Synthesizer Know How 5: Additive Synthes in der Praxis

17. September 2003

Soundprogrammierung

Workshop Synthesen

Die Obertöne schlagen zurück!

Warning!!!
Die additives Synthese ist praktisch der Assembler (für Menschen verständliche Version der Maschinensprache eines Prozessors) der Soundprogrammierung, dagegen ist alles andere eine Hochsprache. Trotzdem kann man sich auch bei der additiven Synthese das Leben leichter machen und in Analogie zum Vergleich mit der Maschinensprache ein paar Makros definieren. OK, das war jetzt für Insider…. ;)
Nun die Übersetzung für alle die sich noch nie mit Maschinensprache auseinander gesetzt haben, das dürften wohl für die meisten Leser des Artikels zutreffen. Auch bei der additiven Synthese muss man nicht immer atomar – also auf Basis der Obertöne – seine Klänge basteln, sondern kann in vielen Fällen auch so arbeiten wie ich das im letzten Teil beschrieben habe. Trotzdem wird es nicht einfach werden und wer diesen Artikel gelesen hat wird mit Fug und Recht sagen können dass es jetzt nur noch leichter werden kann ;)

Die Hinweise zum VirSyn Cube musste ich später hinzufügen, da zu dem Zeitpunkt als der Cube das Licht der Welt erblickte dieser Artikel schon zum großen Teil geschrieben war und eigentlich nur noch die Beispiele fehlten… J
Mit dem Cube wird die additive Synthese wahrscheinlich noch weitere Freunde finden, denn die Benutzeroberfläche vereinfacht das experimentieren mit dieser Form der Klangerzeugung und verhilft auch dem „unbedarften Nutzer“ zu schnellen Erfolgserlebnissen…
Während ich diesen Artikel schreibe wurden mit discoDSPs Vertigo und dem Camel Audio CA5000 weitere additive Softwaresynthesizer angekündigt, die ich in diesem Artikel leider nicht mehr berücksichtigen kann.

Für was brauche ich die additive Synthese?

Selbst wenn man kein stolzer Besitzer eines Kawai K5000, VirSyn Cube, Nord Modular oder Reaktor ist kann einem das grundlegende Verständnis der additiven-Synthese bei der Soundprogrammierung ungemein hilfreich sein, denn man kann sich auf diese Weise das klangliche Resultat mancher Synth-Sessions viel einfacher erklären und schraubt nicht nur hilflos vor sich hin. Daher sollten Leser die keines der oben genannten Synthesizer besitzen nicht gleich mit dem lesen aufhören, zudem kann man vieles von dem hier beschriebenen z.B. auch auf FM-Synthesizer umsetzen. Zwar ist man dabei in den meisten Fällen auf 6 Operatoren beschränkt, trotzdem kann man auf diese Weise seine ersten Versuche starten. Auch Absynth, Rhino und Microwave II/XT/PC User (mit entsprechender Editor Software) können die meisten Beispiele direkt nachvollziehen.

Harmonische und nicht-harmonische Obertöne

Bei den Harmonischen handelt es sich um Sinus Wellen von der die zweite Harmonische die doppelte Frequenz des Grundtons (oder erste Harmonische) besitzt und die darauf folgenden Harmonischen jeweils ein vielfaches der Frequenz des Grundtons belegen. Der Grundton ist ebenfalls eine Sinus-Wellenform aus dessen Frequenz sich die Tonhöhe der resultierenden Wellenform ergibt. Auch spielt die Phasenlage der Harmonischen eine Rolle, Absynth und Rhino (ab v.1.07) User wird der zusätzliche Parameter beim erstellen der User Wellenformen aufgefallen sein. Wobei ich den Parameter der Einfachheit halber ignorieren werde und man davon ausgehen kann dass für diesen Artikel alle Harmonischen mit der gleichen Phasenlage beginnen.
Mit einem praktischen Beispiel wird das Ganze vielleicht etwas deutlicher und kann unter Umständen vorhandenen Klangerzeugern nachgebaut werden.
Ist der Grundton ein Oszillator der einen Sinus in einer bestimmten Frequenz erzeugt so liegt die Frequenz des Oszillators der die zweite harmonische erzeugt genau um eine Oktave höher als die des Grundtons. Die Frequenz des Oszillators mit dem die dritte Harmonische erzeugt wird ist um eine Oktave + reine Quinte oder besser gesagt 19 (12 + 7) Halbtöne höher als der Grundton, während die 4. Harmonische um zwei Oktaven (24 Halbtöne) verschoben ist und sich die 5. Harmonische 28 Halbtöne über dem Grundton befindet. Wie man sieht wird der Abstand in Halbtönen immer kleiner, während jede Harmonische immer ein vielfaches der Frequenz des Grundtons bleibt. Weil für einige Leser vielleicht einfacher zu verstehen habe ich zudem die Abstände nochmal in Form von Noten aufgeschlüsselt: 1.Harm.=C, 2.Harm.=C1, 3.Harm.=G1, 4.Harm.=C2, 5.H.=E2, 6.Harm.=G2.
Bei Vielen dürfte an dieser Stelle ein Weltbild zusammenbrechen, aber Musik und Mathe hängen unglücklicherweise viel enger zusammen als man auf den ersten Blick erwarten würde und ein Dreiklang (die Akkorde für die man 3 Finger brauch;)) klingt unter anderem auch deshalb so gut weil sich die Harmonischen der einzelnen Noten sich treffen ;). Ist es da so falsch zu denken dass Klang und Melodie sich in ihrer Wirkung beeinflussen?
Nun ist die Welt nicht immer harmonisch und die Wellenformen nicht immer punktsymmetrisch. Daher kommen in der Natur neben den Harmonischen auch nicht-harmonische Obertöne vor, die Frequenzen außerhalb bzw. zwischen denen der eben beschriebenen Harmonischen-Reihe annehmen. Mehr dazu gibt es in einem eigenen Absatz…

Additive Synthese mit FM-Synthesizern

Um mir hier gleich noch ein paar Leser mehr zu verschaffen kommt hier eine kleine Anleitung die einem hilft aus seinem FM-Synth einen additiven Synthesizer zu machen.
Das erzeugen der benötigten Harmonischen ist das kleinste Problem, da FM-Synthesizer den Sinus ja schon von Hause aus mitbringen und die Lautstärke jedes Operators (FM-Oszillator) durch eine eigene Hüllkurve gesteuert werden kann. Auch die Frequenzen der Harmonischen sind auch recht einfach einzustellen, da diese der Nummer der Ratio Frequenzeinstellung entspricht.

Ratio – Frequenz Operator 1 = 1. Harmonische (Grundton)
Ratio – Frequenz Operator 2 = 2. Harmonische (1. Oberton)
……..
Ratio – Frequenz Operator n = n. Harmonische (n. Oberton)

Bei den meisten FM-Synthesizern ist daher bei der 6ten Harmonischen Schluss. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn unbenutzte Harmonische lassen sich auch anderweitig einsetzen, wenn also ein Spektrum nur aus ungeraden Harmonischen besteht so kommt man sogar hoch bis zur 12ten Harmonischen. Außerdem kann man die harmonischen leicht gegeneinander verstimmen und Obertöne außerhalb der Harmonischen Reihe erzeugen, worauf ich später noch eingehen werde.

Additive Spektren erstellen ohne dabei vollends dem Wahnsinn zu verfallen…

Versucht man Spektren per Hand zu erstellen sind die ersten Ergebnisse meist recht ernüchternd und hören sich in den meisten Fällen eher nach Orgel als nach einer „brauchbaren“ Wellenform an. Das ist ein typischer Anfängerfehler der mir auch unterlaufen ist, da man dazu neigt beim erstellen der Spektren mehr als nur einen Grundton zu erzeugen in dem man die Lautstärke der Harmonischen erhöht bis man sie auch wirklich hören kann, nur dann sind ist sie eigentlich schon zu laut. Natürlich macht es in vielen Fällen Sinn Wellenformen zu basteln die aus mehr als nur einem Grundton bestehen, um zum Beispiel einen weitern um eine Oktave verstimmten Oszillator zu simulieren, aber ohne die nötige Erfahrung sollte man erst mal klein anfangen und es mit den einfachen Wellenformen probieren.
Zu Beginn bietet es sich an von einem einfachen additiven Spektrum wie das einer Sägezahn- oder Rechteck-Wellenform auszugehen. Da man durch das löschen aller geraden Harmonischen sehr einfach aus einem Sägezahn ein Rechteck machen kann eignet sich das Spektrum des Sägezahns besonders gut zum experimentieren, da alle Harmonischen vorhanden sind und man schnell ein paar davon löschen kann um zu hören was passiert. Zumindest bis man die ersten Erfolgserlebnisse hatte sollte man davon absehen einzelne Harmonische lauter zu machen sondern eher dessen Lautstärken reduzieren oder auch das Spektrum um die Harmonische gleich mit anzuheben. Wenn man nicht gerade mit 128 und mehr Harmonischen arbeitet sollte man darauf achten Lautstärken der höheren Harmonischen langsam zu reduzieren, da dem Ohr sonst in den tieferen Lagen des Keyboards bemerkt dass Harmonische fehlen und man die höheren Harmonischen, denen quasi der „Abschluss“ fehlt, als unangenehmes „Fiepsen“ oder Surren wahrnimmt. Diese Problem kennen auch die Hersteller von Nativen oder DSP basierenden Synthesizern.

Hier schon mal ein paar Spektren zum besseren Verständnis:

– Sägezahn1_Cube-Saw.jpg

– Rechteck2_Cube-Sq.jpg

– Dreieck3_Cube-Tri.jpg

– Resonanter Sägezahn4_Cube-Saw-Reso.jpg

Hier und da sehnt gerader der Musiker sich nach etwas Resonanz, natürlich lässt sich auch das additiv reproduzieren, in dem man eine Beule in Spektrum im Bereich der Resonanzfrequenz einzeichnet. Im Vergleich zur Filterresonanz hat die Sache den Nachteil dass die Resonanzfrequenz mit der Tonhöhe bzw. der gespielten Note, wie bei einer gesampleten Wellenform, mitwandert. Ein Problem das sich wunderbar mit dem Formant-Filter lösen lässt, der ebenfalls in diesem Artikel besprochen wird.

Beim erstellen eines Spektrums lohnt es sich daran zu denken dass das Ohr hier Mustererkennung spielt und interessante Muster oft auch interessant klingen. Es lohnt sich einfach mal sich ein Spektrum zu „stricken“ in dam man z.B. je zwei Harmonische löscht und Eine stehen lässt.
Aufpassen sollte man nur mit dem Grundton, denn ohne ihn entsteht ein eher dünner, scharfer oder drahtiger Klang, dem das Bass Fundament fehlt, was natürlich auch seinen Reiz hat…
Auch klingt z.B. ein mathematisch idealer Sägezahn nicht unbedingt Ideal, daher lohnt es sich an die Spektren nochmal Hand anzulegen…

Oszillatoren sparen leicht gemacht

Bei der Soundsynthese werden oft Oszillatoren mit unterschiedlichen Frequenzen überlagert und in sehr vielen Fällen liegen die Oszillatoren um eine oder mehr Oktaven voneinander entfernt. Das ist natürlich bei Orgeln der Fall aber auch bei Bässen und Synth-Strings findet man das sehr oft. Wie weiter oben schon erwähnt ist die Sache mit der Orgel kein großes Problem und man fühlt sich bei erstellen eigener Spektren fast schon von Orgeln verfolgt, schließlich bietet die additive Synthese ja ausreichend Sinus Wellen die sich nach belieben überlagern lassen. Aber auch die Simulation von z.B. zwei oder mehr um eine oder mehr Oktaven gegeneinander verstimmte Sägezahn oder Rechteck Wellen mit nur einem Oszillator ist kein Problem und auch hier wird aus dem Sägezahn ein Rechteck sobald man alle ungeraden Harmonischen aus dem Spektrum entfernt.

Hier einige mit Absynth analysierte Wellenformen, wobei man die blauen Balken, welche die Phasenlage repräsentieren, für diese Beispiele getrost vergessen kann.

– Spektrum zweier um je eine Oktave verschoben und überlagerten Sägezahn-Wellenformen.5_Absynth-SAWx2.jpg

[Absynth-SAWx2.jpg]6_Absynth-SAWx2-waveform.jpg

[Absynth-SAWx2-waveform.jpg]

– Spektrum von drei um je eine Oktave verschobenen und überlagerten Sägezahn-Wellenformen.7_Absynth-SAWx3.jpg

[Absynth-SAWx3.jpg]8_Absynth-SAWx3-waveform.jpg

[Absynth-SAWx3-waveform.jpg]

– Spektrum zweier um je eine Oktave verschoben und überlagerten Rechteck-Wellenformen.9_Absynth-SQx2.jpg

[Absynth-SQx2.jpg]10_Absynth-SQx2-waveform.jpg

[Absynth-SQx2-waveform.jpg]

– Spektrum von drei um je eine Oktave verschobenen und überlagerten Rechteck-Wellenformen.11_Absynth-SQx3.jpg

[Absynth-SQx3.jpg]12_Absynth-SQx3-waveform.jpg

[Absynth-SQx3-waveform.jpg]

Hier einige Sounds die diese Technik anwenden:
[K5k-SAWx3-Pad.mp3]
Pad Sound aus einer mit Sounddiver analysierten Wellenform, bestehend aus drei überlagerten und um je eine Oktave verstimmten Sägezahnwellen.
[K5k-SQx2-Pad.mp3] K5000 Pad Sound aus einer mit Sounddiver analysierten Wellenform, bestehend aus zwei überlagerten und um je eine Oktave verstimmten Rechteckwellen. Das Ergebnis klang recht unerwartet, ließ sich aber trotzdem gut zu einem Sound verarbeiten.
[Cube-Bellstring.mp3] Eine Note des Cube „Bellstring“ Preset. Das Spektrum ist nicht die Ergebnis einer Analyse sondern wurde mit der Hand erstellt.

Höher, weiter, BREITER

Speziell für die additive Synthese entwickelte Oszillatoren klingen meist recht steril und dünn und liegen damit nicht ganz im aktuellen Trend, bei dem die Geräte nicht „Phat“ genug klingen können. Ein Möglichkeit einen additiven Synthesizer druckvoll klingen zu lassen ist die entsprechende Programmierung der Harmonischen um einen statischen Klang zu vermeiden und dem Ohr etwas Futter zu geben. Die Oszillatoren klingen dann zwar meist immer noch etwas drahtig, aber zumindest wirken sie dann deutlich aggressiver und druckvoller.
Wer es ein wenig breiter brauch, z.B. für Flächen, Bässe oder wenn die Lead-Sounds mal nicht ganz so drahtig sein sollen, kann sich mit einem kleinen Trick behelfen. Dabei hilft es die Harmonischen gegeneinander zu verstimmen, was natürlich nur dann möglich ist wenn es einem der Synthesizer erlaubt die Frequenz jeder der vorhandenen Harmonischen zu modifizieren. Das funktioniert leider mit keinem additiven Synthesizer den ich kenne und die meisten FM-Synthesizer sind auf 6 Harmonische beschränkt, außer man schichtet mehrere Voices als Performance übereinander oder besitzt gar einen FS1R, der einem immerhin schon 16 Harmonische pro Voice bietet. Aber Besitzer eines echten additiven Synthesizers können das, indem sie sich mit einem kleinen Trick behelfen und die Harmonischen auf zwei oder mehrere Oszillatoren verteilen und entsprechend gegeneinander verstimmen, das hat auch gleich den Vorteil dass man das auf diese Weise die Teile des auseinander gerissene Spektrum sehr leicht mit der Lautstärken-Hüllkurve oder LFO des jeweiligen Oszillators gegeneinander verschieben kann und auch einer Kontrolle per Mod-Wheel, Aftertouch und diversen CCs steht nichts im Wege.

[K5k-EvenOdd-Mod.mp3] K5000 Pad Sound bei dem zwei Spektren die mit geraden und ungeraden Harmonischen abwechseln…

[K5k-Ld-Spect-Sweep.mp3] Bestehend aus zwei komplementären Spektren. In diesem Fall wechseln sich aber nicht die geraden und ungeraden Harmonischen ab, sondern es wird ein Muster verwendet bei dem zwischen zwei Harmonischen in einem der beiden Spektren jeweils 4 Harmonische im anderen gesetzt werden. Im Beispiel hört man was passiert wenn man die Lautstärke des Spektrums mit den 4 aufeinander folgenden Harmonischen verringert.

Wir brauchen BazZZZ…

Ein großes Problem der meisten additiven Synthesizer liegt im Bass Bereich, zwar lassen sich recht ordentliche Sub-Bässe aus den Kisten kitzeln aber so richtig britzeln und brummen wie man es von den subtraktiven gewohnt ist will es dann in den meisten Fällen doch nicht. Das gleiche Problem kennt man übrigens auch von einigen Softwaresynthesizern die ihre Bandbreite zu weit einschränken um Aliasing bzw. Artefakte zu vermeiden. Daran kann man sehen dass Absynth oder Microwave XT intern höchst wahrscheinlich nicht mit additiven Wellenformen arbeitet, sonst würde die Software im Bass-Bereich längst nicht so gut klingen. Es gibt natürlich Mittel und Wege die fehlenden Harmonischen durch eine Art Enhancer Algorithmus dem Klang wieder zukommen zu lassen, wer einen K5000 hat kann das mit dem gleichnamigen eingebauten Effekt testen.
Trotzdem ist es nicht unmöglich aus einem additiven Synth ordentliche Bässe rauszukitzeln. Zum einen kann man natürlich die Menge der vorhandenen Harmonischen erweitern, beim K5000 kann man auf diese Weise bis zu 128 Harmonische kombinieren. Viele additive Synthesizer bieten zusätzlich einen Amplituden bzw. Ringmodulation um die fehlenden Obertöne zu erzeugen. Letzteres kann bei den entsprechenden Einstellungen auch noch durch einer gehörige Menge Schmutz dem sterilen additiven Sound zusätzlichen Charakter verleihen. Darauf werde ich hier nicht weiter eingehen, weil zur AM bzw. RM einen eigener Artikel geplant ist.
Wer sich die Cube Presets anschaut wird sogar einen Bass Sound finden der über 300 Harmonische zum klingen braucht und beim reduzieren des Partial (englisch für Teilton) Parameters bei den sehr tiefen Tönen einen Verlust der Höhen feststellen können

[K5k-AM-Bass.mp3] Besteht aus zwei Spektren mit je 64 Harmonischen. Durch AM bzw. Ringmodulation (da die Lautstärke des zweiten Oszillators auf Null gesetzt ist) werden zusätzliche Obertöne erzeugt.

Nicht Harmonische erzeugen leicht gemacht

Die nicht-harmonischen Obertöne sind bei der FM-Synthese kein großes Problem und auch mit der Hilfe von AM/Ringmodulation leicht zu erreichen, da diese bei den eben genannten Synthese Verfahren schon fast zwangläufig erzeugt werden. Man findet sie bei metallischen Klängen oder zur Simulation des Anschlags- bzw. Einschwingverhaltens von natürlichen Instrumenten, z.B. Saiten- und Blassinstrumenten. Bei den meisten additiven Synthesizern ist das allerdings auf den ersten Blick nicht ganz so einfach, denn wie soll man nicht-harmonische Obertöne erzeugen, wenn man die Harmonischen zur Verfügung hat?
Auch hier hilft es wenn man die Obertöne auf mehrere Oszillatoren verteilt und entsprechend verstimmt. Ein gutes Beispiel sind hier metallische Klänge, wer schon versucht hat die aus Synthesizern ohne Ring- oder Frequenz Modulation zu entlocken wird versuchen die additiven Oszillatoren um drei, fünf oder sieben Noten gegeneinander zu verstimmen. Vorausgesetzt man wählt für die beiden Oszillatoren die richtigen Harmonischen aus liegt man damit Gold richtig, was zeigt dass für alle Formen der Synthese die selben Regeln gelten. Wer auf diese Weise mehr als nur metallische Klänge erzeugen will muss vom zu synthetisierenden Klang entsprechendes Sample und Software zum analysieren haben.
Da im Cube nur jeweils ein Spektrum aktiv ist bietet es zu diesem Zweck einen Spread (zu deutsch Spreizung) Parameter der das Frequenzverhältnis der Obertöne so verändert, dass die zuvor Harmonischen ganz und gar nicht mehr harmonisch zueinander klingen.
Aber auch die Freunde der AM (Amplituden Modulation) werden am Cube ihre helle Freude haben, da die extrem fixen Hüllkurven sich sogar für einige AM, FM und Filter-FM-Sounds einsetzen lassen. Das funktioniert z.B. mit einem Loop in der Volume-Hüllkurve, bei dem man schnell zwischen „laut“ und „leise“ wechselt und man durch den Inhalt des Loops praktisch die Modulations-Wellenform angibt. Aber auch in dem man per Morph-Envelope schnell zwischen Sources mit zwei unterschiedlichen Detune-, Filter und/oder Partial (Spektrum) Einstellungen morpht kann man sehr Interessante Klänge aus dem Softsynth holen…

Where’s the Noise?

Wo wir nun das Problem mit dem Bass gelöst haben bleibt noch eine Frage offen. Wie erzeuge ich mit einem additiven Synthesizer Rauschen und an dieser Stelle wird man ohne Sample oder zusätzlichem Rauschgenerator nicht weiter kommen.
Natürlich ist das wieder nur die halbe Wahrheit denn zumindest die Anschein von Rauschen kann man trotzdem vermitteln. Oft reicht es vollkommen genügend Oszillatoren mit einem großen Anteil von Obertönen im oberen Bereich des Spektrum zu überlagen und gegeneinander zu verstimmen. Ein anderer Weg um den Anschein von Rauschen zu erwecken sind Oberton Verläufe, wie man sie z.B. von einigen FM-Flötensounds oder resynthetisierten Instrumentenklängen kennt.
Der Programmierer des Cube ist hier einen anderen Weg gegangen den man in ähnlicher Form auch von Synths mit schnellen LFOs kennt. Dem additiven Synth wurde eine Funktion beschert mit der man einzelne Obertöne oder ganze Gruppen mit unterschiedlicher Intensität mit Rauschen Frequenzmodulieren kann. Je nach dem welche Teiltöne moduliert werden, kann man mit diesem Parameter recht unterschiedliche Formen bzw. unterschiedliche Farben von Rauschen erzeugen.

[K5k-Resynth-Noise.mp3] Ein mit Hilfe von Sounddiver resynthetisierter K5000 Flötensound.

[XT-Noise.mp3] Ein Unisono Sound bestehen aus einem mit Sounddiver in den Microwave XT importiertes Spektrum.

Formant-Filter

Tja, nach dem es einen weiteren bezahlbaren Synth mit Formant-Filter gibt und es danach aussieht als ob es sich dabei nicht um den letzten Vertreter seiner Zunft handeln wird, ist mit dem vorherigen Absatz nun doch nicht schluss und ich denke ernsthaft darüber nach ob ich nicht noch einen oder zwei Artikel über Formante machen sollte :-) Der wird mit Sicherheit auch für FS1R-User interessant werden…
Zuerst sollte man klären was ein Formant ist, denn der Filter hat beim K5000 nicht umsonst diesen Namen bekommen. Die Formante sind die Frequenzanteil eines Instrumentes die sich beim spielen unterschiedlicher Noten nicht verändern. Erzeugt werden diese Anteile meist durch die physikalischen Eigenschaften eines Instruments, wie z.B. dem Resonanzkörper. Auch bei der Stimme werden die Formante durch die körperlichen Merkmale, wie Mund, Nasen, Rachenraum etc. des Menschen bestimmt und können sich durch die Veränderung des Resonanzkörpers verschieben. Diese Veränderung bestimmen z.B. den Selbstlaut (AEIOU) den wir beim sprechen und singen aus den Schwingungen der Stimmbänder formen.
Genau dieses Verhalten lässt sich auch mit der Formant-Filter bzw. Morphing-Filter Sektion von K5000 oder Cube nachbilden, denn der Formant-Filter verstärkt bzw. dämpft Obertöne abhängig von ihrer absoluten Frequenz und unabhängig von ihrer Position im Spektrum. Anders als das additiven Spektrum, das sich je nach gespielter Note komplett verschiebt, werden bestimmte Frequenzen, unabhängig von der Note/Frequenz des gespielten Tons, beeinflusst. Aus diesem Grund hat Resynthese beim verschieben der Tonhöhe, bis auf die Länge der Note, auch mit den selben Problemen wie Sampling zu kämpfen. So lange nicht auch noch die Formante berücksichtigt werden, wird sich der Charakter des Klangs sich beim verschieben der Tonhöhe weiterhin komplett verändern und das Instrument (abhängig vom Instrument) oder die Stimme nicht mehr natürlich klingen.

Hier die „Formant-Filter“ Einstellungen des „Singing-Cube“ Cube Factory Sounds. Die Formante sind aus musikalischen Gründen und damit der Sound besser morpht nach Gehör angepasst worden. Die durchschnittliche Formantfrequenzen von Frau und Mann hab‘ ich zum Vergleich unter die Grafiken gesetzt. Als Hörprobe der unbearbeitete Vokal, beim fertigen Sound hört sich das natürlich deutlich besser an.13_Cube-FF-Vocal-A.jpg

Formant-Filter A
Formant Frequenz Weiblich: F1= 590Hz F2= 920Hz F3= 2710Hz
Formant Frequenz Männlich: F1= 570Hz F2= 840Hz F3= 2410Hz
[Vocal-A.mp3]

14_Cube-FF-Vocal-E.jpgFormant-Filter E
Formant Frequenz Weiblich: F1=610Hz F2=2330Hz F3=2900Hz
Formant Frequenz Männlich: F1=530Hz F2=1840Hz F3=2480Hz
[Vocal-E.mp3]15_Cube-FF-Vocal-I.jpgFormant-Filter I
Formant Frequenz Weiblich: F1=310Hz F2=2790Hz F3=3310Hz
Formant Frequenz Männlich: F1=270Hz F2=2290Hz F3=3010Hz
[Vocal-I.mp3]16_Cube-FF-Vocal-O.jpgFormant-Filter O
Formant Frequenz Weiblich: F1= 850Hz F2=1220Hz F3= 2810Hz
Formant Frequenz Männlich: F1=730Hz F2=1090Hz F3= 2440Hz
[Vocal-O.mp3]

Klangbeispiele
Forum

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