Blue Box: Teisco SX-400 Analogsynthesizer

9. Februar 2007

Der Teisco Jupiter

Synthesizer History 1981

Dieses Mal geht es um ein ungewöhnliches Gerät von 1981.
Sehr groß und silbrig. Es bietet 4 analoge VCOs und demnach einen mächtigen, analogen Sound. Ein weiterer Bonuspunkt ist die ansprechende Tastatur mit Aftertouch! Und der Name des Instruments ist so stylig wie die Farbe… SX-400. Noch Fragen?

Teisco ist in der Musikwelt vor allem unter Gitarristen ein Begriff. In den 70er Jahren von Kawai aufgekauft, führte das Unternehmen alsbald auch Keyboards in der Produktliste. Gute Instrumente, man unterschätze sie nicht! Ob nun 1VCO-Mini-Synth S-60F, 2VCO-Monster-Monophoner S-110F (mit Filterbank) oder 4VCO-Monster-Mono/Polyphoner SX-400, die gesamte “silberne” Linie hat es in sich!

1981 auf den Markt gekommen, lässt sich der Teisco SX-400 in erster Linie als (sehr viel) verspäteter Konkurrent zum Roland Jupiter-4 sehen. Jedenfalls ist sein Konzept auffallend ähnlich. Vier Stimmen, je ein Oszillator. Demnach also vierstimmige je-1VCO-polyphone Spielweise oder einstimmiges 4VCO-monophones Unisono-Spiel. Das Keyboard umfasst ebenso vier Oktaven, die Controller-(Spielhilfen)-Sektion ist umfassend ausgestattet, weiters gibt es noch 8 Presets und 8 User-Speicherplätze. Hippige bunte Knöpfe, extrem solide Hardware. Das kennen wir doch alles in sehr ähnlicher Form vom Roland Jupiter-4 von 1978. “Der Stern am Synthesizer Himmel”, wie es damals hieß. Und aus heutiger Sicht stimmt das auch, denn der Jupiter-4 ist einer der charakterstärksten Rolandinger aller Zeiten. Wie gesagt, mit Ausnahme der 8 – statt 10 – Presets ist beim SX-400 so ziemlich alles auch ziemlich ähnlich. Dennoch wage ich ein Urteil vorweg: der Jupiter-4 ist der Star der Manege, der SX-400 hingegen – nun ja – zumindest “interessant”.

Vier Oszillatoren

Wie beim Roland Jupiter-4 gibt es vier Stimmen mit je einem Oszillator. Dennoch besteht ein gravierender Unterschied: beim Teisco SX-400 lassen sich die VCOs unabhängig in der Fußlage festlegen, das heißt jeder Oszillator von 16’ bis 2’. Und das kann der Jupiter nicht. Auch die Verstimmung aller VCOs gegeneinander ist auf dem Panel möglich. Damit erreicht man ein sehr dickes Klangbild, falls das gewünscht wird. Die Wellenformen der Oszillatoren lassen sich nur einheitlich anwählen, sind also für alle gleich: Dreieck, Sägezahn, Pulswelle mit PWM. Das ist sehr klassisch und auch ganz ok.

Noch eine Besonderheit sei erwähnt: zusätzlich zu den VCOs ist ein SUBoszillator mit dabei!!! Fast so, als hätten vier Oszillatoren nicht genügt. Und die Besonderheit der Besonderheit: Man kann SUB bzw. NOISE je nach Bedarf zum VCO-Signal hinzumischen. OFF – nur VCOs. SUB – VCOs mit SUBoszillator. NOISE – VCOs mit (weißem) Rauschen. SUB + NOISE – VCOs mit SUBoszillator und Noise. Das genügt doch für’s erste. Da es nun bei der Oszillatorwellenform auch OFF gibt, also die VCOs sozusagen auszuschalten sind, lässt sich das Signal von SUB bzw. NOISE auf Wunsch auch nur für sich verwenden. Etwa für Windgeräusche und Snaredrum-Sound, oder für tiefe Sub-Bässe.

Modes

Das Anwählen der Oszillatoren ist eine Frage der klanglichen Qualität. QUAD bedeutet soviel wie Unisono – alle vier Oszillatoren auf einen Streich. DUAL lässt immerhin noch zwei VCOs gleichzeitig erklingen bei zweistimmigem Spiel. MONO bedeutet vierstimmig polyphones Spiel bei einem VCO pro Stimme (wie eben auch beim Jupiter-4), und SOLO spricht für sich: ein VCO und nur eine (monophone) Stimme.

Ohne Frage (und nicht weiter überraschend) ist Unisono sehr ergiebig. Vier leicht gegeneinander verstimmte Oszillatoren in den Fußlagen 16’ – 8’ – 4’ – 2’, und das Ganze auf einen einzigen Tastendruck (und sogar via CV/GATE extern steuerbar), das hat was für sich. Im Unterschied zum Jupiter-4 lassen sich die VCOs eben von Haus aus extern steuern, ein CV/GATE-Eingang ist (für alle vier Stimmen gleichzeitig) vorhanden.

Filter

Das Filter ist klassisch 24dB Low Pass. Es gibt eigene Regelungsmöglichkeiten für Frequency, Resonanz und Keyboard Tracking (KCV). Modulationen erfolgen entweder durch LFO I oder LFO II bzw. durch ENV NORMAL oder ENV REVERSE. Das ganze Paket ist nicht innovativ, aber solide und gut. Leider ist keine externe Steuerung des VCF vorgesehen, in diesem Fall ist der Jupiter-4 überlegen.

Ganz rechts finet man noch ein manuell justierbares High Pass Filter. Musikalisch gesehen ist dies kein Muss, aber es kann auch nicht schaden.

Envelopes

Davon gibt es natürlich zwei. Einmal ADSR für das Filter, einmal ADSR für den VCA. Natürlich liegt es weit außerhalb des Universums des Möglichen aller machbaren Dinge, dass die superschnellen und grandios perkussiven Hüllkurven des Jupiter-4 in irgendeiner Weise zu überbieten wären. Davon ist also keine Rede. Aber dennoch – die Hüllkurven sind überraschend gut! Ziemlich schmatzig, eindeutig schneller als man dachte. Die meisten der poylphonen Oberheims bleiben hier im Vergleich weit zurück. Ein Klangbeispiel mit knackender Hüllkurve findet sich am Schluss – „Sequence“. Anhören lohnt sich! Der

VCA

beherbergt wie schon erwähnt eine eigene ADSR Envelope. Zusätzlich gibt es noch ein kleines Zuckerl: die LFO Modulation des Amplifiersignals ist möglich. Das geht nun allerdings beim Jupiter-4 auch, wenngleich selbiges in der Controllersektion mittels Bender vorgesehen ist.

Damit springen wir jetzt auch beim SX-400 nach vorne in den Bereich links neben der Tastatur, in das Feld der…

Controller

Dieselbige Abteilung ist sehr vorbildlich ausgestattet. Das sieht zunächst jedenfalls so aus. Sehr übersichtlich, der Pitchbender ist vertraut, die Potis und Kippschalter ebenso.

Dann kommt aber etwas Verwirrung ins Konzept. Der KEYBOARD TOUCH SENSOR wirkt in die Controller-Sektion mit hinein. Genau genommen ist es ja ein Teil der Sektion, sogar ein sehr wichtiger. Es geht dabei um Aftertouch, ein Feature also, das gerade in der Welt der Analogen eher selten anzutreffen ist. Beim SX-400 ist damit eine Tonhöhensteuerung per Fingerdruck möglich. Doch leider, und damit lassen wir die Katze aus dem Sack, ist der Wirkungsgrad von Bender und Aftertouch fest miteinander verbunden. Also Tastendruck auf VCO und Bender auf VCF, das bleibt Thema der Samstagabendsendung “Träume einer besseren Welt”. Damit vergessen wir lieber den (an sich sehr schönen) Aftertouch, um so zumindest den Bender richtig (und eben unabhängig) benützt zu können. Dann funktioniert die Sache natürlich ganz gut. Klassische Filter-Soli mit der linken Hand sind immer wieder inspirierend und kein Problem. Auch (allerdings eher öde) LFO-to-VCO- und LFO-to-VCF-Modulationen sind machbar. Deren Intensität wird klarerweise ebenso mittels Pitchbend gesteuert.

Noch ein kleiner, aber wichtiger Bonus ist in der Controller-Sektion zu finden: Der Transpose-Schalter. Beim Teisco SX-400 ist dies wirklich ein Luxus-Silberling, der das Instrument zum quasi-5-Oktaven Keyboard erweitert.

LFOs

Davon gibt es zwei. Nun stellt sich also die Frage, ob hier der Roland Jupiter-4 von 1978 (der einfach als Referenz dienen muss), unterlegen ist. Tatsächlich hat der Roland ja auch nur einen LFO. Doch die Antwort hat nichts mit der Anzahl der Niederfrequenzoszillatoren, denn mehr mit deren Qualität zu tun. Denn die “Speed” macht es aus. Kommen wir kurz zurück zum öden Vibrato- und Wah-Wah-Modulieren. Für gewisse Nuancen beim braven Solo-Sound ist das ganz ok. Abgerockt wird da aber sicher nicht. Effektsounds gehen damit auch nicht wirklich gut. Und warum? Weil die LFOs eben wirklich sehr viel L – “low” – in sich haben. Beide hören schon bei 20 Hz (Hertz) auf, und das reicht dann eben maximal für brave – aber keinesfalls spektakuläre – Klangveränderungen. Für ein bißchen Vibrato und Wah-Wah (das Wort trifft’s genau!) ist es eben ausreichend, mehr nicht. Ideal für seichte Schmusesounds und alterwührdige Filtersweeps. Die Speed ist eben der Schlüssel des Ganzen. Daher klingt ein Jupiter-4 so genial, denn hier kommt der LFO locker in den Audiobereich hinauf. LFO mit High-Speed-Option, darum geht es! Damit bekommt man metallische Sounds, schräge Vocal-Klänge, all das, was einen analogen Synthesizer erst richtig aufregend macht. Mit dem Jupiter-4 ist’s möglich. SX-400? Eher nicht…

Nützliches

Rückseitig gibt es noch einen Kippschalter, der bei Betätigen einen Testton A-440 Hz ausgibt. Das ist eine ausgezeichnete Idee, denn nur wenige unter uns haben das absolute Gehör, und eine grundlegende „Stimmungskontrolle“ ist zwischenzeitlich im Studio gar kein Fehler. Hier sei allerdings noch auf eine kleine Gefahr hingewiesen: Sollte man versehentlich den Schalter umlegen (beim Tragen des Instruments etwa), dann gibt der Synth keinen Ton mehr von sich. Darauf ist zu achten, bevor man extra in die nächste Fachwerkstatt zwecks vermeintlicher Reparatur fährt. Weitere

Extras

wären Portamento, Glissando sowie Chorus! Auch hier lässt sich eine schöne Parallele zum Jupiter feststellen. Der Chorus ist natürlich stereo ausgelegt, weshalb man auch rückseitig einen Stereo-Ausgang vorfindet.

Anschlüsse

Die Verbindung des SX-400 zur Außenwelt ist „ausreichend“: Stereo-Outputs, Phones, CV/GATE IN (wirkt auf alle VCOs, ausgezeichnet!), EXP. PEDAL IN (geht auf VCA), das war’s. Bonuspunkt ist natürlich CV/GATE, das eben auf alle Stimmen geht. Beim Oberheim OB-X und auch beim Prophet-5 etwa betrifft der CV/GATE-Eingang nur Stimme Nummer 1!

Presets und Memories

Gut, Presets gehören eben zu einem polyphonen Synthesizer. Wir könnten meist auf einen Großteil der Programme verzichten, aber ein paar gute sind ja meist doch dabei. So auch beim Teisco SX-400. Trombone etwa ist ok, ebenso wie noch einige wenige andere Presets. Doch lassen wir das Suchen nach guten (oder weniger guten) Werkssounds. Meist basteln wir doch die Klänge selber. Und dafür gibt es acht Memories. Wie schon beim Jupiter-4, oder beim Oberheim OB-1. Acht Speicherplätze sind zwar nicht wirklich viel, aber in Anbetracht der klaren Soundstruktur (und der etwas eingeschränkten Klangmöglichkeiten) genügt es vollauf.

Eine wichtige Neuerung gegenüber den beiden Vorgängern Jupiter-4 und OB-1 gibt es allerdings schon. EDIT erlaubt das Verändern abgespeicherter Sounds. Das hat sich 1981 offensichtlich endgültig – auch bei Low Cost Polyphonen – durchgesetzt. Dazu gibt es aus der Musikwelt natürlich ein herzliches “Dankeschön”!

Anmerkung

von Florian Anwander

11 Jahre später, aber hoffentlich nicht zu spät, eine vielleicht nicht unwichtige Ergänzung für die Bewertung des Teisco: Der SX-400 war – ein Jahr vor(!) dem Memorymoog – der erste polyphone Synthesizer mit diskretem Moog-Kaskadenfilter.

Hier ein Schaltungsbild dazu:

YouTube Demo

Wie immer, hier eine Empfehlung mit interessanten Demo-Sounds:

Fazit

Der SX-400 ist in seiner Erscheinung riesig, wirklich erstaunlich. Er hat zudem Aftertouch, was aber wegen der fixen Kopplung zum Bender nicht immer nützlich ist. Daneben gibt es noch vier starke VCOs, und mittels CV/GATE lässt sich der Teisco SX-400 problemlos sofort an jeden Analogsequenzer oder an jedes MIDI –CV/GATE-Interface hängen. Das passt mal sehr gut.

Der analoge Sound ist eine ziemliche Wucht! Sehr breite, warme, tiefe Bässe. Gute mittige Klänge für interessante Sequenzerläufe. Softe Leads mit dem hippen Vibrato, auch das macht der SX-400 sehr gut. Auf der Minus-Seite gibt es aber wenig Exotisches im Klangrepertoire, denn dafür ist der SX-400 einfach zu “brav” ausgestattet: lasche LFOs und kein VCF-IN, um zwei Beispiele zu nennen. Doch wer einfach nur guten, breiten analogen Sound, eben für coole Bassläufe und äußerst ansprechende Sequenzerlinien sucht, der liegt mit dem SX-400 gar nicht verkehrt. In diesem speziell “klassischen” Spektrum ist der Teisco ein hervorragendes Instrument.

Zu guter Letzt: Die Hardware ist vom Feinsten! Der Synthesizer ist sehr solide gebaut und damit auch sehr schwer. Die Tastatur ist wesentlich besser als die des Jupiter-4, angenehm um ohne Klappern zu spielen.

Noch ein Tipp: Wer einen SX-400 mit fehlenden Potikappen findet, der kann auch jene eines SEM verwenden, die passen sehr gut…

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Normalerweise sind die Berichte in diesem Magazin wirklich gut geschrieben.

    Sorry Herr Bloderer, Ihr Schreibstil ist eine echte Lesekatastrophe. Noch abgehakter im Stakkato gings wohl kaum noch?

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ja,Tim,da muss ich dir recht geben!Ich schätze es zwar,wenn jemand sich Mühe gibt,aber dieser Stil ist sowas von nervig,fast schon absichtlich schlecht,das ich nur sagen kann,lass es bitte sein!!!

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo Jungs! Sorry, dass das so schwer zu lesen war. Ihr hattet da recht. Daher ist der Artikel nun neu bearbeitet, diesmal im "normalen" Lesestil. Hoffe es passt jetzt, viele Grüße…

  4. Profilbild
    microbug  

    Schöner Bericht über einen viel zu oft übersehenen Synthi. Was allerdings hier mit keiner Silbe erwähnt wird: Der SX-400 hat, wie auch die anderen silbernen Teiscos, einen Transistorkaskadenfilter, den man sonst ja nur bei Moog fand und der eigentlich auch patentiert war. Dieser Filter dürfte nicht wenig zum dicken Sound beitragen.

  5. Profilbild
    Florian Anwander  RED

    Hallo

    11 Jahre später, aber hoffentlich nicht zu spät, eine vielleicht nicht unwichtige Ergänzung für die Bewertung des Teisco: Der SX-400 war – ein Jahr vor(!) dem Memorymoog – der erste polyphone Synthesizer mit diskretem Moog-Kaskadenfilter.

    Florian

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