„Der direkte Zugang zur Musik steht im Vordergrund.“
Seit vielen Jahren gehört Mark Verbos zu den spannendsten Entwicklern der Modularszene. Auf der Superbooth 2026 haben wir mit dem Gründer von Verbos Electronics über seine Anfänge als Techno-Musiker, die Arbeit an alten Buchla-Systemen und seine Sicht auf moderne Instrumente gesprochen. In diesem spannenden Gespräch wurde schnell deutlich, dass für ihn nicht die Funktionen oder die Technik im Vordergrund stehen, sondern vor allem der direkte und kreative Zugang zur Musik.
Worum geht es? Interview mit Mark Verbos über seine musikalischen Wurzeln, die Firma Verbos Electronics und seine Sicht auf modulare Synthesizer.
- Hintergrund: Mark Verbos verbindet Techno, Live-Improvisation und seine Erfahrung mit Vintage-Buchla-Systemen.
- Philosophie: Bei Verbos Electronics steht der direkte musikalische Zugang vor versteckten Funktionen und Presets.
- Entwicklung: Neue Module entstehen aus konkreten musikalischen Ideen und sollen live intuitiv spielbar bleiben.
- Handarbeit: Verbos Electronics fertigt in Berlin mit hohem Aufwand und klarem Fokus auf Qualität und Ausdruck.
- Ausblick: Für Mark Verbos zählt in der elektronischen Musik vor allem der kreative Prozess, nicht das schnelle Ergebnis.
Inhaltsverzeichnis
Das Interview mit Mark Verbos gibt es auch als Video:
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Musikalischer Hintergrund von Mark Verbos
Gereon:
Wir befinden uns auf der Superbooth 2026 in Berlin und sitzen hier mit mit Mark Verbos. Hallo Mark, schön, dich kennenzulernen. Danke, dass du dir Zeit für uns nimmst. Für alle, die dich noch nicht kennen. Magst du dich kurz vorstellen und erzählen, wie du dazu gekommen bist, eigene Instrumente zu bauen?
Mark Verbos:
Mein Name ist Mark Verbos, ich bin ein US-amerikanischer Musiker, Synthesizer-Designer, Ingenieur – ich bin mir nicht ganz sicher, all diese Dinge – und lebe derzeit in Berlin. Mein Unternehmen Verbos Electronics ist bekannt für die Entwicklung von Ideen für interfacegesteuerte modulare Synthesizer. Meine langjährige Erfahrung liegt in der Techno-Musik und der Improvisation bei Live-Auftritten und im Bereich der Synthesizer, insbesondere bei Buchla-Instrumenten, die schon sehr lange zurückreichen. Daher schöpfe ich viele Ideen aus dem, was manche als „West Coast Synthesis“ bezeichnen.
Mein Konzept des Instrumentendesigns basiert auf einer interface-orientierten Herangehensweise oder einem musikerorientierten Design. Außerdem kombiniere ich die Ideen aus meiner Erfahrung mit Live-Auftritten, dem Produzieren von Techno-, Ambient- und Electro-Musik sowie meiner Erfahrung mit den Vintage-Buchla-Instrumenten und der unterschiedlichen West-Coast-Philosophie im Umgang mit elektronischer Musik oder modularen Systemen.
Ich denke, was die Marke so besonders macht, ist die spezifische Kombination dieser auf den ersten Blick unverbundenen Prinzipien, die sich im Laufe der über 30 Jahre, in denen ich mich mit diesen Dingen beschäftige, so vermischt haben, dass in den 1990er Jahren niemand, der Techno-Musik machte, wirklich eine Ahnung von Modularsystemen hatte – geschweige denn von Buchla, Surge oder ähnlichen Systemen.
In den letzten 20 Jahren hingegen, mit dem Aufkommen von Eurorack und der zunehmenden Verbreitung modularer Systeme in dieser Szene, fangen diese Dinge an, sich zu verbinden und ich glaube, es ist eine ganz besondere Zeit für mich, dass diese Dinge, die früher unverbundene Teile meines Lebens waren, nun zusammenlaufen, sich überschneiden und Teil desselben Ganzen sind.
Mark Verbos‘ Weg zur eigenen Firma
Gereon:
Als du auf die Idee kamst, vom Musiker zum Instrumentenbauer zu werden: Gab es einen bestimmten Tag oder eine bestimmte Sache, die dich dazu gebracht hat?
Mark Verbos:
Ich würde nicht von einem bestimmten Tag sprechen, aber ich war von Anfang an Musiker. Ich habe mit fünf Jahren angefangen, Geige zu spielen und in der Schule habe ich verschiedene Instrumente gespielt und mich auf diese Weise weiterentwickelt. Und als ich dann ein junger Teenager war, habe ich Musik aufgenommen und Gitarre gespielt. Ich hatte eine Band gegründet, für die wir aber keinen Schlagzeuger finden konnten. Also habe ich mir eine Drum-Machine zugelegt und diese Ideen miteinander kombiniert. Und schließlich entwickelte sich daraus die Produktion elektronischer Musik, vor allem, weil ich keine anderen Leute fand, mit denen ich zusammenarbeiten konnte.
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Die Entwicklung war so, dass ich als Teenager elektronische Musik machte und alte Synthesizer sammelte, weil man damit Techno-Musik machen konnte. Und das Interesse an Elektronik entstand eigentlich nur aus dem Wunsch heraus, diese Synthesizer zu reparieren. Und dann hatte ich das große Glück, einige Mentoren zu haben, die mir viele Dinge beibrachten, die sie selbst im Laufe der Zeit gelernt hatten. Als ich die High School abgeschlossen hatte, besuchte ich dann die Universität Full Sail in Florida.
Reparatur von Buchla-Instrumenten
Ich habe eine Ausbildung zum Tontechniker absolviert. In dieser Ausbildung musste ich mich mit Grundlagen der Elektronik, der Wartung von Studioanlagen und der Fehlerbehebung vertraut machen. Ich lernte, Schaltpläne zu lesen und ich lernte, Geräte bis zu einem gewissen Grad zu reparieren. Gleich nachdem ich diesen Kurs abgeschlossen hatte, traf ich einen Mann namens Grant Richter, der damals in der Welt noch ziemlich unbekannt war – damit meine ich, dass es Mitte der 1990er Jahre weltweit noch keine richtige Community für diese Dinge gab, weil es keine Vernetzung gab.
Aber er war – wenn man in den 1980ern oder frühen 1990ern ein Vintage-Buchla-Instrument kaufte – damals der Einzige, der sie reparieren konnte. Und so besaß er eines der großen Buchla-Instrumente, das in den 1970ern von CalArts stammte, wo Morton Subotnick mit diesem Instrument „Sidewinder“ und mehrere seiner Alben aufgenommen hatte.
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Das bedeutete also, dass ich schon in diesem jungen Alter, mit 18 oder so, die Gelegenheit bekam, einige der modularen Instrumente zu benutzen, von denen ich dachte, ich würde sie nie zu Gesicht bekommen – Buchla-Instrumente zum Beispiel oder den Surge, den er hatte und unseren [ARP] 2600 und all diese Dinge. Ich durfte diese Geräte also bei ihm zu Hause ausprobieren, aber wenn jemand ein kaputtes Buchla-Instrument hatte, schickte er es ihm zur Reparatur.
Also lernte ich von ihm, welche Reparaturen er durchführte und er hatte alle Unterlagen dazu. Dann, so um 2004 oder 2005, wollte er eigentlich keine Vintage-Instrumente mehr für andere reparieren. Er hatte das Gefühl, dass der Druck zu groß wurde, da die Geräte immer wertvoller wurden jemand fragte: „Glaubst du, Mark könnte das übernehmen?“ Und er sagte: „Ja, das ist eine großartige Idee.“
Und ich war jung und dumm genug, um mir keine Gedanken darüber zu machen, ob das ein Risiko war. So wurde ich damals sozusagen zum ersten Ansprechpartner für Reparaturen an alten Moog-Instrumenten. Das passierte also zur gleichen Zeit, als ich beruflich als Toningenieur arbeitete, Techno-Platten produzierte und um die ganze Welt reiste, um Live-Auftritte zu spielen. Ursprünglich hatten diese Bereiche nichts miteinander zu tun, aber mit der Zeit fügten sie sich so zusammen, dass sie alle Teil derselben Geschichte wurden.
Mark Verbos als Musiker und Entwickler
Gereon:
Wenn du neue Module und Instrumente entwickelst, hast du dabei noch die Perspektive eines Musikers im Kopf?
Mark Verbos:
Ja, denn ich trete auch immer noch live auf, ich mache immer noch Musik. Wenn ich also eine Idee habe, was ich machen könnte, dann ist es genau diese Idee, die ich umsetzen möchte. Ewas, das ich wirklich interessant finde. Und wenn ich das dann weiterentwickle, denke ich mir: „Wenn ich das nutzen möchte und wenn ich darin Möglichkeiten sehe, muss es doch auch andere Leute geben, die das genauso sehen.“

„Also stelle ich mir gerne vor, wie man diese bestehenden Konzepte besser angehen könnte.“ – Mark Verbos
Und ich bringe diese über 30-jährige Erfahrung im Einsatz elektronischer Instrumente für Live-Improvisationen mit, diese Philosophie, wie ich sie nutzen möchte und den Einfluss, den die Arbeit mit vielen anderen Synthesizern hatte, bevor ich anfing, meine eigenen zu bauen. All das habe ich als meine Intuition dafür genutzt, was ich für eine interessante Idee halte.
Natürlich gibt es nichts Neues unter der Sonne. Alles, was wir wirklich haben, sind neue Wege, uns den bestehenden Konzepten zu nähern. Also stelle ich mir gerne vor, wie man diese bestehenden Konzepte besser angehen könnte. Dann baut der Designprozess auf folgender Grundlage auf: Nicht nur etwas zur tun, das interessant klingt, sondern etwas Interessantes zu tun, das vielleicht auf eine Idee oder einem Patch basiert, das ich aus vielen vorhandenen Modulen zusammenstellen konnte. Aber es geht darum, dieses Patch so zu gestalten, dass ich es vor Publikum nutzen könnte, ohne sagen zu müssen: „Wartet mal, wartet mal alle.“, während ich herausfinde, wie es funktioniert.
Es geht darum, sich diesen Ideen auf einer Weise zu nähern, die weder mit Experimentieren noch mit meinem technischen Verstand zu tun hat, sondern sich einfach auf den kreativen Prozess des Schaffens zu konzentrieren, musikalische Ideen auszudrücken und diese kraftvollen Ideen – wie technische Ideen oder diese kraftvollen Syntheseideen – zu nutzen. Aber auf eine Weise, die sie leicht zugänglich macht, sodass die Kunst nicht darin besteht, dass man es geschafft hat, das Patch zum Laufen zu bringen. Die Kunst ist die musikalische Idee, die man hatte und das hier ist nur das Instrument, um dorthin zu gelangen.
Mark Verbos’ Philosophie
Gereon:
Wenn du dir heutige Synthesizer anschaust. Wo siehst du Dinge, die sich weniger musikalisch anfühlen?
Mark Verbos:
Für mich ist es wirklich wichtig, dass aufgrund dieser Philosophie mein Fokus darauf liegt, diese Ideen live präsentieren zu können und sie umzusetzen. Ich mag es, wenn alles auf dem Bedienfeld zu finden ist und wenn alles nach dem Motto „Ein Regler, eine Funktion“ läuft. Ich interessiere mich nicht für Presets, ich interessiere mich nicht für versteckte Funktionen und ich interessiere mich nicht für Software-Easter-Eggs. Man hält diesen Knopf gedrückt, während man das Gerät einschaltet und dann verwandelt es sich in einen Filter. Dafür gibt es in meiner Welt keinen Platz.
Gereon:
Aber wie entscheidest du denn, was in ein Modul gehört und was bewusst weggelassen wird?
Mark Verbos:
Ich glaube, ich muss diese Entscheidung gar nicht treffen, weil es für mich intuitiv ist. Denn mein gesamter Prozess der Ideenfindung basiert auf der Frage: „Wäre es nicht cool, wenn…“. Und ich denke, eine meiner Stärken ist die Erfahrung mit einer Vielzahl unterschiedlicher Instrumente, insbesondere mit Vintage-Instrumenten. Wenn mir eine Idee kommt, gibt es, wie ich bereits sagte, nichts Neues unter der Sonne. Wenn ich sage: „Ich möchte eine Pitch-Tracking-Funktion.“, nun, welche Pitch-Tracker gab es bisher in Synthesizern? Und wie wurden sie umgesetzt?
Ich schaue mir das an, nicht weil ich sie kopieren will oder weil ich die Idee klauen will, sondern weil ich weiß, dass dieses Gerät hier wirklich gut funktioniert hat. Aber ich weiß auch, dass dieses andere Instrument dafür bekannt war, nicht so gut zu funktionieren. Also schaue ich mir an, was sie richtig gemacht haben und was sie falsch gemacht haben und ich konzentriere mich darauf, wie der Nutzer damit interagieren wird oder wie ich damit interagieren werde.
Aber was die Technologie angeht, ist meine Strategie, dass ich darüber nachdenke, wie sie genutzt wird oder wie ich sie nutzen werde und dann geht es darum, die Elektronik so zu gestalten, dass sie genau das tut. Manchmal macht das die Elektronik viel schwieriger oder führt dazu, dass die gesamte Elektronik aus viel mehr Bauteilen besteht. Manchmal besteht großartige Technik darin, Dinge zu reduzieren, Dinge wegzulassen, es immer einfacher und einfacher zu machen, damit es besser herstellbar ist oder erschwinglicher oder in gewisser Weise kompakter, wenn es auf kleinerem Raum untergebracht werden soll.
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Für mich besteht die größte Leistung aber darin, von der Idee zur Umsetzung zu gelangen, ohne dabei die Musikalität zu beeinträchtigen oder mit technischen Problemen zu kämpfen. Für den Nutzer sollte das Ganze transparent sein. Es sollte wie ein Pinsel sein, mit dem er sein Meisterwerk malen kann, es sollte aber nicht selbst das Meisterwerk sein. Und wenn es so entwickelt worden ist, dass es nur das tun kann, was es tut und der Musiker damit keine Ideen mehr ausdrücken kann, dann ist es auch keine Errungenschaft.
Wie Mark Verbos Ideen Entwickelt
Gereon:
Gibt es denn aktuell ein Instrument oder eine Idee, die du unbedingt noch umsetzen möchtest?
Mark Verbos:
Es gibt eine Menge Ideen. Früher hatte ich buchstäblich eine Liste auf dem Whiteboard in meinem Büro, aber mittlerweile ist es eher eine Liste in meinem Kopf mit Ideen, die mir durch den Kopf gegangen sind. Manchmal dachte ich mir: „Wäre es nicht cool, wenn …“. Aber das sind Ideen, die noch nicht ausgearbeitet wurden, die sich noch nicht konkretisiert haben.
Manchmal schwirren diese Ideen 20 Jahre lang in Diskussionen oder in meinem Kopf herum und dann scheint sich endlich die Gelegenheit zu ergeben, zu der ich eine Idee habe. Oder zum Beispiel hatte ich diese Idee, dass ich einen Event-Generator machen wollte, der eine Art Hüllkurve erzeugt, aber mit ein Anschlag wie beim Gitarre spielen, wenn man von jeder Saite eine eigene Hüllkurvenform bekommt.
Also hatte ich diese Idee von so einem „Strumming“-Hüllkurven-Generator schon seit, ich weiß nicht, 15 Jahren oder so. Aber dann, als ich mich schließlich entschied, wollte ich versuchen, mir vorzustellen, wie das aussehen könnte: Wie würde ich das umsetzen? Wie könnte ich mit diesem Konzept umgehen? Was wäre das? Und dann ist das etwas ganz anderes. Und von dieser Idee bis hin zum polyphonen Hüllkurvengenerator, also diesem Konzept, das schließlich bis zu diesem Punkt entwickelt wurde, könnten auch Jahre vergehen.
Von der Skizze, der Idee oder den Gesprächen mit jemandem, der hier arbeitet oder was auch immer bis man herausfindet, was das sein könnte oder wie man damit arbeiten möchte. Vielleicht komme ich an einen Punkt, an dem ich das Gefühl habe, dass das für mich einfach nicht funktioniert. Ich glaube nicht, dass das eine Idee ist, die für mich funktionieren wird. Also bleibt es dabei.
Und es ist immer noch eine Idee, die weiterlebt und vielleicht kommt mir eines Tages eine andere Herangehensweise in den Sinn. Ich habe also immer noch ein paar solcher Ideen. Aber ich wiederhole einfach den Rat, den mir Don Buchla vor langer Zeit gegeben hat, nämlich: „Erzähl niemals jemandem, woran du gerade arbeitest, denn wenn du dich entscheidest, es nicht zu tun, musst du dir für den Rest deines Lebens die Fragen der Leute dazu anhören.“
Zukunft von Verbos Electronics und der Szene
Gereon:
Wie stellst du dir die Zukunft der elektronischen Musik vor?
Mark Verbos:
Ich finde, die Welt, in der wir gerade leben – ich würde das Wort „interessant“ verwenden, aber ich weiß nicht, ob „interessant“ vielleicht zu positiv klingt. Ich glaube, die Entwicklung der KI und die Entwicklung der Vorstellung, dass jeder alles haben sollte, hat den Dingen in gewisser Weise die Faszination genommen. Als ich damals damit anfing, gab es einfach keine Informationen. Es gab nicht nur keine Informationen darüber, was in Synthesizern steckte, sondern es gab auch keine Informationen über die Musik, die mich interessierte, oder die Kultur, die mich interessierte.
Stattdessen war es so: Man hatte einfach Glück, wenn man zufällig jemanden traf, der einem davon erzählte. Oder wenn man zufällig darauf stieß und wenn man sich für so etwas interessierte, musste man sich eben selbst darum kümmern. Wenn ich also jemanden treffen würde, der sich für die Dinge interessierte, die mich interessierten, dann wäre das eine wahrhaft wundersame Verbindung. Das ist wie eine lebenslange Verbindung zwischen Menschen, denn es war so ein spektakuläres Stück Magie, dass wir uns gefunden haben.
Aber jetzt könnte ich dir eine Band nennen, von der du noch nie gehört hast und du kannst einfach sagen: „Ja, ja.“ Und wenn ich dann auf die Toilette gehe, kannst du Wikipedia aufrufen und alles darüber nachlesen, was es zu wissen gibt. Wenn ich zurückkomme, kannst du mir erzählen, wie sehr du diese Band liebst. Ich finde, dass Reden heute billig ist. Es ist so, als hätte die Welt irgendwann die Idee aufgegriffen, dass es unser Recht ist, alles zu haben, so wie man es früher hatte.
Als ich etwas über Synthesizer und Buchla-Instrumente gelernt habe, gab es kein Bild davon. Herauszufinden, wie es überhaupt aussah, war also schon eine große Sache. Und wenn man sich dann näher damit beschäftigt, fand man heraus, dass er von vielen Instrumenten weniger als zehn Exemplare gebaut hat. Die Chance, jemals eines davon zu sehen oder zu hören, wie es klingt, oder es anzufassen, war also sehr gering. Und die Chance, es zu besitzen, lag bei null.
Es war nicht so, dass ich mir dachte: „Wenn ich wirklich hart arbeite, verdiene ich das Geld dafür“, oder dass wir darüber reden würden, wie teuer es ist. Es spielte keine Rolle, ob es zu teuer war, denn es gab einfach keine Möglichkeit, es zu besitzen.
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Schauen wir 30 Jahre weiter: Wenn wir heute ein Produkt auf den Markt bringen, investieren wir enorm viel Zeit, Mühe und Geld und all diese Dinge, um das zu tun. Wir fertigen in unserer Werkstatt in Berlin und ich entwerfe alles von Grund auf. Wir übernehmen die Bestückung in unserer Werkstatt, wir montieren von Hand und machen all diese Dinge. Und dann beschweren sich die Leute, dass es ihnen zu teuer ist. Aber erstens ist es viel günstiger als alles, was es früher gab. Und zweitens ist es nicht für jeden geeignet. Es ist auch nicht dafür gedacht, für jeden geeignet zu sein. Es wird sehr gezielt und detailorientiert hergestellt.
Es geht also nicht darum, dass jeder es hat und dass man so viele Exemplare wie möglich verkauft. Es soll genau das sein, was es ist. Und der Preis ist so gestaltet, weil die Herstellung eben so viel kostet. Das war eine sehr umständliche Art zu sagen: Ich finde, in der Welt, in der wir heute leben, sind alle Ergebnisse billig. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir jedes Stück Musik, das jemals aufgenommen wurde, zur Hand haben. All das ist alles kostenlos und wir können alle einfach nehmen, nehmen, nehmen.
Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem man sich Musik automatisch und kostenlos erstellen lassen kann. Man könnte also fragen: „Warum sollte ich dieses Instrument kaufen? Es ist teuer, schwer und schwer zu bedienen.“ Und der Grund, warum man es kaufen würde, ist nicht das, was man davon hat. Man würde es nicht kaufen, weil man damit Geld verdienen will. Du würdest es nicht kaufen, weil die Platte, die du darauf aufnehmen wirst, so beliebt sein und dich berühmt machen wird. Der Grund, warum du es kaufen würdest, ist, dass dir der Prozess des Ausdrucks kreativer Ideen wichtig ist.
Und das Einzige, was uns in dieser Welt noch bleibt, woran wir Freude haben können, ist, uns auf Dinge einzulassen, Dinge zu erschaffen und Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Und das können wir nur erreichen, wenn wir uns auf den Prozess einlassen, auf Dinge zugehen, Leidenschaft entwickeln und uns auf Dinge einlassen, anstatt darauf zu achten, was wir aus ihnen herausholen können.
Gereon:
Das war ein schöner Schluss-Satz für ein Interview. Vielen Dank für deine Zeit und für all die Informationen über dich und darüber, wie du von deinen Anfängen bis dahin gekommen sind, wo du heute mit Verbos Electronics stehst. Vielen Dank.
Mark Verbos:
Danke.

























































Danke Gereon und Mark, für diesen spannenden Artikel! 😍
Im Gespräch werden einige Punkte genannt, die ich immer wieder erlebe.🧐
Es liegt zuvorderst an der eigenen Motivation, sich selbst zu entwickeln.
Das Kopieren Anderer und Nutzen von KI bringt vielleicht vorzeigbare Ergebnisse, jedoch entwickelt sich dabei keine intrinsische und damit unabhängige, auch kreative, dynamische Motivation, um Neues zu gestalten.😩
Diese ist jedoch notwendig, um sich auch in „schwierigen Zeiten“ kreativ und autonom zu entwickeln.😇
Diese Motivation des NICHT ZU KOPIEREN wollen ist ein wichtiger Schlüssel für eine nicht voraussehbare Abwechslung und Vielfalt in der Musik.😃👍
@CDRowell Ich denke in Zeiten der kommenden AI Allmacht wir, die selbst kreierte Un-KI-Musik und Performance
an Wichtigkeit zunehmen.
@Dayflight Bei Suno können sich abgefahrene Stücke entwickeln, da steht die KI dem Menschen, nach meiner Erfahrung ziemlich gleichauf. 🥶
Das „menschliche Gefühl“ hinter einem Musikstück wirkt auf mich etwas „menschlicher“, da nicht so „Aalglatt“ wie bei Suno… 😱
Wir werden wohl oder übel noch eniges mitbekommen, was unsere musikalische Wichtigkeit angeht, da stimme ich Dir zu.😇