Profis erklären Monitor- und FoH-Setup bei Unheilig-Konzert
Ergänzend zum Konzertbericht des Unheilig-Konzerts am 29. Dezember 2025 in Oberhausen und einem Interview mit dem FoH-Tontechniker der Band, Bernd Michael Tombült, ging es für mich vor dem Konzert weiter hinter die Kulissen – nämlich zum Monitorplatz und ans FoH. Dort erklärten mir Alex „Schmitti“ Schmidt und Bernd Michael Tombült, wie das technische Gesamtsystem der aktuellen Unheilig-Tour aufgebaut ist und warum man sich genau für diese Lösungen entschieden hatte.
Der Einblick ist auch als Video auf unserem AMAZONA-YouTube-Kanal verfügbar:
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Inhaltsverzeichnis
Redundanz und Signalführung bei Unheilig
Am Monitorplatz wird schnell deutlich, wie wichtig eine klare Struktur für diese Produktion ist: Alex erklärt, dass man sich in der Planungsphase schon früh darauf geeinigt habe, die Anzahl der Spuren bewusst zu begrenzen. Maximal 32 Spuren wurden damals als Obergrenze festgelegt, wobei die reale Nutzung tatsächlich deutlich darunter liegt. Diese Entscheidung erleichtert nicht nur das Routing, sondern ist auch eine wichtige Grundlage für ein stabiles, redundantes System. Die Backing-Tracks inklusive Klick stammen aus dem Ableton-Live-Setup von Keyboarder Henning Verlage auf der Bühne. Dort laufen zwei MacBooks parallel und geben ihre Signale jeweils über eine Dante Virtual Soundcard aus. Eine wichtige Frage hierbei war, wie sich beide Signale sicher zusammenführen lassen, ohne dass ein möglicher Computerausfall hörbare Folgen hat.
Automatische Umschaltung mit der DirectOut EXBOX
Die Lösung fand das Team in der DirectOut EXBOX, die speziell dafür entwickelt wurde, Dante-Streams zu verwalten und umzuschalten. Die DirectOut EXBOX sitzt dabei zwischen den beiden Dante-Quellen und dem restlichen Audiosystem, erkennt automatisch, welcher Stream stabil läuft und schaltet im Zweifelsfall innerhalb kürzester Zeit um. Das Umschalten erfolgt dann sogar so schnell, dass man es laut Alex weder als Musiker noch im Publikum bemerkt. Dank dieser Lösung kommt am Monitorplatz immer nur ein fehlerfreies und konsistentes Signal an – unabhängig davon, ob gerade MacBook A oder B aktiv ist. Zusätzlich besteht auch immer die Möglichkeit, manuell einzugreifen, was insbesondere bei Proben oder Tests hilfreich sein kann.
Ableton Live für Playback, Klick und Timecode
Die Backing-Tracks inklusive Klick kommen aus Henning Verlages Ableton-Live-Setup auf der Bühne. Von hier aus werden alle Signale über das Dante-Netzwerk geschickt und stehen damit direkt am Monitorplatz und am FoH zur Verfügung. Bernd Michael betont, dass die Entscheidung, die gesamte Produktion auf einem Dante-Netzwerk aufzubauen, gerade mit Blick auf kommende Open-Air-Shows und größere Bühnen ein riesiger Vorteil ist, da die Latenzen insgesamt sehr gering gehalten werden können. Längere Laufwege und größere Distanzen lassen sich so optimal realisieren.

Das Herz der Show: Timecode, Backing-Tracks und Click laufen über Ableton Live in einem redundanten MacBook-Setup.
Von vorne bis hinten: Das Dante-System
Vom Playback-System auf der Bühne über die Stageboxen bis hin zum Monitoring und dem Signal beim FoH: Was den Audiobereich angeht, basiert die komplette Live-Produktion von Unheilig auf einem Dante-Netzwerk. Der Monitor-Tontechniker Alex beschreibt das als einen riesigen Vorteil, denn es gibt beispielsweise keine unnötigen Wandlungen, das Routing bleibt insgesamt übersichtlich und Änderungen lassen sich schnell realisieren. Die Audiosignale werden über Yamaha-RIO-Stageboxen in die Mischpulte geführt und auch das komplette In-Ear-Monitoring ist vollständig in das Netzwerk eingebunden.
In-Ear-Monitoring bei Unheilig
Für das In-Ear-Monitoring setzt Unheilig auf das Shure-Axient-Digital-System, das ebenfalls vollständig in das Dante-Netzwerk integriert ist. Der Wechsel auf In-Ear-Monitoring war ein logischer Schritt für diese große Produktion, bei der klassische Floor-Monitore schnell an ihre Grenzen kommen würden. Die digitale Übertragung bietet außerdem eine hohe Stabilität und eine sichere Funkverbindung für alle Musiker auf der Bühne.
Einheitliche Mischpulte für Monitor und FoH
Sowohl am Monitorplatz als auch am FoH kommt ein Yamaha DM7 Mischpult zum Einsatz, wobei die Entscheidung für identische Konsolen an beiden Positionen kein Zufall war: Sie vereinfacht nicht nur den Workflow, sondern sorgt auch für eine einheitliche Bedienlogik innerhalb der gesamten Live-Produktion von Unheilig, denn beide Arbeitsplätze greifen direkt auf denselben Dante-Stream zu. Zusätzliche Splitter oder Konverter sind hier also nicht nötig, was potenzielle Fehlerquellen reduziert und auch die Latenzen niedrig hält. Gerade beim In-Ear-Monitoring ist das ein entscheidender Punkt, da selbst kleinste Verzögerungen für Musiker schnell hörbar und dadurch störend werden können.
Bernd Michael Tombült am Unheilig FoH
Bernd Michael Tombült von TTL Event Solutions betreut Unheilig schon seit vielen Jahren und ordnet das aktuelle Setup für uns kurz in den zeitlichen Kontext ein: Bei den letzten Tourneen vor der Pause von Unheilig kamen noch Soundcraft-Mischpulte zum Einsatz – Universal-Audio-Systeme waren aber schon damals ein fester Bestandteil des Konzepts. Über eine lange Netzwerkkabel-Verbindung kommen die Signale vom Bühnenbereich bis an den FoH-Platz und landen in einer weiteren Yamaha DM7 Mischpult.
Universal Audio Apollo x16 für Plug-ins
Ein zentrales Element am FoH ist das Universal Audio Apollo x16 Interface, über das Emulationen von Hardware-Geräten wie beispielsweise dem Avalon 737, dem Lexicon 224 oder auch Shadow Hills Mastering-Kompressoren laufen.
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Wie groß sind denn die Shows (Leute im Publikum von bis)?
Ist das Setup von Unheilig oder gemietet?
@moinho Die Location in Oberhausen fasst 3.500 Menschen, es stehen in diesem Jahr aber beispielsweise auch zwei Shows in der Uber Arena in Berlin (17.000) und der Kölner Lanxess Arena (20.000) an.
Die Technik wird von TTL Event Solutions gemietet, die ja auch die komplette Liveproduktion übernehmen. Deren Chef Michael ist übrigens auch der FoH-Mischer, der im zweiten Teil des Artikels sein FoH-Setup erklärt.
@Gereon Gwosdek Danke für die Info!
(Für mich als Laien und als Anwender mit typischerweise unter 1000 Leute-Kapazitäten konfrontiert, teils deutlich, sind Eure Artikel zum einen hochinteressant – aber ohne irgendein Gefühl obs da um 1000 oder 100000 Leute geht auch schwer zu verstehen. „Wie skaliert das?“ usw. ;))
Wenn ich drüber nachdenke: das wäre (wenn auch wahrscheinlich eher akademisch) interessant und ne Idee für nen Artikel: skalierende PAs – normalerweise spiel‘ ich für 500 Leute, aber manchmal auch für 5000 Leute. Kann ich da einfach Komponenten dazumieten oder brauch‘ ich ne komplett andere Anlage? Was ist bei der Planung zu beachten usw…
Aber vielleicht ist die Idee auch totaler Schwachfug (andere Branche…)
Wieder eine super Folge! 👍
@UAP Schön zu hören, vielen Dank :)
Habe ich das richtig verstanden: Der Gesang, eine Gitarre, Keyboard und Schlagzeug ist live, alles andere kommt „vom Band“ (vorproduzierter Backing Track)? Da stellt sich für mich wieder einmal die Frage, wie wenig Live noch „Live“ ist.
@chardt Das ist die übliche Backing Track Diskussion. Durch Ableton Live und Computer wird heute das bewusst, was seit 50 Jahren von Pink Floyd über Depeche Mode und Michael Jackson bis heute üblich war und ist.
@Markus Galla Na es gibt ja schon noch einen Unterschied zwischen Pink Floyd, wo Studiosamples als Übergänge und als Soundeffekte abgespielt wurden und die heute der Schlagzeuger per Pad abfeuern würde, und Elektrobands wie Depeche Mode oder Scooter, wo sicher niemand 100% live erwarten würde und einer echten, zusammenspielenden und dynmischen Band.
Wobei man natürlich sagen kann, dass im Schlager-Pop jetzt auch nicht unbedingt 100% live erwartet wird.
Aber noch nicht mal ein Bassmensch? Der Sänger benötigt bei bestimmten Songs einen Click? Ich kann sehen, wie viele Sekunden das Lied noch dauert … Das klingt leider sehr unromantisch nach „Ich gehe zur Arbeit, der Computer macht es schon“.
Aber scheint heutzutage bei den bekannteren Acts so zu sein.
Ich frage mich, warum die Musikerinnen und Musiker das mit sich machen lassen. Vermutlich, weil sie es mit sich machen lassen müssen.
@El_Wumme Hallo El_Wumme,
also Pink Floyd (oder sagen wir mal heute „Roger Waters“) hatten/haben eine komplett durchchoreographierte Show.
Ich habe dazu vor ein paar Jahren in der Pause mit den Leuten am Mischpult gesprochen – ich wollte damals mit meiner Frau einmal im Leben „Pink Floyd“ live sehen -, und die gesamte Band spielt natürlich zu einem Click-Track. Ansonsten würden die Videos (beispielsweise mit Explosionen oder aufwändigen Animationen) und sonstige Showeffekte nicht synchron zur Musik laufen. D.h. es wird weitgehend live gespielt, und nur Sondersachen kommen vom Backingtrack. Das Ganze ist halt extrem steril, weil so keine grosse Variation möglich ist.
Generell finde ich das in Ordnung; man kann oft im Vorhinein abschätzen, ob eine Band eher eine bombastische Multimediashow abzieht oder einen gewissen Live-Anspruch hat.
Lustig ist ja, dass heutzutage – wie Du auch schon sagst – oftmals das Publikum erwartet, dass ein Konzert exakt so wie die Aufnahme klingt; das klappt meist nur mit Backingtracks.
Ich dagegen will lieber eine lebendige und auch risikobehaftete Show hören und nicht einen Abklatsch der Platte. Aber das ist wahrscheinlich komplett aus der Zeit gefallen.
Gruß
Fredi