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Test: TC Electronic Hall of Fame 2 X4, Reverb Pedal

22. Oktober 2019

Reverb für die Ruhmeshalle!

TC Electronic Hall of Fame 2 X4

TC Electronic Hall of Fame 2 X4

Ich war fünfzehn, als ich mein erstes Pedal kaufte. Ich hatte gerade erst verstanden, dass Delay und Reverb zwei unterschiedliche Sachen sind, aber dass ganz hervorragende Dinge entstehen können, wenn man beides zusammenwirft. Also kaufte ich mir mit meinem bescheidenen Taschengeld mein erstes Reverb. Ich habe das gute Stück noch immer: ein Boss-Treter aus der RV-Serie, das mir ein ehemaliger Klassenkamerad verkauft hatte und das mich in meinen persönlichen Klangvorlieben maßgeblich prägte.

Klar gibt es zahlreiche Hall-Pedale, die besser klingen. Aber das vorliegende Testgerät, das TC Electronic Hall of Fame 2 x4, hat mich wieder daran erinnert, weshalb es sich beim Reverb um meine liebste Effekt-Klasse handelt. Seit dem Mercury 7 von Meris hatte ich nicht mehr so viel Freude an einem Reverb-Pedal. Die Neuauflage und Erweiterung des fantastisch klingenden Hall of Fame 2 bringt so einiges mit sich, was das Pedal für seinen Preis ungemein attraktiv macht. Fackeln wir also gar nicht erst lange rum und schauen wir uns an, was das Hall of Fame 2 x4 alles reißen kann.

TC Electronic Hall of Fame 2 X4 – Facts and Features

Bei dem Gehäuse muss ich an den Ditto-Looper denken. Ähnlich gut ist die Verarbeitung – stabiles Metallgehäuse in den Maßen 23,6 x 5,6 x 14,4 cm. Also breit ist es – das obere, linke Viertel seines Pedalboards sollte man sich zweifelsohne dafür freischaufeln. Vier große Schalter lassen einen zwischen vier Presets auswählen. Gespeichert werden jedoch können – und das macht schon einen Unterschied aus – ganze acht Presets, die auf zwei Banks verteilt sind und zwischen denen mit einem kleinen Kippschalter gewechselt werden kann. Zehn Reverb-Engines besitzt das TC Electronic Hall of Fame 2 X4 und 6 TonePrint Preset Slots, auf die wir noch im Detail zu sprechen kommen werden. Zehn Engines, die auf acht Presets verteilt werden können – für 200 Euro. Potential ist also schon mal vorhanden.

Die Stirnseite des Hall of Fame 2 x4 ist üppig mit Anschlüssen bestückt: Sowohl im Input als auch im Output zwei 1/4 Klinken für Mono- oder Stereo-Gebrauch, MIDI In und Thru und ein USB-Port, mit der durch die TonePrint-App auf das Gerät zugegriffen werden kann. Auch ein Expression-Pedal kann problemlos hier genutzt werden – die 1/4 Klinke liegt neben In- und Outputs und erledigt das Verkürzen oder Verlängern der Hallfahne in Echtzeit. Einen Killdry-Switch gibt es ebenfalls auf der Stirnseite sowie die Möglichkeit, zwischen True- und Buffered-Bypass zu entscheiden – im Falle eines Reverbs wie diesem hier bedeutet das mitunter, sich zu entscheiden, ob man Trails will oder nicht.

TC Electronic Hall of Fame 2 X4

Die Buttons des TC Electronic Hall of Fame 2 x4 sind nicht gewöhnlich: Die sogenannten MASH-Footswitches erlauben es, die Tiefe und Intensität des Halls anschwellen und bisweilen auch oszillieren zu lassen. Jeder einzelne Parameter des Pedals kann mithilfe des MASH-Fußschalters angesteuert werden – die Auswahl verläuft auch über die TonePrint-App.

TC Electronic Hall of Fame 2 x4 – die Reverbs

Die fünf klobigen, aber keineswegs unattraktiven oder unhandlichen Regler des TC Electronic Hall of Fame 2 X4 decken die für Hall-Pedale typischen Parameter ab: Decay lässt einen einstellen, wie schnell oder langsam die Hallfahne verschwindet, Pre Delay lässt einen den Abstand zwischen dem Dry-Signal und dem Hall einstellen. Darüber hinaus erledigt Tone die Klangfarbe des Halls – ob diese eher dunkel oder hell ausfallen soll und Level kümmert sich um die Lautstärke des Reverbs.

TC Electronic Hall of Fame 2 X4

In Kombination mit dem Killswitch auf der Rückseite für das unbearbeitete Signal also eine absolut lückenlose Bandbreite an Parametern. Die zehn Engines, mit denen der TC Electronic Hall of Fame 2 X4 arbeitet, lauten wie folgt:

  • Shimmer basiert auf Sub’N’Up-Octaver Effekt für das Tracking der Obertöne, hell, ätherisch, wie man es gewohnt ist.
  • Ambi kurz gesteckter Hall
  • Spring birgt den hellen Charakter eines Federhalls
  • Room emuliert klassische, mittige Raumverhältnisse für den Hall
  • Lofi besitzt eine eher schmutzige, dunkle Klangfarbe
  • Hall erzeugt den weitläufigen Hall wie in einer großen Halle
  • Plate emuliert den klassischen Scheiben- und Platten-Reverb
  • Gate erlaubt fein getaktetes und akzentuiertes Spiel durch extrem kurzen Decay
  • Church ist der weitläufigste Hall des TC Electronic Hall of Fame 2 X4
  • Mod vermengt das Reverb-Signal mit dezenter oder starker Modulation

Zwischen dem Level- und dem Tone-Regler sitzt ein kleiner Kippschalter, mit dessen Hilfe sich die angewählte Engine sofort auf einem der Schalter speichern lässt – kurz und einfach. Die TonePrint Preset-Slots sind für die sehr genaue Einstellung reserviert, die man mithilfe der App leisten kann. Eine kleine Bibliothek lässt einen von bereits voreingestellten und mit viel Liebe vorbereiteten Reverbs auswählen. Inzwischen ist es gang und gäbe, mithilfe einer App Gefilde erschließen zu können, die das Pedal alleine nicht hergibt. Mich persönlich stößt das manchmal ab. Wenn wie zum Beispiel mit dem C4 von Source Audio die ganze Krux die Editor-Software ist, dann kann ich das feiern. Bei gewöhnlichen Effektpedalen empfinde ich die Nutzung von Apps manchmal als redundant. Hätte der TC Electronic Hall of Fame 2 X4 mehrere „ausgefallene“ Reverb-Engines, wäre meine Neugier geweckt. Hier habe ich jedoch den Eindruck, dass abseits des Mod Reverbs – wo dann doch zwischen Chorus-Effekten und Flanger-Effekten beispielsweise gewechselt werden kann – keine völlig neuen Klanggefilde erschlossen werden. Größere Flexibilität jedoch garantiert dieses System sicherlich allemal, zumal auch hierüber die MIDI-Einstellungen erfolgen. Ein feines Addendum für Fans solcher Handhabe. Dass jetzt aber die Leute auch schon beim Musizieren auf ihr Handy gucken – alright then. 

Für 200 Euro bekommt man also zehn Engines, acht Presets, Stereo, Editor Software und die Mash-Footswitches. Das ist nicht wenig. Entscheidend ist selbstredend, was die klangliche Praxis hergeben wird. Und die schauen wir uns jetzt an.

TC Electronic Hall of Fame 2 X4 – in der Praxis

Ich verwende ein Focusrite Solo und den Direct-In des Interfaces. Die einzelnen Reverb-Engines werden überprüft sowie die Nutzbarkeit der MASH-Footswitches.

TC Electronic Hall of Fame 2 X4

Die Klangbeispiele werden entsprechend reflektieren, dass die großflächigen Hall-Typen des TC Electronic Hall of Fame 2 x4 es mir besonders angetan haben. Die Nuancen, welche die Church von der Hall-Engine unterscheiden, erschließen sich auf an Anhieb nur dem Reverb-Connaisseur und prinzipiell lässt sich sagen, dass die Distinktion der Typen nicht immer sofort klanglich deutlich wird. Der Mod-Reverb beispielsweise ist eine leichte Enttäuschung: Bis auf eine leichte Detune-Fahne passiert da nicht viel. Hier kommt die TonePrint-App eben ins Spiel: Ich gebe zu, das im Vorfeld unterschätzt zu haben, da ich privat nicht mit TC Electronic Geräten arbeite. Aber die Signature-Sounds, die auf diesem Testgerät hinterlegt sind und mit der TonePrint-App erstellt wurden, lassen einen ungefähr erahnen, wie flexibel der Sound über den USB-Port verbogen und geändert werden kann. Dass das prinzipiell möglich ist: super. Dass ich dafür eine App brauche: eher kontraproduktiv, vor allem weil prinzipiell genug Raum auf diesem Pedal für beispielsweise einen weiteren Modify-Regler übrig wäre. Aber vielleicht muss man hier mehr mit der Zeit gehen. Fest steht: Klanglich gibt es fast nichts auszusetzen. Die Engines klingen allesamt großartig, wobei speziell der Plate wie schon beim Vorgänger ganz formidabel das Spiel unterlegt. Und für den Preis habe ich persönlich keinen besser klingenden Shimmer-Reverb bislang gehört. Die Mash-Footswitches lassen sich gut an – die Oszillation fliegt einem nicht unter die Ohren, im Gegenteil: Hier wäre ein bisschen mehr besser gewesen. Doch auch hier muss man auf die App verweisen, die es ermöglicht, die Mash-Footswitches noch anders zu instrumentalisieren und ihre Empfindlichkeit einzustellen. Ergibt schon Sinn, den Preis eines solchen Geräts niedrig zu halten, indem man viele Features mithilfe der App überhaupt erst zugänglich macht. Aber ich bleibe dabei: Da hätte man die Hardware noch ein bisschen flexibler gestalten können.

Fazit

Der Klassiker in Großformat: TC Electronic liefern ein gutes Reverb-Pedal ab, das mit seinem niedrigen Preis punktet und sein Potential vor allem mithilfe der TonePrint-App entfaltet. Viele Anschlüsse, stabile Verarbeitung, klanglich bewährt: Hier hat TC Electronic wie erwartet das meiste richtig gemacht. Daumen hoch.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • tolle Klangqualität
  • Mash-Footswitches eine Freude

Minus

  • klanglich ohne App nicht ganz so flexibel

Preis

  • 209,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Markus Galla  RED

    Schöner Test. Endlich mal jemand, der TC wieder etwas unvoreingenommener gegenüber steht. Kann man die Parameter per MIDI in Echtzeit verändern oder nur Program Changes senden? Schade, dass Du bei eigentlich allen Hörbeispielen mit langen Hallfahnen den Ausklang abgeschnitten hast. Hier hört man erst einmal richtig, ob der Hall hochwertig ist oder nicht.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Die Parameter können durchaus per MIDI in Echtzeit verändert werden, aber TC Electronic legen glaub ich in Sachen Kontrolle vor allem das Augenmerk auf die Toneprint-App. Werden ja auch nicht müde zu betonen, wie toll das Ganze ist, wenn man sich das Marketing rund um den neuen Hall of Fame und das neue Flashback ansieht.

  2. Profilbild
    Emmbot  AHU

    6 User-Presets, da lohnt sich die App auch. Ich habe das HoF 1 und da ist nur 1 User Preset.

    Schön ist bei dem HoF 2×4 das es auch Midi gibt, eine sinnvolle Ergänzung für Synthesizer-Fans.

  3. Profilbild
    Sudad G  

    Schöner Test! Schade nur, dass die Hörbeispiele alle mono sind. Gerade bei Reverbs und modulierten Reverbs möchte man ja schon gerne mal den Raumeindruck beurteilen können. Vielleicht in Zukunft daran denken.
    Zum Glück gab es ja noch das Youtube-Video in Stereo dazu.

  4. Profilbild
    Hein Bloed  

    Eigentlich ein sympathisches Teil (Klang/Verarbeitung). Das aber zunehmend Effektgeräte von der App-Seuche befallen werden, finde ich völlig inakzeptabel, vor allem, wenn – wie hier – Features dort weggeschlossen werden, die anders gar nicht zugänglich sind.
    Deutlich besser finde ich den Weg, den z.B. Boss mit den Katanas geht, dort kann man mit einem Editor am PC Verstärker und Effekte umbauen.

    • Profilbild
      camarillobrillo  

      Informiere dich doch bitte, bevor du zu Begriffen wie „App-Seuche“ greifst. Die „App“ gibt es für Android, iOS, Mac und Windows PC, wobei die Windows Version unter Wine auch auf Linux läuft. PC Editoren findest du ja offenbar gut. Da ist also nix mit „Seuche“;-)

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