Schallplatten Pressung: Vinyl-Digitalisierung Software

22. Oktober 2010

Die richtige Software zur Herstellung von Vinyl

Technics SL-1210MK7

Schlicht schon immer eine Schönheit – ob MK2 oder MK7.

Teil 2: Die Softwareseite

Die Aufnahmevorbereitungen

Nun haben wir bei der Qualität aller physischen Komponenten ein gutes Level erreicht, jetzt muss das Signal nur noch fließen und digitalisiert werden. Als Aufnahmeprogramm taugt zunächst so ziemlich alles, was unkomprimiert in WAV bzw. AIFF aufzeichnen kann und eine Aussteuerungsanzeige mitbringt. Das kann also jeder Sequencer und Waveeditor sein, sowie Standalone-Recorder oder in Player- oder DJ-Software eingebaute Aufnahmefunktionen. Ein Waveeditor sollte bei Verfügbarkeit hier wegen der Übersichtsmöglichkeit über den Lautstärkeverlauf das Tool der Wahl sein. Es gibt auch einige Freewareprodukte, das bekannteste dürfte Audacity sein.

Wählen Sie den entsprechenden Eingang in der Software aus und prüfen zunächst das Leerlaufsignal darauf hin, ob es ein Massebrummen gibt. Dies tritt auf, wenn die Anlage an mehreren Stellen geerdet ist, was bei Verbindungen von Computern und Stereoanlagen nicht unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grunde wurde auch eingangs auf die möglichst kurz zu haltende Kette hingewiesen. Ein Patentrezept zum Auflösen von Brummschleifen gibt es nicht, dafür sind die möglichen Quellen zu vielzählig. Und auch ohne Computer können sie auftreten, zum Beispiel, wenn an einer Steckdose Geräte mit Schutzkontaktstecker hängen, die über mehrere Verbindungen und Geräte anderswo erneut über Antennenkabel geerdet werden.
Trennen Sie jene Geräte von der Kette, die Sie nicht unmittelbar für die Aufnahme brauchen, prüfen Sie Schritt für Schritt, wann die Störung wegfällt und merken sich den Störenfried für spätere Aufnahmesessions.

Nun da das Brummen entfernt ist, geht es um die direkte Durchleitung des Signals und die Aussteuerung. Der Pitch am Plattenspieler, falls vorhanden, gehört auf 0%. Auf Mixer und Effekte im Signalweg sollte möglichst verzichtet werden, all dies sind potenzielle Stör- und Verfälschungsquellen. Einfach direkt vom Vorverstärker in die Soundkarte, auch dort am Eingang keine Software-Effekte vorab anwenden.
Unsere Aufnahmegeräte haben ein Eigenrauschen, welches so weit wie möglich unterhalb des Maximalpegels der Musik liegen soll, sodass wir es durch Überdeckung nicht wahrnehmen. Zu diesem Zweck muss die Platte kurz vorher zu ihren wahrscheinlich lautesten Stellen durchgeskippt werden. Das sind in aller Regel die Refrains. Diese Sequenzen sind am hellen Rillenkontrast zu erkennen. Dafür muss der Eingang der Soundkarte so weit aufgedreht werden, dass die höchten Pegelspitzen in der Aufnahme gerade noch unter 0 dB liegen. Je nach Betriebssystem und Soundkarte sowie Software gibt es mehr oder weniger Pegelsteller innerhalb des Rechners. Meist ist es aber nur der Mixer des Betriebssystems. Da wir die Integrationszeit der Pegelanzeige (jene Zeit, in der die Anzeige Werte mittelt) selten kennen, kann es sein, dass einige tatsächliche Spitzen im Audiomaterial nicht von dieser erfasst werden. Da digitale Aufnahmen gegenüber Übersteuerung (hier Clipping genannt) höchst empfindlich sind (denn bei 0dB Full Scale ist definitiv Schluss, alles darüber äußert sich in sehr unschönen Verzerrungen), sei dringend empfohlen, noch mindestens 1dB über der beim groben Durchskippen höchsten gefundenen Spitze Luft zu lassen. Dann sorgen unvorhergesehene Spitzen nicht für Clipping. Sollte man später feststellen, dass deutlich untersteuert wurde, kann man immer noch in einem neuen Take die Empfindlichkeit erhöhen. Falls Spitzen optisch schwer zu finden sind, bieten die besseren Waveeditoren eine Analysefunktion, die die lautesten Samples finden kann, und man weiß sicher, ob Clipping aufgetreten ist.

Will man die relative Lautstärke der Tracks auf einer Platte beibehalten (bei Alben, welche am Stück gehört werden, meist der Fall), so muss die gesamte Platte auf ihre höchste Spitze durchsucht werden. Einmal eingestellt, wird sie dann durchlaufen gelassen.
Für titelbasierte Normalisierung muss jeder Track einzeln kalibriert werden. Wer in diesem Fall nach einem Track vergisst, neu zu kalibrieren, handelt sich unter Umständen entweder Clipping oder Untersteuerung beim folgenden Titel ein.

Technics SL-1210MK7

…blau? Es darf frei gewählt werden.

Bits hin, Kilohertz her

Es ist allgemein bekannt, dass Audio-CDs und die allermeisten Audiodateien nach dem sogenannten Red-Book-Standard codiert sind. Dieser sieht eine Samplingtiefe von 16 Bit bei 44100 Hz Samplingfrequenz vor. Doch was heißt das?
Ein analoges Audiosignal, wie wir es auf einer Schallplatte festgehalten haben oder in unserer ganz natürlichen Umwelt ständig hören können, ist eine unendlich dichte Folge unendlich feiner Pegelschwankungen. Dieses Signal kann aus systemischen Gründen nie exakt digital aufgezeichnet werden, da eine solche Speicherung immer eine Quantisierung, also eine Festlegung auf abgestufte Zahlenwerte ist.

Analoges Signal: völlige Stufenlosigkeit

Analoges Signal: völlige Stufenlosigkeit

Digitales Signal: Gespeichert sind nur die sichtbaren Punkte (die Samples), die Zwischenwerte werden am DA-Wandler rekonstruiert

Digitales Signal: Gespeichert sind nur die sichtbaren Punkte (die Samples), die Zwischenwerte werden am DA-Wandler rekonstruiert

Die Samplingfrequenz beschreibt, wie oft pro Sekunde das Audiosignal abgetastet wird und die Tiefe wiederum besagt, wie fein abgestuft die Lautstärkestufen gespeichert werden können. Bei 16 Bit sind das beispielsweise 2^16 = 65536 Abstufungen, wobei je die Hälfte in den positiven und negativen (abzüglich eines für Null) Bereich fallen. Selten liegen in natura genau jene Werte vor, die in das 16-Bit-Raster passen. Stattdessen wird auf den nächstgelegenen endlichen Wert, der mit den 16 Bits darstellbar ist, gerundet. Die Differenz zwischen dem analogen Original und der digitalen Kopie wird als Quantisierungsrauschen bezeichnet. Je niedriger die Bittiefe, um so höher also zwangsläufig das Quantisierungsrauschen. Pro Bit erreicht man einen Signal-Rauschabstand-Zugewinn von 6 dB, also 96 dB bei der Audio-CD. Bei 24 Bit sind es schon 144 dB, was das menschliche Gehör in seinem Dynamikumfang bereits übersteigt.
Nun mag man einwenden, dass CDs doch formidabel klingen können mit diesen 16 Bits. Völlig richtig, nur in aller Regel sind sie erst kurz vor Beendigung der Bearbeitung darauf runtergerechnet worden. Aber warum?

Wenn ein digitales Signal übersteuert wird, dann gibt es im Gegensatz zum analogen Terrain keinen abfangenden Headroom, der kurzzeitig übersteuerte Signale verkraftet. Was hier vergeigt wurde, macht sich durch unschöne Artefakte im Klangbild bemerkbar. Deshalb müssen digitale Aufnahmen (insbesondere bei unwiederbringlichen Liveaufnahmen) immer mit ausreichend Sicherheitsabstand eingepegelt werden, und die real nutzbare Dynamik sinkt um etwa 1-3 Bit. Wer mit 24 Bit aufnimmt, hat auch mit dem gebotenen Sicherheitsabstand noch mehr theoretische digitale Dynamik, als die analogen Komponenten der meisten Wandler überhaupt hergeben. Also Punkt 1: bessere Dynamik durch höheren Rauschabstand. Falls es sich um Fließkommabearbeitung handelt, sind auch leise Passagen mit ihren kleineren ganzzahligen Werten kaum durch schlechter werdenden Rauschabstand gefährdet, da sie durch wegfallende Vorkommastellen mehr Platz für Nachkommastellen und somit genauere Quantisierung bieten.

Wenn ein digitales Signal nachbearbeitet wird, kommt es in jedem Schritt ebenso zu Verfälschungen, da die Zielwerte des Effekts auch nur gerundet werden können. Von Schritt zu Schritt erhöht sich, falls man speichert (intern lösen viele Programme ohnehin höher auf), also der Fehler. Je größer die Bittiefe, um so verzeihlicher ist dieser. Oder nachträgliches Komprimieren: Bei 16 Bit würden die angehobenen leisen Passagen mit dem Quantisierungsrauschen viel schneller in den hörbaren Bereich gelangen als es bei 24 Bit der Fall sind. Aufgrund dieser Unzulänglichkeiten von 16 Bit Signaltiefe ist es anzuraten, in 24 Bit aufzunehmen und alle Zwischenspeicherungen damit durchzuführen und erst ganz zum Schluss auf 16 Bit zu reduzieren. Dann bleibt auch das zumeist ausreichend hohe Dynamikpotenzial der CD voll erhalten.

Beim Reduzieren der Bittiefe treten Rundungsfehler auf, die in leisen Passagen zu immer rechteckartigeren Signalen führen und den Klang unnatürlich werden lassen. Sogenannte Ditheringalgorithmen arbeiten dem entgegen, indem sie einen niedrigen Rauschteppich zufügen, der das Ganze viel natürlicher klingen lässt. Zwar steigt auch dadurch das Grundrauschen an, aber durch die Noiseshaping genannte Umverteilung der gesamten Rauschenergie in die höheren, unhörbaren Spektren kann dies auf ein für uns wahrnehmbares Minimum reduziert werden. Eine weitere nachträgliche Bearbeitung kann die dort gelegene Rauschenergie unschön aufdecken, was ein weiteres Argument dafür ist, das Reduzieren der Bittiefe als wirklich letzten Schritt durchzuführen.

Jetzt zur Abtastfrequenz: Sie bestimmt maßgeblich, wie hohe Frequenzen noch auf dem Datenträger gespeichert werden können. Dem Shannon-Nyquist-Theorem zufolge beträgt die höchte Audiofrequenz der halben Abtastrate, bei einer CD sind das also 22,05 kHz. Ab der Geburt hört man ungefähr bis 20 kHz und verschlechtert sich alle 10 Jahre um ungefähr 1 kHz, von daher scheint es zunächst weit ausreichend zu sein. Eine Erhöhung der wiederzugebenden Audiofrequenzen ist also kaum der Grund, weshalb Toningenieure zu höheren Abtastraten tendieren.
Vielmehr liegt die Begründung wieder in der Nachbearbeitung, wenn beispielsweise Equalizerfunktionen bei der Berechnung auch benachbarte Samples miteinbeziehen, wird ihre Präzision durch mehr Samples erhöht.
In Zusammenhang mit dem oben erwähnten Dithering-Rauschen ist bei verdoppelter Samplingfrequenz festzustellen, dass die gesamte Rauschenergie auf doppelt soviel Platz verteilt, es ergeben sich im Mittel an jeder Stelle um 3dB weniger Rauschen. Bei 96 kHz ergeben sich 48 kHz Audiobandbreite, das allermeiste Rauschen kann dann mit Noiseshaping bequem über unsere Hörschwelle verschoben werden, ohne eine zu hohe punktuelle Rauschdichte zu erzeugen.

Es bieten sich also einige Vorteile und Argumente für den Einsatz hoher Samplingraten, die nur nicht sofort augenscheinlich sind. Bei der Vinyldigitalisierung kann eine Nachbearbeitung nie per se ausgeschlossen werden, mit Sicherheit wird irgendwo normalisiert und stellenweise geblendet werden. Wer auch noch Knackser entfernen möchte (siehe weiter unten im Text), befindet sich mitten drin in der angesprochen Bearbeitung, deren Präzision davon profitiert. Einziger Nachteil ist entsprechend proportional mehr Speicherverbrauch, was im Zeitalter von Terabyte-Festplatten kaum ein Gegenargument sein kann. Das anschließende Runterrechnen auf CD-Standard, um die Kompatibilität mit allen Geräten zu wahren, lässt den Platzverbrauch obendrein nur zu einer zeitweiligen Angelegenheit verkommen. Wer sich zwischen hoher Bittiefe und Samplingfrequenz entscheiden muss, fährt mit mehr Bittiefe den etwas besseren Profit ein.

Nur eins noch: Wenn ihre Soundkarte oder ein Mischpult im Signalweg ohnehin wie verrückt rauscht, wird schon CD-Audio nicht realisiert werden können. Hier sind wir wieder bei dem viel strapazierten schwächsten Kettenglied – Sie verstehen, was ich sagen möchte.

Denon DJ SC5000M Prime

Platte und Plattenteller

Klappe, die erste!

Es ist also alles vorbereitet. Aufnahme aktivieren und Nadel außen aufs Vinyl. Wer eine Haube auf dem Plattenspieler benutzt, um auch während der Wiedergabe keinen neuen Staub zu sammeln, muss diese zügig schließen, denn das Schließen ist hörbar und muss rechtzeitig aus der Aufnahme weggeschnitten werden können. Ein weiterer Aspekt ist die Körperschallempfindlichkeit. Durch die im ersten Teil geschilderte korrekte Gerätewahl und Aufstellung haben wir einiges dagegen getan, allerdings kann sich das Rempeln an den Aufstellungsgegenstand, Herumlaufen oder lautes Abhören beeinflussend auswirken. Das reinste Resultat erhält, wer das Gerät für die Spieldauer in Ruhe lässt und höchstens leise mithört. Überprüfen Sie in Ihrem Waveeditor, dass es zu keinem Clipping oder übermäßiger Untersteuerung gekommen ist. Regeln sie gegebenenfalls nach und wiederholen die Aufnahme.
Dieser eigentliche Überspielvorgang ist der kürzeste Part der ganzen Angelegenheit, weshalb dieses Kapitel hier schon geschlossen ist.

Nachbearbeitung

Der Aufwand an dieser letzten Stelle hängt maßgeblich vom Zustand des Vinyls und Ihrem weiteren Anspruch ab. Wer Glück hat, hat eine nahezu astreine Aufnahme: Klar, dynamisch, niedriges Rauschen, kaum Knackser.

In jedem Fall werden Sie die Titel aber schneiden müssen, sei es die Trennung mehrerer Stücke oder das Entfernen der Leerlaufrillen oder übermäßig langer Startphasen. Ebenso wird als letzter Schritt vor der Datenreduktion (falls sie mit hochauflösender Qualität aufgenommen haben) die Normalisierung (also das Anheben des Gesamtpegels, sodass die höchsten Spitzen bei knapp 0 dB liegen) und ein kurzer Fade-In und Out (gegen unangenehme Knackser durch abrupte Pegelsprünge an Schnittstellen) obligatorisch sein.

Once it pops – it never stops

Der wirklich große Zeitdieb steht noch jenen gegenüber, die sich mit den Knacksern, die jede Schallplatte unweigerlich hat, nicht anfreunden wollen. Viele Programme werben mit effektiver Rausch- und Knackserbearbeitung. Doch ein allzu unkritischer Umgang damit kann leicht mehr zerstören als durch sie gewonnen wird.

Falls die Platten nicht uralt sind, werden Knackser gegenüber großem Rauschen das häufigere Problem sein. Warum sollte man hier keine automatische Korrektur laufen lassen? Dafür muss man sich einmal einen typischen Knackser unter dem Wellenformmikroskop (nein, das gibt’s nicht beim Laborbedarf zu kaufen, sondern meint nur einen großen Zoom im Waveeditor) anschauen. Winzig kleine Staubpartikel in der Rille zwingen die Nadelspitze zu abrupten, kurzen und starken Sprüngen. Durch diese Eigenschaft sind sie so hervorstechend für unser Gehör. Eine automatische Knacksererkennung durchsucht den markierten Abschnitt nach genau solchen Sequenzen mit passenden Eigenschaften. Viele Detektoren bieten Parameter, um die Toleranz dabei zu beeinflussen. Das tückische daran ist nun, dass sich der gemeine Knacksus Vinylus gern parasitär unter den Populationen der Tonus Musicus versteckt. Wer ihn ausrotten will, tötet den Wirt meist mit. Denn nicht nur Knackser weisen diese speziellen dynamischen Charakteristika auf, sondern auch viele musikalische Inhalte. Insbesondere Bläser, Percussion und verschiedene elektronische Klänge kommen mit scharfen Wellen daher. Diese würden dann all zu leicht als Knackser fehlinterpretiert und ihre Transienten flachgebügelt. All der zuvor getriebene Aufwand wäre umsonst gewesen, was nicht im Sinne des Erfinders sein kann.
Sollten ihre Platten sehr unter markanten Knacksern leiden und die Wellenform ungeeignet für eine automatische Bearbeitung sein, sind wir an der Stelle angelangt, die wirklich in eine Sisyphosaufgabe ausarten kann. Nehmen Sie sich einen Kopfhörer (dieser muss nicht enorm hochwertig sein, Hauptsache er ist einigermaßen transparent im Klang, und Sie haben Ruhe unter seinen Muscheln). Hören Sie nun die Aufnahme an und stoppen an jenen Stellen, wo Sie Knackser hören. Halten Sie Ausschau nach markanten Ausschlägen in der Wellenform, die nicht der Umgebung ähneln (also verwechseln Sie diese nicht mit der eigentlichen Musik).

So sieht die Wellenform eines recht lauten Knacksers aus

So sieht die Wellenform eines recht lauten Knacksers aus

Oft ist die Anzeige schon weitergescrollt und man muss sich erst auf der Welle hin- und herbewegen. Dies kann manchmal eine Weile dauern, besonders wenn die Knackser recht leise, also nur kleine Ausschläge sind. Haben sie ihn dann gefunden, markieren sie den eigentlichen Knackser und ein paar Samples davor und danach. Die Fähigkeiten ihres Waveeditors sind jetzt entscheidend. Wer hier stupide wegschneidet, verfälscht das gesamte Timing des Tracks (mit jedem Knackser stärker), was insbesondere bei späterer DJ-Anwendung nervig werden kann. Stattdessen muss die Funktion ausfindig gemacht werden, mit der einzelne Ereignisse glattgebügelt und an ihre Umgebung angepasst werden. Spulen Sie sich nach jeder Anwendung kurz zurück und hören, ob Sie überhaupt die richtige Stelle erwischt haben, denn auch der Mensch kann hier falsch interpretieren.

Der Click- und Pop-Eliminator von Cool Edit Pro mit automatischen und manuellen Funktionen (rot)

Der Click- und Pop-Eliminator von Cool Edit Pro mit automatischen und manuellen Funktionen (rot)

Bei stark knacksenden Platten wird mit der Zeit ihre persönliche Toleranz steigen und man wird nur die lautesten Störgeräusche entfernen wollen. Manchmal verfällt man auch in eine zu analytische Hörweise und will selbst solch feine Störungen entfernen, die beim normalen Hören (denken Sie daran, dass sie unter einem Kopfhörer arbeiten, der keinen Raumeinflüssen wie ihre Lautsprecher unterliegt) gar nicht auffallen würden.
Bei einer solch komplizierten Platte werden Sie zudem froh sein, wenn der Titel eine Stelle erreicht, die flächige Klänge (Pads, sanfte Chöre etc.) beinhaltet. Denn diese können meist erfolgreich mit dem automatischen Algorithmus bearbeitet werden.
Das geübte Ohr weiß, an welcher Stelle die automatische Bearbeitung und an welche die manuelle die beste Methode ist. Als Leitsatz gilt: Weniger ist mehr (wieder einen Euro ins Phrasenschwein). Lieber zunächst mit hoher Toleranz testen und hören, ob alles störende weggefiltert wurde. Gegebenenfalls rückgängig machen, Schwelle reduzieren und wieder probehören. Oft ist auch die Kombination automatischer und manueller Korrektur die effektivste.
Da man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, lassen Sie den entknacksten Titel einen Tag lang liegen und hören Sie ihn erneut durch. Nehmen Sie, wenn nötig, erneute Bearbeitungen vor.

Ein Entrauschen der Aufnahme kann ebenso kritisch sein wie automatisches Entknacksen. Hier kommt verschärfend hinzu, dass Rauschen nicht manuell entfernt werden kann, da es ständig statt punktuell vorliegt und durch seine breitbandige Verteilung auch mit keinem EQ bekämpft werden kann.
Vinyl hat technisch bedingt einen recht hohes Grundrauschen von -55 bis -45 dB, die meisten Hörer können dies aber problemlos hinnehmen, da es nur selten zu Tage tritt.
In vielen Fällen führt ein Entrauschen zu einer Beeinträchtigung des Musikmaterials, vor allem die höheren Frequenzen klingen danach oft verwaschen, also unpräzise. Der besonnene Anwender reduziert den Einsatz auf das Geringste, also Breakdowns, in denen wenig musikalisch relevantes passiert und der Rauschabstand deshalb schlecht ist. Laute Passagen überdecken das Rauschen meist in ausreichendem Maße. Gute Tools bieten eine Analyse, welche die speziellen Eigenschaften des Rauschens im aktuellen Titel untersuchen (ein sogenannter Fingerabdruck des Rauschens wird genommen) und bei der Unterdrückung berücksichtigen. Somit kann der Fehlerquotient reduziert werden.
Wie beim Entknacksen gilt hier: Weniger ist mehr und unbedingt nach der Bearbeitung anhören und unter Umständen Parameter korrigieren.

Persönlich habe ich bei keiner meiner 200 Platten ein Entrauschen vorgenommen, Entknacksen hingegen bei ziemlich jeder und das allermeiste davon manuell. Den Zeitaufwand dafür kann man sich ausmalen, das Resultat macht mich umso zufriedener.

Bei lediglich zwei Exemplaren musste ich einen weiteren Schritt vornehmen, nämlich den Klang an sich mit einem EQ verbiegen. Bei einem Titel waren die Höhen zu scharf, beim anderen die Bässe zu schwach. Beides auf unzureichendes Mastering zurückzuführen. Auch alte Platten können in den Höhen verwaschen klingen, wenn sie oft gespielt wurden. Besonders geeignet war für mich der FFT-Filter, der vollparametrisch sehr feine bis grobe Manipulationen zulässt. Erwarten Sie hier aber keine Wunder, was in der Quelle unzureichend ist, wird sich auch mit guten Werkzeugen nicht vergolden lassen können.

Ein FFT-Filter

Ein FFT-Filter

Fertig? Fast!

Das Gefummle an der Musik selbst ist abgeschlossen. Nun müssen nur noch jene das Audio auf eine andere Samplingrate runterrechnen, die hochauflösend gearbeitet haben und mehr Kompatibilität und/oder Festplattenplatz wollen. 16 Bit und 44,1 kHz bleiben aber das Mindestmaß! Wir haben mit WAV bzw. AIFF aufgezeichnet und gearbeitet (beide Formate unterscheiden sich in Qualität, Platzverbrauch und Performance rein gar nicht).

Wer der Audiokompression aus klanglichen Gründen nicht traut, kann für ungefähr 40% Platzersparnis in FLAC oder Apple Lossless wandeln. Diese Formate komprimieren vollkommen verlustlos, das besagen auch ihre Namen. Zudem sind sie taggingfähig. Und ohne das kommt man bei der Organisation einer mehrere hundert oder gar Tausende Titel fassenden Mediathek nicht umhin, wenn man zügig darin navigieren will. Reine Ordner- und Dateilogiken sind dem hoffnungslos unterlegen. Die effiziente Organisation mit intelligenten Playlisten anhand verschiedenst kombinierter Kriterien in Programmen wie iTunes oder Mediamonkey sind eine wunderbare Erleichterung.

Taggingfähig sind auch die verlustbehafteten Kompressionsalgorithmen MP3 und AAC. Letztgenannter ist der Nachfolger des erstgenannten und etwas effizienter (braucht also bei gleichgut klingendem Resultat weniger Platz), insbesondere bei sehr niedrigen Bitraten (unter 128 kbit/s). Gegen ihn spricht durch seine zunehmende Verbreitung (insbesondere durch den iTunes Store vorangetrieben) und Unterstützung in so ziemlich allen neuen Playern eigentlich nichts mehr. Für beide Codecs ist man ab 256 kbit/s fast immer auf der sicheren Seite. Nur bei sehr kritischem Musikmaterial, einer kritischen Anlage und einem kritischen Hörer, der geübte Ohren hat, kann hier und da mehr vonnöten sein. Das muss jeder für sich selbst wissen. Blindtests mit hörerfahrenen HiFi-Redakteuren auf guten Anlagen haben ergeben, dass oft schon 192 kbit/s nicht vom Original zu unterscheiden sind, manchmal sogar bereits 128. Dennoch sollte diese Option niemanden zu dem Risiko verleiten, unsinnigerweise Platz sparen zu wollen (denn mehr spricht nicht für niedrige Datenraten).

Tun Sie sich einen Gefallen, falls ihre Wahl auf MP3-Dateien fällt, und nutzen Sie für die Erstellung ausschließlich den LAME Codec und zudem Joint Stereo und den Qualitätsparameter 3. Damit erhalten Sie die besten Ergebnisse. LAME an sich ist kommandozeilenbasiert, es gibt aber für alle gängigen Betriebssysteme Frontends, die die Einstellungen bequem über eine grafische Oberfläche zugänglich machen. Für Windows ist das zum Beispiel Razorlame und für Mac OS X XLD. Insbesondere vom in iTunes integrierten Encoder ist abzuraten, dieser ist deutlich ineffizienter. Für AAC hingegen können sie iTunes getrost zu Rate ziehen, es ist bei AAC sehr gut.

WMA als proprietäres und vergleichsweise schlechtes Format scheidet mangels Kompatiblität aus, ebenso scheint sich OGG Vorbis präsenztechnisch ins Abseits manövriert zu haben. Auch ist mir kaum ein Hardwareplayer bekannt, der dieses Format unterstützt.

Wer Platz sparen, aber auch auf Nummer sicher gehen will, wandelt fürs Archiv in ein Lossless-Format für alle Fälle und fürs Hören in hochwertig komprimierte Formate. Falls Sie ihre Aufnahmen für die Musikproduktion (nicht DJ-Sets) weiterverwenden möchten, ist aus den oben genannten Gründen die Aufbewahrung einer hochauflösenden Kopie angeraten.

Fazit

Wer den reichlichen Wortschwall beider Teile gelesen hat, ist auf jeden Fall inzwischen um einiges älter, hoffentlich aber auch um einiges schlauer darüber geworden, was in Sachen Vinyldigitaliserung alles möglich, nötig und sinnvoll ist.
Welchen Anspruch an die Klangqualität jeder selbst hegt, ist eine persönliche Angelegenheit. Dementsprechend kann können die obigen Tipps variierend befolgt werden. Die Auswirkungen jedes einzelnen habe ich so gut wie möglich zu beschreiben versucht. Wer weitere Hinweise und Ergänzungen hat, ist herzlich eingeladen, diese im Kommentarfeld mitzuteilen.
Ich betreibe dieses Verfahren in allen Konsequenzen und mit vollem Aufwand, bin auf der anderen Seite aber auch sehr zufrieden mit den Resultaten. Was jetzt noch an schlechtem Klang übrig bleibt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Musiker, Mastering oder Presswerk verhunzt worden. Einmal überstanden, kann nun jeder Titel beim digitalen Gig dabei sein und klingt mit Sicherheit um mindestens eine Stufe besser als an den Systemen des Clubs. Nie wieder müssen Sie sich Gedanken um den Verschleiß der Lieblingsplatte machen und können zugleich von den Vorteilen der Bandbreite digitaler Effekte profitieren.
Vergessen Sie, was Ihnen die Werbung allzu preisgünstiger Produkte zu versprechen vermag, das Ergebnis kommt mit dem prognostizierten Minimalaufwand nicht an ein so intensives Verfahren wie dieses hier heran.
Und: Alle Hinweise im Hardwareteil sind der Qualität beim reinen Hören von Platten natürlich ebenso zuträglich wie beim Überspielen.

Nochmal alle Arbeitsschritte im Schnelldurchlauf, optionale Schritte sind kursiv

 

  • Komponenten aufstellen und anschließen
  • Tonabnehmer anbringen, Übergang und Kröpfung sowie Gegengewicht und Tonarmhöhe einstellen
  • Platte reinigen, mit lautester Stelle einpegeln, Samplingrate wählen
  • Aufnehmen, Finger weg!
  • Grob die Maximalpegel prüfen, Schneiden, Entknacksen, Entrauschen, EQen, Normalisieren, Faden
  • Reduktion der Samplingrate, Wandlung in andere Formate, Tagging
Forum
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    SpotlightKid  

    Wie Teil 1 ein sehr schöner, informativer Artikel. Zu der den verlustbehafteten Audio-Codecs hätte ich mir noch den Hinweis auf Ogg Vorbis gewünscht, das nicht mit Patenten belastet ist. Gerade für Archivierung ist die Patentfrage IMHO eine sehr wichtige, weil was nützt mir das beste Kodierungsformat wenn ich meine Audiodateien eines Tages aus Rechtsgründen nicht mehr benutzen darf/kann.

    Abschließend noch die Frage: wo bleiben die Hörbeispiele?

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      Markus Schroeder  RED

      Hi,
      Für die Archivierung solltest du eh die digitale Originalaufnahme behalten. DVD+-Rs sind ja billig.
      Außerdem ist FLAC nicht patentiert und auch für AAC Benutzung ist keine Lizenz oder Abgabe erforderlich. Auerßdem wurden eventuelle Lizenzabgaben ja schon mit dem Kauf der Software / des Gerätes getätigt.

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        SpotlightKid  

        FLAC: ich sprach ja auch nur von verlustbehafteten Codes. Das wäre auch für mich momentan das Archivierungsformat der Wahl.

        AAC: (wikipedia) „However, a patent license is required for all manufacturers or developers of AAC codecs.“ Das heißt, für jedes Gerät, dass AAC benutzt, zahlt man (indirekt) eine Lizenz. Lizenzen kann man entziehen, verteuern usw. Da sind mir freie Alternativen lieber. Aber hier ist sicher nicht der richtige Platz um Fragen freier Software/Hardware zu diskutieren. Ich würde mir nur manchmal Hinweise auf freie Alternativen wünschen.

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          Markus Schroeder  RED

          Wenn ich ehrlich sein soll verstehe ich das Problem nicht.
          Mit dem Kauf der Hard/Software hast du deine Lizenzgebühren schon abgegolten und im selben Wikipedia Artikel seht auch das der Vertreib keinen Lizenzabgaben etc. unterliegt, du mit den AAC Dateien also machen kannst was du willst, auch verkaufen.
          (darauf habe ich mich eigentlich bezogen).
          Und was in 10 Jahren sein wird weiß eh keiner.

          Du wärst also nur als Hard-/Softwarehersteller davon betroffen, nicht aber als DJ oder sonstiger Musiker.

          M. :)

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            SpotlightKid  

            > Und was in 10 Jahren sein wird weiß eh keiner.

            Genau darum geht es mir aber. Bei der Archivierung von Medien (und darum geht es ja wohl in diesem Artikel) will ich mir möglichst sicher sein, dass ich auch in 20 Jahren noch Geräte habe oder besorgen kann, die diese Medien (in diesem Fall: kodierte Dateien) abspielen können. Bei patentierten Technologien besteht immer die Möglichkeit, dass der Hersteller irgendwann die Lizenzbestimmungen ändert oder die Lizenzen unerträglich verteuert (als Beispiel einfach mal den abschnitt „Licensing and patent issues“ im Wikipedia-Artikel zu MP3 durchlesen). Ein freies Format ist Allgemeingut und kann von jedem implementiert werden. D.h. notfalls kann ich mir meine Software selbst schreiben bzw. Hardware bauen, bzw. es gibt andere, die dies machen können ohne in einer rechtlichen Grauzone zu agieren.

            Ich gebe zu, die Situation bei AAC ist mir selbst auch nicht ganz klar. Einerseits müssen Hersteller, die AAC-Unterstützung in ihre Geräte einbauen, anscheinend Lizenzabgaben zahlen, andererseits gibt es Open Source Implementierungen, die frei vertrieben werden, wie z.B. FAAC. Im Zweifelsfall würde ich dann also lieber auf ein freies Format zurückgreifen, falls, wie in diesem Fall mit Ogg Vorbis, vorhanden und gleichwertig.

            Aber, wie gesagt, im vorliegenden Anwendungsfall wäre sowieso eine verlustfrei Komprimierung mit FLAC vorzuziehen.

            • Profilbild
              Markus Schroeder  RED

              Ah, Jetzt ist klar, :)

              ja, dann bleibt, wie du im letzten Abschnitt selbst sagt, nur die verlustfreie Archivierung und ich würde dann auch nur WAVE (BWF) oder AIFF oder FLAC in Betracht ziehen.
              Das sind die einzigen Formate die ich als einigermaßen „zukunfstsicher“ einstufen würde.

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                Markus Schroeder  RED

                PS: aber es wird auch weiterhin Migrationsmöglichkeiten zwischen den Formaten geben.
                So dass im Ernstfall nur „ein paar Tage“ Formatwandlung draufgehen würden.

                ;)

    • Profilbild
      Danny Who  AHU

      Hallo,

      die Bemerkung mit den Lizenzen ist richtig und sicher nicht von der Hand zu weisen. Ein lizenzfreies Format ist für alle, die damit professionell arbeiten, aus monetärer Sicht weniger hinderlich.
      Das Problem sehe ich allerdings, wie beschrieben, eher in der sehr geringen Unterstützung in Hardwareplayern.
      Mich würde interessieren, ob in der Praxis bereits Fälle des Lizenzentzugs aufgetreten sind.

      Mit Lizenzen lässt sich auch die Frage nach Audiobeispielen beantworten: diese müssen GEMA-frei sein, was meine Platten aber leider nicht wären. Sonst hätte ich natürlich einen wunderbaren Vorher-Nachher-Vergleich oder Systeme, Preamps und Interfaces für den Hörer vergleichen können.

  2. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Die hier folgenden Ausführung sind als Anmerkungen bzw. Denkfutter zu verstehen, die dem Roten Faden von Dannys ausführlichem Artikel folgen. :)

    S.1
    „Da digitale Aufnahmen gegenüber Übersteuerung (hier Clipping genannt) höchst empfindlich sind (denn bei 0dB Full Scale ist definitiv Schluss, alles darüber äußert sich in sehr unschönen Verzerrungen), sei dringend empfohlen, noch mindestens 1dB über der beim groben Durchskippen höchsten gefundenen Spitze Luft zu lassen.“

    – Bei 24Bit Digitalisierung ist es so, dass ein Pegelausschlag im Editor von 50-70% (halb hoch bis 2/3) völlig ausreichend ist. Zum einen vermeiden Sie Clipping auf einfache Weise und zum andern sind die meisten D/A Wandler eh “nur“ in der Lage mit max. ca. -110dB Rauschabstand zu wandeln. Das sind ca. 20Bit und im Durchschnitt locker 30dB mehr Rauschabstand als bei den allermeisten analogen Geräten. Alles was sie mit dem Aufdrehen der A/D-Empfindlichkeit erreichen, um die restlichen 4Bit zu bekommen (-1dBFS Pegel im Editor) ist effektiv das Grundrauschen von ihrem analogen Gerät sehr laut aufzunehmen (zum ursprünglichen Verhältnis). Und bei dem sie dann später wieder Probleme haben es wegzubekommen. Also warum eine Fehlerquelle mehr einladen.
    Testen sie Ihre Signalkette im „Leerlauf“ um eine gute Einstellungskombination zufinden.
    Außerdem brauchen sie den Headroom zur späteren Bearbeitung durch EQ und evtl. Kompressor und wenn es sein muss Normalizer.
    Von Normalisieren ist auch prinzipiell abzuraten, weil er die Dynamik des Stückes völlig durcheinander bringt. Besser Sie gehen mit sanften, in Reihe geschaltete Kompressoren zu Werke, um die Pegel anzuheben. Allerdings erfordert das korrekte Einstellen eines Kompressors oder Brickwall-Limiters auch Erfahrung und man kann auch schnell and die Limiterwand fahren, bildlich.

    -Ein weiterer Grund bei 24Bit mit ordentlich Headroom aufzunehmen ist „Intersample Peaking“. D.h. das zwar keines der Samples für sich -0dBFS übersteigt, clippt. Doch die Signalkurve welche der D/A Wandler aus den Samples wieder erzeugt, kann durchaus zur Verzerrung am analogen Ausgang des Wandlers führen. Dazu gibt mehrere es Veröffentlichungen. Man kann sich als „Nicht-Toningenieur“ viel Kopfschmerzen ersparen wenn man bei -3dBFS (besser noch -6dBFS) Peak im finalen (24Bit-) Mix bleibt, ihre DACs werden es Ihnen Danken. Besser analog nachsteuern. Der Lautstärkeregler am Verstärker ist eh der beste „Normalizer“.
    ///

    ///
    „Wenn ein digitales Signal nachbearbeitet wird, kommt es in jedem Schritt ebenso zu Verfälschungen, da die Zielwerte des Effekts auch nur gerundet werden können. „

    – Durch die Bauteiltoleranzen trifft dasselbe auch auf analoge Schaltungen zu (und ist dort vielfach sogar gefragt – siehe Neve/ SSL/ RÖHRE etc.).
    Die wesentlichere Frage ist wie die Schaltung und der Algorithmus damit umgehen.
    Eine nicht-verfälschende Klangbearbeitung gibt es nicht. Wohl aber gut und schlecht klingende.

    ///
    S.2
    „Aufgrund dieser Unzulänglichkeiten von 16 Bit Signaltiefe ist es anzuraten, in 24 Bit aufzunehmen und alle Zwischenspeicherungen damit durchzuführen und erst ganz zum Schluss auf 16 Bit zu reduzieren.“

    – genau genommen gibt es überhaupt keinen Grund, freiwillig mit 16Bit aufzunehmen.
    ///

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Teil II

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      S.3
      „Bei 96 kHz ergeben sich 48 kHz Audiobandbreite, das allermeiste Rauschen kann dann mit Noiseshaping bequem über unsere Hörschwelle verschoben werden, ohne eine zu hohe punktuelle Rauschdichte zu erzeugen.“

      -nur als „Anekdote“: selbst wenn man für CD (44kHz) aufbereitet ist es inzwischen status quo höher zu digitalisieren. Selbst mit 48kHz ergeben sich deutliche Unterschiede. Das hat u.a. mit den A/D Chips zu tun die in den meisten Kon-/ Prosumer Interfaces verbaut sind.
      Durch die Massenverbreitung von u.a. DVD (48/96kHz) arbeiten diese eh meist nur mit Samplingfrequenz von 48khz oder und 96kHz und legen dann lediglich einen digitalen Filter drüber, der das Ergebnis auf 44kHz „drückt“ (weil es ein relevanter Kostenfaktor ist zwei spezialisierte A/D Wandler zu verbauen, von der flexiblen guten Word-Clock ganz zu schweigen ). Und diese Filter sind eben konzeptbedingt zu den höheren Frequenzen unfreundlich und bei 44kHz eben mehr als bei 48kHz. Auch ist Sampleratenkonvertierung in modernen Editoren auch kein Kopfschmerzthema mehr. D.h, dass die hohen Frequenzen selbst nach dem downsampeln von 48 auf 44kHz immer noch mehr intakt sind als beim direkten Sampeln mit 44kHz!
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      S.5
      (falls sie mit hochauflösender Qualität aufgenommen haben)
      was Sie UNBEDINGT getan haben sollten. ;)
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      S.6 Nachbearbeitung
      Wie Danny sagt: Dieser Schritt kann Tage und Wochen in Anspruch nehmen. Sie benötigen einen Editor der auf Sample-Ebene arbeiten kann! Optimaler weise sollte er auch wenige Samples große Regionen mit Effekten belegen können.
      So kann z.B: ein einfacher DeEsser oder ein Normalizer, der sonst eh zu nix gut ist, sehr gut benutzt werden um chirurgisch Knacks-Samples zu entfernen.

      Eine persönliche Ansicht: Audacity mag zwar kostenlos sein, aber die Benutzerführung finde ich jededsmal zum Haareausreißen. Da würde ich lieber z.B. $60 für Reaper oder einen guten Editor etc. investieren.
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      S.6
      „Persönlich habe ich bei keiner meiner 200 Platten ein Entrauschen vorgenommen, Entknacksen hingegen bei ziemlich jeder und das allermeiste davon manuell.“

      – Sehr richtig. Das Geld für Entrauscher-Programme können Sie sich sparen. Mir ist noch nie eine bezahlbare Rauschunterdrückung untergekommen die auch nur halbwegs befriedigend war. Meistens erzeugte sie nur „Schlieren“ im Klangbild. Bekämpfen Sie lieber das Übel an der Wurzel und investieren Sie in rauschärmeres Equipment – oder einen guten Sample-Editor ;) .
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      Grüße,
      M. :)

      • Profilbild
        Danny Who  AHU

        Hallo Markus,

        vielen Dank für die zahlreichen Anmerkungen.

        Bezüglich Normalisierung mit Dynamikverlust:
        Eine anständige Normalisierung, wie professionelle Waveeditoren sie bieten sollten, heben jedes Sample um den eingestellten wert an, die Dynamik innerhalb eines Titels bleibt also exakt gleich.
        Dass es wohl auch unsauber arbeitende Tools gibt, ist eine traurige Tatsache und ein Grund mehr, sich eingehend mit der Materie zu befassen, wenn man an hoher Qualität interessiert ist.

        Von Audacity habe ich den selben Eindruck: zwar kostenlos aber irgendwie ein sehr hakeliges Bediengefühl.

        • Profilbild
          Markus Schroeder  RED

          Hi Danny,
          bitte sehr :)

          Sicher ist eine gute Normalisierung einer schlechten Kompression vorzuziehen.
          So ändern sich die Dinge, eben.
          Z.B. galt noch vor ein paar Jahren: in der Samplerate aufnehmen die das Zielprodukt erfordert.

          Solange man die Originalaufnahmen behält ist es letzlich eh egal.
          In 5 Jahren wird es wahrscheinlich noch ganz andere Tools geben mit denen man diesen Problemen zu Leibe rücken kann. :D

  3. Profilbild
    diskojan

    Hallo liebe Kommentaristen,
    ich wollte hier mal meine Setup zur Digitalisierung von Vinyl zum Besten geben. Ich arbeite mit Audio Hijack Pro in Verbindung mit dem Plugin Limiter Xenon von PSP.
    Der Vorteil hier man muß nichts mehr nach bearbeiten. Ich pegel die Aufnahme an der Soundcard bei -4dB aus und Xenon hebt den Pegel in Audio Hijack um 4dB an. Die Spitzen die darüber gehen schneidet Xenon bei 0.01dB ab was er nach meinem Gehör sehr gut macht. Also Pegeln, Record drücken, Platte starten, Track zu ende, Record Stop und schon habe ich eine Aiff (Audio Hijack kann auch in in allen mp3 Formaten aufnehmen) mit einem ordentlichen Pegel in kürzester Zeit (max. 1 1/2 Track Länge) die meiner Meinung nach teilweise besser klingen als manche gekauften Wav`s oder MP3´s. Ein bisschen Knacksen und Rauschen stört mich nicht. Finde sogar das dies der Aiff noch etwas Leben geben.
    Gruß DiskoJan

  4. Profilbild
    xenophonia

    Ichbenutze ein Plattenmasselaufwerk (50 Kg) und verschiedene Tonarme mit Moving Magnet und Moving Coil Tonabnehmern.
    Sehr wichtig ist ein hochwertiger Preamp und eine
    kurze Verbindung zwischen Tonarm und Vorveratärker.
    Der Ausgang des Vorverstärkers ist mit einer
    guten analog/digital Karte (LYNX) verbunden.
    Zum Digitalisieren benutze ich das WAVELAB
    mit WAVES Plugins.
    Aufgezeichnet wird dann im WAV-Format (192khz/24 Bit).
    Ich habe schon so manches alte Schätzchen
    dadurch wiederbelebt und konserviert.

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