronischen Metalldetektor, als er auf einen wie von Geisterhand ausgelösten Toneffekt stieß. Termen erkannte das Potential dieser Entdeckung und stellte am 5. August 1920 das sogenannte „Aeterophon“ der staunenden Öffentlichkeit vor. In dieser Ur-Version des Theremins wurde die Tonhöhe bereits durch Handbewegungen in der Luft gesteuert, die Lautstärke aber durch ein Pedal geregelt. Thermen entwickelte das Instrument weiter, in der überarbeiteten, „Thereminvox“ genannten Version konnte der Spieler nun auch die Lautstärke über Handbewegungen in der Luft ansteuern. Ein derart futuristisches elektronisches Musikinstrument symbolisierte technischen Fortschritt und sorgte für Begeisterung und war somit natürlich auch politisch interessant. 1921 stellte Termen das Instrument in einer Privataudienz im Kreml Lenin persönlich vor.

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Thermen war aber nicht der einzige, der an elektronischen Klängen forschte. So entstand 1923 das Ondes Martenot, das auf ähnlichen Prinzipien beruhte – der Entwickler Maurice Martenot hatte auch Kontakt zu Leo Thermen. Beim Martenot wurde die Tonhöhe durch einen an einem drahtgeführten Ring gesteuert.

Das Theremin geht um die Welt

1927 präsentierte Termen das Theremin international auf einer Art Welttournee dem staunenden Publikum.

Leon Thermen und Clara Rockmoore

Im Zuge seiner Welttournee arbeitete er auch mit der Theremin Virtuosin Clara Rockmoore zusammen und lebte ab 1928 einige Zeit in New York. Thermen ließ das Theremin patentieren, verkaufte das Patent an RCA, die das Theremin in Großauflage herstellen wollten, der Erfolg war allerdings eher bescheiden, es wurden angeblich nur 500 Exemplare verkauft. Er änderte seinen Namen auf Leo Theremin und forschte in einem futuristisch anmutendem Labor – eine Inszenierung, auch um weitere Geldgeber und Investoren zu akquirieren.

Weitere elektronische Musikinstrumente, die Leo Theremin entwickelte, waren ein elektrisches Cello ohne Saiten und das sogenannte Terpsiton, eine Art Tanzplattform, die Körperbewegungen in Töne verwandelte, sowie das Rhythmicon, das mittels optischer Abtastung Tonfolgen von rotierenden Scheiben ablesen und erzeugen konnte.

Noch in Moskau arbeitete Theremin aber auch an Techniken, die für militärische Nutzung interessant waren, wie z. B. an drahtloser Bildübertragung. 1938 kehrte Theremin unter ungeklärten Umständen in die UdSSR zurück, wo er unter Haftbedingungen mit anderen Wissenschaftlern an weiteren militärischen Projekten arbeitete. Er entwickelte unter anderem eine legendäre Abhöreinrichtung (oder „Wanze“), mit der die US-Botschaft abgehört wurde (das Abhörmikrofon wurde in ein Kunstwerk, das dem amerikanischen Botschafter überreicht wurde, eingebaut) und ein Infrarot -Abhörmikrofon, das Schallwellen über die Vibrationen von Fensterscheiben abscannen konnte.

Hinter diesem Holzrelief verbarg sich eine von Leon Theremin konstruierte Abhöreinrichtung

Für seine militärisch-geheimdienstlichen Erfindungen erhielt Theremin den Stalin-Preis erster Klasse (angeblich von Stalin in der Urkunde persönlich von zweite auf erste Klasse handschriftlich ausgebessert). Er wurde aus der Haft entlassen, arbeitete aber weiter für den KGB. Erst 1964 tauchte Theremin offiziell wieder auf, und entwickelte – als Alterswerk sozusagen – seine Instrumente weiter.

Theremin starb im Alter von 97 Jahren am 03.11.1993 in Moskau.

Clara Rockmore

Clara Rockmore gilt als DIE Theremin-Virtuosin und brachte mit ihrer unnachahmlichen Art und Spieltechnik das Theremin einem breiten Publikum näher. Sie galt als musikalisches Wunderkind und studierte Violine am St. Petersburger Konservatorium. Nachdem sie ihre Karriere an der Violine aufgrund von Gelenkproblemen bereits in jugendlichen Jahren beenden musste, wandte sie sich dem neuartigen Theremin zu. Aufgrund ihrer klassischen Ausbildung und Schnelligkeit in Verbindung mit ihrem absoluten Gehör hatte sie wie sonst nur wenige die Vorraussetzungen, um das Theremin virtuos zu spielen. Sie emigrierte 1920 in die Vereinigten Staaten und gab Leon Theremin wesentlichen Input zur Verbesserung und Weiterentwicklung des Instruments.

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Die Spieltechniken, die Clara Rockmore entwickelte, sind auch heute noch Standard. Die DVD „Mastering the Theremin“ bietet einen Grundlagenkurs auf Basis der Spieltechniken Rockmores und ist jedem ans Herz gelegt, der die fantastischen Ausdrucksmöglichkeiten dieses Instruments kennenlernen möchte.

 

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Robert  Moog

Robert Moogs Ursprünge als Elektronik-Instrumentenbauer sind eng mit dem Theremin verknüpft. Schon in den 1950ern baute er zusammen mit seinem Vater sein erstes eigenes Theremin. 1961 veröffentlichte er in der Fachzeitschrift Electronics World einen Artikel über den Selbstbau eines Theremins und stellte in Zusammenarbeit mit seinem Vater Theremin Bausätze zum Preis von 50 Dollar im Keller seines Elternhauses her, danach folgte mit dem Theremin A das erste Produkt von R.A Moog Music.

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Moog reparierte sogar Clara Rockmoores Theremin Ende der 1980er. Er blieb auch nach seinen Erfolgen mit dem Modularsystem und dem Minimoog dem Theremin verbunden, seit den Neunzigern des letzten Jahrhunderts ist das Moog Etherwave Theremin wieder fixer Bestandteil des Produktportfolios vom Moog Music und wird als Bausatz und als fertig montiertes Gerät angeboten. Obwohl Moog wie kaum ein anderer Name für analoge Klangerzeugung steht, wurden doch die Möglichkeiten der digitalen Simulation von analoger Klangerzeugung ausgelotet und die Moog Foundation entwickelte das Theremini, dessen Klangerzeugung eben digital ist und das weitergehende Klangformungsmöglichkeiten bietet.

Credits  – wer hat es wo gespielt

Der Klang des Theremins war neu und ungewöhnlich, wie aus einer anderen Welt, die Spielweise ist jedoch auch an klassischen Streichinstrumenten wie der Violine angelehnt. Zunächst beschäftigten sich daher auch klassische Komponisten aus dem Leningrader Kulturkreis mit den Möglichkeiten des Instruments. Aber das Interesse war geweckt. Joseph Schillingers First Airphonic Suite war eine der wichtigsten Kompositionen für das Theremin in dieser Zeit. Nebenbei war Schillinger auch Nutzer des Rhythmicons und komponierte auf Basis mathematischer Formeln. Ein Urvater des Musikanten mit Taschenrechner in der Hand. Die völlig freie Möglichkeit des Ausdrucks weckte auch die Fantasie unkonventioneller Zeitgenossen, wie etwa des australischen Komponisten Percy Graininger, der das schöne Statement „es ist absurd, im Zeitalter des Fliegens zu leben und immer noch an Noten und Töne gebunden zu sein“ hinterlassen hat. Gegen 1930 flaute das Interesse an dem neuartigen Instrument dann doch ab, es gab noch eine umjubelte Aufführung 1932 in der Pariser Oper, danach verebbte die Begeisterung in Europa und Thermen verlegte seinen Fokus über den Atlantik, auch galt das Theremin zu der Zeit als „jüdisches Instrument“.

Über den großen Teich wurde das Theremin in der Filmmusik eingesetzt, etwa in „King Kong und die weiße Frau“ oder in „Frankensteins Braut“, zunächst nicht in vorderster Front.

Nahelegender war da natürlich die Verwendung für Soundeffekte z. B. in Filmen von Alfred Hitchcock oder Billy Wilder. Samuel Hoffmann war damals der Interpret für die schaurigen Soundeffekte, nachdem Clara Rockmoore sich geweigert hatte, das Theremin für diese Zwecke zu performen. Hoffmann interpretierte auch das Album „Music out oft he moon“ das im Zuge der Apollo 11 Mission tatsächlich auf den Mond mitgenommen wurde.

Abgesehen von der Verwendung für Soundeffekte fand das Theremin auch in der aufkommenden Pop-Musik Verwendung. Stets angeführt hier die Beach Boys mit „Good Vibrations“, obwohl hier kein Theremin, sondern ein „Tannerin“ zum Einsatz kam, weiterhin prominent Led Zeppelins „Whole Lotta Love“, auch Jean-Michel Jarre setze das Theremin live und im Studio ein, ebenso ist es auf einigen Aufnahmen von Tom Waits verewigt.

Auch im Jazz wurde das Theremin natürlich gerne eingesetzt, aber auch in meiner Domäne, den TV-Jingles. Es ist in der Musik zu Babylon V zu hören, am prominentesten wohl aber in den Jingles zu Inspector Barnaby, da exzellent performt von Celia Sheen, besser kann man das Theremin für diesen Zweck nicht in Szene setzen.

Das Moog Etherwave Theremin

Mein Moog Etherwave Theremin habe ich aus dem Nachlass eines von mir sehr geschätzten Musikers erworben, den ich leider nie persönlich kennengelernt habe. Das Moog Etherwave Theremin ist eigentlich ein sehr limitiertes Instrument, die Klangerzeugung simpel, es gibt nur eine Klangfarbe. Der Abstand der linken Hand zum Bügel regelt die Lautstärke, der Abstand der rechten Hand zur Antenne regelt die Tonhöhe. Es gibt keinen doppelten Boden, keine Spielhilfen. Vibratos und Glissando müssen gespielt werden. Um präzise Intervalle zu spielen, empfiehlt sich die Technik, den Daumen in Grundtonposition zu lassen und die folgenden Töne mit den weiteren Fingern an eingeübten Positionen auszulösen. Das einmal verinnerlicht, ermöglicht es, die Töne präziser auszulösen.

Auch wenn das jetzt alles kompliziert klingt, es hat einfach Magie, dieses Instrument zu spielen und ja, man muss sich darauf einlassen und üben und nochmals üben, um Verwertbares herauszuholen und zu Erfolgserlebnissen zu kommen.

Wie funktioniert das Etherwave Theremin technisch

Die beiden Antennen des Theremins entsprechen elektrotechnisch Elektroden. Die Hand des Spielers und der Spieler selbst bilden die Masse. Der Abstand der Masse zur Elektrode beeinflusst Schwingung und Güte des Referenzoszillators. Da die über die Antenne empfangbaren Kapazitätsänderungen sehr gering sind, wirken diese nur bei sehr hohen Frequenzen, die über dem Hörbereich des menschlichen Ohres liegen. Der Referenzoszillator ist daher in diesem sehr hohen Frequenzbereich getaktet.  Damit das Ergebnis wieder hörbar ist, wird das Signal mit einem Referenzoszillator mit statischer Frequenz gemischt, dadurch wird das Ausgangssignal wieder in den Hörbereich gebracht.

Das Schaltungsprinzip eines Theremins

Auf dem gleichen Prinzip beruht die Steuerung der Lautstärke des ausgegebenen Signals. Auch hier wird die Kapazität des Lautstärkeoszillators durch die Position des Spielers zur Antenne/Elektrode bestimmt. Je größer die Entfernung, desto geringer die Schwingung und somit die ausgegebene Steuerspannung für die Lautstärke. Bei den Ur-Theremins von Lev Thermen waren noch Röhrenoszillatoren in Verwendung, später wurden dann Transistoroszillatoren verbaut.

Die Gegenwart und Zukunft

Das Moog Theremini ist nicht die letzte Evolution des Theremins, zu spannend und zeitlos ist das jetzt über einhundert Jahre alte Konzept. Ein zentrales Problem dieses faszinierenden Instruments ist, dass es sehr schwer zu spielen ist. Zum einen benötigt der Spieler ein sehr gutes – noch besser ein absolutes Gehör – und man muss wirklich üben, üben, üben – in unserer schnelllebigen Zeit ist das schwer zu vermitteln.

Das Moog Theremini hat eine digitale Tonerzeugung und bietet grafisches Feedback über die gespielte Tonhöhe

In den Startlöchern steht aktuell die nächste Evolutionsstufe des Erbes von Leo Thermen, das Moog Claravox Centennial Theremin, das auf der Schaltung des Moog Etherwave Pro Theremins basiert und eine erweiterte Klangerzeugung und Spielhilfen in Form von Skalierungen und App-Steuerung bieten soll.

Das Moog Claravox Centennial Theremin ist die letzte Evolutionsstufe des Theremins

Ich persönlich bin schon sehr gespannt auf die Möglichkeiten dieses neuen Instruments, könnte es doch das Theremin einem breiteren Publikum näherbringen – die Geschichte ist jedenfalls noch nicht zu Ende – there is still Music in the Air …

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Fazit

Ein Theremin in sein Studio zu holen bedeutet, sich auf ein richtiges Instrument einzulassen. Es gibt keinen doppelten Boden, es gibt kein schnelles Erfolgserlebnis. Man braucht vor allem am Anfang Geduld und Ausdauer, wird aber mit einem einzigartigen Spielerlebnis belohnt. Ein Theremin zu spielen, ist immer eine Zeitreise an die Anfänge der elektronischen Musik.

Plus

  • einzigartiges Spielgefühl
  • bühnenwirksame Performance

Minus

  • erheblicher Übungsaufwand notwendig
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Forum
  1. Profilbild
    Dirk Matten RED

    Zum letzten Satz im Fazit „Ein Theremin zu spielen, ist immer eine Zeitreise an die Anfänge der elektronischen Musik“ erlaube ich mir die folgenden Zeilen aus Wikipedia hier zu zitieren:
    Werner Meyer-Eppler (* 30. April 1913 in Antwerpen; † 8. Juli 1960 in Bonn) war ein deutscher Physiker, Informationstheoretiker, Kommunikationsforscher

    In seinen Veröffentlichungen erscheint zum ersten Mal der Begriff elektronische Musik in der deutschen Sprache.
    Er hielt viele Vorträge über elektronische Klangerzeugung und Elektronische Musik bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik und später im Radio. Dadurch interessierten sich Musiker wie Herbert Eimert und Robert Beyer für die neuen Möglichkeiten. In dieser Folge entstand das erste Studio für Elektronische Musik des NWDR, Meyer-Eppler hatte hier wesentlichen Anteil. Gerade weil er nicht Insider in der Musikszene war, konnte er treffend über die Schwierigkeiten des Musikbetriebes urteilen. Sein Gegenvorschlag war die Elektronische Musik. Weil aber die Trivialisierung elektronischer Mittel in der Musik vorhersehbar war, stellte er strenge Anforderungen: „Musik ist nicht schon dann „elektronisch“ zu nennen, wenn sie sich elektronischer Hilfsmittel bedient, da es hierzu keineswegs genügt, die bereits vorhandene Tonwelt oder gar eine bestehende Musik ins Elektroakustische zu übertragen.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Meyer-Eppler

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      camarillo

      In Meyer-Epplers Sinne ist die Verwendung elektronischer Musikinstrumente und Hilfsmittel zwar nicht hinreichende, aber noch immer notwendige Bedingung, um Musik als elektronisch zu klassifizieren. Da das Theremin zweifelsfrei eines der ersten elektronischen Musikinstrumente ist, steht es gemeinsam mit u.a. dem Ondes Martenot und dem Trautonium natürlich am Anfang der Entwicklung der elektronischen Musik.
      Ich finde daher, dass an dem Satz „Ein Theremin zu spielen, ist immer eine Zeitreise an die Anfänge der elektronischen Musik“ rein gar nichts auszusetzen ist, auch nicht unter Verwendung Meyer-Epplers Definition elektronischer Musik.

      • Profilbild
        Dirk Matten RED

        Wenn alleine zur Bedingung gemacht wird, dass das Gerät mit Strom betrieben wird und Melodien erzeugt, dann macht mein eleketrischer Türgong elektronische Musik.

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          camarillo

          Der Türgong ist nur Hilfsmittel. Allenfalls der „Komponist“ des Türgongklanges und der Türgongmelodie hätte im Meyer-Epplerschen Sinne elektronische Musik geschaffen, sofern der Türgong nicht elektromechanisch funktioniert und eine gewisse Schöpfungshöhe erreicht ist ;-)

        • Profilbild
          camarillo

          Nach Meyer-Epplers Definition wäre heute nach meinem Verständnis wohl z.B. *jede* rein in irgendeiner DAW mit nicht auf Samples basierenden Plugins realisierte Musik elektronische Musik.

          Theremin-Konzerte wiederum hat er ausdrücklich(!) nicht als elektronische Musik angesehen. Dennoch stehen die elektronischen Instrumente wie das Theremin am Anfang der Geschichte der elektronischen Musik. Die Geschichte der Schifffahrt fing ja auch nicht erst mit der ersten Fahrt an, sondern (spätestens) mit dem ersten Schiff.

  2. Profilbild
    toneup RED

    Danke Herr Matten für den Kommentar!
    Man kann das Instrument aber sicher als elektrifiziert bezeichnen. Es gibt ein sehr schönes Foto von Leon Thermen vor einem geöffneten Theremin, wo Röhren und andere Bauteile zu sehen sind (kann jeder googeln, leider waren die Bildrechte unklar, ich hätte es gerne in den Artikel übernommen). Also kann man zumindest von einem der ersten elektrischen Instrumente sprechen.

    • Profilbild
      Dirk Matten RED

      Das würde besser passen: „Ein Theremin zu spielen, ist immer eine Zeitreise an die Anfänge der elektronischen Musikinstrumente“

  3. Profilbild
    urbanlandman

    Viele Dank für diesen sehr lesenswerten Artikel mit tollen Videoverweisen. Auch wenn das Theremin ein Exot im Kanon der Instrumente bleiben wird, wird es doch ebenso immer mit der elektronischen Musik verbunden sein. Ich erlaube mir hier zwei ergänzende Hinweise. Zum einen zu Carolina Eyck, der deutschen Thereminvirtuosin, die – wie man auf Youtube sehen kann – das Instrument auch in modernen Stücken gekonnt einsetzt sowie auf das Open Source Hardware Projekt „Open Theremin“, das einen preiswerten Einstieg in die Welt des berührungslosen Spielens ermöglicht.

    • Profilbild
      toneup RED

      Vielen Dank für den Tipp. Habe mir eben den Tracks anortheen Lights auf YouTube angesehen. Grossartig. In dem Video trägt Frau Eyck – glaube ich gesehen zu haben – auf der linken Hand auch einen Ring- Controller um neben der Lautstärke mit der Hand noch andere Parameter Steuern zu können.

  4. Profilbild
    lunatic AHU

    Wirklich interessant, das gebe ich zu. Trotzdem assoziiere ich mit dem Theremin Glaskugel, singende Säge, schwebende Jungfrauen, freie Energie…..

    Faszinierend und für den Elektropöbel komplett uninteressant zugleich…
    DAS Soloinstrument schlechthin. Imho

  5. Profilbild
    Robert Skerjanc RED

    Auch für Leute mit absolutem Gehör erfordert das Theremin eine extreme Frustrationstoleranz. Das Theremini wird daher von Musiker zu Musiker wie eine heiße Kartoffel weitergereicht. Da hilft der Modus mit der Tonhöhenquantisierung und moderneren Synthesizer-Presets nicht viel, zumal diese etwas altbacken klingen.
    Es gibt keine Profis, die das Instrument richtig beherrschen. Ich denke, die Kluft zwischen klassisch ausgebildeten Musikern und elektronischen Instrumenten ist heute größer als früher.
    Also für mich eine kleine Marktnische für Soundeffekte und das Regal.

  6. Profilbild
    mfk AHU

    Ich habe ein Moog-Theremini für meine Kinder gekauft.
    Verstaubt nun im Regal.
    Für Anfänger ist das nichts, auch wenn es preislich danach aussieht:

    Trotz der festen und einstellbaren Tonhöhen ist es sehr schwierig, etwas außer musikalisches Chaos herauszubekommen.
    Es bingt aber trotzdem Spaß.
    Am besten übt man alleine.

    Das Teil ist (Preis-Leistung) sehr solide gebaut und klingt auch (über eine Anlage) gut.
    Das klangerzeugende Innenleben ist etwas in die Jahre gekommen; heute würde wohl eine offenere und/oder vielseitigere Architektur wählen.

  7. Profilbild
    schammi

    Sehr informativer Bericht. Hatte vor Jahren mal die Gelegenheit bei einer Austellung so ein Theremin zu testen. Das von mir erreichte Klangergebnis war, nunja, nicht sehr vielversprechend. Habe da keinen geraden Ton rausgekriegt. Als „Effektgerät“ und für Synthie-Spielereien trotzdem interessant.

  8. Profilbild
    liquid orange AHU

    Ein Theremin ist eben dann schwer zu spielen, wenn man das machen will, was man auch mit anderen Instrumenten macht. Nur muss man ja nicht immer verzweifelt versuchen alles zu kopieren, steht ja im Text selbst wo Percy Graininger zitiert wird: „es ist absurd, im Zeitalter des Fliegens zu leben und immer noch an Noten und Töne gebunden zu sein“. So kann man mit einem Etherwave Plus die Genialität eines Theremins als Modulationsquelle für sein Modularsystem oder seinen Synthesizer nehmen. Moog Music schreibt auf ihrer Website dazu:
    „Connect Pitch CV, Volume CV and Gate outputs to your analog synthesizer for a completely new performance experience.“
    Und genau so ist es… Man kann die Ausgänge des Etherwave Plus z.B. zur Modulation des Filters nehmen oder was auch immer. Dann wird das Theremin nicht zu einem schwer zu spielenden Instrument, sondern zu einem „Eingabesystem“ mit gigantischem Potenzial das enorm Freude beim experimentieren macht.

  9. Profilbild
    Pierrot

    Der Übungsaufwand, bis man ein Theremin beherrscht, ist schon gewaltig, aber es lohnt sich. Auch nach 12 jahren praktisch täglichen Übens hat man noch viel vor sich, allerdings ist der Fortschritt im Treffen der Töne durchaus spürbar… Für mich eines der faszinierendsten Instrumente überhaupt!

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