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Special: Geschichte und Entwicklung des Federhalls


Das macht alles so schön Sproing hier ...

Im Studio und auf der Bühne

Wie erwähnt wurden ab 1954 Hallplatten- und später Folienhallgeräte eingesetzt. Und da diese konstruktionsbedingt einen „natürlicheren“ künstlichen Hall erzeugen konnten und trotz zunächst 270 kg Gewicht als vergleichsweise handlich galten (brauchte man doch vorher ganze Hallräume), trat der Federhall im Studiobereich eher in den Hintergrund. Vor allem im semiprofessionellen Bereich in den 1970ern sind viele Line- und PA-Mixer mit integriertem Federhall zu finden. So z.B. die Roland Mixer PA80 und PA120 oder der Power-Mixer PC4100 von Ross.

Power Mixer von Ross

Power Mixer von Ross

Wer alt genug ist, erinnert sich dann auch noch an die Power-Mixer im Kofferformat, die nicht selten einen Federhall beinhalteten, wie z.B. der Crate PA-6. In Kleinsignalmischern war der Federhall seltener anzutreffen. Die eher auf Home-Recording ausgelegten Kleinmischer vom Roland-„Vorgänger“ Ace Tone sind ein Beispiel hierfür.

Ace Tone Vocal Mixer mit Federhall

Ace Tone Vocal Mixer mit Federhall

Bekannt ist vor allem AKG für seinen „Mahagonischrank“, dem BX-20 von 1972. Dieses Gerät wog über 50 kg, hatte die Größe eines Kühlschrankes und tatsächlich die Optik eines Schranks, da es mit einer Holzverkleidung ausgestattet war. Der BX-20 erlaubte die Variation der Nachhallzeit von 2 bis 4 Sekunden und das auch noch in Stereo und mithilfe einer Fernbedienung. Es gibt von Universal Audio sogar ein Plug-in, das diese Legende emuliert, jedoch mit wesentlich mehr Eingriffsmöglichkeiten als das Original. Als der Nachfolger BX-10 1975 auf den Markt kam, war die Zeit der Federhallgeräte im Studio auch schon beinahe gezählt, nicht nur wegen der bereits erwähnten Plattenhallgeräte.

AKG-BX-Serie: BX20 (1972), BX10 (1975), BX5 (1980)

AKG-BX-Serie (v.l.n r.): BX20 (1972), BX10 (1975), BX5 (1980)

Denn EMT produzierte mit dem EMT 250 den ersten kommerziellen digitalen Hall; und das bereits 1976. Wer ihn kennt, wird sich sofort an die Bedienoberfläche erinnern, die mehr mit einem Flugzeugcockpit gemeinsam hat als mit einem Studiogerät. Dieser Hall ist auch heute noch heiß begehrt, da er, entgegen den Erwartungen, sehr warm und natürlich klingt. Auch von diesem Ungetüm gibt es eine Software-Nachbildung. Aber auch an die Nachbildung eines Federhalls wurde sich gewagt. Softube hat einen im Programm.

Der erste digitale Hall von EMT, EMT 250 - das Cockpit.

Der erste digitale Hall von EMT, EMT 250 – das Cockpit

Der letzte Federhall von AKG kam dann 1980 heraus. Und, obwohl Stereo und mit eingebauten EQ und verstellbarer Decay-Zeit, zielte er wohl eher auf die kleinen Projektstudios und das langsam aufkommende Homerecording. Man muss bedenken, dass Lexikon 1978 mit dem Modell 224 auch in den digitalen Markt einstieg und es Mitte 1980 bereits die ersten PCM Lexicons gab.

Es gab auch noch andere Hersteller solcher Studio-Federhallgeräte: Orban, Master Room, Furman, Biamp. Bekannt in Studiokreisen, relativ unbekannt außerhalb.

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    falconi RED

    Sehr umfassende und vielseitige Betrachtung des Themas, trotzdem kurz, knackig, kurzweilig. Danke, auch für die tolle Linkliste.

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    iggy_pop AHU

    Sehr schön recherchiert und gut geschrieben — das findet man nicht jeden Tag im Internetz.
    Nicht zu vergessen, der EMS VCS-3 bzw. der Synthi-A hatten ebenfalls einen eingebauten Federhall mit an Bord, der gerade dem VCS-3 eine zusätzliche Dimension gab: Egal, wo man bei aufgedrehtem Hall den Putney berührt, es scheppert immer irgendwie. Bei Buchla heißt das wahrscheinlich Touch-Sensitive Audio Dimensional Interface oder so und kostet 5.000 Euro ohne Zoll…
    Der AKG BX-15 fehlt noch in der Auflistung der Geräte des Wiener Herstellers — sehr schön zu hören ist er nicht nur auf diversen Alben von Klaus Schulze ab Mitte der 1970er Jahre (neben dem BX-20), sondern auch auf dem Soloalbum „Epsilon in Malaysian Pale“ von Edgar Froese.
    Mark Shreeve / Redshift verwendet noch heute den EMT 240 Folienhall und bekommt immer große Augen, weil die Mellotron-Flöten plötzlich so eine authentische Patina bekommen…

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      swissdoc RED

      Den Halltank vom BX-15 gibt es auch in der Verpackung von Uniton als Swissecho 2000. Da ist noch ein BBD Delay für das Predelay und andere lustige Sachen mit dabei. Details, Bilder und Sounds gibt es hier:

      http://www.....swissecho/

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        iggy_pop AHU

        Mit dem Extra-Delay kommt das Swissecho schon eher in Reichweite des BX-25E, obwohl der 25 einen anderen Halltank als der 15 verwendet (und auch einen anderen als der 20)

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    Son of MooG AHU

    Am Anfang hatte ich einen Federhall in der Familien-Heimorgel (zusammen mit einem Akai Tonbandgerät meine ersten FX), heute habe ich die Miniatur-Ausgabe A-199 im Eurorack, allerdings etwas subtiler eingesetzt.

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    Filterpad AHU

    Mein Federhall ist leider defekt! Kann jemand vielleicht eine Ferndiagnose durchführen der etwas Erfahrung damit hat, bzw. einen Tipp geben wie man das am besten testen kann? Modell könnte eine „Accutronics Type 4“ sein. Optisch jedenfalls absolut identisch und ebenfalls von Hammond.

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      iggy_pop AHU

      Ferndiagnose geht leider nicht. Das kann die Treiberschaltung sein, die Erregerspulen oder die Abnehmer, vielleicht ist ein haarfeines Drähtchen irgendwo gerissen, vielleicht ein Kabel in Eingang oder Ausgang defekt…. wer weiß?
      Ein A4 sollte relativ leicht und preiswert zu ersetzen sein.

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    t.goldschmitz RED

    Ich wollte mich ausdrücklich für den ganzen Blumenstrauß hier bedanken.
    Selten musste ich mit so vielen widersprüchlichen Quellen arbeiten, um mir dann ein plausibles Gesamtbild machen zu können.
    Aber die Anerkennung hier entschädigt für alles!
    Danke!

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    efsieben

    Super Story und ich wurde mal wieder an alte Zeiten erinnert. Bei uns wurde der Federhall, welcher es war keine Ahnung, oft für echt schräge Sounds benutzt,es durfte gerne scheppern und rattern. Das ganze in den Endsechzigern und Anfang der Siebziger.

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