Special: Netbooks als mobiles Musikstudio und was man dazu braucht.


Soft- und Freeware

Was braucht man noch? Natürlich Mikrophone (gäbe es auch mit Direkt-USB-Anschluss, sind dann aber meist nur Podcast-fähige 16 Bit und daher hier nicht weiter berücksichtigt), Kabel, Monitore und oder Kopfhörer und etwas Software drum rum. Neben einem WAV-fähigen Audioeditor (etwa Wavosaur, siehe Links) und Sounds sicher noch ein paar Plug-ins mehr. Hier kann das Arsenal mit etwas Freeware aufgestockt werden, deren Resourcenhunger unter Umständen gering ist. Daher hier noch ein paar Tipps für diejenigen, die suchen. Zuerst einige Instrumente: Jeskola XS-1 war mal kommerzielle Shareware und ist der beste (Soundfont-) Sampleplayer, den es je gab, denn er braucht sehr wenig CPU und klingt. Bojo’s Organ One, ebenfalls eine alte Ex-Shareware, ist eine sehr gelungene Orgel mit moderatem Resourcenhunger.

Quasi die B-53 für Arme. Iblit war einer der Favs unserer alten Freeware-Reihe und ist mit sehr gelungenem Quasi-Analogsound und niedrigem Resourcenbedarf ein wahrer Tipp für Liebhaber monophoner Synthesizer. Seine Poly-Variante kann mehr, braucht aber auch mehr CPU. Ähnlich gut ist Ichiro Todas Synth1, sicher kein echter Unbekannter mehr. Er emuliert einen Nordlead so gut, dass er nach Jahren sogar nach OS X portiert wurde, und es gibt Tausende von Presets. Analog Warfare ist in seiner ersten Variante auch ein guter „Analoger“ mit mäßigem Ressourcenhunger und recht ansprechender Optik. Ähnliches gilt für den irgendwie sehr gelungen iloSynth1, prinzipiell ein einfacher (virtueller) Analoger. Dank toller Presets spielt er sich gut, und optisch ist er angenehm. Sync Modular war der Reaktor-Vorläufer und ist mittlerweile dank der Generosität von Native Instruments Freeware. Er bietet viele Ensembles und auch einige tolle Effekte und einen schönen Grundsound und braucht wenig CPU-Leistung. Außer Freeware gibt es noch ein paar erwähnenswerte Shareware-Sachen.

Fast vergessener Softsynth aus Island: Kiesel Helga

Fast vergessener Softsynth aus Island: Kiesel Helga

Ein unbekannte Schatz ist etwa Kiesel Helga, der jetzt – nach mehreren Jahren Verschwinden – wieder aus seinem Heimatland Island online gekauft werden soll. Empfehlenswert für jeden, der etwas sehr schön Klingendes als Ersatz für (Oberheim…) Hardware im Netbook sucht, denn Helga ist optisch ansprechend, ordentlich bedienbar und auch auf kleineren Displays lesbar. Er braucht mehr CPU als Synth1, klingt dafür eben analog und ist mit 90 € auch verhältnismäßig bezahlbar. Von Linplug kennt man ja den Free Alpha, der wegen etwas zu zahmen Sounds immer eher eine Nebenrolle spielt.

Viel besser ist das eben wiederveröffentlichte Element P, das für eigentlich sehr wenig Geld (39 €) tollen FM-Sound bietet und viel mehr ist als ein gelungenes Drum/Percussion-Plug-in. Ähnlich toll ist ist Drumular von dem Entwickler von Iblit, dessen polyphonem Bruder und ein paar hier sinnvollen Sachen – wie einer Freeware-Drummaschine – mehr. Mit sehr wenig Rechenleistung bietet das günstige Shareware Plug-in (39$) mit Minimaloptik nämlich eine modularen Drumsynthesizer mit Drumsampler mit 16 Velocity Levels, additiven und analogen Drumsynths und einfachem analogem, gut klingendem Bass-Synthesizer. Keine Shareware, aber hier noch erwähnenswert ist der einst als Hardware-Rack aufgelegte Attack von Waldorf. Das sowohl als Drummodul wie als einfacher-aber-edler Synth zu gebrauchende Plug-in ist nach wie vor quasi Standard und selbst auf aktuellen Produktionen immer wieder zu hören. Er ist im Bundel mit dem recht gelungenen alten PPG Wave-Plug-in und einem eher beißenden Waldorf-Filter als „The Waldorf Edition“ im Fachhandel sehr günstig (49 €) zu bekommen, braucht aber auch meist etwas mehr an Leistung als seine neuen „Nachbauten“. Trotzdem der Tipp dieser Rubrik, denn definitiv geeignet für eigentlich jeden.

VST-Variante eines bekannten Effekts: Tal Chorus 60

VST-Variante eines bekannten Effekts: Tal Chorus 60

Bei Effekten gibt es eine Menge. Zentral für jedes Setup sind ja Channelstrip bzw. EQs und Kompressoren. „Frei“ gibt es hier einige Möglichkeiten, aber nur weniges ist wirklich effizient und klanglich sauber. Daher sind hier vor allem alte Klassiker relevant. Blockfish ist ein feiner Freeware-Kompressor mit eigenem Sound, den es jetzt auch als AM-Track in einer verbesserten Variante von und für Samplitude (und VST) gibt. Den VB-Channelstrip kennt niemand, obwohl er verblüffend gut klingt, und er so alt wie frei ist. Das liegt wohl an der sperrigen Optik nach Art eines echten Mischpult-Channelstrips, die sich auf Netbooks mit ihrem eingeschränkten Display schnell verheddern kann. Etwas unpraktisch, aber trotzdem ein Tipp, denn wenn er läuft, ist der Resourcenbedarf winzig, und der Klang gut. Die Plug-in-“Suite“ von MDA ist so alt, dass sie längst jeder einmal auf der Festplatte hatte. Da einiges recht ordentlich ist (der Multibandkompressor, das Delay, oder der Ampsimulator), sollte sie auch auf der SSD des Netbooks ein gemütliches Plätzchen finden.

Selbiges gilt auch für die Sachen von TBT, dessen „Saturated Driver“ als Zwischending zwischen Amp und Leveller prima Röhrensound bietet und dessen andere Plug-ins ebenfalls überzeugen. Bei den Modulations- und Halleffekten ragt der ANWIDA Reverb Light wegen geringem Resourcenhunger heraus, Togu Audio Line (TAL-Reverb)bietet hier besseres, aber der CPU-Preis ist leider deutlich höher. Dafür findet sich bei Letzterem eigentlich alles andere, von tollen Dub-Delay bis zu einem echt tollen Chorus. Für viele die moderne Alternative zu MDA, ist die freie VST-Plug-in Sammlung von Cockos für Reaper und andere Hosts. Hier findet sich alles Nötige wie EQ oder Compressor, aber auch Weiterführendes wie ein Multibandkompressor. Definitiv sehr gelungen, wenn auch mit etwas mehr Resourcenhunger als einst bei MDA. Neben solcher Freeware gibt es hier auch Shareware, aber das Meiste ist wegen hohem CPU-Hunger hier leider eher irrelevant (natürlich nur, sofern man sein Netbook nicht als Edel-Multieffekt einsetzt). Als Hall zu empfehlen ist 112 dBs Redline Reverb, der durch guten Sound und wenig CPU überzeugt.  Neben Waves Musicians Bundles die einzig sinnvolle und bezahlbare Variante für Channelstrips der edleren Kategorie ist meines Wissens Wavearts Trackplug (149 €), das gut klingt, bedienbar bleibt und sehr wenig CPU braucht. Ganz sicher ein Tipp, und für manche auch der „Channelstrip des Lebens“.

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Netbooks kann man fürs reine Recorden auf jeden Fall verwenden. Da geht es nur um den Datendurchsatz und die Latenz der Netbook/Interface-Kombi spielt dann auch keine Rolle. Ein konkretes Fallbeispiel für die Live-Verwendung fehlt leider in dem Artikel. So etwa: Mit dem Netbook A konnte mit Plugin X und Interface Y ohne Ruckler und sonstige Aussetzer mit der Latenz Z gespielt werden. Bei Notebook B hingegen….

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      c.knapp  AHU

      Ja, aber das macht so erstmal wenig Sinn – es geht hier 80% um die CPU. Bei einem Atom sind die Optionen damit gleich wie beim Rekorden (s.o.), bei Dualcores etwas gehobener, bei den AMD Mobile-Dualcore ist Leistung und damit eben auch Latenz nicht ganz so problematisch. Von der ersten Generation der Asus EEE muss abgeraten werden – aber das sollte jedem klar sein. An sich geht aber niedrige Latenz, sofern man nicht wirklich resourcenintensive Synthies neuerer Bauart wie Synth Squad will.

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    Son of MooG  AHU

    Mit meinem Samsung NC-10, Motu MIDI Express 128, M-Audio Midisport 2*2 und Cakewalk Sonar LE mache ich das komplette MIDI-Sequencing auf 10 Ports. Außerdem laufen darauf noch diverse Editor-Programme. Für Audio-Aufnahmen benutze ich jedoch lieber mein Zoom R16 im Recordermodus. Reaper und Samplitude SE 9 gehen zwar auch irgendwie, aber nur, wenn nichts anderes läuft. Um sich mal ein paar Spuren zu importieren und komfortabler trimmen zu können, reicht’s, mehr sollte man nicht erwarten.

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    orpheus2006

    Tipp: vielleicht etwas schwerer, aber nicht unbedingt teurer und leistungsfähiger kann ein gebrauchtes Notebook sein. So bekommt man z.B. ein Thinkpad T60 oder T61 mit Core2Duo, schneller 7200rpm Festplatte und SXGA+ Display (1400x1050px) für unter 300€. Das T60 bietet sowohl PCMCIA und ExpressCard Slots sowie mehrere USB2.0 Anschlüsse. Die gebrauchten T60/T61 sind nicht selten wenig genutzte Leasing-Notebooks, super stabil und lassen sich leicht per Factory-Reset auf einen quasi unbenutzten Zustand zurücksetzen. Der Lüfter ist ultraleise, ein ideales Musik-Notebook.

    Bei den Software-Instrumenten sind noch folgende Produkte nennenswert: Pianoteq, ein erstklassiges auf Physical Modelling basiertes, dynamisch spielbares Piano/E-Piano und/oder der Z3ta+ 2, die ultimative Sound-Engine für Dance/Trance/Elektro. Beide Instrumente sind jeweils für ca. 80 EUR zu haben.

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