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Reportage: Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

30. September 2021

Die besten Tipps für Musiker und deine Band

Reportage: Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Die Band Achtung Baby sorgt beim Ziegelei Open-Air-Festival 2021 mit ihren U2 Coversongs für Gänsehaut Gefühle

Nach einjähriger Zwangspause wegen Corona hatte das legendäre Ziegelei Open-Air-Festival im Taunus (bei Frankfurt a. M.) diesen August endlich wieder die Tore geöffnet. Für zwei Tage und zwei Nächte verwandelte sich das naturbelassene und sonst sehr stille Gelände einer alten Ziegelei in den Treffpunkt für coole Bands und rund 1800 Musikliebhaber aus nah und fern. Zwölf Gruppen wechselten sich auf zwei Bühnen ab. AMAZONA.de war für euch dabei und hat einen besonderen Blick auf die Musik, die Technik und das eingesetzte Equipment der Musiker geworfen.

„Die Menschen müssen unbedingt geschützt werden“

Bevor es auf das idyllische Festivalgelände geht, muss ich wie jeder andere auch zunächst an der Hygiene-Station vorbei. Hier werden meine Daten erfasst, denn die Einhaltung der 3G-Regel wird strikt befolgt. Andreas Mosler, Hygieneschutz- und Corona-Beauftragter beim Open-Air-Festival, erzählt mir, dass sich eine junge Bekannte von ihm auf einem Festival, auf dem nicht getestet wurde, mit der Delta-Variante des Virus angesteckt hatte und dann gut drei Wochen heftig mit den Auswirkungen kämpfen musste. „Das hat mich bekräftigt, dass wir die Menschen hier unbedingt schützen müssen“, ist sich Andreas seiner Sache sicher. Ein komplexes Hygienekonzept sei deshalb mit seinem Team erarbeitet und mit dem Ordnungsamt sowie dem Gesundheitsamt abgestimmt worden. Erst dann habe es die Genehmigung für die Veranstaltung unter freiem Himmel geben.

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Nach der Kasse bekomme ich am Eingang einen Flyer in die Hand gedrückt. Hier ist der Geländeplan zur besseren Orientierung auf dem riesigen Areal abgedruckt und natürlich das umfangreiche Programm. Es gibt die Stallbühne und die Höhlenbühne, einen temporären Campingplatz, verschiedene Verkaufsstände und Spielstationen. Am Freitag spielen sechs Bands und am Samstag sind es noch einmal sechs Bands – ein gut gemischtes Programm und viel Abwechslung erwarten mich also.

Zahlreiche musikalische Facetten

Die musikalische Vielfalt reicht vom Hip-Hop und Alternative Pop mit Patrick Zavora aka Universal P, über Ska-Jazz-Reggae der Puerto Hurraco Sisters, mit ihren handverlesenen Jazzthemen vor allem aus der Hard Bop- und Soul Jazz-Ära der späten 50er-Jahre und den Offbeat-Grooves aus dem Jamaika der 60er- und 70er-Jahre und geht bis zum kompromisslosen Alternative-Rock, gepaart mit einer ordentlichen Portion Metalcore, der Band April Art. Conni Maly will als Lava 303 mit Groovebox und E-Gitarre mit Acid Rock’n’Roll die Party zum Beben bringen und Kozmic Blue lässt die Musik von Janis Joplin und Jimi Hendrix auferstehen. Eine interessante Melange aus coolen Clubsounds, psychedelic Pop und NuJazz präsentiert Bassist Hattler mit seiner Band. Rangehn spielt die Kult-Songs der Nina Hagen Band und Stücke von Spliff, während Montytown einen Cocktail aus Rap und Rock serviert.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Lava 303 steht auf der Höhlenbühne allein vor dem Publikum

Das deutschsprachige Alternative-Power-Duo Treptow hat seinen Schwerpunkt bei kantiger Gitarrenmusik und Marley’s Ghost will mit der gekonnten Bob Marley Tribute Show die Hüften zum Wippen bringen. Mit einer sehenswerten U2 Tribute Show ist die Gruppe Achtung Baby angereist. Mit im Gepäck: die großen Hits von U2, von den jüngsten Scheiben bis hin zu den Hymnen der 80er-Jahre. Locker und lässig kommen Atrio auf die Bühne. Zum klassischen und lauten Rocksound mischen sie noch bluesige Rhythmen und funkigen Groove.

Das Timing ist an beiden Tagen perfekt organisiert. Während auf einer Bühne umgebaut wird und der Soundcheck stattfindet, kann das Publikum auf der mehr als hundert Meter entfernten zweiten Bühne bereits eine weitere Show genießen. Ziegelei Open-Air-Festival bedeutet also Livemusik nonstop.

Technik an der großen Stallbühne

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Der rechte Teil des Line Arrays von d&b Audiotechnik

Die zahlreichen statischen Scheinwerfer und Moving Heads auf der Mainstage stammen ausschließlich von Cameo, einer Marke der Adam Hall Group. Sie sind in zwei Universen unterteilt. Gesteuert wird über die ChamSys MagicQ MQ70 Compact Console. „Sie ist so klein, dass man sie sogar mit in das Handgepäck des Fliegers nehmen kann“, schwärmt Felix Bücher, der bei diesem Festival die Gesamtverantwortung für Licht und Ton hat. Ein weiterer Pluspunkt der MagicQ MQ70 sei die eingebaute USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung), die sowohl die Konsole selbst, als auch den eingebauten Netzwerk-Switch im Falle eines Spannungsabfalls weiter mit Strom versorgt.

Für die Beschallung kommt an der Stallbühne in erster Linie d&b Audiotechnik zum Einsatz. Die beiden geflogenen Line-Arrays links und rechts bestehen aus jeweils acht Elementen und zwar aus Y8 und Y12 Tops. Diese passiven 2-Wege Line-Array-Lautsprecher sind identisch bestückt. Jedes Element hat zwei 8″-Treiber in dipolarer Anordnung und einen zentral angeordneten 1,4″-Kompressionstreiber, der an einen Wellenformer gekoppelt ist. Der Unterschied der beiden Tops ist lediglich der Abstrahlwinkel von 80 Grad und 120 Grad.

Neben und unter der Bühne warten insgesamt zehn aktiv getrennte Y-Subwoofer auf den Einsatz. Hier ist jeder mit zwei Langhubtreibern mit Neodym-Magneten bestückt. Die Besonderheit ist der integrierte kardioide Aufbau. Das heißt, ein 18“-Treiber in Bassreflexabstimmung strahlt nach vorne und ein 12“-Treiber in einem 2-Kammer-Bandpass-Design nach hinten. Dadurch wird die Energie hinter dem Subwoofer wirkungsvoll unterdrückt, was den Musikern auf der Bühne zugutekommt. Als Nearfills werden Y10P-Lautsprecher eingesetzt. Das sind passive 2-Weg-Systeme mit einem Abstrahlwinkel von 110° x 40°, die mit zwei 8″-Treibern in dipolarer Anordnung und einem 1,4″-Kompressionstreiber bestückt sind. In Richtung Biergarten strahlt ein passiver V10P-Lautsprecher, eine 3-Wege-Box mit der Bestückung 2x 10″ Tiefton, 1x 8″ Mittelton und dem 1,4″ Hochtontreiber.

Nur wenige Bands nutzen bei ihren Auftritten In-Ear-Monitoring, was mich ein wenig wundert. Deshalb stehen am Bühnenrand sechs klassische M6-Bodenmonitore, die bei Bedarf weggeräumt werden, wenn die Band dann doch mit In-Ears spielt. Die M6 sind 2-Weg-Boxen mit koaxialer 12″/1,3″-Treiber-Anordnung und Neodym-Magneten mit einem 50° x 80° abstrahlenden CD-Horn.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Samuel Reissen von Marley’s Ghost am Schlagzeug, rechts ist das Drumfill von LD Systems zu sehen

Von der Marke LD Systems stehen als Drumfill zwei aktive 15-Zoll Bassreflex Subwoofer Stinger SUB 15 A G3 zur Verfügung. Der aktive Fullrange-Lautsprecher auf den beiden Bässen ist eine Stinger 282A G3.

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d&b D80 Touring-Racks

Am Rande der Bühne gibt es zwei d&b D80-Touring-Racks. Das sind bereits vollständig ausgestattete und vorverkabelte System-Racks, die die Netzversorgung und Anschlussschnittstellen für jeweils drei D80-Verstärker bereitstellen. Jede D80-Endstufe ist vierkanalig ausgelegt und ist in der Lage, eine maximale Ausgangsleistung von 4x 4000 W an 4 Ohm zu liefern.

Steuerung vom FoH-Platz in einiger Entfernung

Der FoH-Platz unter einem Zeltdach wird abwechselnd genutzt, denn meist haben die Bands ihren eigenen Tontechniker dabei. Ist dies nicht der Fall, kümmert sich Sören Roth um das Mixing.

Gemischt wird über die Allen & Heath dLIVE S3000 Konsole. Obwohl sie recht kompakt ist, bietet sie alle nötigen Features. Besonders gut ist hier die komplette Steuerung per Remote-App, was immer wieder beim Einstellen und Finetuning der Monitorwege direkt auf der Bühne genutzt wird. Es ist also möglich, einen normalen FoH-Mix zu machen und zur selben Zeit auf die Mix-Busse für das Monitoring zuzugreifen.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Links im Bild: Mixrack dLIVE DM48

Verbunden ist die S3000 mit dem Mixrack dLIVE DM48, das wie die Touring-Racks am Bühnenrand platziert ist. Mit 48 Mic/Line-Inputs und 24 Line-Outputs sind für diesen Zweck ausreichend Optionen vorhanden. Durch das doppelte Netzteil und die zwei redundanten Cat-Verbindungen ist bei der DM48 für die nötige Sicherheit und den reibungslosen Ablauf gesorgt.

Die zweite Bühne

An der kleinen Höhlenbühne wird ebenfalls mit Lichtequipment aus dem Cameo Programm der Adam Hall Group gearbeitet. Den geringeren Abmessungen dieser Bühne entsprechend dann mit weniger Fixtures. Von daher kommt hier auch die besonders kompakte ChamSys MagicQ PC Wing für die Lichtsteuerung zum Einsatz. Das Lichtpult bedient Konrad Ohlenmacher, der sich bei der Lichtgestaltung durch die Art der Musik und die Wünsche der Bands leiten lässt.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Die besonders kompakte ChamSys MagicQ PC Wing

Im Bereich Audio gibt es hier vor allem Equipment der Marke LD Systems. Das sind DDQ 12 Aktivlautsprecher für das Monitoring und als PA zwei Türme mit jeweils zwei 15-Zoll Bassreflex Subwoofern Stinger SUB 15 A G3 in Kombination mit einem aktiven 12-Zoll 2-Wege Lautsprecher Stinger 12 A G3 auf Distanzstange.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Pascal Vieregge ist der Tontechniker an der kleinen Höhlenbühne

Das Mischpult ist ein Behringer X32 Compact. Tontechniker Pascal Vieregge schätzt dieses Behringer Pult, weil es eine flexible Lösung sei und der Bühne in allen Punkten gerecht werde. „Keep it simple“, ist für Pascal die Marschrichtung, „man muss nicht alles benutzen, nur weil es eingebaut ist.“ So steht der Tontechniker auf natürlichen Sound und setzt zum Beispiel keinerlei Kompressoren ein. „Wir haben hier ein potentes Lautsprechersystem, was viel Dynamik zulässt, warum soll ich die dann killen“, erklärt mir Pascal.

Ziegelei Open-Air-Festival

Der Autor im Gespräch mit Achim Schmidt aka Achmed (rechts), dem Besitzer des Areals und Veranstalter des kultigen Open-Air-Festivals

Gespräche mit Musikern und jede Menge Tipps

An beiden Tagen und Nächten nutze ich die Gelegenheit, mit vielen Bands über ihre Technik und die Instrumente der Musiker zu reden, möchte aber auch noch in Erfahrung bringen, was sie selbst jungen Musikern raten würden.

Die Musiker von Rangehn

Keyboarder Bernd Schmidt von der Spliff und Nina Hagen Coverband Rangehn spielt ein altes Yamaha P120 Stage Piano, ein Yamaha S30, und hat im Rack noch ein Roland JV-1010 Synthesizer-Modul montiert. Das seien jetzt zwar keine aktuellen Modelle, aber Bernd meint, es ist vor allem wichtig, diese Teile noch selbst programmieren zu können, denn dann könne man auch das abliefern, was gebraucht wird.

Horst Stockem spielt bei Rangehn den Bass. Er benutzt einen Fender Jazz Bass und spielt ihn hauptsächlich über den Neck-Pickup, weil das der Sound sei, der bei der Tribute-Band „so rüberkommen muss“. Für die Spliff Songs schaltet er auf beide Pickups. Seine Lautsprecher stammen von dem deutschen Boxenbauer Hans Struck. Diese beiden FMC-Boxen würden sehr wenig wiegen und sind jeweils mit 12ern bestückt. Oben drauf steht das MarkBass-Top MoMark. Themen wie Gewichtsreduktion und nicht so viel mitbringen zu müssen, höre ich bei meinen Gesprächen übrigens immer wieder.

Das rät Horst jungen Bassisten: „Vor allem das Üben von Tonleitern und Skalen.“ Das sei schließlich ein Handwerkszeug, von dem man sein Leben lang profitiere. „Natürlich macht das einem jungen Menschen nicht so viel Spaß“, zeigt er viel Verständnis. Von daher ist sein weiterer Rat, die Songs der Lieblingsbands heraus zu suchen und sie immer wieder nachspielen, optimalerweise unter Anleitung eines guten Musiklehrers.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Alex ist die Sängerin der Band Rangehn

Leadsängerin und Frontfrau Alex Albrecht von Rangehn möchte auf Bühnenmonitore auf keinen Fall verzichten. Sie hat zwar auf Anraten schon In-Ear-Systeme ausprobiert, doch damit habe sie sich überhaupt nicht wohlgefühlt. „Klassische Monitore sind ehrlicher Rock’n’Roll“, betont Alex. In ihrem Monitorsignal hat die Sängerin gerne etwas Hall, weil sie dadurch das Gefühl habe, es sei einfacher zu singen. Stimmbildung und klassischer Gesangsunterricht ist für die Frontfrau schon in jungen Jahren ein wichtiges Thema gewesen. „Wenn man versucht, viele unterschiedliche Sängerinnen und Sänger zu imitieren, kann man viel lernen und seinen Stil finden“, lautet ihr Ratschlag.

Die Musiker von Kozmic Blue

Seit 50 Jahren ist das Ehepaar Maggie Mackenthun und Gerhard Sagemüller on Tour, hat weltweit sagenhafte 10.000 Konzerte gespielt und dabei natürlich viel erlebt. Mit ihrer Band Kozmic Blue stehen sie wiederholt beim Ziegelei-Open-Air auf der Bühne.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Maggie und Dietmar von Kozmic Blue

„Musik ist was für Wahnsinnige“, meint Drummer Gerhard, denn es werde immer schwieriger überhaupt irgendwo live zu spielen. Schuld daran sei das Club-Sterben in Deutschland und ganz Europa. Gutes Spielen lerne man aber nicht im Proberaum, sondern nur auf der Bühne. In der Vergangenheit habe er große Drumsets mit vielen Trommeln gespielt, doch im Alter „werden die Wege länger und die Arme dünner“. Sein jetziges kleines Drumset von pdp habe zwar sehr wenig gekostet, es erfülle aber die klanglichen Wünsche und sei vor allem verhältnismäßig einfach zu transportieren.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Der Bassamp von Dietmar

„Im Zweifel muss man bereit sein, auch komplett ohne Gage zu spielen, es muss ja nicht immer die große Show sein“, sagt Kozmic Blue Bassist Dietmar Berteld. Denn spielen, spielen, spielen ist sein bester Tipp für junge Musiker. Für den Sound von Kozmic Blue habe er mit dem Preci den richtigen Bass gefunden. Der Amp ist von MarkBass, es könnte aber auch was ganz anderes sein, „ich muss mich ja nur hören, ansonsten gehe ich per Line Out in die PA“. „Wir spielen jetzt nicht das Programm aus der Neuzeit, wir wollen ja auch klingen wie in den 60ern“, ist für Dietmar das Credo an den Tontechniker.

Keyboarder Martin Doepke von Kozmic Blue hält „unbedingt Musikunterricht nehmen“ für die richtige Lösung. „Und dann möglichst viel Musik mit der Band machen, denn der Sound entstehe nicht, wenn man alleine übt, sondern nur dann, wenn die Musiker zusammen proben.“

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Der Tone King Sky King CR ist die Backline von Wulf

Wulf Hanses-Ketteler ist Gitarrist bei Kozmic Blue. Er setzt als Verstärker einen Tone King Sky King CR ein. Sein Pedalboard ist nach eigenen Aussagen mit allem möglichen Zeug bestückt. Dabei kombiniert er immer wieder verschiedene Booster, um den Sound zu gestalten. Zum Klang von Jimi Hendrix gehöre natürlich ein Uni-Vibe. Wulf hat einen interessanten Tipp für junge Musiker. Das gesamte musikalische Weltwissen sei zwar im Netz verfügbar und man könne alles als Video oder vorgefertigte Tabs und Licks finden, doch viel wichtiger sei es, die Ohren zu trainieren und die „Sachen“ selbst herauszuhören.

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„Viele meiner Gitarrenschüler lassen sich alles vorkauen und probieren leider nicht einmal, sich die Stücke selbst zu erarbeiten.“

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Das Pedalboard von Gitarrist Wulf

Bei Kozmic Blue ist Maggie Mackenthun die Sängerin und Frontfrau. Sie schildert mir die lange „musikalische Ruhepause“, die Corona geschuldet sei und dass es gut ist, endlich wieder live vor großem Publikum Musik zu machen. „Nach gut 1,5 Jahren sind wir jetzt endlich wieder unterwegs und spielen hier heute nicht nur Janis Joplin, sondern auch Hendrix.“ Für Maggie ist In-Ear-Monitoring lediglich ein Backup, denn bei gutem Bühnensound aus den Monitoren mache alles viel mehr Spaß. Ein klein wenig Hall auf dem Monitor ist für sie stets ein Wunsch an die Tontechnik, der aber leider nicht überall erfüllt werde.

Gutes Einsingen ist für sie Voraussetzung, „dann brauche ich nicht drei Stücke, um voll da zu sein“. Ordentliche Vorbereitung sei ebenfalls gut, damit man auf der Bühne präsent ist und ganz besonders wichtig ist ihr eine gute Band, die einen trägt und auf die man sich verlassen kann. „Ansonsten, einfach immer authentisch sein.“

Die Musiker von Marley’s Ghost

Marley’s Ghost ist wohl Deutschlands Bob Marley Tribute Band Nummer 1. Hier steht oder bewegt sich viel mehr, Joonas Lorenz an den Tasten. Er hat eine selbstgebaute Orgel. „Eine Hammond durch die Gegend schleppen ist nicht mehr so gut für den Rücken“, schmunzelt er. In dem Eigenbau, der zusammen mit einem Schreiner entwickelt worden ist, stecken Teile von Nord Electro, Hammond, italienische Lichtschalter und mehr. Diese Orgel sei bei der Show sein Herzstück. Das Signal geht über einen Röhrenvorverstärker von Reußenzehn, dann weiter in die Leslie-Emulation und von dort in die PA.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Eine selbstgebaute Orgel aus schönem Holz sieht man eher selten

Als junger Musiker hat Joonas viel aus bestehenden Musikstücken seiner Lieblingsalben herausgehört und transkribiert. In dieser Phase sei das Equipment nicht wirklich wichtig, Hauptsache, man könne überhaupt spielen. Später sei es gut, sich mit der Musik seiner Heroes intensiv zu befassen und die Stilistik sowie die Sounds herauszuhören. „Ich finde, das bringt es am meisten“, so der Tipp von Joonas an den Nachwuchs.

Matthew Sonlicksen spielt Leadgitarre bei Marley’s Ghost, singt hier aber auch noch. „Ich möchte so wenig wie möglich zwischen der Gitarre und dem Amp haben“, erklärt Matthew, dennoch habe er wenige Effekte im Einsatz, wie den Kompressor, einen Tubescreamer und sein Wah-Pedal. Weil er viel unterwegs ist und ein leichtes, aber verlässliches Arbeitstier für die Verstärkung braucht, spielt er über den Roland Blues Cube. Das ist ein Solid-State-Amp, der für seinen Geschmack richtig gut klingt. Als Gitarre kommt bei ihm für das aktuelle Programm ausschließlich eine Duesenberg Telecaster zum Einsatz.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

So geht die Befestigung der Pedale auf der Bühne auch. Matthew sieht es wohl eher pragmatisch

„Viele Gitarristen bei Instagram sind heute bei der Technik richtig gut drauf und ich denke, so etwas konnten wir damals nicht.“ Dennoch gibt es für Matthew drei Dinge, die viel entscheidender sind: Groove, Timing und Melodie. Als Tipp rät er, man solle gerne mit einem Metronom üben und immer gut zuhören, was die anderen gerade machen, also das Zusammenspiel optimieren. Als Sänger ist für ihn gute Atemtechnik wichtig. „Reine Gesangsproben haben wir häufiger schon fast einen ganzen Tag lang gemacht“, verrät mir Matthew weiter. Dazwischen habe es aber auch einige Kaffeepausen gegeben.

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Frontmann Sebastian und Bassist Christian

Sebastian Sturm ist die Stimme von Marley’s Ghost. Zusätzlich spielt er die Rhythmusgitarre. Früher habe er Punkmusik gemacht und sei erst später über Ska nach und nach in den Reggae eingetaucht. Seine Gitarre hat er selber zusammengebaut. Das ist eine Musima für wenig Geld, die er dann mit neuen Pickups und anderen Kleinigkeiten aufgepimt hat. „Mir gefällt die Form und die Gitarre muss ja auch nur tschakken“, meint der Frontmann. Derzeit spielt er einen Fender Hot Rod Deluxe, aber der ist ihm mittlerweile vom Gewicht zu schwer geworden, weshalb er sich hier auf jeden Fall umorientieren will. Für Sänger und Sängerinnen gibt er den Ratschlag, dass das Singen am und zum Piano die Stimme stärker macht.

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Die Musima von Sebastian „muss ja nur tschakken“

Bassist Christian Golz von Marley’s Ghost ist erst vor Kurzem auf Instrumente von Sandberg umgestiegen. Diese Firma habe ihm einen tollen Bass gebaut. Die Hölzer seien gut gewählt und die zwei Preci-Pickups sind bei diesem Modell etwas weiter vorne angebracht, was einen dickeren Bass-Sound macht. „Wir spielen alle In-Ear-Monitoring, deswegen reicht für mich ein einfacher Amp von MarkBass. Der Sound nach draußen kommt eh nicht mehr über den Amp, sondern geht über DI in die PA“, erklärt er. Beim In-Ear-Monitoring kann er sehr präzise hören, beschreibt Christian als Vorteil für den Einsatz. Vom Schlagzeug sind ihm Bassdrum und HiHat dabei beim Hören besonders wichtig. „Selber Songs rausschreiben ist zwar nervig, schult aber ungemein die Gehörbildung“, gibt Christian anderen Bassisten als Tipp mit auf den Weg.

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Tontechniker Flo an der Allen & Heath Konsole

Flo Sandmeier ist der Tontechniker für die Band Marley’s Ghost und bedient heute das Mischpult am FoH-Platz. Üblicherweise sei er mit Pulten von Yamaha oder DiGiCo unterwegs. Mit dem einfachen Handling und der selbsterklärenden Oberfläche der Allen & Heath dLIVE S3000 Konsole komme er aber gut und schnell zurecht. Flo hat von der Band ein klares Soundbild im Kopf, das er immer und überall umsetzt, egal mit welchem Equipment.

Die Musiker von Achtung Baby

Anders, als bei den anderen Bands, hat Carsten Stiehr aka The Fake, der Gitarrist von Achtung Baby, großzügig Equipment aufgefahren. Hinter ihm steht ein hoher Turm mit 19-Zoll Effekten, darauf noch einige Bodentreter und daneben ein alter VOX AC30, abgenommen mit zwei Shure SM57 Mikrofonen. Vor seinen Füßen zwei Boards mit etlichen Schaltern und natürlich auch noch vier Pedale und ein weiterer Schalter. Dann gibt es da noch ein älteres Keyboard und neben ihm eine Reihe mit allen erdenklichen Gitarrenmodellen – ich bin beeindruckt.

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Gitarrist Carsten Stiehr und Sänger Micha van de Weg aka Nobo

Nach dem Auftritt der Band muss ich lange auf das Gespräch warten, denn was aufgebaut wird, muss schließlich auch wieder verladen werden und der Bandbus wartet bereits auf die Abfahrt. Nach einiger Zeit kann ich mich dann mit Carsten und Bassist Andreas Hellwig aka Mad M. Clinton unterhalten.

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Der Controller für das Fractal Audio Axe-Fx II

Gitarrist Carsten erzählt mir, dass er im Laufe der Jahre richtig viel Equipment für sich angehäuft habe, Equipment und Röhrenamps, auf die er sich immer gut verlassen konnte. Jedoch sei er stets auf der Suche nach Verbesserungen oder Erweiterungen, aber auch nach Material, was die Bandscheiben entlasten könne. So hat er während der Corona-Zeit das Fractal Audio Axe-Fx entdeckt, gekauft und programmiert, was recht lange gedauert habe. „Wenn man immer nur alte Amps und altes Zeug spielt, liebt man das natürlich. Deshalb habe ich bisher immer etwas Schiss gehabt, davon Abstand zu nehmen und mir so ein Gerät anzuschaffen, was alles in einem bietet. Hier gehe ich jetzt mit der Gitarre rein, habe noch ein Fuß-Board und ein Pedal dran, und von dort geht es über die Speaker-Simulation direkt ins Pult.“ Sein Axe-Fx II steuert er auf der Bühne übrigens mit dem Controller MFC-101.

„Ich habe sehr lange gebraucht, mich an das neue Equipment zu gewöhnen und den alten Sound richtig gut zu reproduzieren“, erklärt mir Carsten und kommt zu dem Schluss, dass er so ein Gerät oder ähnliches Gear jetzt jedem empfehlen würde. „Das alte Zeug ist heute lediglich mein Backup“, erklärt er weiter und Andreas ergänzt: „Ein sehr umfangreiches Backup.“ Schließlich habe ich die ganze Zeit zugesehen, wie Carsten alles wieder abbauen und ordentlich für die Fahrt verpacken und verstauen musste. Im Stillen überlege ich, wen ich Christian als kräftigen Roadie empfehlen kann :-)

Der Gitarrist ist auch erst vor gut zwei Jahren (die Band gibt es seit 20 Jahren) zum In-Ear-Monitoring gekommen. Er habe sich lange nicht daran gewöhnen wollen und es habe ihm auch nicht gefallen, beim Monitoring von anderen abhängig zu sein. Dies ist nun anders geworden. Auf der Bühne setzt Achtung Baby im Rack ein Behringer X32 ein. Damit kann sich jedes Bandmitglied mit dem eigenen iPad den gewünschten Sound für das Monitoring einstellen. Für die Songs und das Gitarrenspiel von U2 ist Carsten besonders das Schlagzeug wichtig und hier HiHat und Kick. Als Tipp für Gitarristen meint Carsten: Auf Effekte beim Üben verzichten und als Band zunächst versuchen, ganz tight zusammen zu spielen.

Bassist Andreas ist schon lange überzeugt vom In-Ear-Monitoring. „Ich habe immer und überall meinen perfekten Sound“, ist nur ein Grund, weswegen er diese Art von Monitoring bevorzugt. Auf der Bühne spielt er nach dem Vorbild von Adam Clayton einen Warwick Bass. Drahtlos mit Sennheiser geht es dann in den 2-kanaligen Bass-Röhren-Vorverstärker Two Notes Le Bass. Von Electro-Harmonix hat Andreas den Blackfinger Kompressor und das Super Pulsar Tremolo am Start. Von Boss steht dann noch der GT-6B Bass-Effektprozessor vor seinen Füßen.

Seine Tipps für junge Bassisten sind, viel mit der Band zu proben und sehr viel zusammen zu spielen. Aber auch die Anschlagspositionen am Instrument zu variieren, denn „damit kann man eine Fülle von Sounds erreichen, bevor man sich in technischem Equipment verliert“.

Vorproduzierte Spuren beim Auftritt

Bei der Band, die ja wie das Vorbild U2 lediglich aus drei Musikern und einem Sänger besteht, spielt der Mac wie beim Original eine große Rolle. Vom Rechner werden vier vorproduzierte Spuren herausgegeben, zweimal Keyboard und zweimal Loop. Ansonsten wäre der Sound eher sehr Club-mäßig, ist sich die Band einig. Ach ja, und der Klick für alle kommt ebenfalls von Mac.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

Bei der Band April Art gibt es auf der Bühne keinen Stillstand

Persönliche Kontakte und engagierter Einsatz

Felix Bücher, der bei diesem Festival der Hauptverantwortliche in Sachen Licht- und Tontechnik ist, findet die passenden Worte zu diesem gelungen Open-Air-Festival, das mit der lokalen Band April Art und deren spektakulärem Auftritt weit nach Mitternacht ein fulminantes Ende findet: „Hier geht es mehr um den Spaß an der Sache, als um das Geldverdienen“, sagt mir Felix und „alle wollen nur das machen, was sie gerne tun“. So nutzt jeder seine persönlichen Kontakte, um für überschaubaren finanziellen Einsatz oder sogar komplett kostenlos an das professionelle Equipment zu kommen, das den guten Sound und das gute Licht an beiden Tagen ausgemacht hat.

Mit den Profis auf der Bühne beim Open-Air

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Vielen Dank an alle für die sehr interessanten und offenen Gespräche. Peter, von der Redaktion Stage

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    Gavilan

    Hallo,
    ein schöner und informativer Artikel, vielen Dank dafür. Wermutstropfen sind die doch sehr übersichtlichen Ausführungen für die Fraktion der Schlagzeuger.

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