Slash: Seine Gitarren, seine Musik

16. Mai 2010

The Story of Slash

Slash

Slash

Slash – Der ‚Malboro Man‘ des Rock’n’Roll!

Der Mann mit Zylinder, Lockenmähne und Fluppe im Mundwinkel ist Kult. Mit ‚Appetite of Destruction‘ -dem erfolgreichsten Debütalbum aller Zeiten- erlangte er mit Guns N‘ Roses 1987 Weltruhm. Doch mit dem plötzlichen Erfolg kamen nicht nur Groupies und verwüstete Hotelzimmer, sondern Jack Daniels, Kokain und letztendlich Heroin.

 

„Heroin suited me perfectly …“ Slash

Der zurückhaltende Gitarrist kann dem Druck der Öffentlichkeit nicht standhalten und entgleitet schnell in die Sucht. Doch hinter dem Klischeebild des abgefrackten Rockers steckt mehr, als die meisten Berichterstattungen vermuten lassen. Slash drängt sie nie in den Vordergrund, fokussiert sich auf die Musik und versteht es genau, seine Gitarrenarbeit geschmackvoll in den jeweiligen Song einzubringen.

 „I’m pretty shy and quiet. But I am short-tempered. I like to read. I like to draw. That’s probably a real contrast  to what’s been written about me so far.“ Slash

Die Drogenprobleme und der Größenwahn des exzentrischen Axl Rose zerrütten die Band schließlich völlig. Slash verfolgt bald seine eigenen Bandprojekte, etabliert sich als erfolgreicher Gastmusiker und wird nach mehrfach gescheiterten Entzügen schließlich clean. Mit Velvet Revolver beginnt 2002 ein neuer Abschnitt für Slash, bis sich auch diese Truppe mit  dem Frontmann verwirft. Heute lebt der zweifache Familienvater mit seiner Frau Perla in Beverly Hills in einem Anwesen, das einst Robbie Williams gehörte. Ruhig ist es um ihn allerdings nicht geworden. 2010 beglückt uns der 44-Jährige endlich mit seinem ersten Solo-Album und legt eine Scheibe vor die sich sehen lassen kann: Statt selbstverliebten Instrumental-Orgien erwarten den Hörer eine Vielzahl von Gastsängern, deren Palette von Urgestein Iggy Pop bis hin zur attraktiven Fergie von den Black Eyed Peas reicht. Die Songs sind perfekt auf den jeweiligen Künstler zugeschnitten und beweisen die Wandelbarkeit und Vielseitigkeit des Gitarrenhelden. Grund genug, um sein herrlich unkompliziertes Gitarrenspiel einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Old school & straightforward

Der junge Saul Hudson entdeckt schnell seine Liebe zu klassischen Rockbands wie den Stones, Cheap Trick oder Led Zeppelin. Neben englischen Größen wie Clapton und Jeff Beck schwärmt er besonders für Aerosmith und deren Mann an den sechs Saiten: Joe Perry. Dem Blues-Einfluss seiner Helden sowie seiner absolut ehrlichen Rock-Attitüde bleibt er damals wie heute treu.

Interessant ist sein gespaltenes zur Hairspray-Szene inmitten der Guns N’Roses auf dem Sunset Strip in Los Angeles Groß werden. Paradoxerweise nahm er an einer Audition für den Posten des Gitarristen bei Poison teil, die sich aber für C.C. Deville entschieden und später zu erbitterten Rivalen werden sollten.

„We’re sort of a sore thumb on the glam scene – In the middle of it, but at the same time, not into it at all…“ Slash

Slash verkörpert Authentizität und sieht sich und Guns N’Roses als Gegenentwurf zur gekünstelten Glamszene, auch wenn sich die Herren um Axl Rose wohl kaum von ihrem Sleaze Rock Einfluss freisprechen können.

Seine old-school-Attitude spiegelt sich auch in seiner Spieltechnik wider. Er schert sich nicht um die vorherrschenden Trends und verzichtet plakativ auf Sweeping, Tapping oder Whammy-Bar-Exzesse. Zudem ist der bescheidene Slash kein herausragender Techniker. Die Simplizität seiner Spielweise lässt umso mehr Raum für die wirklich wichtigen Dinge: Ton und Feeling.

 

Slash 2

Der bescheidene Slash spricht sich bewusst frei vom Ego-Wahn seiner Kollegen und versteht es umso mehr, songdienlich und reduziert zu spielen. Besonders wenn er wenige Töne spielt, treten Phrasing, Melodiegespür und Ton in den Vordergrund. Ausdrucksstarke Bendings, ein weites Vibrato und der geschmackvolle Einsatz von Legato-Techniken bestimmen sein Solospiel. Zudem nutzt er gerne Reverse-Bends, Slides und Doublestops. Wenn er auf Geschwindigkeit setzt, verwendet er meist Repeating Pattern mit schnellen Hammer-Ons und Pull-Offs. Die flotten Licks leben also mehr von der linken Hand, als durch schnelles Alternate Picking der Anschlagshand.

Auch beim Tonmaterial reduziert sich der Mann mit Mähne und Zylinder aufs Wesentliche: Moll-Pentatonik, Dur-Tonleiter und Blues-Skale bilden das Rückgrat seines Spiels. Meist nutzt er die beiden populärsten Grundfingersätze der Moll-Pentatonik mit dem Grundton auf der E- bzw. A-Saite. Mit einem Schuss Chromatik peppt er die verwendeten Skalen kräftig auf, nimmt Intervalle hinzu oder verwendet sogar den mixolydischen Modus. Auch die natürliche Moll-Tonleiter, Dur-Pentatonik und Arpeggien sind keine Unbekannten für ihn. Was davon bewusst oder intuitiv abläuft, bleibt allerdings sein Geheimnis. Musiktheorie lehnt er zwar offen ab, räumt aber gleichzeitig ein, dass er Skalen übt und kann wohl kaum leugnen, dass er seine Hausaufgaben in Punkto Basics definitiv gemacht hat.

„I always had to do things my way“ Slash

Als reiner Autodidakt hat er viel Material seiner Idole über Heraushören und Ausprobieren aufgesogen und schließlich seinen ganz persönlichen Stil entwickelt. Auch wenn er sich in die Riege der altbackenen Rockgitarristen einreiht und der Einfluss von Page und Perry deutlich zu hören ist, besticht Slash durch seine unheimlich markante Spielweise mit hohem Wiedererkennungswert.

Hierzu trägt aber auch der unverkennbare Sound Hudsons bei, der sich aus der Summe von Spieltechnik, Tonbildung und Equipment ergibt. Wesentliche Komponenten seiner Tonerzeugung stellen harte Dunlop Plektren und ein kräftiger Anschlag dar. Seine Gitarren pflegt er einen Halbton tiefer zu stimmen, was in einem fetteren Sound und reduzierter Saitenspannung resultiert. Letztere gleicht er allerdings mit dicken Saiten (11-48) der Firma Ernie Ball aus. Er spielt mit wenig Verzerrung, erreicht damit einen definierten Ton und holt sich das nötige Sustain stattdessen gerne Mal über Feedback rein.Family-Tree-CD-1-cover

Les Paul + Marshall = Slash

Seiner Philosophie bleibt der kettenrauchende Gitarrist natürlich auch in Bezug auf sein Equipment treu, denn er ist seit jeher mit Gibson Les Paul und Marshall-Amp untrennbar verwachsen. So verwundert es kaum, dass er zwischen diesen beiden Konstanten auf Schnick-Schnack und Spielereien jeglicher Art konsequent verzichtet.

„If I’d one wish I’d ask for a constant supply of Marlboros.“ Slash

Seinen unverkennbar singenden und fetten Leadsound erreicht Slash durch die Wahl des Halstonabnehmers und ein leichtes Zurückdrehen des  Tone-Reglers. Ein Equalizer im Bodentreterformat (Boss GE-7 oder MXR M-108) betont die tragenden Mitten und boostet das Gesamtsignal. Ansonsten setzt er neben rackmontiertem Cry-Baby Wah – System, Boss DD-5 Digital Delay und Heil Talk Box nahezu keine Effekte ein. Für Clean-Sounds gibt’s lediglich etwas Kompression, Chorus und Reverb aus dem Rack.

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Der heilige Gral seiner umfassenden Vintage Les Paul Sammlung ist eine Kopie des legendären 1959 Modells (handgefertigt von Chris Derrig) die ihm zu Beginn seiner Karriere in die Arme fällt. Seine Nummer Zwei ist eine 1987 Les Paul Standard, die aufgrund ihrer dreiteiligen Decke wohl nicht die erste Wahl vieler Musiker geworden wäre. Das Instrument ist jedoch ungeachtet dieses Makels und trotz zweifachen Halsbruchs Slash‘s Liebling für den Livebetrieb. Und das trotz eines exklusiven Fuhrparks von weit über 200 Gitarren – es muss eben nicht nobel oder teuer sein, um gut zu klingen. Die altvertraute, rote B.C. Rich Mockingbird mit Floyd Rose,  einige Doubleneck-Modelle von Gibson und Guild oder die ein oder andere Akustikgitarre sind die einzigen Instrumente, die Slash spielt, wenn er seine heiß geliebte Paula mal nicht in den Händen hält.

Seine Lieblingstonabnehmer stammen aus der Schmiede von Seymour Duncan und zeichnen sich durch zahme Ausgangsleistung und eine weiche, runde Basswiedergabe aus. Die Alnico II Pro-Pickups wurden nach ihren Magneten benannt, die für einen warmen, natürlichen Ton stehen und traditionsgemäß gerne bei Vintage PAF’s verwendet werden. Die Abnehmer gehören zur Standardausrüstung Slashs und tragen zum  geschmackvollen Ton des Musikers bei.

„For me to sound like „me“ I have to have a Marshall. That’s just the way it is.“ Slash

Slash wird als erster Musiker überhaupt von Marshall mit einem Signature-Amp beehrt. Gibson und Dunlop ziehen nach, sodass er mehrere Gibson/Epiphone-Modelle ebenso sein eigen nennt, wie ein spezielles Wah Pedal, das mittels eingebauter Distortion dem Sustain fürs Solo mächtig auf die Sprünge helfen kann. Aktuell baut man in enger Zusammenarbeit mit dem Meister am Marshall AFD100-Verstärker, der  -wie der Name bereits verrät-  den Sound von Appetite For Destruction verspricht. Um den modifizierten Marshall Amp, der extra für die Studioaufnahmen angemietet wurde, ranken sich viele Sagen und Mythen. Da das gute Stück ihm Laufe der Geschichte verloren ging, darf man  gespannt sein, was uns aus dem Hause Marshall  in Kürze erwartet…

Erst mit Velvet Revolver wird der überaus straighte Slash ein wenig „experimentierfreudiger“. Doch im Grunde bleibt sein Set-Up nahezu unverändert – die sporadische Verwendung von Fender Deluxe-Amp und Vox AC-30 sowie ein paar neue Bodentreter wirklich Neuerungen zu nennen, wäre schließlich reichlich übertrieben. Auf seinem Pedalboard finden sich nun der MXR Boost/Overdrive, das er für seinen dezenten Ton lobt und sowie ein MXR Q-Zone für fokussierte Fixed Wah-Sounds. Na, wenn das mal nicht ein weiterer alter Bekannter ist…Slash bleibt sich nun mal auf ganzer Linie treu! Warum auch etwas verändern, was so grandios funktioniert!

 

 

10 Slash Essentials

Guns N’Roses – „Sweet Child o’Mine“ (Appetite for Destruction; 1987)

Guns N’Roses – „November Rain“ (Use your Illusion I; 1991)

Guns N’Roses – „The Godfather Theme“ (unveröffentlicht)

Velvet Revolver – „Fall To Pieces“ (Contraband; 2004)

Slash’s Snakepit – „Shine“ (Ain’t Life Grand; 2000)

Slash feat. Fergie – „Beautiful Dangerous“ (Slash; 2010)

Slash feat. Ozzy – „Crucify the Dead“ (Slash; 2010)

Michael Jackson – „Give It To Me“ (Dangerous; 1995)

Lenny Kravitz – „Always On The Run“ (Mama Said; 1991)

Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    mit slash hat zwar jeder schon irgendwie zusammengearbeitet, aber ich find den irgendwie total überschätzt. er ist nur ein mittelmäßiger nachmacher mit blödem zylinder.. es gibt so viele gitarristen, die besser sind. zb. stevie ray vaughan oder santana, obwohl mich seine soli auf dauer nerven

  2. Profilbild
    75631

    Das sehe ich ganz und gar anders: Mich hat schon immer seine simple und tief bluesige Spielweise fasziniert. Slash höre ich mir viel lieber an als andere – technisch weit überragende – Player, etwa Vai und Konsorten.

    Vaughan und Santana sind natürlich definitiv auch Oberliega, aber diese drei Spieler in eine Reihe zu setzen… Äpfel und Birnen sag ich mal.

    • Profilbild
      m.ziegenhain  

      Mir persönlich geht es da ähnlich wie 75631 – Gitarristen nach Virtuosität zu bewerten oder Listen wie „Die ultimativen Top 7 der unfassbarsten Saitenhexern aller Zeiten“ sind eine schwierige Angelegenheit. So ist ein B.B. King kein Eric Johnson und doch sind beide großartige Musiker. Oftmals ist das allerdings auch eine Imagefrage, denn der eingefleischte Jazzer kann beispielsweise schwer zugeben, Kurt Cobain zum Idol zu haben! Slash ist natürlich Geschmacksache – So wie alles in der Musik. Allerdings denke ich das Slash oftmals zu schnell unterbewertet wird, sein Ton und Melodiegespür sprechen allerdings für sich…

  3. Profilbild
    Pfau_thomas  

    Also bei mir
    Rangliste der E Gitarristen
    1 Steve vai
    2 Jimi Hendrix
    3 Slash
    4 Davit Gilmor
    5 BB King
    6 Eric Clapton
    7 Dieter Peinike aus Lindenberg

  4. Profilbild
    ambusher

    Mein persönlicher Fave ist Stve Lukather von TOTO – der ist ja auch eher in der spielerisch „technischen“ Ecke angesiedelt.
    Nichtsdestotrotz hat mir Slash schon immer gefallen, wegen seiner manchmal eigenwilligen Melodieführung und seines unaufgeregten Spiel.
    Der Autor hat dies in seinem Artikel ja treffend beschrieben.
    Mit reinen „Technikern“ wie Vai oder Sattriani, kann ich nicht soviel anfangen. O.K.: Was die aufs Griffbrett zaubern ist Champions League, aber die Musikalität muss dadurch manchmal zurücktreten. Ich halte es damit:“Manchmal ist weniger mehr“

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