Das Elton John Piano im Rack-Format
Das Roland MKS-20 Piano-Modul ist die Rack-Variante des 1986 erschienenen Roland RD-1000 Digital-Pianos. Mit 8 Sounds ist es zwar aus heutiger Sicht sehr bescheiden ausgestattet, diese 8 Sounds haben es aber in sich und haben aus dem MKS-20 einen Klassiker gemacht, der auch heutzutage noch oft eingesetzt wird.
Roland MKS-20 Piano-Modul
Hersteller: Roland
Erscheinungsjahr: 1986
Merkmale: 16-stimmiges Soundmodul mit 8 Sounds; Piano 1/2/3, Harpsichord, Clavinet, Vibraphon, E-Piano 1/2
Klangerzeugung: Roland Structured-Adaptive-Synthesis (SA bzw. SAS)
Besonderheiten: traumhafter Chorus, durchsetzungsfähige Piano-Sounds, hoher Wiedererkennungswert der Piano-Sounds
Gebrauchtpreis: 300,- bis 500,- Euro (2026)
Inhaltsverzeichnis
Roland MKS-20
Die MKS Reihe war eine Serie von Soundmodulen, die der japanische Hersteller Roland in der ersten Hälfte der 80er-Jahre auf den Markt gebracht hatte. Dazu habe ich bereits eine Story mit einer Übersicht über diese Modulreihe geschrieben.
Das MKS-20 erschien 1986 und war nach dem MKS-10 das zweite Piano-Modul in der MKS-Reihe. Hat das MKS-10 noch eine analoge Klangerzeugung, setzte Roland mit dem MKS-20 auf eine digitale, die auf den Namen Structured-Adaptive-Synthesis, kurz SAS oder SA, hört. Wie schon erwähnt, ist es das Soundmodul des Roland RD-1000 Digital-Pianos. Es verfügt über den exakt gleichen Funktionsumfang wie das ca. 44 kg schwere RD-1000.
Das RD-1000 kann man hier in diesem Video sehr schön sehen. Elton John – what else!
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SAS-Synthese
Ich dachte eigentlich immer, dass das MKS-20 einfach mit Samples arbeitet. Aber da habe ich mich definitiv geirrt. Roland hat hier eine komplett neue Klangerzeugung eingebaut, die versucht, ein realistischeres Spielgefühl vor allem in der Dynamik zu geben, als das mit Samples der Fall wäre. Der Speicherplatz für Samples war ja Mitte der 80er sehr begrenzt.
So, was macht nun diese SAS-Synthese? Statt eines Samples pro Taste (mehr war damals schwierig, vor allem über einen größeren Tonbereich), verwendet das MKS-20 mehrere Schwingungsformen gleichzeitig. Pro gespielter Note werden zehn Klangbestandteile kombiniert und in ihrer Lautstärke verändert. Dadurch entstehen wesentlich natürlichere Übergänge zwischen leichtem und starkem Anschlag.
Der Klang wird also nicht einfach abgespielt, sondern durch Überlagerungen rekonstruiert.
Bedienelemente des MKS-20
Das MKS-20 hat zwei Höheneinheiten und eine Einbautiefe von ca. 40 cm, bei stolzen 8 kg. Links befindet sich ein Tune-Regler, ein Volume-Slider (kracht auch nach 40 Jahren nicht) und ein Kontrastregler für das Display. Meines leuchtet auch noch nach 40 Jahren ausreichend stark. Weiterhin sitzt hier auch der Kopfhörerausgang.
In der Mitte gibt es ein zweizeiliges Display, acht Taster zur Auswahl der Voices, weitere acht Taster mit verschiedenen Funktionen, eine vertikale Reihe von LEDs, die anzeigen, welche Funktion man gerade bearbeitet und das für Roland typische Alpha-Dial-Rad, das man auch beim Juno-2 oder beim JX8-P findet.
Ganz rechts gibt es noch einen Cartridge-Slot, eine grüne LED, die ankommende MIDI-Signale anzeigt und den Ein- und Ausschalter. Wozu es einen Cartridge-Slot braucht, habe ich bis heute nicht verstanden. Kann man doch schon intern 64 Sounds speichern. Ich glaube, mehr wird noch nie jemand gebraucht haben.
Rückseite
Auf der Rückseite befinden sich zwei symmetrische XLR-Ausgänge, zwei unsymmetrische Klinkenausgänge, ein Schalter, um das Signal abzuschwächen oder anzuheben, MIDI In und Thru und eine zweipolige Kaltgerätebuchse für das interne Netzteil. Leider kein normaler Kaltgerätestecker, sondern der zweipolige Roland-Stecker. Ich mag den nicht besonders, weil man immer auf der Suche nach einem passenden Kabel ist.
Funktionen
Über den Tune-Taster kann man das Instrument im Bereich von 438 bis 446 Hz stimmen. Mit den Tastern 1 und 5 kann man das MKS-20 auch bis zu zwei Oktaven nach oben oder nach unten transponieren.
Für jede Voice kann man verschiedene Parameter editieren und abspeichern.
- MIDI-Kanal
- Level
- Treble Level
- Frequenz/Level/Width (parametrisches Mittenband)
- Bass Level
- Chorus Rate/Depth
- Tremolo Rate/Depth
Der EQ verfügt also über fixe Höhen und Bässe und eine parametrische Mitte. Das Mittenband reicht von 400 bis 4000 Hz. Den Sound des EQs würde ich als sehr musikalisch bezeichnen. Die Höhen klingen sanft, die Bässe kräftig. Das Mittenband kann bei Maximaleinstellungen schon fast als LPF-Filter durchgehen.
Das MKS-20 befindet sich immer im Write-Modus. Also jede Änderung bleibt automatisch gespeichert. Nur die Sounds der Bank 1 sind nicht überschreibbar. Wenn man will, kann man alle Sounds auf die Einstellung der Bank 1 zurücksetzen, indem man beim Einschalten den Bank-Taster gedrückt hält.
Im Internet findet man oft die Info, dass es für jeden Sound sieben Variationen gibt. Das ist allerdings so nicht richtig. Mit Variationen sind nur die oben genannten Einstellungen gemeint. Jedoch kann man durch den EQ oder durch die Effekte den Sound schon so verdrehen, dass er wirklich komplett anders klingt.
Die Taster Write/Save/Load sind nur für das Speichern und Übertragen auf die optionale Speicherkarte gedacht.
Die Sounds
Piano
Es gibt drei Piano-Sounds. Piano 1 und Piano 2 unterschieden sich dadurch, dass Piano 2 etwas dunkler klingt und einen weniger hellen Attack hat. Piano 3 klingt deutlich anders und wesentlich drahtiger und mehr nach CP-70. Insgesamt klingen alle Pianos eher nach CP-70 als nach einem akustischen Flügel. Verwendet wird eher Piano 1 oder 3.
Harpsichord/Clavinet
Was soll ich sagen, es ist halt auch drin. Das Clavinet klingt in meinen Ohren auf jeden Fall nicht nach einem Hohner D6 oder E7. Es klingt eher wie ein Clavinet von einem Synthesizer. Das Harpsichord ist sehr dünn und leblos. Also diese beiden Sounds sind auf jeden Fall die Schwachpunkte des Geräts.
Vibraphon
Das Vibraphon klingt ausgezeichnet. Dass hier kein Sample zum Einsatz kommt, kann ich eigentlich nicht glauben. Vor allem in Verbindung mit dem Tremolo ergibt das einen warmen und vollen Sound, der sich auch vor heutigen Sample-Playern nicht zu verstecken braucht.
E-Piano
E-Piano 1 klingt etwas voller und runder, E-Piano 2 etwas schlanker und aggressiver. Das E-Piano 2 gefällt mir besser, klingt aber leider im oberen Bereich sehr dünn (das tun aber viele Sample-E-Pianos auch). Beide Pianos haben einen minimalen DX-liken Attack zu Beginn des Sounds.
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Aber generell kann man diese beiden Pianos vom Klang her nicht einordnen. Sie klingen nicht wirklich nach Rhodes und noch weniger nach Wurlitzer.
Außerdem schreien sie förmlich nach Einsatz eines Effektes. Trocken klingen sie einfach etwas plump. Auch heute findet man in Roland-Geräten noch E-Pianos mit der Bezeichnung SA-Piano und so ähnlich klingen.
Die Effekte
Die Effekte sind ein absolutes Highlight für mich. Der Chorus klingt nach fettem CE-1 Chorus und das Tremolo ist wunderbar weich und trägt die Sounds bis in die hinterste Ecke des Raumes. Beide Effekte sind in Stereo verfügbar und können direkt über einen Taster aus- und eingeschaltet werden. Man kann auch beide Effekte zugleich verwenden.
Der Chorus erinnert mich stark an den vom Juno-60. Auch wenn man diesen ausschaltet, hat man kurz das Gefühl, dass ein Kabel rausgegangen ist und die Tieftöner der Boxen kaputt sind:-)
Bei beiden Effekten kann man Geschwindigkeit und Effektanteil getrennt voneinander einstellen. Eine Modulation der Effekte via MIDI ist nicht möglich. Kleines Detail am Rande: Das MKS-20 reagiert auch nicht auf Pitchbend und Mod-Wheel.
Wo hört man ein MKS-20?
Natürlich sehr oft bei alten Aufnahmen von Elton John. Bei dem Song „Sacrifice“ dürfte sogar das E-Piano 1 zum Einsatz gekommen sein (mit Chorus und mehr Höhen). Bei „I don’t wanna to go on with you like that“ dürfte Piano 1 oder 3 mit Chorus zum Einsatz gekommen sein. Natürlich verwendet man im Studio den MKS-20-Sound nur, wenn man auch genau so einen Sound haben will. Wenn Phil Collins einen Klaviersound wollte, dann hat er sicher ein echtes Piano genommen und nicht das vom MKS-20.
Live wurde der SA-Piano-Sound, sei es vom RD-1000 oder vom MKS-20, auf jeden Fall öfter eingesetzt, weil man hier nicht viele Alternativen hatte.
Mögliche Defekte
Bei meinem hatte beim Kauf ein Ausgang gebröselt. Dieses Problem scheint es öfters zu geben, es wird von einem Relais verursacht (Einschaltverzögerung) und lässt sich angeblich leicht beheben. Es wurde auch schon von Lesern hier bei den Kommentaren zu anderen Artikeln erwähnt.
Zu dem Thema „Relais“ hat Leser RONV bei den Kommentaren folgendes geschrieben:
Mein geliebter MKS-20 hatte auch das Relais-Problem (Knistern, klingt teilweise wie eine leichte Übersteuerung) und auch eine kaum mehr sichtbare Hintergrundbeleuchtung.
Beides habe ich erfolgreich gewechselt. Das Relais ist gar nicht so außergewöhnlich. Als Ersatz eignen sich z. B. „RY5W-K Takamisawa“ oder „G5V2-H1-5DC G5V2-5H1 OMRON.
Das Display kann seine Leuchtkraft verlieren. Ablesen kann man es aber trotzdem, jedoch nur schwer und bei Tageslicht. Das kann man auch tauschen.
Plug-ins?
Bis heute ist das MKS-20 ein gefragtes Soundmodul. Allerdings gibt es auch Software- bzw. Plug-in-Lösungen wie z. B. Spectrasonics Keyscape (gesampeltes MKS-20) oder RdPiano (Emulation der SA-Synthese). Von Lesern wurde mir berichtet, dass das RdPiano das weitaus bessere sein soll.

































hi, bist du sicher das in 40 Jahren bei der Beleuchtung des Displays nix gewechselt wurde?
kleiner Tipp wegen des nervigen 2 Poligen Anschlusses: ich hab unlängst meinen Alpha Juno 2 Servicieren lassen bei virtual music in Wien (auch Peter grandl ist ein Kunde und Alessandro cortini u.a.) wollte den Anschluss auf den geläufigen 3 Poligen IEC Anschluss wechseln lassen. aber der ist etwas höher.
hab dann zufällig bei Amazonk einen Adapter auf den „8er oder „Rasierapparat, altes Radio… stecker gefunden! echt gut! (ich glaube „c8 auf C9“ ist die Bezeichnung)
jetzt 2 weiße 3m Kabel mit 90 Grad Winkel bei Mediamarkt gefunden.
@Numitron Ich habe praktisch alle meine alten Synths mit IEC Buchsen ausgerüstet. Meistens war etwas Metallarbeit nötig, aber so ist es nun viel praktischer. Keine Fixkabel mehr oder mal nicht auffindbare Spezialkkabel.
Und die Erdung kann so sauber gelöst bzw. herausgeührt werden.
@Cavestudioschweiz ja, stimmt.
aber so auch ganz gut. 👍
bin aber eher ein „No Mod“.Verfechter.
OK, das ist keine echte Mod.
und mit dem OLED hab ich wohl selber dagegen Verstößen aber sonst originalgetreu.
😉
sehr schönes instrument
pianosound immer serious und geschmackvolles
ist neben DX7 Epiano wichtiger Bestandteil von Sound von 80s.
clavinet ist gut es zu haben aber sind nicht so gut klingt wie
stecknadelkasten runterfällt.
auf dem foto der rückseite ist aber eine 3polige buchse, oder irre ich mich?
die sounds sind schon sehr eigen, nach samples hört sich das aber nicht an…auf dem ensoniq mirage gab es ein piano-sample, das wirklich klasse klingt und auf einem meiner absoluten lieblingstracks (rythm is rythm/strings of life) verwendet wurde.
@dilux Das originale MKS20 hat einen zweipoligen Anschluss.
Ich denke , das Foto zeigt ein MKS welches umgerüstet wurde.
@Jedi Ja, auch Yamahas KX-88 hatte den. War damals gar nicht so selten. Aber Metallgehäuse und 2-polige Stromzufuhr!! No go.
@Tai Stimmt. Auch dx7 hatte ein zweipoliges Kabel ( festverbunden).
Schutzklasse II. (Schutzisolierung) .
Zum Kx88 noch kurz: es ist sauschwer , hat aber keine Holztasten :-)
Und nur einen midi out.
War mal das Masterkeyboard.
( offtopic ende)
@dilux super song.
obwohl der meiner Meinung nach merkwürdig abgemischt wurde.
springt irgendwie dauernd von der Lautstärke vor allem bei dem String Hit..
aber die Akkorde, ein Traum.
das möchte ich Mal lernen.
und Gypsy Woman. 😜👍
@Numitron das muss man wohl unter „künstlerische freiheit“ einordnen….
@dilux stimmt 😃 Passt aber gut zum Song. 😀
„Das RD-1000 kann man hier in diesem Video sehr schön sehen. Elton John – what else!“
Ja, scheint auch die BluTooth Variante mit Batteriebetrieb zu sein. Die Mode, fantastisch. Ich hatte damals einen Anzug mit noch höherem Stoffverbrauch.
@Tai true blue baby i love you!.oder so😜
Wieder was gelernt. Jetzt weiss ich endlich woher die Piano Sounds der 80er herkommen.😁
Danke für den Artikel👍👌
Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie viel Charakter in solchen Klassikern steckt. Acht Sounds wirken heute fast schon lächerlich wenig und trotzdem haben genau diese Sounds unzählige Produktionen geprägt. Manchmal ist weniger eben wirklich mehr.
Ich hatte früher mal das alte RD 300s, was vom Sound ja ähnlich, vielleicht sogar identisch war.
Für die damalige Zeit und mein damaliges Wissen konnte ich Loriot zitieren („Ein Klavier, ein Klavier….“)
Wenn mich meine Erinnerung aber nicht komplett täuscht, war man mit Piano 2, Chorus & Tremolo sehr nah an dem CP70-Sound von Tony Banks
mks20 kaltstart klingt anders wie 2h in action.warm werden.
habe es aber nicht so gut mehr in erinerung. es war peculiarity / Eingenheit von instrument.
RdPiano ist keine Emulation der SA-Synthese, sondern eine Emulation der MKS-20 Hardware, auf der die originale MKS-20 Firmware läuft. Also tatsächlich, was den digitalen Teil angeht ein echtes MKS-20. Nur der analoge Teil des MKS-20 wird emuliert (Chorus ist m.W. analog).
@mudi2000 chorus aber wie in alpha juno hab gecheckt🙂
juno6/ 60 ich denke nicht ist in breite und modulation anderes. hohe hausnummer
Hatte das Teil Ende der 80er/Anfang 90er auch in meinem Rack. Kann mich noch an eine Demo von Dieter Falk auf der Musikmesse erinnern: Mit dem Rhodes-Patch hatte er Whitney Houston’s „Saving All My Love“ gespielt. Das hat mich richtig geflasht. Aber auch die anderen Sounds haben sich im Band-Kontext immer gut durchgesetzt. Nicht ganz vergleichbar mit der Qualität, die man heute gewohnt ist, aber damals top!