Blue Box: Roland System 700, Analoges Modularsystem, Teil 2

29. Juni 2013

Die 700er Reise von Modul zu Modul

Nach dem Überblick über die Systeme und Zusammenstellungen sowie dem grundsätzlichen Konzept des Roland System 700 in Teil eins, soll es hier nun um die Module selbst gehen.

system 700 DSC_0046

Es ist stark anzunehmen, dass es kaum Gelegenheiten gibt, spezielle Module zu finden, sondern eher komplette Systeme oder Cabinets mit Modulen, vielleicht mit 1-2 nicht mehr perfekt laufenden Modulen. Dafür soll diese Aufstellung helfen, diese zu erkennen und die Eignung herauszufinden und abzuwägen, für was und fürsie ursprünglich eingesetzt wurden und wie man heute damit umgehen kann. Das System 700 ist eine Antwort nach einer für Technik lang zu nennenden Zeitspanne. Deshalb gab es hier auch einige Verbesserungen gegenüber den Systemen vor und um die frühen siebziger Jahre. Heute kann man alles bedenkenlos perfekt einsetzen. Es gibt kaum ein bequemeres Prinzip mit mehr Spaßfaktor als das System 700. Dann schauen wir doch mal die Module an.

sys700_sw

Die Audio-Baugruppen: VCO, VCF, VCA

Das System ist maßgeblich von der Qualität und den Fähigkeiten der Hauptkomponenten abhängig.

Neben dem schon geschilderten Prinzip der durch Einstecken der Klinkenstecker überbrückbare Vorverschaltung der Module in den Haupt-Gehäusen (Cabinets) seien vorab noch einmal die grundsätzlichen Vorstellungen erinnert. Das Wichtigste ist, dass oben im Cabinet die Audiomodule zu finden sind, unten befinden sich Hilfs- und Modulationsmodule in deutlich kleinerer Bauhöhe. Die kleinen Cabinets der Seitenflügel haben sogar nur Platz für „große“ Module. Diese großen Module haben am oberen Teil generell Audioeingänge, während unten die Modulationseingänge zu finden sind. Beide haben Abschwächer in Form von Fadern, davon zwischen zwei bis fünf an der Zahl.

Alle Module sind solide gebaut und enthalten meistens nur ein Schaltungskonzept und werden für die anderen Cabinets und auch funktional andere Schwerpunkte angepasst als Variante angeboten. Es gibt keine drastisch anders gebauten Module. Rein technisch werden fast die gleichen Layouts verwendet, um gerade bei den Oszillatoren alle Optionen anbieten zu können, darunter die Pulsbreitenmodulation und Oszillator-Sync. Alle Beschreibungen beziehen sich zunächst auf die Main-Unit, beziehen jedoch die externen Module mit ein. Zumeist deshalb, weil es dort eine interne (Vor-)Verkabelung gibt.

Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Sehr ausführliche Modulbeschreibung und auch nette Gedanken zum Ende hin! Mich würde mal interessieren, wie sich das Corsynth Filter, welches ja ein OTA Filter mit eben der Roland Charakteristik ist, im Vergleich zum „Original“ schlägt und ob es prinzipiell Möglich wäre, bspw. mit den äusserst ergiebigen Cwejman Oszillatoren und auch dessen 4 Fach-Resonatorfilter + eben dem Corsynth Filter, sich dem Klang und Gestaltungsmöglichkeiten des System 700 anzunähern. Obwohl man hier natürlich die Hürde überwinden muss, dass Corsynth im Synthesizers.com Bauformat ist und Cwejman eben Eurorack. Allerdings befrüchte ich, dass dies zu viel für einen „Vergleichstest“ wäre.

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      moogulator  RED

      Dann müsste ich jemand haben, der Cwejman und Corsynth Module hat. Testrack für Euro und Moog-Size mit Aufwand durch auf schrauben wäre grundsätzlich da.

      Aber die Frage ist, ob die Art der Umsetzung wirklich so sehr von diesen Eckdaten abhängt oder doch mehr von dem gesamten Umfeld, in dem dies nur ein Teil ist.

      Achja: Die jetzt kommende Bass Station II geht auch in diese klangliche Richtung. Es gibt auch ein Filter von MFB, welches ein wenig an Roland erinnern soll. Müsste man prüfen, was da technisch verbaut wurde. Bei mir im Forum wurde da allerdings einiges zu gesagt. Ja, man müsste das alles da haben.

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        AMAZONA Archiv

        Sicherlich werden die Hüllkurven und LFO’s auch ihren Teil dazu beitragen und natürlich klingen Cwejman Osci’s auch anders als die von Roland, aber es war ja auch mehr als „mögliche Annäherung“ gedacht, da das System ja seltener zu finden ist, als ein Elka Synthex oder ähnliches. Wäre natürlich interessant, wie gut sich das imitieren liesse und welche Vor- und Nachteile es dann gibt. Jedenfalls stehen Cwejman und eben das Corsynth-Filter auf meine Wunschliste, aber vor Jahresende werde ich wohl nicht das nötige Kleingeld dafür haben. Falls sich also bis dahin niemand findet, kann ich mich ja noch mal kommentarisch zu Wort melden.

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          moogulator  RED

          Naja, der Roland-Sound selbst ist einfach bisher nur bei Rolands Analogen so zu finden. Wenn es dieser „holzige“ Filtersound und dieser Klang ist, dann wird es auch einfach ein Roland werden müssen. Es wäre nur wichtig zu überlegen, ob es modular sein muss oder sollte und so. Aber zB die Filterclones im Studio Electronics oder ähnliches waren immer weit genug weg, um es zu vermissen. Es reicht manchmal sogar schon im Rolanduniversum zu bleiben, um etwas zu vermissen. Deshalb ist wichtig sich da soweit zu kennen.. Das was bei Roland beliebt ist ist der Filtersound, die allgemeine Sweetspot-Art, die man aber auch übertreiben kann (JX Serie) und wie viel Synthese man braucht (Xmod, Ringmod, 2 OSCs..) oder eben modular. Jupiter 8 kann man wegen des Preises nicht empfehlen als Alternative. Also ein Synthex klingt auch vollkommen anders, übrigens finde ich das Resonanzverhalten schwierig beim Synthex. Das ist eben kein Sweetspot.

          Dh. Das alles muss man prüfen. Und das Zusammenwirken ist dann auch noch da, wie du richtig bemerkst hast.

          Es gibt nach meinen Ohren bisher keinen Ersatz für diese Sachen, aber um Musik zu machen kann man sehr viel sonst nehmen. Man darf nur nicht unbedingt „den Sound“ wollen ;)
          Deshalb hat es auch keiner wirklich geschafft zB Korgsound zu haben etc. Und diese Frage ist sogar vergleichsweise neu. Nicht mal Moog ist wirklich überall gut geklaut ;)

          Cwejman klingt in jedem Falle komplett anders als Roland. Die Hüllkurven sind da sehr gut und schnell, so wie die VCAs, die Filter klingen durchaus dreckig und sauber zugleich, auch mittig, aber ganz anders im Verlauf, da die Verzerrungen wirklich andere sind. Das wird also sicher kein Ersatz wenn du den Rolandsound magst. Es ist aber ein sehr guter Synthesizer mit sehr guten Eckwerten. Etwas analytischer noch, aber keineswegs „neutral“.

          bisher scheint mir die BS2 noch am nächsten zu kommen und eher DIY Projekte, ansich ließe sich das 700 sogar clonen, da es nicht aufwendig ist – rein technisch gesehen.

          Ich kann also leider nur sagen – solang du eigentlich den Sound willst, wirds schwer, wenn du etwas strukturell ähnliches willst und ein ähnlich okayes Verhalten willst, das ginge auch noch, aber es wird eben anders sein..

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    rw1957  

    @ moogulator: Toller und ausführlicher „Reisebericht“. Dass das 700er-System schwer zu bekommen ist, sollte aber nicht als Minus gewertet werden.

    @ Planetjumpin: Ich würde gerne dazu lernen. Welchen Sinn – nämlich nach objektiven Maßstäben – soll ein solcher „Vergleichstests“ haben?

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      Genau das was oben steht, nämlich sich dem System 700 anzunähern, ohne einen haben zu müssen, da es nämlich, wie von uns allen 3 schon erwähnt wurde, sehr schwer zu bekommen ist! Sicherlich wäre das dann keine 1:1 Kopie, genau so wie ein Andromeda keinen echten Oberheim, oder Moog ersetzt und ein (Studio Electronics) Omega oder Code das auch nicht tut, aber man kann sich schon in diesen Gefilden bewegen und deswegen ist meine Frage auch: wie sehr kann man sich dem annähern!?

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        moogulator  RED

        Der Andro kann recht gut Moogsounds, aber nicht so gut Oberheimsounds.
        SE Omega und so sind toll, aber sie werden eher für „den Produzenten“ ok gleich klingen.Aber wir vergleichen da Kompaktsynths mit Modular, dh – wenn das auch ok ist, dann sage ich halt Bass Station 2 nochmal..

        Muss ich mir aber nochmal genauer anhören.
        Aber monophon und modular und klein und analog und Kompakt und poly ist halt alles unterschiedlich und sehr unterschiedlich teuer..

        siehe oben – nein, denke es gibt keine direkten Ersatz, nur funktional-musikalisch kann man Ersatz finden.
        Es gibt ja heute kaum Analoge Polyphone, deshalb ist das ja eh nur die Wahl zwischen SE und DSI, und da würde ich eher SE nehmen, teuer- gut, aber leider nicht so zappig. Aber sehr gut für die tägliche Produktion, die auch zufrieden stellt. Kostet.

        Rar – ja, stimmt schon. Das ist eigentlich für alle Klassiker das Problem. Allerdings finde ich den Gegenwert sogar „ok“.
        Ein M5 oder sowas kostet auch einiges. Wäre ja in etwa ein Vergleichspartner in Möglichkeit und Funktion zur Main Unit.

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          AMAZONA Archiv

          Um es vielleicht deutlicher zu erklären: Cwejman VCO –> Corsynth Filter bzw. Cwejman VCO —> Resonator Modul (also evtl auch Cwejman) —> Corsynth Filter, da ja das Filter den Hauptbestandteil ausmacht. Also quasi eine Art 700er Annäherung, auf Modularbasis. LFO’s und ähnliches müsste man dann natürlich noch hinzufügen. Das war mein Gedanke. Allerdings hätte man dann auch nur das Tiefpass-Filter. VCO’s könnte man natürlich auch von anderen Herstellern nehmen.

          Den Synthex habe ich nur erwähnt, weil es ähnlich rar ist, nicht etwa als klanglichen Vergleich, denn das wäre ja auch absurd.

          Nun, dann hänge ich direkt noch eine Frage hinten dran: Gibt es denn irgendwo Schaltpläne und ähnliches, mit denen sich ein System 700 klonen liesse? Ich denke mal eher nicht, oder?

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            moogulator  RED

            ich befürchte, dass es auch wirklich nicht mehr als eine Annäherung wäre. Wie gesagt, Cwejman ist einfach anders und Resonator ist nicht DER wichtige Teil dieses Systems sondern das Zusammenwirken. Ein Synthesizer ist nicht nur das Filter. Ich habe im SynMag mal eine umfangreiche Testreihe gemacht mit 3 sehr unterschiedlichen Synthesizern (EMS, MS20, Moog) und es spielt eine sehr große Rolle was wo wie wirkt. Der Artikel heißt Modulwechselwahn, ist aber eine ältere Ausgabe..
            Mir ist klar, dass du dir dessen bewusst bist aber sollte man anfügen.

            System700: http://fa......roland700/ von Florian Anwander.

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              AMAZONA Archiv

              Ui, danke für den Link und die vielen Antworten!

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    t.bechholds  AHU

    Was für ein fantastisches System, dass Du hier sehr schön und ausführlich würdigst.
    Bist Du Dir sicher, dass man ein 700er für „nur“ 10.000,- € bekommen kann ? :)

  4. Profilbild
    moogulator  RED

    Wie für die meisten alten Synthesizer gilt hier ein buntes Gemisch aus Glück, Angebot und Freundeskreis und ein damit verbundener Drift – Bei sowas kann man alles und nichts fordern. Bei Auktionen wird man sicher das 50fache verlangen und kein Moog, Korg, … dran schreiben. Das verläuft sich über Zeit/Ort/etc. sicher allgemein immer mehr, aber Marktmechanismen zu erklären überlasse ich BWL Spezialisten. Der SynthDAX ist seit gestern dem FrechDAX angeglichen worden. Die Analysten sind fassungslos und rudern entzückend mit ihren Ärmchen.

    Leistung aus Leiden.schaft.

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