Super Klang, super einfach
4Pockets Oscidia ist ein Wavetable-Synthesizer mit subtraktiven und additiven Oszillatoren und Phase-Distortion für iPadOS und macOS und stellt bis zu 16 Stimmen bereit. Der Synthesizer ist mit MPE-Unterstützung und Sequencer extrem vielseitig einsetzbar. Wie vielseitig genau, sehen wir im Test.
- Klangvielfalt: Subtraktive, additive und Wavetable-Oszillatoren mit Phase-Distortion und MPE-Support.
- Modulation: Vier LFOs, flexible Hüllkurven (inkl. Fluid Envelope Generator) und umfangreiche Modulationsmatrix.
- Effekte & Sequencer: Integrierte Effekte wie Reverb, Chorus, Delay und ein vielseitiger Arpeggiator mit Zufallsgenerator.
- Bedienung: Intuitive, geradlinige Oberfläche ohne verschachtelte Menüs, schnelle Klanggestaltung möglich.
- Bewertung: Sehr guter Klang und Bedienkomfort, einziger Kritikpunkt: kein separater Browser für Sequenzen.
Inhaltsverzeichnis
4Pockets Oscidia
4Pockets Oscidia ist im Apple App Store für 17,99 Euro als Universalkauf zu erwerben und kann als Standalone oder Audio Unit v3-Plugin betrieben werden. Obwohl es ein AUv3 ist, kann es auch außerhalb der Apple-Produkte mit den „halb-kompatiblen“ DAWs, wie Cockos Reaper oder FL Studio etc., die nur AUv2 unterstützen, benutzt werden. Ableton Live 12 unterstützt ja explizit AUv3s. Die App lief problemlos unter iPadOS 16 und macOS 13.
Klangerzeugung
Die Oberfläche von 4Pockets Oscidia ist zunächst in die zwei Hälften „Klangerzeugung“ und „Modulation“ unterteilt. In der ersteren Hälfte finden sich die Reiter für die drei Oszillatoren pro Stimme, den Rauschgenerator und die „Performance“ mit Verstärker- und Filterhüllkurven sowie dem VCA-Mixer.
Jeder der drei Oszillatorreiter ist identisch aufgebaut und bietet neben dem subtraktiven Synthesemodell mit den vier Grundschwingungsarten plus Super-Saw, Super-Rechteck auch Wavetable, Additiv und Off. Jeder der Modi bietet seine spezifischen Parameter, doch alle bieten eine Kombination von Wave-Folding (Sinus/Dreieck), Cross-Modulation oder Ringmodulation.
Im Wavetable-Modus können über den Wavetable-Manager natürlich auch eigene WAV-Dateien importiert und exportiert werden. Beim Importieren ist darauf zu achten, dass die Dateien eine Länge von 256, 512, 1024 oder 2048 Frames besitzen. Die Frame-Zahl wird einfach an den Namen mit Unterstrich angehängt, z.B. Sample_512.wav.
Beim „normalen“ additiven Modus werden die Teiltöne (Partials) und deren inharmonische und harmonische Anteile eingestellt und zum Schluss gibt es noch eine spektrale Balance (Tilt). Die beiden anderen Modi FM1 und FM2 sind speziell auf „metallische“ und „glockige“ sowie „glasige“ Timbres abgestimmt.
Modulation
Hier gibt es Reiter für LFO, VCF, Hüllkurven, Modulationsmatrix, Effekte und Sequencer.
Es werden vier identische LFOs geboten, deren Schwingungsform in sehr praktischen Displays immer alle gleichzeitig dargestellt werden. Es gibt zwar leider keine Startphase, aber immerhin eine Option für Re-Trigger und eine eher seltene Option, um die Oszillatoren mit dem Noteneingang zu synchronisieren. Die LFOs können auch in üppigen Schritten zwischen 1/1 und 1/64 Taktmaß synchronisiert werden. Ansonsten beträgt die Frequenz bis zu 32 Hz.
An Schwingungsformen gibt es jedoch nichts Aufregendes an sich, aber ein paar Optionen, um die geringe Auswahl auszugleichen. Da wäre erstmal die Wahl zwischen bipolaren und unipolaren Schwingungen, dann die Regler für Delay zur zeitbasierten Startverzögerung des LFOs bei Noteneingang (funktioniert nicht im Zusammenspiel mit Note-Sync) und Attack für eine Einblendphase der Amplitude des LFOs. Der Smoothing-Parameter schleift sozusagen die Spitzen der Schwingungsformen ab, bis z. B. aus einer Dreiecksschwingung ein Sinus wird.
Filter & Hüllkurve
Der VCF-Reiter bietet mit VA-, SEM-, Moog-Ladder-, Formant- und MS-20-Filtertypen deutlich mehr Variation. Neben einer wählbaren Flankensteilheit von 12 und 24 dB/Oktave werden auch Hüllkurvenmodulation, Keytracking und Morphing geboten. Letzteres bestimmt bei jedem Filter die Form und lässt sich stufenlos von Tiefpass zu Bandpass zu Hochpass umblenden. Ein zusätzlicher Low-Cut kann die Frequenzen unterhalb von 250 Hz dämpfen.
Beim Hüllkurvenreiter findet sich die ADSR-Verstärkerhüllkurve, -Filterhüllkurve und die freien ADSRs, 3 und 4. Für diese besteht noch die Option, auf FEG – Fluid Envelope Generator umzuschalten, und hier wird es interessant.
Nicht nur können hier „beliebig viele“ (mehr als 30) Hüllkurvenpunkte hinzugefügt und per Halten-und-Ziehen positioniert werden, der FEG bietet auch einen frei einstellbaren Loop-Bereich in Sekunden und eine Ping-Pong-Funktion.
Matrix
Die XY-Matrix bietet 15 Quellen, die auf 45 Ziele geschaltet werden können. Die Verbindungen werden durch einfaches Tippen/Mausklick gesetzt und mit einem Ziehen nach links/rechts wird die negative/positive Modulationstiefe eingestellt.
Die Matrix kann vertikal durchrollt werden, was nicht unbedingt die übersichtlichste oder schnellste Lösung ist, da man so schnell einen Eintrag übersieht. Gruppierte Seiten, wie beim Sequencer hier, wären eventuell auch besser. Aber das ist nichts, was man wirklich kritisieren könnte.
Anmerkung: In Version 1.0.3 gibt es noch einen Fehler in der Matrix bezüglich FEG 1 und 2. Die ursprüngliche Idee war, alle Hüllkurven als FEG auszulegen, was für Verstärker und Filter dann doch nicht so gut war. So sind mit den Einträgen FEG 1, 2 dann auch natürlich die ADSR-Hüllkurven für Amp und Filter gemeint. Bei Erscheinen dieses Tests wird dieser Fehler wahrscheinlich schon korrigiert worden sein.
Effekte & Arpeggiator
An internen Effekten gibt es Reverb, Chorus, synchronisierbares Delay, einen Haas-Effekt und einen sehr ausführlichen Stereo-Phaser mit bis zu sechs Stages.
Der Sequencer ist zwar eigentlich „nur“ ein Arpeggiator, aber dafür sehr umfangreich und es gibt auch gleich drei davon.
Jede Arp-Sequenz ist bis zu 16 Schritte lang und in drei Parameterseiten aufgeteilt. Auf Seite 1 gibt es relative Tonhöhe (+/- 12 Semitöne), Anschlagsstärke, Wahrscheinlichkeit und Notenlänge. Auf Seite 2 gibt es Filter-Cutoff, Filter-Morph, Schrittwiederholung und Schritt-Tie (Glide/Portamento). Auf Seite 3 sind die Mischanteile von Oszillator 1 bis 3 und der Submix arpeggierbar.
Dazu kommt ein sehr ausführlicher Zufallsgenerator, mit dem sich die Sequenzen nicht nur erstellen, sondern auch sehr molekular verändern lassen. Diverse Abspielrichtungen inklusive „Drunk“ und Akkord sowie Verteilung über mehrere Oktaven und eine Unmenge an Tonarten sorgen für weitere Abwechslung.
Der Browser von Oscidia bietet den gewohnten 4Pockets-Komfort, aber leider mit dem getrennten Abspeichern der Sequenzen.
Die Audiodemos wurden alle auf -6dBFS normalisiert.











































Na Hallo,
das klingt gut. Ob das GUI mir gefällt weiß ich wohl erst, wenn ich mir dieses Plugin zu Gemüte führe…
Danke für diesen guten Artikel!😁
Das virtuelle Gerät macht viel Freude! Es stürzt bei parallem Spielen aller 3 Sequencer ab, sobald es von POLYPHONIE auf MONO gestellt wird.
Logisch, denn MONO können nicht alle 3 Sequencer bedient werden.
Das ist zu verzeihen, denn ich war so frech, mir zu erlauben, mich wie ein Dussel zu geben. Evtl. ist es trotzdessen für 4Pockets möglich die Änderung „auszugrauen“, um dieses Verhalten zu umgehen…
Danke für dieses einfache und genial-virtuelle Instrument.😀