Kompakter Klangformer für Eurorack-Systeme
Auf der Superbooth 26 wurde der 4ms Leveling EQ Amplifier präsentiert. 4ms gehört zu den umtriebigsten Modulentwicklern auf dem Markt. Insbesondere sind die Amerikaner gut darin, neue Wege zu gehen. So geschehen mit dem Meta Module, das Software-Module aus VCV Rack als Hardware verfügbar macht. Das führt nun umgekehrt dazu, dass auf Basis von VCV Rack wieder neue Module für das Rack entwickelt werden.
Was ist es? 4ms Leveling EQ Amplifier, Eurorack-Modul mit Kompressor, Limiter, EQ, Verzerrung und Stereo-Width-Funktion.
- Funktionsumfang: Vereint Dynamikbearbeitung, EQ, Stereoverbreiterung und Verzerrung in nur 14 HP.
- Klangformung: Der EQ greift kräftig ein und eignet sich sowohl für Korrekturen als auch für kreatives Sounddesign.
- Stereo-Effekte: Mono-Signale lassen sich per Haas-Effekt in Echtzeit zu einem breiteren Stereobild erweitern.
- Kritik: Der Kompressor reagiert teilweise etwas zurückhaltend und benötigt mitunter höhere Pegel als erwartet.
- Fazit: Vielseitiges Eurorack-Modul mit durchdachtem Funktionsumfang, das insbesondere durch EQ, Dynamikbearbeitung und Stereo-Optionen überzeugt.
Inhaltsverzeichnis
4ms Leveling EQ Amplifier
4ms auf der Superbooth 26
Auf der Superbooth 26 konnte ich nicht nur Dan Green interviewen (Link siehe unten), sondern auch zwei neue Module in Augenschein nehmen und eines davon für einen exklusiven Test mit nach Hause nehmen: den Leveling EQ Amplifier (kurz: LEQA), der am 30. Juni erschienen ist. Es handelt sich um ein sehr flexibles Modul, das leicht zu verstehen ist, aber mehr Tiefgang hat, als es auf den ersten Blick vermuten lässt.
Das zweite ausgestellte Modul gab es nur als Prototyp. Es handelt sich um eine Hardware-Variante des recht bekannten Valley Plateau Reverbs. Das geplante Erscheinungsdatum ist August 2026.
Aufbau und Funktionen
Der 4ms Leveling EQ Amplifier (kurz: LEQA) bietet eine Funktionalität, die in einer DAW selbstverständlich, im Eurorack-Bereich bislang jedoch äußerst selten ist. Das gilt insbesondere für die Kompressor-Sektion. Gerade im Eurorack kann ein solches bändigendes Tool aufgrund teils extremer Klangexperimente in der Praxis sehr hilfreich sein.
Der 4ms Leveling EQ Amplifier benötigt lediglich 14 HP Platz und gliedert sich in mehrere Bereiche. Oben befindet sich ein Kompressor-/Limiter-/Verzerrer-Bereich, darunter ein EQ sowie ein Stereo-Width-Regler. Nur Letzterer lässt sich per CV ansteuern, alle anderen Einstellungen müssen manuell vorgenommen werden. Die Dynamik- und die EQ-Sektion verfügen jeweils über eine eigene Bypass-Option. Die Signalbearbeitung erfolgt zweikanalig.
Auf der Rückseite sind zwei weitere Steckverbindungen mit der Beschriftung In beziehungsweise Out sowie eine mit TX/RX zu erkennen. Laut Handbuch lassen sich die Out-Verbindungen mit einem Listen-Modul (Listen I/O, Listen Four oder Listen Four Quarters) oder einem Wav-Recorder-Modul verbinden. Dadurch besteht eine Audio-Signalverbindung, ohne dass Patch-Kabel verwendet werden müssen.
Stereo Width
Dieser Bereich wird im Handbuch zuerst aufgeführt und ermöglicht es, aus einfachen Mono-Signalen einen Stereo-Sound zu erzeugen. Das Verhalten des Width-Reglers ändert sich je nachdem, ob ein Stereo-Signal oder lediglich links ein einzelnes Signal anliegt. In diesem Fall wird ein Mono-Modus aktiviert.
Dabei kann das Gerät einen Haas-Effekt erzeugen und das Signal anschließend im Mid/Side-Modus weiterverarbeiten. Beim Haas-Effekt wird das Signal dupliziert. Beide Signale werden im Panorama nach links beziehungsweise rechts außen positioniert und eines davon wird leicht verzögert, sodass ein Stereo-Effekt entsteht.
Das Handbuch erläutert detailliert, was beim Aufdrehen des Width-Reglers geschieht. Im unteren Regelbereich werden die Signale zunächst noch zu einem Mono-Signal zusammengemischt. Dieses Verhalten verändert sich anschließend stufenlos. Ganz gegen den Uhrzeigersinn gedreht befindet sich der Regler wiederum in einer Art dritter „Bypass“-Position.
EQ
Die EQ-Sektion bietet Low- und High-Shelving sowie ein Mittenband und ein Hochpassfilter. Die Umschaltmöglichkeiten sind zahlreich und bewirken mitunter mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. So lässt sich der Regelbereich zwischen ±5 dB und ±15 dB umschalten. Diese Einstellung wirkt sich zudem auf die Flankensteilheit des Hochpassfilters aus (6 dB/Okt. gegenüber 18 dB/Okt.).
Für das Hochpassfilter lässt sich außerdem eine Frequenz wählen (50, 80, 160 oder 300 Hz), die über eine leuchtende LED angezeigt wird. Der High-Shelving-EQ arbeitet fest bei 10 kHz, während für das Low-Shelving- und das Mittenband ebenfalls sechs Frequenzen zur Auswahl stehen.
Die Reihenfolge des Routings innerhalb der EQ-Sektion lautet übrigens: High Pass, Low Shelf, Mid und High Shelf.
Kompressor/Limiter
Der Kompressor kann wahlweise mit einem Verhältnis von 3:1 oder 10:1 arbeiten. Ob eine Gain-Reduction aktiv ist, zeigt eine Pegelanzeige mit immerhin neun LEDs an, die in drei Farben leuchten können.
An Regelmöglichkeiten stehen Amount, Gain und Dry/Wet-Mix zur Verfügung. Der Amount-Regler entspricht im Prinzip einer Threshold-Einstellung und erhöht die Empfindlichkeit des Kompressors. Durch die Möglichkeit, den EQ im Routing vor dem Kompressor zu platzieren, ergeben sich zusätzliche indirekte Eingriffsmöglichkeiten in dessen Ansprechverhalten.
Der Gain-Regler erlaubt einen Pegelbereich von minus unendlich bis plus 40 dB. Logischerweise sind dabei auch deutliche Verzerrungen möglich, was durch eine zusätzliche Clip-LED angezeigt wird.
Praxis und Klang
Das 4ms Leveling EQ Amplifer Eurorack Modul erfüllt seine Aufgaben insgesamt ziemlich gut. Manchmal war ich allerdings etwas überrascht, wie stark ich den Pegel anheben musste, um tatsächlich in den Kompressionsbereich zu gelangen. Die möglichen +40 dB Gain möchte man nicht immer ausreizen, da dadurch gegebenenfalls auch Rauschen oder Clipping verstärkt werden. Mitunter hatte ich das Gefühl, dass der Kompressor etwas früher hätte reagieren können. Möglicherweise wird die Amount-Empfindlichkeit noch angepasst, eine Firmware-Version 1.1 ist bereits angekündigt.
Immerhin war es mithilfe der Verstärkung möglich, direkt aus dem Kopfhörerausgang eines Laptops in den LEQA zu gehen. Zudem lässt sich durch eine Änderung des Routings der EQ vor den Kompressor schalten, was ebenfalls hilfreich sein kann.
Die folgenden Klangbeispiele demonstrieren verschiedene Klangexperimente. Im Beispiel „Comp2“ wird das Signal zwischenzeitlich sehr leise, da der Kompressor an dieser Stelle auf Bypass steht. Im Beispiel „Comp“ werden Drumloops aus dem Laptop in den LEQA gespeist. Gleiches gilt für das anschließende EQ-Beispiel, in dem ich die Wirkung der Filter demonstriere und gegen Ende auch die Stereobreite über den Width-Regler reduziere.
„Gain # Stereo“ lässt die entstehenden Verzerrungen hören. Der Stereo-Effekt zeigt hier zunächst jedoch keine Wirkung, da das Ausgangssignal dafür keine geeigneten Informationen enthält. Das Beispiel „Mono to Stereo“ demonstriert anschließend, wie aus einem ausschließlich links eingespeisten Mono-Signal ein deutlich breiter wirkendes Stereobild entsteht.
Die EQs können durchaus kräftig eingreifen, besonders wenn man die ±15-dB-Option wählt und den EQ-Level vollständig aufdreht. Einzig beim High-Shelving-Regler hätte ich mir gewünscht, die Frequenz auswählen zu können. Er greift relativ hoch ins Frequenzspektrum ein, sodass sich der Höhenbereich nur eingeschränkt differenziert bearbeiten lässt. Andererseits kann man durch eine Absenkung schnell einen weniger „grellen“ Klang erzielen.
Mit dem Width-Regler lassen sich angenehme Verbreiterungseffekte erzeugen. Führt man einem Stereo-Synth-Modul ein Signal ohne Stereoanteile zu, sollte dieses nur in den linken Eingang des 4ms Leveling EQ Amplifer Eurorack Modul geroutet werden, um die Stereoeffekte nutzen zu können.
Ein Problem im Eurorack ist immer wieder der verfügbare Platz und wie bereits erwähnt, sind Dynamik-Prozessoren bislang eher eine Rarität. Ich habe beispielsweise von Audioscape einen Kompressor in meinem modularen Synthesizer-System, der einem SSL-Bus-Kompressor nachempfunden ist, und möchte ihn nicht mehr missen. Er hilft sehr oft dabei, meine modularen Synthesizer-Experimente klanglich abzurunden und insgesamt besser klingen zu lassen.
Der digitale LEQA kann natürlich nicht mit dem Charakter dieses elektronischen Meisterwerks mithalten. Dafür ist er günstiger, benötigt weniger Platz und bietet zusätzliche Funktionen sowie die Möglichkeit, angenehme Verzerrungen zu erzeugen.
Im Handbuch werden einige Beispiele aufgeführt, für die sich der LEQA besonders gut eignet. Recht bekannt ist der sogenannte Pultec-Trick. Dabei wird das Signal zunächst mithilfe eines High-Pass-Filters von störenden Geräuschen oder Frequenzen befreit. In einem zweiten Schritt hebt man Bassfrequenzen wieder an, die zuvor herausgefiltert wurden. Im Idealfall bleiben die Störgeräusche beziehungsweise Störfrequenzen dabei reduziert, da nur die gewünschten Bassanteile angehoben werden. Das funktioniert mit dem LEQA ebenfalls, da das High-Pass-Filter am Anfang des Signalflusses eingreift.
Videos
Hier noch ein kleines Begleitvideo zum 4ms Leveling EQ Amplifer Eurorack Modul:
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Und hier ein Link zum Interview mit Dan Green auf der Superbooth 26:
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EQ & Compressor im Eurorack sind ja nicht neu und auch wichtige Bausteine für das Sounddesign. Die Stereobreite ist ein anderes Thema. Gut, wenn SIe auf eine EInzelstimme oder max auf den Bus begrenzt ist, aber da muß man wirklich aufpassen (Phasenverschiebungen, Auswaschungen) und das ist nicht so einfach und muß wohl dosiert werden.
Auch die Funktionseinschränkungen beim Compressor sind für mich der Grund, warum ich lieber EQ, Comp separiert habe.
Ich hatte den 4MS Leveling EQ Amplifier da und hab ausgiebig getestet… und schlußendlich zurückgesendet. Lieber die Funktionen separat, wie von Vorredner schon angemerkt. Das was mich am meisten gestört hat war der für mich nicht besonders gut klingende Kompressor (im Vergleich zu meinem Voicas LEDpressor und dem Cosmotronic Messor, klingen beide musikalischer für meine Ohren wobei da natürlich unterschiedliche Features auch ihren Teil dazutun) und der feste High-Shelving-EQ bei 10 kHz (den hätte ich gerne variabel in der Frequenz). Die Stereo-Weite fand ich dagegen ein nettes Feature, mit dem sich auch klanglich was anfangen ließ.
Ich bin nun am schauen nach einem separaten EQ (im Eurorack). Empfehlungen?