Test: Ableton LIVE 8

Neue Zoomfunktion
Die Darstellungsgröße der Arbeitsoberfläche von LIVE lässt sich nun im Optionen Menü unter „Look and Feel“ in Prozent einstellen. Gut etwa zum Beispiel für kleine Bildschirme, um mehr Spuren darstellen zu können. Allerdings hätte ich mir die Zoomfunktion im Hauptfenster gewünscht und nicht in den Voreinstellungen.

Fades/Crossfades
Endlich gibt es automatische Fades und Crossfades. Im Arrangementfenster lassen sich benachbarte Clips mittels Kreuzblende überlappen. Im Optionen Menü kann festgelegt werden, dass Clips automatische Fades am Anfang und Ende bekommen. Diese lassen sich nach Belieben verlängern und verkürzen, außerdem lässt sich die Kurvenform durch Änderung des Slope-Stützpunktes anpassen. Im Arrangementfenster tauchen diese Fades optisch in den Wellenformen auf. Wirklich sehr gelungen und sinnvoll. Schade nur, dass Fades standardmäßig auf 4ms eingestellt sind. Dies lässt sich nicht selbst vordefinieren, sondern muss pro Fade manuell geändert werden, falls gewünscht. Wichtig: Fades beziehen sich auf die Länge eines Clips! Ist ein Clip im Arrangefenster geloopt, so wirkt sich die Blende nur innerhalb der Clipgrenzen aus. Daraus folgt logischerweise, dass Fades eine Clip-Option sind und nicht Bestandteil des Arrangement Fensters.

Fades im Arrangement

Fades im Arrangement

Group Tracks
MIDI- und Audiospuren lassen sich ähnlich wie Drumspuren in Gruppen zusammenfassen. Damit kann man sich mehr Übersicht und Ordnung in der Session- und Arrangementansicht verschaffen.

Multi Editing
Es können mehrere Spuren gleichzeitig in den gleichen Mixer- oder Routingparametern editiert werden. Dazu werden die entsprechenden Spuren angewählt. Ändert man nun zum Beispiel die Lautstärke einer Spur, ändern sich alle anderen Lautstärkewerte mit.

Looper
Ein klassischer Gitarreneffekt, möchte man meinen. Denn bislang kenne ich diese Funktion nur als Bodentreter für Gitarristen. Ableton holt dieses durchaus nützliche Werkzeug mit ins Boot.
Es lässt sich Audio über einen oder mehrere Takte aufnehmen und anschließend endlos in einer Schleife wiedergeben. Währenddessen können beliebig viele Overdubs gemacht werden, um einen vielschichtigen Loop zu erzeugen. Dieser kann als eigenständiger Clip exportiert werden. Dank Undo/Redo Funktion können Overdubs rückgängig gemacht werden, die seit dem letzten Drücken der Overdub Taste gespielt wurden. Ein einfacher Klick auf den großen Taster im Plug-in wechselt zwischen der ersten Aufnahme und dem Wiedergabe/Overdubmodus. Somit ist das Bedienen von Looper ausgesprochen einfach. Looper ist sicherlich nicht nur für DJs und Livemusiker auf der Bühne interessant, sondern auch im Studioalltag, um neue, vielschichtige Sounds zu kreieren.

Looper

Looper

Vocoder
Ein freudiges Lächeln durchblitzte mich als ich las, LIVE 8 bekommt einen Vocoder spendiert. Und ich kann sagen, er enttäuscht mich nicht.
Als Trägersignal stehen Noise, External, Modulator und Pitch Tracking zur Wahl. Modulator benutzt sich selbst als Trägersigna,l um eine resynthetisierte Version des Ausgangsmaterials zu erzeugen. Noise ist der interne Rauschgenerator und erzeugt in Abhängigkeit von den in der X-Y-Matrix eingestellten Werten ein mehr oder weniger intensives Rauschen. External erlaubt, jedes andere Signal als Carrier einzuschleusen über die LIVE-typischen „Audio From“ – Menüs. Pitch Tracking startet einen monophonen Oszillator, der seine eigene Stimmung an die Tonhöhe des Ausgangsmaterials anpasst. Das funktioniert natürlich nur dann sauber, wenn das Modulatorsignal nicht mehrstimmig ist. Eine Sägezahnwelle  und drei Pulswellen stehen zur Verfügung. Mit dem Pitch Parameter kann die grobe Stimmung eingestellt werden, der Oszillator folgt dem Modulatorsignal bei jeder Tonhöhenänderung automatisch. In meinen Selbstversuchen empfand ich diese Funktion allerdings als sehr träge.
Der Enhance Taster sorgt für ein helleres Klangbild, wenn das Trägersignal nicht genug Höhen liefert. Unvoiced ist ein zusätzlicher Rauschgenerator, der zur Bildung stimmloser Klanganteile, wie „f“ und „s“-Laute herangezogen werden kann.

In der Mitte des Displays werden die Bänder in Spektrum und Amplitude dargestellt, können frei eingezeichnet werden und lassen sich dem Modulatorsignal anpassen. Der Bandwith Parameter regelt die Bandbreiten der einzelnen Filterbänder. Kleine Werte bedeuten, dass jedes Band eine einzelne Frequenz bearbeitet. Große Werte dagegen führen bis zu einer Überlappung der Bänder und damit zu einem genaueren Analysesignal. Werden weniger Bänder benutzt, so spart das Rechenleistung. Mit Precise/Retro wird das Verhalten der Filterbank beeinflusst. Im Precise Modus besitzen alle Bänder die gleiche Lautstärke und Bandbreite. Im Retro Modus werden die höheren Bänder enger und lauter. Formant verschiebt die gesamte Filterbank nach oben  oder unten und beeinflusst damit maßgeblich das Klangbild am Ausgang. So können im klassischen Vocoderbetrieb Stimmen zwischen „männlich“ und „weiblich“ klingend verschoben werden.
Vom Klangeindruck her bin ich sehr zufrieden, und er lässt sich genauso intuitiv bedienen wie der EVOC von Logic oder NI Vocoder.

LIVE 8 Vocoder

LIVE 8 Vocoder

Limiter
Endlich hat LIVE einen Brickwall-Limiter! Er ist mit den nötigsten Funktionen ausgestattet, nicht mehr und nicht weniger. Noch eine der Werkzeuge, die ich in LIVE vermisst habe.

Klangbeispiele
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