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Report: Non Standard Studios, Mix- und Mastering-Studio

Das Zuhause von Tobias Freund

20. Oktober 2025
Report: Non Standard Studios, Produktions-, Mixing- und Mastering-Studio

Report: Non Standard Studios, Produktions-, Mixing- und Mastering-Studio

Die Non Standard Studios sind das kreative Zuhause des Künstlers Tobias Freund, in denen er seine eigenen Produktionen erstellt und auch Mixing und Mastering für andere Künstler anbietet. Seit über zehn Jahren betreibt er dieses Studio im Flughafengebäude Tempelhof in Berlin. Da er seit Kurzem auch personalisierte Workshops anbietet, dachte ich mir, das wäre doch mal ein guter Grund für eine Studiotour samt Interview.

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Non Standard – Der Name ist Programm

Neben den Non Standard Studios gibt es auch das eigene Label Non Standard Productions und das Projekt NSI. (kurz für Non Standard Institut), zusammen mit Max Loderbauer. Dieser Name begleitet Tobias Freund schon beinahe sein ganzes Leben und ist als Hommage an das Album „Making Of Non Standard Music“ des japanischen Künstlers Haruomi Hosono (Yellow Magic Orchestra) angelehnt.

Max Loderbauer hat in den Non Standard Studios ebenfalls ein zu Hause gefunden. Die beiden Künstler können so, je nach Bedarf, zusammen oder auch getrennt voneinander arbeiten. Wie das aussieht und vor allem klingt, wird in folgendem Live-Set für Boiler Room beeindruckend dargestellt.

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Über Tobias Freund

Tobias Freund ist ein Künstler mit vielen Facetten und viel Beschäftigung. Er ist unter anderem Produzent, Live-Musiker, Mixing Engineer und Label-Besitzer. Begonnen hat alles in seiner Jugend, nachdem er merkte, dass seine Gitarre ihm nicht so ganz das bieten konnte, wonach er suchte. Im Korg MS-20, den er heute noch besitzt und benutzt, fand er sein Glück. Der MS-20 entpuppte sich als treuer Lebensbegleiter, selbst die originale Rechnung dazu hat er bis heute behalten.

Bevor man ihn wirklich als Künstler wahrnehmen konnte, verdiente er in den 80ern seine Brötchen zunächst in den Europa Sound Studios und später in Frank Farians Far Studios, wo er Bands wie Meat Loaf, La Bouche oder auch Milli Vanilli aufnahm und mischte. In dieser Zeit lernte er so einiges an Gerätschaften zu schätzen und lieben, von denen er auch heute einige sein Eigen nennt.

Volle Kontrolle und alles im Blick – Tobias Freund

Seine Produktionen bewegen sich hauptsächlich zwischen minimalistischen Techno und Ambient, gerne mit experimentellen Ansätzen und vielen Genre-Einflüssen. Man kann ihn getrost als einen Pionier der elektronischen Musik bezeichnen, denn die Referenzliste ist lang.

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So hat er unter den Namen Pink Elln und Tobias. bereits Musik veröffentlicht und hatte verschiedene Projekte und Kollaborationen mit Leuten wie Max Loderbauer, Ricardo Villalobos, Valentina Berthelon. Für Künstler wie Nina Kraviz, Efdemin, Ellen Allien, Nicolas Jaar, Moritz von Oswald u. v. Minmoogm., hat er Alben gemixt und gemastert.

Doch das ist bei Weitem noch nicht alles. Mit Mutual Torture und Tobias. & Friends spielt er zum Beispiel auch in klassischen Bandkonstellationen. Zusammen mit Martin Schopf hat er als „Sieg über die Sonne“ mehrere Alben und EPs veröffentlicht. Unter dem Namen Eclectic Effigies, eine Plattform für Klangexperimente und Soundtüftelei aller Art, veröffentlicht er seit 2020 ebenfalls verschiedene Projekte.

Diese Auflistung lässt sich beinahe beliebig fortführen, ebenso was die Labels betrifft, auf denen er bisher veröffentlicht hat.

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Im Inneren der Non Standard Studios

In dem Flughafengebäude auf dem Tempelhofer Feld haben einige Musikstudios eine Heimat gefunden, so auch die Non Standard Studios von Tobias Freund. Die beiden Räume sind zwar nicht sonderlich groß, wirken aber vielleicht auch gerade deshalb sehr heimisch und ich habe mich bei meinem Besuch direkt wohlgefühlt.

Das Setup, wie auch der Raum an sich, wirken sehr aufgeräumt und stimmig. Mit der mittig platzierten Konsole und den seitlichen mit Instrumenten und Effekten bestückten Racks kann man sich schon ein Bild von der Arbeitsweise von Tobias machen. Im ersten der beiden Räume hat sich der langjährige Kollege Max Loderbauer breitgemacht.

Die ADT ToolMod Console in den Non Standard Studios

Das Live-Setup von Tobias Freund

Nicht weniger interessant: Der Nebenraum von Max Loderbauer

Lebenslange Wegbegleiter – die Ausstattung

Wie bereits erwähnt, findet man in den Non Standard Studios so einige Schätze, die Freund schon seit einigen Jahrzehnten mit sich führt. Neben den ganzen Klassikern hat er sich aber auch ein paar moderne Werkzeuge, wie beispielsweise Eurorack-Module und semi-modulare Desktop-Geräte, ins Haus geholt. Hier ein Überblick zu seinem Equipment in den Non Standard Studios:

  • ADT – ToolMod, Analog Mixing Console
  • Geithain Studio Monitor
  • Apple Mac Studio
  • Lynx Aurora 16 Soundcard
  • AMS DMX 15-80
  • Eventide H3000
  • EMS Phase Frequency Shifter
  • Echoplex Delay
  • Alesis Midiverb
  • Roland DEP 5
  • Lexicon LXP 5
  • Manley Vari MU Tube Compressor
  • Neumann Compressor U473 A
  • Neumann W491 A EQ
  • Neumann U-87
  • Korg MS 20
  • EDP Gnat
  • Yamaha DX7
  • Roland TR-808
  • Roland TR-909
  • Roland Bass-Line
  • Roland CR-78
  • Roland MC-202
  • Dark Corporation – Kiyimi
  • EMU Proteus
  • Akai – S3200
  • Electro Harmonix – Looper 95000
  • Software: Logic Pro, Bitwig, Sonnox Oxford, iZotope, DMG, Eventide, XLN Audio, Native Instruments, Fors

Die TR-909 ist aktuell nur ein Platzhalter für die verliehene TR-808

EQs, Kompressoren und Harmonizer formen das Klangbild von Tobias Freund

Die Classes der Non Standard Studios

Seit ein paar Monaten bietet Tobias auch sogenannte Classes an. Hier kann man sich 1-, 3-, 5- oder 10-stündige Sessions buchen, in denen man ein personalisiertes Mentoring erhält. Mehrstündige Sessions können auch beliebig aufgeteilt werden.

Egal ob es sich um Fragen rund um Produktion, Sound-Design, Mixing oder Mastering dreht, Tobias steht mit Rat und Tat zur Seite. Natürlich kann man auch gemeinsam an Live-Performances arbeiten. Mit seiner langjährigen Erfahrung in all diesen Bereichen bekommt man hier fundiertes Know-how aus erster Hand vermittelt. Im Interview wird Tobias selbst noch ein paar Worte dazu verlieren.

Tobias bei der Arbeit

Interview mit Tobias Freund

Tobias war nicht nur so nett, uns sein Studio zu zeigen, er nahm sich auch Zeit, ein paar meiner Fragen zu beantworten:

Jens:
Hallo Tobias, du hast dir im Laufe deiner Karriere eine beachtliche Sammlung an Referenzen erarbeitet. Zum Einstieg: Wie kamst du eigentlich zur Musik und was begeistert beziehungsweise treibt dich bis heute daran an?

Tobias:
Ich habe mich schon während meiner Schulzeit für Musik interessiert, denn genau in dieser Zeit, als ich Teenager war, begann eine neue Revolution der elektronischen Musik. Plötzlich konnte man mit relativ günstigen Instrumenten seine eigene Musik direkt im Schlafzimmer oder Wohnzimmer aufnehmen.

Das hat mich sofort fasziniert. Besonders die vielen Impulse aus England haben mich neugierig gemacht – die elektronische Musikszene, die sich dort entwickelte, zog mich völlig in ihren Bann. Ich wollte unbedingt Teil dieser Revolution sein, wobei mir gar nicht wirklich bewusst war, dass hier gerade etwas ganz Neues entsteht.

Natürlich gab es auch in Deutschland Bands wie Kraftwerk. Mich haben jedoch eher Gruppen wie Cluster inspiriert und genau deshalb wollte ich elektronische Musik machen. Anfangs hatte ich eine Gitarre, aber das war mir zu kompliziert – man musste hier greifen und dort greifen, das war einfach nicht mein Ding.

Dann entdeckte ich den Korg MS-20 Synthesizer. Der hatte diesen fantastischen Hold-Schalter: Man musste nur eine Taste drücken und konnte dann an den Reglern drehen. Man musste also kein Virtuose sein, um mit wenig Aufwand spannende Experimente zu machen.

Dazu hatte ich zwei Kassettenrekorder, mit denen ich Tape-to-Tape die ersten Experimente aufgenommen habe. So hat das Ganze seinen Anfang genommen.

Jens:
Hattest du eigentlich eine musikalische Ausbildung oder hast du ein Instrument richtig gelernt?

Tobias:
Nein, keine klassische Ausbildung. Als Kind habe ich mal Blockflöte gelernt, fand das aber schrecklich. Vielleicht hat es dennoch mein musikalisches Empfinden geschult – also Harmonien und Disharmonien zu erkennen. Ich habe gelernt zu hören, welche Töne zusammenpassen oder eben nicht.

Jens:
Du teilst dir das Studio mit Max Loderbauer, richtig?

Tobias:
Mit Max habe ich mich erst 2004 in Berlin zusammengetan. Das „Non Standard Studio“ gab es schon vorher in Frankfurt unter demselben Namen. Der Name ist übrigens eine Hommage an Haruomi Hosono vom Yellow Magic Orchestra, der ein Label namens „Non Standard Music“ hatte und auch ein Album so nannte. Ich bin ein großer Hosono- und YMO-Fan, generell von allem, was aus Japan kommt – das hat mich sehr beeinflusst. Deshalb wollte ich diese Hommage machen. So entstanden auch Non Standard Productions, das Non-Standard-Institut mit Max und nun die Non Standard Studios. Alles „Non Standard“.

Jens:
Das Non Standard Studio betreibst du nun schon seit einigen Jahren und davor hattest du auch schon diverse Studioräume. Neben der Arbeit an deinen eigenen Projekten nutzt du das Studio auch für Mixing und Mastering. Kannst du etwas über dein Setup und deinen Workflow erzählen?

Tobias:
Mein Setup besteht im Grunde aus den Geräten, die ich damals schon im Far Studio für alle Produktionen benutzt habe – also Kompressoren, Effekte und so weiter. Diese Geräte habe ich mir für mein eigenes Studio besorgt und setze sie heute noch in einer Arbeitsweise ein, wie man sie damals praktiziert hat.

Heutzutage läuft ja vieles digital, aber bei mir durchläuft das Material einen komplett analogen Signalweg: Es kommt aus dem Computer, geht durch die Geräte und anschließend wieder zurück in den Computer. Dieser Prozess ist mir sehr wichtig, weil er dem Sound einen ganz eigenen Charakter verleiht – etwas, das man mit rein digitalem oder ausschließlich modernem Equipment nicht erreicht.

Natürlich habe ich inzwischen auch ein paar neue Geräte, zum Beispiel einen Manley Tube Kompressor, den wir bei Farian damals nicht hatten. Aber die Hauptbestandteile in meinem Studio stammen tatsächlich noch aus dieser Zeit.

Die Grundlage ist jedoch immer ein guter Mix. Der Mixdown ist für mich das A und O. Beim Mastering kann man zwar noch einiges verbessern, aber wenn ein Track schon in der Basis nicht funktioniert, lassen sich auch mit den besten Geräten keine Wunder bewirken. Da geht es dann nur noch um Schadensbegrenzung.

Jens:
Viele deiner Maschinen nutzt du seit über 40 Jahren. Wird dir das nicht irgendwann langweilig? Andere Produzenten wechseln ja alle paar Jahre ihr komplettes Setup.

Tobias:
Für mich hat das viel mit Nostalgie zu tun. Es geht nicht unbedingt darum, ständig etwas völlig Neues aus meinen Instrumenten herauszuholen. Manchmal reicht es, wenn ich nur eine Kick-Drum oder einen Bass habe, die solide klingen – eine Basis, auf die sich dann alles andere aufbauen lässt.

Ein gutes Beispiel ist die 808-Kick. Die benutze ich fast in jedem Stück, aber je nach Kombination mit unterschiedlichen Bass-Sounds, einem anderen Tempo oder neuen Elementen darüber entsteht immer wieder ein völlig eigener Charakter. Ich kenne sie so gut und mag ihren Sound so sehr, dass ich eigentlich keine andere Kick-Drum brauche.

Ob live oder im Studio – die 808 ist für mich ein zuverlässiges Fundament. Ich habe nicht das Gefühl, ständig neues Equipment zu brauchen, um kreativ zu bleiben.

Jens:
Nutzt du Logic nur zum Aufnehmen oder auch für andere Dinge? Hast du Lieblings-Plug-ins?

Tobias:
Ja, klar. Ein Plug-in, das ich wirklich gerne nutze, ist das Drum-Plug-in XO von XLN Audio. Kennst du das? Es hat eine ziemlich neue Methode, Sounds zu finden. Man scrollt sich nicht durch endlose Listen, sondern die Sounds sind visuell sortiert: unten längere, links basslastigere, oben kürzere und rechts schärfere. Damit findet man extrem schnell das, was man sucht – vor allem, wenn man auch eigene Sounds hineinlädt. So lassen sich schnell gute Grooves bauen. In Kombination mit meinen analogen Drums ist das sehr effektiv.

Jens:
Bist du noch an neuen Geräten für deine Non Standard Studios interessiert? Besuchst du Messen wie die Superbooth?

Tobias:
Ja, ich war auf der letzten Superbooth und da ist natürlich überall Sound Overdose. Mittlerweile ist das für mich auch ein bisschen anstrengend und irgendwie gibt es nicht mehr viel Neues, das mich wirklich interessiert.

Kennst du dieses “Audios” Effektgerät? So ein bisschen wie dieser AMS. Das ist ein Harmonizer, den man mit einem internen Sequencer steuern kann. Man kann verschiedene Töne einstellen, sequenzieren und harmonisieren. Total geniales Gerät, gibt es nur ganz wenige von, aber schon total lange – seit den 80ern. Sie entwickeln gerade eine neue Version davon und es gibt schon viele Vorbestellungen. Das fand ich das einzige, was mich wirklich interessiert hat. Ich habe auch lange an deren Stand verbracht.

Im Eurorack-Bereich gibt es auch tolle Sachen. Ich habe jetzt diesen Morphagene, den habe ich noch gar nicht so lange. Damit kann man richtig spannende Sachen machen, aber das reicht erstmal, ich muss da nicht übertreiben.

Jens:
Du bietest neuerdings auch „Classes“ an. Was erwartet jemanden, der bei dir eine Session bucht?

Tobias:
Genau, das gibt es jetzt seit zwei, drei Monaten. Ich mache das, weil mich immer wieder mal Leute darauf angesprochen haben – auch während meiner Konzerte – und sie wollten einfach wissen: Wie baust du dein Live-Set auf? Wie gehst du beim Mastering vor? Ich habe Probleme, einen guten Sound aus meinem Mixdown zu holen und so weiter. Da kam mir die Idee, das den Leuten einfach direkt zu erklären, wenn ich im Studio bin.

So kam eins zum anderen und nun biete ich es eben an. Ich dachte, warum nicht mein Knowledge ein bisschen an die Frauen und Männer weitergeben? Inhaltlich ist das total individuell. Viele wollen ihre Live-Sets aufbauen und fragen dann zum Beispiel, welche Geräte sie sich besorgen könnten.

Ich gebe dann konkrete Tipps. Oft ist weniger mehr – EIN guter Sound ist besser als fünf mittelmäßige, die sich eventuell gegenseitig auslöschen. Jede Studio-Session ist anders und genau das macht es spannend für mich.

Jeder hat ein anderes Anliegen und wie gesagt, die Classes sind total individuell gestaltet.

Tobias Freund an seinem Arbeitsplatz in den Non Standard Studios

Jens:
Viele junge Leute beginnen heute nur mit Laptop und Software. Alles ist schon verkabelt, viele Plug-ins halten Harmonien automatisch sauber. Glaubst du, man braucht noch ein fundiertes Grundwissen, um spannende Musik zu machen?

Tobias:
Das kommt darauf an (lacht). Für mich gibt es viele Produktionen, die einfach langweilig sind – immer dasselbe 0815-Schema, keine Innovation. Als Teenager habe ich die Revolution der elektronischen Musik miterlebt. Zuerst war alles analog, dann kamen digitale Sampler dazu, dann Computer mit Harddisk-Recording, alles hat sich schnell verändert und entwickelt. Diese Evolution war unglaublich spannend.

Heute ist alles viel einfacher: Mit minimalem Aufwand hast du sofort tolle Sounds und Songstrukturen. Aber oft fehlt da der „Spark“. Natürlich gibt es auch heute gute neue Musik, aber dieser Pioniergeist von damals fehlt mir.

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Jens:
Wie stehst du zur Nutzung von KI in der Musik?

Tobias:
Ich finde ja, Musik muss irgendwie ein Gefühl vermitteln. Deswegen macht man ja Musik: Du willst die Leute erreichen mit dem, was du tust. Entweder hast du einen guten Groove, tolle Harmonien, eine super Melodie oder einfach einen tollen Sänger, der dich catcht.

Aber trotzdem finde ich es sehr spannend, was da jetzt mit KI passieren wird. Ich verfluche das jetzt nicht – gerade ChatGPT nutze ich ja auch oft. Ich denke, dass jede kommerzielle Musik, Filmmusik und so weiter irgendwann auf KI überlaufen wird, auch das Mastering von Musik. Da gibt es ja schon viele Tools und das reicht für viele aus.

Trotzdem wird dadurch wieder ein Underground entstehen – Leute, die genau das Gegenteil machen. Das finde ich spannend. Techno und die ganze elektronische Musik waren ja immer eine Underground-Bewegung. Wir wollten nie Mainstream sein, haben zu Hause unsere Musik gemacht und auf Kassettenrekordern aufgenommen. Von Plattenfirmen und Plattenverträgen wollten wir gar nichts hören. Und so etwas wird wieder entstehen, aus KI heraus – Leute, die daraus etwas Neues kreieren.

Die Non Standard Studios bieten ein beeindruckendes Hörerlebnis

Ich habe ja ein Problem mit Presets. Hier und da nutze ich sie zwar auch, aber ich muss sie immer verfremden. Ich kann nicht einfach ein Preset benutzen, wie es aus der Maschine kommt, ich muss es prozessieren. Das liegt einfach in mir. Sonst gehört es mir nicht, verstehst du? Ich muss da meinen Senf dazugeben, damit es wirklich von mir kommt. Ein Preset will ich in meinem Track nicht haben. Deswegen nutze ich KI und Presets eher nur als Ideengeber.

Ich arbeite gerade an diesem zweiten Cover-Album von Songs aus den 80ern (das erste Album hieß, Tobias. & Friends – TOP TEN), und von diesen Songs gibt es natürlich MIDI-Files. Viele davon habe ich schon benutzt. Aber letzte Woche habe ich mit einem Keyboarder einen Track aufgenommen – er hat alle Harmonien herausgehört und neu eingespielt. Plötzlich fing die Musik an zu leben, anstatt dass man einfach ein MIDI-File nimmt, das irgendjemand transkribiert hat. Das war wirklich toll, da kam auf einmal ein richtiger Spirit in den Song.

Jens:
Mixing und Kreation gehen bei dir also Hand in Hand?

Tobias:
Für mich ist das ein Prozess. Vor allem kreiere ich ja viel mit dem Mischpult, das ist für mich eigentlich wie ein Instrument. Wenn ich einen Track anfange, kommt erstmal nur alles als eine Stereospur auf das Pult. Wenn es aber dann zum Mixing von mehreren Spuren kommt, dafür benutze ich die 16 Ausgänge meiner Soundkarte, bearbeite ich das komplette Arrangement über meine Effektgeräte und Prozessoren.

Das ist aber noch nicht der eigentliche Mixing-Prozess, das ist immer noch der Kreationsprozess. Durch die Trennung bekommt das Stück einen komplett neuen Charakter. Dann liegt nicht nur ein Effekt auf einem Element, sondern verschiedene Effekte auf mehreren Elementen oder Bussen. So kann man ziemlich schnell ein komplett neues Stück kreieren, indem man die Effekte einfach ein- oder ausschaltet. Ich arrangiere, kreiere und mixe eigentlich alles in einem Prozess.

Das Gute ist eben auch, dass alles auf dem Mixer aufliegt. Jedes Instrument und jeder Effekt ist so direkt greifbar. Alle 16 Ein- und Ausgänge sind über das Mischpult und das Steckfeld frei verknüpfbar und das gibt einem enorme Freiheit. Ich brauche eigentlich nur das und ein paar meiner Geräte – und kann alles machen, was ich machen will.

Jens:
Deine ToolMod Console von ADT Audio hast du dir selbst zusammengestellt?

Tobias:
Ja. ADT baut eigentlich große Studiopulte, aber das ToolMod-System erlaubt es, Module frei zusammenzustellen. Mein Pult war tatsächlich das erste, das sie damals gebaut haben, ich habe es seit über 15 Jahren.

Jens:
Viele Leser interessieren sich sicher für deine Zeit in den Europa Sound Studios. Wie war das für dich?

Tobias:
Ich habe die Tontechnik ja nicht gelernt, sondern war einfach nur total heiß auf die Technik. Ich weiß noch, dass ich eines Abends mit meinem Vater ins Europa Sound Studio gegangen bin und der Chef mir das Studio gezeigt hat. Da stand so ein riesengroßes Neumann-Pult – so etwas hatte ich live noch nie gesehen. Und er meinte so: „Meinst du, du könntest das lernen und hier arbeiten?“ Und ich so: „Ja, das könnte ich“ (lacht). Ich war total heiß drauf und wollte es unbedingt machen. Ich wollte die ganzen Geräte einfach anfassen – Equalizer, Kompressoren, all das, was jetzt auch hier in meinem Studio steht.

Das Ganze war an einem Wochenende und am Montag darauf habe ich angefangen. Ich hatte noch so meine Hände in den Hosentaschen, da hieß es schon: „Hände aus den Hosentaschen und los! Geräte aufbauen, jetzt kommt die Band!“ Und dann kam natürlich auch gleich eine richtige Band. Alles Musiker mit ihren Instrumenten und ich musste die Mikrofone aufstellen. Zwar hatte ich jemanden, der mir das gezeigt hat, aber die Band spielte direkt los. Dann meinte jemand schon: „Lass mal hören!“ Und ich dachte nur: „Ach so, ich sollte aufnehmen?“ – so Sachen passieren da dann, und nicht nur einmal. Aber so lernt man das eben und ich glaube, ich konnte ziemlich schnell lernen, vor allem, weil ich es unbedingt wollte.

Ich habe dort auch Kurt Hauenstein kennengelernt, mit dem ich dann viel zusammenarbeitete. Einige kennen ihn vielleicht, er hatte eine Band namens Supermax und einen Hit namens Love Machine in den 70ern. Das war so ein achtminütiger Track, wirklich super, mit Drum-Machine und Minimoog – und er spielte den Bass. Mit ihm habe ich viel im Studio experimentiert. So war das am Anfang: Ich habe einfach viel geforscht und angefangen, all das zu lieben.

Es gab sogar eine kleine Live-Performance im Studio

Jens:
Also bist du wirklich ins kalte Wasser gesprungen?

Tobias:
Genau, nach 1,5 Jahren wurde ich dann von Frank Farian abgeworben und es ging in die Far Studios.

Jens:
Heute spielst du auch viel live. Wie hast du die Entwicklungen seit der Pandemie erlebt?

Tobias:
Mich hat das natürlich auch getroffen. Gerade während der Pandemie hatte ja auch meine Agentur, die Ostgut Agentur, zugemacht. Zuerst das Label Ostgut Ton, dann die Booking-Agentur, sodass ich mir einen neuen Agenten suchen musste. Am Anfang lief das alles nicht so rund – und eigentlich läuft es bis jetzt noch nicht perfekt, ich bin schon wieder auf der Suche nach einem neuen Agenten.

Ich finde, die Clubkultur hat sich schon stark verändert. Es gibt neue Agenturen, Clubs und Promoter, andere haben wiederum zugemacht und aufgehört. Im Moment ziehen meine Festival-Gigs wieder stark an. Diesen Sommer spielte ich eigentlich sehr selten in Clubs, was ich auch gut fand, wobei ich im von dir genannten “Open Ground” total gerne mal spielen würde.

Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste und viele Leute wollen vielleicht eher junge Künstler supporten. Viele Promoter kennen mich auch gar nicht, weil sie komplett neu in der Szene sind. Also ja, es ist schon schwieriger geworden, gerade als Live-Act. Als DJ vielleicht eher weniger.

Jens:
Das Gefühl habe ich auch. Wobei ich ja auch die Hoffnung habe, dass durch KI die Live-Musik wieder mehr geschätzt wird.

Tobias:
Mir ist es auch wichtig, dass man das Ganze nicht als Show macht. Ich bin kein Show-Mensch, für mich ist die Musik immer noch das Wichtigste. Ich könnte nicht Frontmann in einer Band sein oder mich verstellen und so tun als ob. Ich präsentiere die Musik, kreiere und improvisiere in dem Moment, das ist mir wichtig.

Ich bekomme schon viele positive Reaktionen, gerade auf den letzten Konzerten wie Fusion oder Garbicz. Gerade der Sound auf Festivals ist so viel besser als in Clubs. Bei dem, was ich mache, mit dem ganzen Improvisieren, musst du die Musik wirklich gut hören können. Auf Festivals ist der Sound trocken und ohne Reflexionen. Mit guten Monitoren ist das wie im Studio – nur mit Publikum.

Garbicz war ein besonders genialer Moment. Ich musste mein Equipment seitlich neben dem DJ aufbauen, der gerade gespielt hat. Alles läuft parallel, es gibt keinen Soundcheck. Dann wurde mein Setup in die Mitte geschoben und gesagt: „Anfangen!“ Und es hat perfekt geklappt. Ich mache quasi den Soundcheck während des Spielens: langsam anfangen, hören, wo Kick-Drum und Bass sitzen. Die Files aus dem Computer sind ja schon vorbereitet, ausgesteuert, auch der Mixer steht auf fixen Levels – damit findet man leichter seinen Sound.

Ich bevorzuge Open-Air-Festivals klar gegenüber Clubs. Auch so legendäre Locations wie das Berghain – da sagt man ja immer, „der Sound ist unschlagbar“ – ist mir persönlich etwas zu brutal. Da ist alles stark komprimiert und übersteuert (Tobias macht stark übersteuerte Bass-Drum-Geräusche). Das Berghain ist schon genial, aber wenn man tiefer in die Soundlandschaft eintauchen möchte, ist es mir zu hart.

Auf Festivals hingegen gibt es oft richtig gute Monitore, eine hervorragende PA – viele mit Function-One-Systemen oder Ähnlichem. Das hat sich total verändert. Es ist, als hättest du riesige Kopfhörer auf: Du hörst jedes Detail, aber du fühlst es auch gleichzeitig. Das ist einfach großartig.

Jens:
Du hast auch einen YouTube-Kanal begonnen, auf dem du eigens produzierte Videos teilst. Hast du da eine neue Leidenschaft entdeckt und darf man da noch mehr erwarten in der Zukunft?

Tobias:
Was hast du denn da entdeckt?

Jens:
Vor allem Videos zu deiner Platte „Hall Ov Fame„, das waren eher so Visuals. Aber auch mit deiner Band „The Mutual Torture“.

Tobias:
Ich habe ja schon in der Schule Filme gemacht, mit Super 8 damals. Sind die nicht auch hier auf YouTube?

Jens:
Du hast die alle vor einem Jahr hochgeladen und dann ist da wahrscheinlich nichts mehr passiert auf dem Kanal.

Tobias:
Das kann gut sein. Es ist einfach immer so viel zu tun (lacht). Es gibt Videos, die ich zu der Zeit, als ich auch den MS-20 gekauft hatte, gemacht habe. Es gibt einen Super 8 “Pink Elln” Film, der ist von 1980, da bin ich mir gar nicht sicher wo man den finden kann. Diese ganzen Sachen, die ich für das “Hall Ov Fame” Album gemacht habe, hatte ich mit einer kleinen Digitalkamera gemacht, Harinesumi, aus Japan. Die hatte so eine Super-8-Ästhetik. Mit der hab ich total viele Sachen gefilmt und hab die dann für diverse Tracks benutzt. Also das ist keine neue Leidenschaft, das mache ich nun auch schon ziemlich lange.

Jens:
Tobias, wir sind am Ende angekommen. Vielen Dank für deine Zeit und das interessante Gespräch!

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Forum
  1. Profilbild
    CDRowell AHU

    Danke Jens. Es ist angenehm zu lesen, wenn solche Artikel bei amazona erscheinen. Besonders freut mich, wenn langjährige Profies wie Tobias auf dem Boden geblieben sind und ihren Beruf immer weiter lieben.

    Danke an euch Zwei für diese Einblicke und interessanten Tipps!

  2. Profilbild
    Filterpad AHU

    Produkte von iZotope? Darf man munkeln? 😆 Aber eines musste ich ein weiteres mal feststellen – Ich brauche noch einen MS-20. Ich liebäugle schon so lange mit dem. Mal sehen wann es so wie ist. Am liebsten wäre mir einer der neuen MS-20 FS den es in 4 Farben gab. Diese sind neu, USB und in original Größe.

    • Profilbild
      tob4545

      @Filterpad „Produkte von iZotope? Darf man munkeln?“
      Was genau meinst du mit deiner Aussage bzw. was möchtest du andeuten?
      Und wo im Interview lässt sich Tobias Freund über iZotope Produkte aus?

      Danke an Jens und Tobias für das gute Interview!

      • Profilbild
        Filterpad AHU

        @tob4545 Letzter Punkt Equipmentliste und er wird vermutlich Ozone benutzen (=Mastering-Algorithmus) und nicht irgendein kostenloses „Diggens“ von denen. Er wird damit vielleicht auch nicht mastern, aber vergleichen um dannach feststellen zu müssen, dass er das perfekte Ergebnis über Ozone auch belassen könnte. 😂 Natürlich alles eine kleine Anspielung von mir! Aber wenn er als Mastering-Engineer iZotope benutzt, habe ich ein komisches Gefühl. Nun, alle Mastering-Engineers haben iZotope um zu sehen was es kann. Selbst die besten der besten. Er ist keinesfalls eine Ausnahme. Die Teile machen keinen perfekten Job, aber inzwischen einen verdammt guten. Da braucht man wirklich viel Erfahrung und eine gute Abhöre um selbiges Ergebnis zu erzielen und ich gehe mal davon aus, viele haben diese Erfahrung noch nicht ….oder anders formuliert: Durch Ozone trennten sich endgültig selbsternannte Pseudo-Engineers und welche, die ihren Job über die Maße hinaus verstehen.

        • Profilbild
          bluebell AHU

          @Filterpad Ich bin inzwischen so weit, dass ich denke, es gibt so wenig das beste Mastering wie es den besten Gitarren- oder Synth-Klang gibt. Es kommt auf die Intention an. Will man, dass die Produktion so klingt wie es genretypisch ist, sodass sie sich stromlinienförmig einfügt? Oder bricht man absichtlich die ungeschriebenen Regeln, weil man etwas Eigenes mit Ecken und Kanten veröffentlichen will?

          Manche müssen dazu erst die Regeln kennen, um sie qualifiziert zu brechen. Anderen gehen Regeln von Anfang an am Arsch vorbei. Die Menschen sind halt verschieden.

          Früher haben wir über den Sound der Can-Platten gelästert. Heute empfinde ich das anders, und die Musiker, die Can als Einfluss nennen, sind Legion. Keiner von denen lästert über deren Sound.

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