Nostalgie im aktuellen Software-Gewand
Aaron Ruthledge Tweakbench ist eine bunte und wilde Sammlung von 36 Effekten und Klangerzeugern, die Anfang der 2000er erschienen, fit gemacht für die heutigen Anforderungen. Hier wird also nicht nur digitales Retro und LoFi für abwegigen Sound angeboten.
Was ist es? Aaron Ruthledge, Tweakbench Bundle, Plug-in-Collection, Sammlung aus 36 Retro-Effekten und Instrumenten für modernes Sounddesign.
- Umfang: 36 Plug-ins mit 20 Instrumenten und 16 Effekten, inklusive kreativem 1-Knob-Kitchen-Bundle.
- Sound: Breites Spektrum von LoFi, Chiptune und Glitch bis hin zu druckvollen Bässen und komplexer FM-Synthese.
- Konzept: Neu in C++ programmierte Retro-Plug-ins ohne Kopierschutz, mit lebenslangen Updates.
- Preis: Einzel-Plug-ins günstig, Bundle besonders attraktiv im Vergleich zur Konkurrenz.
- Fazit: Kreative, eigenständige Sammlung mit starkem Nostalgiefaktor und sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Inhaltsverzeichnis
Aaron Ruthledge Tweakbench
Die originalen Plug-ins aus dem Jahr 2002 waren kostenlos, weil sie mit dem Programm SynthEdit erstellt wurden, was mit wenig Aufwand zu erledigen war. Um sie für die heutigen Anforderungen fit zu machen, wurden die Plug-ins alle in der Programmiersprache C++ neu geschrieben, was dann schon ungleich aufwendiger war und sich auch irgendwie im Preis niedergeschlagen musste.
Die Aaron Ruthledge Tweakbench Plug-ins sind für Desktops (Linux, macOS, Windows) als Universal Binary in den jeweiligen Formaten Audio Units, VST3 und CLAP-Format verfügbar. Der Kauf beinhaltet lebenslange Updates. Außer dem Kundenkonto zu Verwaltung der Käufe gibt es keinen Kopierschutz.
Auf der Website des Herstellers kosten die einzelnen Plug-ins zwischen 5,- und 10,- USD (ca. 4,50 bis 9,- Euro). Das komplette Bundle gibt es für 60,- USD (ca. 54,- Euro).
Auf iOS ist Tweakbench Studio bisher nur als Komplettpaket mit allen Plug-ins im AUv3-Format für einen Preis von 79,99 Euro im Apple App-Store zu haben. Es sind aber In-App-Käufe für die Einzel-Plug-ins geplant. So kann man sich dann auch hier seine Kirschen herauspicken.
Dank Universalkauf sind die Plug-ins auch auf dem Mac in AUv3-kompatiblen DAWs und Hosts (GarageBand, Logic, Ableton 12, Sessions) verfügbar. Die AUv3 sind (noch) AUv2-kompatibel, so dass sie auch in anderen DAWs wie Reaper laufen. An Parametern ist so ziemlich alles automatisierbar.
Die Werkbank
36 Plug-ins bedeutet bei Aaron Ruthledge Tweakbench Studio: 16 Effekte und 20 Instrumente. Darunter ist auch das Kitchen-Bundle, eine Sammlung von neun Plug-ins mit nur einem Regler.
Drums
- Arsenal – 8 Bit Retro Drum-Synthesizer
- Dropout – Sample-basierter Granular-Effekt und Slicer für perkussive Klänge mit Step-Sequencer
- Minerva Granular-Generator speziell für perkussive Klänge.
- Papaya – Wavetable-basierter Mallet-Synthesizer speziell für Steel-Drum und verwandte metallische Percussion-Instrumente.
- Pounder – 1-Knob-Kitchen Bundle – 808-artige Kick-Drum als passende Ergänzung z. B. für Arsenal oder Toad
- Toad – Drum-Computer, basierend auf der NES-Spielekonsole
Sampler
- Field – Multisampler mit Field-Recording-Sample für authentische Ambient-Hintergründe. Samples von Shawn Hatfield.
- Looms – polyphoner Slicer
- Yoink – Live-Sampler mit Zuschnitt, rückwärts, Delay und Tonhöhe
Synthesizer
- Carillon – Wavetable-basierter Synthesizer speziell für glockenartige Klänge
- Griddie – 1-Knob-Kitchen Bundle – Suber-Saw-Oszillator
- Monomate – monophoner Retro-Synthie speziell für Bass.
- Padawan – Synthesizer speziell für Flächen und Ambient. VCO und Wavetable.
- Pippo – Selbstoszillierendes Delay-Array – gut für Piano oder Saiteninstrumentklänge.
- Pressure – Bass-Synthesizer mit einzeichenbaren Hüllkurven bis vier Takten Länge
- Saffron – FM-Synthe mit 6 Operatoren
- Ritual – VCO-basierter Synthesizer speziell für fetten Bass.
- Rebar – ein Wavetable-Synthesizer mit einzeichenbarer Schwingungsform.
- Tapeworm – Mellotron Tape-Synthesizer mit neuen Version von J.P. Hovercrafts originalen Samples
- Triforce – Synthesizer, lose basierend auf de NES-Spielekonsole
Effekte
- Breakdown – Filtereffekt mit Step-Sequencer
- Cairo – taktsynchronisierter Gate-Effekt mit Hüllkurven für Audio
- Cobweb – Multi-Effekt (Rauschen, Wobble, Sättigung, Hall, Tape)
- Emulsifier – 1-Knob-Effekt – digitales Tape-Delay
- Grinder – 1-Knob-Kitchen Bundle – Bitcrusher
- Grumblebum Stereoeffekt der eingehendes Audio für den internen Synthesizer benutzt.
- Kettle – 1-Knob-Kitchen Bundle – Reverb
- Maelcum – Tape-Delay mit kontrollierbarem Rauschen
- Mashup – Delay-Effekt bis max 10 Sekunden mit Step-Sequencer
- Mincer – 1-Knob-Kitchen Bundle – synchronisierter Chopping-Effekte
- Pudding – Granular-Delay mit Taktsynchronisation und Zufallssteuerung
- Sideslip – granularer Pitchshifter mit internen Sequencer
- Strainer – 1-Knob-Kitchen Bundle – Moog-artiges Tiefpass-Ladder-Filter
- Toaster – 1-Knob-Kitchen Bundle – Tonbandsättigung
Da die Kitchen-Effekte keinen Mix-Regler haben, sind diese natürlich am Besten auf einem Send-Kanal aufgehoben.
Alle 36 Plug-ins zu besprechen, würde den Rahmen dieses Tests sprengen, deswegen hier eine kleine Auswahl:
Tweakbench Looms
Der polyphone Sample-Slicer bietet bis zu 32 Slices, die fix über die Länge des geladenen Samples verteilt sind. Da fällt der Verdacht natürlich sofort auf „Beats“. Aber das ist nicht alles. Natürlich ist es eine Einschränkung, aber eine kreative. Denn um aus bekanntem Material etwas Neues zu machen, muss man auch mal loslassen können, auch bei der Perfektion.
Hier kommt vor allem die Kombination von Slice-Anzahl, STRETCH-Regler (Tonhöhe) und die (optionale) Westcoast LPG-Hüllkurve zum Einsatz und schon lassen sich neue Klangtexturen weben.
Die Slices können per umfassendem, internem Sequencer ausgelöst werden, wobei sich nicht nur die Reihenfolge der Slices festlegen lässt, sondern auch u. a. auch die Step-Tonhöhe – oder man triggert die Slices per MIDI.
Tweakbench Saffron
FM-Synthese kann es nicht ohne eine Referenz zum Yamaha DX7 geben, so scheint es. So gibt es auch hier einen FM-Synth mit sechs Operatoren und voller Kompatibilität zur FM-Ikone. Alle sechs Operatoren sind identisch aufgebaut und in der Titelleiste kann zwischen 32 möglichen Signalpfaden umgeschaltet werden. So bleibt Saffron trotz der Fähigkeit zu einem komplexen Klang immer sehr übersichtlich.
Tweakbench Grumblebum
Ist es ein Effekt oder ein Synthesizer? Grumblebum ist ein Zwischending, das ein eingehendes Audiosignal nutzt, um den internen Synthesizer zu speisen. Das Ergebnis kann von leichter analogartiger Sättigung bis zu Kreide-auf-Schiefertafel-Verzerrung reichen und sich trotzdem gut anhören.
Zum Glück haben im Übrigen alle Effekte einen Mix-Regler. Dosierung ist eben alles.
Tweakbench Pressure
Bei diesem Plug-in gibt es nicht nur mächtige Bass-Synthesizer, sondern auch ordentliche Sub-Bässe. Da flattern die Hosenbeine* (*abhängig vom Audiointerface und den Lautsprechern), dass einem Angst um die Lautsprecherkalotten wird.
„Bassierend“ auf einem Super-Saw-Oszillator kommt dieser Synthesizer auch noch mit frei einzeichenbaren Hüllkurven für 12 Parameter, die alle individuell zwischen einem halben und vier Takten lang sein dürfen.
Markt
Von der ästhetischen Bandbreite zwischen krassem LoFi und Glitch bis zur kristallenen Brillanz, die hier geboten wird, sind alle Plug-ins auch heute sehr gut in den verschiedensten Genres einsetzbar. Ob für die iPhone-Generation die Nostalgie eine größere Rolle spielt, sei mal dahin gestellt. Aber der Gritty-Vibe weiß definitiv zu gefallen und bietet genug Eigenständigkeit und Unkonventionalität, um auch zwischen den oftmals kaum jüngeren Instrumenten und Effekten von Audio Damage (gegründet im Jahr 2002) oder Eventide (1971) seinen Platz zu finden.
Auf Desktop-Computern dürfte die Nostalgie hingegen eine größere Rolle spielen, aber dennoch halten die „Kindheitserinnerungen“ an Tweakbench dem Zeittest stand, selbst wenn die Konkurrenz (z. B. Soundtoys (1986)) bei der Off-The-Road-Kreativität auch nicht gerade geschlafen hat. Preiswerter ist Tweakbench Studio allemal und verzichtet dazu auf jeden Kopierschutz.
Sonstiges
Mit Tweakbench Studio 4.0.260321 skalieren die Plug-ins nun anständig in der Host-Software auf Mac und iOS.










































Super interessant. DX-FM mit 72 Parametern, davon 48 EG Parameter, das muss doch für jeden beherrschbar sein. Auch die anderen Plugs sind interessant. Ich sehe zum ersten Mal, dass die iOS Version teurer als die Desktop Version ist.
Alleine der Preis überzeugt mich, ungesehen zu kaufen. So was sollte man grundsätzlich supporten
Pudding – Granular-Delay mit Taktsynchronisation und Zufallssteuerung.
Na dann mal guten Appetit 😂
Aber ernsthaft. Viel denen dbzgl. kein anderen Name ein? So lange das Plugin einen guten Job macht soll der Name mehr oder weniger egal sein. Noch kurioser ist der Wurstsynthesizer mit Wurstgerichten als Presets. Hier dachte ich zuerst wirklich an einen Scherz. – Weit gefehlt. Den gibt’s tatsächlich, auch wenn er nicht gut klingt.
Da könnte wirklich das ein oder andere richtig interessante Plugin dabei sein, das muss ich mir mal genauer anschauen.