Modular oder semi-modular: So gelingt der Einstieg ins erste Setup
Im zweiten Teil dieser Serie über modulare und semi-modulare Synthesizer möchte ich mich dem Aufbau eines kleinen Heim-Setups widmen.
Kurz & knapp
-
- Setup-Grundlage: Mit semi-modularen Synthesizern wie dem Behringer Crave gelingt der Einstieg in die modulare Welt besonders einfach.
- DAW-Integration: Per Interface lassen sich Sounds aufnehmen, in der DAW arrangieren und weiterverarbeiten.
- Modularsystem erweitern: Module wie VCOs, Effekte oder Modulationsquellen ergänzen das Setup gezielt und flexibel.
- Virtuelle Planung: Tools wie ModularGrid und VCV Rack helfen bei der Planung und Simulation eines Eurorack-Systems.
- Individuelles System: Der modulare Aufbau erlaubt es, ein persönliches Setup zu gestalten – abgestimmt auf Stil und Klangvorstellungen.
Inhaltsverzeichnis
- Kurz & knapp
- Semi-modulare Synthesizer und eine DAW kombinieren
- Monophone Sounds sampeln
- Einstieg in die Welt der modularen Synthesizer
- Unterschied von semi-modularen Synthesizern und modularen Synthesizern
- Integrieren von Modulen
- Weitere Modulationsquellen
- Effekte
- Utilities
- Komplette Voice
- Sequencer und Keyboard
- Hilfe bei der Planung: VCV Rack und ModularGrid
Semi-modulare Synthesizer und eine DAW kombinieren
Als Grundlage haben wir im letzten Workshop mit dem Behringer Crave und dem Behringer Edge begonnen. Damit hat man bereits einen Monosynthesizer und einen Percussion-Synthesizer mit einigen Patch-Möglichkeiten. Insbesondere die Verbindung der beiden Geräte bietet dank der Patch-Punkte einige Vorteile, da man sämtliche CV-Ausgänge mit den CV-Eingängen verbinden kann, um den Sound zu modulieren. Heute wollen wir diese semi-modularen Synthesizer in ein Setup integrieren und mit ein paar Eurorack-Modulen kombinieren.
Monophone Sounds sampeln
Es ist nicht ganz einfach, mit analogen Monosynthesizern ganze Arrangements zu komponieren. Ein Monosynthesizer erzeugt lediglich monophone, also einstimmige Töne oder Melodien. An dieser Stelle kann man einen PC mit Ableton Live sehr praktisch einsetzen, denn in Ableton lassen sich gesampelte Sounds kombinieren und arrangieren.
Dafür muss das Setup aber natürlich erst einmal verkabelt werden. Hierfür ist ein kleines Interface mit zwei Audioeingängen und einem DIN-5-MIDI-Anschluss empfehlenswert. Die beiden Eingänge ersparen einen externen Mixer, sodass man beide Behringer-Synthesizer gleichzeitig aufnehmen kann. Falls man lediglich ein Interface mit einem Eingang oder die interne Soundkarte des Laptops nutzen möchte, könnte man auf einen kleinen analogen Mixer zurückgreifen. Dafür kann ich den Behringer MX400 Line-Mixer absolut empfehlen. Er ist kompakt, günstig und ideal für ein kleines Setup.
Wer ein Interface mit zwei Eingängen und MIDI-Anschlüssen wie das Behringer U-Phoria nutzt, kann sich ein externes Mischpult für ein kompaktes Setup sparen. Alternativ könnte man die Sounds natürlich auch nacheinander aufnehmen und nur einen Audioeingang nutzen.
Per DIN-5-Kabel können beide Behringer-Synthesizer synchronisiert und von der DAW per MIDI angesteuert werden. Nun könnte man den Sequencer der verwendeten DAW nutzen, um Melodien zu spielen und währenddessen an den Potis der Synthesizer drehen, um den Sound zu verfeinern. Das Sequenzieren per MIDI von der DAW hat zudem den Vorteil, dass sich die gespielten Melodien leicht abspeichern und per Drag-and-Drop verändern lassen. Denn das ist beim Behringer Crave sonst schon etwas komplexer.
Und die monophonen Sounds oder ganzen Arrangements des Synthesizers kann man mit diesem Setup nun einfach sampeln. Sie können dann in der DAW weiterbearbeitet werden. Man könnte sie zum Beispiel mit Effekten belegen oder die einzelnen Samples sogar polyphon spielen.
Einstieg in die Welt der modularen Synthesizer
Mit dem genannten Setup kann man viele tolle Sounds kreieren und eine Menge Spaß haben. Ein semi-modulares Setup ist aber auch ein guter Einstieg in ein Modularsystem. Um nicht gleich sämtliche Module zum Erzeugen und Modulieren von Sounds kaufen zu müssen, kann man zunächst mit einzelnen Modulen den vorhandenen semi-modularen Synthesizer ergänzen.
Unterschied von semi-modularen Synthesizern und modularen Synthesizern
Der Unterschied zwischen einem modularen und einem semi-modularen Synthesizer liegt in erster Linie in den Verbindungen zwischen den einzelnen Modulen. Während man beim Modularsystem sämtliche Audio- und Steuersignale selbst verbinden kann und sogar muss, sind bei einem semi-modularen Synthesizer die grundsätzlichen Verbindungen für den Sound und die gängigsten Modulationen bereits vorhanden.
Der VCO (Voltage Controlled Oscillator) ist also fest mit dem VCF (Voltage Controlled Filter) und dieser mit dem VCA (Voltage Controlled Amplifier) verbunden. Und meist ist ein LFO (Low Frequency Oscillator) fest mit dem VCF verbunden. Diese Verbindungen muss man beim modularen System selbst herstellen. Der Vorteil ist, dass man bei dieser Variante natürlich viel flexibler ist und sein Setup sowie die Sounds komplett frei kreieren kann.
Ein LFO kann so schnell eingestellt werden, dass er als Oszillator fungiert. Selbst ein VCF kann selbstoszillierend als Oszillator genutzt werden. Und diese lassen sich in einem modularen System entsprechend frei verbinden. Dadurch entstehen ganz neue Sounds. In meinen Augen ist vor allem das Erforschen und Verstehen dieser Modulationen ein wichtiger Teil des Musizierens.
Man muss es allerdings auch wollen. Wer lieber in einem vorgegebenen Rahmen an Potis dreht, um seinen Sound zu formen und gerne gleich losspielen möchte, ist mit einem Modularsystem vielleicht überfordert und könnte mit einem semi-modularen Synthesizer mehr Spaß haben.
Der große Vorteil eines Modularsystems ist, dass man sein eigenes Setup individuell zusammenstellen kann. Wenn man das Filter nicht mag, tauscht man es einfach aus. Wenn nicht genügend Modulationsquellen vorhanden sind, kann man sie ergänzen. Mit einem klassischen Synthesizer ist das nicht möglich.
Mit einem gemischten Setup aus einem semi-modularen Synthesizer und einem modularen Synthesizer kann man das System leicht erweitern und ausprobieren, ob die Welt der Eurorack-Module etwas für einen ist und den eigenen kreativen Workflow bereichert.
Integrieren von Modulen
Nehmen wir also als Grundlage wieder unseren bewährten semi-modularen Synthesizer, den Behringer Crave. Er verfügt über einen Oszillator, einen Envelope, ein Filter, einen LFO, einen VC Mix und einen Amplifier.
Um die Module eines modularen Systems verwenden zu können, benötigt man zuerst ein Case und ein Netzteil. Ein günstiges Case ist das Behringer Eurorack 104.
Dazu wählen wir als Netzteil das Behringer CP1A. Damit haben wir rund 100,- Euro investiert und können uns nun den Modulen widmen.
Hier stellt sich natürlich die Frage: Wie wollen wir den vorhandenen Sound erweitern? Ich würde hier einen zweiten Oszillator vorschlagen. Wer bei der Klangerzeugung analog bleiben möchte, könnte den Behringer 2600-VCO in Betracht ziehen. Er basiert klanglich auf den Wurzeln klassischer analoger Synthesizer.
Mit seinen unterschiedlichen Schwingungsformen – es stehen Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck zur Verfügung – liefert er verschiedene Grund-Sounds. Und als besonderer Bonus kann er auch als LFO fungieren.
Somit hätte das erste gewählte Modul im Setup bereits zwei potenzielle Funktionen. Es könnte beispielsweise als zweite Stimme gespielt werden. Diese könnte man oktaviert zur ersten Stimme oder als Quinte stimmen. Oder man verstimmt sie ganz leicht, um einen breiteren Sound zu erhalten. Moduliert man nun eine der beiden Stimmen mit einem LFO, kommt Bewegung ins Klangbild.
Wenn man das Modul nun vom KB CV des Crave zum 1V/Oct-Eingang des VCO ansteuert, lassen sich beide Stimmen gleichzeitig spielen. Das Audiosignal vom VCO des Modularsystems wird einfach in den Ext-Audio-Eingang des Crave eingespeist. Mit dem Mix-Poti können nun beide Stimmen gemischt werden.
Wer etwas flexibler sein möchte und auch offen für digitale Sounds ist, könnte das Behringer Brains wählen. Es basiert auf dem Mutable Instruments Plaits, das zu den beliebtesten Modulen zählt. Der Vorteil dieses Moduls ist, dass man eine große Auswahl unterschiedlicher Sounds – von virtuell-analogen bis hin zu Drum-Sounds – bekommt. Außerdem kann man es bereits sinnvoll nutzen, auch wenn man noch keinen Envelope oder VCA besitzt. Damit lassen sich gerade kleine Setups sehr gut erweitern.
Weitere Modulationsquellen
Der Vorteil von semi-modularen und modularen Synthesizern ist, dass man seinen eigenen Sound kreieren kann. Und dafür kann man eigentlich nie zu viele Modulationsquellen haben. LFOs, Envelopes und Attenuator sind also immer willkommene Module. Ein sehr beliebtes Modul, das diese und viele weitere Funktionen abdeckt, ist das Make Noise Maths. Einen Clone davon gibt es sehr günstig von Behringer mit dem Namen Abacus. Einen Vergleich der beiden findet ihr hier.
Effekte
Um den Sound der semi-modularen Synthesizer zu bearbeiten, können Effekte natürlich nie schaden. Delays und Reverbs gehören hierbei zumindest beim DelayDude zur ersten Wahl. Natürlich könnte man auch Effektpedale in Verbindung mit dem Synthesizer nutzen. Aber wenn man ohnehin ein Eurorack-System aufbauen möchte, bieten sich entsprechende Module an. Idealerweise können diese dann nämlich per CV moduliert werden.
Ein wirklich günstiges Modul wäre das Behringer Space FX. Mit 32 Effekten in 24 Bit und als Stereo-Effekt ausgelegt, bringt es einiges mit. Allerdings hat es keine CV-Eingänge, um die Effekte extern zu modulieren. Hier würde das Behringer Skies, ein Nachbau des legendären und nicht mehr erhältlichen Clouds, mehr bieten. Zusätzlich kann es spannende neue Sounds durch seine Granular-Effekte erzeugen.
Eine kompaktere Lösung mit einem CV-Eingang wäre das Erica Synths Pico DSP. Es bietet acht Effekte, die jeweils mit zwei Parametern abgestimmt werden können.
Utilities
Aber man sollte gerade die Utilities nicht unterschätzen – davon hat man im semi-modularen Synthesizer meist zu wenig. Dies umfasst alle Helferlein, die Signale bearbeiten und formen können. Zum Beispiel einen Sequential Switch, der getriggerte Schaltfunktionen übernimmt und damit Modulationen routet. Aber auch Mixer, Multiplier, Schalter und Attenuators gehören dazu – und diese können sehr praktisch sein. Empfehlenswert ist hier beispielsweise der Doepfer A-151.
Komplette Voice
Mit dem Behringer 110 bekommt man gleich einen VCO, VCF und VCA in einem Modul. Das wäre alternativ ein guter Start in die Welt der modularen Synthesizer.
Sequencer und Keyboard
Wenn man den Synthesizer nicht per DAW oder über die Tastatur des Behringer Crave spielen möchte, könnte man ein Behringer Swing verwenden.
Mit integriertem Sequencer und Arpeggiator sowie einem kompakten 32-Tasten-Layout ist es perfekt geeignet, um modulare Synthesizer zu spielen. Wer lieber auf einen klassischen Step-Sequencer setzt, könnte mit dem Korg SQ-1 starten. Dieser bringt wirklich viele gute Features mit.
Hilfe bei der Planung: VCV Rack und ModularGrid
Die Auswahl der einzelnen Eurorack-Module ist riesig und es ist bisweilen schwierig, sich eine Übersicht zu verschaffen. Auf der Internetseite modulargrid.net kann man die Module nach ihrer Funktion filtern. Sie werden jeweils kurz beschrieben und Links zu den Herstellerseiten sind eingebunden. Hier kann man sein Eurorack-System virtuell planen und zusammenstellen. Praktischerweise werden die benötigte Gehäusebreite und der jeweilige Stromverbrauch gleich mit angezeigt.
Ein weiteres wichtiges Tool ist VCV Rack. Dieses größtenteils kostenlose Programm kann man auf dem PC installieren. Einige virtuelle Module sind kostenlos, andere kann man dazukaufen. Das Tolle an VCV Rack ist, dass man die Module direkt virtuell verkabeln und Sounds erzeugen kann. Wer also erst einmal mit einem virtuellen Modularsystem starten möchte, ist hier genau richtig. Es ist ideal, um die Grundlagen zu verstehen und auszuprobieren. Aber das Schrauben an echten Potis ist beim Musizieren immer noch spontaner.



































Eurorack ist eine Reise für sich man sollte schon etwas planen bevor man zweimal kauft weil es doch nicht den Erwartungen entspricht.
Der Gedanke ich fange smart mit einem kleinen Case an kann schnell frustrierend werden. Spart nicht an dem Case ich spreche aus Erfahrung.
Ein semimodularer kann ein guter Start sein kann aber einen auch vor anderen Herausforderungen stellen. Da kann ich ein paar Beispiele geben:
1. Ich nutzte am Anfang meiner Reise einen Microbrute und dessen Gate Ausgang ist zb nicht stark genug um eine Doepfer A140-2 Dual ADSR auszulösen und braucht dazwischen ein A183-4 Level Shifter.
2. Geräte von Moog wie zb Mother 32 benutzen zb eine andere Steuerspannung als im Eurorack üblich ist. Daher wenn man sie von einem Eurorack Sequencer steuern möchte oder ein Modul von deren Sequencer dann bräuchte es zb ein Pico MScale um die Steuerpannung anzupassen.
Ich rate daher erst mal nach Midi und In Out zu schauen und dann mit einem Synth Voice Modul zu starten dazu ein paar Modulatoren und man kann schon einiges an Spass haben.
@Ashatur Dazu kommt noch die Herausforderung von Switch-Trigger und Voltage Trigger als Gate Impuls.
Beide verstehen sich nicht untereinander. Der im Beispiel verwendete 911 Envelope Generator versteht nur S-Trigger, was ihn je nach Konfiguration wertlos macht da V-Trigger der heutige Standard ist.
@Spectral Tune Da braucht es dann das Hauseigene Midi CV Modul von Behringer das spuckt auch
S und V Trigger aus und auf Wunsch sogar gemeinsam.
Wenns um Interfaces geht (egal für was), ist das Expertsleepers ES-9 ein „One-Stop-Shop“.
https://www.expert-sleepers.co.uk/es9.html
Hier hat sich jemand aus der Modularsicht Gedanken gemacht, was es alles braucht – inkl. Signalpegel, DAW-Integration, Integration mit iPads oder MPCs etc.
Zu dem Beispielbild im modulargrid: Steps (aka Stages) ist ziemlich phänomenal.
Hi, ein sehr schöner Artikel zu diesem Thema, bei dem der Einsteiger schön an die Hand genommen wird. Klasse!
Sehr informativ und weiterführend. Toll!
Aber: Es ist ok, wenn Werbung/Links zum grossen „T“ führen, aber ich glaube, diesmal habt Ihr es etwas übertrieben: Pro „Objekt“ gleich einen Werbelink zu schalten, und am Ende auch nochmal..
Das ist – denke ich – doch etwas viel… Aber das ist nur meine Meinung. Abgesehen davon habe ich auch schon ne Menge bei T gekauft – alles gut!
Ich finde es generell schwierig, wenn ein Gefühl beim User suggeriert wird, dass semi-modulare nur der Einstieg in eine modulare Welt darstellt, um dann dort mit dem Überangebot an Modulen sein Geld zu verbraten. Kommunizierten nicht recht viele Ursprünge, auf die eine oder andere Weise miteinander, was heute als semi-modular bezeichnet wird?