Special: Netbooks als mobiles Musikstudio und was man dazu braucht.


Machinedrum EEE

Bei einer reinen Synthesizer-Lösung wird es u.U. etwas komplizierter. Produziert man einen „typisch elektronischen“ Track mit professioneller Absicht auf seinem Netbook, will man im Regelfall ja alles live bis zum Endmix unter Kontrolle haben. Daher will man meist nicht aufnehmen und alle Synthesizer bis zum Mix eben in Echtzeit betreiben. Hier kommt man mit der Rechenleistung noch schneller an die Grenzen und sollte nicht zu viel erwarten. Am besten, man setzt hier wie bei Electrons Monomachine einfach auf Monophonie: ein paar kleine Synthesizer mit großem Sound wie etwa Fabfilter One, ältere N.I.-Synths wie den Pro-53 oder den gediegenen Linplug Albino im resourcensparenden Mono-Modus oder einen der Freeware-Synthesizer, die weiter unten angepriesen werden.

Eine echte Alternative ist auch Sampletank, der neben Synthesizern auch viele echte Instrumente mimt und zum Klangverbiegen ebenfalls geeignet ist (siehe unten). Dazu kommt ein simples Drum-Plug-in wie Battery oder ein integrierter einfacher Sampler, wie ihn viele kleine Hosts bieten. Ideal sind hier sehr leichte und damit auch auf den trägen Netbooks schnell startende Sequencer mit Fokus auf Synthesizer/Produzieren. Gelungen ist der – Doppelkerne leider nicht unterstützende – modulare Host Energy XT (Shareware, 60 €), der auch modular konzipierte Muzys-Nachfolger Mu.Lab (Shareware, je nach Ausbau „für lau“, 25 oder 75 €) mit eigenem tollen Synthesizer oder als gehobene Lösung (wieder) Studio One von Presonus (um die 200 €). Auch relativ resourcenschonend ist Ableton Live. Die mittlerweile recht häufig als Beigabe zu findenden LE-Version oder das neue, weniger eingeschränkte Live Intro (um die 100 €) sind live oder fürs Experimentieren ideal, machen aber auch als Haupt-DAW Spaß: nicht umsonst einer der Standards. Sehr gelungen ist daneben auch Renoise (Shareware).

Per se eher Sampler als Sequencer ist das mittlerweile zum Kultstatus avancierte Shareware-Programm in Trackeroptik auch eine echt leistungsfähige DAW und eigentlich etwa so livefähig wie Ableton Live selber. Und dazu hat es eben einen witzigen Maschinen-Charm, der mit Hexadezimalzahlen und wirr-grauer Maschinenoptik etwas an die Electron-Geräte wie Machinedrum selber erinnert und damit auch für live einen „coolen Hingucker“ bietet. Da es auch einen Sampler (mit Soundfont/Akai-Support) echtes Recording, eigene gute und resourcenschonende Plug-ins und praxisnahe Steuerung alles Möglichen per Keyboard oder anderen Controllern bietet, mausert sich Renoise gerade auch live zur gut nutzbaren und dank sehr ordentlicher Programmierung auch für DAWs ungewöhnlich stabilen Beatbox. Nur an das patternbasierte Trackerprinzip muss man sich gewöhnen.

Der Tracker in Renoise

Der Tracker in Renoise

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Netbooks kann man fürs reine Recorden auf jeden Fall verwenden. Da geht es nur um den Datendurchsatz und die Latenz der Netbook/Interface-Kombi spielt dann auch keine Rolle. Ein konkretes Fallbeispiel für die Live-Verwendung fehlt leider in dem Artikel. So etwa: Mit dem Netbook A konnte mit Plugin X und Interface Y ohne Ruckler und sonstige Aussetzer mit der Latenz Z gespielt werden. Bei Notebook B hingegen….

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      c.knapp  AHU

      Ja, aber das macht so erstmal wenig Sinn – es geht hier 80% um die CPU. Bei einem Atom sind die Optionen damit gleich wie beim Rekorden (s.o.), bei Dualcores etwas gehobener, bei den AMD Mobile-Dualcore ist Leistung und damit eben auch Latenz nicht ganz so problematisch. Von der ersten Generation der Asus EEE muss abgeraten werden – aber das sollte jedem klar sein. An sich geht aber niedrige Latenz, sofern man nicht wirklich resourcenintensive Synthies neuerer Bauart wie Synth Squad will.

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    Son of MooG  AHU

    Mit meinem Samsung NC-10, Motu MIDI Express 128, M-Audio Midisport 2*2 und Cakewalk Sonar LE mache ich das komplette MIDI-Sequencing auf 10 Ports. Außerdem laufen darauf noch diverse Editor-Programme. Für Audio-Aufnahmen benutze ich jedoch lieber mein Zoom R16 im Recordermodus. Reaper und Samplitude SE 9 gehen zwar auch irgendwie, aber nur, wenn nichts anderes läuft. Um sich mal ein paar Spuren zu importieren und komfortabler trimmen zu können, reicht’s, mehr sollte man nicht erwarten.

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    orpheus2006

    Tipp: vielleicht etwas schwerer, aber nicht unbedingt teurer und leistungsfähiger kann ein gebrauchtes Notebook sein. So bekommt man z.B. ein Thinkpad T60 oder T61 mit Core2Duo, schneller 7200rpm Festplatte und SXGA+ Display (1400x1050px) für unter 300€. Das T60 bietet sowohl PCMCIA und ExpressCard Slots sowie mehrere USB2.0 Anschlüsse. Die gebrauchten T60/T61 sind nicht selten wenig genutzte Leasing-Notebooks, super stabil und lassen sich leicht per Factory-Reset auf einen quasi unbenutzten Zustand zurücksetzen. Der Lüfter ist ultraleise, ein ideales Musik-Notebook.

    Bei den Software-Instrumenten sind noch folgende Produkte nennenswert: Pianoteq, ein erstklassiges auf Physical Modelling basiertes, dynamisch spielbares Piano/E-Piano und/oder der Z3ta+ 2, die ultimative Sound-Engine für Dance/Trance/Elektro. Beide Instrumente sind jeweils für ca. 80 EUR zu haben.

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