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Sounddesign am Nord Stage 4, Teil 2

Komplexe Arpeggios und glasklare FM-Sounds

11. März 2026
Nord Stage 4 Sounddesign Workshop

Sounddesign am Nord Stage 4, Teil 2

Der Nord Stage – und insbesondere das aktuelle Modell Nord Stage 4 – gehört seit vielen Jahren zur Grundausstattung vieler professioneller Bühnenmusiker. Obwohl der Nord Stage 4 im Vergleich zu aktuellen Top-Workstations wie dem Roland Fantom, Yamaha Montage, Korg Kronos und sogar deren deutlich günstigeren Ablegern stark limitiert erscheint, sind es gerade diese Einschränkungen, die das Instrument so beliebt machen: Gute Sounds und deren wichtigste Parameter im Direktzugriff zählen auf der Bühne oft mehr als ausgefuchste Synthese-Features und tausend Parameter. AMAZONA-Autor Martin Andersson zeigt dir im zweiten Teil dieses Workshops, wie du mit dem Nord Stage 4 auf einfache Weise Performance-taugliche Patches erstellen kannst.

Kurz & knapp
Worum geht es? Im zweiten Teil des Workshops zeigt Martin Andersson praxisnahe Sounddesign-Techniken für den Nord Stage 4 – von Pads über FM bis zu Arpeggios.
  • Praxisnahes Sounddesign: Der Workshop zeigt, wie mit dem Nord Stage 4 Performance-taugliche Sounds schnell erstellt werden können.
  • Vielfältige Klangbeispiele: Pads, FM-Sounds, Arpeggios und Layer-Techniken werden detailliert vorgestellt und kombiniert.
  • Effektvolle Setups: Durch Mastertempo, Arpeggiator und sechsfache Effektketten entstehen komplexe, synchrone Klangbilder.
  • Flexibles Arbeiten: Die Beispiele dienen als Basis für eigene kreative Klangexperimente auf der Bühne oder im Studio.

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Sounddesign am Nord Stage 4

Im zweiten Teil unseres Nord-Stage-Sounddesign-Workshops liegt der Fokus auf Pads, komplexen Arpeggios, exotischen Piano-Sounds und klassischen FM-Sounds. Alle Patches kannst du hier direkt herunterladen und mit der App in dein Instrument übertragen. Der erste Teil des Workshops ist keine Voraussetzung für den zweiten Teil:

Sounddesign am Nord Stage 4, Teil 1

Full Pad mit Effekten

In diesem Programm geht es in erster Linie um einen vollen und breiten Flächensound, kombiniert mit einem Piano zum Solieren. Die Tastatur ist zweigeteilt mit Splitpunkt C5.

Orgel, Rhodes und Pads (linke Tastaturzone)

Für einen möglichst breiten Sound kombinieren wir eine Pfeifenorgel auf Layer A mit 808611000 mit einer Vox auf Layer B (656612004), die wir mit Leslie (slow), Ensemble-Effekt und Stage-Reverb bearbeiten. Beide Layer reagieren auf das Sustain-Pedal, die Lautstärke liegt bei 40 %. Hinzu kommt ein Rhodes (EP1 Deep Timbre) mit gleicher Lautstärke.

Die drei geschichteten Pads basieren alle auf einer Super Saw mit unterschiedlicher Detune. Zusätzlich sind Pad 2 und 3 leicht gegenüber Pad 1 verstimmt (-8 respektive +6 Cent). Drei unterschiedliche Filter (2-Pol-Tiefpass, 4-Pol-Tiefpass und Bandpass) sorgen für klangliche Varianz, und Panorama-Effekte erzeugen räumliche Bewegung. Die Lautstärken liegen zwischen 40 und 50 %.

Piano (rechte Tastaturzone)

Soliert wird mit dem weichen Klang eines mit Filz gedämpften Klaviers (Felt Upright), das wir um zwei Oktaven nach unten transponieren. Mit dezentem Phaser (Rate und Amount 1), Hall (Cathedral) und bei Bedarf Delay entsteht ein breiter Sound.

Arpeggio-Manie

In diesem Setup dreht sich alles um den Arpeggiator des Synthesizers, der in dreifacher Ausführung mit gegenläufigen Arpeggios, Panorama-Effekten und Delay-Linien bei unterschiedlichen rhythmischen Unterteilungen interessante polyrhythmische Muster erzeugt.

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Linke Tastaturzone: Drei Synth-Layer mit Arpeggios

Das erste Layer basiert auf einer asymmetrischen Dreiecksschwingungsform (Shape: Triangle) mit Oscillator Control 8, moduliert durch den LFO (fallender Sägezahn, synchronisiert zur Master-Clock in Vierteln). Das Filter ist ein 4-poliger Tiefpass (LP24) mit Cutoff bei 650 Hz, ohne Resonanz. Attack: 300 ms, Decay: 2 s, Release: 10 s. Amp-Envelope: 3 ms, Decay = Sustain, 2,5 s.

Der Arpeggiator ist in Achteln synchronisiert zur Master-Clock und auf Zufallsgenerator mit aktiviertem Zigzag und Range 4.8 eingestellt. Danach folgen ein langsamer Panorama-Effekt (Rate 0,3) und ein temposynchrones Ping-Pong-Delay in Achteln.

Für Layer B wählen wir eine digitale Schwingungsform (Ice 1) und ein 12 dB/Okt. Tiefpassfilter mit Cutoff bei 500 Hz und Resonance 2. Filterhüllkurve: 120 ms, 3 s, 4,6 s. Lautstärkehüllkurve: 3 ms, Decay = Sustain, 500 ms.

Der Arpeggiator ist auf Sechzehntel eingestellt und läuft somit doppelt so schnell wie bei Layer A, in steigender Richtung mit Zigzag. Die Effekte entsprechen denen von Layer A, mit der Ausnahme, dass das Delay auf Sechzehntel-Noten synchronisiert ist. Zusätzlich ist ein Cathedral-Hall eingeschaltet.

Layer C nutzt eine hart synchronisierte Sinusschwingung (Kategorie Sync) mit Oscillator Control 2 und Modulation durch einen Sägezahn-LFO mit Subdivision 4/1. Die weitere Bearbeitung erfolgt in einem Hochpassfilter mit Cutoff bei 21 Hz und Envelope Amount 5. Filterhüllkurve: 0,5 ms, 3,6 s, 3 ms. Der Arpeggiator läuft abwärts in Sechzehntel-Noten, während das Delay zu Achteltriolen synchronisiert ist.

Rechte Tastaturzone: Rhodes

Für die rechte Hand verwenden wir ein EP5 (Bright Tines) mit Delay in Vierteltriolen und Cathedral-Reverb.

PianoDrone-Pad mit Lead Synth

Eine Besonderheit des Delay-Effekts aller Nord-Stage-Modelle liegt in der Möglichkeit zu unendlichen Feedbacks, die bei sehr kurzen Delay-Zeiten metallische Drone-Sounds erzeugen. Kombiniert mit Sample-&-Hold-modulierten Pads ergeben sich komplexe Flächen.

Linke Tastaturzone: Piano mit Drone-Delay

Bei der zweifach gesplitteten Tastatur (C3 und C5) weisen wir der linken Zone einen Flügelsound zu (White Grand), den wir mit Ringmodulator (Rate 6,4, Amount 9) und Delay bearbeiten. Letzteres läuft mit der kürzest möglichen Zeit von 20 ms, maximalem Feedback und einem Effektanteil von 8,2. Am Ende der Kette folgt noch etwas Hall.

Linke und mittlere Tastaturzone: zwei Pads

Pad A beginnt mit einer Super Saw mit Detune 2, die vom Dreiecks-LFO moduliert wird, gefolgt von einem kombinierten LP+HP-Filter mit Frequenzen von 185 Hz und 11 kHz sowie folgenden Hüllkurvenzeiten: 0,5 ms, 5,8 s, 1,5 s bei Amount 5. Lautstärkehüllkurve: 14 ms, Decay = Sustain, 1,5 s.

Pad B basiert auf einer einfachen Sägezahnschwingung und einem Vierpol-Tiefpassfilter, dessen Cutoff durch eine Zufallsschwingungsform (Sample & Hold) des LFOs in Zweiunddreißigsteln moduliert wird. Hinzu kommen ein Ping-Pong-Delay in Achteln und etwas Hall.

Obere Tastaturzone: Square/Saw Lead

Dieser Lead-Sound basiert auf einer Sägezahnschwingung mit Rechteck-Subbass (Kategorie: Sub Osc), dessen Lautstärke über die Oszillator-Hüllkurve gesteuert wird (0,5 ms, 1 s, 1 s, Envelope Amount: 5). Das Moog Tiefpassfilter steht bei 1,1 kHz und einer Resonanz von 5,6, Hüllkurve: 900 ms, 1,8 s, 1 s, Amount: 4. AMP: 3 ms, Decay = Sustain, 2,5 s. Unison: 2.

Der Sound ist monophon, die Modulation des Oszillators und der Cutoff reagieren auf Velocity. An Effekten kommt lediglich etwas Hall zum Einsatz.

FM E-Piano

Einer der typischsten Sounds der 80er-Jahre ist zweifellos das E-Piano des DX7, das zwar bestimmt nicht wie ein Rhodes klang, aber durch seine charakteristische Ästhetik selbst zur Ikone wurde. Im Netz finden sich zahlreiche Anleitungen, wie dieser Sound zu programmieren ist. Doch wie lässt sich dieser 6-Operatoren-Klang auf dem Nord Stage mit nur drei Operatoren nachbauen?

Laut verschiedener Tutorials kam im DX7 der Algorithmus Nummer 5 zum Einsatz, der aus drei Modulatoren/Operatoren-Paaren und einer Feedback-Schleife besteht.

Wie funktioniert FM Synthese - dx7 alg Service Manual

Die 30 klassischen Algorithmen des DX-7

Am Nord Stage 4 können wir dies mit drei Einheiten des Synthesizers nachbauen. Bei allen wählen wir den ersten Algorithmus (am Nord Stage „Category“ genannt), bestehend aus einem Modulator und einem Carrier.

Auf Layer A steht der Modulator auf der 14-fachen Frequenz des Carriers, bei den übrigen Layern ist das Verhältnis 1:1. Layer B und C sind gegenüber Layer A um -7 und +7 Cent verstimmt, außerdem sind die Unison-Verstimmungen eingeschaltet. Über Oscillator Control wird auf Layer B eine Feedback-Modulation eingeblendet. Die Lautstärke und Oscillator Control sind anschlagdynamisch, das Filter bleibt ausgeschaltet.

Klanglich ergiebig ist, dass wir die Lautstärke der verschiedenen Klangbestandteile direkt über die Fader regeln können. Auch eine Steuerung über ein Expression-Pedal, Aftertouch oder das Modulationsrad ließe sich einfach umsetzen.

FM Pad

Schon der erste Nord Stage verfügte über einen simplen, aber gut klingenden FM-Synthesizer mit maximal drei Operatoren, was im Vergleich zum DX7 hoffnungslos unterlegen wirkt. Dennoch sind damit zahlreiche typische FM-Sounds möglich – zum Beispiel ein metallisch-kühles Pad mit drei Layern.

Layer A und C nutzen den dritten Algorithmus (C) mit einer Kette zweier Modulatoren (P:3:1), mit P („Partial“) = 1 beziehungsweise P = 18. Bei Layer B kommt der zweite Algorithmus (B) zum Einsatz (P:1:1) mit P = 1, wodurch alle drei Operatoren auf der Grundfrequenz schwingen. Durch den relativ hohen Amount-Wert von 6 entstehen metallische Resonanzen.

Zwei der drei Layer werden mit einem Vierpol-Tiefpass gefiltert, einer davon mit einer hohen Resonanz von 6,6. Die Lautstärkenhüllkurven haben alle eine kurze Attack-Phase, aber unterschiedliche Release-Zeiten von 110 ms, 1,8 s und 4,6 s.

Drei unterschiedlich langsame Panorama-Effekte, kombiniert mit etwas Hall, verleihen den Layern Bewegung und Räumlichkeit.

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Fazit

Das Sounddesign am Nord Stage geht einfach und direkt von der Hand, sodass auch komplexe Setups in kurzer Zeit erstellt werden können. Dank umfangreicher Effektketten, die beim Nord Stage 4 sechsmal vorhanden sind, lässt sich jeder Klang getrennt bearbeiten. Hinzu kommen ein vielseitiger Arpeggiator und die simple, aber effektive Idee des Mastertempos zur internen Synchronisation aller tempobasierten Effekte, LFOs und Arpeggios.

Die hier vorgestellten Klänge und Programme sind in erster Linie als Vorschläge gedacht bzw. als Ausgangspunkt für eigene Setups.

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Über den Autor
Profilbild

Martin Andersson RED

Martin Andersson ist Jazzpianist, Multiinstrumentalist, Opernregisseur, Videokünstler, Dokumentarfilmer und Naturwissenschaftler. Mit fünf Jahren lernte er das Geigenspiel, mit sechs wechselte er zum Klavier. Ursprünglich in klassischer Musik unterrichtet interessierte er sich seit seiner frühen Kindheit für die improvisierte Musik, namentlich den Jazz. Seine Liebe zu lateinamerikanischer Musik führte ihn zunächst nach Brasilien, später nach Kuba, wo er an der Kunsthochschule Musik ...

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