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Rory Gallagher: Seine Gitarren, seine Musik

3. Januar 2019

Rory Gallagher

Rory Gallagher 56

Rory Gallagher

Rory Gallagher. Die irische Seele des Blues ist eine der Legenden der E-Gitarre und einer der einflussreichsten Musiker seiner Generation. Bis heute ist sein Gitarrenspiel unverkennbar und seine energetische Melancholie lässt jeden den Blues fühlen, der sich seiner Musik öffnet. Sein virtuoses Gitarrenspiel machte ihn zum Vorbild Tausender Musiker weltweit und bis heute ist er einer der wichtigsten Söhne Irlands und ein anerkannter Vorreiter des Bluesrock. Hier also das Wichtigste und Wissenswerteste über Rory Gallagher.

Rory Gallagher – Kindheit, Jugend und Musik

William Rory Gallagher kam im März 1948 in dem kleinen irischen Städtchen Ballyshannon am nördlichsten Zipfel des Landes als Sohn einer Sängerin und Schauspielerin und eines Elektrikers zur Welt. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder und seiner Mutter, verbrachte er seine Kindheit in Cork im Südwesten des Landes.

Als Kind einer musikalischen Familie kam er schon früh mit verschiedensten Instrumenten und der auf ihnen gespielten irischen Volksmusik in Berührung. Neben der Mutter, die in verschiedenen Gruppen sang, war auch sein Vater am Akkordeon versiert und spielte in einer lokalen Band. Rory versuchte sich an verschiedenen Gerätschaften, fand den größten Gefallen jedoch an der Gitarre, die er mit etwa acht Jahren für sich entdeckte. Mit neun Jahren bekam er dann seine erste eigene Gitarre. Schnell zeigte er Talent für die sechs Saiten und engagierte sich schon wenige Jahre später in verschiedenen Bands und gewann sogar einen Talentwettbewerb, von dessen Preisgeld er sich seine erste Gitarre selbst kaufte.

In dieser Zeit muss Rory auch den Blues für sich entdeckt haben, der in Form von seltenen Platten und noch viel selteneren Konzerten, vor allem aber über das Radio aus dem fernen Amerika an die Küsten Irlands und Großbritanniens schwappte und die dortige Musikszene revolutionieren sollte.

Heimische Künstler wie Lonnie Donegan, der vor allem durch Blues-Cover berühmt wurde, machten junge Musiker und Fans auf den Stil aufmerksam und mit der Zeit gewann er immer mehr an Popularität. Künstler wie Buddy Holly und Eddie Cochran machten ihren Einfluss geltend und mit Muddy Waters fand Rory seine absolute Muse, dessen Stil ihn lange beeinflussen sollte. Auch andere Musiker galten ihm als Vorbild und er fing an, zwischen dem heimischen Folk und dem Blues zu experimentieren und eigene Stücke zu schreiben.

Rory Gallagher – seine große Liebe

Im Alter von 15 Jahren sah Rory Gallagher im Schaufenster eines Musikgeschäfts eine gebrauchte Fender Stratocaster, Baujahr 61 mit Sunburst-Lackierung. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Der Preis von 100 Pfund war aber so hoch, dass sie unerreichbar erschien. Rory, ebenso Geschäftsmann wie Musiker, wusste zwar, dass er sich für sein Trauminstrument ein Leben lang verschulden müsste, entwickelte aber einen wasserdichten Finanzierungsplan: Auf einer Stratocaster könne er locker die Parts der Rhythmusgitarre und der Lead-Gitarre übernehmen (klar ginge das auf einem anderen Instrument nicht)  und würde sich so in späteren Bands das Gehalt eines zusätzlichen Rhythmusgitarristen sparen können. Ergo könne das zusätzlich gewonnene Geld in die Tilgung der Anschaffungskosten fließen. Irgendwie kam besagte Stratocaster dann in seinen Besitz und begleitete ihn über seine gesamte Karriere hinweg.

Rory Gallagher

Gallaghers Stratocaster wurde mit den Jahren ebenso berühmt wie Rory selbst

Mit der Coverband Fontana tourte er schon als Teenager in Irland und entwickelte aus dem Potpourri an verschiedenen Stücken der Top Ten seinen eigenen Stil und sein Gitarrenspiel. Aus dem ursprünglichen Sextett entstand das Trio The Impact, mit dem er als Jungstar schon bald auch in Spanien und Hamburg auftrat. Da war Rory Gallagher gerade einmal siebzehn Jahre alt.

1966 gründete er zusammen mit zwei Freunden die Rock- und Bluesband The Taste, später einfach Taste, die versuchten, auf der Britpop- und Rockwelle der Sechzigerjahre mitzuschwimmen. Nach personeller Umbesetzung mit neuem Bassisten und Schlagzeuger war Taste zunächst auch insbesondere in England sehr erfolgreich. So spielten sie mit Bands wie Cream und Blind Faith als Support. Zudem nahmen sie ein Studio- und zwei Live-Alben auf und traten auf Festivals und in großen Venues auf, bevor sie sich 1970 überraschend auflösten. Ihre Musik, die sich irgendwo zwischen Britpop, Rock, Blues und Psychedelic ansiedelte, wurde schon damals vor allem durch Gallaghers energetischem Gesang und seinem feurig scharfen Gitarrenspiel getragen, das schnell Bewunderer und Fans in ganz Europa fand.

Rory Gallagher

Mit Taste kam der erste internationale Durchbruch für Gallagher

Rory Gallagher – seine Solokarriere

Nachdem die Band aufgelöst wurde, konzentrierte sich Gallagher noch stärker auf seinen eigenen Stil und schrieb Lieder, die noch rockiger und bluesiger waren. In dem Bassisten Gerry McAvoy fand er einen Mitmusiker, der ihn über seine gesamte Solokarriere hinweg begleiten sollte und die Beiden nahmen zusammen mit dem Schlagzeuger Wilgar Campbell das erste Album mit dem einfachen Namen „Rory Gallagher“ auf.

Rory Gallagher

Schon bald spielte Gallagher mit seiner Band in ganz Europa

Das zweite Album „Deuce“, das 1971 erschien, festigte seinen Ruf als virtuosen Bluesgitarristen weiter und schon bald wurde er von Magazinen und deren Lesern als einer der besten Gitarristen ausgezeichnet und unter Kritikern wie Fans gefeiert. Obwohl schon kurz nach den ersten Alben eine groß angelegte Europatour anlief und sich diese recht gut verkaufte, blieb der ganz große Erfolg irgendwie aus und Rory Gallagher spielte immer ein wenig im Schatten anderer Gitarristen wie Clapton und Morrison. Zudem war Gallagher seiner irischen Heimat sehr verbunden und spielte bevorzugt für den heimischen Markt, auf dem er viele Konzerte gab und trotz der zunehmenden Popularität hier auch noch in kleinen Venues und Pubs spielte.

Es folgten mit „Blueprint“ und „Tattoo“ zwei weitere Studioalben, auf denen sich viele seiner beliebtesten Hits wie „Walk On Hot Coals“ und „A Million Miles Away“ zu finden sind. Das zweite Live-Album „Irish tour 74“ zeigte Rory Gallagher und seine Band, mittlerweile um den Keyboarder Lou Martin und den neuen Schlagzeuger Rod de’Ath erweitert, in Bestform und auf dem Höhepunkt der unzähligen Touren, die die Band in den Siebzigerjahren unternahm. Bis 1980 nahm Rory Gallagher weitere sechs Studioalben auf und verkaufte insgesamt rund 30 Millionen Platten.

Sein Ruf als genialer Gitarrist wuchs in dieser Zeit beständig und zahlreiche Musiker wollten gerne mit ihm spielen. So bekam er Angebote, Eric Clapton bei Cream zu ersetzten oder sollte sogar für Richie Blackmore bei Deep Purple einspringen, entschied sich aber für seine Solokarriere.

Rory Gallagher – späte Jahre und Comeback

Auch in den Achtzigerjahren behielt er einen beachtlichen Output aufrecht, allerdings schlichen sich mit der Zeit einige Probleme in die Zusammenarbeit mit seinen Musikern ein und seine zunehmende Neigung zum Alkohol machte sich des Öfteren bemerkbar. So berichtete sein langjähriger Bassist Gerry McAvoy von divahaftem Verhalten vor Auftritten, Wutausbrüchen im Studio bis hin zur aktiven Sabotage der Band während Konzerten, bei denen er sich nicht an Absprachen hielt oder die Setlist „on the fly“ veränderte. Zudem plagten ihn immer größere Selbstzweifel und ein nicht zu befriedigender Perfektionismus, den er auch seinen Mitmusikern beichtete.

Rory Gallagher

Beatclub Sessions – eines seiner letzten Alben

In dieser Zeit konnte man Rory Gallagher auch seine beginnenden gesundheitlichen Probleme ansehen, die ihn zunehmend plagten und wohl von einer langen Karriere als trinkender und feiernder Rockstar herrührten und durch eine wachsende Tablettensucht noch verschlimmert wurden. Ab Mitte der Achtzigerjahre zog er sich zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurück und gab nur sporadisch Konzerte und Interviews. Nach einem Comeback anfang der Neunzigerjahre und weiteren Studioaufnahmen mit einer neuen Band verschlechterte sich sein Gesundheitszustand weiter und es war ihm immer seltener möglich, vor Publikum zu spielen.

Im Juni 1995 starb Rory Gallagher bei dem Versuch einer Lebertransplantation in einem Londoner Krankenhaus.

Rory Gallagher wurden als einem der erfolgreichsten und beliebtesten irischen Musiker zahlreiche Ehren zuteil. So wurde in seiner Geburtsstadt eine Bronzestatue von ihm errichtet und ihm wurden mehrere Briefmarkenmotive gewidmet.

Rory Gallagher – sein Stil

Rory Gallagher konnte schon immer besonders mit einer Qualität überzeugen: seiner schier unbändigen Energie. Diese kam nicht nur bei seinem lauten und oft überschwänglichen Gesang zum Vorschein, sondern insbesondere auch durch sein Gitarrenspiel.

Dieses war von einer sehr ausdrucksstarken Spieltechnik bestimmt, bei der er das Plektrum relativ weit in der der Schlaghand verborgen hielt und gleichzeitig der Daumen etwas weiter hervorstand. Durch diese Haltung schlug Gallagher oft gleichzeitig mit seinem Daumen und dem Plektrum an, dämpfte die Töne mit dem Daumen oder dem Handballen zusätzlich ab und schlug insgesamt sehr kräftig und akzentuiert an. Dies resultierte in meist in einem klaren und kräftigen Sound, der dank des voll aufgedrehten Amps, einem zusätzlichen Treble-Booster und der bevorzugten Verwendung des Bridge-Pickups obertonreich und durchsetzungsstark war.

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Ja, schade… sein Tod ist ein trauriges Beispiel für die Iren und ihrer in aller Regel stark ausgeprägten und nicht selten verhängnisvollen Zuneigung für Bier und Hochprozentiges.
    Neu für mich die Danelectrogeschichte. M.E. die meist unterschätzte Gitarre der Geschichte, obwohl sie alle mal draufrumklampften, Hendrix (fing mit ’ner Danelectro an, glaub‘ ich), Clapton, Jimmy Page….

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      tilmann.seifert  RED

      Hey Wellenstrom,
      Ja das ist schon auffällig wie oft einem ne Danaelectro begegnet, wenn man sich mit der Gitarrengeschichte befasst. Aber man sieht sie nie auf irgendwelchen Liveaufnahmen oder Fotos. War wohl nicht hübsch genug oder das letzte bisschen Zang und Durchsetzungskraft hat ihr für die Bühne einfach gefehlt. Wer weiß?
      Aber gerade für das Lied A million miles away gefällt mir der Stratocaster Sound irgendwie besser.

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        Jo, keine Ahnung. Liegt vielleicht auch am Image… billige Ramschgitarre aus dem Kaufhaus eben. War vielleicht dem Image früherer Gitarrenheroes nicht so wirklich zuträglich, je ne sais pas.
        …und während ich das hier tippte, explodierte quasi das Frühstücksspiegelei in der Pfanne

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        AMAZONA Archiv

        … und da fällt mir noch was ein, was da mit reinspielen könnte…. von Jimmy Page weiß ich aus einem Interview, dass er keinerlei Support oder „Sponsoring“ durch Danelectro erfuhr, was ja bei anderen Marken anders aussieht. Kann durchaus auch sein, dass das mit reinspielte.

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      tilmann.seifert  RED

      Wahrscheinlich ist es auch das – obwohl man von Danelectro aus ja schon klug gewesen wäre, das auch ein wenig zu vermarkten und den ein oder anderen Künstler mit dem eigenen Produkt in Szene zu setzten..
      Schlecht sind die Gitarren im Grunde ja nicht.

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