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Special: Mikrofonierung von Instrumenten, Live, Bühne, Stage

28. Januar 2021

Mikrofonierung für Drums, Percussion, Gitarren, Bläser und mehr

Mikrofonierung von Instrumenten. Ohne Mikrofone geht es nicht – auf der Bühne kommen an vielen Positionen die verschiedensten Mikrofone zum Einsatz © Shutterstock

Mikrofonierung von Instrumenten – dieses Thema wird nie alt. Könnte es auch gar nicht, denn abseits elektronischer Musikinstrumente mit Line-Ausgang bleiben Mikrofone nach wie vor erforderlich, möchte man bewegte Luft in die äquivalente Spannungsänderung überführen, die benötigt wird, um überhaupt weiter mit dem Signal arbeiten zu können. Wir widmen uns mit diesem Feature dem Thema „Mikrofonierung auf der Bühne“.

Mikrofonierung von Instrumenten auf der Bühne und im Studio

Auch wenn es zunächst einmal widersprüchlich erscheint: Die Mikrofonierung im Studio und auf der Bühne unterscheidet sich. Auch der daraus resultierende Klang unterscheidet sich dramatisch. Was auf der einen Seite ein Erfordernis ist, wird auf der anderen Seite oft als ein „no go“ betrachtet. Aus diesem Grund möchte ich einige Gedanken dazu teilen, die diesen Sachverhalt besser verständlich machen.

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Ziel der Mikrofonierung im Studio ist einzig und allein eine bestimmte Klangvorstellung. Hier geht es nicht einzig und allein um die Wandlung von Luftschall, sondern um das möglichst akkurate Transportieren des Klangs im Raum oder aber der Herstellung eines bestimmten Klangideals. Das Mikrofon ist Wandler, Werkzeug, Instrument in einem. Bei fast allen hochkarätigen Toningenieuren und Tonmeistern findet im Studio das Sounddesign zwischen Instrument, Raum und Mikrofon statt. Die Mikrofonauswahl und die Mikrofonposition entscheiden maßgeblich, wie das Instrument später klingen wird. Winkelmesser und Maßband gehören zu den gängigen Tools im Tonstudio mit dazu. Da der Raum eine große Rolle beim Klang spielt, wird auch dieser in die Betrachtung mit einbezogen. Entweder wird ein Mikrofon gleich so positioniert, dass ein gutes Verhältnis zwischen Direktschall und Diffusschall besteht, oder es wird mit mehreren Mikrofonen pro Instrument gearbeitet.

Auf der Bühne ist das komplett anders. Der die Musiker umgebende Raum (der im Fall von Open Air Konzerten auch manchmal nur aus Zeltplane als Wetterschutz besteht) muss möglichst ausgeblendet werden. Dieser ändert sich je nach Auftrittsort und ist selten für die Wiedergabe von Musik optimiert. Die Aufstellung der Musiker mit ihren Instrumenten im Raum folgt dabei auch fast nie akustischen Gesichtspunkten, sondern Optik und schlicht Platzbedarf auf der Bühne. Zudem ist es in einem Studio im Vergleich zur Bühne totenstill. Instrumente stehen im Studio selten im gleichen Raum und das gemeinsame Einspielen eines Songs mit allen Musikern gleichzeitig findet nur noch sehr selten statt. Auf der Bühne jedoch spielen bei einem Konzert selbstverständlich alle Musiker zusammen und Verstärker und Monitorlautsprecher füllen die Bühne mit einem dichten (und lauten) Schallgemisch. Um möglichst viel Signal vom zu übertragenden Instrument zu bekommen und wenig Störschall (Übersprechen) von anderen Schallquellen, muss man sehr dich an die Schallquelle heran. Das widerspricht leider oft der konstruktionsbedingten Schallerzeugung und Schallausbreitung der jeweiligen Instrumente. Das Ergebnis ist ein sehr unnatürliches, weil sehr direktes, und oft unausgeglichenes Signal. Durch Equalizer, Kompression und Effekte versucht man, dieses wieder in annehmbare Bahnen zu lenken. Bühnenmikrofonierung ist also immer ein Kompromiss. Oft bleibt es beim Versuch und man muss sich mit einem aus klanglicher Hinsicht nicht optimalen Ergebnis zufrieden geben. Zudem ist es bei der sehr nahen Mikrofonierung schwieriger, eine Position zu finden, die den Musiker nicht beim Spielen behindert.

Mikrofonauswahl

Während im Studio oft eine ganze Armee unterschiedlicher Mikrofone mit verschiedenen Übertragungseigenschaften, Richtcharakteristiken, Wandlerformen und so weiter zur Verfügung stehen, ist die Auswahl auf der Bühne oft beschränkt. Zwar finden heute auch Großmembranmikrofone ihren Weg auf die Bühne, aufgrund ihres höheren Gewichts und Platzbedarfs bleiben sie aber die Ausnahme. In der Regel finden wir Kleinmembran Kondensatormikrofone sowie dynamische Mikrofone. Bei den dynamischen Mikrofonen kommen fast ausschließlich Tauchspulenmikrofone aufgrund ihrer Robustheit zum Einsatz. Bändchenmikrofone sind selten, da sie sehr fragil sind. Die üblichen Richtcharakteristiken auf der Bühne sind Niere, Superniere und Hyperniere. Kugel und Acht kommen in einigen Spezialfällen zwar auch vor, werden aber auf lauten Bühnen eher gemieden.

Mikrofon-Stative und Alternativen

Ein oft nicht unerhebliches Problem sind Stative. Da im Studio die Optik egal ist und meistens auch kein Platzproblem vorhanden, spielen Stative eine eher untergeordnete Rolle. Es gibt sie in großer Anzahl und jeder Ausführung. Auf der Bühne hingegen sind Stative bei sich bewegenden Schallquellen hinderlich. Dazu gehören Sänger und Instrumentalisten, die auf der Bühne mit dem zu mikrofonierenden Instrument herumlaufen. Verfügen diese Instrumente nicht über einen Tonabnehmer, wie zum Beispiel Akustikgitarren, muss eine Alternative zum Stativ her, möchte man den Musiker nicht an seinen Platz binden. Clip-Mikrofone, die sich direkt am Instrument anbringen lassen, sind die Lösung – eventuell gleich im Verbund mit einer drahtlosen Übertragung des Signals. Auch Verstärker oder Drum Sets, bei deren Mikrofonierung oft Stative eingesetzt werden, können manchmal aus Platzgründen nicht optimal mit einem Stativ versehen werden. Auch hier helfen Klemmhalterungen, die am Verstärker oder am Kessel angebracht werden können.

Clip-Mikrofone sind praktisch, da sie keine Stative benötigen © Shutterstock

Mikrofonierung: Drums & Percussion

Bei den Drums wird auf der Bühne fast ausschließlich im Nahbereich mikrofoniert. Selbst bei den Becken sieht man bei großen Konzerten immer öfter die einzelne Abnahme jedes einzelnen Beckens mit einem Miniaturmikrofon unterhalb der Becken anstelle der sonst üblichen Overhead Mikrofone. Statt vieler Stative kommen heutzutage hauptsächlich Clip-Mikrofone oder an die Kessel schraubbare Mikrofonhalterungen zum Einsatz. Stative sieht man häufig nur noch für das HiHat-Mikrofon und für die Overheads. Beim Schlagzeug Tipps zur genauen Ausrichtung der Mikrofone zu geben ist fast unmöglich. Kesselgröße, Felle, Stimmung, Sticks und Spielweise bestimmen maßgeblich den Klang. Die hier vorgeschlagenen Mikrofonpositionen sind deshalb nicht allgemeingültig und kein Patentrezept.

Mikrofonierung Snare

Klangbestimmend bei der Snare ist vor allem der Snare-Teppich. Aus diesem Grund wird selbst im Live-Bereich die Snare in der Regel mit zwei Mikrofonen abgenommen. Auf das zweite Mikrofon kann aber in kleineren Räumen verzichtet werden. Auch die Overhead Mikrofone übertragen in der Regel die Snare laut und deutlich, sodass auch diese gegebenenfalls den Verzicht auf das zweite Mikrofon für den Snare Teppich rechtfertigen. Es gibt sogar einen kleinen Trend hin zum vollkommenen Verzicht auf das Snare Mikrofon, wenn ein besonders natürlicher Klang der Snare gewünscht ist. Das gilt vor allem für Musikstile abseits von Rock, wie zum Beispiel Folk oder Jazz. Hier macht man sich dieselben Prinzipien wie im Studio zunutze und die Tatsache, dass die Snare in einiger Entfernung ausgewogen und natürlich klingt. Gut positionierte Overhead Mikrofone spielen dann eine übergeordnete Rolle (siehe Mikrofonierung Becken)

Das Snare-Mikrofon wird häufig auf die Fellmitte hin ausgerichtet © Shutterstock

Bei der Standardmikrofonierung mit zwei Mikrofonen wird das obere Mikrofon in der Regel auf die Fellmitte gerichtet, während das untere Mikrofon in einigen Zentimetern Abstand den Snare Teppich mikrofoniert (oft auch zur Mitte hin gerichtet). Zu beachten ist, dass das untere Mikrofon am Mischpult in der Polarität gedreht werden muss. Schlägt der Drummer auf die Snare, bewegen sich beim Schlag beide Felle zunächst initial nach unten und schwingen dann weiter. Das Fell bewegt sich also beim Schlag vom oberen Mikrofon weg, während es sich gleichzeitig auf das untere Mikrofon zubewegt. Das daraus resultierende Schwingungsmuster ist also für beide Mikrofone um 180° in der Phase verschoben. Durch die Polaritätsänderung gleichen wir diesen Versatz aus. Beim Einsatz von Clip-Mikrofonen oder Kesselhalterungen sollte man versuchen, das Top-Mikrofon mit seiner unempfindlichsten Seite zur HiHat hin auszurichten, um das Übersprechen der HiHat auf den Snare-Kanal zu minimieren. Bei kleineren Settings und Räumen kann man das Snare-Mikrofon aber auch gezielt zur Mikrofonierung von Snare und HiHat einsetzen. Es ist immer eine gute Idee, den Schlagzeuger bei der Mikrofonierung mit einzubeziehen. Einerseits kennt er sein Set und den Klang, andererseits weiß er, wo das Mikrofon ihn am wenigsten behindert. Nichts ist für alle ärgerlicher als andauernde Stick-Schläge gegen das Mikrofon oder seine Halterung. Ein häufig verwendetes Mikrofon ist das Shure SM57.

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Der Klassiker für viele Bühnenaufgaben: das Shure SM57

Auch das Sennheiser MD421 wird oft gesehen. Bei den Clip-Mikrofonen ist das Sennheiser e604 eine gut klingende Empfehlung. Allgemein werden aufgrund der hohen Schalldrücke direkt an der Snare live eher Tauchspulenmikrofone als Kondensatormikrofone verwendet, da diese meistens pegelfester sind. Doch auch einige spezialisierte Kondensatormikrofone können tolle Ergebnisse liefern, denn die Snare liefert viele Obertöne, die von diesen besser übertragen werden als von den dynamischen Kollegen. Hier wäre das beyerdynamic TG D57C eine gute und günstige Wahl. Es hält sogar Signalspitzen bis zu 140 Dezibel stand und damit auch Rock Drummern. Wird die Snare mit zwei Mikrofonen abgenommen, bietet sich oben ein Tauchspulenmikrofon an und unten ein Kondensatormikrofon, da vor allem hier der Obertongehalt produziert wird.

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Clip-Mikrofone für Schlagzeug und Percussion sparen die sonst benötigten vielen Stative ein. Im Bild das Sennheiser e904

Mikrofonierung Toms

Auch hier kommen heutzutage meistens Clip-Mikrofone oder Mikrofone an speziellen Kesselhalterungen zum Einsatz. Toms werden live von oben mikrofoniert, wenn sie ein Resonanzfell besitzen. In den 1970er Jahren hat man häufig live auf die Resonanzfelle verzichtet und das Mikrofon innen angebracht. Noch heute findet man vereinzelt Drummer, die Mikrofone im Innern der Toms fest angebracht haben. Das liefert eine tolle Trennung der Toms voneinander und auch die nahen Becken werden kaum übertragen. Da Resonanzfelle für den Klang der Toms von sehr großer Bedeutung sind, verzichten heutzutage die meisten Drummer nicht darauf. Toms werden fast immer von oben und ausschließlich von oben mikrofoniert. Das wohl beliebteste Tom-Mikrofon ist das Sennheiser MD421. Auch der große Sennheiser-„Prügel“  MD441 wird nach wie vor gerne verwendet. Die Mikrofone werden in der Regel auf die Mitte des Schlagfells hin ausgerichtet. Auch das Sennheiser e604 oder Shure SM57 klingen gut an Toms. Kondensatormikrofone kommen aufgrund des sehr geringen Obertongehalts selten zum Einsatz.

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Das Sennheiser MD421 ist seit Jahrzehnten treuer Begleiter auf der Bühne und im Studio. Besonders an Snare und Toms wird es gerne genutzt

Mikrofonierung Bass Drum

Für die Bassdrum werden ähnlich wie bei der Snare extrem pegelfeste Mikrofone mit ausgeprägtem Bassanteil benötigt. Mikrofoniert wird live fast immer nur im Innern der Bass Drum, selten das Resonanzfell von außen, sehr selten das Schlagfell von außen. Im Studio sieht das anders aus, da die Bassdrum bei Musikaufnahmen eine herausragende Rolle spielt und der Klang oft im Nachhinein dem Klang des E-Basses angepasst werden muss. Da sind drei bis vier Mikrofone an der Bassdrum keine Seltenheit. Live konzentrieren wir uns auf ein Mikrofon im Innern der Bassdrum. Dieses wird meistens mit einem kleinen Stativ durch ein Loch im Resonanzfell von innen an das Schlagfell geführt. Die Distanz zum Schlagfell und die Position zum Auftreffpunkt des Beaters entscheiden maßgeblich über den Klang. Ein guter Startpunkt ist eine Entfernung vom Fell zwischen 5 und 10 Zentimetern und eine Position auf der Hälfte zwischen Mitte und Rand. Schiebt man das Mikrofon näher zur Mitte und zum Schlagfell hin, verstärkt man das Kick Signal. Weiter vom Schlagfell weg und näher zum Rand hin ausgerichtet überwiegt der „Bauch“. Bekannte Mikrofone für die Bassdrum-Mikrofonierung sind das AKG D112, das AKG D12 VR, Audix D6 und Shure Beta 52A. Im Studio wird auch gerne das große EV RE20 genutzt.

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Das AKG D112 gehört zu den Klassikern an der Bass Drum

Für einen eher „bauchigen“ und runden Bassdrum Sound ohne zu großen Kick-Anteil liefern auch Grenzflächenmikrofone einen tollen Sound. Diese werden einfach in die Bassdrum auf die meistens dort vom Drummer hineingelegte Decke gelegt. Ein tolles Produkt haben Sennheiser mit dem e901 im Programm. Eine Alternative ist das Shure Beta 91A. Lange Zeit ein Live- wie Studio-Geheimtipp ist das Beyerdynamic M88TG – auch als Phil Collins Mikrofon bekannt. Es liefert keinen so extrem wuchtigen Sound wie andere basslastigere Vertreter. Dafür passt sich eine damit mikrofonierte Bassdrum aber ohne große EQ-Schrauberei prima einem tiefen und wuchtigen E-Bass an. Nebenbei ist es auch noch ein sehr gutes Gesangsmikrofon.

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Grenzflächen sind für die Bassdrum eine gute Alternative. Sie bilden extrem gut den „Bauch“ der Bassdrum ab

Mikrofonierung Overheads/HiHat

Als Overheads werden aufgrund des Obertongehalts fast ausschließlich Kondensatormikrofone – Kleinmembran wie Großmembran – verwendet. Doch auch das Sennheiser MD441, ein dynamischer Vertreter, macht eine gute Figur als Overhead-Mikrofon und vor allem auch an der HiHat. Wie man die Mikrofone ausrichtet, hängt in erster Linie von der Bühnenlautstärke ab. Hoch über das Drumset gehängt erhält man einen schön natürlichen und ausgeglichenen Klang, der das gesamte Set abbildet und den sehr nah mikrofonierten Trommeln beim Hinzumischen mehr Natürlichkeit verleiht. Auf sehr lauten Bühnen muss nah mikrofoniert werden. Je nach Anzahl der Becken wird dabei entweder eine Position zwischen zwei Becken verwendet oder es muss die Anzahl der Mikros drastisch erhöht werden, sollen alle Becken einzeln abgebildet und im Panorama verteilt werden. In einem solchen Fall bietet sich die Mikrofonierung von unten an. Oft werden die Mikrofone dazu per Halterung an die Beckenstative geklemmt. Ich persönlich bevorzuge auf leiseren Bühnen eine Overhead-Mikrofonierung mit Stereoaufnahmeverfahren wie Klein AB oder ORTF oberhalb der Schultern des Drummers. Solche Mikrofonierungen machen sich dann auch besonders gut bei Live-Mitschnitten, weil sie das gesamte Drumset sehr natürlich abbilden. Für lautere Bühnen ist das allerdings ungeeignet und mit zwei Mikrofonen rechts und links oberhalb der Becken kommt man besser zurecht.

Mikrofonierung von Instrumenten: Ein komplett mikrofoniertes Drumset

…und hier noch ein mikrofoniertes Drumset beim Abbau. Gut zu sehen sind sämtliche Mikrofone die dabei im Einsatz waren © Shutterstock

Die HiHat wird von schräg oben mikrofoniert. Es sollte etwas Abstand (10 bis 20 cm) gehalten werden, denn einerseits wird die HiHat beim Spielen geöffnet und geschlossen, andererseits erzeugt dieser Mechanismus Luftverwirbelungen, die sonst hörbar werden. Aus diesem Grund ist auch eine horizontale Mikrofonierung unbedingt zu vermeiden. Gerne als Overhead-Mikrofon oder für die HiHat genutzt werden Oktava MK012, AKG C415 B, AKG C391 B oder Neumann KM184. Doch es geht auch erheblich günstiger mit Rode NT5 MP, Sennheiser E614 oder Rode M5 MP. Selbst günstige China-Stäbchen der diversen Hausmarken liefern live erstaunlich gute Ergebnisse.

Mikrofonierung Percussion

Für die fellbespannten Percussion Instrumente wie Bongos, Congas oder auch die beliebten Roto-Toms gelten die gleichen Regeln wie für Toms. Mikrofoniert wird von oben auf die Fellmitte ausgerichtet. Bei den Instrumenten, die mit den Händen gespielt werden und bei denen Schläge auf den Rand häufig zum Sound gehören, ist etwas Abstand angesagt. Gut geeignet sind Miniatur Clip-Mikrofone mit Schwanenhals. Dem günstigen the t.bone Ovid System, das aus diversen Clip-Mikrofonen mit Schwanenhals besteht, sollte man mal eine Chance geben.

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Mikrofonierung von Instrumenten, hier Congas © Shutterstock

Hand-Percussion wie Schellenkranz und diverse Shaker werden häufig vor einem separaten Mikrofon gespielt. Hier kommen wegen des hohen Obertongehalts fast ausschließlich Kondensatormikrofone zum Einsatz. Hier bieten sich die gleichen Vertreter an wie bei den Schlagzeug Overheads.

Eine Alternative zur Einzelmikrofonierung ist die Nutzung von zwei Kondensatormikrofonen als Overhead oder alternativ eines Stereomikrofons. Dieses bildet dann das gesamte Setup aller Percussion-Instrumente ab. Natürlich bietet sich dieses Verfahren wieder eher für leisere Bühnen an.

Mikrofonierung von Instrumenten: Gitarre & Bass

Mikrofonierung E-Gitarre

Für den mittlerweile seltenen Fall, dass kein Kemper-Amp gespielt wird, bei dem das Signal per DI-Out zum Mischpult gelangt, muss klassisch der Amp beziehungsweise die Gitarrenbox mikrofoniert werden. Nutzbar ist im Prinzip jedes dynamische Mikrofon. Da Lautsprecher für E-Gitarren kaum Obertonanteil produzieren, sind die Anforderungen an das Mikrofon gering. Das Shure SM57 ist ein Klassiker an dieser Position. Ebenso das Sennheiser MD421. Seit einigen Jahren schon sind die flachen Sennheiser e906 und das günstigere e609 an Gitarren-Amps verbreitet. Diese werden meistens einfach von oben am Kabel vor den Lautsprecher gehängt. Zur Not tut es auch ein SM58 und jedes andere dynamische Mikrofon. Die Position variiert zwischen Lautsprechermitte und Rand des Lautsprechers – je nach Soundvorstellung und Musikstil. Die Lautsprechermitte klingt sehr aggressiv, der Rand hingegen weicher und runder. Ich persönlich bevorzuge eine Ausrichtung von der Mitte aus schräg zum Rand mit einem Mikrofon mit Nierencharakteristik. So nimmt das Mikrofon mit seiner bereits etwas unempfindlicheren Seite noch genug von der aggressiven Mitte mit und der etwas rundere Klang überwiegt, den der Lautsprecher am Rand produziert.

Gitarrenverstärker werden auf der Bühne in der Regel mit einem Mikrofon im unmittelbaren Nahbereich des Speakers mikrofoniert © Shutterstock

Wie auch Drummer haben die meisten E-Gitarristen „ihren“ Sound und legen die Mikrofonposition selbst fest. Diese kann dann gut als „Diskussionsgrundlage“ verwendet werden. Aufgrund der sehr nahen Mikrofonierung und hohen Lautstärke direkt an der Lautsprechermembran ist die Abnahme von E-Gitarrenverstärkern hinsichtlich des Übersprechens anderer Schallquellen eher unkritisch. Kritischer ist das Übersprechen der E-Gitarre auf alle anderen Mikrofone, doch das ist ein anderes (leidiges) Thema.

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Mittlerweile ein moderner Klassiker: Das Sennheiser e906 wird gerne für die Mikrofonierung von Gitarrenverstärkern verwendet, eignet sich aber auch gut für Percussion, Schlagzeug oder Bläser

Mikrofonierung E-Bass

Eigentlich auf der Bühne kein Thema, denn es kommen fast ausschließlich DI-Boxen zum Einsatz. Für den seltenen Fall, dass ein Bass Amp mikrofoniert werden soll/muss, kommen die gleichen Mikrofone wie bei der Bassdrum zum Einsatz. Sehr gut klingt hier das EV RE20. In der Tat im Studio und Live die erste Wahl für alte AMPEG SVT „Kühlschränke“, die aufgrund von Größe und Gewicht aber kaum noch im Einsatz sind, wenn man keine Roadies hat (die man damit verärgern möchte). Wenn wider Erwarten ein Lautsprecher mikrofoniert werden muss, geschieht das meistens direkt vor der Lautsprechermitte. Ein Basslautsprecher bewegt viel Luft, insofern darf hier gerne etwas Abstand gehalten werden.

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Groß, schwer und mächtig im Bassbereich: Das ElectroVoice RE20

Mikrofonierung Akustikgitarre

Wie beim E-Bass eigentlich ebenfalls auf der Bühne kein Thema mehr. Fast alle Bühnengitarren besitzen integrierte Tonabnehmersysteme (Piezo, Mikrofon oder Kombination aus beidem). Sollte doch mal bei einem Singer-Songwriter eine Mikrofonierung gewünscht sein, nimmt man ein Kondensatormikrofon und richtet es auf die Position zwischen Schallloch und dem Übergang zum Hals aus. Dort liefern die meisten guten Akustikgitarren einen ausgeglichenen Sound. Besser gelingt die Abnahme mit zwei Mikrofonen für Schallloch und Hals. Je nach Spieltechnik und Klangvorstellung kann dann das passende Ergebnis am Mischpult kreiert werden. Erstaunliche Ergebnisse liefern Shure SM57 und Sennheiser MD441. Die Kombination aus zum Beispiel einer Martin Dreadnought und Shure SM57 bei Fingerpicking und Strumming sollte man sich durchaus mal genauer anhören.

Mikrofonierung von Instrumenten: Hammond B3 mit Leslie

Auch wenn aufgrund der Gewichtsproblematik die Kombination aus Hammond B3 und Leslie sehr selten geworden ist, trifft man sie doch gelegentlich an. Auch der beliebte (und besser transportable) Hammond B3 Klon Nord C2 besitzt einen Anschluss für ein Rotorkabinett. Die Standardmikrofonierung sieht drei Mikrofone vor: Zwei Mikrofone für den Treble Rotorspeaker oben, die im Winkel von 90 Grad zueinander direkt im Nahbereich auf den Rotor ausgerichtet werden (ein Mikrofon von der Seite, ein Mikrofon von vorne). Für den Bass Rotorspeaker wird ein einzelnes Mikrofon direkt davor genutzt. Hier kann zum Beispiel eines der Mikrofone, die auch an der Bassdrum zum Einsatz kommen, genutzt werden. Sehr gut funktionieren beim Leslie Speaker auch Sennheiser MD441 oder MD421. Auf lauten Bühnen kann das Leslie Kabinett auch von hinten mikrofoniert werden. Die beiden Top-Mikrofone zeigen dann von rechts und links direkt schräg in die obere hintere Öffnung des Kabinetts auf den Treble Rotorspeaker. Das untere Mikro bleibt in seiner mittleren Position, es steht jetzt halt nur hinter dem Kabinett vor dem Bass Rotorspeaker statt davor. Ist eine monophone Übertragung gewünscht, reichen zwei Mikrofone: eines für den Treble und eines für den Bass-Rotorspeaker. Sie werden dann zu einem Monosignal zusammengemischt. Da bei Konzerten die Mehrheit des Publikums ohnehin nur monophonen Sound hört, ist dieser Weg für Beschallungen zu bevorzugen, es sei denn, es wird parallel ein Live-Mitschnitt durchgeführt.

Mikrofonierung Blechblasinstrumente

Trompete und Posaune sind live leicht zu mikrofonieren. Ein Mikrofon direkt vor der Stürze reicht, um beide Instrumente gut zu übertragen. Dynamische Mikrofone verrichten einen sehr guten Dienst. Auch Clip-Mikrofone werden gerne verwendet, wenn der Musiker sich mehr bewegen will. In alten Konzertvideos aus den 1980er Jahren sieht man oft ein SM58 für Trompete oder Posaune. In der Tat ist das nicht die schlechteste Wahl. Auch das Shure SM7B ist ein gutes Mikrofon für diese Aufgabe. Im Prinzip kann aber jedes dynamische Mikrofon verwendet werden.

Mikrofonierung mit dem Clip-Mikrofon © Shutterstock

Alternativ kann auch ein Mikrofon auf Stativ genutzt werden © Shutterstock

Mikrofonierung Holzblasinstrumente

Bei Holzblasinstrumenten ist die Abnahme etwas komplexer, da hier wichtige Bestandteile des Signals nicht über die Stürze, sondern die Klappen abgestrahlt werden. Das macht bei der Nutzung von Clip-Mikrofonen beim Saxophon Mikrofone mit Nieren- oder Kugelcharakteristik notwendig, damit die Schallanteile der Klappen ausreichend repräsentiert sind. Bei der Klarinette ist das nicht so einfach, weil sie nicht gebogen, sondern gerade geformt ist. Hier ist es besser, ein Stativ zu nutzen und das Mikrofon von oben schräg auf die Klappen zu richten.

Mikrofonierung von Instrumenten, hier die Querflöte © Shutterstock

Soll ein Saxophon mit einem Mikrofon auf einem Stativ mikrofoniert werden, zeigt je nach Klangvorstellung die 0°-Richtung entweder auf die Klappen oder auf die Stürze. Im ersten Fall überwiegt der Schallanteil der Klappen, während der Schallanteil aus der Stürze eher seitlich auf das Mikrofon trifft und damit etwas weniger präsent ist. Im zweiten Fall ist es umgekehrt. Was man bevorzugt, hängt von der Spielweise des Saxophonisten und dem Musikstil ab. Rock-Saxophonisten mikrofonieren auf der Bühne meistens näher an der Stürze. Das hat nicht zuletzt auch mit der Bühnenlautstärke zu tun. Gute Mikrofone für Saxophon und Klarinette sind erneut das Sennheiser MD441 und MD421. Als Clip-Mikro kommt zum Beispiel das Kondensatormikrofon AKG C519 ML in Frage.

Beide Mikrofone eignen sich auch gut für die Abnahme einer Querflöte. Für die Querflöte kann man sowohl auf dynamische Mikrofone wie Kondensatormikrofone zurückgreifen. Während im Studio meistens ein etwas größerer Abstand für ein natürliches Klangbild bevorzugt wird, muss man auf der Bühne meistens nah an das Instrument heran. Eine gute Position ist leicht unter dem Mundstück zu finden. So erreicht der Luftstrom, wenn der Spieler über die Kante des Mundstücks bläst, nicht direkt das Mikrofon. Ein Windschutz kann helfen, sollte das Anblasgeräusch unerwünscht laut sein.

Mikrofonierung Mundharmonika

Nicht nur für Blues Brothers, Bob Dylan und Springsteen Cover Bands ein wichtiges Instrument, stellt die Mundharmonika kaum Ansprüche an das Mikrofon. Da oft der Sänger der Band auch zugleich der Mundharmonikaspieler ist, wird einfach das jeweilige Gesangsmikrofon genutzt. Der Spieler umschließt dabei in der Regel den Mikrofonkorb mit den Händen. Möchte man einen etwas dreckigeren Blues Sound, nutzt man das Shure 520 DX – die „Fahrradlampe“.

Instrumente-mikrofonieren-Shure 520 DX Mikrofon

Das Shure 520 DX wurde speziell für die Nutzung mit der Mundharmonika entwickelt. Es wird gemeinsam mit der Mundharmonika mit den Händen umschlossen und gehalten

Mikrofonierung Streichinstrumente

Mikrofonierung Violine

Die Violine wird oft bei Folk-Bands gespielt und kommt deshalb im Beschallungsalltag immer mal wieder vor. Viele Violinisten, die regelmäßig auf Bühnen unterwegs sind, nutzen eigene Tonabnehmer- oder Mikrofonsysteme, die fest an der Violine angebracht sind. Kommt man dennoch in die Situation, eine Violine selbst mikrofonieren zu müssen, ist wichtig zu wissen, dass der Klang vorwiegend über die Decke des Instruments abgestrahlt wird. Wird ein Mikrofon auf einem Stativ genutzt, sollte dieses mit etwas Abstand von schräg oben auf die Decke des Instruments ausgerichtet werden. Da das aber den Bewegungsdrang des Musikers auf der Bühne stark einschränkt, greift man besser zu spezialisierten Clip-Mikrofonen wie dem the t.bone Ovid Violin Bundle oder dem teureren DPA 4099 Core Violin. AKG hat mit dem AKG C 411 PP auch ein Miniaturmikrofon im Programm, welches allerdings per Klebemasse angebracht werden muss. Nicht jeder Musiker wird das befürworten.

Mikrofonierung von Instrumenten: Die Violine strahlt ihre Haupt-Klangbestandteile über die Decke ab                   © Shutterstock

Mikrofonierung Kontrabass/Cello

Auch der Kontrabass, der in vielen Musikrichtungen nach wie vor gerne auf der Bühne genutzt wird, strahlt den Großteil des Schalls über die Decke ab. Normalerweise setzt sich der Klang dabei aus den Bestandteilen, die vom Boden reflektiert werden und denen, die den Hörer direkt erreichen, zusammen. Auf der Bühne kann der vom Boden reflektierte Schall vernachlässigt werden, da wir sehr nah mikrofonieren müssen. Hier bieten sich erneut Clip-Mikrofone an. Das Mikrofon wird nahe der Decke am Steg positioniert. Dort kann auch das Kabel gefahrlos durchgeführt werden, ohne dass es stört. Es können die gleichen Clip-Mikrofone wie bei der Violine verwendet werden. Gleiches gilt für das Cello. Da die meisten Cellisten auf der Bühne allerdings sitzen, kann auf leiseren Bühnen hier auch ein Mikrofon auf einem Stativ genutzt werden. Es wird im Abstand von 30 bis 50 Zentimeter auf die Decke des Instruments gerichtet.

Es lohnt zur Mikrofonierung von Instrumenten immer, eine gewisse Auswahl von klassischen Mikrofonen vorzuhalten © Shutterstock

Mikrofonierung Sonstige Audioquellen auf der Bühne

Es gibt sicherlich noch eine Fülle weiterer Instrumente, denen man irgendwann mal auf einer Bühne begegnet. Ausgeklammert habe ich in der Betrachtung Instrumente, die heutzutage üblicherweise durch elektronische Versionen ersetzt werden: Klavier und Flügel. Auf lauteren Bühnen sind beide Instrumente ohnehin sehr problematisch, da für einen natürlichen Klang etwas Abstand benötigt wird. Zwar gibt es Mikrofonsysteme, die zum Beispiel bei einem Flügel im geschlossenen Deckel montiert werden können, die Kapseln sind dann aber nahe an den Saiten und es fehlt an Klangfülle und Natürlichkeit. Auf lauten Bühnen wäre zudem das Übersprechen sehr hoch. Aus diesem Grund sieht man heutzutage dann selbst bei großen Konzerten zwar ein Klavier oder Flügel stehen, im Hintergrund werkelt aber ein über MIDI angesteuerter Klangerzeuger. Das ist zum Beispiel bei Roy Bittan von Bruce Springsteens E Street Band so oder auch bei Billy Joel. Oder es wird nur das Gehäuse genutzt und statt Flügeltastatur und Mechanik steht ein Stagepiano im nun leeren Tastaturschacht.

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Fazit

Bühnenmikrofonierung unterscheidet sich im großen Maße von der Studiomikrofonierung. Steht im Studio entweder eine möglichst natürlich Reproduktion des Instrumentenklanges oder die Klangformung mit Mikrofonen und dem Raum im Vordergrund, ist es auf der Bühne eher ein pragmatischer Ansatz, der in erster Linie von Themen wie Übersprechen oder Rückkopplungsverhalten diktiert wird. Mikrofonierung im Nahbereich ist wesentlich häufiger und wichtiger als im Studio. Klangformung findet am Mischpult und mit Instrumenten statt, nicht durch die perfekte Mikrofonposition. Klangformung auf der Bühne beschränkt bei vielen Instrumenten in der Regel auf die Auswahl des Mikrofonmodells. Zeit zum Experimentieren ist zudem durch kurze Aufbau- und Soundcheck-Zeiten kaum vorhanden. Genommen wird, was im Mikrofonkoffer vorhanden ist oder sich bewährt hat. So sind die hier gemachten Vorschläge auch eher allgemein gehalten und geben Einsteigern in die Thematik einen ersten Überblick. Für weitere Informationen zum Thema Mikrofonierung empfehle ich die vielen detaillierten Mikrofontests auf AMAZONA.de, Fachliteratur und Videos bei YouTube.

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Forum
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    mdesign  

    wenn hier nicht jeder praktiker noch einen tipp findet, weiß ich auch nicht. schöner artikel!

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