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Report: Technics SL-1210 MK II

17. April 2008

Der Klassiker unter den DJ-Turntables

Technics: Mutter aller Teller ?

Das „MK“ im Namen steht für „Mark“, was wörtlich übersetzt „Marke“ heißt, sinngemäß aber „Modell“. Merkwürdig ist nur, dass es nie einen „MK I“ gegeben hat. Das Vorgänger-Modell heißt nämlich einfach „SL-1200“ und hatte keinen Pitch, was ihn als DJ-Plattenspieler disqualifizierte. Die Konstrukteure von Technics bauten 1979 den ersten MK II für den alltäglichen Hörgenuss, allerdings ahnten sie nicht, dass damit der Grundstein für einen phänomenalen Siegeszug des Technics SL-MK-1210 gelegt worden war. In den folgenden Jahren etablierte sich der Plattenspieler zu dem führenden DJ-Plattenspieler auf der ganzen Welt.

Der SL-1200 in Silber

Der 11-Kilogramm schwere SL-1210er kommt mit einer unglaublichen Solidität und Stabilität daher, wie es nur ganz wenige Plattenspieler jemals taten. Der Zwölfzehner besteht aus einem speziellen Zwei-Komponenten-Gehäuse aus Stahl und Gummi. Dadurch absorbiert er die ankommenden Schallschwingungen und die Platten springen nicht bei lauter und basslastiger Musik. Zudem sind die speziell konzipierten Füße eine Art „Schall-Killer“.

Der SL-1210 in Anthrazit-Schwarz

Die Konstrukteure von Technics erlaubten ihnen nur den kleinstmöglichen Kontakt zum Gehäuse. Der Drehmoment von 1.5 kg/cm lässt die Platte auch bei stärkerem Aufdrücken weiter drehen. Der Pitch, bekanntermaßen essentiell für professionelles Mixing, lässt sich im Bereich ±8% stufenlos einstellen. Auch der höhenverstellbare Tonarm, der schon beim Anfassen vermittelt, dass er die Präzision hat, die man beim Auflegen braucht, trug zum Erfolgsrezept des SL-1210 bei.

Abgerundet wird die Perfektion durch den quartzgesteuerten High-Torque-Direktantrieb, ein patentierter Magnetantrieb für absolute Genauigkeit. Selbst meine beiden 15 Jahre alten Zwölfzehner laufen noch genau wie ein Schweizer Uhrwerk. Als ich auf beiden Tellern dasselbe digital-produzierte Lied zeitgleich abspielte, ergab sich ein erstaunliches Ergebnis. Sie spielten das Lied synchron zu Ende, ich wiederholte den Test, ich veränderte nur den Pitch bei beiden Plattenspielern auf +8% und danach nochmals auf -8%. Bei jedem der drei Testszenarien spielten die Lieder synchron zu Ende.

Auch das von der dänischen Firma Ortofon Tonabnehmer-System muss im Zusammenhang mit dem MK II erwähnt werden. Das Design des Systems wurde dem 1210er angepasst und trug zum Erfolg des Technics Plattenspieler bei. Heute verkauft Ortofon mehr als 500.000 Tonabnehmer im Jahr und ist weltweit der größte Hersteller von magnetischen Tonabnehmern.

Ortofon Concorde an einem Technics SL-1210

Jedes Bauteil des MK II hat seine Funktion, jeder Knopf und Hebel hat genau die hohe Qualität, die man von einem 1A Gerät erwartet. So sehr ich an dem SL-1210er nach irgendetwas gesucht habe, das nach Kritik schreit, die mehr als 20 Jahre, die der Zwölfzehner jetzt auf dem Thron der Plattenspieler sitzt, sind nicht unbegründet. Nicht einmal die harten Club-Bedingungen, die der MK II ertragen musste, konnten ihn daran hindern, die Konkurrenz hinter sich zu lassen.

Man brauchte in den 80er Jahren einen Plattenspieler, der viel aushielt und eine lange Lebensdauer hatte. Oft kamen andere Plattenspieler nicht mit der auf- und absteigenden Temperatur in den Diskotheken zurecht, es bildete sich im Gehäuse Kondenswasser. Der MK II blieb widerstandsfähig und wurde nach und nach der etablierteste DJ-Turntable. Kaum ein DJ oder Club entschied sich nicht für den 1210er.

Selbst Detailaufnahmen lassen den MK II nicht alt aussehen

Wie auch Coca Cola und Penicillin war der Technics MK II am Anfang nicht das, was später aus ihm wurde. Man wollte eigentlich nur einen Plattenspieler bauen, der für den Heimbereich gedacht war. Marketingstrategisch also völlig fehlgeleitet, brachte er auf einem anderen Gebiet immense Erfolge. Dass der Erfolg des Zwölfzehners nicht auf perfektem Marketing basiert, macht ihn umso sympathischer und ein zu einem „ehrlichen“ Gerät. Ein zweites, das wie er fast ausschließlich durch seine Qualität besticht, ist bis heute schwer zu finden.

Nach dem MK II gab es noch weitere Modelle, 1989 den SL-1210 MK3, 1995 den SL-1210 Limited Edition, 1997 den SL-1210 MK3D und den SL-1210 MK4 und 2002 den SL-1210 MK5 beziehungsweise SL-1210 MK5G. Verbessert wurde das Original nur geringfügig. Bei dem MK5G rastet der Pitch bei 0% nicht mehr ein. Dadurch kann man im Bereich ± 0.5% feiner arbeiten. Durch die Pitch-Reset-Funktion bringt man die Geschwindigkeit wieder auf 0%. Zudem ist der On/Off-Schalter umhüllt, dadurch wird dem versehentlichen Ausschalten vorgebeugt.

Zusätzlich kann man einstellen, bei welcher Geschwindigkeit der Motor abbremst, wenn man die Start/Stop-Taste betätigt. Die 18V Lämpchen, die die Platte beleuchten, wurden durch blaue LEDs ausgetauscht. Beim Pitch kann man jetzt zwischen ±8% und ±16% wählen. Ob man diese Zusatzfunktionen braucht, sei dahin gestellt.

Was bringt die Zukunft?

Bis heute, ist der Technics SL-1210 MK II die Referenz unter den Plattenspielern. Jeder Hersteller, der ein neues Produkt im Bereich der DJ-Plattenspieler auf den Markt bringt, muss sich gegen den MK II behaupten.

Geschafft hat das bis jetzt wie gesagt noch keiner. Natürlich werden die Abstände zwischen dem MK II und den Produkten, die von anderen Herstellern verkauft werden, immer enger. Aber Technics hat da ja nicht nur einen Plattenspieler, mit dem man Platten abspielt und ein bisschen auflegt. Technics verkauft eine Legende mit über 20 Jahren Club-Erfahrung, die jeden Test bestanden hat und jeden Kritiker überzeugen konnte.

Es ist nur schwer vorstellbar, dass sich der MK II von dem Thron der DJ-Plattenspieler vertreiben lässt. Jedoch kommen Firmen wie Stanton, Numark und Vestax dem Zwölfzehner immer näher. Besonders im Scratching-Bereich ist der MK nicht mehr die Nummer Eins und musste in den vergangen Jahren Platz machen für andere Modelle.

Aber: Er bleibt zurecht eine lebende Legende. Und lobend zu erwähnen sei auch noch, dass Technics 1983 die DMC World DJ Championships mit ins Leben gerufen hat, den bis heute größten DJ-Wettbewerb der Welt.

Übrigens wird der Zwölfzehner von Technics mit den Worten „Zu besichtigen in ihrer Lieblings-Diskothek“ beworben und steht im Guinness-Buch der Rekorde als am längsten produziertes Konsumenten-Elektronik-Produkt.

Forum
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    Soll das jetzt hier n abgetipptes Werbeprospekt sein oder was?

    Wie wär's, wenn man auch mal Schwachpunkte der alten Modelle benannt hätte, statt in Beweihräucherung zu ertrinken? Ich denke da an die fest verbauten Chinch Kabel, die nach regelmässigem Gebrauch IMMER eines Tages brachen und dann nen Wackelkontakt verursachten….

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    Ich habe noch nie einen 1210er bespielt der eine funktionierende Lampe hatte :)

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    Ich kann meinen beiden Vorrednern nicht zustimmen. Ich finde das eine gute Laudatio an den guten alten 1200/1210er, von dem ich gerade wieder 2 gekauft habe, weil mich die Konkurrenz mit ihren Plastikgehäusen überhaupt nicht reicht. Wer bitte braucht einen +/- 50% pitch?!

    Und ich hab schon in einigen Clubs aufgelegt in denen die Lämpchen funktionieren. Eher das Gegenteil ist die Regel.

    Ich weiß auch nicht, was schwer daran ist das Chinchkabel auszulöten und ein neues dran zu machen. Von mir aus mit weiblichen Steckern um dann ein normales Chinchkabel dran zu stecken.

    Hauptsache meckern…

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      ne nix meckern sind top geräte liegen aber hinter der zeit, ganz einfach. Und ich benutze oft an meinem cd player den Pitch sogar bis 100%, kommt halt auf den dj an was er draus macht…

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    Das mit den Chinch kabeln habe ich jetzt auch schon 2x durchgemacht. Genauso das mit den Lampen. Von dem herr würd ich von Aussergewöhnlich lieber ein sehr gut geben. Weil aussergewöhnlich ist nur das was ein perfektes gerät ausmacht was hier nicht ist – bei dem preis ;)

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    Hallo Felix,

    wenn Du mit +/- 100% das gewünschte Ergebnis erreichst, dann ist es schon zweckmäßig.

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      Um es mal kurz zu machen
      Technics bleibt Technics.
      Hier intressiert nicht das Pro oder das Contra(Lämpchen,Chinchkabel.lol:)
      Sondern das Gerät selber.Und das läuft und läuft und läuft………….

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    Habe immer Technics 1200er benutzt und war immer sehr zufrieden..

    aber seit ich meine neuen Stanton ST-150 habe möchte ich diese nicht mehr missen.. weiterentwicklung zahlt sich durchaus aus ;)

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    Wir haben bei uns im club anfangs die numark ttx stehen weil es für technics nich gereicht hat. als da die dj´s standen und sie sahen haben sie erstmal eine fresse gezogen, aber als sie drei, vier platten gedreht hatten kamen manche aus dem grinsen nich mehr raus. technics hat definitief nich den stärksten antrieb.

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    1.
    Einen MK1 gibt es für gewöhnlich nie. Denn kein Hersteller würde mit der Bezeichnung MK1 von Anfang an Ankündigen, dass es einen Nachfolger geben wird.
    2.
    Die erste Version "SL-1200" hatte sehrwohl einen Pitchregler. Allerdings nur in einem Bereich von +/-6% und nicht als Fader, sondern als Drehpotentiometer.
    3.
    Es heißt Cinch, nicht Chinch
    4.
    Es ist Blödsinn den Technics als veraltet abzustempeln. Die Konkurrenz schläft nicht, das ist klar. Aber wer nur die Funktionen des Technics braucht und Wert auf bewährte Qualität legt, dem dürften die anderen TTs vollkommen egal sein.
    Der Markt bietet für jeden das was der Kunde will, und darüber sollten wir froh sein, und nicht immer die anderen verhöhnen.

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    wo gibt's denn ein paar B.s.p. Songs zum hören wära mal ganz nett wenn wissen würde wie der sichanhört

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    ja…wie hört sich ein Plattenspieler an??? ,-P

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