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Special: Avid Pro Tools 9 / HD /LE

Am umfangreichsten fallen die Plug-ins des A.I.R.-Paketes aus. 20 Plug-ins decken quasi „alles“ ab, was im Studioalltag anfällt (und nicht schon durch die Digirack-Serie bedient wurde): AIR Chorus, AIR Distortion, AIR Dynamic Delay, AIR Enhancer, AIR Ensemble, AIR Filter Gate, AIR Flanger, AIR Frequency Shifter, AIR FuzzWah, AIR KillEQ, AIR Lo-Fi, AIR MultiChorus, AIR Multi-Delay, AIR Nonlinear Reverb, AIR Phaser, AIR Reverb, AIR Spring Reverb, AIR StereoWidth und AIR Vintage Filter.

Flanger

Flanger

Distortion ist ein Verzerrer, der drei Härtegrade kennt. Hinter Chorus verbirgt sich ein, na? Chorus – welch Wunder. Der Kollege MulitChorus bietet mehrere Stimmen an. Das Dynamic Delay kann als Mono-, Stereo- oder Ping-Pong-Delay genutzt werden und bietet allerhand Modulationsmöglichkeiten. Der Enhancer schlägt in die Kerbe des Exciters, Vitalizers und Kollegen. Das Plug-in Ensemble ist eine Lösung zur Dopplung und gehört familiär in die Chorus Ecke. Das FilterGate ist eine Art Pattern-Sequencer, der durch ein Gate getriggert wird und eignet sich zum akustischen Zerhacken. Der Flanger und der Phaser sind ebenfalls „klassische“ Vertreter Ihrer Zunft. Der Frequency Shifter erlaubt es, ganze Frequenzbänder durch das Frequenzspektrum zu schieben. Es lassen sich damit sehr „spacige“ Ergebnisse erzielen. FuzzWah gehört klar in die Riege der „Gitarreneffekte“ und versieht seinen Dienst erwartungsgemäß.

Fazit

Eines ist Avid auf jeden Fall gelungen: der Schritt von der rein properitären Lösung mit dezidierter Hardware zum (Hardware-seitig) offenen System. Nun wird ProTools als Lösung vergleichbar mit Sequia, Nuendo, Sonar, Reaper, Cubase. Ein Feld, in dem sich Avid erst noch wird behaupten müssen – der Auftakt kann aber schon als gelungen bezeichnet werden.
Trotz der anfänglichen „Flugangst“ meinerseits wurde ich schnell mit dem System warm und habe mich dabei erwischt, dass es mir sogar Spaß gemacht hat. ProTools ist auch in der komplett nativen Variante einen „Panzer“. Abstürze gab es schlicht nicht! Und kein Plug-in riss das System in die Niederungen.
Wenn man mal vom „Structure Free“ (und auch in wenig vom „Mini Grand“) absieht, finde ich die mitgelieferten Plug-ins, Effekte wie Instrumente, sehr gut! Um es gleich klar zu sagen: Damit kann man arbeiten – und das professionell. Selbstverständlich gibt es immer „Besseres“, und auch ich bin mit meinen „Standard Plug-ins“ bestimmt schneller und „besser“, man muss sein Werkzeug auch kennen lernen und damit arbeiten können. Das geht nicht von jetzt auf gleich. Die Anzahl der Effekte geht absolut in Ordnung. Hand aufs Herz: Wie viele unterschiedliche Kompressoren nutzt Ihr in der Regel?

Grund zum Meckern finde ich bei dem fehlenden VST-Support und beim fehlenden 32Bit-Float-Support. Sicherlich sind die meisten Plug-ins auch als RTAS-Version zu haben oder über einen Wrapper (wie der von Fxpansion) in ProTools integrierbar: Schön wäre ein „nativer“ Support
aber schon gewesen. Auch Surround könnte in die kleinste Version noch aufgenommen werden, und sei es nur 5.1! Fast schon unverzeihlich ist der fehlende 64BIT Support. Weder auf dem PC noch auf dem MAC lässt sich ProTools als 64-Bit-Anwendung betreiben. Das ist unverzeihlich! Speziell Film- und Game-Musiker wissen, wovon ich schreibe! Hier waren die direkten nativen Konkurrenten deutlich schneller auf der Höhe der Zeit.

Dass ProTools auf nicht offiziell unterstützten Betriebssystem-Versionen schlicht die Installation verweigert, finde ich ein absolutes NoGo. Sorry Avid, aber das ist nicht elegant gelöst! Auch der Preis für das Complete Production Toolkit erscheint mir überzogen: Klar richtet es sich an Profis, aber die ein oder andere Option ist auch für den Semi-Pro oder Amateur interessant, und die Konkurrenz bietet das ihren Kunden für weniger Patte! Ich muss auch gestehen, dass ich ProTools von musikalischer Seite her nicht ganz so intuitiv wie die „klassischen“ MIDI-Sequencer empfinde. Manches ist doch recht gut versteckt. Da gefällt mir die Inspektor-Lösung von Cubase 6 beispielsweise doch ein wenig besser. Was die Audio-Funktionen angeht, ist die ProTools Oberfläche in meinen Augen kaum zu schlagen. Nicht mehr zeitgemäß ist die fehlende Möglichkeit, offline zu bouncen! Damit entfällt schlicht die Option, den Rechner ein wenig „über die Grenze“ zu fahren.
Genug gemeckert: ProTools macht Spaß! Man kann damit prima und professionell arbeiten. Für alle ProTools LE Kunden: klare Kaufempfehlung für das Update. Als ProTools 8 HD Nutzer sollten prüfen, ob die veränderte Versionsstruktur für sie interessant ist. Immerhin bekommt jeder HD-Kunde auch eine komplett native Variante mit dazu. Fürs Notebook im Zug zum Beispiel: Nur den iLok mitnehmen und fertig!

Plus

  • neues Konzept
  • mitgelieferte Plug-ins
  • ASIO/Core-Audio-Kompatibilität
  • Vereinfachung des Versions-Dschungels auf drei Versionen
  • Preis
  • Stabilität
  • Einfachheit trotz Funktionsvielfalt.
  • Struktur seit Jahren gleich
  • iLok im Lieferumfang enthalten

Minus

  • Preis des Complete Production Toolkits
  • kein Support von 32-Bit-Float-Files
  • kein 64 Bit-Support auf 64-Bit-Betriebssystemen
  • Menu-Struktur nicht immer intuitiv
  • lässt sich nicht auf Vista und MacOS 10.5 (und kleiner) installieren
  • kein Handbuch im Lieferumfang
  • kein VST-Support
  • komische Metronom/Click-Philosophie
  • kein Offlinebounce

Preis

  • Pro Tools 9 UVP: 530,- 600,- € (je nach Quelle) Straßenpreis: 469,- €
  • Pro Tools 9 EDU UVP: 309,- € Straßenpreis: 299,- €
  • Pro Tools 9 EDU (Crossgrade LE) UVP/Straßenpreis: 129,- €
  • Pro Tools 9 Crossgrade LE UVP: 249,95 € Straßenpreis: € 215,- €
  • Pro Tools 9 Crossgrade M-Powered UVP: 350,- € Straßenpreis: € 309,- €
  • Pro Tools HD 9 Upgrade Straßenpreis: 299,- €
  • Complete Production Toolkit 2 UVP: 1.785,- € Straßenpreis: 1.589,- €
  • Pro Tools|HD Native Core PCIe-Karte UVP: 3.135,00 € Straßenpreis: 2.650,- €
  • Pro Tools|HD 1 CORE PCIe UVP: 7.150,- € Straßenpreis: 5.990,- €
  • Pro Tools|HD 2 ACCEL PCIe UVP: 9.857,- € Straßenpreis: 8.280,- €
  • Pro Tools|HD 3 ACCEL PCIe UVP: 12.521,- € Straßenpreis: 10.500,- €
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    chris23086

    Schade, dass bei dem Test nicht auf die fehlende 64bit Fähigkeit der aktuellen Version eingegangen wird. Zumindest auf Macs ist es mittlerweile eine große Entlastung bei umfangreicheren Projekten mehr als 4GB RAM adressieren zu können. Avid hat hier ganz klar den Anschluss verpasst! Ein Hinweis darauf darf in einem professionellen Test nicht fehlen, finde ich.

    • Profilbild
      Florian Scholz  RED

      Hey Chris,

      du hast absolut recht!!! Ich könnte schwören, dass ich das beim Kontra ursprünglich mit drin hatte! (Aber bei x-fachem durchlesen, korrigieren, geht mal was „in die Hose“) Ich schau mal, dass wir das nach reichen können! VIELEN DANK! & SORRY

      Gruß Florian

  2. Profilbild
    r.biernat  RED

    Hi Florian,

    schöner Artikel und gute Wortspiele,

    doch dass den TDM-Systemen Latenzen fremd sind, stimmt so nicht ganz. Die Eingangslatenz für Audiosignale beträgt fest 7 Samples und ohne vorgeschaltetes Analogpult ist lantenzfreies Monitoring sogar überhaupt nicht möglich, da die TDM Hardware dies nicht unterstützt. Zugegeben sind 7 Samples sehr gering, weshalb dieser Fakt oft außer Acht gelassen wird.

    Der eigentliche Vorteil der TDM-Systeme ist ihre penible Genauigkeit in der Zeitebene, die auf der speziellen TDM-Architektur beruht. Native Sequenzer lassen in dieser Hinsicht meiner Meinung nach noch einiges zu wünschen übrig.

    In Protools kann man hunderte Spuren mischen und der Klang bleibt stets frisch und transparant. In Logic tritt schon bei wesentlich weniger Spuren einiges an Matsch zutage, was meiner Meinung nach auf Ungenauigkeiten in der zeitlichen Einordnung der Audiosignale zurückzuführen ist.

    Gruß

    Robert

    • Profilbild
      Florian Scholz  RED

      Hi Robert,

      danke für die Blumen :-)

      Eine Anmerkung: die 7 Samples, die durch den Wandler entstehen, werden idR nicht als Latenz bezeichnet, weil es keine Latenz in diesem Sinne ist. Diese Verzögerung hast Du bei jedem digitalen Equipment. Ich bezweifle auch, dass das noch wahrgenommen werden kann (auch nicht unbewusst) – so gesehen hat auch ein analog-Pult eine Latenz ;-)
      Das Zeitebenenproblem kann ich aus Nuendo/Cubase-Sicht nicht bestätigen! Ich weiß, dass das schon öfters Thema war, aber ich habe das mal mit ein paar Bekannten durchexerziert: Können wir nicht bestätigen! Für Logic kann ich allerdings nicht sprechen! Matschiger Sound ist eher kein Timing-Problem, sondern ein dynamisches: Rundungsfehler, zu wenig Systemdynamik… Wie gesagt bei Nuendo/Cubase habe ich diese Probleme nie gehabt!

      Gruß

      Florian :-)

      • Profilbild
        r.biernat  RED

        Hi Florian,

        du hast recht, 7 Samples sind sehr kurz. Es ist auch nur wahrnehmbar, wenn man das Direktsignal vom Pult und das Signal von Protools gleichzeitig hört. Dann lässt sich ein leichtes „phasen“ vernehmen.
        Kann sein, dass der akkurate Sound von TDM-Systemen auch an der hohen internen Dynamik und fehlenden Rundungsfehlern liegt (48 Bit Fixpunkt). Vielleicht mag bei Logic auch die Audio-Engine Schuld am weniger frischen Sound sein, doch mir ist die Bedienung einfach in Fleisch und Blut übergegangen.

        Gruß

        Robert

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